Es ist: 25-11-2020, 15:00
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frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Beitrag #101 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Ich habe gedacht, ich starte tatsächlich mal mit Kapitel 16 (XVI). Ihr könnt euch dann gemächlich mit einschalten. Icon_wink

Wie starten also mit einer Auflistung aller Dinge, die wir bisher über das Haus wissen. Nichts (für uns) überraschendes dabei, oder?

Dann die geologische Auswertung der Proben - ich denke, vor allem die Altersbestimmung nimmt in den "gelöschten" Seiten eine tragende Rolle ein. Ich frage mich, ob die Wörter, die aus den Lösch-Xen herausstechen, irgendeine Botschaft vermitteln sollen?
-echniken; -kleosynthese; -te; -vulkan-; -metamor-; abeced-; (gesprochene Sprache versus die Spra-); -geo;
Kann man aus diesen Silben, oder gar aus den Buchstaben ein Wort bilden? Man man, dieses Buch verändert die Wahrnehmung schon gewaltig.
Was auffält ist natürlich das Auftauchen der Sprache, mitten in einer geologischen Untersuchung ... auch im Glossar, der sich dem Kapitel anschließt, tauchen obskure Worte auf, die anscheinend dem Kern von Redensarten nachgehen.

Was haltet ihr von der Zeitlinie, die die Proben bilden?
Für mich ein Indiz für die Alterungstheorie von Lars (war doch so, oder?^^): aber nicht nur Dinge im Haus, sondern das gesamte Haus altert in unfassbarer Geschwindigkeit. Anfangs ist es noch relativ neu (wann entnimmt Navidson eigentlich die erste Probe? Vielleicht stand es tatsächlich bei Null, als er das erste mal die Korridore betrat?) und am Ende ist es schon mehrere Milliarend Jahre alt. (Auf S. 453 spricht O'Geery, bezogen auf Probe XXXX, von einem Komposit aus uraltem und jüngeren Material. Vielleicht ist das jüngere Material das, welches erst vor kurzem vom Haus aufgelöst wurde - es steigt ja erst später in den Alterungsprozess ein)
Das Zitat, das Haus brauche Menschen um zu leben, könnte auch darauf hindeuten, dass dieses Alterungsprozess (so er denn überhaupt existiert) nur abläuft, wenn sich Menschen im Haus aufhalten. Aber all das erklärt noch nicht, warum dann die Menschen nicht mitaltern?

o.O

Fn. 354
Hier wird noch einmal unterstrichen, dass das Geschehen um Truants Mutter, ihn schwer mitgenommen hat. Er verdächtigt sich anfangs ja selbst der Shizophrenie, wenn ich das richtig Lese ... und dass er psychisch labil ist, wissen wir nicht erst, nach dem er seine neuen Waffen hat.
Aber (vielleicht weil ich in den letzten Wochen ein bisschen Abstand gewonnen habe), diese Fußnote weckt in mir eine neue Interpretationsmöglichkeit (die eher eine Zusammenfassung älterer ist).
Der Minotauros und das Labyrinth durchzieht dieses Buch wie ein roter Faden, noch einmal hervorgehoben dadurch, dass es überall "pseudo-rausgelöscht" wurde.
Die Korridore im Haus, sind ein dunkles Etwas im scheinbar so normalen Haus, in das Karen und Navidson ziehen. Quasi ein Sinbild für den Minotauros? Also befindet sich nicht der Minotauros in den Korridoren, sondern sind sie es selbst? Etwas Unfassbares, verborgen in etwas äußerlich normalem?
Und da dieses Buch ja in mehreren Schichten aufgebaut ist (wieder kommt mir Iception in den Sinn Icon_wink), wie ist es dann, wenn wir in die höheren Ebenen gehen? Auf Truants Ebene, könnte der Minotauros die Geschehnisse um seine Mutter sein, vielleicht auch alle anderen Ereignisse, die ihn zu dem gemacht haben, was er jetzt ist, sein eigener psychischer Schaden, das Ungetüm im Labyrinth seines Geistes?
Und wenn wir dann noch eine Stufe höher gehen, zu Zampano (er steht in meinen Augen im Augenblick deshalb über Truant, weil es gut passt - ziemlich fadenscheinig *lacht*), vielleicht ist Zampano dann Truant? Truant (nicht notwendiger Weise) in alt? Möglicherweise ist sein Minotauros sein jüngeres Ich, Truant, bzw. möglicherweise steht Truant für die vielen Probleme die Zampano plagen, psychische/seelische Probleme. Wieder ein Minotauros, ein Schreckgespenst sozusagen, im Labyrinth des Geistes/des Bewusstseins? Und vielleicht dient die ganze Geschichte dazu, um Truant in den Tod zu treiben und damit übertragen Zampano zu heilen?

