Es ist: 25-11-2020, 03:36
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frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Beitrag #61 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Federlehrling schrieb:Icon_shocked
Sag mal, studierst du irgendwie das falsche Fach? Icon_panik
Ich bin gerade einigermaßen beeindruckt. Verstanden hab ich das jetzt zwar nicht, aber das passt schon Icon_wink
Ich würde Danielewski so eine quantenphysikalische Ebene auf jeden Fall zutrauen. Sollten wir dringend im Auge behalten.
Na ja ... in der Schule fand ich Quantenphysik sehr spannend ... nur leider scheiterte es immer an so grundlegenden Dingen wie Mechanik, Elektrik und so'n Zeuch ... Icon_wink
Jetzt im Nachhinein komme ich zu dem Schluss, dass die Unschärferelation nicht ganz passt ... sie würde übertragen bedeuten, dass die Leute, wenn sie innen messen, nicht wissen können, wie groß das Haus außen ist ... problematisch ist hier ja eher, dass das Haus außen eine andere Größe hat als innen ... (na gut, so unpassend ist es doch nicht)
da passt die Raumkrümmung besser *g* ... allerdings sollte eine Raumkrümmung auf einem so kleinem Gebiet mit solchen Ausmaßen nicht ohne Auswirkungen auf die Umgebung möglich sein. Aber wer weiß? Eine zumindest pseudo-physikalische Note ist definitiv drin in diesem Buch ...

Federlehrling schrieb:Mich hat der Name eher an Delila erinnert, die biblische Gestalt, die dem "unbezwingbaren" Samson das Geheimnis seiner Haare abgerungen, es verraten und ihn damit bezwingbar gemacht hat ... Wer weiß, vielleicht ist Delial ja eine alte Liebschaft (Bekanntschaft, wie auch immer), der Navidson vertraut hat und die sein Vertrauen enttäuscht hat, und zwar so stark, dass er nicht mehr über sie reden kann? Vielleicht hat sie dieses Vertrauen auch auf so schlimme Weise missbraucht, dass sie (im übertragenen Sinne) als Dämon gelten kann? Belial+Delila=Delial?
Diese Kombination geht so sauber auf ... das muss einfach stimmen. Icon_ugly
Ich würd feiern. Icon_wink

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Beitrag #62 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Und wieder ein neuer Montag! ... (gewesen *hust*)
Ich mach' dann mal wieder den Anfang zum neuen Leseabschnitt.
Das heißt, eine Rückmeldung noch:
Zitat:Diese Kombination geht so sauber auf ... das muss einfach stimmen. Icon_ugly
Ich würd feiern. Icon_wink
Ich feiere mit - wenn es unaufgeklärt bleibt: Schreiben wir an Danielewski? *Händereib*

Jetzt aber wirklich ...

Kapitel V beginnt mit einer Abhandlung über Echos. Las sich, fand ich, ganz unterhaltsam; sich dem Echo begrifflich zu nähern fand ich interessant. Ich wusste nicht, dass es da einen mythologischen Hintergrund gibt. Dessen Schilderung gehört mal wieder in die Sparte Zampanò in etwas ausufernder Plauderstimmung, aber nun - war interessant und unterhaltsam. Was mich irritiert hat waren die von den üblichen Zahlen abweichenden Symbole für die Fußnoten. Deren Sinn sehe ich nicht, zumal das Werk ja in der Bearbeitung von Truant herausgegeben wird, dessen Fußnoten sich von der Numerierung sonst ja auch nicht von denen Zampanòs unterscheiden.
Die Art und Weise, wie die physikalische Ebene des Echos schließlich relevant wird - beim Abschließen der neuen Stahltür, bei dem sich ein Wiederhall ergibt, der eben noch kleine Raum also auf einmal mindestens 17,22 m lang sein muss (jedenfalls, sofern 20°C herrschen, was ja wohl nicht der Fall ist --> Logikprobleme?) - fand ich etwas weit hergeholt, aber wie gesagt - die einzelnen Passagen fand ich durchaus lesenswert.

Die Truant-Fußnote auf S. 63 (das ist Fn. 62) fand ich teilweise zu abgefahren. Ein mächtiger Gedankenstrom, der zwar wortgewaltig daherkam, mich dabei aber vollkommen überrollt hat. Ich habe es zweimal gelesen, für ein drittes mal hatte ich keine Geduld.

Wieder eine Fußnote: Fn. 68 (S. 74 f.) fand ich beeindruckend:
Zitat:Es gibt da ein Problem im Hinblick auf die Lage des "Fünfeinhalb-Minuten-Flurs". Ursorünglich sollte der Eingang in der Nordwand im Wohnzimmer sein (Seite 4), aber inzwischen hat sich diese Lage, wie ihr seht, verändert. Vielleicht ist es ein Fehler. Vielleicht folgt die Verschiebung aber auch einer geheimen Logik. Weiß der Geier. Ich kann da auch bloß raten, genau wie ihr.
Was meint ihr? Ist der Flur tatsächlich gewandert? Bei den Anomalitäten später ist das sicher nicht ausgeschlossen. Dennoch glaube ich nicht daran: Ich finde es fast schon dreist, wie Danielewski dort eine absichtliche Inkonsequenz einbaut, die er vollkommen problemlos hätte vermeiden können, nur um uns zu verwirren, und weil uns das nie im Leben aufgefallen wäre, schmiert er uns die Angelegenheit noch in der Fußnote aufs Brot. Das ist allerhand, mutig, mutig.

Auf S. 75 ff. erfahren wir Karens Grund für ihre Abneigung gegenüber dem Flur - Klaustrophobie. Wenn der ganze Navidson-Record fiktiv ist, ist die Klaustrophobie dann vielleicht lediglich eine Folie des Autors (sprich Zampanòs, bzw. Truants, wenn er Zampanò erfunden hat?) Karen also als bloßes "Vehikel" für klinisch zu behandelnde Angst und Probleme bei der Medikation? Letzteres haben wir bei Truant ja auch schon beobachtet:
Zitat:Das Labor, das clever genug ist, um den Chemikaliencocktail zusammenzurühren, den ich brauche, das gibt's noch nicht. Wer dieses Schätzchen mal entwickelt, der hat echt den Nobelpreis verdient." (S. I der Einleitung)

Wie seht ihr diese Stelle:
Zitat:(...) durch einen abrupten Jump Cut sehen wir nun wieder Tom aus Massachusetts und Billy Reston aus Charlottesville (S. 79)
Wo ist da die Konsequenz? Eben noch hat Danielewski die beiden nach Hause geschickt, weil sie arbeiten müssen. Jetzt sollen sie aber doch wieder im Wohnzimmer sitzen. Eventuell ein etwas unnötiger deus ex machina, der sich hätte vermeiden lassen, indem man die beiden vielleicht über die Heimreise hätte nachdenken, aber noch einen Moment verweilen lassen?

Weiter mit Erkundung A (S. 84). Das war, fand ich, das erste Mal, dass das Buch tatsächlich ein bisschen gruselig wurde. Angenehmer (Kopf-)Grusel, versteht sich (kein Splatter-Horror-Quatsch, das hat Danielewski gottlob (bisher?) nicht nötig ... ). Ich finde es beeindruckend, dass dieser Effekt (bei mir) noch auftritt, bei so einer Szene, die ja an sich vollkommen ausgelutscht sein sollte.

Dann ist mir die Fußnote auf S. 85 ff. aufgefallen. 2 1/2 Seiten - und nicht von Truant ... Was haltet ihr von der Idee, 776 (!) Namen in einer Fußnote aufzuführen? Keine Sorge, ich habe sie nicht durchgezählt, sondern bin beim stichprobenartigen Nachschlagen der Namen auf eine Liste in einem anderen Forum gestoßen, und siehe da: Hinter den Namen verbergen sich (weitestgehend?) echte Fotografen.
Habt ihr die Seiten überblättert oder ganz und gar gelesen, angelesen oder überflogen? Ist euch irgendein Muster darin aufgefallen oder glaubt ihr Truant, wenn er sagt, dass die Auswahl, Reihenfolge, Darstellung rein willkürlich ist? Ist die Auswahl/... von Seiten Zampanòs vielleicht wirklich willkürlich, aber Danielewski möchte etwas damit sagen?
Mir ist aufgefallen, dass der Name Julia Margaret Cameron auf S. 86 zweimal vorkommt - Absicht oder Fehler? Versteckt sich dort evtl. etwas? Aber warum gerade bei ihr? Oder habe ich jetzt WWs Gespenster von letzter Woche recycelt? Icon_panik
Worin liegt eigentlich der Sinn dieser Fußnote? Ist er reine Provokation oder Satire?

Na ja. Nächster Punkt.
Zitat:Nun zum Qual Iser am
Was soll man dazu sagen. Truant sagt dazu ja zweierlei:
Zitat:Zusammenhanglos - ja.
Ohne Bedeutung - ich fürchte, nein.
(...)
Soll heißen:
Ich bin nicht mehr, was ich mal war
Was soll diese Stelle? Ich meine, wozu dieser Kauderwelsch? Oder habe ich hier einen kryptologischen Taschenspielertrick verpasst?

Fußnote 78 (S. 95) stellt uns vor ein Problem: Sie verweist auf den Nachruf des Vaters und die Briefe der Mutter. Ich habe die ersten gelesen, dann aber festgestellt, dass das rund 60 Seiten sind. Dennoch denke ich, dass wir mit dem Lesen nicht bis zum Ende warten sollten, im Laufe des Abschnitts sind schon einige Rückbezüge genommen worden, insbesondere etwa die Passage am Ende über den gewalttätigen Navy-Raymond. Wie seht ihr das?

Katzen!
Zitat:Mallory, der getigerte Kater, ist einfach weg, man erfährt nicht, was mit ihm passiert ist. Sein Verschwinden bleibt ein Rätsel.
Eines jedoch ist gewiss: Sowohl in Hillarys Geschichte als auch in der von Mallory hat das Haus nur eine sehr geringe Rolle gespielt.
Hier drängt sich die Parallele zu Zampanòs Katzen ja geradezu auf. Truant hat ja auch Interesse an dem Problem, ist aber gerade "etwas high und ziemlich betrunken" (Fn. 82 auf S. 100), sodass er sich nicht mit der Thematik befassen kann ... Deutlicher kann Danielewski doch nicht sagen, dass hier der Hase im Pfeffer liegt. Das stärkt natürlich die These, dass die Wirkungen, die das Haus (oder jedes Haus? Man bedenke Zampanò und Truant und ihre Wohnungen mit Maßbändern!) entfaltet, nicht physisch-real sind, sondern sich in der Psyche abspielen; und da wir Menschen nuneinmal zu größerer Phantasie neigen als Hund, Katze, Maus, spielt uns dieselbe eben auch bösere Streiche ...

