Es ist: 07-06-2020, 02:38
Es ist: 07-06-2020, 02:38 Hallo, Gast! (Registrieren)


Salzwimpern
Beitrag #1 |

Salzwimpern
Er sitzt dort, wartet. Sein Blick ist auf die Eisenspitzen ganz weit oben gerichtet …


Es gibt keinen Beginn für das Ende.
Hier muss man jedoch einen Anfang kreieren, sonst müsste ich schweigen.

Vor langer, langer Zeit lebte eine Mutter von drei Kindern. Sie versorgte zwei davon, das Dritte war über das Wochenende beim Vater.
Nur dauerte das Wochenende nun schon drei Jahre und niemand wusste, wo Vater und Kind hin verschwunden waren.

Doch darum soll es jetzt hier nicht gehen. In Vergangenem soll man nicht unnötig wühlen, wenn man bei Verstand bleiben will, sagte die verrückte alte Nachbarin der Mutter immer wieder. Diese Worte hatten sich inzwischen in die leidende Gleichgültigkeit ihrer Sorge eingebrannt …


Ein Zweig knackst am anderen Ende der Mauer, sein Kopf zuckt in diese Richtung. Die Augen starren, scheinen jemanden heraufbeschwören zu wollen. Doch niemand kommt …


Der Morgen hatte so vielversprechend begonnen. Am Vorabend hatte sie endlich den langersehnten Anruf bekommen, ein Jobangebot, als wäre er von der Glücksfee selbst organisiert worden. Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.

In der Nacht war ihre kleine Tochter zu ihr gekommen, salzige Spuren auf den Wangen. Die Wimpern waren von Albtraumtränen zum Teil verklebt.

Zu ihr würde sie immer finden, meinte das Mädchen einst, als die Mutter gebrochen in der mit erkaltetem Wasser gefüllten Badewanne saß – das Rasiermesser ihres Mannes in der rechten Hand und das Mädchen um den Hals.

„Ich hab dich lieb, Mama“, meinte sie und das Messer wurde zu einem schweren Gewicht, das immer verlockender und furchteinflößender wirkte.


Ein Vogel fliegt auf. Zwitschert – ein kreativer Beobachter hätte es als gehässig interpretieren können – doch dieser Beobachter vergisst es scheinbar genau so schnell wieder, wie es seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Und er wartet …


Ihr kleiner Junge saß auf dem Beifahrersitz, die Miene zu einer trotzigen Fratze verzogen. Er wolle nicht in die Schule, sagt er immer wieder, während die Nylonstrumpfhose sie bei jeder kleinen Bewegung auf dem Bremspedal im Schritt unangenehm zwickte. Die Laufmasche am rechten Bein versuchte sie erfolglos zu ignorieren.

Im Rückspiegel beobachtete sie, wie ihr kleines Mädchen die Rattengiftverpackung nahm und neugierig inspizierte. Mitten in einer weiteren Jammerlitanei ihres Sohnes griff sie hinter sich und schnappte blind nach der neuesten Gefahr, bevor irgendetwas im Mund ihrer Tochter landen konnte.

„Mama!“


Ein leises Winseln ist zu hören, als er sich etwas anders hinsetzte. Die Wolken zogen über ihm davon, am Horizont rechts von ihm versank die Sonne und die letzten, blutgetränkten Strahlen kämpften sich durch die Baumstämme zu ihm durch.


Verdammtes MIstv-, war der letzte Gedanke, nachdem das Auto über die Leitplanke gekippt war und sie im Fluss landeten. Das letzte Bild, das sie sah, war ihr Sohn, eingepudert mit Rattengift. Ein Metallteil hatte sich von irgendwo gelöst und streckte in seiner Wange, das Ende schaute am Hinterkopf der ihr zugewandten Seite heraus.

Ihre Tochter kreischte, es klang anders, als sonst immer, wenn im Fernsehen sich jemand küsste. Merkwürdig.

Dann herrschte endlich Stille.


Ein leiser Schluckauf ist plötzlich zu hören. Er richtet sich auf, sein Blick wieder voller Konzentration auf das Eisentor gerichtet. Es ist offen und ein Mädchen steht dort - feuchte Spuren auf den Wangen, die Wimpern vom Salz der Tränen wieder einmal verklebt. Aus ihrer rechten Jackentasche schaut die silbrige Spitze eines Rasiermessers heraus.

Ein Mann steht neben ihr, ein Stück hinter den beiden kommt ein Teenager hinter einem der vielen Grabsteine hervor. Der Mond verschwindet hinter den Wolken, die drei schwarz gekleideten Gestalten verschwinden vor dem menschlichen Auge in der Dunkelheit.

Doch er sieht sie noch. Er steht auf, wedelt aufgeregt mit dem Schwanz und läuft aufgeregt auf das Mädchen zu.


Eine feuchte Zunge schleckt über ihr Gesicht, will ihr sagen wollen, dass ihr Albtraum wahr geworden ist. Doch ihr Verstand würde es erst Jahre später verstehen und sich daran erinnern.

Der Hund bellt sie an und ein zaghaftes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. Bewusst bricht sie die Regel und macht den Sicherheitsgurt auf – immerhin will sie zu dem Hund raus. Hunde lieben das Wasser, sie spielen so gerne damit. Und sie doch auch!

„Ich werde dich Schwibbel-Schwabbel nennen“, meint sie voller Überzeugung und zitiert ihren Lieblingsfilm. „Und du wirst mein Schwibbel-Schwabbel sein! Stimmt’s, Mama?“

Ihr Blick fällt auf die rote Seitenscheibe des Autos. Irgendwas stimmt nicht.
Ihre Hose ist nass.


Das Mädchen kniet sich auf den Boden und lässt den Hund über ihr Gesicht schlecken. Ein Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus. „Ich hab dich auch lieb, Schwibbel-Schwabbel.“

________________________________________________________________________________________________________


In einer anderen Zeit sitzt er dort, wartet. Kein Mädchen steht dort im Tor.

Ein Mann liegt zuhause in der Badewanne, im kalten roten Wasser, keine Bewegung darin.

Daneben wartet ein Teenager, zu seinen Füßen liegt eine Pistole, in seiner linken Hand das Rasiermesser seines Vaters. Im Schlafzimmer nebenan liegt ein Mädchen, zwei Jahre älter als damals am Friedhof. Die Augen sind geschlossen, keine Tränenpuren auf den Wangen, aber die Wimpern sind vom eingetrockneten Salz steif. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich sanft.

Der Junge geht zu seiner Schwester, zieht ihren nackten Körper vorsichtig wieder an und nimmt sie dann unter leisem Stöhnen in die Arme.

Als sie das Grundstück verlassen, biegt er auf die Waldstraße ein. In der Hundehütte hebt Schwibbel-Schwabbel den Kopf.


Es ist wieder Nacht. Seit zwei Tagen wartet er nun vor dem Tor, aber Zeit spielt für ihn keine Rolle.
Und er wartet noch immer …


Zwei Gestalten liegen auf dem Grabstein, nahe bei ihrer Mutter. Die Arme des Jungen sind um das Mädchen geschlungen, versuchen es zu schützen.

Und nachts schreit sie, feuchte Spuren auf ihren Wangen und die Wimpern verklebt – von weitem ist das Heulen eines Hundes zu hören, der einst den Neuanfang einer kaputten Familie zerstört hatte.




[23.03.2010]

Der geistige Horizont einiger Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null. Sie nennen das ihren Standpunkt.
_________
Weinst du? ...
Lügner.