Hm ... alles ein bisschen abgedreht und ohne viel Unterfütterung ... aber vielleicht findet sich in dieser Theorie ja ein wahrer Ansatz?
Vielleicht ist aber auch das das Problem: vielleicht sind alle Theorien, die wir aufstellen zum scheitern verurteilt, weil in diesem Buch nur um das Aufstellen von Theorien selbst geht, um das Knacken des Codes, der Weg ist das Ziel?

Na ja ... ich denke ich hab euch erstmal was zum nachdenken geliefert. Bald einer das/die nächsten Kapitel?

Grüße vom Wanderer

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Beitrag #102 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin!
Ich habe mich zwar bis nächsten Sonntag abgemeldet, habe aber derzeit Internet - ich werde also gelegentlich hier hereinschauen. Das Haus habe ich allerdings in Münster ... Wie viel wollt ihr denn bis Sonntag schaffen? Ich habe den Hauptteil gelesen und bin im Anhang stecken geblieben (bei vielsprachigen Auszügen aus der Ilias, wenn ich mich recht erinnere). Ist aber ewig her, im August noch. Ich steige einfach da wieder ein, wo ihr dann seid, werde den Part aber sicher noch mal lesen müssen, kann mich nur noch sehr schemenhaft daran erinnern, gerade ...
Dennoch schön, dass der Lesekreis noch (wieder? Wo sind die Narben, Frankenstein? Icon_ugly ) lebt Icon_smile
Liebe Grüße und bis die Tage!
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Beitrag #103 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Natürlich lebt der Lesekreis noch, er war doch nie tot. Icon_ugly
(Was soll das heißen, du hast einfach ohne uns weiter gelsen? Unfassbar ... und das von dir ...)

Wir wollen uns diese Woche bis Ende Kapitel 19 (Seite 510) vorarbeiten ... dabei machen wir eigentlich extra langsam, damit du gut einsteigen kannst.
(Und dann liest er einfach weiter :p)

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Beitrag #104 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Hey, habt ihr vergessen, die Lebenserhaltungssystema anzustellen? *g*
Ich dachte, wenn ich was zu dem ersten der aktuellen Kapitel schreibe, dann nehmt ihr das zum Anlass auch auch nach und nach mit den weiteren zu beschäftigen ... oder seid ihr alle noch am Lesen?

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Beitrag #105 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Sorry, ich hatte total vergessen mich für den Dänemark-Urlaub abzumelden - nun wieder voll dabei Icon_wink

Zitat:Das Zitat, das Haus brauche Menschen um zu leben, könnte auch darauf hindeuten, dass dieses Alterungsprozess (so er denn überhaupt existiert) nur abläuft, wenn sich Menschen im Haus aufhalten. Aber all das erklärt noch nicht, warum dann die Menschen nicht mitaltern?

Was wäre vielleicht, wenn das Haus organisch ist? Ein Lebewesen quasi, was in sich unterschiedlich alte 'Hautschichten' (schlangenähnlich) hat? Und die Menschen quasi die "Nahrung" liefern - oder besser gesagt, nicht die Menschen, sondern der Verstand / die Energie der Menschen?
Ist nur jetzt ein spontaner Gedanke, von dem selber nicht hoffe, dass er sich als richtige Interpretation erweisen wird, ist er doch schließlich schon arg abgedroschen und nicht gerade innovativ.

Aber mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass das Buch uns am Ende ohne eine Spur zurücklässt, die deutlicher oder richtiger erscheint als hunderte Alternativen auch. Das Haus scheint gar nicht gedeutet werden zu wollen, was meint ihr? Schließlich sind wir nun schon dem Ende (wenn man den Anhang nicht einrechnet) sehr nahe und dümpeln im Prinzip noch so blind herum wie zu Beginn des Lesekreises, oder?