Was haltet ihr eigentlich davon, dass Danielewski/Zampanò/Truant hier davon abweicht(en), Fußnoten zu setzen und stattdessen Endnoten einzufügen? Ich empfinde das als Stilbruch. Könnte mir allenfalls vorstellen, dass hier eine Zäsur gezogen werden soll, die den Punkt vor dem Erscheinen Holloway Roberts markiert, aber das hätte man bestimmt stilistisch "sauberer" lösen können, denke ich.

Nach dem Schnitt tritt Holloway in die Geschichte. Es folgen die Schilderungen der Erkundungen I-IV. Ich fand die weniger stimmungsvoll als die von Navidson. Technisch einfach etwas überladen dafür, und damit etwas langatmig. Oh, noch ein Raum, oh, noch größer, na so was.
Interessanter fand ich in diesem Abschnitt (darüber haben wir überhaupt noch nicht gesprochen!) die Entwicklung des Personengeflechts aus Navidson und Karen und den Kindern, Tom und Reston, schließlich Holloway, Jeb und Wax sowie fast allen untereinander. Wirklich etwas zu diskutieren oder interpretieren gibt es dabei, denke ich, nicht, aber ich fand es schon beeindruckend, dass Danielewski es schafft, in seinem quasi-wissenschaftlichen Werk die Handlungen dieser Personen im Film zu beschreiben und am Ende noch ein interessantes Netz daraus zu weben - Respekt!

Insgesamt wieder eine spannende Woche - bin gespannt auf eure Stimmen!
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Beitrag #63 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Na, da warst du wohl wieder schneller als ich ... *g* erspart mir Arbeit. Mrgreen
(Und wieder stelle ich fest: in den knapp 75 Seiten ist so viel drin ... man kann unmöglich alles ansprechen ...)

Kapitel V
Ich möchte den Fokus hier noch auf die Blindheit Zampanos lenken, die ja auch Truant in seiner Fußnote anspricht. Möglicherweise hatte das Echo eine ganz besondere Bedeutung für ihn, vor allem wenn er alleine war. Das war vielleicht etwas, das ihm sagte, dass er noch in der "normalen" Welt existierte.
Außerdem gibt es immerwieder religiös-transzendente Einschläge bei der "Echoabhandlung" ...
Ich fand diese ganze Abhandlung übrigens sehr interessant (besonders das mythologische Icon_wink). Ich frage mich allerdings, warum Zampano uns das an dieser Stelle erzählt? Wenn man danach weiter ließt, dann kommt zwar Echo vor ... aber nicht in dieser Intensität. Was mir aufgefallen ist, ist das Zampano gelegentlich Ironie verwendet (Pan, der Gott der Höflichkeit) und Meinungen anderer "Wissenschaftler" mit Selbstverständlichkeit als falsch ansieht, so als müsse der Leser das auch sofort einsehen ... hm.
Unterstreichen möchte ich das geschriebene Echo, das gelegentlich in den Text einfließt ... irgendwie cool.
Auf S. 63 wird es dann ganz persönlich: "Seine [die eines Blinden] Echolotung beschränkt sich auf die grobe Einschätzung einfacher Geräuschmodulationen, etwa der dumpfen Erwiderung eines Gehstocks oder des leisen, schaurigen Geflatters eines schlichten Wortes - vielleicht dein Wort -, das weit nach Mitternacht durch leere Flure hallt."
Wenn wir erstmal das Unterstrichene außen vor lassen, dann haben wir das Bild eines Blinden, der über seine eigenen Erfahrungen schreibt, der vielleicht abend für abend einsam zuhause sitzt und nichts hat, außer sich selbst ... und den Geräuschen, die von überall her eindringen.
Zum Unterstrichenen: das ist nicht das erste Mal, dass wir als Leser direkt angesprochen werden. Aber anders als bei Truant ist es bei Zampano meiner Meinung nach viel subtiler ... gespenstisch fast.
Zampano schreibt später von der Formel zur Berechnung von Abständen mittels Schall ... ich frage mich, wie oft er da saß und seiner eigenen Stimme lauschte und nachgerechnet hat, ob der Raum sich verändert hat ... sozusagen akustische Maßbänder für Zampano, so wie Truant seine visuellen hat?
Auf S. 67 endet die Abhandlung über Echo dann wieder mit etwas eher Philosophischen:
"Und wo Echo nicht vorhanden ist, kann es auch keine Schilderung von Raum oder von Liebe geben.
Dort ist nur Schweigen."
Für mich zeigt das, wie sehr Zampano auf "sein" Echo angewiesen war ... und vielleicht wollte er durch das Verfassen seines Buches auch einfach sicher sein, dass er ein Echo in der Welt hinterlässt?
Wie man das jetzt auf den Navidson-Record übertragen soll ist mir allerdings unklar.


Unser Freund Truant hat den Echo-Teil zum Anlass genommen, um uns wieder Einiges über sich zu erzählen. Er nimmt Drogen, weil sein Geist verrücktspielt ... die Frage ist: wer sagt uns, dass er das nicht regelmäßig tut? Und können wir der Reihenfolge in die er das Buch setzte und die Details die er möglicherweise verändert wirklich trauen?


Federlehrling schrieb:Die Truant-Fußnote auf S. 63 (das ist Fn. 62) fand ich teilweise zu abgefahren. Ein mächtiger Gedankenstrom, der zwar wortgewaltig daherkam, mich dabei aber vollkommen überrollt hat. Ich habe es zweimal gelesen, für ein drittes mal hatte ich keine Geduld.

Truant geht auf das Persönliche in den Ausführungen Zampanos ein ... und dann geht es wieder um ihn selbst. Bilder wie aus einem Drogenrausch prasseln auf den Leser nieder (das "wie" kann man vermutlich streichen), aber es steckt doch etwas darin, was uns mehr über Truant verrät. Ich lese heraus, dass Truant zusammengeschlagen wurde (mit einem Gewehrkolben?) ... ich glaube es geht wieder um den Verlust seines Vaters ... wie ich dem Anhang entnehme (dem Nachruf auf seinen Vater) ... scheint der "erste Herzinfarkt" ernstgemeint zu sein ... und dann halt der Verlust, von dem wir ja schon wissen, dass er sehr einschneidend für Truant gewesen ist.
Aber was ist der eine brennende Irrgarten?
Fand ich auch schwer zu lesen ... und doch gefallen mir die starken fast surrealen, lyrischen Bilder die Truant verwendet um seinen Gemütszustand zu beschreiben. Krass.

Federlehrling schrieb:Was meint ihr? Ist der Flur tatsächlich gewandert? Bei den Anomalitäten später ist das sicher nicht ausgeschlossen. Dennoch glaube ich nicht daran: Ich finde es fast schon dreist, wie Danielewski dort eine absichtliche Inkonsequenz einbaut, die er vollkommen problemlos hätte vermeiden können, nur um uns zu verwirren, und weil uns das nie im Leben aufgefallen wäre, schmiert er uns die Angelegenheit noch in der Fußnote aufs Brot. Das ist allerhand, mutig, mutig.
Hab ich fast sofort wieder vergessen, muss ich zu meiner Schande gestehen ... aber ja, du hast recht. Ein Hinweis darauf, dass der Navidson-Record tatsächlich nicht real ist (wie schon in der Einleitung gesagt)? Dass Danielewski uns hier dreist einen Fehler unter die Nase reibt halte ich für möglich ... aber das würde sich kaum interpretieren lassen. Und bisher lässt sich alles auch im Hinblick auf das Buch deuten. Icon_wink


Noch zu einer weiteren Fußnote von Truant: ich finde es immer faszinierend, wie uns hier jedesmal die Vorstellung von Truant als bare Münze verkauft wird (er riss seinem Chef den Kopf ab), bevor dann beiläufig erleutert wird, dass es doch nicht so war. Hm ... ob sie ihm selbst auch so lebensecht vorkommen? Ob die ganzen Horror-Visionen die er hatte auch nur aus dem selben Stoff sind, wie seine Wunschträume?
Es geht hier jedenfalls um Thumper ... und sie ist ganz anders als ich (nach den ersten Kapiteln) vermutet hätte. Ich dachte (wohl aufgrund vom Hasen-Tatoo) eher an ein naives Ding ...
Er scheint jedenfalls gehörig verschossen zu sein.
(Appropos Horrorvisionen: Gras kann Angstzustände und Psychosen hervorrufen ... ist das die einfache Erklärung? o.O)

Zitat:Wo ist da die Konsequenz? Eben noch hat Danielewski die beiden nach Hause geschickt, weil sie arbeiten müssen. Jetzt sollen sie aber doch wieder im Wohnzimmer sitzen. Eventuell ein etwas unnötiger deus ex machina, der sich hätte vermeiden lassen, indem man die beiden vielleicht über die Heimreise hätte nachdenken, aber noch einen Moment verweilen lassen?
Man könnte auch sagen: gut dass der Autor daran denkt, dass seine Prots auch ein Leben haben *ggg*
Ich denke er wählt ganz bewusst diese Form, um dem Leser zu zeigen wie stark die Faszination ist, die vom Haus ausgeht.
Überhaupt ist es Zampano ja überauswichtig herauszustellen, wie das Haus auf die Psyche der Menschen im Haus wirkt. Besonders die Belastung, die es für die Beziehung von Navidson und Karen darstellt und wie unterschiedlich die beiden mit der "Annormalie" umgehen. Die Psyche macht Zampano anscheinend unglaublich viel Spaß.

