Es ist: 05-07-2020, 10:39
Es ist: 05-07-2020, 10:39 Hallo, Gast! (Registrieren)


Fried
Beitrag #1 |

Fried
Gut, es ist auch dieser Text ein älterer und war ursprünglich ein Experiment. Den Anstoß zum Schreiben hat diese Zeile aus der Ausgabe der NY-Times vom 24.6.05 (dem Tag, an dem ich das geschrieben hab) gegeben, das Ding bezieht sich aber nicht wirklich darauf...:
"Their purpose was to help us break them," one former interrogator told The Times earlier this year. (Über Psychologen, die bei Verhören "helfen", indem sie dem Befrager ein Profil mit den Ängsten und Schwächen des zu Verhörenden erstellen und ihm Tipps geben, wie er den Verdächtigen am besten und am schnellsten niedermachen kann. Diese wunderbar humane Zusammenarbeit findet in Guantanamo statt.)


Dann bin ich mal gespannt, wer sich nicht von der Länge abschrecken lässt... Icon_wink



1. Sitzung
- Name?… Antworten Sie… Antworten Sie!
- Ich… Fried.
- F, R, I, E, D.
- Ja.
- Fried. Wohnhaft in?
- Sie haben doch meinen Pass, können –
- Wohnhaft.
- Im Pass –
- Wohnhaft!
- Ich …ich wohne in – in Sa –
- Ruhe! Wir haben sowieso Ihren Pass.
- Das…! was –
- Warum sind Sie hier?
- I-ich weiß es nicht!
- Sie wissen es nicht?
- Nein.
- Nein…
- Genau!
- Was.
- Was?
- Was, 'genau'?
- Dass… dass ich nicht weiß, warum ich hier bin.
- Unsinn. Gerade haben Sie das Gegenteil gesagt.
- Nein!
- Nein.
- Nein!
- Wie war der Name?
- Fried. F, R, I, E, D.
- Fried.
- Ja.
- Verwandt mit Erich Fried?
- Nein.
- F, R, I, E, D.
- Ja.
- Schön Fried, Sie wissen ja, warum Sie hier sind.
- Nein!
- Nein?
- Nein!
- Sie sollten mir nicht widersprechen.
- Aber ich –
- Ruhe! Wenn Sie stur sein wollen, bitteschön. Wir reden morgen weiter, Wache!
- Aber… das ist absurd!
- Wache, Isolierzelle.
- Aber ich – wieso? –Nein!
- Morgen, Fried. Abführen.


2. Sitzung
- Hinsetzen. Sie waren schon einmal hier bei mir, nicht?
- Ja.
- Hm, ja, hier waren Sie schon einmal. Ihr Name?
- Fried. F, R, I, E, D.
- Oh, verwandt mit Erich Fried?
- Nein.
- Und Sie waren schon einmal hier, nicht wahr?
- Ja.
- Ach so. Wo waren wir gerade? Ihr Name?
- Fried.
- Letztes Mal, was haben wir da – Sie waren doch schon einmal bei mir, oder?
- Müssen wir das schon wieder –
- Wieder? Waren Sie schon einmal bei mir?
- Ja!
- Na, na... Wie war Ihr Name?
- Ich weiß nicht, was das –
- Name!
- Fried.
- Fried.
- Ja.
- Sie kommen mir bekannt vor, Fried.
- Ich war schon einmal hier.
- Tatsächlich?
- Ja! Können Sie nicht einfach –
- Sie waren also schon einmal hier.
- Ja..
- Und Ihr Name ist Fried.
- Ja.
- Verwandt mit Erich Fried.
- Nein!
- Nicht? Wie ist Ihr Name?
- Fried!
- Fried. Und Sie waren schon einmal hier?
- ..Ich... Das hab ich doch schon –
- Antworten Sie mir!
- Ja! Ja ich war schon einmal hier!
- Ja. Zeigen Sie einmal Ihr Gesicht, Sie kommen mir bekannt vor…
- Ja, weil ich –
- Kennen wir uns von außerhalb?
- Nein.
- Wirklich. Wie heißen Sie?
- Fried.
- Fried.
- Fried. F, R, I, E, D.
- Nicht verwandt mit Erich –
- NEIN!
- RUHE! – Warum antworten Sie nicht?!
- Wie, ich… seit – ich antworte!
- Ruhe! Sie antworten nicht, Fried.
- Aber ich –
- Fried, Sie wissen, was passiert, wenn Sie sich weigern.
- Wie ist die –
- Antworten Sie!
- Ja, wie war die –
- Fried. Das ist die letzte Warnung. Antworten Sie.
- Ich – wie war die –
- Wache!
- Die Frage! Wie war die –
- WACHE! Isolierzelle!
- Nein – ich –
- Abführen!


