Es ist: 27-11-2020, 09:42
Es ist: 27-11-2020, 09:42 Hallo, Gast! (Registrieren)


frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Beitrag #91 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
So! Genug Geduld strapaziert!

Ich habe eure Antworten noch nicht gelesen, das mache ich morgen. Ich schreibe einfach erst einmal runter, was ich mir heute im Zug so ausgedacht habe (jahaa, anderthalb Stunden Zugfahrt täglich haben auch ihr Gutes Icon_wink )

Kapitel XI
An Kapitel XI springt - wie so oft - der Satz ins Auge. Die beiden Kolumnen erinnern (insbesondere auch wegen der Jakob-Esau-Thematik) an den Satz einer Bibel. Ich habe mir zu Hause alle Bibeln angesehen, die wir hier stehen haben, und alle (bis auf eine etwas merkwürdige Ausgabe des Neuen Testaments) sind in dieser Form gestaltet. Danielewski, du wirst durchschaubar Icon_wink
Den Jakob/Esau-Navy/Tom-Vergleich fand ich ziemlich cool. Vor allem, weil ich mich echt nicht entscheiden kann, wer nun wer ist.
Eins noch zum Bibelsatz: Dort wird der HERR ja bekanntlich immer in Kapitälchen oder Großbuchstaben geschrieben. Da musste ich spontan an die blaue Schrift bei jedem "Haus" denken. Könnte eine Analogie sein, die die Übernatürlichkeit des Hauses repräsentiert.

Und jetzt ein bisschen wilde Spekulation:
Zitat:Vielleicht war's ja wirklich was allzu Persönliches ...
(S. 295 ganz unten)
Truant spekuliert ja, dass Z. einen Zwillingsbruder haben könnte, oder zwei Söhne. Was meint ihr, könnte er Navidson Senior sein? Über den wissen wir ja nicht allzu viel. Nur, dass er ein unsteter Typ aus New Orleans war. Über Zampanò wissen wir auch nicht viel. Nur, dass er alt und blind war und unbekannter Herkunft. Und einen merkwürdigen Akzent gesprochen hat, was ja in New Orleans genauso wenig ausgeschlossen ist wie im Rest der USA. Keine Ahnung, vielleicht sogar stärker aufgrund der frankophonen Geschichte? Unstet wirkte Z. allerdings auf mich nicht; eher asketisch bis getrieben. Vielleicht der Geläuterte, der das Geschehene aufarbeiten muss? Zugegeben, wilde Spekulation ohne solide Grundlage.
Alternativ: Hat Z. beim Schreiben des Navidson Record die (fiktiven) Gestalten Navy und Tom derart ins Herz geschlossen, dass er sie geradezu adoptiert hat? Und die Angelegenheit darüber zu "persönlich" geworden ist?

Auf S. 296 werden die Namen Jakob und Esau etymologisch auseinander genommen. Für mich ist das ein Hinweis, dass sich Danielewski sehr genaue Gedanken über jeden einzelnen Namen gemacht hat. Da steckt bestimmt noch eine Menge mehr drin, als wir bisher herausgefunden haben.

Auf S. 297 bin ich über folgenden Satz gestolpert:
Zitat:... und das Tom Navy den Erfolg neidete ...
Ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir das schon hatten. Ich glaube nicht so recht daran, dass Danielewski hier einen Schnitzer eingebaut hat. Das passt nicht zum Buch. Ich denke, das ist bewusst und passt prima zu der engen Beziehung zwischen Navidson und Z., die hinter dem pseudowissenschaftlichen versteckt wird, aber doch immer wieder durchscheint. Ich bin inzwischen ziemlich sicher, dass Z. (sofern er existiert hat) Navidson zumindest geistig "adoptiert" hat.

Auf S. 301 werden wir mit einer neuen Schrifttype beglückt. Nummer 4 nach Truant, Z. und Hrsg. Was hat sie für eine Bewandnis? Und was soll die Überschrift "Abschrift"? Truant schreibt doch alles ab!

Toms Geschichte fand ich jedenfalls hochgradig interessant. Angstbewältigung durch Witze und Schattenspiel? Oder steckt da noch mehr dahinter?

Zu denken hat mir auch die Truant-Fußnote auf S. 311 ff. gegeben. Truant stellt sich selbst als Versager da, der erheblich weniger Frauen abschleppt als Lude und dann auch noch vom Aussehen eher die zweite Wahl erwischt. Zumindest war das der Eindruck, den ich hatte. Man könnte ihm natürlich zugute halten, dass es ihm auf "innere Werte" ankomme, aber andererseits hat er die Damen auch nur jeweils einmal flachgelegt ...

Was haltet ihr von der Pekinesengeschichte? Ist sie wahr? Halbwahr? Völlig erfunden? Und was soll sie uns sagen? Icon_confused

Schließlich: Die Analyse von Toms Geschichte. Rätselhaft. Ich habe vor allem nicht verstanden, warum der Schwerpunkt auf Trauer lag. Für mich war der Kern Angst und Einsamkeit sowie deren Bewältigung.

Weiter mit Kapitel XII.

Das Zitat am Anfang des Kapitels stammt von einem Höhlenforscher namens Halliday. Wieder ein bisschen Spekulation: Konsonanten gelten bei Sprachen der gleichen Sprachfamilie ja als recht konstant, während Vokale sich leichter verändern. Wenn man bei Halliday die Vokale durch (x) ersetzte, sähe das so aus:
H(x)ll(x)d(x)y
H(x)ll(x)w(x)y hingegen ist unser Höhlenforscher Holloway ... Gut, D und W liegen phonetisch nicht so nah beieinander, würde ich sagen, aber nun ... Mrgreen

Auf S. 326 fand ich den treppenförmigen Satz fast schon ein bisschen platt. Da hätte sich der gute D. (der andere Icon_wink ) ein bisschen mehr Mühe geben können beim Verschlüsseln, finde ich.

Auf S. 334 zündet Reston beim Hochfahren eine Signalfackel und vergleicht das mit dem Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag. So patriotisch war er mir bisher gar nicht vorgekommen. Kommt da der Ex-Soldat heraus? Oder was soll so ein schräger Humor in so einer an sich noch brenzligen Situation?

Auf S. 346 ff. kriegen wir eine reichlich ... exzentrische Fußnote Truants zu lesen. Der Kerl wird immer verrückter. Die Kettensätze gehen langsam ins Extreme. Was soll uns die Episode mit Tex Geisa sagen? Was soll der Untergang der Atrocity? Warum heißt das Schiff gerade so (Gräuel, Untat)? Ist es ein Sinnbild für Truants eigenen Untergang? Aber warum dann wird er aus den Augen desjenigen geschildert, der alles genau mitbekommt, nicht einmal im Überdruck das Bewusstsein verliert? Truant ist in großen Teilen des Buches ja gerade nicht klar, sei es aufgrund von Drogen, sei es aufgrund seiner Psychosen (sofern es denn welche sind).

Dann die extreme Veränderung des Hauses, als Navidson die Trage nutzen will. Warum? Und wie? Wenn die Tiefe des Treppenschachts jetzt größer ist als der Erddurchmesser, dann muss das Haus entweder einer gehörigen Raumkrümmung unterliegen oder sich gegebenenfalls außerhalb des Systems Erde befinden. Stichwort: Paralleluniversum? Multiversum? (Blos Begriffe, die ich einmal aufgeschnappt habe - keine Ahnung von so etwas)

Dann die Fußnote auf S. 358: Die Herausgeber wollen uns weismachen, dass "non gratum anus rodentum" "keinen Rattenfurz wert" heiße. Meine Lateinkenntnisse sind ziemlich dürftig, aber ich komme da auf "keinen Nagerarsch wert" (die orthographische Nähe des Nagers zu einem Wort mit zwei "e" ist sicher ungewollt und der Übersetzung geschuldet, oder? *Hust*). Ich glaube nicht recht, dass hier ungenau übersetzt worden ist. Ich denke wieder einmal eher, dass diese offenkundig freie Übersetzung ein Hinweis darauf ist, dass auch den Herausgebern nicht in vollkommen zu trauen ist.

Schließlich: Was hat der schwarze Punkt auf S. 364 zu sagen? Hat er etwas mit dem abgelaufenen Film zu tun? Oder ist es der Blick der Gruppe von oben in den Schacht? Oder der von unten, mit umgekehrten Farben? Gegen die Blick-These spricht natürlich, dass es hier wie dort dunkel ist; gegen den Blick von unten ferner, dass oben wohl kein Loch mehr zu sehen sein dürfte bei der Tiefe ...

So weit fürs erste. Ok, "morgen" hat nicht ganz geklappt, es sei denn, morgen ist, wenn ich geschlafen hab ... Smiley_emoticons_blush
A propos schlafen ... Wecker klingelt in 5 1/2 Stunden, also: Gute Nacht!
Lehrling

PS: Lars, ich habe mir S. 443 für nächste Woche aufgeschrieben. Grüße!

