Es ist: 26-02-2020, 11:51
Es ist: 26-02-2020, 11:51 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Lebensuhr
Beitrag #11 |

RE: Die Lebensuhr
Hallo Weltenwanderer,

für Deine sehr genaue und ins Detail gehende Antwort danke ich Dir von Herzen. Die Bemerkungen zu den einzelnen Textstellen helfen mir sehr viel und lassen mich nachdenklich werden. Oft schreibt man unbewusst und hat viel zu wenig den nötigen fremden Blick, um die Wirkung des Geschriebenen abschätzen zu können. Bei der Wiederholung des Wörtchens "Und" am Satzanfang bin ich Deiner Meinung und werde die Stelle wohl ändern. Komplizierter ist die Sache mit dem "inneren Bruch". Auch hier muss ich Dir Recht geben, aus der Sicht der Leser. Bei mir als erlebenden Menschen war es anders. Ich ging auf einer bestimmten Straße, auf der mir in vergangenen Jahren immer dieser alte Mann entgegenkam und mich manchmal auch kritisch ansah, weil er missbilligte, dass ich in Hohlstunden an die frische Luft ging. Diese Erinnerung ist mir zwangsläufig gekommen. Das eine ging ins andere über. Aber vielleicht sollte ich da einen Zwischensatz einfügen. Und was nun die so harmlose Auflösung des rätselhaften Tickens war, so kann ich mich auch hier auf das selbst-Erlebte berufen. Man muss sich einmal vorstellen, wie ich selbst am liebsten aufgelacht hätte, bei der Erkenntnis, wie prosaisch gewöhnlich dieses permanente Geräusch erzeugt wurde. Es war wirklich das Brillen-Etui, und die ganze Zeit hatte ich nicht daran gedacht. Daran kann ich nichts ändern.
Es freut mich, dass Du insgesamt zu einer positiven Bewertung des Textes gekommen bist.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Hans Werner


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Beitrag #12 |

RE: Die Lebensuhr
Tag Hans Werner,

machen wir doch einfach 2 drauß

Zitat:Stadtcafé, das den sinnigen Titel „Bohne“ trägt
bohne, awesome

Zitat:der „Bunten“
Bunte oder?

Zitat:Und ihre faltenfreien Gesichter waren durch raffiniertes Make-up auf Hochglanz gestylt.
faltenfrei ... ich glaube nicht.

Zitat:Seine Frau, die unter heftiger Demenz litt, sah ihren Mann am Boden liegen, und dachte sich dabei aber nichts Ernstes. Erst nach ein paar Tagen wurde ein Anrufer aufmerksam, als er den Mann sprechen wollte und seine Frau ihm sagte, er sei zwar da, würde aber die ganze Zeit nur auf dem Boden liegen. Auf diese Weise ist der Tod dieses Menschen erst entdeckt worden.
in der Tat sehr bitter

Zitat:Hab ich nicht durch meine Brille sozusagen meine eigene Lebensuhr vernommen. Tief ergriffen von diesem Gedanken stieg ich mit innerer Bewegung in mein Auto und fuhr wieder heim. Aber niemals werde ich dieses Ticken vergessen können.
interessante Metapher. Die Brille, die über die kurzsichtigkeit hinweghilft, auf verscheidenen ebenen.

Lieber Hans Werner, ich empfinde diesen Text als sehr persönlich. Hingegen deiner sonstigen Texte, erzählst du keine Geschichte (Märchen) sondern vom Leben. Korrigiere mich, wenn du nur versucht hast, es sehr persönlich zu machen. Das hätte jedenfalls funktioniert.
Hier geht es aber offenbar nicht um sprachliche Finesse sondern private (naja mehr oder weniger, wenn du ise präsentierst) Gedanken und Gefühle. Da kann ich schlecht, über eine bessere Formulierung debattieren.

Das Thema des Sterbens oder dem Bewusstsein, dass jeder Tag der letzte sein kann, ist ein Thema, dass mich selber sehr melancholisch macht. Die moderne Art, den Tod zu fürchten gefällt mir nicht. Ich fände es besser, wenn man es wie früher hätte, wie bei den Indianern oder so, die sich zum sterben auf einen Berg legen (außer sie haben ein Mars (schokoriegel) dabei ... oder war es snickers? Mrgreen )

Weiter möchte ich mich nicht äußern.
gern gelesen

gruß
jeronimus


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Beitrag #13 |

RE: Die Lebensuhr
Hallo Jeronimus

Zunächst einmal danke ich Dir vielmals für Deine ausführliche Zuschrift. Auf die Schlussgedanken möchte ich gerne genauer eingehen. Du schreibst:

Zitat:Lieber Hans Werner, ich empfinde diesen Text als sehr persönlich. Hingegen deiner sonstigen Texte, erzählst du keine Geschichte (Märchen) sondern vom Leben. Korrigiere mich, wenn du nur versucht hast, es sehr persönlich zu machen. Das hätte jedenfalls funktioniert.
Hier geht es aber offenbar nicht um sprachliche Finesse sondern private (naja mehr oder weniger, wenn du ise präsentierst) Gedanken und Gefühle. Da kann ich schlecht, über eine bessere Formulierung debattieren.