Deine Idee des Minotauros, der im Bild des Hauses die Korridore an sich sind, scheint mir schlüssig zu sein, sehr passend, ein interessanter Gedanke! Allerdings: Warum dann durchgestrichen? Ist es doch (der These folgend) dann einer der Schlüssel zur Entschlüsselung des Hauses - ich glaube fast, wir müssen noch tiefer graben, aber ich würde auf jeden Fall von Deinem Ansatz dabei ausgehen, ihn noch ausarbeiten, ich glaube wir sind dem Haus an sich damit nah auf der Spur. Denn:
Zitat:Und wenn wir dann noch eine Stufe höher gehen, zu Zampano (er steht in meinen Augen im Augenblick deshalb über Truant, weil es gut passt - ziemlich fadenscheinig *lacht*), vielleicht ist Zampano dann Truant? Truant (nicht notwendiger Weise) in alt? Möglicherweise ist sein Minotauros sein jüngeres Ich, Truant, bzw. möglicherweise steht Truant für die vielen Probleme die Zampano plagen, psychische/seelische Probleme. Wieder ein Minotauros, ein Schreckgespenst sozusagen, im Labyrinth des Geistes/des Bewusstseins? Und vielleicht dient die ganze Geschichte dazu, um Truant in den Tod zu treiben und damit übertragen Zampano zu heilen?

Genau das! Die Existenz oder Nichtexistenz, die Deutung des Hauses ob real, inwiefern und wie und was und so weiter spielt mittlerweile gar keine Rolle mehr, denke ich. Der Kern des Buches ist die Frage, wer Zampano und Truant ist/sind. Die Geschichte um den Navidson Record dient, da bin ich mir mittlerweile fast sicher, nur der 'Selbsttherapie' des Autors, wie Du schon angedeutet hast.
Und mittlerweile (ich muss gestehen schon weiter gelesen zu haben als bis Kapitel 16) bin ich zu einem interessanten anderen Gedanken gekommen, den wir so noch gar nicht betrachtet haben:
Bisher gingen wir davon aus, dass Truant, sozusagen, der 'Hauptcharakter' des Buches ist, dass Zampano vielleicht ein zweites Ich von Truant ist, oder vielleicht sein Vater, oder Truant in alt, oder wasauchimmer - aber was ist mit der anderen Seite? Was ist, wenn Zampano der 'endgültige' Autor des Buches ist? Truant also nur eine Erfindung von Zampano, der ja offensichtlich im Krieg gewesen zu sein scheint, um sich zu ordnen, sich selber zu therapieren (s.o.), etc.?

Hatten wir den Gedanken so schon mal?


Zitat:Hm ... alles ein bisschen abgedreht und ohne viel Unterfütterung [...]
Das Gefühl habe ich auch - wie oben erwähnt, glaube ich mittlerweile nicht mehr, dass wir noch aus dem Wald an Theorien herauskommen werden. Am Ende wird jeder sich seine eigene Deutung des Buches suchen müssen, schätze ich.

So viel von mir diese Woche - sollen wir nächsten Montag, also übermorgen, mit Kapitel 19 weitermachen, S. 510, um ein bisschen zurück zum ursprünglichen Plan zu kommen?

Liebe Grüße!

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

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Beitrag #106 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
Moin!