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Beitrag #2 |

RE: Salzwimpern
Hallo Chaskee,
wie versprochen, ein Kommentar unter dieses, wie ich finde, sehr originelle und mitreißende Werk - auch in der Hoffnung, hier wieder öfter auf Werke von dir zu stoßen.
Was mich verwundert, ist das du Salzwimpern unter Sonstiges abgelegt hast. Meiner Meinung nach würde es sich auch sehr gut unter Emotionen oder vielleicht sogar besser Nachdenkliches passen. Aber vielleicht scheust du auch einfach die Kategorisierung?
Wie auch immer, ich fand den Aufbau der Geschichte sehr interessant, die Zeitsprünge und auch die nach rechts orientierten Einschübe. Die Blickpunkte des Hundes, die so nicht nur seine Stellung, sondern auch seinen andere Perspektive auf die Ereignisse unterstreichen.

Aber nun erst einmal zum Text.

Zitat:
Er sitzt dort, wartet. Sein Blick ist auf die Eisenspitzen ganz weit oben gerichtet …
-- Ein gelungener Einstieg. Zwar nicht besonders spektakulär, eher einfach gehalten, aber gerade deshalb wirksam. Auch, dass du nicht näher darauf eingehst, weckt die Neugier. Was für Eisenspitzen? Ein Dachumrandung oder eher ein Zaun? Ich stellte mir Letzteres vor, so einen alten, schmiedeisernen und fragte mich, wozu der Zaun wohl gehört? Ein einfaches Grundstück, ein Friedhof oder gar die Pforten zum Himmel?
Ganz klar ist es mir immer noch nicht, auch wenn ich Letzteres? vermute.

Zitat:Es gibt keinen Beginn für das Ende.
Hier muss man jedoch einen Anfang kreieren, sonst müsste ich schweigen.
- Dieses Zitat könnte man gut unter das Thema 'Zitat, die zum Nachdenken anregen' verlegen. Diese alte Floskel "Wo soll ich Anfangen", wenn es doch in der sich ständig wandelnden Welt so etwas wie einen Fixpunkt nicht gibt? Da muss man sich denn entscheiden. Eben damit man überhaupt anfangen kann, mit erzählen. Du hast dieses Dilemma wunderschön in Worte gekleidet.

Zitat:Vor langer, langer Zeit lebte eine Mutter von drei Kindern. Sie versorgte zwei davon, das Dritte war über das Wochenende beim Vater.
-- Nach dem tollen Einstieg war ich hier etwas verblüfft über den Stil, der mir doch recht schwach und so 08/15 erschien und dann kam DAS:

Zitat:Nur dauerte das Wochenende nun schon drei Jahre und niemand wusste, wo Vater und Kind hin verschwunden waren.
-- Fast musste ich hier grinsen, weil du den Leser so unvermittelt einen vor den Latz knallst, wäre die Wahrheit in den Worten nicht so traurig.

Zitat:Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.
-- Ja, manchmal hat man so viel Glück, dass man es gar nicht fassen kann. Vor allem, wenn man schon so lange in Dunkelheit lebt, dass man gar nicht mehr weiß, wie sich das anfühlt.
Zur besseren Unterstreichung würde ich Gedanken immer kursiv setzen. Das hat sich hier so eingebürgert, aber letztendlich ist es dir überlassen und durch den Nachsatz wird es ja auch klar.

Zitat:In der Nacht war ihre kleine Tochter zu ihr gekommen, salzige Spuren auf den Wangen. Die Wimpern waren von Albtraumtränen zum Teil verklebt.
-- Ein schönes Wort 'Albtraumtränen'. Sie ziehen sich durch das ganze Werk, auch wenn du bis zum Schluss nicht erwähnst, warum das Kind so verstört, so Albtraum geplagt ist. Muss man auch nicht wissen, als Leser, ich denke, jeder kann sich so ungefähr vorstellen, wie die Trennungen von Menschen manchmal verlaufen und was für Gründe dahinter stecken können.

Zitat:Zu ihr würde sie immer finden, meinte das Mädchen einst, als die Mutter gebrochen in der mit erkaltetem Wasser gefüllten Badewanne saß – das Rasiermesser ihres Mannes in der rechten Hand und das Mädchen um den Hals.
-- Hier musste ich das erste Mal schlucken. Wie ... muss eine Ehe laufen, dass die Mutter zu so einem Mittel greift? Okay, vielleicht hatte sie schon vorher Probleme, es verwundert mich jedoch nicht, dass die Tochter so verstört ist, wenn sie das in jungen Jahren hat mitansehen müssen.
-- Da diese Ereignisse schon eine Weile her ist, würde ich die Zeitformen etwas ändern, einfach um es mehr vom Jetzt abzuheben, sprcih:
"Zu ihr würde sie immer finden, hatte das Mädchen einst gemeint, als die Mutter gebrochen in der mit erkaltetem Wasser gefüllten Badewanne gesessen hatte -"
-- Es hat übrigens auch etwas gedauert, bis ich dieses "und das Mädchen um den Hals" verstanden habe. Vielleicht ging das nur mir so, doch irgendwie wurde mir erst beim wiederholten Lesen klar, was damit eigentlich gemeint war.

Zitat:„Ich hab dich lieb, Mama“, meinte sie und das Messer wurde zu einem schweren Gewicht, das immer verlockender und furchteinflößender wirkte.
-- Eigentlich hätte ich hier gedacht, dass die Bemerkung die Mutter in das Leben zurückholt. Dafür steht das "schwere Gewicht" und auch das "furchteinflößend", zugleich schreibst du aber auch "verlockend", was verwirrt. Vielleicht ein Hinweis, wie verwirrt die Mutter ist, wie hilflos?

Zitat:
Ein Vogel fliegt auf. Zwitschert – ein kreativer Beobachter hätte es als gehässig interpretieren können – doch dieser Beobachter vergisst es scheinbar genau so schnell wieder, wie es seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Und er wartet …
-- Das mit dem Beobachter find ich toll. Wie oft liest man das in Geschichten? Da kommt immer irgendein Beobachter, der das Gezwitscher eines Vogels interpretiert oder das Lachen der Sonne etc. pp. Dann ist dieser Beobachter wieder verschwunden, woher auch immer kam, vergessen. Das der Beobachter dann auch das Gezwitscher vergisst, ist mal eine geniale Interpretation oder Sichtweise. *lach*

Zitat:Im Rückspiegel beobachtete sie, wie ihr kleines Mädchen die Rattengiftverpackung nahm und neugierig inspizierte. Mitten in einer weiteren Jammerlitanei ihres Sohnes griff sie hinter sich und schnappte blind nach der neuesten Gefahr, bevor irgendetwas im Mund ihrer Tochter landen konnte.
-- Warum hat die Mama denn Rattengift??

Zitat:„Mama!“
-- Erst am Ende hab ich verstanden, dass hier wohl der Hund vor das Auto läuft. Toll, wie du das versteckst. Kein Hinweis, nicht mal Reifenquietschen oder so etwas in der Art, um nach Effekt zu haschen. Trotzdem wirkt es.

Zitat:
Ein leises Winseln ist zu hören, als er sich etwas anders hinsetzte. Die Wolken zogen über ihm davon, am Horizont rechts von ihm versank die Sonne und die letzten, blutgetränkten Strahlen kämpften sich durch die Baumstämme zu ihm durch.
-- Das Bild der kämpfenden Strahlen gefällt mir sehr.

Zitat:Verdammtes MIstv-, war der letzte Gedanke, nachdem das Auto über die Leitplanke gekippt war und sie im Fluss landeten. Das letzte Bild, das sie sah, war ihr Sohn, eingepudert mit Rattengift. Ein Metallteil hatte sich von irgendwo gelöst und streckte in seiner Wange, das Ende schaute am Hinterkopf der ihr zugewandten Seite heraus.
-- "Mistv" - da ist ein großes I reingerutscht. Ansonsten toll, nur wie das mit dem Metallteil funktioniert, wird mir nicht ganz klar. Geht es durch seinen Kopf durch oder steckt es eher so seitlich drin? Müsste er davon nicht sterben? Aber er ist der große Bruder von weiter hinten oder nicht?

