Es ist: 01-12-2020, 01:12
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frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Beitrag #71 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Dann will ich mich heute Abend auch mal zu Wort melden:

Zur neuen, nun sehr wirr werdende Seitengestaltung, bei der mir vor allem die sehr starke Verschachtelung von Fußnoten auffällt - ein oder zwei Mal musste ich das Gelesene noch mal von weiter vorne wieder anfangen, um mich durch die Verkettung von Fußnote in Fußnote in Fußnote zurückzufinden.

Und genau da sehe ich auch, im Gegensatz zu Federlehrling, den Sinn und die unglaubliche Genialität. Ich habe dieses Kapitel geliebt und nachts vor dem Schlafen im Bett gelesen, was womöglich die Wirkung noch verstärkt hat.
Für mich ist diese Anordnung des Textes und die Verschachtelung der Fußnoten eine 'Verdeutlichung', bzw. eine Art metaphorische Schriftgestaltung übertragen vom Labyrinth im Haus:
Wir haben an den Seiten und im mittigen Viereck sinnlose Informationen, die uns zu nichts führen und keinen Inhalt haben - Sackgassen sozusagen.
Nur ein kleiner Teil der Seite ist dem richtigen Weg von Danielewski gewidmet worden und selbst dieser 'richtige Weg', also der eigentliche Text, ist übersät mit Fußnoten, die in weiter Fußnoten führen, die irgendwann zumeist ebenfalls gehaltlos enden. Wie ich oben schon sagte war ich teilweise durch die häufigen Fußnotenwechsel so verwirrt, dass ich den 'gelesenen Weg zurückgehen' musste. - Ihr seht worauf ich hinaus möchte: Diese Textgestaltung ist ebenfalls sehr labyrinth-ähnlich und hatte auf mich zunehmends eine Art klaustrophobische Wirkung - der Haupttext wird immer enger, ich fühlte mich wirklich beinahe körperlich von dem vielen unsinnigen Text eingeengt und der Lesefluss war natürlich dadurch, wie Federlehrling schon sagte, beeinträchtigt - aber all das hat mich im Gesamten dann doch nicht gestört, da es für mich eine perfekte Übersetzung des Hauses und der Handlung in Schriftgestaltung ist. Eines der genialsten Kapitel, wenn ihr mich fragt, wirklich ein Genuss und für mich etwas, was Danielewski zu einem Genie macht.

Aber anscheinend sind wir uns da nicht so einig?


Zitat:Gerade zu Beginn dreht sich die Personen-Ebene wieder um die Rivalität von Navidson und Holloway (warum eigentlich "Navidson" und nicht Will, so wie die anderen Tom und Karen, Chad und Daisy, Holloway, Jeb und Wax heißen? Lediglich Reston wird noch "gesiezt", aber auch nicht durchgängig: häufig "Billy Reston" - hat mich die ganze Zeit schon gewundert ... ) . Sehr viel Neues erfahren wir dabei aber nicht.
Das liegt denke ich daran, dass der Film 'Navidson Record' heißt ... wobei es dann immer noch nicht unbedingt Sinn macht den Protagonisten nur 'Navidson' zu nennen.
Aber ich vermute, dass es von Danielewski bewusst so gemacht ist, die Frage ist nur warum.

Zu den härteren Sexszenen: Du sagst schon, dass Dir aufgefallen ist, dass sie beinahe ins Pornographische rutschen - für mich war das beim Lesen ein weiteres Indiz dafür, dass Truant sich alles nur erfunden hat und auch bei seinem Sexleben sehr stark lügt:
Diese Szenen in der Realität zu Erleben ist, behaupte ich nun einfach mal, relativ selten - sie stellen allesamt meines Erachtens eine Herabsetzung der Frau dar, wie sie sonst wohl nur in Pornos zu finden ist. Daher für mich die These: Truant hat sich diese 'realen' Erlebnisse nur ausgedacht, was zu seinem Hang zu lügen und damit auch zu der Wahrscheinlichkeit, dass er alles selbst erfunden hat, passen würde.

Eine weitere Vermutung, die wir eingangs über Truant anstellten ist die, dass seine Persönlichkeit gespalten ist - in diesem Kapitel gab es für mich an mehreren Stellen Hinweise, die dies bestätigen.
Oft schreibt er Dinge, auf die er zum Beispiel im nächsten Absatz überhaupt nicht mehr eingeht, als hätte er komplett vergessen wovon er gerade geschrieben hat.
Bei der Begegnung mit Ashley scheint er sich erst daran zu erinnern, sie getroffen zu haben und alles zu verstehen, doch beim Hinausgehen sagt er ihr dann, er sei noch nie in Texas gewesen.
An anderen Stellen schreibt er gelegentlich Sachen wie: 'Warum habe ich das eigentlich gerade geschrieben?' (sinngemäß wiedergegeben) oder 'Versteht ihr, längst nicht so dramatisch wie eine aus Koreanern bestehende Kampfkunstsekte aus Indiana. Ich meine, aus Idaho. eine Bratpfanne ist runtergefallen. Das war alles.' (S. 172 oben)
Ganz deutlich wird dies für mich in der Fußnote 133 auf Seite 149: '[...] Zumindest hab ich das Gefühl. Die Seiten 53, 425 und 529 widersprechen dem allerdings mehr oder weniger. Obwohl, eigentlich doch nicht.'
Hier wechselt er gleich mehrfach in einer Fußnote seine Meinung zu dem Thema - natürlich eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber hätte man dann nicht seine Überlegungen einfach wieder durchgestrichen und seine endgültige Meinung stehen lassen? Zumindest mir ist diese Stelle beim Lesen sofort sehr markant ins Auge gefallen.
Auch die Stimme, die er in seiner Schulzeit mal gehört hat und erst einem Geist zuschreibt, dann aber doch auf die Akustik des Raumes zurückführt - existiert diese Stimme vielleicht nur in seinem Kopf? Vielleicht ein wenig weit hergeholt, aber durchaus ebenso möglich.

Ich finde, insgesamt beantwortet dieses Kapitel viele Fragen über Truant, wirft aber schon wieder eine Menge weitere auf - allerdings wird alles langsam in eine bestimmtere Richtung gelenkt und ein paar Möglichkeiten der Interpretation lassen sich mittlerweile ausschließen.


Zitat:Mal wieder zum Inhalt: Ich fand die Berichte über die Expedition ziemlich spannend, mit Holloways Wahn, der Meuterei, dem Schuss - irgendwie fesselnd. Ob ich aber mit den zerrissenen Neonmarken und den verschwundenen oder zerfetzten Vorräten so glücklich bin, weiß ich nicht. Bisher war bis auf die Furchen in Zampanòs Boden das "Grauen" nicht fassbar, möglicherweise ein Hirngespinst, oder doch nicht? Dieser Zweifel, den ich gerade besonders spannend fand, leidet dann natürlich ein bisschen.

Ich finde, dass gerade dies das 'Grauen' noch viel weniger fassbar macht. Ich glaube nicht, dass diese Plünderung und die zerstörten Neonlichter auf eine Art Monster oder überhaupt ein Wesen zurückzuführen sind. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Bemerkung auf Seite 166: 'Und außerdem: Je höher sie kommen, desto weniger ist von den einzelnen Markierungen übrig. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fällt Jed obendrein auf, dass ihm Knöpfe fehlen, eine ganze Menge sogar. Von seinem Parka sind Klettstreifen abgefallen, seine Schnürsenkel sind zerrupft, sodass er sich die Stiefel ist Klebebenand zubinden muss. Erstaunlicherweise ist sogar das Gestellt seines Rucksacks "zerbröselt", wie Jed es ausdrückt. "Irgendwie gruselig", murmelt Wax einmal während einer langen, gewundenen Aufstiegsphase. "Dass Sachen einfach verschwinden, sobald man aufhört, an sie zu denken. Du vergisst kurz mal deine Reißverschlüsse, und zack, weg sind sie. Du musst ständig auf der Hut sein."'
Sehr interessant, oder nicht?
Ist man vielleicht in diesem Gang auf eine abstruse Art in seinen eigenen Gedanken unterwegs, oder so ähnlich? Ganz entfernt? Ich bin mir ehrlich gesagt noch überhaupt nicht darüber im Klaren, wie sich diese Tatsache deuten lässt, was das für uns heißt - aber auf jeden Fall ist es ein entscheidender, wichtiger Hinweis für die Deutung des Labyrinths, wie seht ihr das?

So, viel schreibe ich dieses Mal nicht, ich wollte mich auf meine Hauptbemerkungen beschränken - insgesamt, wie ich sagte, das beste Kapitel bisher und für mich eines der großartigeren Kapitel, die ich je gelesen habe - nicht unbedingt sprachlich, nicht unbedingt inhaltlich, aber die Art, auf die Danielewski Sprache, Inhalt, Darstellung, Verschachtelung und so fort nutzt ist einzigartig und ungemein genial.
Ich bin, wie ihr seht, zutiefst begeistert davon - aber seht ihr meine Deutung der Typografie überhaupt so wie ich?

Ein sehr interessantes Kapitel mit viel Diskussionstoff und im Hinblick auf die folgenden Kapiteln wohl grundlegenden Hilfen zur Deutung - ich frage mich, ob es auf überhaupt eine unserer Fragestellungen auch nur im Geringsten eine Möglichkeit geben wird, die wahrscheinlich ist als andere Möglichkeiten.
Mir scheint es bisher so, dass Danielewski sein Haus so erschafft, dass alles und nichts sich interpretieren ließe - was haltet ihr davon, eine Art Horrorroman so aufzubauen? Normalerweise wird das Böse ja am Ende 'entlarvt', die Story wird aufgeklärt - hier scheint das nicht der Fall zu sein, oder?