Federlehrling schrieb:Weiter mit Erkundung A (S. 84). Das war, fand ich, das erste Mal, dass das Buch tatsächlich ein bisschen gruselig wurde. Angenehmer (Kopf-)Grusel, versteht sich (kein Splatter-Horror-Quatsch, das hat Danielewski gottlob (bisher?) nicht nötig ... ). Ich finde es beeindruckend, dass dieser Effekt (bei mir) noch auftritt, bei so einer Szene, die ja an sich vollkommen ausgelutscht sein sollte.
Ich fand Truants Beschreibungen von den Wesen aus den Schatten, die er sieht und doch nicht sieht und die dezenten Hinweise, wie die Klauenspur(?) auf Zampanos Boden schon durchaus gruselig. Ich denke, dass diese Szene sich nahtlos einreiht liegt daran, dass bisher eine so bedrohliche Atmosphäre das Haus betreffend aufgezogen wurde (man denke nur an die sich öffnende und schließende Tür bei den ersten Ausmessungen). Interessant, dass das Haus grollt ... und das es sich verändert. Das lässt sich mit meiner schön einfachen "Raumkrümmungstheorie" nicht erklären bzw. da müsste noch mehr hinzu kommen. Was allerdings durchaus dafür spricht: der Kompass spielt verrückt. Sollte man den Rraum krümmen wollen ist eine unglaublich große Energie nötig (Masse krümmt den Raum, gem. der Relativitätstheorie ist Energie ja bekanntlich Masse x Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat -> um die Krümmung von Masse zu erreichen bracht man ein viefaches mehr an Energie.), dass mit dieser Energie ein Magnetfeld einhergeht ist dann fast unvermeidlich.

Federlehrling schrieb:Dann ist mir die Fußnote auf S. 85 ff. aufgefallen. 2 1/2 Seiten - und nicht von Truant ... Was haltet ihr von der Idee, 776 (!) Namen in einer Fußnote aufzuführen? Keine Sorge, ich habe sie nicht durchgezählt, sondern bin beim stichprobenartigen Nachschlagen der Namen auf eine Liste in einem anderen Forum gestoßen, und siehe da: Hinter den Namen verbergen sich (weitestgehend?) echte Fotografen.
Habt ihr die Seiten überblättert oder ganz und gar gelesen, angelesen oder überflogen? Ist euch irgendein Muster darin aufgefallen oder glaubt ihr Truant, wenn er sagt, dass die Auswahl, Reihenfolge, Darstellung rein willkürlich ist? Ist die Auswahl/... von Seiten Zampanòs vielleicht wirklich willkürlich, aber Danielewski möchte etwas damit sagen?
Mir ist aufgefallen, dass der Name Julia Margaret Cameron auf S. 86 zweimal vorkommt - Absicht oder Fehler? Versteckt sich dort evtl. etwas? Aber warum gerade bei ihr? Oder habe ich jetzt WWs Gespenster von letzter Woche recycelt?
Gute Frage ... mir war es ehrlichgesagt zu viel ... mir ist aufgefallen, dass bei nur einem der vielen Namen "Haus" vorkommt ... Zufall? Das sich ein Name doppelt, ist mir gar nicht bewusst gewesen ... dazu gibt es ja noch eine Fußnote (-> Truant hat die Vorleserin ausfindig gemacht, die die Liste zusammengestellt hat ... angeblich alles Zufall). Ich bin geneigt zu glauben, dass das nur Leserverwirrung ist ... aber theoretisch müsste man sich alle (o.O) Fotos anschauen um das zu berurteilen. Vielleicht auch nur die des doppelt vorkommenden Namen? Ich war etwas erschlagen ... trotzdem fand ich das Konzept gelungen (wenn man es schafft mich zu verwirren -> Hut ab Icon_wink)

Zitat: Zusammenhanglos - ja.
Ohne Bedeutung - ich fürchte, nein.
(...)
Soll heißen:
Ich bin nicht mehr, was ich mal war

Was soll diese Stelle? Ich meine, wozu dieser Kauderwelsch? Oder habe ich hier einen kryptologischen Taschenspielertrick verpasst?
Ich fürchte, die Worte sind gar nicht so sehr Kauserwelsch ... auch wenn mir ihre genaue Bedeutung nicht bewusst ist ... ich habe angefangen die Briefe seiner Mutter zu lesen (dabei fällt auf, dass Truant des Öfteren Formulierungen verwendet, die so oder so ähnlich auch seine Mutter an ihn gerichtet hat ... sofern er sich die Briefe nicht einfach ausgedacht hat) ... dort wirft die Mutter gerne mit Fremdsprachen um sich ... möglicherweise ist es eine Verballhornung eine solchen? Oder alt-englisch? Wer weiß ... *g* Truant legt hier Auflösungserscheinungen an den Tag, den ich auch aus den Briefen seiner Mutter herauslese. Hm ...
Vielleicht haben wir einen ersten Hinweis darauf, was mit ihm nicht stimmt.

Federlehrling schrieb:Hier drängt sich die Parallele zu Zampanòs Katzen ja geradezu auf. Truant hat ja auch Interesse an dem Problem, ist aber gerade "etwas high und ziemlich betrunken" (Fn. 82 auf S. 100), sodass er sich nicht mit der Thematik befassen kann ... Deutlicher kann Danielewski doch nicht sagen, dass hier der Hase im Pfeffer liegt. Das stärkt natürlich die These, dass die Wirkungen, die das Haus (oder jedes Haus? Man bedenke Zampanò und Truant und ihre Wohnungen mit Maßbändern!) entfaltet, nicht physisch-real sind, sondern sich in der Psyche abspielen; und da wir Menschen nuneinmal zu größerer Phantasie neigen als Hund, Katze, Maus, spielt uns dieselbe eben auch bösere Streiche ...
Exakt meine Gedanken dazu ... möglicherweise umgab sich Zampano so gerne mit seinen Katzen, weil er wusste: wo sie waren ist keine Annomalie? Interessanterweise verschwindet Mallroy ebenso, wie Zampanos Katzen ... Zufall?
Und warum nimmt keine der Expeditionen einen Spürhund mit in die Gänge? Einfach nur, weil der möglicherweise besser den Ausgang wiederfinden könnte? Dann könnte man sehen, was passiert, wenn Mensch und Tier hineingehen.

Federlehrling schrieb:Was haltet ihr eigentlich davon, dass Danielewski/Zampanò/Truant hier davon abweicht(en), Fußnoten zu setzen und stattdessen Endnoten einzufügen? Ich empfinde das als Stilbruch. Könnte mir allenfalls vorstellen, dass hier eine Zäsur gezogen werden soll, die den Punkt vor dem Erscheinen Holloway Roberts markiert, aber das hätte man bestimmt stilistisch "sauberer" lösen können, denke ich
Ich war auch überrascht ... es hat mich ein wenig herausgerissen und ich habe mich gefragt, ob jetzt die Abhandlung über den Navidson-Record einfach endet. Vielleicht ein Hinweis darauf, wie zerissen Zampanos Unterlagen waren ... ein Stück Original?

Federlehring schrieb:Interessanter fand ich in diesem Abschnitt (darüber haben wir überhaupt noch nicht gesprochen!) die Entwicklung des Personengeflechts aus Navidson und Karen und den Kindern, Tom und Reston, schließlich Holloway, Jeb und Wax sowie fast allen untereinander. Wirklich etwas zu diskutieren oder interpretieren gibt es dabei, denke ich, nicht, aber ich fand es schon beeindruckend, dass Danielewski es schafft, in seinem quasi-wissenschaftlichen Werk die Handlungen dieser Personen im Film zu beschreiben und am Ende noch ein interessantes Netz daraus zu weben - Respekt!
Ebenfalls genau meine Gedanken dazu ... mir ist das hier auch aufgefallen ... und wie schon oben angesprochen: Zampano scheint das sehr wichtig zu sein ... und Danielewski sowieso ... der beschreibt uns ja eingehend die Veränderungen die mit Truants Psyche vorsich gehen.

Interessant fand ich noch das Auftreten der Deutschen (Kyrie?) ... ich weiß nicht ob sie noch eine Bedeutung für die Geschichte bekommen wird ... jedenfalls hat mir ihre Darstellung ein Schmunzeln entlockt (sportlich, erfolgreich, trinkt Bier aus Ein-Liter-Gläser *ggg* -> typisch Deutsch aus Sicht eines Amerikaners?), später stellt sich jedoch heraus, dass sie durchaus ihre eigenen Probleme hat ... deshalb passt sie gut zu Truant und das lässt mich glauben, dass sie noch eine Rolle spielen könnte.

Hat mir jedenfalls wieder sehr gut gefallen. Vor einigen Passagen musste ich allerdings passen ... aber ich vermute, dass ist so gewollt. Man könnte immer noch etwas daraus ziehen und sie nur nicht in ihrer Gänze erfassen (das würde vermutlich auch den Rahmen des Lesekreises sprengen ...). Es gilt jedenfalls festzuhalten: es gab (mindestens) zwei entscheidende Punkte in Truants Leben: der Tod seines Vaters und der Navy-Mann der ihn zusammenschlägt. Ich denke die Briefe der Mutter können da auch noch mehr her geben, aber bis zum letzten bin ich noch nicht vorgedrungen. Daher wohl Truants Verhaltensstörung ... un diese überbrodende Liebe seiner Mutter hat etwas Seltsames, Verdächtiges ansich.

Na ja, das reicht fürs erste, ich bin gespannt, was die anderen zusagen habe.

Grüße vom Wanderer!

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Beitrag #64 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Zitat:Ich fand diese ganze Abhandlung übrigens sehr interessant (besonders das mythologische Icon_wink). Ich frage mich allerdings, warum Zampano uns das an dieser Stelle erzählt?
Dann sind wir uns ja einig, genau das hatte ich sagen wollen.

Zitat:"Und wo Echo nicht vorhanden ist, kann es auch keine Schilderung von Raum oder von Liebe geben.
Dort ist nur Schweigen."
Für mich zeigt das, wie sehr Zampano auf "sein" Echo angewiesen war ... und vielleicht wollte er durch das Verfassen seines Buches auch einfach sicher sein, dass er ein Echo in der Welt hinterlässt?
Das finde ich einen schönen Gedanken, dieses "Echo in der Welt hinterlassen". Könnte ich mir gut vorstellen (selbst, wenn Danielewski das nicht beabsichtigt haben sollte).
Das "Dort ist nur Schweigen" erinnert mich ein wenig an Shakespeare: Hamlets letzte Worte sind ja das berühmte "Der Rest ist Schweigen" ... Ob das eine versteckte Anspielung ist oder wieder ein Hirngespinst - wer weiß, vor allem, weil hier ja auch noch eine Übersetzung hineinspielt.

