Es ist: 25-10-2020, 16:50
Es ist: 25-10-2020, 16:50 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Tagträumer
Beitrag #1 |

Der Tagträumer
Das ist mir einfach so aus der Feder entglitten, ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Es war einfach da. In lyrischen Dingen bin ich ziemlich unbeholfen, obwohl ich mich manchmal doch wunderbar wirr ausdrücken kann Mrgreen Wie gesagt, ich erwarte keine großen Lobarien, bin selber nicht richtig zufrieden. Vielleicht kann mir jemand Erfahrenes sagen, was ich besser machen sollte. Mal abgesehen davon, dass es irgendwie keinen Takt hat...

Der Tagträumer


Wo die Sonne sie für bunt erklärt, dort seht die Blätter fliegen,
Wo Wasser zu trunkenem Rausche führt, dort seht den Mond niemals siegen.
Wo Stille sich erhebt, Ton zu übertönen, dort seht die Ehrlichen sühnen.

Und wo das sei, fragt ihr, dieser seltsame Ort -
seht in euch selbst nach, in eurem Herze, dort!

Denn wie oft will man doch, getrieben von Neid,
fliehen, irgendwo hin, und hat dazu keinen Schneid?
Und wie sehr wünscht man sich, aus Ärgernis,
wegzugehen, weit weg von Hass und Diss?

Zu den anderen Wiesen, auf geht’s, ihr Lahmen!
Ausnahmsweise kein störrisches Traben,
eilt euch, eilt euch, laufet geschwind
dorthin, wo unsere Träume sind!

Es ist dieser Ort, an dem alles möglich ist,
an dem du frei und besser bist.
Aber sind es wirklich die anderen, die du besiegst?
Oder bist du es, der du verwirrt durch Nebel fliegst?

Oder doch nur ein Schatten so hell,
dass du geblendet dich abwendest schnell?

Doch führe dein Schwert, du kannst es auch blind!
Hier ist kein Ort, wo Blut aus dir rinnt,
sondern du Sieger bist, nur du allein!
Wolltest du nicht immer strahlender sein?
Dann schau doch hierher und sinke ein,
in deine kostbaren Träumereien.

Träume, Visionen? Haltet ein!
Es sollen nicht nur solche sein!
Mein strahlendes Ich, so denn es besteht,
ist es denn nicht Realität?

Stimmengewirr, ein Raum voller Leute -
es sind alle so wie ich, die ganze Meute!
Wo bin ich denn? Mein strahlendes Schwert?
Alles weit weg, und doch unversehrt.
In Gedanken so weit, dass man sich fragt:
Wo ist hier und träume ich grad'?

Und welche Seite ist denn nun Traum?
Etwas Gegensätzlicheres sieht man kaum!
Man fragt sich: Warum denn entscheiden?
Man kriegt doch bestimmt das Beste von beiden!
Aber dann merkt man, gedankenverhangen:
Es ist die Fantasie mit einem durchgegangen!

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #2 |

RE: Der Tagträumer
Hallo Trinity,


bist du extra in die Matrix zurückgekehrt, um dich in Literatopia niederzulassen? Na da bin ich einmal neugierig Icon_wink An dieser Stelle ein verspätetes Willkommen von mir!
In lyrischen Dingen fühlst du dich also unbeholfen? Das macht nichts. Dafür gibt es ja Foren wie dieses hier, das mir auch sehr viel weitergeholfen hat, als ich noch verstammelte Möchtegerngedichte geschrieben habe, sodass ich jetzt ... immer noch verstammelte Möchtegerngedichte schreibe, aber besser! *lach*

Zitat:Das ist mir einfach so aus der Feder entglitten, ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte.
Nicht hinterfragen - freuen Mrgreen

Das Vergnügen hatten wir ja noch nicht, also als Vorwarnung: Ich kann sehr pingelig sein (und heute sehr plapperig), aber selbstverständlich ist alles nur meine Meinung und es bleibt immer dir überlassen, was du übernimmst.
Und um meine alten Gewohnheiten wieder aufzunehmen, fange ich damit an, alles anzumerken, was mir so aufgefallen ist:

=> Wo Stille sich erhebt, Ton zu übertönen, dort seht die Ehrlichen sühnen.
Prinzipiell stolpert die Zeile ein bisschen, weil da eine Silbe fehlt - entweder "den Ton zu übertönen" oder "Töne zu übertönen", das würde sich flüssiger lesen. Wenn du die Zeile aber auch mehr an die beiden davor anpassen willst vom Rhythmus her, würde ich empfehlen, dass du sie kürzt:
"Wo Stille Töne übertönt, dort seht ..." oder etwas in die Richtung. Wobei dein Gedicht rhythmisch nicht wirklich einheitlich ist - natürlich könnte man es ganz umkrempeln und glattbügeln, aber ich finde das eigentlich nicht notwendig.