_______________________________

So, und nun noch was zu euren Antworten:
@ Wanderer:
Zitat:So, was lange währt wird endlich gut. Icon_wink Entschuldigt, da hatte ich vollmundig angekündigt, am Montag würde es weitergehen
Was lange gärt, wird endlich Wut, schon klar, aber diesmal ist mir die längere Pause ganz recht gewesen Icon_wink Insofern: Entschuldigung vom Oberdrängler angenommen Mrgreen

Zitat:Was haltet ihr denn von dieser Jakob und Esau Geschichte? (...)
Jedenfalls hinkt der Vergleich der beiden Brüder mit den biblischen Gestalten ein wenig, denn wann hat Navidson Tom denn das Erbe gestohlen? (Auch im übertragenen Sinne)
Natürlich geht es bei Jakob und Esau um einen Bruder, der den anderen um sein Erbe bringt. Für mich geht es aber nur vordergründig darum. In erster Linie geht es für mich um zwei Brüder, die sehr verschieden sind - ein cleverer, erfolgreicher Bruder, ein Tauge-/Habenichts - , und die ein Ereignis für lange Zeit trennt, jedoch nicht auf ewig - Bruderbande sind so stark, dass sie eines Tages wieder zueinander finden. Und das ist alles gegeben: Tom und Navidson könnten nicht verschiedener sein - Navidson erfolgreich und ehrgeizig, Tom schlägt sich so durch -, waren nach der Hochzeit von Navidson und Karen lange Zeit ohne Kontakt, und doch finden sie aufs Stärkste wieder zusammen. Insofern finde ich, dass der Vergleich ganz und gar nicht hinkt. Wenn ihr so wollt, Karen als Erbschleicherei-Stellvertreterin Icon_wink

Zitat:Da finde ich den Vergleich von Navidson und Holloway mit Jakob und Isau schon sinniger, denn die beiden stehen zumindest in einer Art Wettbewerb.
Ja, schon. Auch. Aber: Sie sind keine Brüder (allenfalls im Geiste?). Die Bande zwischen ihnen fehlen, denke ich.

Zitat:Vielleicht ist Zampano ja auch zu dieser Einsicht gekommen und hat deshalb alles vernichtet?
Denkbar. Aber bei meiner Interpretation nicht so wahrscheinlich Icon_smile

Zitat:Sehr interessantes Detail am Tag 2: 23:07. Das Haus lässt definitiv unbelebte Materie verschwinden ... das wissen wir nichtszueletzt seit es die Neonmakierungen zerfressen hat. Aber es frisst auch organische Materie ... hm.
Immerhin lebt diese organische Materie nicht. Hoffentlich. Icon_ugly

Zitat:(...) bekommen wir zwei Listen zu sehen, die noch bemerkenswerter sind. Vorallem Truants Umformung von Ludes Liste ... ich bezweifele allerdings, dass er das alles wirklich nachgeforscht hat.
Sagt er das nicht sogar ausdrücklich? Dass jede der Frauen auf Ludes Liste-II von ihm eine Geschichte bekommt, weil er keine von ihnen sehen kann, sondern nur sein Mädel da und ihre Geschichte?

Zitat:Trotzdem sind das interessante Einblicke. Wer macht sich wohl solche Gedanken und warum?
... Womit sich das erklären würde.

Zitat:Das ganze Buch über hat Tom Navidson noch nicht im Stich gelassen (und auch nicht in dieser speziellen Situation). Was ist da wohl zwischen den beiden Vorgefallen?
Navidson hat Tom sitzen lassen, als er Karen geheiratet hat, wenn ich das richtig sehe. Ansonsten denke ich nicht, dass etwas zwischen ihnen steht. Nur dass Tom eben Tom ist. Ein Teddybär auf Drogen. Nichts für den ehrgeizigen, stringenten Navidson. Und seine etwas verzerrte, egozentrische Weltsicht. Zampanò hat es ja selbst festgestellt: Tom ist der sympathischere der beiden.

Zitat:Ich möchte das Augenmerk der werten Leser hier auf die Position des Textes auf den Seiten richten. Alles was sich "unten" abspielt steht auch unten. Nur als Tom und das Wohnzimmer erwähnt werden, steht der Text oben. Ein wenig später dann auch das Wort "oben" wenn auch auf dem Kopf (völlig zurecht, denn in wirklich wird Reston ja nicht nach oben gezogen.
Dann auch das unfassbare Ausdehnen der Treppe, sehr anschaulich im Schriftbild dargestellt ... ich find das genial. Icon_wink
Sauber, ist mir mal wieder entgangen!

Zitat:So wieder sehr bemerkenswert Truants Fußnote: er hat kein Zeitgefühl mehr und beginnt sich abzuschotten. Erinnert doch sehr stark an Zampanons Bude oder? Fenster verklebt, Telefon rausgezogen. Nur Truant und das Buch.
Ja, klar. Die Parallele fand ich so offenkundig, dass ich sie gar nicht erwähnenswert fand. Das war ja auch schon in der Einleitung so angelegt, als Truant den Leser warnt vor dem Buch ("Das hier ist nicht für euch"; "Sollten Sie jemals an diesem Haus vorbeikommen ...", Alpträume und Schlafmangel).

Zitat:Oh ... und Truant kannte Aschley also doch.
Meinst du? Ich bin nicht sicher. Für mich ist sie in diesem Fall eine Traumerscheinung, ein Hirngespinst; da ist in seinem Kopf diese Tex-Texas-Ashley-Assoziationskette. Ich würd' da nicht so viel Wahrheit vermuten, die ganze Passage ist so surreal ...

Zitat:Eine wirkliche Geschichte? Ich tippe auf eine Metapher ...
Jops. Oder Träume/Wahnvorstellungen.

Zitat:Also, was ist mit der Hand gemeint, die nie ein Wort auf diese Seiten geschrieben hat (vielleicht ja seine eigene? Vielleicht ein Hinweis darauf, dass Zampano sich Truant und nicht umgekehrt ausgedacht hat? Icon_ugly )
Wehe. Icon_ugly

Zitat:Was ist die geheime Fracht der Atrocity.
Brandgefährlich. Ich würd' auf das Buch bzw. das Wissen daraus tippen. Oder vielleicht Wissen allgemein?

Zitat:Ist die nur als das Geheimnis zu sehen, dass Truant sucht um sich selbst zu retten? Oder kann man sie doch erschließen (gab es die Atrocity gar wirklich ... wenn dann allerdings eher unter einem anderen Namen).
Ich finde, das ist beides nicht wirklich angelegt. Die Geschichte rettet Truant nicht, sie zeigt seinen Untergang. Und für eine tatsächliche Existenz des Schiffes ist die ganze Passage zu surreal angelegt.

Zitat:Man, man ... das reizt mich. Ich liebe dieses Buch.
Jo. Faszinierend, das ganze Wirrwarr. Aber ich glaube, ohne Lesekreis wär's nicht halb so interessant, weil ich mir nicht einmal einen Bruchteil der Gedanken darüber machen würde.

Zitat:Jedenfalls wird Truants Glück zerstört durch die Erinnerung an ein Ereignis, das noch nicht lange Zurücklag. Welches war das wohl? Hat noch jemand im Kopf wie alt Truant war, als sein Vater starb? Noch keine 18 oder? Hm ...
Nein. [Achtung, Spoiler!] Im nächsten Kapitel erfahren wir, dass Raymond, der Navy-Mann stirbt, als Truant 16 wird. Und wenn er schon 18 gewesen wäre, als sein Vater starb, wozu hätte er dann diese ganzen Martyrien durchlaufen müssen?

Zitat:... will das mal jemand nachrechnen? *lacht*
Sekunde ... Mrgreen
Du kennst meine Rechenkünste, ich glaube, ich fände (selbst, wenn ich eine Formelsammlung zur Hand nähme) ein jedenfalls abweichendes Ergebnis. Mit Taschenrechner.

Zitat:Tipps ob Navidson überlebt?
Offenkundig, da Zampanò ja keine Möglichkeit auslässt, darauf hinzuweisen, wie Navidson den Film schneidet.

Zitat:Dann ist da noch der ominöse schwarze Punkt auf Seite 364.
Der (vorläufige) Schlusspunkt? Ein Symbol dafür, dass, wenn man noch oben blickt, nur Dunkelheit zu sehen ist? Die Erde?
Hübsche Punkte. Im Zweifel ist er Symbol für alles gleichzeitig.


@Lars:
Zitat:Ich stimme Dir zu, dass diese Geschichte meines Erachtens nicht wirklich gut hineinpasst - eine Möglichkeit, die wir jedoch noch nicht in Betracht gezogen haben ist die, dass einer von den beiden Brüdern das Haus selbst darstellen soll. Um zu wissen welchen, und inwiefern kennen wir das Haus aber noch zu wenig, weshalb diese These wohl sehr vage ist - spielt aber dabei vielleicht das später von Dir angemerkte Verschwinden von auch organischem Material eine Rolle?
Dafür sehe ich keine Anhaltspunkte. Da fehlen mir die gemeinsamen Wurzeln, da fehlt die potenzielle Ebenbürtigkeit - für mich sehr weit hergeholt

Zitat:Zu Truant: Objektiv sind seine Fußnote natürlich außergewöhnlich, und sehr wichtig für das Buch - subjektiv nerven sie mich mittlerweile nur noch, ich kann es einfach nicht mehr ertragen immer das selbe Geschwafel zu lesen, obwohl es - wenn ich es aufmerksamer lesen würde - bestimmt interessant wäre. Aber ganz ehrlich: Bisher hat Truant uns noch nicht wirklich weitergebracht, oder?
Du fandest die Fußnoten ja von Anfang an störend. Ich gebe zu, Sprache, Themen und Courier-Schriftart ermüden mich auch eher als die Zampanò-Parts. Andererseits hatten diese Teile bisher für mich überraschenderweise die glänzenderen Sprachjuwelen (regelmäßig wenn er in ausschweifende Kettensätze übergeht). Und muss uns alles weiterbringen? Ist nicht gerade das Durchbrechen des Linearen, das Truant erreicht, die vielen Fragen, die seine Fußnoten aufwerfen, dieser kaputte Geisteszustand nicht genau das, was die Zampanò-Geschichte spannend macht?