Zitat:Wie man das jetzt auf den Navidson-Record übertragen soll ist mir allerdings unklar./quote]
Mir auch. Vielleicht gar nicht. Das physikalische Echo hat ja Bedeutung über die Raumgrößenbestimmung; der Rest des Echo-Komplexes könnte durchaus, denke ich, Selbstverwirklichung (oder Privatobsession?) Zampanòs sein, lediglich seiner Charakterisierung dienen.

[quote]Ich lese heraus, dass Truant zusammengeschlagen wurde (mit einem Gewehrkolben?) ... ich glaube es geht wieder um den Verlust seines Vaters ... wie ich dem Anhang entnehme (dem Nachruf auf seinen Vater) ... scheint der "erste Herzinfarkt" ernstgemeint zu sein ... und dann halt der Verlust, von dem wir ja schon wissen, dass er sehr einschneidend für Truant gewesen ist.
Könnte tatsächlich die Prügelattacke von Raymond sein. Aber wie passen Klaue und Stilett da hinein? Und vor allem die Samuel O'Reilly @ 1891 (kein Gewehr, sondern ein antikes Tätowiergerät Icon_confused ) - ich hatte bisher zwar den Eindruck, dass sein Chef nicht unbedingt ein Sympath ist, aber ...

Zitat:Es geht hier jedenfalls um Thumper ... und sie ist ganz anders als ich (nach den ersten Kapiteln) vermutet hätte. Ich dachte (wohl aufgrund vom Hasen-Tatoo) eher an ein naives Ding ...
Ich hatte sie mir auch anders vorgestellt - insbesondere hatte ich nicht so ein Busenwunder vor Augen. Wie er das schildert, ist das ja nicht mehr schön, was sie an Oberweite zu bieten hat ... Wiedereinmal ein Beispiel für eine Beschreibung, bei der erst das Kopfkino zum richtigen bild führt - geschickt:
Zitat:Titten unter ihrem blauen Sweatshirt wogend wie ein Ozean, wenn der Sturm schon längst vorbei ist. (Sie ist immer ein wenig außer Atem, wenn sie die Treppe zum Studio hochgestiegen ist.)

Zitat:Gras kann Angstzustände und Psychosen hervorrufen ... ist das die einfache Erklärung?
Hab nie Gras probiert (und es auch nicht vor) - aber war nicht Gras relativ unproblematisch, und die Psychosen das LSD-Problem? *Rechtsmedizinvorlesung begrübel*

Zitat:Man könnte auch sagen: gut dass der Autor daran denkt, dass seine Prots auch ein Leben haben *ggg*
Das fänd ich ja ok. Aber er schreibt hier, dass sie gegangen sind und spart sich das Wiederkommen und erklärt das ganze mit einem "Jump Cut" - klingt für mich so, als seien sie gar nicht da, sondern nur in den Film hineingeschnitten. Und später sind sie ja zwingend da ... Na ja, vielleicht hab ich's einfach falsch verstanden.

Zitat:Truant legt hier Auflösungserscheinungen an den Tag, den ich auch aus den Briefen seiner Mutter herauslese. Hm ...
Vielleicht haben wir einen ersten Hinweis darauf, was mit ihm nicht stimmt.
Dem sollten wir nachgehen.

Zitat:Vielleicht ein Hinweis darauf, wie zerissen Zampanos Unterlagen waren ... ein Stück Original?
Das glaube ich nicht. Darauf hätte Truant in einer gesonderten Fußnote hingewiesen, denke ich. Und wie gesagt: Das ganze ist ja durch die Hände von Herausgebern gewandert, bevor es bei uns auf dem Tisch landet Icon_wink

Zitat:Interessant fand ich noch das Auftreten der Deutschen (Kyrie?) ... ich weiß nicht ob sie noch eine Bedeutung für die Geschichte bekommen wird ... jedenfalls hat mir ihre Darstellung ein Schmunzeln entlockt (sportlich, erfolgreich, trinkt Bier aus Ein-Liter-Gläser *ggg* -> typisch Deutsch aus Sicht eines Amerikaners?), später stellt sich jedoch heraus, dass sie durchaus ihre eigenen Probleme hat ... deshalb passt sie gut zu Truant und das lässt mich glauben, dass sie noch eine Rolle spielen könnte.
Sicher kann die noch eine Rolle spielen. Ihre Darstellung hat mich aber etwas abgeschreckt. Zum ersten mal ein wirkliches Klischee. Mag sein, dass Danielewski damit spielt, aber dann ist es ihm missglückt, dass erkennbar zu machen. Und der Name Kyrie ist mir ehrlich gesagt im Deutschen noch nicht untergekommen ...

Zitat:Hat mir jedenfalls wieder sehr gut gefallen. Vor einigen Passagen musste ich allerdings passen ... aber ich vermute, dass ist so gewollt. Man könnte immer noch etwas daraus ziehen und sie nur nicht in ihrer Gänze erfassen (das würde vermutlich auch den Rahmen des Lesekreises sprengen ...). Es gilt jedenfalls festzuhalten: es gab (mindestens) zwei entscheidende Punkte in Truants Leben: der Tod seines Vaters und der Navy-Mann der ihn zusammenschlägt. Ich denke die Briefe der Mutter können da auch noch mehr her geben, aber bis zum letzten bin ich noch nicht vorgedrungen. Daher wohl Truants Verhaltensstörung ... un diese überbrodende Liebe seiner Mutter hat etwas Seltsames, Verdächtiges ansich.
Das unterschreibe ich so.

Grüße!
Lehrling

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Beitrag #65 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Und so melde auch mich mal wieder Icon_smile

Ich gebe meinen beiden Vorredner recht - die Echo-Abhandlung fand ich sehr interessant, irgendwie stimmig im Gesamtkonzept und vor allem im Hinblick auf zwei zusammenhängende Dinge, wie schon Weltenwanderer schrieb, sehr wichtig: Zampano war blind und schrieb über ein Haus, das sich kontinuierlich verändert - wovon er als Blinder aber ja überhaupt nichts mitbekäme, außer durch Tasten oder durch die Akustik. Den Aspekt des Gruselns, den ein Echo erzeugt finde ich ebenfalls sehr wichtig und ich vermute jetzt einfach mal, dass Geräusche noch eine wichtige Rolle spielen werden - allein aus der Tatsache heraus, dass Zampano blind war.
Dabei ist vielleicht auch das 'Rumpeln' wichtig, welches im Flur zu vernehmen ist - durch die unermesslichen Dimensionen ist ja überhaupt nicht mehr erkenntlich, welches Geräusch in Wirklichkeit dahinter steckt. Auf diesen Umstand wird ja auch im Buch mehrfach hingewiesen, wenn zum Beispiel Daisy 'Uhr' spielen möchte und das scheinbar ganz harmlose Wort 'Uhr' eigentlich das Echo von 'Flur' ist - vor diesem Hintergrund: Wie klingt das rumpelnde Geräusch im Flur tatsächlich? Welche Quelle steckt dahinter?

Zitat:Die Truant-Fußnote auf S. 63 (das ist Fn. 62) fand ich teilweise zu abgefahren. Ein mächtiger Gedankenstrom, der zwar wortgewaltig daherkam, mich dabei aber vollkommen überrollt hat. Ich habe es zweimal gelesen, für ein drittes mal hatte ich keine Geduld.

Ich muss sagen, dass mir diese Stelle von Truant zwar sehr gefiel, vor allem das Lyrische daran, das - wie Weltenwanderer schreibt - Surreale, doch auf der anderen Seite beginnen seine Fußnoten meinen Lesefluss und meine Lust am Lesen erheblich zu beeinträchtigen. Ich würde lieber ein Kapitel Zampano, danach ein Kapitel Truant haben und so weiter - dadurch würde wohl nur leider der Interpretations-Kontextm der durch die direkte Verankerung von Fußnote und Zampano hergestellt wird, zunichte gemacht.
Trotzdem wäre ein ein bisschen besser verteilter Truant meines Erachtens auch in Ordnung - vielleicht längere Passagen, aber dafür nicht so häufig?
Zitat:
Zitat:Was meint ihr? Ist der Flur tatsächlich gewandert? Bei den Anomalitäten später ist das sicher nicht ausgeschlossen. Dennoch glaube ich nicht daran: Ich finde es fast schon dreist, wie Danielewski dort eine absichtliche Inkonsequenz einbaut, die er vollkommen problemlos hätte vermeiden können, nur um uns zu verwirren, und weil uns das nie im Leben aufgefallen wäre, schmiert er uns die Angelegenheit noch in der Fußnote aufs Brot. Das ist allerhand, mutig, mutig.

Hab ich fast sofort wieder vergessen, muss ich zu meiner Schande gestehen ... aber ja, du hast recht. Ein Hinweis darauf, dass der Navidson-Record tatsächlich nicht real ist (wie schon in der Einleitung gesagt)? Dass Danielewski uns hier dreist einen Fehler unter die Nase reibt halte ich für möglich ... aber das würde sich kaum interpretieren lassen. Und bisher lässt sich alles auch im Hinblick auf das Buch deuten.

Ich messe dieser Wanderung vorerst noch nicht allzu viel Wert zu - das war ja nur eine winzige Fußnote und fand danach weder Bedeutung noch Erwähnung. Ich würde vermuten, dass dafür erst im weiteren Verlauf die Lösung, bzw. ein vernünftiger Ansatz zur Deutung geliefert wird.

Zitat:
Zitat:
Zitat:(...) durch einen abrupten Jump Cut sehen wir nun wieder Tom aus Massachusetts und Billy Reston aus Charlottesville (S. 79)
Wo ist da die Konsequenz? Eben noch hat Danielewski die beiden nach Hause geschickt, weil sie arbeiten müssen. Jetzt sollen sie aber doch wieder im Wohnzimmer sitzen. Eventuell ein etwas unnötiger deus ex machina, der sich hätte vermeiden lassen, indem man die beiden vielleicht über die Heimreise hätte nachdenken, aber noch einen Moment verweilen lassen?