Liebe Grüße aus einem dunklen Korridor,
Lars Icon_smile ... :icon_gucker: ... Icon_confused

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

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Beitrag #72 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin!

Zitat:Für mich ist diese Anordnung des Textes und die Verschachtelung der Fußnoten eine 'Verdeutlichung', bzw. eine Art metaphorische Schriftgestaltung übertragen vom Labyrinth im Haus:
Wir haben an den Seiten und im mittigen Viereck sinnlose Informationen, die uns zu nichts führen und keinen Inhalt haben - Sackgassen sozusagen.
Nur ein kleiner Teil der Seite ist dem richtigen Weg von Danielewski gewidmet worden und selbst dieser 'richtige Weg', also der eigentliche Text, ist übersät mit Fußnoten, die in weiter Fußnoten führen, die irgendwann zumeist ebenfalls gehaltlos enden.
Schon richtig, das ist spannend gemacht, macht Spaß, daran herumzutüfteln und sich einen Weg durch die Sackgassen zu bahnen. Ich fand's einfach etwas zu viel. Die Genialität des Autors zweifele ich nicht an, und schlecht war es auch nicht, nur eben ein wenig zu mühsam, anders als die letzten Kapitel. Wenn ich mehrfach länger suchen muss, bis ich endlich finde, wo ich überhaupt weiterlesen muss (nämlich in einer kopfüber gedruckten Fußnote, kursiv gedruckt, links unten o.ä. ... ), dann hat er's für mich etwas übertrieben.

Zitat:Zu den härteren Sexszenen: Du sagst schon, dass Dir aufgefallen ist, dass sie beinahe ins Pornographische rutschen - für mich war das beim Lesen ein weiteres Indiz dafür, dass Truant sich alles nur erfunden hat und auch bei seinem Sexleben sehr stark lügt:
Diese Szenen in der Realität zu Erleben ist, behaupte ich nun einfach mal, relativ selten - sie stellen allesamt meines Erachtens eine Herabsetzung der Frau dar, wie sie sonst wohl nur in Pornos zu finden ist. Daher für mich die These: Truant hat sich diese 'realen' Erlebnisse nur ausgedacht, was zu seinem Hang zu lügen und damit auch zu der Wahrscheinlichkeit, dass er alles selbst erfunden hat, passen würde.
Absolute Zustimmung. Ist mir so nicht aufgefallen, aber ja - so, wie du es schreibst, wird es eigentlich offensichtlich!

Zitat:Eine weitere Vermutung, die wir eingangs über Truant anstellten ist die, dass seine Persönlichkeit gespalten ist - in diesem Kapitel gab es für mich an mehreren Stellen Hinweise, die dies bestätigen.
Da bin ich unsicher. Die Stellen sind nur wirr, zusammenhangslos, nicht unbedingt persönlichkeitsgespalten. Aber wir werden schon noch sehen ...

So, jetzt erst mal in die Uni - später mehr!
Grüße,
Lehrling

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Beitrag #73 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hey an alle!

Entschuldigt, dass ich erst jetzt antworte, aber irgendwie habe ich diese Woche definitiv zu wenig Zeit. :icon_kotz:

Aber das Buch ist einfach zu gut bisher, um es einfach so außenvor zu lassen.

Federlehrling schrieb:Ich habe die Briefe inzwischen gelesen. Ehrlich gesagt, in diese Richtung fand ich sie nicht aufschlussreich. Und Wanderer, gegen deine "squaller" und "squealer" streubt sich mein gesamtes Sprachgefühl, da fehlt einfach der Artikel - klar, wenn man ein "l" oder ein "e" auslässt, dann kann man auch ein "a" auslassen, aber für die Grammatik ist es (gefühlt) schon dramatisch. Aber wie auch immer, vielleicht ergibt es sich ja noch.
Ich hab mir auch schon Gedanken zum fehlenden "a" gemacht. Ich glaube es könnte I(')m heißen, statt I am, dann hätten wir es. Aber mir passt es nicht, weil ich nicht glaube, dass wir einfach Buchstaben aus dem Hauptwort weglassen dürfen. Dafür wirkt es zu kunstvoll. Ich bin eher geneigt zu glauben, dass die Kombination anders sein muss. Vielleicht auch ganz ohne I am? Vielleicht ist das eine Finte? Mich persönlich hat es einerseits an die fremdsprachlichen Zitate erinnert, die Truants Mutter ihm manchmal vorwirft (Schau in dein Wörterbuch), andererseits könnte es auch eine Art Geheimsprache sein, wie sie Kinder manchmal erfinden?
Ich bin jedenfalls sicher, dass es irgendwie verschlüsselt ist.

Federlehrling schrieb:Das hat auch Karen als Kind oder junge Frau getan, wenn ich mich recht erinnere - wieder ein Hinweis darauf, dass Truant Zampanò [k]und[/k] den Navidson Record erfunden hat? Karen als Mutterfigur? Karen in ihrer Angst vor engen, dunklen Räumen als Äquivalent zur Geisteskrankheit der Mutter?
Nicht nur das: mir ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Chad (Navidsons Sohn) und Truant aufgefallen. Irgendwo steht, dass er jetzt immer länger weg bleibt und zerschlagen zurückkommt -> Truant neigt zu Prügeleien. (Ist natürlich eher vage, aber Gedanken sind bekanntlich frei Icon_wink)

Federlehrling schrieb:Wir finden uns gleich mitten in der Erkundung wieder - d.h. vielmehr in ihrer Außenbetrachtung, im "Basislager" (Die militärische Interpretation, die Danielewski dem Wort beimisst, finde ich zwar etwas weit hergeholt, aber nun - des Meisters Wunsch ... Icon_wink
Fand ich eigentlich ganz passend. Ein Haufen Männer (die Truppe), die sich aufmacht, dem Abartigen die Stirn zu bieten. Wenn ich das so formuliere: irgendwie sind Frauen außen vor, oder? Karen hält sich "vornehm" zurück, andere kommen gar nicht erst in die Nähe der Korridore. Warum? Grade in den USA hat sich doch die Emanzipation weitgehend durchgesetzt, oder bilde ich mir das nur ein? Liegt es vielleicht an einem Unterschied in der männlichen und weiblichen Psyche?

Federlehrling schrieb:Könnt ihr euch einen Reim darauf machen? Ich meine, das SOS ist einigermaßen klar, aber was sollen die Quadrate? Vor allem, weil sie später teilweise mitten im Satz einen "Absatz" bilden ...
Ich glaube das ist eine Botschaft, die sich im Text verbrigt. Ein heimlicher Hilferuf im Hintegrrund, sozusagen?
Ich habe mir mal ein Morsealphabet rausgesucht und festgestellt, dass die einzelnen Buchstaben auch immer einen Spitznamen haben (Y = Yankee, S = Sierra) ... wenn man davon ausgeht, dass die leeren Kästchen "kurz" und die vollen "lang" sind (würde genauso viel Sinn machen, wie andersrum Icon_slash), dann hätte die sich am häufgisten widerholende Struktur .--. die Bedeutung "P = Papa". Zufall? Falsch verstanden? Oder ein Hinweis auf Truants Vater? Kombiniert mit dem Thema SOS vielleicht das Zeichen: ohne Papa gehts nicht bzw. seit seinem Tod gehts nicht mehr? Wäre zumindest ein sinniger Interpretationsansatz. Icon_wink

Federlehrling schrieb:Und was sucht der Haken auf seite 128 unten rechts? In den Briefen der Mutter taucht so etwas einmal auf, als "Empfangsbestätigung" für einen verschlüsselten Brief - aber was soll das hier?
Ein Hinweis darauf, dass das ganze Buch bzw. Zamapanos Abhandlung nur ein verschlüsselter "Brief" (= Botschaft?) von Truant an den Leser ist? Ein Zeichen, dass er doch alles geschrieben hat? Er könnte den Haken natürlich auch nachträglich hinzugefügt haben. Dann könnte er dafür stehen, dass er die "Botschaft" erhalten hat, die Zampano senden wollte. Aber mir passt der erste Interpretationsansatz irgendwie besser, an dieser Stelle. Hm ...

Federlehrling schrieb:(warum eigentlich "Navidson" und nicht Will, so wie die anderen Tom und Karen, Chad und Daisy, Holloway, Jeb und Wax heißen? Lediglich Reston wird noch "gesiezt", aber auch nicht durchgängig: häufig "Billy Reston" - hat mich die ganze Zeit schon gewundert ... )
Das ist mir schon ganz zu Anfang aufgefallen: sogar Karen nennt ihn immer "Navy" von Navidson. Ein Hinweis darauf, dass diese Personen alle fiktiv sind? (Ein Fehler, den der Autor Zampano/Truant gemacht hat, weil er halt immer nur von Navidson denkt?)