Zitat:Er ist überhaupt nicht so tief und die Fähigkeit der Raumveränderung geht noch weiter als wir dachten und das Haus kann auch die Zeit verändern?
Was angesichts der Relativität der Zeit und einer etwaigen Mehrdimensionalität (evtl. in einem Paralleluniversum?) durchaus denkbar wäre.

Zitat:Vielleicht verschwinden die organischen und unorganischen Dinge gar nicht, sondern altern einfach nur enorm schnell - wohingegen die Münze langsamer fällt als sie unter normalen Bedingungen fallen würde?
Aber auch die Münze ist anorganisch. Das passt für mich nicht.

Zitat:Der Punkt auf Seite 364 verdeutlicht für mich den Blick von Navidson nach oben - einfach ein endloser, schwarzer Schacht, was zu seiner Position auf der Seite passen würde.
Dazu habe ich ja oben schon etwas geschrieben; für mich ist das verkürzt.

Grüße nochmals!

Zum Lehrling und zur Lehrwerkstatt

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #92 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hi zusammen!

@Lars
Lars schrieb:Vielleicht verschwinden die organischen und unorganischen Dinge gar nicht, sondern altern einfach nur enorm schnell - wohingegen die Münze langsamer fällt als sie unter normalen Bedingungen fallen würde?
Aber auch das ist wieder nur eine vage These, für die es noch nicht viele Anhaltspunkte gibt.
Das ist eine interessante Idee. Was aber vielleicht gegen den Alterungsprozess organischen Materials spricht: es bleiben keine Überreste übrig ... theoretisch müsste Humus, Staub oder was auch immer übrig bleiben. Icon_wink

@Federlehrling
Federlehrling schrieb:Was meint ihr, könnte er Navidson Senior sein? Über den wissen wir ja nicht allzu viel. Nur, dass er ein unsteter Typ aus New Orleans war.
Hm ... unmöglich wäre es nicht. Dafür würde natürlich sprechen, dass Zampano bei dem Verhältnis Navy-Tom sehr persönlich zu werden scheint ...
Was wir über Zampano wissen, ist, dass er vermutlich im 2. Weltkrieg in Europa war (ein paar Namen am Anfang deuteten darauf hin) ... irgendwie hab ich gedacht er wäre Franzose. Keine Ahnung warum (vielleicht weil ich seltsamen Akzent mit Frankreich verbinde?). Icon_wink

Federlehrling schrieb:Ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir das schon hatten. Ich glaube nicht so recht daran, dass Danielewski hier einen Schnitzer eingebaut hat. Das passt nicht zum Buch. Ich denke, das ist bewusst und passt prima zu der engen Beziehung zwischen Navidson und Z., die hinter dem pseudowissenschaftlichen versteckt wird, aber doch immer wieder durchscheint. Ich bin inzwischen ziemlich sicher, dass Z. (sofern er existiert hat) Navidson zumindest geistig "adoptiert" hat.
Wirklich bemerkenswert! Stimmt, "Navy" passt eigentlich nicht so gut in die wissenschaftliche Sprache des Buchs ... wie du schon sagtest: Zampano hat irgendeine Beziehung zu Navidson ... ob sie jetzt real ist oder eingebildet, können wir (noch?) nicht sagen.

Federlehrlin schrieb:Auf S. 301 werden wir mit einer neuen Schrifttype beglückt. Nummer 4 nach Truant, Z. und Hrsg. Was hat sie für eine Bewandnis? Und was soll die Überschrift "Abschrift"? Truant schreibt doch alles ab!
Hm ... ich hab das so verstanden, dass schon Zampano das als Abschrift bezeichnet hat, weil es eigentlich nur aufgenommen und nicht geschrieben vorlag, er es aber eins zu eins wiedergeben wollte. Ich hab daher gedacht, dass die neue Schriftart das auch darstellen sollte ... macht für mich auch weiterhin Sinn. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Was haltet ihr von der Pekinesengeschichte? Ist sie wahr? Halbwahr? Völlig erfunden? Und was soll sie uns sagen? Icon_confused
Ich glaube die Frage ist gar nicht so sehr, ob sie wahr ist, oder nicht, sondern warum er sie an der Stelle erzählt. Er meint ja irgendwo, dass ihn die Stelle an diese Geschichte erinnert. Weiß einer von euch noch wo das war?

Federlehrling schrieb:Auf S. 326 fand ich den treppenförmigen Satz fast schon ein bisschen platt. Da hätte sich der gute D. (der andere Icon_wink ) ein bisschen mehr Mühe geben können beim Verschlüsseln, finde ich.
Witzig, der ist mir gar nicht aufgefallen. *lacht* Danke für den Hinweis.

Federlehrling schrieb:Auf S. 334 zündet Reston beim Hochfahren eine Signalfackel und vergleicht das mit dem Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag. So patriotisch war er mir bisher gar nicht vorgekommen. Kommt da der Ex-Soldat heraus? Oder was soll so ein schräger Humor in so einer an sich noch brenzligen Situation?
Würde ich nicht überberwerten. Soweit ich weiß, ist jeder US-Amerikaner ein bisschen Patriotisch. Ich meine, die müssen jeden Schultag die Nationalhymne singen. Da gibts halt Feuerwerk an dem Tag. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Ich glaube nicht recht, dass hier ungenau übersetzt worden ist. Ich denke wieder einmal eher, dass diese offenkundig freie Übersetzung ein Hinweis darauf ist, dass auch den Herausgebern nicht in vollkommen zu trauen ist.
Bisher habe ich die Herausgeber eigentlich für vertrauenswürdig gehalten ... aber du hast Recht. Wir dürfen hier niemanden trauen! Icon_ugly

Federlehrling schrieb:Natürlich geht es bei Jakob und Esau um einen Bruder, der den anderen um sein Erbe bringt. Für mich geht es aber nur vordergründig darum. In erster Linie geht es für mich um zwei Brüder, die sehr verschieden sind - ein cleverer, erfolgreicher Bruder, ein Tauge-/Habenichts - , und die ein Ereignis für lange Zeit trennt, jedoch nicht auf ewig - Bruderbande sind so stark, dass sie eines Tages wieder zueinander finden. Und das ist alles gegeben: Tom und Navidson könnten nicht verschiedener sein - Navidson erfolgreich und ehrgeizig, Tom schlägt sich so durch -, waren nach der Hochzeit von Navidson und Karen lange Zeit ohne Kontakt, und doch finden sie aufs Stärkste wieder zusammen. Insofern finde ich, dass der Vergleich ganz und gar nicht hinkt. Wenn ihr so wollt, Karen als Erbschleicherei-Stellvertreterin Icon_wink
Nach diesen Ausführungen bin ich überzeugt, Herr Bibelexperte. Der Vergleich passt doch. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Immerhin lebt diese organische Materie nicht. Hoffentlich. Icon_ugly
Na ja ... wo endet denn Leben und wo beginnt unbelebte Materie? Da sind genug Bakterien drin ... aber die würde man nicht sehen, wenn sie übrig bleiben würden. *lacht*

Federlehrling schrieb:Sagt er das nicht sogar ausdrücklich? Dass jede der Frauen auf Ludes Liste-II von ihm eine Geschichte bekommt, weil er keine von ihnen sehen kann, sondern nur sein Mädel da und ihre Geschichte?
Klar, aber wirft das nicht ein ganz besonderes Licht auf Truant? Das er sich keine positive Vergangenheit vorstellen kann. Kommt mir recht typisch vor, für jemanden der eine Psychose hat. *lacht*

Federlehrling schrieb:Navidson hat Tom sitzen lassen, als er Karen geheiratet hat, wenn ich das richtig sehe. Ansonsten denke ich nicht, dass etwas zwischen ihnen steht.
Hey, Navy und Karen haben gerade nicht geheiratet. :p
Ich weiß nicht, ich habe schon das Gefühl, dass da mehr draus gesprochen hat. Aber vielleicht hast du Recht.

Federlehrling schrieb:Zitat:Also, was ist mit der Hand gemeint, die nie ein Wort auf diese Seiten geschrieben hat (vielleicht ja seine eigene? Vielleicht ein Hinweis darauf, dass Zampano sich Truant und nicht umgekehrt ausgedacht hat? Icon_ugly )

Wehe. Icon_ugly
*muhahahahahahaha* Icon_ugly

Federlehrling schrieb:Jo. Faszinierend, das ganze Wirrwarr. Aber ich glaube, ohne Lesekreis wär's nicht halb so interessant, weil ich mir nicht einmal einen Bruchteil der Gedanken darüber machen würde.
Na, dann freu dich, dass du in unserem erlauchten Kreis dabei bist. Mrgreen

Federlehrling schrieb:Zitat:Tipps ob Navidson überlebt?

Offenkundig, da Zampanò ja keine Möglichkeit auslässt, darauf hinzuweisen, wie Navidson den Film schneidet.
Äh ... mist. Sehr aufmerksam!

Federlehring schrieb:Zitat:Vielleicht verschwinden die organischen und unorganischen Dinge gar nicht, sondern altern einfach nur enorm schnell - wohingegen die Münze langsamer fällt als sie unter normalen Bedingungen fallen würde?

Aber auch die Münze ist anorganisch. Das passt für mich nicht.
Im Haus verschwinden ja gerade auch anorganische Dinge (erinnert euch an die Neonmarkierungen) ... warum ist also die Münze nicht auf halbem Weg verschwunden? Weil sie in Bewegung war? Oder weil ein etwaiger Alterungsprozess ihr nicht viel anhaben kann? o.O Man, man ich trau mich gerade nicht den Gedanken weiter zu denken. Zu abgespaced.

So Jungs, ich trau mich ja kaum zu fragen ... aber wie weit seid ihr mit dem Lesen voran gekommen? Schaffen wir diese Woche noch die nächsten beiden Kapitel, oder lieber nächste Woche?