Man könnte auch sagen: gut dass der Autor daran denkt, dass seine Prots auch ein Leben haben *ggg*
Ich denke er wählt ganz bewusst diese Form, um dem Leser zu zeigen wie stark die Faszination ist, die vom Haus ausgeht.
Überhaupt ist es Zampano ja überauswichtig herauszustellen, wie das Haus auf die Psyche der Menschen im Haus wirkt. Besonders die Belastung, die es für die Beziehung von Navidson und Karen darstellt und wie unterschiedlich die beiden mit der "Annormalie" umgehen. Die Psyche macht Zampano anscheinend unglaublich viel Spaß.

Zitat:Das fänd ich ja ok. Aber er schreibt hier, dass sie gegangen sind und spart sich das Wiederkommen und erklärt das ganze mit einem "Jump Cut" - klingt für mich so, als seien sie gar nicht da, sondern nur in den Film hineingeschnitten. Und später sind sie ja zwingend da ... Na ja, vielleicht hab ich's einfach falsch verstanden.
Ich verstehe den Einwand der Inkonsequenz nicht ganz: Ein Jump Cut ist doch im Film ein bewusst gewählter Schnitt, der den Zuschauer irritieren soll - indem zum Beispiel ganz plötzlich große Zeiträume übersprungen werden, wie es hier der Fall zu sein scheint. Oder habe ich eine Zeitangabe überlesen, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist?
Ich finde es gut, dass dieser krasse Schnitt hier angewendet wird - das passt zu Navidsons eher künstlerischer Art Filme zu machen und unterstreicht sein handwerkliches Geschick auf diesem Gebiet. Auf der anderen Seite kann Zampano einen Jump Cut ja eigentlich gar nicht bemerken, was wiederum die These stützt, dass auch Zampano überhaupt nicht real ist, bzw. nicht in der Form real, die Truant uns glauben machen will.

Zitat:Dann ist mir die Fußnote auf S. 85 ff. aufgefallen. 2 1/2 Seiten - und nicht von Truant ... Was haltet ihr von der Idee, 776 (!) Namen in einer Fußnote aufzuführen? Keine Sorge, ich habe sie nicht durchgezählt, sondern bin beim stichprobenartigen Nachschlagen der Namen auf eine Liste in einem anderen Forum gestoßen, und siehe da: Hinter den Namen verbergen sich (weitestgehend?) echte Fotografen.
Habt ihr die Seiten überblättert oder ganz und gar gelesen, angelesen oder überflogen? Ist euch irgendein Muster darin aufgefallen oder glaubt ihr Truant, wenn er sagt, dass die Auswahl, Reihenfolge, Darstellung rein willkürlich ist? Ist die Auswahl/... von Seiten Zampanòs vielleicht wirklich willkürlich, aber Danielewski möchte etwas damit sagen?
Mir ist aufgefallen, dass der Name Julia Margaret Cameron auf S. 86 zweimal vorkommt - Absicht oder Fehler? Versteckt sich dort evtl. etwas? Aber warum gerade bei ihr? Oder habe ich jetzt WWs Gespenster von letzter Woche recycelt? Icon_panik
Worin liegt eigentlich der Sinn dieser Fußnote? Ist er reine Provokation oder Satire?

Dazu zitiere ich mal, was Wikipedia über diese Fußnote sagt:
Zitat:Fußnote 75 des Kapitel V reiht über mehrere Seiten hinweg Fotografen auf, und aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen ergeben sich zuerst sinnlose Buchstabenreihen, im der weiteren Folge dann sinnvolle Wörter und Satzteile, deren Bedeutung aber zu weiteren Unklarheiten führt.

Ich habe das mal selber versucht, aber nach mehreren Ansätzen ist mir nicht gelungen, etwas Derartiges in den Anfangsbuchstaben der Namen zu finden - hattet ihr mehr Glück?
Auf jeden Fall scheint also diese lange Aneinanderkettung von Danielewski sehr bewusst gewählt worden zu sein - interessant, wenn man dann überlegt, in wievielen Details noch versteckte Hinweise sind, die wir gar nicht mitbekommen?

Zitat:
Zitat: Zusammenhanglos - ja.
Ohne Bedeutung - ich fürchte, nein.
(...)
Soll heißen:
Ich bin nicht mehr, was ich mal war

Was soll diese Stelle? Ich meine, wozu dieser Kauderwelsch? Oder habe ich hier einen kryptologischen Taschenspielertrick verpasst?

Ich fürchte, die Worte sind gar nicht so sehr Kauserwelsch ... auch wenn mir ihre genaue Bedeutung nicht bewusst ist ... ich habe angefangen die Briefe seiner Mutter zu lesen (dabei fällt auf, dass Truant des Öfteren Formulierungen verwendet, die so oder so ähnlich auch seine Mutter an ihn gerichtet hat ... sofern er sich die Briefe nicht einfach ausgedacht hat) ... dort wirft die Mutter gerne mit Fremdsprachen um sich ... möglicherweise ist es eine Verballhornung eine solchen? Oder alt-englisch? Wer weiß ... *g* Truant legt hier Auflösungserscheinungen an den Tag, den ich auch aus den Briefen seiner Mutter herauslese. Hm ...
Vielleicht haben wir einen ersten Hinweis darauf, was mit ihm nicht stimmt.

Ich habe die Briefe der Mutter noch nicht gelesen, hole das aber bald nach - was man vielleicht bei 'Qual Iser Am' bedenken sollte, dass wird die deutsche Übersetzung lesen: Ist also vielleicht 'Am' bewusst von Danielewski gewählt worden, mit der Bedeutung 'bin'?

Zitat:
Zitat:Interessanter fand ich in diesem Abschnitt (darüber haben wir überhaupt noch nicht gesprochen!) die Entwicklung des Personengeflechts aus Navidson und Karen und den Kindern, Tom und Reston, schließlich Holloway, Jeb und Wax sowie fast allen untereinander. Wirklich etwas zu diskutieren oder interpretieren gibt es dabei, denke ich, nicht, aber ich fand es schon beeindruckend, dass Danielewski es schafft, in seinem quasi-wissenschaftlichen Werk die Handlungen dieser Personen im Film zu beschreiben und am Ende noch ein interessantes Netz daraus zu weben - Respekt!

Ebenfalls genau meine Gedanken dazu ... mir ist das hier auch aufgefallen ... und wie schon oben angesprochen: Zampano scheint das sehr wichtig zu sein ... und Danielewski sowieso ... der beschreibt uns ja eingehend die Veränderungen die mit Truants Psyche vorsich gehen.

Vor allem möchte ich in diesem Zusammenhang auf den Punkt zurückkommen, dass das Haus ja scheinbar in irgendeiner Weise auf der menschlichen Psyche beruht. Bisher hat es sich immer verändert, um so mehr die Beziehung von Navidson zu Karen sich verschlechtert hat - durch den Kuss in der Küche ist sie ja eigentlich auf dem bisherigen Tiefpunkt und das kurz vor der vierten Erkundung - beunruhigend? Ich behaupte nun, dass die vierte Erkundung mindestens für ein Mitglied der Gruppe fatal enden wird, was die These, dass das Haus auf die Beziehung der Bewohner zueinander reagiert, stützen würde.


So viel von mir an dieser Stelle - bisher habe ich etliche Deutungen im Kopf umher schwirren, die momentan noch alle weder gestützt noch widerlegt sind.
Ich denke nach dem nächsten Kapitel, welches ja mit einer SOS-Erklärung eingeleitet wird, dürfte für uns zum einen einiges klarer werden, zum anderen aber wohl auch noch mehr Spannung erzeugt werden.

Was mir aufgefallen ist, ist dass Danielewski immer weniger wissenschaftlich, aber dafür beschreibender wird - entwickelt sich das Ganze nun ein bisschen mehr zu einem herkömmlich gruseligen Buch? Das fände ich nicht schlecht und würde es begrüßen, vor allem in der Erkundung Nr. 4, mal ordentlich durchgeschüttelt zu werden. Ich bin gespannt, wie gut Danielewski wirklich Angst erzeugen kann - die Stellen mit den Schattendingern von Truant und die erste von Navdison geschilderte Erkundung waren ja noch nicht so der Hammer, weshalb ich ungemein gespannt bin auf das, was von nun an kommen wird.

Wie steht ihr zu dieser Entwicklung, oder bin ich mit meiner Meinung alleine?

Außerdem möchte ich an dieser Stelle sagen, dass der Lesekreis mir super gefällt und es sehr viel Spaß macht, mit euch über diese unendlichen Interpretationsmöglichkeiten zu diskutieren, die das Buch uns bietet - ich freue mich ungemein auf den weiteren Verlauf! Icon_smile

Liebe Grüße,
Lars

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

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Beitrag #66 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hey Jungs,
hey Cherry

tut mir echt leid, aber ich werd mich ausklinken müssen, jedenfalls offiziell. Schaff das Pensum einfach nicht, hänge immer noch im ersten Kapitel fest (was wahrscheinlich auch daran liegt, dass das Buch keines ist, das man jeden Tag mit sich rumschleppt) und hab auch den Kopf einfach nicht frei für die Komplexität.

Werd aber auf jeden Fall weiterlesen und meinen "privaten" Lesekreis im Blog dokumentieren. Und es wird auch eine Rezi für Literatopia geben, versprochen.

Wünsch euch weiterhin ganz viel Spaß!

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


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Beitrag #67 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Zitat:Ich würde lieber ein Kapitel Zampano, danach ein Kapitel Truant haben und so weiter - dadurch würde wohl nur leider der Interpretations-Kontextm der durch die direkte Verankerung von Fußnote und Zampano hergestellt wird, zunichte gemacht.
Trotzdem wäre ein ein bisschen besser verteilter Truant meines Erachtens auch in Ordnung - vielleicht längere Passagen, aber dafür nicht so häufig?
Für den Lesefluss wär's vielleicht wirklich förderlich, aber auf der anderen Seite wirken solche kapitelweisen Erzählerwechsel häufig unmotiviert, erzwungen. So habe ich den Eindruck, dass Truant in Echtzeit kommentiert - ein bisschen wie bei der "Kommentar"-Tonspur bei manchen DVDs, wenn die Mitwirkenden ihren Senf zu den einzelnen Szenen dazugeben. Ich glaube, dass damit das Konzept des Buches wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde und das "Haus" ein verhältnismäßig "normaler" Roman würde. Ich fänd's sehr schade.