Zitat:
Ein leiser Schluckauf ist plötzlich zu hören. Er richtet sich auf, sein Blick wieder voller Konzentration auf das Eisentor gerichtet. Es ist offen und ein Mädchen steht dort - feuchte Spuren auf den Wangen, die Wimpern vom Salz der Tränen wieder einmal verklebt. Aus ihrer rechten Jackentasche schaut die silbrige Spitze eines Rasiermessers heraus.
-- Zuerst dachte ich, das Mädchen wäre das Kind aus dem Auto. Jetzt, wo ich das mit dem Rasiermesser erneut lese, frage ich mich allerdings, ob das nicht die Mutter ist. Ein jüngeres Bild von ihr, als ihr Leben anfing aus dem Fugen zu geraten.

Zitat:Ein Mann steht neben ihr, ein Stück hinter den beiden kommt ein Teenager hinter einem der vielen Grabsteine hervor. Der Mond verschwindet hinter den Wolken, die drei schwarz gekleideten Gestalten verschwinden vor dem menschlichen Auge in der Dunkelheit.
-- Der Mann könnte der Vater sein. Vielleicht hat er die Mutter als Kind misbraucht? Oder sehen wir hier den Vater des Mädchens? Beide stehen am Grab der Mutter und deshalb der Friedhof? Deshalb in Schwarz?
Aber wer ist dann der Teenager? Oder ist das das erwaähnte dritte Kind, das bereits beim Vater lebte? Dann sind also die Mutter und der kleine Junge tot?
Ja, ich glaub, so ist es. Deshalb kommt dann das Mädel zu ihrem Vater.

Zitat:Doch er sieht sie noch. Er steht auf, wedelt aufgeregt mit dem Schwanz und läuft aufgeregt auf das Mädchen zu.
-- Der Hund ist auch tot, oder? Er wartet da an der Himmelspforte und hier eröffnet sich ihm nun ein Blick auf die Welt der Lebenden. Liege ich falsch?

Zitat:Eine feuchte Zunge schleckt über ihr Gesicht, will ihr sagen wollen, dass ihr Albtraum wahr geworden ist. Doch ihr Verstand würde es erst Jahre später verstehen und sich daran erinnern.
-- Nach dem Ausblick in die Zukunft nun wieder zurück zum Unfallort. Der Hund lebt (noch)? Das Mädchen, unbedarft wie sie in ihrer Jugend ist, will mit ihm spielen. Der wahr gewordene Albtraum ist der Tod der Mutter, oder?
Davon hat sie immer geträumt? Wohl auch wegen der Badewanneszene. Was für ein Trauma.

Zitat:„Ich werde dich Schwibbel-Schwabbel nennen“, meint sie voller Überzeugung und zitiert ihren Lieblingsfilm. „Und du wirst mein Schwibbel-Schwabbel sein! Stimmt’s, Mama?“
-- Hier musste ich lachen.

Zitat:Ein Mann liegt zuhause in der Badewanne, im kalten roten Wasser, keine Bewegung darin.
-- Der Bezug zur Badewannenszene der Mutter, bewusst gewählt?

Zitat:Daneben wartet ein Teenager, zu seinen Füßen liegt eine Pistole, in seiner linken Hand das Rasiermesser seines Vaters.
-- Hat er ihn nun erschossen oder nur bedroht und dann das Messer benutzt?

Zitat:Der Junge geht zu seiner Schwester, zieht ihren nackten Körper vorsichtig wieder an und nimmt sie dann unter leisem Stöhnen in die Arme.
-- Ich nehme an, der nackte Oberkörper ist ein Hinweis darauf, warum der Junge den Vater getötet hat? Missbrauch? Wahrscheinlich hat die Mutter ihn auch deswegen verlassen?

Zitat:Als sie das Grundstück verlassen, biegt er auf die Waldstraße ein. In der Hundehütte hebt Schwibbel-Schwabbel den Kopf.
-- Der Hund lebt doch noch? Jetzt bin ich verwirrt. Bisher klangen die Hundeszenen immer so nach Traumszenen oder halt vom Himmel betrachtet.

Zitat:
Es ist wieder Nacht. Seit zwei Tagen wartet er nun vor dem Tor, aber Zeit spielt für ihn keine Rolle.
Und er wartet noch immer …
-- Ah, okay, der Hund ist in einer anderen Zeit? Er wartet die ganze Zeit am Tor, auf das Mädchen? Und die Geschichte erzählt, was vorher passiert ist, warum er nun wohl vergeblich wartet? Richtig verstanden?

Zitat:Und nachts schreit sie, feuchte Spuren auf ihren Wangen und die Wimpern verklebt – von weitem ist das Heulen eines Hundes zu hören, der einst den Neuanfang einer kaputten Familie zerstört hatte.
-- Neuanfang einer kaputten Familie.
Ein 'schönes' Ende. Traurig, wie die ganze Geschichte. Ein bisschen kommt sie mir vor, wie ein Blüte. Da gibt es das oberflächliche Bild, doch betrachtet man sie genauer, entfalten sich noch mehrere Schichten. Das gefällt mir.
Eine runde Sache, an der ich Nichts auszusetzen habe. Vielleicht könnte ich mir etwas mehr Klarheit wünschen, hier und da. Andererseits lebt die Geschichte gerade durch das Versteckte. Der Leser muss halt ein bissl Nachdenken, warum auch nicht.
'Salzwimpern' ein schönes Wort, genialer Titel. Eigentlich etwas Alltägliches und doch so noch nie gelesen. Passend für diese bemerkenswerte Geschichte.

Ich hab sie sehr, sehr gern gelesen, auch beim dritten, vierten Mal noch.

Liebe Grüße
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #3 |

RE: Salzwimpern
Beim ersten Lesen konnte ich mit dem Text gar nichts anfangen. Im zweiten Anlauf wurde das Bild dann klarer. Die Mutter ist also hoffnungslos überfordert, die stressigen Kinder und die Arbeitslosigkeit machen sie fertig, das entführte Kind verdrängt sie mehr schlecht als recht, täglich droht der Zusammenbruch. So weit, so gut.

Aber was passiert dann, in welcher Reihenfolge, und wie passt es zusammen? Anscheinend muss man es drei, vier Mal lesen, um die Puzzleteile der Handlung zusammenzusetzen. Nimm es mir bitte nicht übel, aber dafür ist mir das Thema heute Nacht leider zu düster. Morgen vielleicht.

Deinen Stil mag ich trotzdem, besonders die Bildsprache. Salzverkrustete Augen, das klingt nach Kristallen, Glitzern. Rattengift liegt offen herum - darfs noch ein Symbol mehr sein? Icon_smile Im Prinzip liest es sich herrlich. Nur für heute Nacht zu anspruchsvoll. *einpenn* Sorry, das liegt an mir.


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Beitrag #4 |

RE: Salzwimpern
Hi meine Zwischwe!

Dir sprudelt also mal wieder ein wenig Schreibnektar aus den Fingern? Eigentlich müsste ich hier den virtuellen Zeigefinder erheben (*mod an* und tue es hiermit auch *mod aus*) und dich bitten, auch mal das ein oder andere zu selbst kommentieren. Mrgreen
Na ja, ich freu mich jedenfalls, etwas Neues von dir zu finden.

Zitat:Salzwimpern
Ein schöner Titel, bedrückend irgendwie. Hat was von verweinten Augen. Wenn die Tränen schon getrocknet sind (vielleicht, weil einfach keine mehr nachkommen können)
und das Salz nun die Wimpern (und die Augen und die Seele) verklebt. Schafft jedenfalls diese Grundstimmung in mir.

Zitat:Er sitzt dort, wartet. Sein Blick ist auf die Eisenspitzen ganz weit oben gerichtet …
Als erstes wirfst du dem Leser ein Standbild vor. Noch ist unklar, ob es real ist, ein (Alp-)Traum oder eine Vorstellung. Aber es passt zum Titel
irgendwie. Ein Mensch, zusammengekauert(?) starrer Blick an die Decke, wo ein Fallgitter wartet, herunter zu stürzen und ihn aufzuspießen. So sehe ich zumindest das Bild
momentan. Ein Damoklesschwert. Mal sehen, wie sich das im weiteren Verlauf der Geschichte entwickelt.