Viel Spaß jedenfalls beim rätseln, eintauchen, schmöckern!

Viele Grüße vom Wanderer

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #93 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Also ich bin zur Seit auf S. 450, schaffe aber bis nächste auch nicht mehr, schätze ich.

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #94 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin!

Bin ja beruhigt, dass ihr genauso hinterherhinkt wie ich. Mit dem Lesen bin ich inzwischen wieder auf der Höhe, aber ich komme nicht so recht dazu, meine Gedanken aufzuschreiben. Ich bin unter der Woche gut 12 Stunden außer Haus (und für Abende gibt's Familie und Freundin); 22:30-23:30 komme ich kaum an den Rechner, und wenn der Wecker um 5:50 klingelt ... Lange Rede, gar kein Sinn: Ich werd' zusehen, dass in dieser Woche etwas zum Abschnitt von letzter Woche schreibe. Den fand ich recht lang, außerdem las er sich langsam; aber keine Sorge: Der darauf geht wieder schneller ...
In diesem Sinne: An die Bücher Read Icon_wink

Liebe Grüße und bis die Tage!
Lehrling


PS:
*hust*
Da sollte noch etwas zum Thema kommen ...

Zitat:Ich glaube die Frage ist gar nicht so sehr, ob sie wahr ist, oder nicht, sondern warum er sie an der Stelle erzählt.
Die Frage nach der Wahrheit finde ich schon bedeutend, weil sie die Glaubwürdigkeit Truants weiter beleuchtet. Andererseits hat er sich an sich hinreichend als nicht glaubwürdig herausgestellt.
Die Frage, warum die Geschichte garade an der Stelle erzählt wird, ist natürlich spannender, aber auch noch verworrener. Ich maße mir da keine Einschätzung an.
Zitat:Er meint ja irgendwo, dass ihn die Stelle an diese Geschichte erinnert. Weiß einer von euch noch wo das war?
Icon_confused Irgendwie stehe ich gerade auf dem Schlauch - ich weiß nicht, worauf du anspielst ...

Zitat:Nach diesen Ausführungen bin ich überzeugt, Herr Bibelexperte. Der Vergleich passt doch. Icon_wink
Wow, und das von unserem türkisgrünen Oberkatho! Icon_lachtot

Zitat:Hey, Navy und Karen haben gerade nicht geheiratet. :p
Äh ... Ich ... äh ... Manno Doh
Dann eben in dem Zeitpunkt, als sie ihre eheähnliche Lebensgemeinschaft gegründet haben ...

Zitat:Im Haus verschwinden ja gerade auch anorganische Dinge (erinnert euch an die Neonmarkierungen) ... warum ist also die Münze nicht auf halbem Weg verschwunden? Weil sie in Bewegung war? Oder weil ein etwaiger Alterungsprozess ihr nicht viel anhaben kann? o.O Man, man ich trau mich gerade nicht den Gedanken weiter zu denken. Zu abgespaced.
Äh ja, auf den mangelnden Einfluss des Alterungsprozesses auf die Münze wollte ich hinaus, sorry. Die Bewegung glaube ich auch nicht. Und ja, "abgespaced" triffts Icon_ugly

Jetzt aber - weiter im Text Icon_wink

Zum Lehrling und zur Lehrwerkstatt

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #95 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin, die Herren!
So - auf geht's, Kapitel XIII bis XV!

Gleich ein Novum in Zeile 2: Sonst hatten wir römische Zahlen und ein Zitat, jetzt - wiederum - römische Zahlen und ein Zitat, aber getrennt von einer Kapitelüberschrift. Schon wieder ein Minotaurus. Und schon wieder durchgestrichen ... Hmm.

Auch neu: Die Zwischenüberschriften zwischen den schwarzen Balken (Das Warten, Holloway, Das Entrinnen) sowie die Gliederungsziffern/Randnummern/whatever an der linken Seite. Soll das den (pseudo-)wissenschaftlichen Anstrich verstärken? Auf mich wirkte es eher amateurhaft, weil von der eingeführten Gliederung (die fährt zwar sonst schon nicht die eingefahrensten Schienen, aber egal) abweicht: Fließtext ohne numerische Spielereien, vor allem ohne solche ohne Erkenntnisgewinn.