Zitat:Ich finde es gut, dass dieser krasse Schnitt hier angewendet wird - das passt zu Navidsons eher künstlerischer Art Filme zu machen und unterstreicht sein handwerkliches Geschick auf diesem Gebiet. Auf der anderen Seite kann Zampano einen Jump Cut ja eigentlich gar nicht bemerken, was wiederum die These stützt, dass auch Zampano überhaupt nicht real ist, bzw. nicht in der Form real, die Truant uns glauben machen will.
Mhm. Mit dem Jump Cut bin ich an sich nicht ganz glücklich, aber gut - mit deiner Argumentation kann man ihn vielleicht stehen lassen.
Aber hier Zampanòs Irrealität hier herauszulesen, finde ich gewagt. Wieso ist Zampanò nicht real, wenn er den Jump Cut nicht sieht? Er sieht doch den ganzen Film nicht, dennoch schreibt er seinen "Navidson Record", und Truant sagte doch bereits am Anfang, dass der Film erfunden ist. Wieso soll er wegen seiner Phantasie nicht existieren?

Zitat:Dazu zitiere ich mal, was Wikipedia über diese Fußnote sagt:

Zitat:Fußnote 75 des Kapitel V reiht über mehrere Seiten hinweg Fotografen auf, und aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen ergeben sich zuerst sinnlose Buchstabenreihen, im der weiteren Folge dann sinnvolle Wörter und Satzteile, deren Bedeutung aber zu weiteren Unklarheiten führt.


Ich habe das mal selber versucht, aber nach mehreren Ansätzen ist mir nicht gelungen, etwas Derartiges in den Anfangsbuchstaben der Namen zu finden - hattet ihr mehr Glück?
Auf jeden Fall scheint also diese lange Aneinanderkettung von Danielewski sehr bewusst gewählt worden zu sein - interessant, wenn man dann überlegt, in wievielen Details noch versteckte Hinweise sind, die wir gar nicht mitbekommen?
Wie geil ist das denn! Ich habe irgendwie so etwas geahnt ... Und tatsächlich, es funktioniert! Ich hoffe, ich habe nicht zu viele Fehler drin, vielleicht ist mir noch eine Passage durch die Lappen gegangen, aber irgendwann kommt die Müdigkeit mit Macht ... Wie dem auch sei, das hier ist dabei herausgekommen:
SBBLG A LONG LIST (o?)F VISINARIES SALUTJWBKVCBNRBCBWPCRPKAHFECFBGBRLDA NKFDJUWCWCALSWCSVDZBFPSGBMNRSMQBPCEPMWGBSTNBPRMVBGSGPTMRGCCBMKLHDBHMDRHWMWFLCRMSCDMSKTRSGMKNETDBP SHE SAID MEMORIES MEAN ALL BUT THEY ARE ALL DEAD WHO YOU GWMSREIRFSKSMGCWSOBWKTBIFHPNBLRBMBCGMMGTHDCNMSHKMLSLBRSHLWBSGKSBCLSRWHEGBLGLMTLMFSCTPPSHFTCBMBWSCPHMLHMRDSNBBLTNBPGKWLEHFDBCBMWGBCEYPBSMRBJTHNRCMRZWCHBLRFKZPSMBDSJBM I WAIT NOW FOR ONLY THE WIND CMGSSFBVCCKDBSKBGWLDMLSCKBCSKOMHSBRWJLLDCZKDFMGMBHBKKCHWBSMMNFMCAKNJDKCBLJSHFHLRTARWSLFBBEBALWBAMHVMRMRWCBSBSWSCKDNAKWGKHGHFLMHFJCMKBSBTWBLHFPGGWFWGBFGHMBBKCDLDFGLSCKDBWSRBBSTCBSHBSBBSJPSJBCWHSTDBWTGHSPKHUUHDKRTTSRMDHCTLTFSMKTDNKDCWDHHBTHCMTLCEBVHLVNHHHLDCWBCKKQTSTMSVNKHPTCHTSUHHDHHNCDNNAHBGLGDHKSQBTHNDSMLKFLMTHMTNCWRMTFRDHPTHWVMGJLHTBFHSDTHLESDTHMDVPMPNCRGHMTRRNSMSVHEHLDGKVGDSPBBMHRMCCBAHBM
*Federlehrling zählt noch eine Weile die Sternchen, die er gerade sieht ... *
Beim erneuten Durchgehen ist mir aufgefallen, dass neben Frau Cameron auch Aaron Loyd zweimal auftaucht - über ihn habe ich im Internet aber nichts gefunden ...

Zitat:entwickelt sich das Ganze nun ein bisschen mehr zu einem herkömmlich gruseligen
Buch? Das fände ich nicht schlecht
Ich fänd's schade. Normal war das Buch bisher nicht, und das hat für mich einen Großteil seines Charmes ausgemacht. Aber die Beobachtung, dass es narrativer wird, habe ich auch gemacht. Mal sehen, wie es weitergeht.

Zitat:Außerdem möchte ich an dieser Stelle sagen, dass der Lesekreis mir super gefällt und es sehr viel Spaß macht, mit euch über diese unendlichen Interpretationsmöglichkeiten zu diskutieren, die das Buch uns bietet - ich freue mich ungemein auf den weiteren Verlauf! Icon_smile
Absolut! Erstens hätte ich ohne den Lesekreis das Buch niemals in die Hände genommen, zweitens hätten wir, denke ich, alle, läsen wir es nicht im Lesekreis, erheblich weniger von den versteckten Details entdeckt und uns vor allem auch erheblich weniger Gedanken darüber gemacht. Großer Spaß, das Ganze!

Grüße,
Lehrling

PS: Schade, Angel - ich hatte schon so etwas geahnt, nachdem du dich zum ersten Teil noch nicht geäußert hast. Aber du hast Recht, das Buch ist deutlich zu schade dazu, gedankenlos hindurchzuhetzen. Bin gespannt auf deine Rezi!

Zum Lehrling und zur Lehrwerkstatt

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Beitrag #68 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
@Angel
Schade, aber da lässt sich wohl nichts machen ... kannst ja, wenn du durch bist, mal ein bisschen hier im Lesekreis schmöckern. Icon_wink

@Diskussion
Federlehrling schrieb:Das "Dort ist nur Schweigen" erinnert mich ein wenig an Shakespeare: Hamlets letzte Worte sind ja das berühmte "Der Rest ist Schweigen" ... Ob das eine versteckte Anspielung ist oder wieder ein Hirngespinst - wer weiß, vor allem, weil hier ja auch noch eine Übersetzung hineinspielt.
Dazu kann ich nur sagen: Hirngespinste sind schlimmstenfalls kreativ. Notfalls lassen sich Autoren auch vom Hirngespinst überzeugen, wa? Mrgreen Und man trifft öfter als man denkt, den Kern des Ganzen -> weiter so Herr Federlehrling

Federlehrling schrieb:Könnte tatsächlich die Prügelattacke von Raymond sein. Aber wie passen Klaue und Stilett da hinein? Und vor allem die Samuel O'Reilly @ 1891 (kein Gewehr, sondern ein antikes Tätowiergerät Icon_confused ) - ich hatte bisher zwar den Eindruck, dass sein Chef nicht unbedingt ein Sympath ist, aber ...
Argh ... peinlicher Fehler ... Samuel O'Reilly klingt so schön nach Flinte.
Der entscheidende Satz ist "... geschlagen mir vor zwei Jahrzehnten und mit mehr als einer Klaue, einem Stilett - oder auch sogar einer alten Samuel O'Reilly ..."
Vor zwei Jahrzehnten spielt definitv auf seine Kindheit an ... aber vielleicht doch auf früher, als ich zunächst dachte. "Klauen" benutzt Truant schond das ganze Buch über als etwas, was ihn schocked/aus der Bahn wirft. Bzw. er verwendet es, seit er die Klauenspur in Zampanos Fußboden entdeckt hat. Aber hier wählt er, so interpretiere ich die Stelle, "Werkzeuge", die besonders tiefe, schwer heilende Wunden schlagen (ein Stilett wird eine tiefe Verletzung zufügen ... und die O'Reilly als Tatowiermaschine sogar Wunden, die gar nicht mehr weggehen (sollen). Es geht hier also weniger um reale Wunden, als um Ereignisse aus Truants Kindheit, die ihn seelisch schwer getroffen haben. Und die werden durch seine Gedanken, durch Zamapanos Bemerkung, wieder nach oben gespühlt.

Nachdem ich mich gerade so schön reingefunden habe ... mach ich mal weiter. Icon_smile
"... Q-Wellen scharf abweichend nach unten, dorthin wo der Anbegin des QRS-Komplexes angenommen werden darf erzählen die Geschichte eines frühen Infarktes ..."
Hier geht es meiner Meinung nach (nicht zuletzt dank der Lektüre des Nachrufs auf Truants Vater im Anhang) um einen realen Herzinfarkt ... den seines Vaters, der sozusagen die Kette von Ereignissen in Ganz setzt, die schließlich zu dessen Tod führen wird.

"noch Jahre vor dem anderen Verlust ..."
Hiermit könnte der Tod eines Freundes(?) von Truant in Alaska gemeint sein ... der nur in den Briefen der Mutter angesprochen wird (ein Hawaianer, wenn ich mich richtig erinnere, der ertrank).

"vor dem final abrutschenden, kippenden, schleudernden Truck"
Hier geht es dann definitv um den Tod des Vaters. Wir hatten ja schon festgestellt, wie sehr Truant von diesem Erlebnis geprägt war. Nur der brennende Irrgarten macht an dieser Stelle noch keinen Sinn. Allerdings bin ich fast sicher, dass im weiteren Verlauf der Briefe seiner Mutter, auch hierzu noch ein Hinweis kommen wird ... allerdings möchhte ich nicht zu schnell vor lesen Icon_wink)

Was dann kommt, halte ich für eine bildhafte Beschreibung des unerkannten, unbemerkten herzinfarktes ... denn all die anderen Ereignisse, die Truant zuvor anspricht dienen anscheinend nur als Zeitangabe (der Infarkt vor noch davor, und noch davor ...). Und mit dieser Interpretationshilfe an der Hand, gefällt mir diese Beschreibung (gebettet in Schlaf, hinwegstreichend über die Welt wie ein Flüstern)
Ich glaube bis hier hin hab ich es jetzt ganz gut verstanden ... Meinungen? Mrgreen
Kurz darauf wir eine kalte goldene Kette erwähnt. Ich persönlich glaube, dass darin ein Bild enthalten ist und Truant sie noch hat. Wenn dem so ist, wird sie sicher noch auftauchen.