Zitat:Es gibt keinen Beginn für das Ende.
Hier muss man jedoch einen Anfang kreieren, sonst müsste ich schweigen.[quote]
Vielleicht geht es also um den Anfang vom Ende. Schön ausgedrückt. Nur das "kreieren" sticht heraus. Dieses Wort ist mir zu hochtrabend, zu abgehoben. Ich würde hier etwas Unauffälligeres
nehmen, vielleicht einfach: "hier(hin) muss man jedoch einen Anfang setzen ..."

[quote]Vor langer, langer Zeit lebte eine Mutter von drei Kindern.
Diese Stelle hat mich etwas aus dem Lesefluss geworfen. Mit den ersten Sätzen hast du einen Stil vorgelegt, der sehr intensiv war. Jetzt plötzlich irgendwie Märchenerzählstimme. Das muss nicht
negativ sein.
Das kann sogar eine Metapher werden, denn jedes Märchen hat auch einen wahren Kern. Mal schauen. Icon_smile

Zitat:Nur dauerte das Wochenende nun schon drei Jahre und niemand wusste, wo Vater und Kind hin verschwunden waren.
Hier spielst du sehr schön mit der Sprache, lässt den Leser ein bisschen ins Leere laufen.

Zitat:Doch darum soll es jetzt hier nicht gehen
Warum erzählst du es uns dann? Dadurch, dass du es einführst, wird es wichtig für den Leser. Er behält es im Hinterkopf. Vielleicht ist das ja gewollt?

Zitat:In Vergangenem soll man nicht unnötig wühlen, wenn man bei Verstand bleiben will, sagte die verrückte alte Nachbarin der Mutter immer wieder.
Ein gelungener Gegensatz ... höre auf die verrückte Nachbarin, wenn du bei Verstand bleiben willst? Ist das wirklich eine gute Wahl? Vielleicht, weil sie aus
Erfahrung weiß, wie man es nicht machen sollte, vielleicht aber ist es ein Hinweis darauf, dass man die Vergangenheit eben doch aufarbeiten muss.

Zitat:Diese Worte hatten sich inzwischen in die leidende Gleichgültigkeit ihrer Sorge eingebrannt …
Leidende Gleichgültigkeit ihrer Sorge? Interessante Konstruktion. Ich gehe davon aus, dass du etwas ganz bestimmtes vor Augen hast. Hm ... der Mutter könnte vor Sorge alles gleichgültig
geworden sein ... aber mehr (vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Mutter der Nachbarin glaubt) klingt es nach: sie trägt noch immer die Maske der Sorge, glaubt vielleicht selbst, sie würde sich noch
Sorgen, aber in Wirklichkeit, ist ihr mittlerweile alles gleichgültig.

Zitat:Ein Zweig knackst am anderen Ende der Mauer, sein Kopf zuckt in diese Richtung. Die Augen starren, scheinen jemanden heraufbeschwören zu wollen. Doch niemand kommt …
Das Bild im Hintergrund verändert sich. Jetzt ist es eine einsame, verlorene Gestalt, die vor einer gigantischen Mauer hockt, die Oben mit Eisenspitzen gesichter ist. Und er wartet.
Als Alternative zu "knackst" vielleicht "knackt"? Ersteres klingt etwas umgangssprachlich.

Zitat:Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.
Mir gefällt der Gedanke. Er wirft ein etwas makaberes Licht auf die Denkerin. Aber ich finde ihn unübersichtlich eingebaut. Gedanken würde ich immer kenntlich machen. Entweder kursiv setzen, oder einfache Anführungszeichen ('Gedanke') verweden.

Zitat:In der Nacht war ihre kleine Tochter zu ihr gekommen, salzige Spuren auf den Wangen. Die Wimpern waren von Albtraumtränen zum Teil verklebt.
Damit wissen wir, dass es wohl die Mutter vom Anfang sein muss. "Alptraumtränen" Gut ausgedrückt.

Zitat:Zu ihr würde sie immer finden, meinte das Mädchen einst, als die Mutter gebrochen in der mit erkaltetem Wasser gefüllten Badewanne saß – das Rasiermesser ihres Mannes in der rechten Hand und das Mädchen um den Hals.
Warum "zu ihr finden". Wer zum wem? Die Tochter zu Mutter, wenn sie sich verlaufen hat (z. B. in einem Alptraumlabyrinth?). Oder doch die Mutter, die nicht zu ihrem verschwundenen Kind finden kann?
Oder beides.

Zitat:Ein Vogel fliegt auf. Zwitschert – ein kreativer Beobachter hätte es als gehässig interpretieren können – doch dieser Beobachter vergisst es scheinbar genau so schnell wieder, wie es seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Und er wartet …
Diese krusive Stelle wirkt auf mich etwas unnötig, etwas hineingezwängt hier. So als wolltest du den Leser daran erinnern, dass es noch den Wartenden gibt ... aber du setzt nicht wirklich einen neuen Pinselstrich am Gemälde. Folglich
bin ich nicht berührt.

Zitat:Im Rückspiegel beobachtete sie, wie ihr kleines Mädchen die Rattengiftverpackung nahm und neugierig inspizierte. Mitten in einer weiteren Jammerlitanei ihres Sohnes griff sie hinter sich und schnappte blind nach der neuesten Gefahr, bevor irgendetwas im Mund ihrer Tochter landen konnte.
Gestresste, alleinerziehende, junge Mutter. Wegen der Naylonstrumpfhose vielleicht sogar erfolgreich im Job, oder aber der Versuch, ebendieses zu sein. Schön wie du das in einer kleinen Szene rüberbringen kannst.
Kontrast zu den Selbstmorderinnerungen vorhin.

Zitat:Ein leises Winseln ist zu hören, als er sich etwas anders hinsetzte. Die Wolken zogen über ihm davon, am Horizont rechts von ihm versank die Sonne und die letzten, blutgetränkten Strahlen kämpften sich durch die Baumstämme zu ihm durch.
Seltsam ... das es Tag ist (oder eher war) hab ich mir schon nach dem aufliegenden Vogel gedacht ... aber so richtig passen zur Stimmung in dem Bild, die ich mir ausgemalt hatte, will es nicht.
Auf wen oder was er wohl wartet?

Zitat:Verdammtes MIstv-, war der letzte Gedanke
Das "I" muss klein. Icon_smile

Zitat:Ihre Tochter kreischte, es klang anders, als sonst immer, wenn im Fernsehen sich jemand küsste. Merkwürdig.
Das "sich" ist meiner Meinung nach an der falschen Stelle: "wenn sich im Fernsehen jemand küsste"

Auotunfall, aus der Sicht der Fahrerin, in dem Augenblick, nachdem es passiert ist. Geglücktes Experiment. Das Kind macht die Mutter auf ein Tier aufmerksam, das über die Straße rennt(?), die Mutter verreißt das Lenkrad (ihre Aufmerksamkeit war doch eigentlich bei dem Rattengift)
Sie fliegen die Böschung hinab. Sohn tot, Mutter wohl auch.
Und alles mit einer gewissen Distanz erzählt, einem gewissen Unverständis. Schock und Überraschung, so würde ich es interpretieren. Es bleibt keine Zeit für das Realisieren.

Zitat:Dann herrschte endlich Stille.
Kann man vielleicht als Fortführung ihres unausgesprochenen Gedankens zur Szene kurz davor lesen. Kinder unruhig und am quengeln ... die Mutter vielleicht ein bisschen genervt, will vielleicht etwas Ruhe. Jetzt hat sie Ruhe. Makaber ... und passend zum Nichterfassen der Situation.

Zitat:Aus ihrer rechten Jackentasche schaut die silbrige Spitze eines Rasiermessers heraus.