Sprachlich entfernt sich Zampanò auf der ersten Seite von seiner wissenschaftlichen Sprache. Er beginnt mit
Zitat:Teppet C. Brookes hatte in ihrem Leben schon massenhaft Kinderzeichnungen gesehen
Erst nach und nach erfahren wir, wer sie ist und wie sie in die Geschichte hineinpasst. Das passiert sonst nur, wenn wir die Personen im Navidson Record beobachten. Dies ist hier aber vorerst nicht der Fall, vielmehr beruft sich Zampanò auf das Interview (?), das in Fn. 256 zitiert wird. So etwas hat der gute Z. sonst anders eingeführt, nämlich erst die Publikation genannt, dann das Zitat und schließlich, was er davon hält. Hier verkauft er uns das Zitat als Teil der Geschichte. Allenfalls vergleichbar mit dem Reston-Interview (wobei er auf diese Quelle jedoch stets sehr deutlich hinweist).
Dann diese Feng-Shui-Abwehr-Mechanismen-Demontage-Geschichte. Ich fand’s interessant, wie Danielewski das hier wieder verarbeitet. Wirkt auf mich wie ein Dreieck aus Navidson, Karen und Haus, in dem sich an den Verbindungslinien gewaltige Spannungen aufgebaut haben, die an ihrem – so scheint es – schwächsten Punkt, Karen, auseinanderzubrechen drohen. Dieses Spannungsfeld soll das Feng Shui entschärfen, ist jedoch „wirkungslose Wissenschaft“, was Karen schließlich auch einsieht. Was ich nur nicht begreife, ist, warum Karen die verbliebenen Accessoires wegwirft, nachdem der Großteil schlicht verschwunden ist. Das ließe doch darauf schließen, dass das Haus – sofern es eine bösartige Seele hat – seine Wirkung gegen das Feng Shui nicht so durchsetzen kann wie es will und diese „Kontrahenten“ entfernt. An sich doch ein Grund, den Feng-Shui-Einsatz zu verstärken statt ihn abzubrechen, oder?
Und schließlich die Trennungsszene. Es war ja nun lange genug angekündigt, dass Karen gehen würde. Es deutete sich immer deutlicher an, dass sie gehen würde, sobald Navidson wieder da ist. Und trotzdem fand ich sie überraschend. Keine Ahnung, warum. Vielleicht weniger die Tatsache, dass, sondern mehr die Art und Weise, wie. Ich hab’s einfach nicht begriffen. Er scheint für sie der Anker schlechthin zu sein und sie verlässt ihn im besten Wissen darum. Ihre Zerrissenheit hat mich einigermaßen mitgenommen.
Fußnote 275 scheint mir interessant hinsichtlich des Mechanismus, der dem Haus innezuwohnen scheint. Navidson sagt
Zitat:… Schließlich hab ich mich auf Karen konzentriert. Auf Chad und Daisy. Auf Tom und Billy. Ich hab mich an jedes einzelne Mal erinnert, wo wir zusammen im Kino waren oder bei eine Spiel oder sonst wo, vor zehn Jahren, vor vier Monaten, vor zwanzig Jahren. Ich hab mich daran erinnert, wie ich Karen kennengelernt hab. Wie sie sich bewegt hat. …
Usw. usf.
Das heißt doch, das Haus ist klein und ungefährlich, wenn sich der, der es betritt, seiner Umgebung bewusst ist. Ihr nahe ist. Freunde und Familie hat und sich um sie kümmert. Lebt er mehr neben ihnen her und nicht mit ihnen, ist er also einsam (vielleicht ist das etwas verkürzt), dann dehnt sich das Haus bis ins Unendliche aus. Das Haus vielleicht als Symbol für das Verlorensein des Einsamen?
Dann der Abschnitt Holloway.
Was haltet ihr von den Löchern im Text? Ich finde sie zwar ganz kreativ, aber letztendlich sehr anstrengend. Ich fand, das störte den Lesefluss extrem. Hier kommt mal wieder der „Erzählexperiment“-Charakter des Buches durch, und, leider, für mich ist das Experiment an dieser Stelle schiefgegangen.
Dann fand ich Fn. 275 beachtlich. Dieses mal wieder sehr philosophisch anmutende „fliehe den Pfad“, das dann in der Selbsterkenntnis scheitert, am völlig verkorksten Truant-Selbst. Fast schon ironisch, dass wir permanent gesagt bekommen, Truant sei ein Drogenopfer und dann sehen, wie er kalt entzieht (oder erzählt er uns hier wieder Geschichten?); die einzige Droge, von der er nicht wegkommt, ist der Navidson Record. Er hat das Verlangen, das Buch fertig zu stellen, kann nicht davon lassen. Dosissteigerung: gegeben. Einzig, das Glücksgefühl bleibt aus. Eine schwere psychische Veränderung ist allerdings nicht zu verkennen.
Dann ein Truant’scher Monstersatz, selbe Fußnote, S. 383 unten:
Zitat:Es kommt ein Augenblick, da plötzlich alles unglaublich fern und wirr, mein Selbstgefühl entrealisiert & entpersonalisiert, so schwerwiegend ist die Orientierungslosigkeit, dass ich wahrhaftig glaube – und das eine sag ich euch, das ist ein ungeheuer sonderbares Glaubensbeispiel –, dieses schreckliche Gefühl einer Verwandtschaft mit dem Werk von Zampanò habe etwas zu bedeuten, was platterdings nicht sein kann, nämlich dass dieses Ding da mich erschaffen hat; nicht mich zu ihm, sondern jetzt zu mir, wo ich nichts weiter bin als die Materie irgendeiner anderen Stimme, die eindringt durch die Falten dessen, das gerade jetzt dort liegt und gafft und meiner sich bemächtigt mit Geschichten, die ich niemals als meine eigenen erkennen sollte; die mich erfindet, mich bestimmt, mich leitet, bis am Ende jede Assoziation, die ich als meine eigene für mich in Anspruch nehmen kann – von Raymond bis hin zu Thumper, von Kyrie bis hin zu Ashley, die ganzen Frauen, selbst das Studio und meine Bude und alles andere – ins Nichts verwiesen ist, so dass ich dann gezwungen bin, mich mit dem furchtbarsten Verdacht zu konfrontieren, den es gibt, nämlich, dass all das nur erfunden ist, und schlimmer noch, erfunden nicht von mir oder meinetwegen auch von Zampanò.
Obwohl ich keine Ahnung hab, von wem.
(Oha. Word sagt, das seien 197 Wörter. Und man versteht’s noch – Respekt!)
Aber zurück zum Thema *hust* … An sich ist das ja nichts Neues für uns, Truant hat einen Dachschaden und Truant und Zampanò sind identisch. Mrgreen
Aber da schwingt ein Ansatz mit, den wir so noch nicht hatten: Zampanò hat Truant erfunden; das Gesamtwerk stammt von Zampanò, samt Anmerkungen. Alternativ: Das Werk stammt von einem Dritten (vielleicht dem anonymen Herausgeber?), Zampanò und Truant sind fiktiv. Oder natürlich, Danielewski zwinkert uns kräftig zu und feixt, wenn wir es nicht sehen: Er könnte sich hier selbst ins Spiel bringen, als Autor des (fiktiven) Romans House of Leaves. Oder aber natürlich, der Autor könnte auch ganz wer anders sein … Icon_ugly
Dann Holloways Depressionen. Das wirkte fast schon stereotyp: Harte Schale, weicher Kern. Ich kenne mich da nicht aus, habe nur mal kurz Google gefragt – mir scheint, Danielewski hat einen recht typischen Fall männlicher Depressionen geschildert. Ein Mann, der mit sich nicht ganz im Reinen ist, möglicherweise auch auf sexueller Ebene (so deutlich kommt das da ja nicht heraus), der daraufhin, ganz Mann, seine Probleme mit sich selbst (d.h. mit übertriebener Härte) zu regeln sucht, der urplötzlich und ungebremst aus der Haut fährt – ich möchte wetten, jeder Psychologe, der dieses Buch liest, hat bei jedem der Charaktere ein Gesicht vor Augen, und bei Holloway ein sehr plastisches.
Navidson. Auch depressiv. Anders, und doch ähnlich. Psychologen kennen ihn wahrscheinlich genauso gut … Das Ventil ist hier neben der abenteuerbedingten Härte gegen sich selbst (die gibt es bei beiden) nicht die krasse Härte gegen andere, sondern die Fotographie, die Kunst. Diese Parallelen zwischen den beiden werden immer deutlicher. Als wir über Jakob und Esau gesprochen haben, hätte man die Rollen noch auf Holloway und Navidson verteilen können. Dafür sind sie sich für mich aber spätestens jetzt zu ähnlich. Zwei Seiten einer Medaille, Ich und Schatten-Ich. (Achtung, doof: Die Namen Holloway und Navidson haben beide drei Silben und acht Buchstaben Icon_ugly )
Fußnote 301: Diese Perilaos-Geschichte. Ich fand sie ja sehr eklig. Pervers. Erst dachte ich, sie sei gut verzichtbar, die hätte das Buch nicht gebraucht. Aber andererseits: Zampanòs Navidson-Record als eine Art Perilaos-Martermaschine, Version 2.0. fand ich wieder sehr passend. Das kam in Fn. 302 ziemlich deutlich heraus. Zampanò ist in Truant gefangen. Das bekräftigt nochmal die These von oben, dass also Zampanò der Autor, Truant die Figur ist. Truant der Erz-Stier, Zampanò der Perilaos in seinem Bauch, darin gefangen, leidet Höllenqualen. Truant hingegen kann sie nur erahnen, denn der Erzleib bekommt davon nicht so viel mit (auch wenn er den Flammen direkt ausgesetzt ist). Zampanò trägt eine heftige Persönlichkeitsstörung davon, schlüpft für die Anmerkungen in die Rolle des fiktiven alter ego Truant. Das würde auch das stellenweise aufflackernde hohe Bildungsniveau Truants erklären (dass also Zampanò dort „Ausrutscher“ erleidet und sich im Tonfall vergreift). Was haltet ihr von dem Ansatz?
Und habt ihr eine Prognose: Gibt es ein offenes Ende oder zerschlägt Danielewski den Knoten am Ende und löst die Fragen auf? – Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht an eine große Offenbarung … Happy End oder eher nicht? – Keine Ahnung.
Immer wieder diese Minotaurus-Geschichten. Gut, den Mythos haben wir erzählt bekommen. Aber wisst ihr, was es damit im übertragenen Sinne auf sich hat?
Fn. 304 ist auch interessant. Truant weist daraufhin, dass Zampanò mal Entrinnen, mal von Evakuierung titelt, wenn es um den nächsten Teil des Films geht. So offen, wie Truant auf den „Fehler“ hinweist, muss da mehr dahinter stecken Icon_wink – Für mich steckt der Bedeutungsunterschied zwischen Evakuierung und Entrinnen, denke ich, im Standort: Die Person im Innern entrinnt (aktiv), evakuiert wird sie hingegen (also passiv). Zampanò hätte demnach in Fußnote 265 eher Außensicht, während er auf S. 400 (Fn. 304) eher über Innensicht auf das Geschehen im Haus verfügt. Wie seht ihr das?
S. 402:
Zitat:„Das ist jetzt nicht der richtige Moment zum Saufen.“
„Ich bin nicht betrunken.“
„Tom, du liegst auf dem Fußboden.“ Tom guckt an sich hinunter, dann schüttelt er den Kopf: „Weißt du, was Dean Martin gesagt hat, Navy?“
„Klar. Solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festhalten zu müssen, ist man nicht berunken.“
„Na siehst du, und jetzt guck mal“, brummte Tom und hebt die Arme. „Freihändig.“
Icon_lachtot Der erste Teil ist ja uralt, ich hab mich schon gewundert, warum der gute MZD den hier bringt. Aber das „Freihändig“ hat echt gesessen Mrgreen
Dann S. 403: Karen packt. [quote]Wir sehen, wie die weiße Decke sich ascheschwarz färbt und herunterkommt. Dann schieben sich die Wände so stark zusammen, dass die Kommode splittert, der Bettrahmen auseinanderbricht, die Lampen fliegen von den Nachttischen, die Glühbirnen platzen, das Licht ist ex und hopp.
Schwarze Decken machen Räume eh immer klein und beengt, aber hier kommen die Wände wohl wirklich näher Icon_slash Ich habe gerade Schwierigkeiten mit meiner Einsamkeitstheorie Icon_nosmile f – Habt ihr eine Idee, wie ich sie retten kann oder muss ich sie begraben?
A propos begraben. Toms Tod hat mich irgendwie eiskalt erwischt. Das ist ein herber Verlust für das Buch. Ein absoluter Sympathieträger. Immerhin hat Danielewski ihm einen würdigen Abgang gelassen …
Und wieder zu den allzu Lebendigen: Was haltet ihr von Karens Untreue-Geschichten? Was sollen die in diesem Buch? Umfang steigern? Uns etwas über Karen sagen? Oder haben sie einen echten, einen tieferen Sinn?
Die nächsten Seiten fand ich im Detail nicht so diskussionswürdig. Hellhörig (-äugig? Icon_wink) bin ich erst wieder in Fn. 318 geworden (S. 416), bei Truants Geweih-Amulett. Das war wieder ödipal, irgendwie. Dieses ganze Verhältnis von Truant zu seiner Mutter. Hmmmh…
Kapitel XV (uff, noch eins …)
Icon_shocked Karen hat den Film rausgebracht? Und die ganzen Kunst-Promi-Kontakte geknüpft? Das ist ja mal ne Wendung! Und was soll Karens Mutter, die ihr einzureden versucht, sich endgültig von Navidson zu trennen und ihn zu verklagen?
Dann Karens Interviews. Fand ich zwar ganz interessant, aber nicht übermäßig diskussionswürdig. Allenfalls, die Darstellung hat mir gefallen. Viele Interviews, von denen glasklar ist, sie finden unter unterschiedlichsten Bedingungen mit den unterschiedlichsten Personen zu unterschiedlichsten Zeiten statt und sind trotzdem – so ist man’s ja von Dokus gewöhnt – themenspezifisch zusammengeschnitten. In der Textform erweckt es fast den Eindruck, als säßen sie alle zusammen bei einer Tasse Tee …
Fn. 329, Melissa Schemell über sexuelle Erkennungsmodi und das Haus als Vagina: Navidson hat also ein ungelöstes ödipales Drama. Freudianer aller Länder, vereinigt euch. Zum Beispiel Navidson. Und Truant. Muss Zampanò vielleicht etwas verarbeiten?
Als Abschluss des Films die Bilderserie. Auch sie enthält Hinweise auf die Eltern. Fotos. Den Vater, Eistee trinkend. Erste Szene des Films: Navidson auf der Veranda, Eistee trinkend. Die Mutter, ein Schwarz-Weiß-Portrait. Was macht Navidson doch gleich …?
Und schließlich Delial. Warum nennt Navidson ein verhungerndes Mädchen im Sudan, dem ein Geier über die Schulter guckt, Delial? Und warum sagt er es niemandem?
Geschafft. Was für ein Post …
Bin gespannt auf eure Antworten!
Liebe Grüße,
Lehrling

Zum Lehrling und zur Lehrwerkstatt

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #96 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Von mir dieses Mal leider wieder nicht viel, da die Schule gerade wieder angefangen hat und ich ein wenig im Stress stecke - nächste Woche hoffentlich wieder mehr Icon_wink

Zitat:Und schließlich die Trennungsszene. Es war ja nun lange genug angekündigt, dass Karen gehen würde. Es deutete sich immer deutlicher an, dass sie gehen würde, sobald Navidson wieder da ist. Und trotzdem fand ich sie überraschend. Keine Ahnung, warum. Vielleicht weniger die Tatsache, dass, sondern mehr die Art und Weise, wie. Ich hab’s einfach nicht begriffen. Er scheint für sie der Anker schlechthin zu sein und sie verlässt ihn im besten Wissen darum. Ihre Zerrissenheit hat mich einigermaßen mitgenommen.