Zitat:Auf S. 130 sticht nach dem schwarzen Quadrat das Wort "Wind" hervor. Das erinnerte mich spontan an "I wait now only for the wind" ... Vielleicht überinterpretiert, vielleicht auch nicht ...
Wenn man das übertragen würde, könnte es heißen: ich warte darauf, dass sich das Funkgerät endlich wieder meldet. Was im übertragenen Sinne wieder heißen könnte: ich will das die Verschollenen zurückkehren (wenn Truant gemeint ist: seine Mutter und sein Vater? Wenn es um Zampano geht, geht es vielleicht um seine gefallenen Kameraden? => Zampano spricht auf S.181 in der Fußnote für mich recht eindeutig von Kriegserfahrungen. Er hat viele Leute getötet und musste erleben, wie Kameraden ihre Extrimitäten verlieren? Das mit den Beinen könnte allerdinsg auch auf Billy anspielen ... hm ...)

Zitat:Auf S. 131 spielen Navidson und Tom Go. Ich habe keine Ahnung von dem Spiel, bin mir aber sicher, dass die Auswahl nicht willkürlich ist. Wikipedia sagt, dass es sehr komplex sei - eine Parallele zum Haus? Zwei "Kriegsherren" stehen sich gegenüber, bei der Besetzung eines neuen Territoriums - Navidson also als Stratege, seine kompetitive Natur unterstreichend? Unbesetztes Gebiet - das Go-Spiel als Kompensationshandlung, weil Navidson das unbekannte Gebiet im Keller nicht selbst erkunden darf? Go soll auch zur Meditation anregen können - Navidsons Antwort auf Karens Feng Shui? Wer weiß, wer weiß ...
Go ist ein sehr interessantes Spiel (ich hab's schon einmal ausprobiert), aber gar nicht so leicht zu überblicken. Es ist eigentlich außerhalb Europas recht verbreitet, deshalb weiß ich nicht, ob man wirklich so viel da hineininterpretieren kann ... aber was du schreibst klingt alles sehr nahe liegend. Icon_wink
Navidson nimmt in seiner aufgezwungenen Untätigkeit einfach ein anderes Gebiet in Besitz ... passt.

Federlehrling schrieb:In der Fußnote geht es gleich einigermaßen rund: Truant schildert einen Unfall (oder Anschlag?) - und löst das Ganze mit

Zitat:Das muss aufhören.
Ich muss gehen.
Ich ging.
Er hatte ja schon mehrfach diese "Visionen" ... aber sie werden nun immer krasser und immer deutlicher von der Realität zu unterscheiden (das hilft ihm vermutlich nicht wirklich weiter).
Für mich auch weiterhin das Zeichen einer Psychose, das vielleicht nicht alleine auf Drogen zurückzuführen ist, sondern auch auf seine Vergangenheit und Traumata in der selben?

Federlehrling schrieb:Die Sexszenen (hat der noch andere Inhalte als Drogen und Sex??) in diesem Kapitel fand ich diesmal ganz und gar nicht überzeugend. Das war nahe an der Grenze zur Pornographie (oder schon darüber hinaus?) - jugendfrei ist das jedenfalls nicht mehr. Die bisherigen Szenen dieser Art fand ich besser, dort ist klar geworden, worauf er hinauswill, hat aber an Details gespart. Die, finde ich, dürfen im Schlafzimmer des Autors/Erzählers bleiben. Aber nun, vielleicht bin ich da ein bisschen prüde *achselzuck*

Lars schrieb:Zu den härteren Sexszenen: Du sagst schon, dass Dir aufgefallen ist, dass sie beinahe ins Pornographische rutschen - für mich war das beim Lesen ein weiteres Indiz dafür, dass Truant sich alles nur erfunden hat und auch bei seinem Sexleben sehr stark lügt:
Diese Szenen in der Realität zu Erleben ist, behaupte ich nun einfach mal, relativ selten - sie stellen allesamt meines Erachtens eine Herabsetzung der Frau dar, wie sie sonst wohl nur in Pornos zu finden ist. Daher für mich die These: Truant hat sich diese 'realen' Erlebnisse nur ausgedacht, was zu seinem Hang zu lügen und damit auch zu der Wahrscheinlichkeit, dass er alles selbst erfunden hat, passen würde.
Ich kann mich da Lars nur anschließen, mir sind genau die selben Gedanken beim Lesen durch den Kopf gegangen. Die Begegnungen mit dem Damen mögen real sein ... aber ich fürchte (für ihn) der Sex ist seiner Phantasie entsprungen. Er hätte wohl gerne? Vielleicht kann man sogar die eher verschleierten von den eher direkten Sexszenen trennen und die einen für wahr, die anderen für falsch halten?
Insgesamt wirkt es jedefalls so, als wollte Truant sich mit seinen Bettgeschichten profilieren. Icon_wink Ich finde das Konzept des nicht vertrauenswürdigen Erzählers immernoch ungemein faszinierend.

Federlehrling schrieb:Könnt ihr euch einen Reim auf die handschriftlich wirkenden "Ks" auf S. 145, 151 und ich meine noch an einer weiteren Stelle (die ich mir aber nicht herausgeschrieben habe) machen? Fußnoten sind's ja schon mal nicht ...
Sicher? Vielleicht sind es Fußnoten für Textteile die fehlen? Truant sagt ja oft genug, dass er nicht alles hat rekonstruieren können und dass er bei der Reihenfolge der Textabschnitte nicht unbedingt sicher ist. (Solche Gedanken machen einfach SpaßIcon_smile)

Was ich an dieser Stelle anmerken will:
Kann sich jemand einen Reim auf die erste Fußnote auf S. 145 machen? Wer bittet da um Entschuldigung ... und wofür (und fast genauso wichtig: warum auf Deutsch? Hilft Kyrie Truant mittlerweile bei seiner Arbeit?)

Federlehrling schrieb:Warum Zampanò die Passage über das Labyrinth von Knossos vernichten wollte. Habt ihr Ideen? Vielleicht das Labyrinth als Symbol, als Hort der eigenen persönlichen Abgründe? Wer weiß ... Oder Zampanò hat einfach zum traditionellen Verständnis des Mythos zurückgefunden und sein "falsches Geschwätz" geschwärzt (ist wohl zu simpel, oder ist es gerade deshalb richtig? Icon_panik )
Vielleicht weil es zu ausschweifend wurde? Diese Geschichte (sowieso meines Erachtens recht weit hergeholt) hat wenig bis gar nichts mit dem "Labyrinth" zu tun, dass wir im Haus vorfinden. Denn dort scheint sich jedenfalls kein Verkannter Unschuldiger drin zu verstecken, oder? Diese Geschichte sollte vielleicht zeigen: ein Labyrinth muss nicht immer als Gefängnis gedacht sein, sondern kann auch Zufluchtsort sein? Der Schein kann Freund und Feind vertauschen?
Oder verrent sich Zampano so in diesen Ausführungen, gerade weil er diese Geschichte unbewusst auf sich selbst überträgt? Weil sich in dieser Geschichte etwas verbirgt, was wir noch nicht über Zampano wissen? Vielleicht ist diese ausgelöschte Textstelle auch nur ein Hirngespinst Truants?

Auf S.149 in Fußnote 133 schreibt Truant von einer Lissitzky- und Escher-Thematik die er bei Zampano zu erkennen glaubt.
Was soll diese Thematik sein? Beide Namen verbinden Kunst und Architektur, ja Malerei und Architektur. Und das Haus als unmögliche Struktur lässt sich sehr gut mit Escher in Verbindung bringen, das stimmt. Aber seht ihr speziell an dieser Stelle die Verknüpfung?

Federlehrling schrieb:Auf S. 157 begegnet uns wieder ein Blickfang: Fußnote 144. Wie viele andere in diesem Kapitel sind sie vollkommen abstrus gesetzt. Das fand ich hier lästig. Sehr, sehr leseflusshemmend, effekthascherisch. Vor allem, weil die Fußnoten 144, 146 und 147 noch nicht einmal bedeutend zum Inhalt beitragen: Sie zählen lediglich Beispiele auf, wie das eigentlich Beschriebene gerade [k]nicht[/k] ist. Nette Idee, aber in dem Maß übertrieben, finde ich. Einen tieferen Sinn in den Fußnoten zu suchen habe ich mir diesmal erspart; ich möchte wetten, diesmal stecken keine versteckten Botschaften darin, und Herr Danielewski sitzt zu Hause, reibt sich die Hände und lacht über all die bekloppten Leser, die versuchen, eine kryptische Botschaft daraus zu ziehen Icon_lol

Lars schrieb:Und genau da sehe ich auch, im Gegensatz zu Federlehrling, den Sinn und die unglaubliche Genialität. Ich habe dieses Kapitel geliebt und nachts vor dem Schlafen im Bett gelesen, was womöglich die Wirkung noch verstärkt hat.
Für mich ist diese Anordnung des Textes und die Verschachtelung der Fußnoten eine 'Verdeutlichung', bzw. eine Art metaphorische Schriftgestaltung übertragen vom Labyrinth im Haus:
Wir haben an den Seiten und im mittigen Viereck sinnlose Informationen, die uns zu nichts führen und keinen Inhalt haben - Sackgassen sozusagen.
Nur ein kleiner Teil der Seite ist dem richtigen Weg von Danielewski gewidmet worden und selbst dieser 'richtige Weg', also der eigentliche Text, ist übersät mit Fußnoten, die in weiter Fußnoten führen, die irgendwann zumeist ebenfalls gehaltlos enden. Wie ich oben schon sagte war ich teilweise durch die häufigen Fußnotenwechsel so verwirrt, dass ich den 'gelesenen Weg zurückgehen' musste. - Ihr seht worauf ich hinaus möchte: Diese Textgestaltung ist ebenfalls sehr labyrinth-ähnlich und hatte auf mich zunehmends eine Art klaustrophobische Wirkung - der Haupttext wird immer enger, ich fühlte mich wirklich beinahe körperlich von dem vielen unsinnigen Text eingeengt und der Lesefluss war natürlich dadurch, wie Federlehrling schon sagte, beeinträchtigt - aber all das hat mich im Gesamten dann doch nicht gestört, da es für mich eine perfekte Übersetzung des Hauses und der Handlung in Schriftgestaltung ist. Eines der genialsten Kapitel, wenn ihr mich fragt, wirklich ein Genuss und für mich etwas, was Danielewski zu einem Genie macht.