3. Sitzung
- Sie schon wieder, hinsetzen. Sie kommen mir bekannt vor.
- Ja, Sie mir auch.
- Wie war das?! Drohen Sie mir?!
- Nein! …nein, ich… Entschuldigung, bitte, es –
- Ruhe. Name.
- Ich… Fried.
- Fried.
- F, R, I, E, D.
- Ich weiß, wie man das buchstabiert.
- Ja, ich… Entschuldigung.
- Wofür?
- Da-dafür… dass ich –
- Ruhe. Sie wissen, warum Sie hier sind. ...Fried?
- Ich…
- Antworten Sie.
- Ich… ich weiß leider nicht, warum ich hier bin.
- Nicht?
- N-nein.
- Schleißig. Wie war der Name?
- Fried, nicht verwandt mit Erich Fried.
- Das hab ich nicht gefragt.
- Ja, ich – Entschuldigung.
- Also?
- A-also…?
- Ich stell hier die Fragen!
- Ja. Entschuldigung.
- Wofür?
- Dafür, dass –
- Ruhe. Sie sind zu aufmüpfig, Fried.
- Ja, es tut mir leid.
- Was?
- Das ich so aufmüpfig bin.
- Sind Sie?
- Ja.
- Aha. Dann ist wahrscheinlich die Isolierzelle das Beste für Sie, nicht wahr?
- …ich…
- Sie sollten mir antworten.
- Ich… nein.
- Sie wollen nicht antworten?
- Doch!
- Dann tun Sie's!
- Ja, ich –
- Ja? Schön. Wache. Isolierzelle. Abführen.


4. Sitzung
- Wir kennen uns?
- Ja.
- Wirklich?
- Ja.
- Der Name?
- Fried.
- Nicht verwandt mit Erich Fried?
- Nein.
- Nicht.
- Nein.
- Fried also.
- Ja.
- Fried, warum sind Sie hier?
- Ich weiß es nicht.
- Achso? Wer hat Sie verhaftet?
- Ich weiß es nicht.
- Sie wissen es nicht?
- Nein.
- Was hat er gesagt?
- W-wie… wer?
- Ich stelle hier die Fragen!
- Ja.
- Was hat er gesagt?
- Die Männer, die mich verhaftet haben –
- Sie wissen genau, wovon ich spreche!
- …nein, es tut mir leid, ich weiß es nicht, es tut –
- Fried, wie soll das weitergehen?
- …es tut mir leid!
- Fried, Sie widersprechen mir, Sie weigern sich zu antworten, Sie verstricken sich in Lügengeschichten, Sie drohen mir, Sie werden aggressiv; wie soll das weitergehen?
- Ich weiß es nicht… es tut mir leid, es tut mir leid, es –
- Fried, Sie wiederholen sich.
- Ja, es tut mir leid.
- Was?
- Das ich mich wiederhole.
- Tun Sie?
- Ja, ich wiederhole mich, es tut mir leid.
- Schön. Was hat er gesagt?
- Der Mann, der mich verhaftet hat, war einer der Soldaten.
- Das hab ich nicht gefragt.
- Ja.
- Was hat er gesagt?
- Er hat gesagt ich soll still halten und dass –
- Wer, 'er'?
- Der Mann, der mich verhaftet hat.
- Wovon reden Sie, Fried?
- A-aber Sie… Sie haben doch –
- Ruhe, Fried. Wenn Sie sich weigern, machen Sie alles nur viel schlimmer.
- Ich weigere mich nicht.
- Nicht?
- Nein.
- Was hat er gesagt?
- Ich soll ruhig bleiben und dass er mich –
- Wovon reden Sie?!
- Von dem Mann, der mich verhaftet hat.
- Das hab ich nicht gefragt. …Fried…!
- Ich weigere mich nicht!
- Fried!
- Es tut mir leid!
- Was? Was hat er gesagt?
- …Es tut mir leid…
- Das hat er gesagt?
- Nein, es tut mir leid, ich weiß es nicht, es tut –
- Irgendwann werden Sie schon mit mir reden, Fried.
- Ja, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut –
- Wache. Isolationshaft. Schlafentzug. Abführen.