Das Thema des Sterbens oder dem Bewusstsein, dass jeder Tag der letzte sein kann, ist ein Thema, dass mich selber sehr melancholisch macht. Die moderne Art, den Tod zu fürchten gefällt mir nicht. Ich fände es besser, wenn man es wie früher hätte, wie bei den Indianern oder so, die sich zum sterben auf einen Berg legen (außer sie haben ein Mars (schokoriegel) dabei ... oder war es snickers? Mrgreen )

Weiter möchte ich mich nicht äußern.

Ja, es ist ein persönlicher Text. Er ist deshalb persönlich, weil ich die Sache mit der Uhr wirklich genauso erlebt habe. Ich wusste geraume Zeit nicht, was dauernd tickt. Dieses Ticken war für mich einige Zeit tatsächlich beunruhigend. Als ich dann die Lösung des Rätsels entdeckte, war ich auf einer Seite erleichtert, auf der andern aber begleitete mich die innere Erfahrung längere Zeit. Die Lebensuhr tickt, ganz gleich, welchen Uhrwerks sie sich bedient. Und das Abschreiten der Stunden, Minuten und Sekunden ist nichts anderes als das eigene Leben zu verbrauchen. Vielleicht hat es nichts damit zu tun, dass man den Tod fürchtet. Aber er ist einem nicht bewusst. Wir leben, als ob wir unsterblich wären, weil wir unser eigenes Ich verabsolutieren. Ein Tod des eigenen Ichs ist undenkbar. Wir wissen um die Endlichkeit unserer Zeit, und können diese Zeit doch nicht für endlich halten. Das ist der große Widerspruch, in dem wir leben.

Für Deine Reaktion auf meinen Text danke ich Dir sehr.

Hans Werner
Hallo Jeronimus

Zunächst einmal danke ich Dir vielmals für Deine ausführliche Zuschrift. Auf die Schlussgedanken möchte ich gerne genauer eingehen. Du schreibst:

Zitat:Lieber Hans Werner, ich empfinde diesen Text als sehr persönlich. Hingegen deiner sonstigen Texte, erzählst du keine Geschichte (Märchen) sondern vom Leben. Korrigiere mich, wenn du nur versucht hast, es sehr persönlich zu machen. Das hätte jedenfalls funktioniert.
Hier geht es aber offenbar nicht um sprachliche Finesse sondern private (naja mehr oder weniger, wenn du ise präsentierst) Gedanken und Gefühle. Da kann ich schlecht, über eine bessere Formulierung debattieren.

Das Thema des Sterbens oder dem Bewusstsein, dass jeder Tag der letzte sein kann, ist ein Thema, dass mich selber sehr melancholisch macht. Die moderne Art, den Tod zu fürchten gefällt mir nicht. Ich fände es besser, wenn man es wie früher hätte, wie bei den Indianern oder so, die sich zum sterben auf einen Berg legen (außer sie haben ein Mars (schokoriegel) dabei ... oder war es snickers? Mrgreen )

Weiter möchte ich mich nicht äußern.

Ja, es ist ein persönlicher Text. Er ist deshalb persönlich, weil ich die Sache mit der Uhr wirklich genauso erlebt habe. Ich wusste geraume Zeit nicht, was dauernd tickt. Dieses Ticken war für mich einige Zeit tatsächlich beunruhigend. Als ich dann die Lösung des Rätsels entdeckte, war ich auf einer Seite erleichtert, auf der andern aber begleitete mich die innere Erfahrung längere Zeit. Die Lebensuhr tickt, ganz gleich, welchen Uhrwerks sie sich bedient. Und das Abschreiten der Stunden, Minuten und Sekunden ist nichts anderes als das eigene Leben zu verbrauchen. Vielleicht hat es nichts damit zu tun, dass man den Tod fürchtet. Aber er ist einem nicht bewusst. Wir leben, als ob wir unsterblich wären, weil wir unser eigenes Ich verabsolutieren. Ein Tod des eigenen Ichs ist undenkbar. Wir wissen um die Endlichkeit unserer Zeit, und können diese Zeit doch nicht für endlich halten. Das ist der große Widerspruch, in dem wir leben.

Für Deine Reaktion auf meinen Text danke ich Dir sehr.

Hans Werner


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