Aber anscheinend sind wir uns da nicht so einig?

Ich gehe da eher in Lars Richtung. Deine Interpretaion dieser Struktur als Labyrinth im Text finde ich schlicht und ergreifend genial. Ich glaube damit könntest du die Absicht des Autors getroffen haben.
Ich hab das eher diffus wahrgenommen und konnte nicht richtig benennen, was mir jetzt so gut daran gefallen hat (außer mich über die vielen verschiedenen Arten etwas zu codieren zu freuen).

Federlehrling schrieb:Allenfalls, das Ende von Fn. 144 enthält ja noch einmal einen etwas bedeutsameren Satz:

Zitat:Stellt euch das mal vor.
In euren Träumen.

Das ganze von Zampanò - direkte Ansprache an den Leser? Ist neu. Außerdem ist es durchgestrichen ...
Das ist nicht neu: als um Echo ging, schreibt Zampano irgendwann "Vielleicht dein Wort?" und spricht damit den Leser direkt an. Das hat mich an der Stelle schon beschäftigt. Es hat eine besonders intensive Wirkung - so glaube ich - wenn der ansonsten distanzierte Erzähler auf einmal auf einen zu geht. Hier ein Hinweis darauf, dass er selbst Alpträume von dieser Leere hat? Truant schreibt am Anfang auch von Alpträumen ...
"In euren Träumen" klingt für mich (unfreiwillig?) wie ein Zeichen von Ironie. Hm ...

Federlehrling schrieb:Ob ich aber mit den zerrissenen Neonmarken und den verschwundenen oder zerfetzten Vorräten so glücklich bin, weiß ich nicht. Bisher war bis auf die Furchen in Zampanòs Boden das "Grauen" nicht fassbar, möglicherweise ein Hirngespinst, oder doch nicht? Dieser Zweifel, den ich gerade besonders spannend fand, leidet dann natürlich ein bisschen. Das finde ich schade. Mein Trost ist nur, dass der Record ja fiktiv ist ... oder etwa nicht?

Lars schrieb:Ich glaube nicht, dass diese Plünderung und die zerstörten Neonlichter auf eine Art Monster oder überhaupt ein Wesen zurückzuführen sind. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Bemerkung auf Seite 166: 'Und außerdem: Je höher sie kommen, desto weniger ist von den einzelnen Markierungen übrig. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fällt Jed obendrein auf, dass ihm Knöpfe fehlen, eine ganze Menge sogar. Von seinem Parka sind Klettstreifen abgefallen, seine Schnürsenkel sind zerrupft, sodass er sich die Stiefel ist Klebebenand zubinden muss. Erstaunlicherweise ist sogar das Gestellt seines Rucksacks "zerbröselt", wie Jed es ausdrückt. "Irgendwie gruselig", murmelt Wax einmal während einer langen, gewundenen Aufstiegsphase. "Dass Sachen einfach verschwinden, sobald man aufhört, an sie zu denken. Du vergisst kurz mal deine Reißverschlüsse, und zack, weg sind sie. Du musst ständig auf der Hut sein."'
Sehr interessant, oder nicht?
Ist man vielleicht in diesem Gang auf eine abstruse Art in seinen eigenen Gedanken unterwegs, oder so ähnlich? Ganz entfernt? Ich bin mir ehrlich gesagt noch überhaupt nicht darüber im Klaren, wie sich diese Tatsache deuten lässt, was das für uns heißt - aber auf jeden Fall ist es ein entscheidender, wichtiger Hinweis für die Deutung des Labyrinths, wie seht ihr das?
Ich hätte die selben Stellen angeführt wie Lars. Der erste Gedanke ist natürlich "Ah, also wirklich eine Bestie, ein Minotauros?" und kurz darauf wird man schon wieder widerlegt. Das Haus scheint etwas gegen unbelebte Materie zu haben ... darin könnte tatsächlich ein Hinweis darauf leigen, dass diese Gänge irgendetwas mit der Psyche der Menschen zu tun hat. Vor allem scheint das Haus seinerseits auch Einfluss auf die Psyche der Personen in ihm zu nehmen? Eine wechselseitige Beziehung? Ein Hochschaukeln bis zur Eskalation, ausgelöst, weil Menschen so gut in der Lage sind sich selbst zu zerstören? Ich erinnere an dieser Stelle noch einmal an den Hund und die Katze, die überhaupt nicht vom Haus erfasst wurden ... ein Hinweis darauf, dass es etwas mit dem zutun haben muss, was Mensch und Tier unterscheidet?

Lars schrieb:Eine weitere Vermutung, die wir eingangs über Truant anstellten ist die, dass seine Persönlichkeit gespalten ist - in diesem Kapitel gab es für mich an mehreren Stellen Hinweise, die dies bestätigen.
Ich gebe dir aufjedenfall recht in der Hinsicht, dass die Stellen darauf hindeuten, dass Truant eine psychische Störung hat. Ob er aber direkt persönlichkeitsgespalten ist kann ich da noch nicht herausfiltern.
ich finde die Aspekte, die du anführst könnten zwar auf eine Persönlichkeitsspaltung hindeuten, könnten aber alle auch noch anders erklärt werden (hoher Grad an Verwirrtheit Icon_wink).
Wenn Truant aber persönlichkeitsgespalten wäre ... dann könnte er theoretisch auch Zampano sein ohne es zu wissen. o.O (Und der alte Mann ist nur irgendein alter Mann)

Was mich schon die ganze Zeit sehr beschäftigt ist Fußnote 173 auf S. 181, sie bezieht sich auf den Gnom, der sich an den mächtigen Toten labt.
Irgendwie glaube ich, dass hier ein Knackpunkt verborgenliegt und ich bin gespannt, was ihr dazu zusagen habt.

Oh, und ich möchte das Augenmerk der Damen und Herren auf Fußnote 197 auf Seite 195 richten. Das meinte ich mit "Vielleicht erfahren wir über den Herausgeber, was mit Truant passiert". Icon_wink Ich bin allerdings nicht sicher, inwiefern Truant selbst die "Herausgebertexte" schreibt oder inwiefern er selbst diese E-mail geschrieben haben könnte. *g*

Also mir haben diese Kapitel auch wieder sehr gut gefallen. Desto verzwickter und verwirrender ein Text ist, desto besser gefällt er mir (zumindest dann, wenn man noch irgendetwas darin sehen kann). Und hier sind wieder einige lose Enden aufgetaucht. Ich bin wirklich gespannt, was sich hierraus ergibt!

Grüße!

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
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Beitrag #74 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Noch mal die Rückmeldung zu Ende ...
Zitat:Ich finde, dass gerade dies das 'Grauen' noch viel weniger fassbar macht. Ich glaube nicht, dass diese Plünderung und die zerstörten Neonlichter auf eine Art Monster oder überhaupt ein Wesen zurückzuführen sind. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Bemerkung auf Seite 166: 'Und außerdem: Je höher sie kommen, desto weniger ist von den einzelnen Markierungen übrig. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fällt Jed obendrein auf, dass ihm Knöpfe fehlen, eine ganze Menge sogar. Von seinem Parka sind Klettstreifen abgefallen, seine Schnürsenkel sind zerrupft, sodass er sich die Stiefel ist Klebebenand zubinden muss. Erstaunlicherweise ist sogar das Gestellt seines Rucksacks "zerbröselt", wie Jed es ausdrückt. ...'
Gut, insofern muss ich meine Kritik zurückziehen. Schnürsenkel & Co. sind wirklich rätselhaft, und das schlägt auch auf die Markierungen zurück.