Die Parallelgeschichte spielt also zumindest ein wenig in der Zukunft. Wer das Mädchen ist, daran lässt du keinen Zweifel, wenn du von verklebten Augen schreibst. Auch die Rasierklinge erinnert an das Bild der Mutter. Das ganze nun auf dem Friedhof? Schwarzgekleidet und Mauern und metallenes Tor würde passend.
Aber wie sollte das Mädchen an die Rasierklinge gekommen sein? Meine Gedanken halten sich noch ein Hintertürchen offen. Vielleicht ist dieses Mädchen die Mutter vom Anfang und später ging es um die Mutter der Mutter. Verstehst du was ich sagen will? *lacht*
So oder so, die Kling ist ein Bindeglied, wohin auch immer.

Zitat:Doch er sieht sie noch. Er steht auf, wedelt aufgeregt mit dem Schwanz und läuft aufgeregt auf das Mädchen zu
Das kommt überraschend. Schön! Ein Hund wahrscheinlich (wegen dem Schwanzwedeln). Vielleicht sogar das Tier, dass indirekt für den Tod der Mutter verantwortlich ist, das vor das Auto gelaufen ist?

Zitat:Eine feuchte Zunge schleckt über ihr Gesicht, will ihr sagen wollen, dass ihr Albtraum wahr geworden ist. Doch ihr Verstand würde es erst Jahre später verstehen und sich daran erinnern.
Eine schöne Verknüpfung zur Anfangsszene.

Zitat:Der Hund bellt sie an und ein zaghaftes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. Bewusst bricht sie die Regel und macht den Sicherheitsgurt auf – immerhin will sie zu dem Hund raus. Hunde lieben das Wasser, sie spielen so gerne damit. Und sie doch auch!
Tolle Stelle. Mit ganzem kindlichen Unverständnis begegnet das Mädchen der Situation. Das etwas Schlimmes passiert ist, scheint ihr bewusst (immerhin hat sie geschkreischt), aber nicht, wie schlimm es wirklich ist.
Der Hund hat ihre gesamte Aufmerksamkeit. Gedanklich bleiben Regeln, der Mutter mehr im Vordergrund, als das Schweigen.
Vielleicht rettet ihr das sogar das Leben, aber der Bach wirkt nicht so, als könne das Auto darin versinken, sonst hätte das Mädchen nicht einfach heruaskommen können.

Zitat:Das Mädchen kniet sich auf den Boden und lässt den Hund über ihr Gesicht schlecken. Ein Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus. „Ich hab dich auch lieb, Schwibbel-Schwabbel.“
Der endgültige Beweis, hätten wir denn noch einen gebraucht. Ein und der selbe Hund.

Zitat:In einer anderen Zeit sitzt er dort, wartet. Kein Mädchen steht dort im Tor.
Ein Zeitsprung ... in welche Zeit?

Zitat:Ein Mann liegt zuhause in der Badewanne, im kalten roten Wasser, keine Bewegung darin.
Vision der Mutter ins Gegenteil verkehrt. Wer ist der Mann? Der Vater? Der Vater der erst wieder da war, als die Mutter tot war? Der neue Vater?

Zitat:Daneben wartet ein Teenager, zu seinen Füßen liegt eine Pistole, in seiner linken Hand das Rasiermesser seines Vaters.
Die Vision der Mutter noch mehr ins Gegenteil verkehrt. Bei der Mutter stand die Tochter und holte sie zurück ins Leben. Hier steht der Sohn und brachte den Tod. So wirkt es zumindest auf mich.
Und wieder das Rasiermesser. Die Parallelen die du ziehst gefallen mir gut.

Zitat:Der Junge geht zu seiner Schwester, zieht ihren nackten Körper vorsichtig wieder an und nimmt sie dann unter leisem Stöhnen in die Arme.
Der Knackpunkt in deiner Geschichte. Der Grund, aus dem der Sohn den Vater(?) tötete? Ist die Tochter nackt, weil der Vater sie missbrauchte? Deshalb Rache des Sohnes am Vater? (Seltsam, es könnte auch umgekehrt sein: der Sohn will die Schwester und räumte den Vater aus dem Weg. Vielleicht einen Tick deutlich was du meinst?
Nur einen Tick? Wahrscheinlicher ist, aber das der Vater der Übeltäter war, denn warum sonst sollte der Sohn so vorgehen?)

Zitat:Und nachts schreit sie, feuchte Spuren auf ihren Wangen und die Wimpern verklebt – von weitem ist das Heulen eines Hundes zu hören, der einst den Neuanfang einer kaputten Familie zerstört hatte.
Der letzte Satz, das letzte Puzzelteil, passt mir noch nicht ganz hinein. Mein Problem liegt im Neunanfang und der Gestalt des Vaters. Der Neunanfang könnte nämlich bedeuten, dass Vater und Mutter gerade wieder zueinander gefunden hatten.
Aber dafür gibt es keinen Hinweis (der mir aufgefallen wäre) im Text. Es könnte ein "neuer" Vater sein. Aber das würde den schönen Cirkel, den deine Geschichte beschreibt stören.
Ich lese es so, dass die Kinder, nach dem Tod ihrer Mutter, zu ihrem leiblichen Vater zurück mussten. Der Neuanfang liegt dann vielleicht in dem Jobangebot, dass die Mutter ganz am Anfang bekommt.

So. Icon_smile Zunächst zum Handwerklichen. Ich finde, die Sprache, die du verwendest, ist für das Thema, das Bild, das du aufgreifst manchmal etwas zu einfach. Du könntest den Text etwas "verdichten", indem du ein noch ein wenig mehr mit der Sprache spielst, Metaphern einbaust z. B. aber das ist einfacher gesagt als getan. Icon_wink Es waren aber einige sehr schöne Sprachfiguren drin.
Dein Aufbau hat mir gut gefallen. Mit verschiedenen kleinen, splitterartigen Fragmenten zeichnest du das Bild der Familie Schicht um Schicht. Alles kristallisiert sich nur nach und nach heraus. Und das macht den Reiz der Geschichte aus. Sie hat keine Handlung, die den Leser mit Spannung von Satz zu Satz jagt, aber sie führt den Leser behutsam
an die Situation heran, die du beschreiben willst. Die Verknüpfung der beiden Teile gelingt dir mit Hilfe des Hundes und dem parallelen Aufbau "seiner" Textstellen. So dass beide Abschnitte nicht zu lose nebeneinander stehen. Überhautp verfolgst du mit der Doppelerzählung Mutter-Hund einen interessanten Ansatz.
Das sich im Nachhinein herausstellt, dass die kursive Szene ein Vorgriff war, sozusagen ein Fenster zu dem was noch passieren wird, gefällt mir. Es ist zwar nicht unbedingt die neuste Idee, aber kam - für mich - doch überraschend. Un ruft am Ende einen "Klick-Effekt" hervor.
Alles in allem passiert ja nicht so viel in deiner Geschichte. Wir haben die gestresste, alleinerziehende Mutter, die schon nah dran war sich umzubringen, aber ihrer Tochter zu liebe, doch den steinigen Weg wählt. Und am Anfang des Textes (scheinbar) belohnt wird. Ein Jobangebot! Es geht aufwärts! Diese positiven Aspekte werden
je zu nichte gemacht. Seltsamerweise durch den Hund, der im zweiten Teil noch seine Rolle spielt, sozusagen den letzten Auftritt in deiner Geschichte hat. Schon seltsam, wie sich so kleine Details auf ein anderes Schicksal auswirken können. Für mich ist das mit eine Aussage deiner Geschichte. Menschen können sich mühsam etwas aufbauen. Und dann
ist es doch nur eine Kleinigkeit, die alles zu nichte macht.
Interessieren würde mich, ob ich die letzten Ereignisse zwischen Tochter, Bruder und Vater richtig interpretiert habe. Wie gesagt, da würde ich mir vielleicht noch einen Tick Information mehr wünschen. Aber es darf auch nicht zu viel sein. Das würde es langweilig machen. *g* Feinjustierung sozusagen.