Federlehrling schrieb:Hab nie Gras probiert (und es auch nicht vor) - aber war nicht Gras relativ unproblematisch, und die Psychosen das LSD-Problem? *Rechtsmedizinvorlesung begrübel*
Gras ist im Vergleich zu LSD unproblematisch (daher das relativ) kann aber durchaus auch selbst Panikattacken bis hin zu Psychosen auslösen. Also Finger weg. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Das fänd ich ja ok. Aber er schreibt hier, dass sie gegangen sind und spart sich das Wiederkommen und erklärt das ganze mit einem "Jump Cut" - klingt für mich so, als seien sie gar nicht da, sondern nur in den Film hineingeschnitten. Und später sind sie ja zwingend da ... Na ja, vielleicht hab ich's einfach falsch verstanden.
Lars schrieb:Ich verstehe den Einwand der Inkonsequenz nicht ganz: Ein Jump Cut ist doch im Film ein bewusst gewählter Schnitt, der den Zuschauer irritieren soll - indem zum Beispiel ganz plötzlich große Zeiträume übersprungen werden, wie es hier der Fall zu sein scheint. Oder habe ich eine Zeitangabe überlesen, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist?
Ich finde es sehr interssant, dass im Buch ein filmisches Stilmittel angewandt wird ... klar, das Buch dreht sich ja sozusagen um einen Film ... aber auch hier scheint das Stilmittel seine Wirkung nicht zu verfehlen ... Federlehring ist aufgebracht. *g* Mir persönlich kam diese Stelle überhaupt nicht komisch vor ... ich finde allerdings auch, dass die beiden nur widerwillig gehen, es ist also naheliegend, dass sie irgendwann zurückkehren. Und der "Jump Cut" katapultiert uns in diese Zeit?

Federlehrling schrieb:Zitat:Vielleicht ein Hinweis darauf, wie zerissen Zampanos Unterlagen waren ... ein Stück Original?

Das glaube ich nicht. Darauf hätte Truant in einer gesonderten Fußnote hingewiesen, denke ich. Und wie gesagt: Das ganze ist ja durch die Hände von Herausgebern gewandert, bevor es bei uns auf dem Tisch landet Icon_wink
Aber das ist ja gerade ein Grund, warum die "Endnoten" hier einen Sinn haben müssen, oder nicht? Nur welcher könnte das sein?

Federlehrling schrieb:Sicher kann die noch eine Rolle spielen. Ihre Darstellung hat mich aber etwas abgeschreckt. Zum ersten mal ein wirkliches Klischee. Mag sein, dass Danielewski damit spielt, aber dann ist es ihm missglückt, dass erkennbar zu machen. Und der Name Kyrie ist mir ehrlich gesagt im Deutschen noch nicht untergekommen ...
Da hast du Recht ... ich war ein wenig belustigt, konnte aber auch nicht viel hineinlesen. Vielleicht wieder ein Verweiß auf Truants Ungebildetheit bezüglich Europas?

Lars schrieb:Ich habe die Briefe der Mutter noch nicht gelesen, hole das aber bald nach - was man vielleicht bei 'Qual Iser Am' bedenken sollte, dass wird die deutsche Übersetzung lesen: Ist also vielleicht 'Am' bewusst von Danielewski gewählt worden, mit der Bedeutung 'bin'?
Damit könntest du Recht haben ... vor allem, wenn man bedenkt, dass bei der Fußnote die Anfangsbuchstaben auch noch englische Wörter formen.
I am squaller? (hat ein "l" zu viel ... bedeutet Schreihals)
I am squealler? (hat ein "e" zu viel ... beudeutet Nörgler)
Vielleicht lässt sich noch was ganz anderes aus diesen Buchstaben hervorzaubern ... vielleicht auch ohne "I am?"
Vielleicht findet sich ein Schlüssel irgendwo im Anhang.

Lars schrieb:Bisher hat es sich immer verändert, um so mehr die Beziehung von Navidson zu Karen sich verschlechtert hat - durch den Kuss in der Küche ist sie ja eigentlich auf dem bisherigen Tiefpunkt und das kurz vor der vierten Erkundung - beunruhigend?
Das war mir so nicht bewusst ... eine interessante Beobachtung. Das Haus reagiert also scheinbar nicht auf Psyche im allgemeinen, sondern im Besonderen auf die Beziehung zwischen Karen und Navidson? Warum?

Zitat: Zitat:Ich würde lieber ein Kapitel Zampano, danach ein Kapitel Truant haben und so weiter - dadurch würde wohl nur leider der Interpretations-Kontextm der durch die direkte Verankerung von Fußnote und Zampano hergestellt wird, zunichte gemacht.
Trotzdem wäre ein ein bisschen besser verteilter Truant meines Erachtens auch in Ordnung - vielleicht längere Passagen, aber dafür nicht so häufig?

Für den Lesefluss wär's vielleicht wirklich förderlich, aber auf der anderen Seite wirken solche kapitelweisen Erzählerwechsel häufig unmotiviert, erzwungen. So habe ich den Eindruck, dass Truant in Echtzeit kommentiert - ein bisschen wie bei der "Kommentar"-Tonspur bei manchen DVDs, wenn die Mitwirkenden ihren Senf zu den einzelnen Szenen dazugeben. Ich glaube, dass damit das Konzept des Buches wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde und das "Haus" ein verhältnismäßig "normaler" Roman würde. Ich fänd's sehr schade.
Das sehe ich wie Federlehrling: ein Teil des Besonderen an diesem Buch sind für mich nunmal die Fußnoten. Dadurch wird erst die Mehr-Ebenen-Struktur in diesem Buch erzeugt. Wären es Kapitel, hätten wir halt zwei Erzähler ... und das ist so ungewöhnlich nicht. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Wie geil ist das denn! Ich habe irgendwie so etwas geahnt ... Und tatsächlich, es funktioniert! Ich hoffe, ich habe nicht zu viele Fehler drin, vielleicht ist mir noch eine Passage durch die Lappen gegangen, aber irgendwann kommt die Müdigkeit mit Macht ... Wie dem auch sei, das hier ist dabei herausgekommen:
Absolut krass! Icon_shocked

SBBLG A LONG LIST (o?)F VISINARIES SALUT JWBKVCBNRBCBWPCRPKAHFECFBGBRLDA NKFDJUWCWCALSWCSVDZBFPSGBMNRSMQBPCEPMWGBSTNBPRMVBGSGPTMRGCCBMKLHDBHMDRHWMWFLCRMS ​CDMSKTRSGMKNETDBP SHE SAID MEMORIES MEAN ALL BUT THEY ARE ALL DEAD WHO YOU GWMSREIRFSKSMGCWSOBWKTB IF HPNBLRBMBCGMMGTHDCNMSHKMLSLBRSHLWBSGKSBCLSRWHEGBLGLMTLM ​ FSCTPPSHFTCBMBWSCPHMLHMRDSNBBLTNBPGKWLEHFDBCBMWGBCEYPBSMRBJTHNRCMRZWCHBLRFKZPSMB ​DSJBM I WAIT NOW FOR ONLY THE WIND CMGSSFBVCCKDBSKBGWLDMLSCKBCSKOMHSBRWJLLDCZKDFMGMBHBKKCHWBSMMNFMCAKNJDKCBLJSHFHLR ​ TARWSLFBBEBALWBAMHVMRMRWCBSBSWSCKDNAKWGKHGHFLMHFJCMKBSBTWBLHFPGGWFWGBFGHMBBKCDLD ​ FGLSCKDBWSRBBSTCBSHBSBBSJPSJBCWHSTDBWTGHSPKHUUHDKRTTSRMDHCTLTFSMKTDNKDCWDHHBTHCM ​ TLCEBVHLVNHHHLDCWBCKKQTSTMSVNKHPTCHTSUHHDHHNCDNNAHBGLGDHKSQBTHNDSMLKFLMTHMTNCWRM ​ TFRDHPTHWVMGJLHTBFHSDTHLESDTHMDVPMPNCRGHMTRRNSMSVHEHLDGKVGDSPBBMHRMCCBAHBM

Ich hab noch zwei Wörter gefunden, die theoretisch eine Bedeutung haben könnten ... aber sie tragen nicht unbedingt zum Verständnis bei ... Icon_wink Vermutlich müssten wir die Buchstaben auch nochmal von hinten nach vorn druchgehen. Aber dafür bin ich gerade zu faul. *g* Vielleicht ein andermal.
Wie kann man diese Sätze(?) interpretieren?
"She said Memories mean all but they are all dead"
Kann sich da jemand an etwas entscheidendes nicht erinnern? Mein zweiter Gedanke: Truants Mutter könnte gesagt haben, dass Truant die Toten im Gedächtnis behalten soll (typisch Mutter => sie leben in deinem Herzen weiter)... aber Truant kommt damit nicht klar? Wenn dem so wäre, dann hätte Truant diese Fußnote verfasst. Was noch nichtmal heißen müsste, dass er Zampano ist, ode ihn sich ausgedacht hat, er könnte auch einfach ein bisschen rumgepfuscht haben, wie schon vorher. o.O
Dieses Buch ist verdammt gut!

Puh ... genug Denkarbeit für heute. Ihr dürft wieder! Mrgreen

lg

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Beitrag #69 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Jo Leute,

für die nächsten paar Tage werde ich leider nicht on kommen können, doch die Notizen für die einzelnen Kapitell hab ich alle schon. Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht allzu böse.

Kleine arme Grüße
KleinerWassergeist CowsleepSmiley_frown

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Beitrag #70 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin!