Was ich mich frage, ob Navidson das Buch überhaupt überlebt? Bisher meine ich gelegentlich sehr dezente Andeutungen darauf gesehen zu haben, dass er sterben wird, weshalb mich die Trennungszene nicht so stark berührt hat - zumal sie, wie Du sagtest, erwartet war.

Zitat:Was haltet ihr von den Löchern im Text? Ich finde sie zwar ganz kreativ, aber letztendlich sehr anstrengend. Ich fand, das störte den Lesefluss extrem. Hier kommt mal wieder der „Erzählexperiment“-Charakter des Buches durch, und, leider, für mich ist das Experiment an dieser Stelle schiefgegangen.

Da muss ich sagen, dass bisher in meinen Augen noch keins von Danielewskis Experimenten schief gegangen ist - sie alle passen perfekt an ihre jeweilige Stelle, haben eine Tiefe, die sich erst nach längerem Überlegen und mitunter auch Drehen und Wenden des ganzen Buches offenbart und unterstützen den Aufbau der Atmosphäre in genau dem richtigen Maß. Nicht zu aufdringlich, aber doch deutlich beim Lesen wahrnehmbar - was vielleicht dann Geschmackssache ist, ob man es störend findet, oder genau passend bemessen.

Zitat:Gibt es ein offenes Ende oder zerschlägt Danielewski den Knoten am Ende und löst die Fragen auf?

Ich denke nicht, dass er viel auflösen wird - für eine Auflösung des Buches müsste er zuerst die Truant-Zampano-Sache auflösen, was er nicht machen wird, das würde nicht passen. Ich vermute, dass wir bis zum Ende des Buches nur sehr wenige Informationen über die wahre Identität von Truant und Zampano erfahren werden, da dafür ein neuer Erzähler (bzw. die Herausgeber) eingeführt werden müsste, deren Wahrheitsgehalt wir mit Sicherheit ebenfalls anzweifeln würden.

Was ich viel eher vermute ist, dass die Auflösung der ganzen Sache im Anhang, vor allem in den Briefen von Truants Mutter, den Gedichten und der Zitat-Sammlung zu suchen ist - aber keinesfalls offensichtlich, sondern gut versteckt, und nur unter Einbezug vieler, vieler versteckter 'Codes' mitten im Buch zu entziffern. Man denke an den Satz, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Fotografen ergibt. Es wäre überhaupt nicht Danielewskis Stil, uns die Lösung einfacher als auf so einem Weg zu platzieren und ich vermute, dass die Fotografen-Liste noch eine der einfacheren versteckten Botschaften war.

Lass wir uns überraschen, was noch in der Hinsicht kommt, ich bin da sehr, sehr gespannt Icon_smile

Zitat:Und schließlich Delial. Warum nennt Navidson ein verhungerndes Mädchen im Sudan, dem ein Geier über die Schulter guckt, Delial? Und warum sagt er es niemandem?

Was das zu bedeuten hat bin ich mir noch überhaupt nicht sicher, keine Ahnung, vielleicht einfach nur als Grund für Navidsons Depression, mehr nicht? Vielleicht reagiert das Haus nur auf Menschen mit besonderen psychischen Merkmalen und Navidsons Delial-Verarbeitung ist ein solcher? Aber was wären dann die Äquivalente der andere Personen dazu?
Hm ...

Die Sache mit Kevin Carter, seinem Foto und dem Selbstmord, die irgendwo in einer Fußnote erwähnt wird, stimmt übrigens wirklich, ich hatte das Bild vorher schon mal gesehen und war tief davon beeindruckt:

http://thepirata.com/wp-content/uploads/...ulture.jpg

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #97 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Liebe Lesekreisenden,

nein, ich habe euch nicht vergessen. Stattdessen seid ihr der rostige Nagel meines schlechten Gewissens. Icon_ugly
Ich hätte nicht gedacht, dass das Praktikum mir soviel Zeit raubt ... na ja, nächste ist die letzte Praktikumswoche.
Ich würde daher vorschlagen, dass wir übernächste Woche mit den neuen Kapiteln weitermachen. So gut dieses Buch auch ist, irgendwann will ich es mal durchbekommen. Icon_wink
Heute kümmer ich mich aber um die aktuellen Kapitel.

Federlehrling schrieb:Schon wieder ein Minotaurus. Und schon wieder durchgestrichen ... Hmm.
Ja der Minotaurus. Das Monster im Labyrinth. Das Zampano alles, was damit zu tun hat, aus dem Text gestrichen hat, macht es besonders verdächtig. Was natülich der gute alte Danielewski ganz genau weiß.
Ich bin übrigens auf etwas gestoßen: "In der Literatur hat Friedrich Dürrenmatt den Minotaurus in seiner gleichnamigen Ballade neu interpretiert: Vom menschenfressenden Ungeheuer wird er hier zum Opfer undurchschaubarer Umstände und zum Sinnbild gegenwärtiger Orientierungslosigkeit."
Zampano wäre also nicht der erste, der die Sage uminterpretiert.
Aber wer ist in diesem Buch der Monitauros ... und wer oder was das Labyrinth? (Truant irrt auch durch das Labyrinth seiner Hirngespinnste ... ist er Theseus oder der Minotauros? Icon_smile)

Federlehrling schrieb:Auch neu: Die Zwischenüberschriften zwischen den schwarzen Balken (Das Warten, Holloway, Das Entrinnen) sowie die Gliederungsziffern/Randnummern/whatever an der linken Seite.
Die Randnummern beziehen sich, glaube ich, auf die Nummerierung des "Hollowaytagebuchs" (Holloway-Tape), das ist doch auch in mehrere, nummerierte Abschnitte geteilt. Hat es auch Zwischenüberschriften? (Ja hat es ... mit Ziaten! o.O) Das Grauen das Holloway durchlebt wird nummeriert, in die Schablone des Zählbaren gepresst, vielleicht wird das hier auf die höhere Erzählebene des Buches gehoben (mein Gott, Inception gesehen zu haben, gibt dem Ganzen einen ganz anderen Drall o.O).
Der typische Versuch des Menschen, irgendeinen Sinn, eine Struktur in dem Unfassbaren zu sehen?

Federlehring schrieb:Was ich nur nicht begreife, ist, warum Karen die verbliebenen Accessoires wegwirft, nachdem der Großteil schlicht verschwunden ist. Das ließe doch darauf schließen, dass das Haus – sofern es eine bösartige Seele hat – seine Wirkung gegen das Feng Shui nicht so durchsetzen kann wie es will und diese „Kontrahenten“ entfernt. An sich doch ein Grund, den Feng-Shui-Einsatz zu verstärken statt ihn abzubrechen, oder?
Ein interessanter Gedanke. *lacht* Zieht vielleicht insofern nicht, als dass Karen überhaupt keine positive Veränderung durch Feng Shui festgestellt hat.
Ja, aus irgendeinem Grund verschwinden die Teile ... aber vielleicht ist das nur ein weitere zeichen für die komplette Nutzlosigkeit? Aber ich würde mich vermutlich an jeden Stohhalm klammern und sie verstärken, wie du schon sagst. Anders als Karen, trauen wir Leser dem Haus (bzw. Danielewski) aber mittlerweile alles zu.

Federlehrling schrieb:Und schließlich die Trennungsszene. Es war ja nun lange genug angekündigt, dass Karen gehen würde. Es deutete sich immer deutlicher an, dass sie gehen würde, sobald Navidson wieder da ist. Und trotzdem fand ich sie überraschend. Keine Ahnung, warum. Vielleicht weniger die Tatsache, dass, sondern mehr die Art und Weise, wie. Ich hab’s einfach nicht begriffen. Er scheint für sie der Anker schlechthin zu sein und sie verlässt ihn im besten Wissen darum. Ihre Zerrissenheit hat mich einigermaßen mitgenommen.
Ähm ... stehe gerade auf dem Schlauch. Welche Trennungsszene? Ich meine Karen und Navidson trennen sich nie offen, er geht und bleibt einfach beim Haus, will eine neue Expedition starten und Karen bleibt in New York.
Verarbeiten tut sie das Ganze dann in ihrem Film (ein weiterer Film im Buch), dort wird auch deutlich, dass sie immernoch an Navidson hängt, aber mittlerweile aufgegeben hat. Aber wenn ich nicht falsch liege meinte sie nie: "so jetzt war's das"