Zitat:seht ihr meine Deutung der Typografie überhaupt so wie ich?
Volle Zustimmung Mrgreen

Zitat:Mir scheint es bisher so, dass Danielewski sein Haus so erschafft, dass alles und nichts sich interpretieren ließe - was haltet ihr davon, eine Art Horrorroman so aufzubauen? Normalerweise wird das Böse ja am Ende 'entlarvt', die Story wird aufgeklärt - hier scheint das nicht der Fall zu sein, oder?
Danach sieht es bisher aus - ich hoffe, es bleibt so. Bin an sich kein sonderlicher Horrorfan, aber das hier ist verdammt cool. Ich fänd's schade, wenn er am Ende eine einfache Lösung geben würde (es sei denn, es bleibt die Option, dass wir ihm nicht trauen können und wir immer noch Grund zur Annahme haben, dass sich alles ganz anders, nämlich überhaupt nicht zugetragen hat, abgesehen von Truants zerrüttetem Geist ... ) Mrgreen

Jetzt zu dir, werter Wanderer!
Zitat:Nicht nur das: mir ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Chad (Navidsons Sohn) und Truant aufgefallen. Irgendwo steht, dass er jetzt immer länger weg bleibt und zerschlagen zurückkommt -> Truant neigt zu Prügeleien. (Ist natürlich eher vage, aber Gedanken sind bekanntlich frei Icon_wink)
Sauber! Ich glaube, bald haben wir ihn Icon_fies ... Oder er uns, und lacht uns tierisch aus, weil wir uns so verrannt haben Icon_wink

Zitat:Fand ich eigentlich ganz passend. Ein Haufen Männer (die Truppe), die sich aufmacht, dem Abartigen die Stirn zu bieten. Wenn ich das so formuliere: irgendwie sind Frauen außen vor, oder? Karen hält sich "vornehm" zurück, andere kommen gar nicht erst in die Nähe der Korridore. Warum? Grade in den USA hat sich doch die Emanzipation weitgehend durchgesetzt, oder bilde ich mir das nur ein? Liegt es vielleicht an einem Unterschied in der männlichen und weiblichen Psyche?
Hmm. Sind die Frauen in den USA wirklich emanzipierter als hier, nur weil sie auch zum Militär gehen? Und da irgendwelche Geschichten mit Unterschieden zwischen männlicher und weiblicher Psyche da hineinzuinterpretieren finde ich gewagt, schließlich ist Karen etwas ... naja. Mrgreen

Zitat:Ich habe mir mal ein Morsealphabet rausgesucht und festgestellt, dass die einzelnen Buchstaben auch immer einen Spitznamen haben (Y = Yankee, S = Sierra) ... wenn man davon ausgeht, dass die leeren Kästchen "kurz" und die vollen "lang" sind (würde genauso viel Sinn machen, wie andersrum Icon_slash), dann hätte die sich am häufgisten widerholende Struktur .--. die Bedeutung "P = Papa". Zufall? Falsch verstanden? Oder ein Hinweis auf Truants Vater? Kombiniert mit dem Thema SOS vielleicht das Zeichen: ohne Papa gehts nicht bzw. seit seinem Tod gehts nicht mehr? Wäre zumindest ein sinniger Interpretationsansatz. Icon_wink
"Papa" ist die Entsprechung im Fliegeralphabet (auch das noch ... ), oder wie? Wär dem zuzutrauen. Ganz glücklich bin ich aber nicht damit, da SOS ja schließlich nicht "ohne geht's nicht", sondern "hilfe!" heißt. Und wie verbreitet ist "Papa" in den USA? An sich kenne ich von dort eher "Dad" ...

Zitat:sogar Karen nennt ihn immer "Navy"
Ja, stimmt. A propos Navy: "Raymond, der Navy-Mann" ...

Zitat:Wenn man das übertragen würde, könnte es heißen: ich warte darauf, dass sich das Funkgerät endlich wieder meldet. Was im übertragenen Sinne wieder heißen könnte: ich will das die Verschollenen zurückkehren (wenn Truant gemeint ist: seine Mutter und sein Vater? Wenn es um Zampano geht, geht es vielleicht um seine gefallenen Kameraden? => Zampano spricht auf S.181 in der Fußnote für mich recht eindeutig von Kriegserfahrungen. Er hat viele Leute getötet und musste erleben, wie Kameraden ihre Extrimitäten verlieren? Das mit den Beinen könnte allerdinsg auch auf Billy anspielen ... hm ...)
Das geht schon wieder so sauber auf ... Das spornt immer so an Icon_wink

Zitat:Go ist ein sehr interessantes Spiel (ich hab's schon einmal ausprobiert), aber gar nicht so leicht zu überblicken. Es ist eigentlich außerhalb Europas recht verbreitet, deshalb weiß ich nicht, ob man wirklich so viel da hineininterpretieren kann ... aber was du schreibst klingt alles sehr nahe liegend. Icon_wink
Navidson nimmt in seiner aufgezwungenen Untätigkeit einfach ein anderes Gebiet in Besitz ... passt.
Hmm. Ja, magst Recht haben. Aber irgendwie hat auch das so gut gepasst Icon_wink

Zitat:Vielleicht weil es zu ausschweifend wurde? Diese Geschichte (sowieso meines Erachtens recht weit hergeholt) hat wenig bis gar nichts mit dem "Labyrinth" zu tun, dass wir im Haus vorfinden. Denn dort scheint sich jedenfalls kein Verkannter Unschuldiger drin zu verstecken, oder?
Hmm. Aber das war bei Echo doch ähnlich, oder? Oder habe ich da eine Erklärung für den mythologischen Teil verdrängt?

Zitat:Auf S.149 in Fußnote 133 schreibt Truant von einer Lissitzky- und Escher-Thematik die er bei Zampano zu erkennen glaubt.
Was soll diese Thematik sein?
Lissitzky ist mir jetzt kein Begriff, aber M. C. Escher schon - da geht es um diese "unmöglichen" Zeichnungen. Hier ist das ein klarer Rückbezug, der Name ist nämlich schon früher einmal gefallen. Mir schwirrt so etwas durch den Kopf wie Man kann stundenlang auf einen Escher-Druck schauen, aber ... - welches Aber, weiß ich leider nicht mehr. War recht weit am Anfang. Ich glaube, es ging darum, ein solches Bilderrätsel könne man beiseite legen, die Haus-Problematik nicht. Aber ist nur recht vage, im Hinterkopf.

Zitat:Was mich schon die ganze Zeit sehr beschäftigt ist Fußnote 173 auf S. 181, sie bezieht sich auf den Gnom, der sich an den mächtigen Toten labt.
Irgendwie glaube ich, dass hier ein Knackpunkt verborgenliegt und ich bin gespannt, was ihr dazu zusagen habt.
Knackpunkt insofern, dass Truant eigentlich ein traumatisierter Massenmörder ist, den wir jetzt "erwischt" haben? Mrgreen Keine Ahnung. Mir ist die Stelle auch aufgefallen, aber irgendwie habe ich ihr nicht so viel Bedeutung zugemessen, habe eher aufhorchend drübergelesen.

Zitat:Oh, und ich möchte das Augenmerk der Damen und Herren auf Fußnote 197 auf Seite 195 richten. Das meinte ich mit "Vielleicht erfahren wir über den Herausgeber, was mit Truant passiert". Icon_wink Ich bin allerdings nicht sicher, inwiefern Truant selbst die "Herausgebertexte" schreibt oder inwiefern er selbst diese E-mail geschrieben haben könnte. *g*
Das wiederspricht ja ein bisschen der Sex-Phantasien-These. Gut nur, dass hier alles von jedem stammen kann - sicher ist nur, Danielewski hat's geschrieben. Oder? Mrgreen

Grüße!

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Beitrag #75 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Federlehrling schrieb:"Papa" ist die Entsprechung im Fliegeralphabet (auch das noch ... ), oder wie? Wär dem zuzutrauen. Ganz glücklich bin ich aber nicht damit, da SOS ja schließlich nicht "ohne geht's nicht", sondern "hilfe!" heißt. Und wie verbreitet ist "Papa" in den USA? An sich kenne ich von dort eher "Dad" ...
Verbreitet ist wohl tatsächlich eher "Dad" ... aber halt nicht im Morsealphabet. Icon_wink Wenn meine Interpretaion der Symbole stimmt steht da übrigens "SPS" Save Papas Soul? *g* Hat diese Kombination vielleicht noch eine eigene Bedeutung?
Vielleicht heißts auch: ich brauche Papas Hilfe? Oder gar nichts von alle dem? Interessant ... interessant ...

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Beitrag #76 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Jo Leute,

ich möchte vom Lesekreis aussteigen, weil
1. ich momentan garkeine Zeit habe und
2. das literarische Werk für mich etwas sehr schwer zu lesen ist und ich nur noch mühsam Zusammenhänge und Weiteres verstehen kann.
Ich hoffe, ihr nehmt mir es nicht übel, dass ich so plötzlich raus bin. Icon_nosmile

Kleine Grüße
KleinerWassergeistCowsleepIcon_slash

"Denkst du, ich habe den Verstand verloren?" - Alice
"Ich fürchte Ja. Du hast eine Meise, du bist verrückt. Nicht bei Sinnen. Aber ich verrate dir was. Das macht eben die Besten aus." - Ihr Vater

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Beitrag #77 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hallo Kleiner Wassergeist!

Warum sollten wir dir das übel nehmen? Ist doch eine freiwillige Veranstaltung hier! Zeit ist tatsächlich eine knappe Ressource, und wenn du die anderweitig nutzen musst, dann fällt eben der Lesekreis hinten runter. Schade, aber da kann man dann nichts machen. Und dass du Mühe hast, die Zusammenhänge zu verstehen, glaube ich dir gerne. Das Buch ist verflixt kompliziert, von deinem Problem nehme ich mich nicht aus. Ich krieg's gerade noch auf die Reihe, aber mehr wär' echt zu viel des Guten. Und ich habe immerhin filigrane neun Jahre Leseerfahrung mehr als du. Wenn ich mich da zurückversetzen würde ... ich versetze mich besser nicht zurück. Mrgreen
Ich hoffe, wir schrumpfen nicht weiter? Nicht, dass Lars in der Münsteraner Klausurenphase alleine diskutieren darf ... Icon_confused


Erst mal ein Schritt zurück in einen früheren Abschnitt.
Zitat:
Zitat: Belial+Delila=Delial?