5. Sitzung
- Hinsetzen. Name.
- Fried.
- Sind Sie krank?
- Ich weiß nicht… nein…
- Nein?
- Nein.
- Haben Sie über meine Worte nachgedacht, Fried?
- Ja, es tut mir leid.
- Was?
- Dass ich… ich weiß es nicht…
- Fried, sind Sie krank?
- Ich glaube nicht.
- Sie glauben? Was wissen Sie eigentlich?
- Nichts, es tut mir leid.
- Was?
- Dass ich nichts weiß.
- Sie wissen nichts?
- Ich glaube nicht.
- Ich glaube auch nicht, dass Sie nichts wissen, Fried. Was hat er gesagt?
- Ich …ich weiß es nicht.
- Er hat nicht mit Ihnen gesprochen, bevor er gegangen ist?
- E-es tut mir leid, ich weiß es nicht, ich weiß nicht, was Sie meinen, es tut –
- Ruhe, Fried. Sind Sie krank?
- Nein.
- Wer hat Sie verhaftet?
- Ich weiß es nicht.
- Was hat er gesagt?
- Ich weiß es nicht.
- Sie sind blass Fried, sind Sie krank?
- Ich weiß es nicht.
- Sie wissen es nicht?
- Nein.
- Wie heißen Sie?
- Fried.
- Wie buchstabiert man das?
- ich… F, R, I, E, D. Wie 'Frieden'.
- Das hab ich nicht gefragt.
- Es tut mir leid.
- Was?
- Ich weiß es nicht.
- Was?
- Ich weiß nicht, was wer gesagt hat.
- Sie wollen sich nicht erinnern.
- Ich weiß nicht, wen Sie meinen.
- Stellen Sie sich nicht dumm, Fried.
- Es tut mir leid.
- Was?
- Dass ich nicht weiß, wen Sie meinen.
- Sie wissen nicht, wen ich meine?
- Nein, ich weiß es nicht, es tut mir leid, es tut mir leid.
- Ruhe, Fried. Sie widersprechen sich.
- Nein, ich… ich weiß nichts, wirklich nicht…
- Warum widersprechen Sie sich?
- Ich weiß es nicht, es tut mir leid.
- Sie sind krank, Fried.
- Ja.
- Isolierzelle, also. Wache. Isolierzelle, Schlafentzug.


6. Sitzung
- Wie geht es Ihnen?
- …mir… ich…
- Sind Sie krank?
- Ich… nein.
- Sind Sie heute bereit, vernünftig mit mir zu reden?
- Ja.
- Schön. Name.
- Fried.
- Wer hat Sie verhaftet?
- Ein Soldat.
- Ein Soldat. Welcher?
- Ich weiß den Namen nicht.
- Fried?
- Ich weiß es nicht.
- Sie wollten doch vernünftig reden.
- Ja, es tut mir leid.
- Schön. Name.
- Fried.
- Was hat er gesagt?
- I-ich weiß nicht, wen Sie meinen, es tut mir leid.
- Es tut Ihnen leid?
- Ja, es tut mir leid.
- Schön. Name.
- Fried.
- Wer hat Sie verhaftet?
- Ich weiß es nicht.
- Was hat er gesagt?
- Ich weiß es nicht.
- Bevor er gegangen ist?
- Ich weiß es nicht.
- Fried, sind Sie krank?
- Nein.
- Zählen Sie die Primzahlen auf.
- Ja. Eins… Zwei… Drei… Fünf… Sieben… Elf… Dreizehn… Siebzehn… Dreiundzwanzig –
- Falsch, Fried.
- Eins – Zwei – Drei – Fünf – Sieben – Elf – Dreizehn – Siebzehn – Neunzehn – Dreiundzwanzig – Siebenundzwanzig –
- Falsch, Fried. Sie sind krank, Fried.
- Nein, ich –
- Widersprechen Sie nicht!
- Es tut mir leid.
- Schön. Name.
- Fried.
- Fried, Sie sind krank.
- Ja.
- Wer hat geschossen, Fried?
- Es tut mir leid, ich weiß es nicht.
- Sie wissen es nicht?
- Ich weiß es nicht.
- Sie wiederholen sich.
- Es tut mir leid. Ich bin krank.
- Sie sind krank.
- Ja, es tut mir leid.
- Sie wiederholen sich.
- Ich bin krank.
- Ja. Wache. Isolierzelle, Schlafentzug, keine Verpflegung. Abführen.