Hat mir insgesamt gut gefallen! ^^

Liebe Grüße vom Wanderer

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Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #5 |

RE: Salzwimpern
Hey Chaskee
Ich habe mich nur ein paar Sachen zum Schreibtechnischen gefunden. Auf den Inhalt werde ich nicht so sehr eingehen. Icon_wink
Das ist alles meine ganz persönliche Meinung, nehm was du gebrauchen kannst und vergiss den Rest. Icon_wink

Zitat:Er sitzt dort, wartet. Sein Blick ist auf die Eisenspitzen ganz weit oben gerichtet …
Hier könntest du das "ganz" ohne bedenken streichen. Icon_wink

Zitat:Vor langer, langer Zeit lebte eine Mutter von drei Kindern
An dieser Stelle hat mich das „von“ verwirrt.
Meiner erst Gedanke war: „Lässt sie ihre Kinder arbeiten und behält das Geld für sich?

Zitat:Nur dauerte das Wochenende nun schon drei Jahre und niemand wusste, wo Vater und Kind hin verschwunden waren.
Ich würde nach dem „drei Jahre“ ein Punkt mache. (Ich finde dann wirk es besser.)

Zitat:Doch darum soll es jetzt hier nicht gehen.
An dieser Stelle, hast du mich aus deiner Geschichte katapultiert.

Zitat: Der Morgen hatte so vielversprechend begonnen.
An dieser Stelle weiß ich nicht von welchen Morgen du sprichst, da ich immer noch durch deinen „Rausschmiss“ verwirrt bin.

Zitat:Am Vorabend hatte sie endlich den langersehnten Anruf bekommen, ein Jobangebot, als wäre er von der Glücksfee selbst organisiert worden. Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.
Und wer ist sie? Ich weiß einfach nicht welche Person damit meinst. Aber ich denke mal es ist die Mutter.

Zitat:In der Nacht war ihre kleine Tochter zu ihr gekommen, salzige Spuren auf den Wangen.
Du hast hier eine kleine Wortwiederholung „ihre“ und „ihr“ daher würde ich die kleine Tochter schreiben.

Zitat:Zu ihr würde sie immer finden, meinte das Mädchen einst, als die Mutter gebrochen in der mit erkaltetem Wasser gefüllten Badewanne saß – das Rasiermesser ihres Mannes in der rechten Hand und das Mädchen um den Hals.
Diesen Satz musste ich drei mal lesen um ihn zu verstehen, da er ein sehr schöner Schachtelsatz ist.^^

Zitat:Ein Vogel fliegt auf. Zwitschert – ein kreativer Beobachter hätte es als gehässig interpretieren können – doch dieser Beobachter vergisst es scheinbar genau so schnell wieder, wie es seine Aufmerksamkeit erregt hatte.
Ein wirklich schöner Satz, aber wieder so lang. (Ich bin davon überzeugt, dass kürze Sätze besser wirken Icon_wink )

Zitat:Er wolle nicht in die Schule, sagt er immer wieder, während die Nylonstrumpfhose sie bei jeder kleinen Bewegung auf dem Bremspedal im Schritt unangenehm zwickte.
Diesen Satz solltest du lieber in zwei auf Teilen, sonst könnte der Leser auf die Idee kommen der kleine Junge trägt die Nylonstrumpfhose. Icon_wink

Zitat:Ein Metallteil hatte sich von irgendwo gelöst und streckte in seiner Wange, das Ende schaute am Hinterkopf der ihr zugewandten Seite heraus.
Ich würde „von irgendwo“ raus nehmen.

Was danach kam hat mich so gebannt, dass ich nur auf den Inhalt des Textes achten konnte. (Auch nach mehrmaligen lesen) Also von daher denke ich das dir der letzte Abschnitt gut gelungen ist.
Im allgemeinen wand ich deinen Text sehr schön und mitreißend. Icon_smile

Wenn du noch Fragen zur meiner Kritik hast, frag einfach. Icon_wink

lg Echo

Wehe dem der Böses tut, denn seine Schuld wird nie vergehen.

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Beitrag #6 |

RE: Salzwimpern
@ tante addy:
Zitat:Was mich verwundert, ist das du Salzwimpern unter Sonstiges abgelegt hast. Meiner Meinung nach würde es sich auch sehr gut unter Emotionen oder vielleicht sogar besser Nachdenkliches passen. Aber vielleicht scheust du auch einfach die Kategorisierung?
Ich hab den Text absichtlich unter Sonstiges online gestellt, da es für mich einfach ein vielseitiger Inhalt ist. Klar, Emotionen könnte passen, aber es ist meiner Meinung nach in so viele Richtungen interpretierbar, dass ich es einfach hier hin gepflanzt hab. (=

Dein Kommentar war unglaublich interessant zu lesen, danke dir dafür! (Auch wenn es fast schon ein Auftrags-Kommentar war. *grins*)
Ich hoffe, du verzeihst, wenn ich jetzt nicht mehr so viel dazu schreibe, den Rest werd ich mal persönlich unter einem 20-Finger-Gespräch mit dir durchgehen, denke ich. ^^
____________________________________________________________________________

@ coco, die einst solche Geduld mit meinem Schreibstil hatte (der einfach nur schrecklich war) und jetzt zu müde ist, um mehr zu schreiben:
Zitat:Aber was passiert dann, in welcher Reihenfolge, und wie passt es zusammen?
und
Zitat:Deinen Stil mag ich trotzdem, besonders die Bildsprache. Salzverkrustete Augen, das klingt nach Kristallen, Glitzern. Rattengift liegt offen herum - darfs noch ein Symbol mehr sein? Im Prinzip liest es sich herrlich. Nur für heute Nacht zu anspruchsvoll. *einpenn* Sorry, das liegt an mir.
Oh, wie ich deine Denkweise liebe - als würdest du meinen Durst nach Bildern in allen Gefühls-Molekülen durchstudieren und dann versuchen mit einem Tropfen zu lö- ... ich hör ja schon auf mit dem Kitsch. ^^
Die Reihenfolge darfst du dir selbst heraushinterpretieren. Wenn es soweit ist, werd ich darauf antworten. Schlaf dich erst einmal aus und nimm dir die Zeit die du brauchst, falls du dir die Zeit denn überhaupt noch dafür nehmen willst.
Würde mich freuen (=
__________________________________________________________________________

@ Bruder Wanderknoten:
Zitat:Eigentlich müsste ich hier den virtuellen Zeigefinder erheben (*mod an* und tue es hiermit auch *mod aus*) und dich bitten, auch mal das ein oder andere zu selbst kommentieren.
*demütigst das Haupt senk* ... Ja, Meister ZwiBru ... Smiley_emoticons_blush (Sobald es meine Zeit wieder erlaubt. ^^)
Zitat:Interessieren würde mich, ob ich die letzten Ereignisse zwischen Tochter, Bruder und Vater richtig interpretiert habe. Wie gesagt, da würde ich mir vielleicht noch einen Tick Information mehr wünschen. Aber es darf auch nicht zu viel sein. Das würde es langweilig machen. *g* Feinjustierung sozusagen.
Ja, das interessiert viele, nehme ich an ... *schmunzel*
Auch mit dir werd ich noch einen Termin für eine 20-Finger-Besprechung ausmachen, denke ich. ^^
Nur so viel zu der Geschichte einstweilen: Dass es teilweise so undurchsichtig und mangelinformativ ist, war beabsichtigt. Ehrlich gesagt, würde ich es nicht unbedingt ändern wollen. Ich kann mich aber gern einmal hinter den Text klemmen und eine Alternativ-Version schreiben, sollte ich wieder Zeit und die Muse dazu einfangen. (=
Für's erste einfach mal "Danke!" für diesen aufwendigen Kommentar! *freu*

*knuddel*
__________________________________________________________________________

