Es ist: 24-01-2020, 03:16
Es ist: 24-01-2020, 03:16 Hallo, Gast! (Registrieren)


Leergeträumt
Beitrag #11 |

RE: Leergeträumt
Hey Meluse,

toll geschrieben, hinter den interessant aufgemachten Zeilen verbirgt sich ungeheures Gefühl. Das merkt man beim Lesen.

"es muss
irgendwo
noch ein anderer
lebender Traum sein"

Nach einer nach Nüchternheit bemühten Aufzählung kann das lyrische Ich seine Verzweiflung nicht mehr zurückhalten. Aber diese Verzweiflung wird hinuntergeschluckt, denn es will sich irren, lässt die Wahrheit nicht an sich heran.
Ein schönes Gedicht,

Blatt


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Beitrag #12 |

RE: Leergeträumt
Hallo Blatt,

vielen Dank für deinen netten Kommentar. Ich freue mich sehr, dass du das Gefühl in diesem Gedicht gespürt hast. So ein Feadback ist immer wichtig für mich, denn wenn ein Gedicht nur hübsch klingt, den Leser aber nicht berührt, dann hat man höhst wahrscheinlich etwas falsch gemacht. Icon_rolleyes
Mit der Verzweiflung hast du Recht. Das Ich versucht seine ganze Umwelt nüchtern und gefühlslos aufzunehmen, doch das klappt nicht, weil die Verzweiflung um den Verlust der Traumes zu stark ist. Es hofft zwar darauf noch einen anderen lebenden Traum zu finden, doch diese Hoffnung wird auch von einer Hofflungslosigkeit begleitet. Es weiß halt nicht, ob es noch hoffen soll oder nicht.
Nochmals danke für deinen Kommentar.

Liebe Grüße,
Meluse


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Beitrag #13 |

RE: Leergeträumt
Hallo Meluse.

Ein sehr düsteres Bild, was Du hier zeichnest. Die Flut nicht als Tidezeit, die in gewohnter Manier vorbeischaut, sondern als apokalyptische Flut biblischen Ausmaßes. Allerdings gibt es in diesen Bildern nichts mehr, wofür es sich lohnen würde, eine Arche zu bauen.

Dann die eigentliche unsichtbare Kehrtwende, in dem das lyrIch ein Du an der Seite hat. Es klingt dort wie "Fünf Minuten vor zwölf", und das Ende kommt sowieso regelmäßig zu spät. Die herbeigesehnte finale Katharsis als fernes Himmelsgespinst, als Fata Morgana - daher der Wunsch an die lästige Schwerkraft, sie endlich zu vergessen. Als würde nur diese die beiden Protagonisten auf dem Boden der Tatsachen halten.

So wie das LyrIch auf mich wirkt, wäre selbst das Ablegen planetarer Fesseln keine Erlösung. Zu weit fortgeschritten scheint mir die Desillusion, die Traumleere, kurz: Das Ende der Kunst an sich. (In dem Gedanken findet sich nicht nur die motivationslose Leere eines Einzelnen, sondern auch die Phantasielosigkeit eines Tippenden.)

Schlussendlich outet sich das LyrIch als Traum, der nicht mehr träumen kann und auch nur noch zarte Hoffnung auf einen anderen Traum hat. Wobei im letzten Vers eine Menge mitschwingt: Hoffnungslosigkeit und letzte Reste der Hoffnung, wenn das LyrIch denkt, dass es sich bezüglich der Flut auch irren könnte.

Ich finde es gelungen, vor allem, weil ich mir so das Ende der Kunst, des Schreibens, des Seins tatsächlich so vorstelle: Karge Landschaften, trockene Flüsse und Seen. Alles bereit für einen Neustart, aber die Apokalypse kommt einfach nicht.

Hoffe, Du kannst was mit den Gedanken anfangen. Icon_wink

LGD.


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Beitrag #14 |

RE: Leergeträumt
Tja Meluse,

"Leergeträumt", leergeräumt die Räume des Lyrikateliers.

Auch was Schönes, Dein Gedicht.

poLet


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