Diese Kombination geht so sauber auf ... das muss einfach stimmen. Icon_ugly
Ich würd feiern. Icon_wink
Ich fürchte, wir haben zu schön argumentiert Icon_nosmile Habe zufällig vor ein paar Tagen den Namen Delial gehört. Im Zusammenhang mit Sonnenmilch. War die erste moderne Sonnencreme, die in Deutschland vertrieben worden ist. 1933 oder so, von einer Bayer-Tochter, glaube ich - klingelt da was, Herr Wanderer?
Dennoch - schade um unsere Theorie :icon_frown:

Aber weiter im Text ... Neue Woche, neues Kapitel! Bin irgendwie erst heute dazu gekommen, es zu lesen. War etwas erschrocken, als ich gesehen habe, dass wir diese Woche knapp 100 Seiten zu verarbeiten haben, aber letztlich hat sich der Abschnitt ja als Pageturner im wahrsten Sinne des Wortes herausgestellt ... Mrgreen

Damit bin ich auch gleich schon beim kapitelprägenden Merkmal - (fast) leere Seiten. Nachdem wir die labyrinthartige Struktur des Schriftbilds im letzten Kapitel entschlüsselt haben (danke, Lars!), ist diese Struktur nur folgerichtig und springt geradezu ins Auge - das Haus verändert seine Größe, Abstände verändern sich, verkleinern sich bei der Rettungsaktion. So auch hier. Ich würde Danielewski glatt zutrauen, dass er, wenn es in seiner Macht stünde, hier den gleichen Text hätte seitenfüllend abdrucken lassen und schlicht die Seitengröße variiert - aber so etwas kann man dem Leser wahrscheinlich selbst den hartgesottensten Verlegern, Setzern und Druckern - und, nachdem man die alle für ihre Unannehmlichkeiten teuer bezahlt hat, selbstverständlich dem Leser nicht mehr zumuten.

Ferner fällt auf, dass das Werk immer fragmentarischer wird. Die Herausgeber fallen mir jetzt stärker auf, etwa in Fußnote 201, die auf das Fehlen der Quelle hinweisen (S. 211), aber auch auf S. 235, auf der in Fn. 213 - wie üblich - die Übersetzung des französischen Textes aus Fn. 212 abgedruckt wird, aber - bisher (gefühlt?) unüblich - eben nicht von Zampanò oder Truant, sondern von den Hrsg.

Insgesamt passiert so viel ja nicht. Uns wird wiedereinmal eine Exkursion gezeigt, nämlich der Rettungseinsatz von Navidson, Reston und Tom, denen es tatsächlich gelingt, die Verschollenen zu finden. Man trifft auch Holloway, mit Gewehr. Ob Jed dieses Treffen überlebt, habe ich nicht ganz begriffen - S. 253 sagt nein, S. 285 sagt jein (oder ja, aber nicht mehr lange). Wax lebt tatsächlich immer noch, was mich verwundert hat (S. 287).

Die entscheidenden Sätze, denke ich, sind die exponiert über mehrere Seiten gesetzten.
S. 239 ff.:
Zitat:Hier also - |der Nach-|hall| der Bedeutung.| Die Zeitspanne| eines Lebens,| beendet| zwischen| zwei Einstellungen.| Die dunkle Linie, wo das| Auge darauf beharrt, etwas zu sehen,| das nie da war -| [v]on vornherein nicht[.]
Direkt davor wird der detaillierte Weg der Kugel durch Jeds Kopf beschrieben, mit genauer Stellenangabe. Fast schon pervers, diese Zeitlupe, aber ziemlich wirkungsvoll, fand ich, vor allem mit tollen Sätzen - der Tod zwischen zwei Einstellungen ist ein geschicktes Bild, und doch so wörtlich zu nehmen dank Navidsons Kamera. Der letzte Satz hingegen gibt wieder Rätsel auf. Worauf bezieht er sich? Jeds Blick, der ja zunächst den Tod erwartet hatte, dann die Rettung erblickte, und schließlich wird er von hinten getroffen? Aber was war da von vornherein nicht da?
Vielleicht doch wieder ein Rückgriff auf Zampanò, der ja überhaupt nicht sieht - der Blick also als Täuschung per se, der Sehende in einer Art Blindheit vor Informationsüberschuss?
Ich glaube, jetzt habe ich mich verheddert Mrgreen

S. 259 ff.:
Zitat: Die Standaufnahmen sind jedoch noch deutlicher und offenbaren, dass der Schatten in Wirklichkeit der verschwommene Schemen eines Menschen ist, der dasteht,| genau in der Mitte,| mit einem Gewehr in der Hand.
Wahrscheinlich ist es Holloway. Aber wenn er es ist, warum sagt uns Zampanò das nicht? Er und wir wissen doch, was mit ihm los ist; Navidson, Reston und Tom wissen das nicht - aus ihrer Sicht wäre dieses Geheimnis plausibel, aber Zampanò ist für ja omiscienter Erzähler, in seiner Arbeit nicht auf Spannung, sondern auf Erkenntnis aus. Ist es also etwas anderes? Das Etwas, das in den Fluren und Hallen umherstreift, Schnürsenkel und Proviant durchkaut, Neonmarker zerfetzt und die Wände verschiebt? Oder ist es eine Art manifestierte Psychose, so wie der ganze Keller eine große Psychose ist? Oder am Ende doch einfach Holloway, denn hat das Etwas nicht Krallen und kein Gewehr? ... Icon_ugly

S. 262 ff.:
Zitat: Alle diese Türen| hinter| dem Mann| schlagen zu,| eine| nach der| anderen| nach der| anderen,| was die Gestalt noch immer nicht vom Schießen abhält.
Moment - die Türen schlagen zu (warum? Egal - cool!), und das hält die Gestalt nicht vom Schießen ab? Ja, warum sollte es auch? Das heißt also, dass Navidson, Reston, Jeb und Wax gerade unter (Holloways Magnum-)Feuer liegen? Ungemütliche Großwetterlage Mrgreen - und die Jungs haben nichts besseres zu tun, als das zu filmen? Tsstss ... Icon_wink

S. 271 ff.:
Zitat:Doch Navidson hält seine Nikon fest und zielgenau, der Motor frisst eine ganze Filmrolle auf, und der Blitz peitscht zornig die alles-|beherrschende Finsternis, erfasst letztendlich| diesen dunklen Schemen,| der verschwindet| hinter einer zuklappenden| Tür,| obwohl - ein Loch, so groß wie eine Faust, klafft in der Füllung,| die Ladung reicht, damit die Kugel auch durchschlägt die zweite Tür,| doch nicht, um Schlimmeres anzurichten, als eine Füllung zu zersplittern,| eh dieser Schaden gleich mitsamt dem Knallen von dem Schuss| verschwindet hinterm Krachen von noch mehr zuknallenden Türen,| und endlich fällt donnernd die letzte ins Schloss und es bleibt| der Raum| gesättigt von Stille.
Poetisch, toll.

Über Truant erfahren wir nicht besonders viel. Lediglich eine Fußnote (Fn. 211, S. 225 ff.) berichtet von seinem Besuch beim Psychater, seinen daraus resultierenden Geldproblemen, Danielewskis Bekenntnis, die Demokraten zu wählen und Truants begonnenem Entzug. Deutlich zu spüren ist seine Furcht vor einer psychatrischen Klinik (so verstehe ich das jedenfalls):
Zitat:... Dr. Ogelmeyer & Friends, die mich allein durch ihre bloße Abwesenheit darauf brachten, mich zu fragen, was wohl passieren würde, wenn ich wirklich ungesund wäre, so ungesund, wie ich jetzt arm bin, um wie viel länger ich dann wohl zu warten hätte, um wie viel winziger und säuerlicher dieses Zimmer dann wohl wäre, und wenn mir danach wäre abzuhauen, ob ich es dann wohl täte? Ob ich's könnte? Vielleicht wüsste ich gar nicht, wie ich das anstellen soll. Auf ewig eingekerkert in den Korridoren irgendeiner entsetzlichen Einrichtung. 5051. Schutzhaft. Oder, ebenso gruselig: doch nicht 5051, keine Schutzhaft. Alleingelassen, einsam durch die nicht minder grauenvollen, höllengleichen Korridore der Bedürftigkeit zu streifen.

Vorsichtig ausgedrückt: Eher fress ich Scheiße.
Ich weiß, was es heißt, verrückt zu werden
Eher sterbe ich, als da hinzugehen.
Aber erst muss ich gucken, ob das wirklich meine Richtung ist.
Ich darf im Angesicht der Angst nicht wieder blinzeln.
Ich muss hören, was ich schreie.
Ich muss mich erinnern, was ich träume.
Starke Stelle, fand ich. Im Folgenden beginnt Truant seinen (kalten?) Entzug. Das kann ja heiter werden ...

A propos starke Stelle - zwei noch, die mir gut gefallen haben, dann ist erst einmal gut für heute Icon_wink

S. 218 f.:
Zitat:Kann Navidsons Haus ohne die Erfahrung seiner selbst existieren?| Ist es möglich, sich diesen Ort als von menschlicher Wahrnehmung "unverformt" zu denken?[quote]
Einfach ein interessanter Gedanke. Das Haus diesmal nicht als Hirngespinst, sondern als eingeredetes Hirngespinst, um es fassen zu können, es begreifbar zu machen. Was es tatsächlich ist, kann dahinstehen. Die Stelle hat mich spontan an Pratchett und seine Götter erinnert: Sie existieren nur, solange jemand an sie glaubt. Ähnlich ist es mit dem Haus: Wenn niemand dort solche Erfahrungen macht, dann existieren der Flur und die angeschlossenen Hallen nicht. Philosophisch. Und gilt das nur für das Haus? Oder etwa für alles, und deshalb kann sich auch Zampanòs Wohnung verändern, und die von Truant? Und Danielewskis, und eure, und meine ... Icon_ugly
Ich glaube, die Frage, was wir uns eigentlich unter dem Begriff der Existenz vorzustellen haben, stelle ich besser nicht ... Icon_wink

Und schließlich, mein Highlight (S. 212) zum Abschluss:
[quote]Wissen ist wie heißes Wasser auf Wolle. Es lässt Zeit und Raum einlaufen.
Toller Satz.