@ Echo, das unbekannterweise aus den Weiten und Tiefen des Forums zu meiner merkwürdigen Geschichte hervorschallte:
Zitat:Hey Chaskee
Ich habe mich nur ein paar Sachen zum Schreibtechnischen gefunden. Auf den Inhalt werde ich nicht so sehr eingehen.
Hallo, dir auf (=
Danke für das Glattschleifen meiner literarischen Inkompetenz (Gott, wie ich diesen Begriff gerade hübsch finde! *lach*) - werd das alles in meiner original abgespeicherten Version richtigstellen.
Zitat:Was danach kam hat mich so gebannt, dass ich nur auf den Inhalt des Textes achten konnte. (Auch nach mehrmaligen lesen) Also von daher denke ich das dir der letzte Abschnitt gut gelungen ist.
Im allgemeinen wand ich deinen Text sehr schön und mitreißend.
Oh, ich glaube, das ist das größte Kompliment, dass ein Schreiber nur bekommen kann ... Vielen herzlichen Dank! *es einrahm und in meine staubige Kommentar-Vitrine stell*
Zitat:Wenn du noch Fragen zur meiner Kritik hast, frag einfach.
Zur Kritik nicht ... aber zu deiner Person. Was bist du für ein Mensch? (= *freut sich über eine PN von dir*


_______________________________________________________________________________



Gut ... hopefully hab ich jetzt meine Tante zufrieden gestellt. *zwinkert Addy zu*
Das war fast eine dreiviertel Stunde, die ich grad geopfert hab! Wisse das zu schätzen, du Keksin! ^^

LieGrü und nochmal herzlichsten Dank an alle Kommentatoren. (=

Bekki

Der geistige Horizont einiger Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null. Sie nennen das ihren Standpunkt.
_________
Weinst du? ...
Lügner.

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Beitrag #7 |

RE: Salzwimpern
Liebste Nichte!
Ich hoffe, das Glattschleifen deiner literarischen Inkompetenz wird nicht so viel von der Geschichte ändern. Ansonsten freue ich mich natürlich schon auf deine Antwort und das zwanzig Finger-Gespräch. Icon_smile

Deine
Tante Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #8 |

RE: Salzwimpern
Inkompetenz?
Icon_irre

Moin Chaskee.
Ich hatte schon lange vor, dieses Werk von Dir gebührend zu kommentieren - jedoch kamen immer wieder andere Sachen dazwischen. Mea culpa und scusi.

Dafür jetzt aber.

Anmerkungen:

Zitat:Doch darum soll es jetzt nicht gehen. In Vergangenem soll man nicht unnötig wühlen, wenn man bei Verstand bleiben will, sagte die verrückte alte Nachbarin der Mutter immer wieder. Diese Worte hatten sich inzwischen in die leidende Gleichgültigkeit ihrer Sorge eingebrannt ...

Das, was die alte Nachbarin sagt, könnte man gut in einer neuen Zeile beginnen lassen, damit es übersichtlicher wirkt. Zudem finde ich den letzten Satz ein wenig merkwürdig, denn ich finde, es müsste (vom Bauchgefühl) 'Sorgen' sein.

Vorschlag:
Doch darum soll es jetzt nicht gehen.
In Vergangenem soll man nicht unnötig wühlen, wenn man bei Verstand bleiben will, sagte die verrückte alte Nachbarin der Mutter immer wieder. Diese Worte hatten sich inzwischen in die leidende Gleichgültigkeit ihrer Sorgen eingebrannt ...

(Oder meinst Du mit 'Sorge' nur die Sorge um ihr anderes Kind? Für mich las es sich so, als wäre auch die Arbeitslosigkeit davon betroffen.)

Zitat:Am Vorabend hatte sie endlich den langersehnten Anruf bekommen, ein Jobangebot, als wäre er von der Glücksfee selbst organisiert worden. Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.
Hier die gleiche Anmerkung wie oben: den Gedankengang würde ich in einer neuen Zeile beginnen lassen. Und 'umbringen hatte müssen' klingt unrund, allerdings könnte man die Worte etwas anders stellen, dann wäre es besser.

Vorschlag:
Am Vorabend hatte sie endlich den langersehnten Anruf bekommen, ein Jobangebot, als wäre er von der Glücksfee selbst organisiert worden.
Ob sie dafür unschuldige Menschen hatte umbringen müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.

Das gleiche Problem mit den gedachten Gedanken taucht auch bei dem kleinen Jungen auf, der mit 'trotziger Fratze' im Auto sitzt.)

Ebenfalls an der folgenden Stelle klingt es weniger rund:
Zitat:Die Wimpern waren von Alptraumtränen zum Teil verklebt.

Vorschlag:
Die Wimpern waren zum Teil von Alptraumtränen verklebt.

Zitat:Ein Metallteil hatte sich von irgendwo gelöst und streckte in seiner Wange, das Ende schaute am Hinterkopf ...
... steckte ...

Zitat:... dort - feuchte Spuren auf den Wangen, die Wimpern vom Salz der Tränen wieder einmal verklebt.
Erbsenzählerei, aber ich finde auch hier, dass man das Satzende ein wenig umbauen könnte, damit es runder klingt.

Vorschlag:
... dort - feuchte Spuren auf den Wangen, die Wimpern wieder einmal vom Salz der Tränen verklebt.

Okay, gehen wir mal zur Interpretation über:
Du wechselst zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zumindest bis geklärt ist, dass der Beobachter der Hund ist - danach bleibst Du in der Gegenwart. Aufgrund der Tatsache, dass ich meistens aus dem Forum kopiere und in ein leeres Dokument die fraglichen Werke einfüge (ich kann am Monitor schlecht kommentieren, zu blöd dafür), hatte sich auch leider die Formatierung verschoben, bzw. (wie ich jetzt erst gemerkt habe) die zwei Leerzeilen (die die jeweiligen Sprünge sauber voneinander trennten) waren nur noch eine.
Aber kein Problem, man merkt auch so, was wann wie abläuft.

Insgesamt wechselst Du sehr schön zwischen Vergangenheit und Gegenwart und enthüllst ganz langsam, was hier passiert ist. Ich würde sogar sagen, gut dosiert. Dachte ich am Anfang noch, dass der Beobachter ein normaler Mensch ist, wurde ich bald eines Besseren belehrt.

Okay, aber was haben wir denn hier?
Eine Familie, Vater hat sich einen Sohn geschnappt und ist mit dem abgehauen. Schon seit drei Jahren. Mutter ist arbeitslos und kümmert sich um den jüngsten Sohn und die Tochter. An einem Tag, wo Sie endlich wieder Arbeit bekommt, soll es auch zu einem Neuanfang der Familie kommen. Sie fährt mit den beiden Kindern los und ein Hund verursacht den Autounfall ('Verdammtes MIstv-'), bei dem nur die Tochter überlebt.
In der Gegenwart sitzt eben dieser Hund vor dem Tor des Friedhofs und wartet auf sein neues Frauchen (das Mädchen).

So, ab hier ist alles wie im Krimi: Spekulation.
Der Vater nimmt die Tochter bei sich auf und scheint sie die ganzen zwei Jahre seit den Vorfall zu vergewaltigen (Stichwort: Pistole?), bis irgendwann dem Sohn alles zuviel wird und er dem Vater (in einem unbedachten Moment?) die Kehle (oder was auch immer? Im Schlaf in der Badewanne?) aufschneidet, seine nackte Schwester anzieht und mit ihr zum Grab der Mutter fährt.

Nicht klar ist mir, wann die Geschichte nun zuende ist. Das Mädchen mit dem Rasiermesser, dem Mann und dem Teenager - aber wer ist der Teenager? Oder ist der Mann gar nicht ihr Vater? Handelt es sich hier um die Beerdigung der Mutter? Oder des Vaters?