Zunächst zur alten Diskussion:
Zitat: Lars schrieb:Ich habe die Briefe der Mutter noch nicht gelesen, hole das aber bald nach - was man vielleicht bei 'Qual Iser Am' bedenken sollte, dass wird die deutsche Übersetzung lesen: Ist also vielleicht 'Am' bewusst von Danielewski gewählt worden, mit der Bedeutung 'bin'?

Damit könntest du Recht haben ... vor allem, wenn man bedenkt, dass bei der Fußnote die Anfangsbuchstaben auch noch englische Wörter formen.
I am squaller? (hat ein "l" zu viel ... bedeutet Schreihals)
I am squealler? (hat ein "e" zu viel ... beudeutet Nörgler)
Vielleicht lässt sich noch was ganz anderes aus diesen Buchstaben hervorzaubern ... vielleicht auch ohne "I am?"
Vielleicht findet sich ein Schlüssel irgendwo im Anhang.
Ich habe die Briefe inzwischen gelesen. Ehrlich gesagt, in diese Richtung fand ich sie nicht aufschlussreich. Und Wanderer, gegen deine "squaller" und "squealer" streubt sich mein gesamtes Sprachgefühl, da fehlt einfach der Artikel - klar, wenn man ein "l" oder ein "e" auslässt, dann kann man auch ein "a" auslassen, aber für die Grammatik ist es (gefühlt) schon dramatisch. Aber wie auch immer, vielleicht ergibt es sich ja noch.

In den Briefen ist mir übrigens folgende Stelle aufgefallen (S. 718):
Zitat:Mein Lächeln vor dem Spiegel übend,
so wie ich es als Kind getan hab"
Das hat auch Karen als Kind oder junge Frau getan, wenn ich mich recht erinnere - wieder ein Hinweis darauf, dass Truant Zampanò [k]und[/k] den Navidson Record erfunden hat? Karen als Mutterfigur? Karen in ihrer Angst vor engen, dunklen Räumen als Äquivalent zur Geisteskrankheit der Mutter?

Zitat:Ich hab noch zwei Wörter gefunden, die theoretisch eine Bedeutung haben könnten ... aber sie tragen nicht unbedingt zum Verständnis bei ... Icon_wink Vermutlich müssten wir die Buchstaben auch nochmal von hinten nach vorn druchgehen. Aber dafür bin ich gerade zu faul. *g* Vielleicht ein andermal.
Das "if" und das "you" habe ich auch gesehen, aber ersteres steht völlig allein im Raum, letzteres ist zwar auf Tuchfühlung, ergibt aber keinen sinnvollen Satz mehr - behalten wir's im Auge, aber ich glaube, die beiden weiteren Wörter sind eher "Unfälle" (auch wenn Danielewski davon ja nicht allzu viele baut ... )

Jetzt aber weiter mit den frischen Kapiteln ...

Wir finden uns gleich mitten in der Erkundung wieder - d.h. vielmehr in ihrer Außenbetrachtung, im "Basislager" (Die militärische Interpretation, die Danielewski dem Wort beimisst, finde ich zwar etwas weit hergeholt, aber nun - des Meisters Wunsch ... Icon_wink). Die Expedition selbst steht gerade unter keinem guten Stern - wir hören SOS-Signale.

Optisch fällt schon früh im VIII. Kapitel die kreativer werdende Seitengestaltung auf: Die Absätze werden auf den ersten zwei Seiten zweimal, weiter hinten noch einmal von Punkten und Strichen (...---... als SOS-Kürzel) unterbrochen, später erfolgt die Unterbrechung gelegentlich durch schwarze oder weiße Quatrate. Könnt ihr euch einen Reim darauf machen? Ich meine, das SOS ist einigermaßen klar, aber was sollen die Quadrate? Vor allem, weil sie später teilweise mitten im Satz einen "Absatz" bilden ...
Und was sucht der Haken auf seite 128 unten rechts? In den Briefen der Mutter taucht so etwas einmal auf, als "Empfangsbestätigung" für einen verschlüsselten Brief - aber was soll das hier?

Gerade zu Beginn dreht sich die Personen-Ebene wieder um die Rivalität von Navidson und Holloway (warum eigentlich "Navidson" und nicht Will, so wie die anderen Tom und Karen, Chad und Daisy, Holloway, Jeb und Wax heißen? Lediglich Reston wird noch "gesiezt", aber auch nicht durchgängig: häufig "Billy Reston" - hat mich die ganze Zeit schon gewundert ... ) . Sehr viel Neues erfahren wir dabei aber nicht.

Auf S. 130 sticht nach dem schwarzen Quadrat das Wort "Wind" hervor. Das erinnerte mich spontan an "I wait now only for the wind" ... Vielleicht überinterpretiert, vielleicht auch nicht ...

Auf S. 131 spielen Navidson und Tom Go. Ich habe keine Ahnung von dem Spiel, bin mir aber sicher, dass die Auswahl nicht willkürlich ist. Wikipedia sagt, dass es sehr komplex sei - eine Parallele zum Haus? Zwei "Kriegsherren" stehen sich gegenüber, bei der Besetzung eines neuen Territoriums - Navidson also als Stratege, seine kompetitive Natur unterstreichend? Unbesetztes Gebiet - das Go-Spiel als Kompensationshandlung, weil Navidson das unbekannte Gebiet im Keller nicht selbst erkunden darf? Go soll auch zur Meditation anregen können - Navidsons Antwort auf Karens Feng Shui? Wer weiß, wer weiß ...

In Fußnote 119 (S. 137) hatte ich plötzlich verstärkt den Eindruck, dass Truant einmal keine Lügengeschichten erzählt. Ungewohnt Mrgreen
Wieder einmal wird aber deutlich, dass sich Truants Leben zu einem guten Teil über Sex definiert.

Weiter mit Kapitel IX.
Ungewohnter Einstieg: Truant lässt Zampanò nicht einmal ein paar Sätze zum Einstieg, sondern setzt gleich nach den Eingangszitaten mit einer ausgedehnten Fußnote an. Immerhin hat sich die Textgestaltung wieder ein bisschen beruhigt, irgendwie fand ich die Kästchen störend.
In der Fußnote geht es gleich einigermaßen rund: Truant schildert einen Unfall (oder Anschlag?) - und löst das Ganze mit
Zitat:Das muss aufhören.
Ich muss gehen.
Ich ging.

Die Sexszenen (hat der noch andere Inhalte als Drogen und Sex??) in diesem Kapitel fand ich diesmal ganz und gar nicht überzeugend. Das war nahe an der Grenze zur Pornographie (oder schon darüber hinaus?) - jugendfrei ist das jedenfalls nicht mehr. Die bisherigen Szenen dieser Art fand ich besser, dort ist klar geworden, worauf er hinauswill, hat aber an Details gespart. Die, finde ich, dürfen im Schlafzimmer des Autors/Erzählers bleiben. Aber nun, vielleicht bin ich da ein bisschen prüde *achselzuck* Mrgreen

Könnt ihr euch einen Reim auf die handschriftlich wirkenden "Ks" auf S. 145, 151 und ich meine noch an einer weiteren Stelle (die ich mir aber nicht herausgeschrieben habe) machen? Fußnoten sind's ja schon mal nicht ...

Warum Zampanò die Passage über das Labyrinth von Knossos vernichten wollte. Habt ihr Ideen? Vielleicht das Labyrinth als Symbol, als Hort der eigenen persönlichen Abgründe? Wer weiß ... Oder Zampanò hat einfach zum traditionellen Verständnis des Mythos zurückgefunden und sein "falsches Geschwätz" geschwärzt (ist wohl zu simpel, oder ist es gerade deshalb richtig? Icon_panik )

Auf S. 157 begegnet uns wieder ein Blickfang: Fußnote 144. Wie viele andere in diesem Kapitel sind sie vollkommen abstrus gesetzt. Das fand ich hier lästig. Sehr, sehr leseflusshemmend, effekthascherisch. Vor allem, weil die Fußnoten 144, 146 und 147 noch nicht einmal bedeutend zum Inhalt beitragen: Sie zählen lediglich Beispiele auf, wie das eigentlich Beschriebene gerade [k]nicht[/k] ist. Nette Idee, aber in dem Maß übertrieben, finde ich. Einen tieferen Sinn in den Fußnoten zu suchen habe ich mir diesmal erspart; ich möchte wetten, diesmal stecken keine versteckten Botschaften darin, und Herr Danielewski sitzt zu Hause, reibt sich die Hände und lacht über all die bekloppten Leser, die versuchen, eine kryptische Botschaft daraus zu ziehen Icon_lol
Allenfalls, das Ende von Fn. 144 enthält ja noch einmal einen etwas bedeutsameren Satz:
Zitat:Stellt euch das mal vor.
In euren Träumen.
Das ganze von Zampanò - direkte Ansprache an den Leser? Ist neu. Außerdem ist es durchgestrichen ...

Spaßeshalber habe ich mal einen Namen gegoogelt, der im Text zitiert wird. "Sebastiano Pérouse de Montclos" (S. 158) ist mir irgendwie ins Auge gesprungen. Einen Palladio-Forscher mit dem Namen gibt es nicht. Wohl aber einen Palladio-Forscher namens Jean-Marie Pérouse de Montclos Icon_panik Ich fürchte, wenn wir jedem Detail auf den Grund gehen, dann können wir nur 10 Seiten pro Woche lesen ... Mrgreen

Mal wieder zum Inhalt: Ich fand die Berichte über die Expedition ziemlich spannend, mit Holloways Wahn, der Meuterei, dem Schuss - irgendwie fesselnd. Ob ich aber mit den zerrissenen Neonmarken und den verschwundenen oder zerfetzten Vorräten so glücklich bin, weiß ich nicht. Bisher war bis auf die Furchen in Zampanòs Boden das "Grauen" nicht fassbar, möglicherweise ein Hirngespinst, oder doch nicht? Dieser Zweifel, den ich gerade besonders spannend fand, leidet dann natürlich ein bisschen. Das finde ich schade. Mein Trost ist nur, dass der Record ja fiktiv ist ... oder etwa nicht? Mrgreen

Tja. Wieder eine Woche weiter. Ich fand diesen Teil etwas schwächer als die letzten beiden, aber nicht bedeutend: Nach wie vor fesselnd, nach wie vor extrem verworren, macht nach wie vor großen Spaß. Bin gespannt, was euch so dazu einfällt ...

Grüße,
Lehrling

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