Mir hat's wieder sehr gut gefallen - bin gespannt, was ihr so anzumerken habt.
Grüße vom Lehrling!

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Beitrag #78 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
*Federlehrling bastelt ein großes Schild und zeigt in Richtung Lesekreis*

Zitat:Ich hoffe, wir schrumpfen nicht weiter? Nicht, dass Lars in der Münsteraner Klausurenphase alleine diskutieren darf ... Icon_confused
*Hust*
So viel zum Thema: Lars darf alleine diskutieren ... Icon_panik
Was ist denn los mit euch? Zu viel um die Ohren? Sollen wir unterbrechen?

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Beitrag #79 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Warum denn so ungeduldig Herr Federlehrling? Die Woche hat doch noch drei Tage. Nicht jeder kann sich die Nächte so um die Ohren schlagen wie du und hat trotzdem noch Freizeit. Mrgreen

Frisch ans Werk Icon_smile:

Zitat:Ich fürchte, wir haben zu schön argumentiert Icon_nosmile Habe zufällig vor ein paar Tagen den Namen Delial gehört. Im Zusammenhang mit Sonnenmilch. War die erste moderne Sonnencreme, die in Deutschland vertrieben worden ist. 1933 oder so, von einer Bayer-Tochter, glaube ich - klingelt da was, Herr Wanderer?
Dennoch - schade um unsere Theorie :icon_frown:
*ggg* Als Navidson meinte "Das selbe wie bei Delial passiert mir nicht nochmal" bezieht sich also auf eine Sonnenmilch? Das wage ich zu bezweifeln. Icon_wink (Und natürlich ist Bayer mal wieder Vorreiter).
Ich halte auch weiterhin an unserer Theorie fest, solange es nicht im Buch Hinweise gibt, die sich widerlegen. Ich könnte mir aber auch weiterhin vorstellen, dass es sich nicht um eine Person sondern um einen Ort handelt.

Federlehrling schrieb:Damit bin ich auch gleich schon beim kapitelprägenden Merkmal - (fast) leere Seiten. Nachdem wir die labyrinthartige Struktur des Schriftbilds im letzten Kapitel entschlüsselt haben (danke, Lars!), ist diese Struktur nur folgerichtig und springt geradezu ins Auge - das Haus verändert seine Größe, Abstände verändern sich, verkleinern sich bei der Rettungsaktion. So auch hier. Ich würde Danielewski glatt zutrauen, dass er, wenn es in seiner Macht stünde, hier den gleichen Text hätte seitenfüllend abdrucken lassen und schlicht die Seitengröße variiert - aber so etwas kann man dem Leser wahrscheinlich selbst den hartgesottensten Verlegern, Setzern und Druckern - und, nachdem man die alle für ihre Unannehmlichkeiten teuer bezahlt hat, selbstverständlich dem Leser nicht mehr zumuten.
Ein schöner Interpretationsansatz ... die Verknüpfung zum Haus sehe ich hier auch. Vielleicht noch ein zweiter Gesichtspunkt: der Text wirkt teilweise sehr verloren auf den großen, leeren Seiten. Könnte auch stehen für die kleine Gruppe Menschen, die sich mit dem unverständlichen Weiten des Hauses konfrontiert sieht. Außerdem: irgendwo wird erwähnt, dass das Haus nur lebt, durch die Menschen in ihm ... auch ein Buch lebt nur durch den Text in ihm, der Rest ist Leere (wie beim Haus?).

Federlehrling schrieb:Insgesamt passiert so viel ja nicht. Uns wird wiedereinmal eine Exkursion gezeigt, nämlich der Rettungseinsatz von Navidson, Reston und Tom, denen es tatsächlich gelingt, die Verschollenen zu finden. Man trifft auch Holloway, mit Gewehr. Ob Jed dieses Treffen überlebt, habe ich nicht ganz begriffen - S. 253 sagt nein, S. 285 sagt jein (oder ja, aber nicht mehr lange). Wax lebt tatsächlich immer noch, was mich verwundert hat (S. 287).
Tja, hättest du diese Woche Rechtsmedizin besucht, wüsstest du, dass der Mensch zum Atmen nur sein Stammhirn braucht (ganz unten, ältester Teil). In diesem Licht wird die Äußerung von Navidson vielleicht klarer: er atemt noch, aber er hat kein Großhirn/Persönlichkeit/Leben mehr. Eine Kugel in den Hinterkopf neigt wohl zu solchen Verletzungen.
Besonders gut gefallen hat mir an dieser Stelle die Verschränkung von Text und Kamerageschehen. Der Text beschäftigt sich an dieser Stelle mit dem Film in slow motion ... und ebenso langsam, Wort für Wort rollt der Text weiter. Fand ich genial.
Jetzt gibt es definitiv einen Minotauros in diesem Labyrinth. Er trägt den Namen Holloway und schießt anscheinend auf alles was sich bewegt.

Federlehrling schrieb:Der letzte Satz hingegen gibt wieder Rätsel auf. Worauf bezieht er sich? Jeds Blick, der ja zunächst den Tod erwartet hatte, dann die Rettung erblickte, und schließlich wird er von hinten getroffen? Aber was war da von vornherein nicht da?
Vielleicht doch wieder ein Rückgriff auf Zampanò, der ja überhaupt nicht sieht - der Blick also als Täuschung per se, der Sehende in einer Art Blindheit vor Informationsüberschuss?
Eine gute Frage. Seltsam ist es alle mal (wie wir ja schon öfter festgestellt haben), dass Zampano als Blinder über das Sehen schreibt ... und hier sogar, wenn ich es richtig verstehe über eine optische Täuschung. Für mich beschreibt dieser Satz einfach, dass das Ganze zwischen den Einstellungen passiert ... und vermutlich viel zu schnell für das menschliche Auge. Aber richtig schlüssig ist das auch nicht.

Federlehrling schrieb:Zitat: Die Standaufnahmen sind jedoch noch deutlicher und offenbaren, dass der Schatten in Wirklichkeit der verschwommene Schemen eines Menschen ist, der dasteht,| genau in der Mitte,| mit einem Gewehr in der Hand.

Wahrscheinlich ist es Holloway. Aber wenn er es ist, warum sagt uns Zampanò das nicht? Er und wir wissen doch, was mit ihm los ist; Navidson, Reston und Tom wissen das nicht - aus ihrer Sicht wäre dieses Geheimnis plausibel, aber Zampanò ist für ja omiscienter Erzähler, in seiner Arbeit nicht auf Spannung, sondern auf Erkenntnis aus. Ist es also etwas anderes? Das Etwas, das in den Fluren und Hallen umherstreift, Schnürsenkel und Proviant durchkaut, Neonmarker zerfetzt und die Wände verschiebt? Oder ist es eine Art manifestierte Psychose, so wie der ganze Keller eine große Psychose ist? Oder am Ende doch einfach Holloway, denn hat das Etwas nicht Krallen und kein Gewehr? ... Icon_ugly
Ich tippe stark auf Holloway. Allerdings könnte es genauso gut eine Art Kopie von Holloway sein, die das Haus angefertigt hat, um sich den Eindringlingen zu nähern. Vielleicht hat das Haus nicht bedacht bzw. kann nicht verstehen was das ist, dass es Holloways Emotionen und seine Psychose gleich mitkopiert? Icon_ugly
Warum taucht Holloway gerade zu dem Zeitpunkt genau da auf, wenn man berücksichtigt, dass sich die Gänge in diesem Haus eher beliebig verhalten. Müsste die Wahrscheinlichkeit nicht viel größer Sein, dass er in eine komplett falsche richtung läuft? Oder führt ihn das Haus bewusst zurück zu seinen Kameraden um dann einzugreifen (und die Türen zuzuschlagen) als es merkt, dass das doch keine so gute Idee war (was allerdings an Holloway lag). Hm ... irgendwie bin ich gerade bereit dem Haus eine gewisse Handlunsgfreiheit zuzugestehen ... vor allem weil ich mich dunkel erinnere, dass irgendwo im Text stand, dass Haus könne überhaupt nur durch Menschen existieren und dann müsste ihr Tod ihm ja unwillkommen sein (oder auch einfach zu einem automatischen Reflex führen?). Genauso gut könnte aber auch Holloway selbst das Haus geformt haben, weil er seinen beiden ehemaligen Kameraden unbedingt finden wollte und dadurch hat sich dann vielleicht ein Weg aufgetan, genauso wie es Navidso und Bill vielleicht auch nur gelungen ist Jed und Wax zu finden weil sie es unbedingt wollten? Interessant in diesem Zusammenhang: die Tür hinter der sich die beiden verstecken ist abgeschlossen. Vielleicht ein Ausfluss von deren Wunsch geschützt zu sein?