Gut, nochmal drüber gelesen. Jetzt bin ich der Auffassung, dass die Geschwister zum Grab der Mutter gefahren sind, Sie in der Nacht schreit, der Hund hinterhergelaufen ist und nun bereits seit zwei Tagen vor dem Tor wartet. Letzten Endes klingt es so, als würde er umsonst warten.

Fazit:
Kleiner Krimi. Sehr verschlüsselt, auf den ersten Blick unverständlich - aber wenn man sich dem annimmt, ergibt es durchaus einen Sinn. Nur: ist meine Interpretation richtig?

Ansonsten ist nicht viel zu sagen. Sehr aufgelockert, ein Rechtschreibfehler, kein Blocksatz, großzügige Vergabe von Leerzeilen - aber konzeptionellbedingt nicht anders machbar.

Inkompetenz!
Icon_wink

LGD.


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Beitrag #9 |

RE: Salzwimpern
So, nun hab ich kurz Zeit, um deinen Kommentar gebührend zu beachten. (Ich sitze grad vor dem Dokumentations-PC im OP, hinter mir werden Varizen entfernt. Am liebsten würd ich das alles haargenau und mit Liebe zum Detail darstellen ... aber ich werde deine/eure Gedanken verschonen.)

Danke für die Formulierungsvorschläge, werde es zuhause dann noch einmal durchschauen und vermutlich einiges übernehmen.

Zu deiner Interpretation: Ich finde es furchtbar spannend, dass du meine Gedanken so "locker" nachverfolgen konntest. Du liegst in fast allem richtig - nein, eigentlich in allem. Das einzige, was ich für dich vielleicht noch etwas klarer beschreiben will, ist die Personenkonstellation gegen Ende hin. Der Junge/Teenager, der den Mann in der Badewanne umbringt, ist der Sohn, den der Vater damals mitgenommen hat. Der Badewannen-Ermordete ist der Vater selbst, der (nach dem Autounfall) das Mädchen zur Erziehung hat. (Im Nachhinein klingt das unlogisch, denn eigentlich sollte er ja strafbar sein, da er ja damals den einen Sohn entführt hat ... verdammt, meine Geschichte hat einen Denkfehler!)
Jedenfalls hat der Vater das Mädchen vergewaltigt, was dem Sohn zu viel geworden ist.

Tja, das Ende ist so, dass die beiden Kinder am Grab der Mutter sind und dort bleiben. Das Ende habe ich offen lassen, sonst würde es zu lang werden und verliert am Ende die ganze Stimmung und "Spannung", die ich vorgesehen hatte ...


Nun gut, ich werde es jetzt bei diesen Informationen meinerseits belassen und hoffe, du verzeihst mir irgendwann, dass ich erst jetzt geantwortet habe!

LieGrü, chaskee

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Beitrag #10 |

RE: Salzwimpern
Hi Chaskee!

Uff, da hast du ja was produziert O_O
Das erste, das mir einfällt: Genial!
Das zweite, das sich aufdrängt: Verstörend >_<

Beginnen wir beim Sprachlichen, das ist unverfänglich.

Zitat:Am Vorabend hatte sie endlich den langersehnten Anruf bekommen, ein Jobangebot, als wäre er von der Glücksfee selbst organisiert worden.

Irgendwie dachte ich hier, es müsste „als wäre es von der Glücksfee selbst ...“ heißen (das Jobangebot). Der Satz ist irgendwie nicht so eindeutig aufgebaut ^^

Zitat:Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, kam ihr der absurde Gedankengang in den Sinn.

Fand es etwas schade, dass du den Gedankengang als „absurd“ bezeichnest, das ist so normal. In dieser absurden Geschichte hätte ich eher etwas erwartet wie:
Ob sie dafür unschuldige Menschen umbringen hatte müssen?, sinnierte sie vor sich hin.

Zitat:In der Nacht war ihre kleine Tochter zu ihr gekommen, salzige Spuren auf den Wangen. Die Wimpern waren von Albtraumtränen zum Teil verklebt.

Warum „zum Teil verklebt“ und nicht einfach „verklebt“ -- ich mag diese genauen Differenzierungen nicht so in lyrischen Texten, klingt so objektiv und macht doch inhaltlich eigentlich keinen Unterschied...

Zitat:Verdammtes MIstv-, war der letzte Gedanke, nachdem das Auto über die Leitplanke gekippt war und sie im Fluss landeten. Das letzte Bild, das sie sah, war ihr Sohn, eingepudert mit Rattengift. Ein Metallteil hatte sich von irgendwo gelöst und streckte in seiner Wange, das Ende schaute am Hinterkopf der ihr zugewandten Seite heraus.

Diesen Absatz fand ich irgendwie schwach. Abgesehen von den Tippfehlern (streckte) ist das mit der Stange so Horrorfilm-Kunstblut-plakativ, dass ich mich frage, ob du absichtlich platt wirst? Manchmal sagt weniger mehr, ohne den letzten Satz hätte ich das ganze viel stärker empfunden.

Also gut, ich muss mich wohl oder übel dem Inhalt widmen - eher übel, dein Text hat wirklich ein ganz beklemmendes Gefühl bei mir ausgelöst.
Sehr cool gemacht hast du die kursiven Einschübe. Ich dachte die ganze Zeit, es geht um den Vater, erst spät klärte sich dieses Missverständnis auf. Der Text ist auch insofern verstörend, dass er die Lesererwartung unbefriedigt lässt -- zumindest ich dachte nach der Einleitung und den ganzen kursiven Einschüben, dass wir noch etwas über den verschwundenen Vater und das verschwundene Kind erfahren, dass der Text darauf hinaus läuft. Tat er aber nicht, ziemlich plötzlich und unvermittelt verschob sich das Thema/der Fokus auf das kleine Mädchen. Ich finde diese ... Willkür im Plot sehr passend zu der Geisteskrankheit, die sich als roter Faden entpuppt (sehr geschickt eingeführt durch die Nachbarin).
Besonders stark fand ich den Anfang: das Wochenende, die geisteskranke Nachbarin, und die konfuse Unstetigkeit des Erzählers („Man muss einen Anfang kreieren“; „Doch darum soll es hier nicht gehen“).
Durch den ganzen Text hindurch haben sich immer wieder Wörter direkt in mein Herz gebohrt: Albtraumtränen. Es klang anders als sonst, wenn sich im Fernsehen jemand küsste. Das Detail mit der Nylonstrumpfhose, einfach genial.
Aber ehrlich gesagt finde ich den Anfang immer noch am stärksten. Ich hätte erwartet, dass sich die Unstetigkeit des Erzählers noch weiter fort führt (ich gebs ja zu, ich steh auf so was...). Ein wenig kam es auch noch vor, zum Beispiel „Ob sie dafür unschuldige Menschen hatte umbringen müssen“ reißt uns aprupt aus dem Kontext und katapultiert uns weit hinter den Leser-Erwartungshorizont. Allerdings ist der Erzähler an dieser Stelle schon verschwunden, wir haben die Perspektive der Frau eingenommen. Etwas anderes wäre es so gewesen: „Ob sie dafür unschuldige Menschen hatte umbringen müssen? Wir wissen es nicht, wir könnten in ihrem Keller nach Leichen graben, aber dafür ist keine Zeit, sonst kommt der Junge zu spät zur Schule.“

Zitat:Ein Mann steht neben ihr, ein Stück hinter den beiden kommt ein Teenager hinter einem der vielen Grabsteine hervor. Der Mond verschwindet hinter den Wolken, die drei schwarz gekleideten Gestalten verschwinden vor dem menschlichen Auge in der Dunkelheit.

Den Absatz konnte ich nicht einordnen ... ist aber vielleicht nicht so schlimm, die Atmosphäre kam an.

Auf jeden Fall: Thumbs up! Du solltest mal mehr von dir posten ... andererseits vielleicht auch lieber nicht zu viel, sonst wache ich auch bald mit Albtraumtränen auf ^^“

Viele Grüße,

Ichigo




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