Federlehrling schrieb:Das heißt doch, das Haus ist klein und ungefährlich, wenn sich der, der es betritt, seiner Umgebung bewusst ist. Ihr nahe ist. Freunde und Familie hat und sich um sie kümmert. Lebt er mehr neben ihnen her und nicht mit ihnen, ist er also einsam (vielleicht ist das etwas verkürzt), dann dehnt sich das Haus bis ins Unendliche aus. Das Haus vielleicht als Symbol für das Verlorensein des Einsamen?
Das Haus als Symbol für die Einsamkeit ist ein guter Ansatz, finde ich.
Aber ich hätte diese Stelle anders interpretiert. Uns war doch schonmal aufgefallen, dass man sich immer dann gut im Haus zurecht findet, wenn man genau weiß, wen man sucht/ wohin man möchte.
Als Navidson sich sein Ziel so intensiv wie möglich vor Augen rief, führte das Haus ihn im direkten Wege dort hin (z. B. findet er auch Holloways Sachen, als er intensiv an ihn denkt) - wäre mein Interpretationsansatz. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Was haltet ihr von den Löchern im Text? Ich finde sie zwar ganz kreativ, aber letztendlich sehr anstrengend. Ich fand, das störte den Lesefluss extrem. Hier kommt mal wieder der „Erzählexperiment“-Charakter des Buches durch, und, leider, für mich ist das Experiment an dieser Stelle schiefgegangen.
Möglicherweise Codierung um der Codierung willen. Ich habe nicht alle Lücken füllen können. Vielleicht sollten wir gemeinsam versuchen, den Text ins Reine zu schreiben? Aber ich glaube, dass Danielewski hier die ganzen Lücken setzt, weil die Vorgeschichte Holloways austauschbar ist. Es ist sozusagen egal, was man jetzt einfüllt, letztendlich läuft es darauf hinaus, dass er nur ein Mensch mit einer schrecklichen Kindheit war, oder so. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Aber zurück zum Thema *hust* … An sich ist das ja nichts Neues für uns, Truant hat einen Dachschaden und Truant und Zampanò sind identisch. Mrgreen
Aber da schwingt ein Ansatz mit, den wir so noch nicht hatten: Zampanò hat Truant erfunden; das Gesamtwerk stammt von Zampanò, samt Anmerkungen. Alternativ: Das Werk stammt von einem Dritten (vielleicht dem anonymen Herausgeber?), Zampanò und Truant sind fiktiv. Oder natürlich, Danielewski zwinkert uns kräftig zu und feixt, wenn wir es nicht sehen: Er könnte sich hier selbst ins Spiel bringen, als Autor des (fiktiven) Romans House of Leaves. Oder aber natürlich, der Autor könnte auch ganz wer anders sein … Icon_ugly
Du meinst Fn. 276 nicht 275. Icon_wink
Ja, ich finde sie auch sehr beachtlich und sehr bedenkenswert. Truant hängt an einer geschriebenen Droge und ist bereit, lieber in den Tod zu gehen (Heckler & Koch USP .45), als von dem Buch zu lassen.
Die Stelle, die du zitierst hat es mir auch sehr angetan. Zampano könnte sich Truant ausgedacht haben, Truant Zampano ... mir scheint dass Truant mit der letzten Bemerkung meint, er selbst wäre nur eine Figur in dem Buch, das wir vorliegen haben. Das was du als Augenzwinkern des Autorsbereichnest, Herr Lehrling, genau das sehe ich auch darin. Eine absolute Durchbrechung der normalerweise so schön sauber getrennten Erzählebenen. Navidsonrecord & Zampano, dazu Truant und seine Fußnoten und sogar Danielewski selbst, alles vermischt sich.

Federlehrling schrieb:Dann Holloways Depressionen. Das wirkte fast schon stereotyp: Harte Schale, weicher Kern. Ich kenne mich da nicht aus, habe nur mal kurz Google gefragt – mir scheint, Danielewski hat einen recht typischen Fall männlicher Depressionen geschildert. Ein Mann, der mit sich nicht ganz im Reinen ist, möglicherweise auch auf sexueller Ebene (so deutlich kommt das da ja nicht heraus), der daraufhin, ganz Mann, seine Probleme mit sich selbst (d.h. mit übertriebener Härte) zu regeln sucht, der urplötzlich und ungebremst aus der Haut fährt – ich möchte wetten, jeder Psychologe, der dieses Buch liest, hat bei jedem der Charaktere ein Gesicht vor Augen, und bei Holloway ein sehr plastisches.
Und genau deshalb könnte ich mir vorstellen, dass die Lücken im Text dafür stehen, dass jeder an der Stelle von Holloway stehen könnte. *lacht*

Federlehrling schrieb:Navidson. Auch depressiv. Anders, und doch ähnlich. Psychologen kennen ihn wahrscheinlich genauso gut … Das Ventil ist hier neben der abenteuerbedingten Härte gegen sich selbst (die gibt es bei beiden) nicht die krasse Härte gegen andere, sondern die Fotographie, die Kunst. Diese Parallelen zwischen den beiden werden immer deutlicher. Als wir über Jakob und Esau gesprochen haben, hätte man die Rollen noch auf Holloway und Navidson verteilen können. Dafür sind sie sich für mich aber spätestens jetzt zu ähnlich. Zwei Seiten einer Medaille, Ich und Schatten-Ich. (Achtung, doof: Die Namen Holloway und Navidson haben beide drei Silben und acht Buchstaben Icon_ugly )
Icon_ugly
Ich würd's Danielewski zutrauen.
Diese Ähnlichkeit zwischen Navidson und Holloway ist vielleicht auch der Auslöser für die Spannungen zwischen ihnen. Menschen die sich zu ähnlich sind, kommen selten gut miteinander klar.

Federlehrling schrieb:Fußnote 301: Diese Perilaos-Geschichte. Ich fand sie ja sehr eklig. Pervers. Erst dachte ich, sie sei gut verzichtbar, die hätte das Buch nicht gebraucht. Aber andererseits: Zampanòs Navidson-Record als eine Art Perilaos-Martermaschine, Version 2.0. fand ich wieder sehr passend. Das kam in Fn. 302 ziemlich deutlich heraus. Zampanò ist in Truant gefangen. Das bekräftigt nochmal die These von oben, dass also Zampanò der Autor, Truant die Figur ist. Truant der Erz-Stier, Zampanò der Perilaos in seinem Bauch, darin gefangen, leidet Höllenqualen. Truant hingegen kann sie nur erahnen, denn der Erzleib bekommt davon nicht so viel mit (auch wenn er den Flammen direkt ausgesetzt ist). Zampanò trägt eine heftige Persönlichkeitsstörung davon, schlüpft für die Anmerkungen in die Rolle des fiktiven alter ego Truant. Das würde auch das stellenweise aufflackernde hohe Bildungsniveau Truants erklären (dass also Zampanò dort „Ausrutscher“ erleidet und sich im Tonfall vergreift). Was haltet ihr von dem Ansatz?
Meiner Meinung nach schlüsselst du das wunderbar auf. Wir können sogar noch einen Schritt weitergehen: wenn das Buch selbst (das wir als Leser in den Händen halten) der Eisenstier ist, dann sind wir die Zuhörer der (wirklich sehr) seltsamen Musik und Truant, Zampano, Navidson usw. sind die jenigen, die darin verbrannt werden.
Interessante Paralelle auch: wenn Zampano der Erfinder (der Baucher) des Navidson Record ist, dann ist es nur zu passend, dass er am Ende scheinbar selbst darin verbrennt (siehe Ende der Fußnote) und jetzt wo Truant Schöpfer wird, beginnt er auch, selbst zur Nahrung des Flöten zu werden, die wir am Ende hören. o.O
Ich bin noch immer nicht überzeugt, dass Zampano und Truant tatsächlich die selben Personen sind, aber möglich wär's. Es ist sowieso nichts wie zu sein scheint in diesem Buch.

Federlehrling schrieb:Und habt ihr eine Prognose: Gibt es ein offenes Ende oder zerschlägt Danielewski den Knoten am Ende und löst die Fragen auf? – Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht an eine große Offenbarung … Happy End oder eher nicht? – Keine Ahnung.
Immer wieder diese Minotaurus-Geschichten. Gut, den Mythos haben wir erzählt bekommen. Aber wisst ihr, was es damit im übertragenen Sinne auf sich hat?
Irgendwie fürchte ich, das Ende bleibt offen. Aber ich habe gar keine Vorstellung, wie das Buch enden könnte. Und genau deshalb gefällt es mir so gut. Die meisten Enden sind viel zu vorhersehbar. Das ist bei dem Buch (bisher) nicht der Fall.
Aber es kann schnell passieren, dass uns das Ende unbefriedigt zurücklässt. Dann wäre Danielewski mit seinen ganzen Verwirrungen und Experimenten gescheitert. Das darf nämlich nicht passieren, wenn man so ein Mysterium aufbaut.

Federlehrling schrieb:Fn. 304 ist auch interessant. Truant weist daraufhin, dass Zampanò mal Entrinnen, mal von Evakuierung titelt, wenn es um den nächsten Teil des Films geht. So offen, wie Truant auf den „Fehler“ hinweist, muss da mehr dahinter stecken Icon_wink – Für mich steckt der Bedeutungsunterschied zwischen Evakuierung und Entrinnen, denke ich, im Standort: Die Person im Innern entrinnt (aktiv), evakuiert wird sie hingegen (also passiv). Zampanò hätte demnach in Fußnote 265 eher Außensicht, während er auf S. 400 (Fn. 304) eher über Innensicht auf das Geschehen im Haus verfügt. Wie seht ihr das?
Du könntest damit Recht haben. Aber wenn dem so ist, warum wechselt Zampano dann die Perspektive?
Wieso steckt er aufeinmal mitten drin im Geschehen. Ein Hinweis darauf, dass er alles miterlebt hat?