=> seht in euch selbst nach, in eurem Herze, dort!
Ich wäre für "Herzen", das liest sich genauso flüssig, aber schlichter - "Herze" ist eher ein Wort, das an alte Lyrik denken lässt, für mich passt es hier nicht ganz hinein.

=> weit weg von Hass und Diss?
Hier umgekehrt: "Diss" ist ein zu neues Wort (falls es überhaupt existiert, ich kannte bisher nur "dissen", aber was weiß ich schon Icon_wink), auch das klingt deplaziert. Vielleicht findest du ein besseres? Auch ein unsauberer Reim (wie z.B. "Hass" am Ende der Zeile) würde es tun, du setzt in diesem Gedicht schließlich immer wieder unsaubere Reime ein. ("Unsauber" ist übrigens nicht wertend gemeint.)
"weg" würde ich eventuell durch "fort" ersetzen, es sei denn, die Wortwiederholung innerhalb der Zeile ist beabsichtigt.

=> Zu den anderen Wiesen, auf geht’s, ihr Lahmen! / Ausnahmsweise kein störrisches Traben
Hier ist das Bild verrutscht, soweit ich weiß, traben Lahme eher selten ^^ - und auch "störrisches Traben" finde ich ein bisschen zweifelhaft.

=> Dann schau doch hierher und sinke ein, / in deine kostbaren Träumereien.
Das Komma nach "ein" weg

=> Wo ist hier und träume ich grad'?
Hier würde ich eine kurze Pause einbauen, vielleicht durch einen Gedankenstrich: "Wo ist hier - und träume ich grad?" Oder auch: "Wo ist hier - und: Träume ich grad?"
Der Apostroph nach "grad" kann übrigens weg.

Das war's auf den ersten Blick. Ein paar Wörter hast du noch recht oft drin, v.a. bei "strahlend" ist es auffällig, wenn du willst, kannst du da ja mal andere Bezeichnungen suchen.

Ein ziemlich langes Gedicht, das ist dir wirklich in einem Stück aus der Feder geflossen, wie du sagst? Nicht übel. Da hat dich ja die Muse bzw. der Tagtraum ganz schön geküsst Icon_wink
Dein Tagträumer (oder die Träumerin - "er" ist hier neutral gemeint) scheint ein richtiger Phantast zu sein, ich kann mir gut vorstellen, dass er Fantasy liebt, so kriegerisch wie du seine Träumereien beschreibst - unverletzlich, strahlender Sieger und Schwertträger. Das finde ich interessant, da er sich doch erst an einen Ort ohne Hass flüchten will, aber Kampf ist doch ebenso Aggression? Nun, vielleicht nicht für ihn. Vielleicht ist es mehr Selbsterfahrung und Selbstbeweis, Ausdruck ersehnter Stärke und Einzigartigkeit. Denn der Schwenk zurück in die Realität (ich vermute, er sitzt im Klassenraum) lässt ihn vor allem enttäuscht darüber sein, dass "alle so wie ich" sind, "die ganze Meute". Hier ist er nichts besonderes. Interessant finde ich, dass für ihn Phantasie und Realität schon beinah undefinierbar die Rollen tauschen, bevor er sich klarmacht, dass alles nur ein Tagtraum war - er sollte aufpassen, das kann ungesund werden Icon_wink
Man merkt tatsächlich, dass du eher in der Prosa zuhause bist, denn das hier ist richtiggehend eine Geschichte.

Ein bisschen verworren liest sich das Gedicht noch, der Verlauf ist nicht ganz klar, auch wie du zwischen "ich", "du", "ihr" und "wir" springst - es wird gewissermaßen von einer Aufforderung zu einer Einladung zu einer individuellen Erfahrung. Auch lyrisch holpert es noch ein bisschen, die Bilder verwischen, aber du hast schon gute Ansätze drin.
Besonders zwei Formulierungen haben mir gefallen:

Oder doch nur ein Schatten so hell

Das erinnert mich an den aktuellen Versipuls zum Thema "Gegensätze" *schmunzeln muss* - und ich mag solche Kontraste.

gedankenverhangen

Ein schönes Wort!

Entmutigen brauchst du dich jedenfalls nicht lassen, weder bei deinen Träumereien noch bei deinen Schreibereien. Weitermachen, weiterprobieren, weiterphantasieren - und hier viel Spaß haben Icon_smile

Nächtliche Grüße,


Mira

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #3 |

RE: Der Tagträumer
Hi Mira!

ich bin zurück und ich bin sogar mutiert *lacht*
Ja ja, die verdammten Viren. Leider habe ich in das lyrische Update Fehler eingebaut, wie man eben sieht. Icon_wink
Und: für solche Kritiken bin ich hier, damit kann ich etwas anfangen *freu*
*liest*
Okay, ich überarbeite das Ganze mal - aber nicht so bald ... Ich ersticke in vorgenommenen Werken und Ideen, blöde Ferien. xD
Herzlichen Dank für den Kommi und das Willkommen!

Gruß
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #4 |

RE: Der Tagträumer
Hallo Trinity,

du sagst, dass du dich in lyrischen Dingen unbeholfen fühlst. Und ich fand dein Gedicht auch unbeholfen. Aber ich vermute, dass das eine deiner ersten Gedichte ist, und dafür ist es gut, vor allem inhaltlich.
Das Metrum im Gedicht ist ein Problem, ich hab das Gefühl, dass es zum Teil an der "reim dich oder stirb" Methode gelegen hat. Dafür solltest du noch ein besseres Gefühl bekommen. Für mich sind die Prioritäten klar, zuerst flüssiges Lesen und dann anderes wie Reime oder Stilmittel. Du musst selbst wissen, wie du es am liebsten magst, aber du musst bedenken, dass dein Gedicht ohne Verse und ohne Reime als Prosa durchgehen könnte.
Argh, das mit "Diss" musst du aber unbedingt vernichten! Jetzt ganz ohne musst du selbst wissen, bestimmt denkt das jeder Leser Icon_smile
Du hast ein gutes Vokabular und ich wette, du schreibst gute Geschichten. Hast hier ja vielleicht schon mal etwas reingestellt. Also du merkst, was mich wirklich stört, ist die Form. Das, worüber du schreibst, empfinde ich als anregend.

"Mein strahlendes Ich, so denn es besteht,
ist es denn nicht Realität?"

Das ist meine Lieblingsstelle. Und das liest sich voll flüssig, oder? Das Gefühl dafür sitzt in dir drin, du musst es nur trainieren! Icon_smile Gut, genug davon

Blatt


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Beitrag #5 |

RE: Der Tagträumer
Hi Blatt,

danke sehr für den Kommi! Ja, eines meiner ersten Gedichte, ich habe eig tatsächlich nur versucht, Prosa in einigermaßen lyrische Form zu bringen ... Dieses einigermaßen ist dann nicht so sehr gelungen, ich werde aber wahrscheinlich noch mehr schreiben und dichten, dann könnte das irgendwann etwas Angenehmeres werden - vor allem mit Kommentaren wie deinem!

Gruß
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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Beitrag #6 |

RE: Der Tagträumer
Hey Trinity,

für das, dass du sagst, du seist in lyrischen Dingen nicht die Beste, war ich ganz schön baff, als ich das las, es hat rythmus und noch mehr. Die Art wie du schreibst, na ja, gefällt mir sehr, *gg*.
Und was sich reimt ist immer gut, *gg*.

Ich mag deinen schreibstil und deine Ideen, (auch der Geschichten wegen).
Ich finds immer cool Werke von begabten Leuten zu lesen *ohneschmeichelwill*, *gg*.
Mein ich wirklich so.

Genug der lobeshymnen,

wink,

Elta

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #7 |

RE: Der Tagträumer
Danke, danke, Eltair *an blumen schnüff*

Das bedeutet mir echt viel, dass von einer begabten Person zu hören *wink*

Icon_bussi,
Trinity

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Beitrag #8 |

RE: Der Tagträumer
jetzt werd ich aber rot, *gg*.
Ich und begabt? *geschmeicheltfühl*

Man reist zusammen Falke,

Eltair

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #9 |

RE: Der Tagträumer
Hey Trin,

jetzt hatte ich hier einen langen Text stehen,
nur um zu sehen, dass ich dieses Gedicht schon kommentiert habe.
Super.
Gleich wieder gelöscht.

Aber ich sag's gern erneut, in heutigem Denken:

Deine Worte haben mir sehr angetan.
Ich hab mich angesprochen gefühlt
und beim Lesen schwang eine gewisse Wärme mit.

Vom Reimen her gings ganz gut find ich,

und ich mag deine Wortgewandtheit.
diese verträumte und mit sich reißende Art.

Du hast einige schöne Bilder, und am Ende leider auch traurgie,
geschaffen.
Aber Fakt ist, du hast es geschafft, welche zu erzeugen, und das kann nicht jeder.

Wie immer, und nun schon zum zweiten Mal,

gern gelesen:

Eltair

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #10 |

RE: Der Tagträumer
Sanyasala,

dich noch einmal hier begrüßen zu dürfen, welch Ehre und Freue Icon_smile

Witzig, gleich ein zweiter positiver Kommentar - vielleicht auch hilfreich. Dank dir dafür!

Alles Liebe,
Trin

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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