Federlehrling schrieb:Moment - die Türen schlagen zu (warum? Egal - cool!), und das hält die Gestalt nicht vom Schießen ab? Ja, warum sollte es auch? Das heißt also, dass Navidson, Reston, Jeb und Wax gerade unter (Holloways Magnum-)Feuer liegen? Ungemütliche Großwetterlage Mrgreen - und die Jungs haben nichts besseres zu tun, als das zu filmen? Tsstss ... Icon_wink
Wie gesagt: ich glaube es ist wichtig, dass hier die Türen zu fallen. Das zeigt für mich, dass das Haus vielleicht sogar aktiv Handeln kann. Und dass es vielleicht gar nicht wirklich feindlich gesonnen ist. Aber wer weiß (ob dieses Haus überhaupt existiert, oder sich Zampano oder noch schlimmer Truant das Ganze einfach ausgedacht haben)?

Federlehrling schrieb:Deutlich zu spüren ist seine Furcht vor einer psychatrischen Klinik (so verstehe ich das jedenfalls)
Was sehr gut daher stammen könnte, dass ja seine Mutter auch Insassin einer solchen war?

Federlehrling schrieb:Einfach ein interessanter Gedanke. Das Haus diesmal nicht als Hirngespinst, sondern als eingeredetes Hirngespinst, um es fassen zu können, es begreifbar zu machen. Was es tatsächlich ist, kann dahinstehen. Die Stelle hat mich spontan an Pratchett und seine Götter erinnert: Sie existieren nur, solange jemand an sie glaubt. Ähnlich ist es mit dem Haus: Wenn niemand dort solche Erfahrungen macht, dann existieren der Flur und die angeschlossenen Hallen nicht. Philosophisch. Und gilt das nur für das Haus? Oder etwa für alles, und deshalb kann sich auch Zampanòs Wohnung verändern, und die von Truant? Und Danielewskis, und eure, und meine ... Icon_ugly
Ich glaube, die Frage, was wir uns eigentlich unter dem Begriff der Existenz vorzustellen haben, stelle ich besser nicht ... Icon_wink
Sehr guter Gedanke ... Nietsche hat doch auch in eine ähnliche Richtung gedacht (unsere Wahrnehmung ist sowieso unvollkommen) und ist ob dessen verrückt geworden. Icon_wink
Und das stimmt so ... unser Gehirn setzt aus ein paar Lichtstraheln die irgendwie auf der Netzhaut auftreffen ein 3d-Bild in Farbe zusammen (und dreht es sogar noch schnell, weil es ja eigentlich auf dem Kopf steht) ... da muss man sich ernsthaft die Frage stellen, inwiefern das, wass wir so sehen tatsächlich so ist. Und dann kommen wir zur Existenzfrage ... ist überhaupt wichtig ob etwas existiert, was wir nicht wahrnehmen?
Ich möchte auch mal den Großmeister Pratchett zitieren. Er beschreibt im Zeitdieb ebenfalls eine Reihe von zuschlagenden Türen. Die Hauptcharakterin Susan (durch und durch Vernunftmensch, obwohl Enkelin vom Tod) bleibt dabei völlig gelassen und findet ihre eigene Wahrnehmung glaube ich sogar etwas unkreativ ... sie meint, dass ihre menschlichen Sinne ihr etwas Vorspielen, was halt noch in den Erfahrungsschatz passt, was wirklich passiert bleibt für das menschliche Gehirn unvorstellbar (in diesem Fall: ein bestimmtes Ereignis löst eine Kettenreaktion aus und in deren Fortgang scheiden immer mehr potentielle Zukünfte aus, ihre Türen schließen sich). Sehr genau beobachtet von Pratchett, das Gehirn neigt sehr gerne dazu dinge zunächst einmal so wahrzunehmen, wie es das gewöhnt ist. Vielleicht sehen die Leute um Navidson also ein Haus, weil ihre Sinne mit dem nicht klar kommen, was wirklich da ist. *lufthohl*

Federlehrling schrieb:Wissen ist wie heißes Wasser auf Wolle. Es lässt Zeit und Raum einlaufen.

Toller Satz.
Absolut. Und lässt mal wieder etwas physikalisches anklingen -> die Relativitätstheorie.

Ich hoffe das lässt dich jetzt etwas zufriedener zurück, her Federlehrling. Mrgreen

lg

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Beitrag #80 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hallo zusammen Icon_smile

Diese Woche nicht allzu viel von mir - Hitze, Denkunlust, ich geb mir Mühe Icon_wink

Zitat:
Zitat:Damit bin ich auch gleich schon beim kapitelprägenden Merkmal - (fast) leere Seiten. Nachdem wir die labyrinthartige Struktur des Schriftbilds im letzten Kapitel entschlüsselt haben (danke, Lars!), ist diese Struktur nur folgerichtig und springt geradezu ins Auge - das Haus verändert seine Größe, Abstände verändern sich, verkleinern sich bei der Rettungsaktion. So auch hier. Ich würde Danielewski glatt zutrauen, dass er, wenn es in seiner Macht stünde, hier den gleichen Text hätte seitenfüllend abdrucken lassen und schlicht die Seitengröße variiert - aber so etwas kann man dem Leser wahrscheinlich selbst den hartgesottensten Verlegern, Setzern und Druckern - und, nachdem man die alle für ihre Unannehmlichkeiten teuer bezahlt hat, selbstverständlich dem Leser nicht mehr zumuten.
Ein schöner Interpretationsansatz ... die Verknüpfung zum Haus sehe ich hier auch. Vielleicht noch ein zweiter Gesichtspunkt: der Text wirkt teilweise sehr verloren auf den großen, leeren Seiten. Könnte auch stehen für die kleine Gruppe Menschen, die sich mit dem unverständlichen Weiten des Hauses konfrontiert sieht. Außerdem: irgendwo wird erwähnt, dass das Haus nur lebt, durch die Menschen in ihm ... auch ein Buch lebt nur durch den Text in ihm, der Rest ist Leere (wie beim Haus?).

Was ich in dieser Textgestaltung auch noch gesehen habe, ist wieder das Zurückkommen auf das Echo, über das ja schon weiter vorne eine längere Abhandlung kam - für mich wirken die Absätze, teilweise einzelnen Worte auf den Seiten wie die 'Vertextlichung' eines Echos, vor allem in dem Rhythmus, in dem ich/man es liest. Was meint ihr dazu? Vor allem bei den Türen hatte ich dieses Gefühl - das Geräusch des Zuschlagens und sein Echo umgesetzt in Text.

Zitat:Wie gesagt: ich glaube es ist wichtig, dass hier die Türen zu fallen. Das zeigt für mich, dass das Haus vielleicht sogar aktiv Handeln kann. Und dass es vielleicht gar nicht wirklich feindlich gesonnen ist. Aber wer weiß (ob dieses Haus überhaupt existiert, oder sich Zampano oder noch schlimmer Truant das Ganze einfach ausgedacht haben)?

Eine ganz absurde Idee: Vielleicht hat das Haus sich aufgrund des lauten Geräusches 'erschreckt' und vor Schreck die Türen zuklappen lassen?
Ich finde, in dieser Passage hat das Haus sehr stark menschliche Züge, aber vielleicht hast Du auch recht und das liegt einfach daran, dass es in dem Moment von Holloway 'geformt' wird.

Oder aber, es hat menschliche Züge, weil es sich um Navidson 'kümmert, für ihn sorgt', sozusagen.
Eine Idee, die mir ebenfalls gekommen ist: Wird das Haus vielleicht jeweils von der stärksten anwesenden Persönlichkeit kontrolliert und (wer weiß) vielleicht auch zu einem gewissen Maße umgekehrt, wenn man sich ansieht, wie Holloway und das Haus sich zuerst gleichermaßen in eine recht ähnliche Richtung verändert haben?
Oder lässt sich hier wieder eine Begründung für die These finden, dass das Haus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der 'Insassen' reagiert?


Abschließend eine Sache, die eigentlich so offensichtlich ist, dass ich mich wundere, warum das noch nicht aufgefallen ist - auch mir ist das gerade erst bei Tippen klar geworden (oder wurde das vorher schon erwähnt und ich habe es nur überlesen?

Holloway - hallway (dt: Flur/Korridor/Gang)

Bewusste Ähnlichkeit? Gesprochen haben diesen beiden Wörter, finde ich, eine bemerkenswerte klangliche Übereinstimmung.
Hat das etwas zu bedeuten? Zumal das englische Wort hallway ja im Prinzip aus den Wörtern Halle und Weg besteht, die im Prinzip genau das ausdrücken, woraus das Labyrinth besteht - wenn man zudem nun noch hinzuzieht, dass 'Hall' ja auch 'Echo' bedeutet.
Außerdem: wenn man den Namen Holloway nun ebenfalls auftrennt, kommt man zu den Wörtern 'hollow' und 'way', wobei ersteres zum einen 'Kuhle/Aushöhlung/Höhle' heißen kann, als Adjektiv aber auch 'leer/hohl', was wiederum beides im Prinzip (Höhle -> dunkel, kalt) eine treffende Beschreibung des Labyrinhts ist.

Was meint ihr dazu? Ist das vielleicht zu weit hergeholt? Oder reiner Zufall?

So viel von mir, wie gesagt nicht viel, ich muss dringend wieder auf die Terrasse Icon_lol

Schönen, sonnigen Tag wünsche ich noch Icon_smile

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

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