7. Sitzung
- Stehen bleiben. Name.
- Fried.
- Haben Sie gegessen, Fried?
- Nein.
- Nicht?
- Nein.
- Name.
- Fried.
- Sie zittern.
- Ja.
- Name.
- Fried.
- Name.
- Fried.
- Name.
- Fried.
- Wer hat geschossen, Fried?
- Ich weiß es nicht, ich war es nicht.
- Wer hat geschossen?
- Es tut mir leid, ich weiß es nicht, es tut mir –
- Ruhe. Name.
- Fried.
- Haben Sie geschossen, Fried?
- Nein.
- Haben Sie gegessen, Fried?
- Nein.
- Wer hat geschossen?
- Ich weiß es nicht, es tut mir leid.
- Bleiben Sie stehen, Fried.
- Ja… es tut mir leid… ich-
- Gehorchen Sie mir!
- Ja, es tut mir leid, ich –
- Ruhe. Name.
- Fried.
- Sie zittern, Fried.
- Ja.
- Sie schwanken.
- Ich habe nichts gegessen.
- Wer hat geschossen?
- Ich weiß es nicht, es… es tut mir leid… ich weiß…
- Bleiben Sie stehen, Fried.
- …Ich –
- Gehorchen Sie mir!
- Ja… es tut mir leid, es tut mir –
- Ruhe. Name.
- F-Fried…
- Bleiben Sie stehen, Fried.
- Es… es tut mir leid, es tut mir –
- Aufstehen!
- Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut –
- Wache! Isolierzelle. Abführen.


8. Sitzung
- Hinsetzen. Name.
- Fried.
- Reden wir vernünftig. Sie wissen, was passieren kann.
- Ja.
- Geht es Ihnen besser?
- Ja.
- Haben Sie gegessen?
- Ja.
- Haben Sie geschlafen?
- Ja.
- Haben Sie geschossen?
- Nein.
- Sagen Sie mir, wer geschossen hat.
- Es tut mir leid, ich weiß es nicht, es tut mit leid.
- Fangen Sie wieder an, stur zu sein, Fried?
- Nein! Nein, es tut mir leid, ich weiß es nicht, es tut mir –
- Was hat er gesagt, bevor er gegangen ist?
- Ich weiß es nicht, ich weiß nicht, wen Sie meinen, es tut mir –
- Sie werden stur, Fried.
- Nein, es tut mir leid, ich –
- Sie sollten mir nicht widersprechen, Fried.
- Nein, es tut mir leid.
- Sie werden stur.
- Ich werde stur.
- Reden wir vernünftig, Fried.
- Ja, es tut mir leid.
- Haben Sie geschossen?
- Nein.
- Wer hat es geplant?
- E-es tut mir leid, ich weiß nicht, was Sie meinen, es tut mir leid, ich weiß –
- Sie stammeln, lügen Sie, Fried?
- Nein!
- Sie widersprechen sich, Fried.
- Ja, es tut mir leid.
- Sie widersprechen mir.
- Ja. Es tut mir leid, ich weiß es nicht.
- Was wissen Sie nicht?
- Ich – es – ich… ich weiß es nicht, es tut mir leid.
- Sie stammeln, Fried. Lügen Sie?
- Nein, es tut mir –
- Fried, Sie wiederholen sich.
- Ja, es tut mir leid, Entschuldigung bitte, es tut mir leid, es –
- Ruhe.
- Ja, Entschuldigung.
- Der Schlaf hat ihnen nicht gut getan, Fried.
- Ich –
- Ruhe. Wache. Isolierzelle. Schlafentzug. Abführen.