Federlehrling schrieb:Schwarze Decken machen Räume eh immer klein und beengt, aber hier kommen die Wände wohl wirklich näher Icon_slash Ich habe gerade Schwierigkeiten mit meiner Einsamkeitstheorie Icon_nosmile f – Habt ihr eine Idee, wie ich sie retten kann oder muss ich sie begraben?
Na, nach deiner Theorie wurde das Haus je größer, desto einsamer man ist. Hier sind endlich wieder alle zusammen, keiner ist einsam, man will sogar das Haus verlassen. Also schrumpft es. Passt alles. Icon_wink
Aber ich würde es trotzdem anders interpretieren:
Erinnert ihr euch an die Stelle, wo gesagt wurde, das Haus braucht Menschen um zu existieren? Die Menschen sind gerade dabei es zu verlassen, also versucht es, sie in sich zu behalten. Mit allen Mitteln.

Federlehrling schrieb:A propos begraben. Toms Tod hat mich irgendwie eiskalt erwischt. Das ist ein herber Verlust für das Buch. Ein absoluter Sympathieträger. Immerhin hat Danielewski ihm einen würdigen Abgang gelassen …
Ich fand die Stelle auch richtig krass. o.O Hätte niemals gedacht, dass Tom stirbt. Und schon gar nicht an dieser Stelle. Man man, der Sympathieträger ist weg, einer, der dem Leser ans Herz gewachsen ist.
Und er fällt so wie Navidson ("Typisch Tom, wenn es ernst wird, haut er ab") es wohl niemals für möglich gehalten hätte: heroisch.

Bisher ist Tom in diesem Buch noch der normalste gewesen (auch wenn er genug Probleme hatte) ... gerade ihn erwischt das Haus. (Vielleicht ja gezielt, weil er hätte verhindern können, dass Navidson zurückkehrt, weil er vielleicht dafür gesorgt hätte das Navidson die Beziehung zu Karen über das Haus gestellt hätte - das ist ja schon die gesamte Zeit sein Bestreben. Aber besonders gezielt wirkt das Vorgehen des Hauses eigentlich nicht)

Federlehrling schrieb:Und wieder zu den allzu Lebendigen: Was haltet ihr von Karens Untreue-Geschichten? Was sollen die in diesem Buch? Umfang steigern? Uns etwas über Karen sagen? Oder haben sie einen echten, einen tieferen Sinn?
Die nächsten Seiten fand ich im Detail nicht so diskussionswürdig. Hellhörig (-äugig? Icon_wink) bin ich erst wieder in Fn. 318 geworden (S. 416), bei Truants Geweih-Amulett. Das war wieder ödipal, irgendwie. Dieses ganze Verhältnis von Truant zu seiner Mutter. Hmmmh…
Karens Untreue: ich denke sie soll einen weiteren Blickwinkeln zu ihrem Wesen, ihren Problemen, hinzufügen. Das sie Nähe und Zuneigung braucht, wissen wir schon ... aber die Episode zeigt auch, dass Karen sich verändert hat. Die Liebelei mit dem zweitklassigen Schauspieler bringt ihr nicht mehr (so wie früher) den gewünschten Kick. Vielleicht wird am Ende sie es sein, die gestärkt und endlich gesund aus der ganzen Geschichte hervorgeht.
Ich finde für einen Aufarbeitungsprozess auch ihrer eigenen, noch unbekannten Probleme spricht gerade das Herausbringen des Films und ihr eigener Film. Sie setzt sich mit dem Haus auseinander, auf einer wissenschaftlichen Basis und am Ende setzt sie sich mit ihrer Beziehung zu Navidson aus einander auf einer Ebene, die mehr nach Liebe aussieht, als das ganze hysterische Geklammer, das sie vorher praktiziert. Karen entwickelt sich.

Federlehrling schrieb:Dann Karens Interviews. Fand ich zwar ganz interessant, aber nicht übermäßig diskussionswürdig. Allenfalls, die Darstellung hat mir gefallen. Viele Interviews, von denen glasklar ist, sie finden unter unterschiedlichsten Bedingungen mit den unterschiedlichsten Personen zu unterschiedlichsten Zeiten statt und sind trotzdem – so ist man’s ja von Dokus gewöhnt – themenspezifisch zusammengeschnitten. In der Textform erweckt es fast den Eindruck, als säßen sie alle zusammen bei einer Tasse Tee …
Mir hat diese Episode sehr gut gefallen. So viele unterschiedliche Ansätze, um das Haus zu interpretieren und keiner passt wirklich (mache mehr, mache weniger).
An vielen Stellen wird deutlich, dass Karen die Interviews nur machen konnte, weil die männlichen Experten sich Sex mit ihr erhofften. Wer hat hier jetzt ein sexuell orientiertes Problem? *lacht*
Aber ja wenn man Freud glaubt ... hat alles mit Sex zu tun. Icon_wink

Delial ... es hat jedenfalls nichts mit Sonnencreme zu tun, oder? *lacht* Vielleicht war Delial der Name dieses Mädchens, vielleicht war es der Ort an dem die Aufnahme entstand ... all das erklärt aber nicht, warum es zu Navidsons Obsession wurde. Vielleicht haben wir noch nicht genug Informationen? Vielleicht ist noch mehr um dieses Mädchen herum passiert, was wir nicht wissen?
Vielleicht hat Navidson versucht sie zu retten und sie ist am Ende doch gestorben (und nun versucht er das selbe mit Karen ... nicht vor dem Hungertod, sondern vor der Psyche).

Ich weiß es nicht. Noch nicht. Icon_smile

Lars schrieb:Was ich mich frage, ob Navidson das Buch überhaupt überlebt? Bisher meine ich gelegentlich sehr dezente Andeutungen darauf gesehen zu haben, dass er sterben wird, weshalb mich die Trennungszene nicht so stark berührt hat - zumal sie, wie Du sagtest, erwartet war.
Ich weiß nicht, ob er es überlebt. Die letzten Bemerkungen über Karen sprechen zunächst mal dafür, dass die beiden sich doch noch irgendwie versöhnen werden. Das heißt aber nicht, dass er überlebt. Icon_wink

Lars schrieb:Ich vermute, dass wir bis zum Ende des Buches nur sehr wenige Informationen über die wahre Identität von Truant und Zampano erfahren werden, da dafür ein neuer Erzähler (bzw. die Herausgeber) eingeführt werden müsste, deren Wahrheitsgehalt wir mit Sicherheit ebenfalls anzweifeln würden.
Genau das, was Danielewski zu erreichen sucht. Mal schauen, ob wir jemals wieder ein Buch "normal" lesen können. Icon_wink

Lars schrieb:Was ich viel eher vermute ist, dass die Auflösung der ganzen Sache im Anhang, vor allem in den Briefen von Truants Mutter, den Gedichten und der Zitat-Sammlung zu suchen ist - aber keinesfalls offensichtlich, sondern gut versteckt, und nur unter Einbezug vieler, vieler versteckter 'Codes' mitten im Buch zu entziffern. Man denke an den Satz, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Fotografen ergibt. Es wäre überhaupt nicht Danielewskis Stil, uns die Lösung einfacher als auf so einem Weg zu platzieren und ich vermute, dass die Fotografen-Liste noch eine der einfacheren versteckten Botschaften war.

Lass wir uns überraschen, was noch in der Hinsicht kommt, ich bin da sehr, sehr gespannt Icon_smile
Ich denke du hast Recht. Der Anhang wird nocheinmal eine sehr spannende und vielleicht auch aufschlussreiche Auseinandersetzung mit dem Buch. Vielleicht werden wir dann öfter die Hilfe externer Quellen zur Entschlüsselung des Codes heranziehen müssen. Vielleicht gibt es letztendlich mehrere Lösungen die Sinn machen ... wir weden sehen. (Und ich freu mich schon Icon_smile)

Lars schrieb:Was das zu bedeuten hat bin ich mir noch überhaupt nicht sicher, keine Ahnung, vielleicht einfach nur als Grund für Navidsons Depression, mehr nicht? Vielleicht reagiert das Haus nur auf Menschen mit besonderen psychischen Merkmalen und Navidsons Delial-Verarbeitung ist ein solcher? Aber was wären dann die Äquivalente der andere Personen dazu?
Hm ...
Der Minotauros als dunkles Geheimnis und/pder psychisches Problem, das tief im Labyrinth des Geistes, des alltäglichen Lebens gefangen ist? o.O

Das war's erstmal von mir. Ich hoffe ihr zwei lebt noch, nach all der Zeit. Icon_wink

Viele Grüße vom Wanderer!

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #98 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
*gruuaaaaargggh* (Sargdeckel öffnet sich)

So, ich bin auch wieder dabei Icon_wink
Da ich in den kommenden zwei Wochen noch ein paar Klausuren schreibe, passt mir es auch ganz gut, wenn wir übernächste Woche, also am 4. Oktober (?) weiter lesen. Bis dahin bin ich auch hoffentlich wieder genug im Buch drin, um vernünftig kommentieren zu können Icon_wink

Bis zu welcher Seite lesen wir also bis zum 4.?

Liebe Grüße!

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #99 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Willkommen zurück unter den Lebenden. Icon_wink

Genau: 4. Oktober und zwar bis bis Ende Kapitel 19 (Seite 510).

Viel Spaß beim Einlesen!

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #100 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Mir fällt grad auf, dass Federlehrling sich bis zum 10.10 abgemeldet hat. *g* Ich würde mal sagen, wir starten trotzdem um den 4. rum, lassen es aber langsam angehen (vielleicht nicht direkt alle Kapitel, sondern nach und nach).
Dann kommen wir ganz gemütlich wieder rein und Federlehrling muss dann nacharbeiten. Icon_wink

Viele Grüße!

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme