Es ist: 06-06-2020, 08:16
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Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09) (von coco)
Beitrag #1 |

Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09) (von coco)
(Ein unscheinbarer Vorort namens Blackboard - irgendwann vor Mitternacht)

Kahle Häuser, schmucklos und braun. Selbst der Mond hatte sich mit Wolken bedeckt, um sich diesen Anblick zu ersparen. An manchen Stellen war grünes Blätterwerk dabei, sich der Fassade zu bemächtigen und hatte schon vor Jahren mit einer schleichenden Invasion begonnen.
Aus einem der Häuser, die eine heruntergekommene Straße eingrenzten, war noch Licht in der obersten Etage zu sehen, das zaghaft versuchte, die Dunkelheit draußen zu lassen. Doch die Nacht störte sich nicht daran – ganz im Gegensatz zu der unteren Bewohnerin, die ein ums andere Mal mit Besenstilen an die Decke klopfte, was jedoch durch die Lautstärke unter dem Dach nicht wirklich zu hören war. Ab und an entwichen zarte Rauchwölkchen nach draußen, denen jedoch nur eine kurze Lebenszeit außerhalb der vier Wände beschieden war.

Im Innern war das spärliche Mobiliar schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden – in der Küche roch es mehr nach undefiniertem Müll, als nach Alkohol aus den unzähligen Flaschen, die durch den Bass über den Boden zuckten. Überall kleine Flecken – mal gelb, mal aus dem Magen eines der Partygäste. In der Toilette sah es nicht besser aus – allerdings erfreute sich dieser Ort wegen der Alkoholflaschen einer steigenden Beliebtheit, die in der halbvollen Badewanne vor sich her schwammen. Im Wohnzimmer stand eine kleine Couch, die zur Zeit ihrer Konstruktion wahrscheinlich mit den Attributen 'Alte-Leute-Sofa' und 'Sitzen-wie-Oma-in-den-Fünfzigern' belächelt wurde, nun allerdings störten sich die darauf Schlafenden nicht im Mindesten daran. Zu einem dicken Knäuel verschlungen lagen sie da. Frau, Mann, Hund, Frau … und irgendwie schienen noch einige Spirituosen einen kleinen Platz in dem Wirrwarr gefunden zu haben.
Auf dem linoleumgrünen Teppich lagen leere und halbvolle Zigarettenschachteln herum, am Spiegelschrank klebten Socken und auf der Musikanlage vor dem Fenster oxidierte eine vor langer Zeit angebissene Pizza vor sich hin.
Von den Leuten, die noch halbwegs gerade stehen konnten, tapperte als Einziger der Mieter kopfschüttelnd durch die Räume.
„Ey, Mann! Mach mal die Mucke ein bisschen leiser“, rief er zu dem Typen an der Musikanlage und riss ihm die Kornflasche aus der Hand. „Sonst meckert wieder die Alte von unten!“
Ein verächtliches Brummen antwortete ihm – bevor der Typ zu einer anderen Flasche neben sich langte.

Im selben Moment flog die Haustür mit einem ohrenbetäubenden Knall aus den Angeln und landete scheppernd in der Diele.
Nur einen ängstlichen Herzschlag später stürmten schwarz vermummte Gestalten in die Wohnung.
„LOSLOSLOS!“
Sie rannten mit Maschinenpistolen im Anschlag über die alkoholisierten Leichen im Eingangsbereich in die Küche …
„POLIZEI!“
… und stolperten über die Bierflaschen am Boden,
„SCHEIIII-!“
oder liefen in das Bad …
„NIEMAND BEWEGT SICH!“
...und rutschten auf den nassen Fliesen aus.
„VERD-!“
Hinter dem Typen an der Musikanlage näherte sich ein Schatten dem Fenster, bevor es zersprang und eine weitere Person mit einem Seil in den Händen, seiner Maschinenpistole, den Glassplittern und der angebissenen Pizza durch das Wohnzimmer segelte.
„VERFLUUU-!“
Schreiend prallte der vermummte Mann mit dem Kopf gegen das Sofa und blieb regungslos neben seiner Waffe liegen.

Für einen unbehaglich langen Moment war nur ein „Gesichert!“ von überall zu hören, während sich hart auftretende Schritte durch die Diele näherten.
Zwei Personen traten in das Wohnzimmer. Ein großer und ein kleiner Mann in dunklen Anzügen – darüber trugen sie Splitterschutzwesten mit der Aufschrift 'Literatopia-Sonderkommando' und zielten mit ihren Pistolen abwechselnd auf das Sofa, die Socken am Schrank, den angetrunkenen Typen und dem verduzt aus der Wäsche schauenden Mieter.
„Sie sind alle vorläufig festgenommen!“, rief der Größere, zielte schließlich auf den Kopf des Typen an der Musikanlage und schaute den Mieter an.
„Sind Sie Noughts?“, fragte er.
„Seid ihr Harry und Toto?“
„ICH STELLE HIER DIE FRAGEN!“
„Jaja.“
„Jaja heißt 'Leck-mich-am-Arsch'“, knurrte der Kleinere neben ihm. „Noch so ein Spruch und Sie brauchen keinen Zahnarzttermin mehr in ihrem Leben!“
Ja, mein Name ist Noughts.“
„Hier!“ Der Größere griff unter seine Weste und zog eine Postkarte hervor.
Weißer Hintergrund, darauf gedruckt:
'Kleiner Tipp bei IT-Problemen. Neustart in Niedersachsen'
Und darunter handschriftlich:
'… ist sogar überflüssig, solange Literatopia.de noch erreichbar ist.'
„Das ist haben wir heute morgen vor ihrem Briefkasten abfangen können.“
Er hielt die Rückseite vor Dreads Nase. Rechts oben eine Allerwelts-Briefmarke mit dem Brandenburger Tor, Poststempel Briefzentrum 20. Links daneben ein Pandabär, noch weiter links eine krakelige Handschrift.

'Hai Fremder, werauch immer diese Karte adressiert, der hat eine tolle Handschrift. Ich nicht. Aberweil ein Nachbarskind mich gebeten hat, sie zuende zu schreiben, bin ich mal so nett. Angeblich stammt sie von sonem blonden Typen mit schwarzen Anzug und scharfen Akzent. Fährt ein silbernes Wohnmobil. Ich glaub, ich hab so einen neulich am Teich gesehen. War da schon verdächtig. Und nun belästigt er die Kids mit Postkarten. Mir doch egal, hier haste die lang ersehnte Karte und ich meine Ruhe. Gez. Nara N.'


„Sie sind im Arsch, Noughts“, grinste der Kleinere. „Die verschleierte Verschwörung Ihrer literarischen Terrorzelle ist uns nicht verborgen geblieben!“
„Das ist eine Postkarte, wie jede andere auch!“
„Nur scheinbar ohne Absender, nicht wahr?“
Der Größere grinste hämisch.
„Sie glauben vielleicht, wir sind unfähig“, zischte er und tippte mit einem freien Finger auf die Kartenrückseite. „In Ihrer Anschrift steht nicht diese Stadt hier, sondern die Heimatstadt von 'polet' ...“
„Wem?“
„... einem der berüchtigsten Lyrikern Literatopias. Dazu passt bestimmt auch 'blond' und das 'silberne Wohnmobil' – auch wenn wir es auf Literatopiamaps nicht finden konnten.“
Dread lachte.
„Das hört sich wirklich sehr überzeu-“
„Außerdem haben unsere Graphologen die Schrift als diejenige erkannt, die von der lang gesuchten Bestsellerschreiberin 'coco' benutzt wird. Und auch 'Nara' – wahrscheinlich nur ein Schreibfehler – als 'Mara'ist ein Charakter aus ihrer Geschichte 'Der Weg ans Meer'.“
„Das ist alles?“
Die beiden Sonderkommando-Polizisten lachten.
„Er stellt sich dumm!“
„Ja, ein Unschuldslamm – durch und durch!“
Dread schmunzelte.
„Sie haben trotzdem nichts Handfestes.“
„Oh doch – der Poststempel!“, rief der Kleinere. „Briefzentrum 20 – Hamburg.“
„Na und?“
„Da ist die letzte bekannte Adresse der flüchtigen Rezensorin AngelOfShadow.“
„Sie haben gar nichts...“
„Clevere Idee, poLet schickt einen Brief an coco, die ihn an AngelOfShadow weiterleitet – und erst Sie schickt ihnen dann die Nachricht.“
„Jeder Richter wird sie auslachen.“
„Bis Sie in einen Gerichtssaal kommen, sind sie längst in Literatanamo vermodert!“
„Was?“
„Ihre Zeit ist abgelaufen, Noughts!“
„Ich ...“
„ABFÜHREN!“

(Okay - ich bleib dabei. coco, poLet und AngelOfShadow haben hier zusammengearbeitet. Icon_fies )


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Beitrag #2 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
*löl* schöne Geschichte. Aber ich hab damit ganz sicher nichts zu tun. Obwohl die Idee irgendwie toll ist ... *Pläne für nächste PKA schmied*

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #3 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
Okay, dann war einer von beiden in Hamburg - oder sie haben dort Jemanden.

*hm*


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Beitrag #4 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
Literatanamo *lacht sich scheckig*
Flüchtige Rezensorin *mahahaha*

Geil! Icon_lachtot

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #5 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
*hust* Mrgreen


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Beitrag #6 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
Gitter klirren. Tore knarren. Schwere Schritte hallen durch hohle Gänge, die von endlosen Reihen mattgrauer Stäbe in ein düster-kunstvolles Wunderwerk moderner Geometrie verzaubert werden. Die Schritte stoppen; ein Gefangener raschelt am Boden, schaut lautlos winselnd von seinem Schreibblock auf. Der Wächter lächelt teilnahmslos und schlendert weiter. Schließlich schließt er eine speziell gesicherte Sonderzelle auf.
"Noughts. Dread Noughts. Sie sitzen nunmehr seit 24 Stunden in Literatanamo ein. Ist Ihre Geschichte fertig?"
Der Häftling reagiert nicht, schreibt stur weiter.
"Pause!" Der Wächter entreißt ihm mit sanfter Gewalt den Zettel. "Ich rede mit Ihnen!"
Der Autor zupft peinlich berührt an seinem orangen Overall und spuckt das Eselsohr aus, das ihm offenbar als Kaugummiersatz dient.
"Also nicht. Dann gibt es auch nichts zu Essen. Erst die Geschichte, dann Frühstück, dann Entlassung."
"Entlassung?"
"Ja, Sie sind auf Kaution frei."
"Kaution? Wer ... wie hoch?"
"Das werden Sie früh genug sehen. Ihr Retter holt Sie nach dem Frühstück ab. Also wenn die Geschichte fertig ist."
"Bitte ... wie sieht er aus?"
"Keine Ahnung, er trug eine Sonnenbrille. Sie Frisur sah künstlich blondiert aus. Aber Sie werden nächste Nacht gut schlafen, er fuhr nämlich mit einem silbernen Wohnmobil der ultimativen Luxusklasse vor."
"Wohnmobil? Die Postkarte..."
"Kein Wort mehr von der Postkarte! Die ist nur ein billiger Vorwand, sich vom Schreiben ablenken zu lassen! Ja, vor der Haftanstalt parkt ein silbernes Wohnmobil und wartet darauf, Sie abholen zu können. Aber ohne Happy End kommen Sie hier nicht raus!"
"Mir fällt nichts Gutes ein..."
"...weiter schreiben!"
Gitter knallen. Schritte hallen. Der Wächter entfernt sich und Dread stützt über dem Papier das Gesicht in die Hände. Längst hätte er die Geschichte zuende geschrieben ... wenn die Deppen vom Sonderkommando ihm nicht bei seiner Festnahme den Kugelschreiber abgenommen hätten!

--------

Au Mann, das ist wirklich ein heißes Rätsel.
Teamwork? Dafür bin ich zu asozial. *g*
Ich hab nicht die leiseste Ahnung.
Bin aber gespannt.


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Beitrag #7 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
(Literatanamo …)

Ein kleiner Raum, brüchige Mauern, ein Stahltisch in der Mitte, an dem ein Mann und eine Frau sich auf kargen Stühlen gegenüber saßen. An der Wand hing ein Portrait der legitim gewählten Herrscherin von Literatopia – mit einem roten Dreizack in der Hand. Auf dem Tisch lag eine offene Mappe – darauf verstreute Fotos und andere Dokumente.
„GEBEN SIE ES ENDLICH ZU!“, knurrte der Mann und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Diese Nachricht haben Sie verschickt!“
Die Frau lächelte und schaute ihn schief an.
„Das Grinsen wird Ihnen noch vergehen!“ Er tippte auf ein beschriebenes Blatt Papier. „Das ist Ihre Geschichte 'Der Weg ans Meer' mit einer Mara als Charakter.“
Er hielt eine andere Postkarte hoch.
„Und diese 'Verdrehten Grüße' sind ebenfalls von Ihnen – die Schriften auf beiden Karten sind identisch!“
Die Frau fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und blickte ihn mit funkelnden Augen an.
„Au Mann, das ist wirklich ein heißes Rätsel.“
Der Mann seufzte und lehnte sich zurück. Sein Blick wanderte von den langen blonden Haaren der Frau vor ihm zu dem Portrait an der Wand.
Oh Admina – hilf mir!
Er räusperte sich und seine Stimme klang nun etwas leiser – und fast freundlich.
„Sie tragen den Decknamen 'coco', und haben diese Karte mit dem anderen flüchtigen Delinquenten 'poLet' verfasst – richtig?“
„Teamwork?“
„Ja, genau!“
„Dafür bin ich zu asozial.“
„ERZÄHLEN SIE NICHT SO EINEN UNSINN!“, schrie er und sein Blick schien Sie zu durchbohren. „Sie wollen uns nur in die Irre führen!“
Sie strahlte ihn mit verrenkten Kopf an, während er kopfschüttelnd die Dokumente und Fotos wieder in die Mappe zurückschob und sich erhob.
„Sollte Ihnen doch noch etwas einfallen – die Justizministerin S. Ternchen bietet Ihnen Strafmilderung an.“
„Ich habe nicht die leiseste Ahnung.“ Sie lachte. „Bin aber gespannt.“


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Beitrag #8 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
In den vergessenen Tiefen von Literatanamo, Kilometer weit unter der Erdoberfläche, wo die strahlenden Augen in die eigene Fantasie abgetauchter Existenzen die stärkste Lichtquelle sind, sitzt ein schräger Vogel in seinem Käfig. In der Mitte ein Stahltisch, an der Tür der klirrende Schlüsselbund des Wächters. Er schließt ab und geht.
"Wer ist poLet?"
Die blonde Frau kaut den Rest ihrer Fingernägel und starrt durch ein imaginäres Fenster.
"Sitzt er auch hier? Vielleicht nur drei Zellen weiter?"
Die Kerze an der Wand tropft zum letzten Mal.
"Nie von ihm gehört. Aber er schreibt gute Karten ... sofern diese dreckige Wisch wirklich von ihm ist. Dieser dreckige Wisch, wegen dem sie mich eingesperrt haben."
Es wird stockfinster.
"Wollte der Wächter mich zu einem falschen Geständnis verführen - oder hat dieser poLet wirklich meine Handschrift? Ob wir verwandt sind? Ich sollte ihn mal kennenlernen."
Grell schlägt ein Blitz ein, Sommerluft flutet die freie Wiese, Schmetterlinge tanzen im Beet und Vögel vor dem Horizont. Coco liegt regungslos auf dem Stahltisch und ist völlig in ihre Sommerpostkartenwelt abgetaucht. Ein Wächter rüttelt an der Tür, aber die Gefangene hört schon nichts mehr.