9. Sitzung
- Stehen bleiben. Wie heißen Sie?
- Fried.
- Sie sind ungewaschen.
- Ja, es tut mir leid…
- Sie sind blass, Fried.
- Ja.
- Sind Sie krank, Fried?
- Nein.
- Verstehen Sie mich?
- Ja.
- Zählen Sie in Siebzehnerschritten.
- Ja. Siebzehn… Vierunddreißig… Einundfünfzig… Achtundsechzig… Fünfundachtzig –
- Das reicht, Fried.
- Ja.
- Haben Sie es geplant?
- Nein.
- Was haben Sie nicht geplant?
- Ich… ich weiß es nicht, es tut mir leid.
- Werden Sie frech mit mir, Fried?
- Nein, nein, es tut mir leid, ich –
- Sie werden frech mit mir.
- Ja, es tut mir leid.
- Dass Sie geschossen haben?
- Nein, nein, ich –
- Es tut Ihnen nicht leid, dass Sie geschossen haben?
- …Ich –
- Ruhe! Name.
- Fried, es tut mir leid, ich habe nicht geschossen, ich weiß –
- Ruhe! Sie werden frech mit mir!
- Ja, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid, es –
- Ruhe! Name.
- Fried.
- Verstehen Sie mich, Fried?
- Ja.
- Ruhe.
- Es tut mir leid.
- Wer hat geschossen?
- Es tut mir leid, ich weiß es nicht, ich weiß es –
- Sie wollen mich nicht verstehen, Fried.
- Ich will Sie nicht verstehen.
- Sie weigern sich.
- Ja, es tut mir leid.
- Wache. Isolierzelle, Schlafentzug, keine Verpflegung. Abführen.


10. Sitzung
- Hinsetzen. Name.
- Fried.
- Sie sind blass, Fried.
- Ja.
- Sie zittern.
- Ja.
- Hat man Sie geschlagen, Fried?
- Ja.
- Können Sie mich verstehen?
- Ja.
- Zählen Sie Rückwärts von Zehn.
- Ja. 10 – 9 – 8 – 7 – 6 – 5 –
- Falsch, Fried.
- Ja, es tut mir leid.
- Schön. Name.
- Fried.
- Können Sie mich verstehen?
- Ja.
- Wer hat es geplant?
- Ich weiß es nicht.
- Wer hat geschossen?
- Ich weiß es nicht.
- Lügen Sie, Fried?
- Nein.
- Schön. Name.
- Fried.
- Haben Sie es geplant, Fried?
- Nein.
- Haben Sie geschossen?
- Nein.
- Lügen Sie, Fried?
- Nein.
- Schön. Name.
- Fried.
- Man hat Sie nicht geschlagen.
- Nein.
- Sie werden frech.
- Ja.
- Sie lügen, Fried.
- Ja.
- Man hat sie nicht geschlagen.
- Nein.
- Schön. Name.
- Fried.
- Sie lügen, Fried.
- Ja.
- Sie haben es geplant, Fried.
- Ja.
- Fried, haben Sie geschossen?
- Nein.
- Sie haben geschossen, Fried.
- Ja.
- Sie haben geschossen.
- Ich habe geschossen.
- So einfach war das, Fried.
- Ja.
- Wache.


24.6.05

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Beitrag #2 |

RE: Fried
Hallo lu.

Zitat:Dann bin ich mal gespannt, wer sich nicht von der Länge abschrecken lässt...

Beim ersten Runterscrollen dachte ich noch, Warum hast Du heute keine neue Druckerpatrone gekauft? - doch irgendwie habe ich es jetzt so am Monitor einfach nur gebannt runtergelesen.
Länge?
Nicht aufgefallen.

Du stellst hier den Verfall von Fried hier sehr eindringlich dar. Wie ein Wasserhahn, der die ganze Nacht tropft ... Permanenter Druck auf den Geist. Zermürbung. Verdehung von Logik und Kausalitäten. Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich für meinen Teil finde, das diese Art zu schreiben durchaus schwierig ist, obwohl es einfach aussieht. Kommt mir vor, wie eine Black Box, die in einer entfernten Zukunft von unbekannten Wesen bei archäologischen Studien irgendwo auf der Erde ausgegraben wurde. Nur ein Tonband, nur Stimmen.

Nein, ich finde, die Länge braucht dieses Werk um Fried (und seinen Zustand - seinen bröckelnden Widerstand) ausgiebig darzustellen.

Starker Tobak.

LG
D.

Edit:
Kleine Fehlerchen. Nur die Sache mit den drei Punkten und dem fehlenden Leerzeichen.
D.


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Beitrag #3 |

RE: Fried
Hallo Dreadnoughts Icon_smile

vielen lieben Dank für deine Meinung und dein Lob!!

es freut mich sehr, dass es dir gefällt - und das mit den Punkten werd ich mir morgen anschaun und ausbessern Icon_smile

Ah, jetzt freu ich mich - auch, dass die Länge dann doch nicht abschreckt Icon_smile

lg
lu

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


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Beitrag #4 |

RE: Fried
Hi Lu,
habe mich auch trotz der Länge zum Durchhalten gezwungen. Der Text ist wirklich beeindruckend stark. Zermürbend auch für den Leser. Da wollt doch gleich das Klappmesser in der Tasche auf.
Guantanamo lässt grüßen. *kotz*
Der Zerfall des Fried ist sehr gut dargestellt, ich hätte den Soldaten am liebsten erwürgt.

Lg
Adsartha

PS: Fehler gabs keine, habe ich bei dir aber auch nicht erwartet. Icon_wink

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #5 |

RE: Fried
Hallo adsartha,

auch dir ein Dankeschön für deine Meinung und dein Durchhaltevermögen Icon_wink Icon_smile

lg
lu

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


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Beitrag #6 |

RE: Fried
lu, ich hab Dir ja im alten Forum schon mal einen ausführlichen Kommentar dazu geschreiben, wenn ich mich recht erinnere. Es gefällt mir noch immer, intensiv und wahnsinnig. Ich denke immer an die Schachnovelle...

Icon_jump t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #7 |

RE: Fried
Hallo talblick,

dann fühl ich mich geehrt und freu mich, dass du's nochmal gelesen und sogar nochmal einen Kommentar geschrieben hast; dankeschön!! Icon_smile

lg
lu Icon_smile

Krawehl, Krawehl!
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Beitrag #8 |

RE: Fried
Hallo Lu Icon_smile

ich bin beeindruckt von Deinem Dialog hier, und beim Lesen fühlte ich mich genervt-wütend, meine 'Helferseele' sprang an und ich wünschte mir nen Rollentausch oder zumindest eine nüchterne Auflösung des Ganzen.
Aber auch ohne schlussendliche Nüchternheit hat es durchaus was Kafkaeskes, und dass das für mich ein ganz besonderes Qualitätsmerkmal ist ... weiß nicht Icon_smile
Muss ich - glaub' ich - nicht sagen.
Supertext. Wie hast Du Dich gefühlt beim Schreiben?

Grüße
candida

Es gibt nichts, was es nicht gibt, und nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen. 'Ich' ©


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Beitrag #9 |

RE: Fried
Hallo candida,

dankeschön für deine Reaktion und dein Lob! Icon_smile

*freu*

hm, so ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern, wie ich mich gefühlt hab; ist ja schon eine Weile her, dass ich den Text geschrieben hab. Ich weiß aber, dass mich der Artikel in der NYTimes sehr schockiert, frustriert und verärgert hat - Psychologen sollen Menschen helfen, nicht ihr Wissen dazu zur Verfügung stellen, Leute gezielt zu brechen, schon gar nicht in dieser Menschenrechtsverletzung Guantanamo.

Die leichte Absurdität des Befragers hat mir eigentlich sogar Spaß gemacht; Fried reagiert so, wie ich wohl auch reagiert hätte; ich kann mich in beide Rollen hineinversetzen, irgendwie, darum ist der Text auch sehr schnell entstanden, eigentlich.

hm, ja.
Jedenfalls nochmal danke für deine Meinung!! :D

lg
lu *motiviert in den Nachmittag starte* Icon_smile

Krawehl, Krawehl!
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Krawehl, Krawehl!


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Beitrag #10 |

RE: Fried
Hi again Icon_smile

Dass Du in beiden Rollen 'gut zu Hause' warst, liest sich auf jeden Fall heraus. Wäre das nicht so gewesen, hätte Dir der Text nicht gelingen können, denke ich.

Ein Nervenkitzel war es für mich, ein böser, ein extremer Icon_smile

Na denn, Fittness für den Nachmittag :D
candida

Es gibt nichts, was es nicht gibt, und nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen. 'Ich' ©


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