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Beitrag #9 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
(Einige Minuten später in einem Raum nebenan …)

„VERDAMMTER MIST!“
„Beruhige Dich doch, Moritz – die Beweislage ist ausreichend.“
„Ich weiß, Frank!“
„Nein, weißt Du nicht. Hier – das haben die Graphologen vom Ministerium rübergeschickt.“
„Und?“
„Es ist eindeutig dieselbe Handschrift – das „S“ ist identisch, Variationen nur bei „A“ und dem „D“.
„Ich sehs. Bei den 'Verdrehten Grüßen' hat Sie also normal geschrieben – und bei der zweiten Karte Druckschrift angewendet.“
„Zumindest, was die Anschrift angeht. Aber auch das Logo der Karte weist auf Sie als Computerspezialistin hin.“
„Gut – und was haben wir über diesen 'poLet'?“
„Nun, irgendwann in den 60ern geboren, lebt immer noch im südlichen Hessen und hat vor einigen Jahren damit begonnen, seine Gedanken zu veröffentlichen.“
„Vielbeschäftigter Mann.“
„In der Tat – allerdings frage ich mich, wie er dann noch Zeit für eine Flucht hat.“
„Was ist mit dem Wohnwagen?“
„Nun, wir haben das Netz durchforstet, jedoch keine Hinweise auf ein solches Automobil finden können ...“
„Weitersuchen!“
„... allerdings lassen einige seiner veröffentlichten Werke darauf schließen, dass er viel unterwegs ist – hier: Landschaft 3, Schnee vor den Baracken, Märzvision flussauf und Gedanken an Kalkutta. Da würde sich ein solches Gefährt durchaus anbieten.“
„Ich werde mir jetzt diesen verdammten Noughts nochmals zur Brust nehmen.“
„Tu das.“
„Ich freu mich schon drauf.“
„Aber lass ihn am Leben! Die Admina braucht ihn noch!“


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Beitrag #10 |

RE: Kleiner Tipp bei IT-Problemen (Sommer '09)
Weiße Schönwetterwolken schieben sich spielerisch vor die Morgensonne. Klares Licht fällt flach über ein Gebüsch, zieht lange Schatten ins strahlend frische Grün des Kohlrabifelds. Ein einsamer Jogger auf dem Feldweg flucht leise, als ein wild geparktes Wohnmobil ihn ausbremst. Die Turnschuhe zwischen Mohn und Kornblumen, holt er mit der linken Hand aus und klatscht den Außenspiegel. Nur um den Fahrer zu ärgern. Wäre er zur anderen Seite ausgewichen, hätte er einen düsteren Wegweiser gesehen: Literatanamo - Bitte Knopf drücken.
Vladimir sitzt am Steuer seines Zuhauses und hält eine kreisrunde Öffnung im Ackerboden fest im Blick. Das Schild dahinter, der Knopf an dessen Rückseite - mehr zeigt sich nicht an der Oberfläche. Literatanamo, Gefängnis der Dichter - Zuchthaus der Übermütigen und Langweiligen, der Ätzenden und Faulen. Es ist schwer, so lange auf den stählernen Fahrstuhl zu warten, der einen Gefangenen herauf bringen soll. Wo bleibt Dreadnoughts nur? Nur zehn Meter unter seinen Allwetterreifen beginnen die Käfige, kilometertief stapeln sie sich ins Erdreich. Die Gedanken sind frei - was nichts über ihre Urheber aussagt.
Er überlegt, ob er die Kleine anrufen soll. Zu gerne hätte er sie mit nach Europa genommen. Den Bullen noch einmal 'ne Nase gedreht. Aber es ist noch zu früh. In ein paar Jahren vielleicht. Erst wenn sich niemand mehr für sie interessiert. Seine schlanken Finger gleiten übers Satellitentelefon und wieder zurück. Nein, er wird sie nachher anrufen, wenn er einen Erfolg zu vermelden hat. Trotzdem wird ihm was Warten zu lang. Hinten im Wohnraum ist Ariane bestimmt längst schlafen gegangen, nach einer ereignislos öden Nachtwache. Und er hat null Bock auf die Tagwache. Wo zur Hölle unter allem Kohlrabi bleibt dieser Dread?

In den schwarzen Tiefen von Literatanamo reibt coco sich die Augen, spielt an ihren langen Haaren und schämt sich ein Bisschen. Es ist ungerecht. Aber wunderschön ... dennoch nicht nett. Sicherlich würde Ariane rechtzeitig da sein, um Noughts abzuholen. Aber woran sollte er sie erkennen? Die Geschichte lag seit letztem Jahr in der Schublade und hier im Knast sah sie keine Chance, auch nur einen Schnipsel davon zu veröffentlichen.


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