So, ich habe Kapitel 16 jetzt auch noch einmal gelesen. Schade, ich habe den Eindruck, das Buch baut gegen Ende ab. Vielleicht bin ich auch nur stark rausgekommen, aber ein bisschen so ging es mir auch schon, als ich die Passage während der Semesterferien gelesen habe.
Auf mich macht es den Eindruck, Danielewski müsse das Buch jetzt zu Ende bringen, und zwar mit Gewalt. Kapitel 16 war mir zu abgespaced. Dieses Geologie-Zeugs hat auf mich den Eindruck gemacht, Danielewski interessiere sich nicht im Geringsten, ob der Leser ihm folgen kann und ob er die Passage nur überfliegt oder gar überblättert. Und zu allem Überfluss: Ich glaube nicht, dass das im Endeffekt überhaupt erheblich ist.
Ich kann mich da Lars anschließen: Es geht nicht um das Haus, es geht um das Duo Truant - Zampanó. Oder um das Trio Truant - Zampanó - Danielewski. Darauf könnte auch hindeuten, worüber ich mich zunächst als Schludrigkeit geärgert habe: Passagen wie "Dieses Vorhaben ist nicht gerade billig, und obwohl sich die Universität bereiterklärt hat, den Löwenanteil der Kosten zu übernehmen, musste Navidson offenbar auch selber ein ganz hübsches Sümmchen mit beisteuern" (S. 446) sind sprachlich für Zampanó nicht so richtig passig. Das hat im Verlauf des Buches zugenommen - könnte dafür sprechen, dass die Figuren stärker miteinander verschmelzen.
Über das Glossar am Ende habe ich mich fast geärgert. Fast, als wolle Danielewski vermitteln, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und der Rest der Welt nur aus dummen Stümpern bestehe, die nicht in der Lage sind, ihnen fremde Begriffe nachzuschlagen und damit auch fachfremd möchtegern-wissenschaftliche Texte zu verstehen (zu können, sofern sie die Energie aufbringen wollen). Möglicherweise eine neue Form der Verschlüsselung, nur diesmal gleich mit dem dazugehörigen Schlüssel. Hat mich nicht angesprochen.

Zitat:Das Zitat, das Haus brauche Menschen um zu leben, könnte auch darauf hindeuten, dass dieses Alterungsprozess (so er denn überhaupt existiert) nur abläuft, wenn sich Menschen im Haus aufhalten. Aber all das erklärt noch nicht, warum dann die Menschen nicht mitaltern?
Klingt plausibel, aber der Hinweis auf das Nicht-altern der Menschen stimmt auch. Da passt etwas gewaltig nicht.

Zitat:Vielleicht ist aber auch das das Problem: vielleicht sind alle Theorien, die wir aufstellen zum scheitern verurteilt, weil in diesem Buch nur um das Aufstellen von Theorien selbst geht, um das Knacken des Codes, der Weg ist das Ziel?
Geht fast schon in Richtung Wissenschaftskritik: Wir versuchen immer, Theorien aufzustellen, Rätsel zu lösen, zu tüfteln etc. (so wie Navidson, und auch Truant und Zampanó) und vergessen dabei, einfach zu leben (so wie Tom) - am Ende wirft jedes gelöste Rätsel neue Fragen auf und hilft uns nicht weiter - so auch dieses Buch: Ein einziges großes Rätsel, das offen bleiben wird, und der, der damit leben kann, dass es nicht gelöst wird, der, der das Rätsel auch einmal Rätsel sein lassen kann, ist am Ende der Glückselige? Zugegeben, das liegt nicht gerade nahe, aber warum nicht? Danielewski zuzutrauen ist alles ...

@ Lars:
Zitat:Bisher gingen wir davon aus, dass Truant, sozusagen, der 'Hauptcharakter' des Buches ist, dass Zampano vielleicht ein zweites Ich von Truant ist, oder vielleicht sein Vater, oder Truant in alt, oder wasauchimmer - aber was ist mit der anderen Seite? Was ist, wenn Zampano der 'endgültige' Autor des Buches ist? Truant also nur eine Erfindung von Zampano, der ja offensichtlich im Krieg gewesen zu sein scheint, um sich zu ordnen, sich selber zu therapieren (s.o.), etc.?

Hatten wir den Gedanken so schon mal?
Das hatten wir tatsächlich schon, irgendwann in den letzten Kapiteln.

Liebe Grüße von einem Lehrling, der insgeheim gehofft hatte, dass wir schon mehr als zwei Drittel des Buches gelesen hätten ...

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Beitrag #107 |

RE: Aktuell: frühsommerlicher Lesekreis: House of Leaves (deutsche Ausgabe)
So meine Herren!

Ja ich weiß, der ganze Lesekreis verzögert sich immer weiter. Aber besser in langsamen Schritten voran kommen, als gar nicht, oder?

Lars schrieb:Aber mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass das Buch uns am Ende ohne eine Spur zurücklässt, die deutlicher oder richtiger erscheint als hunderte Alternativen auch. Das Haus scheint gar nicht gedeutet werden zu wollen, was meint ihr? Schließlich sind wir nun schon dem Ende (wenn man den Anhang nicht einrechnet) sehr nahe und dümpeln im Prinzip noch so blind herum wie zu Beginn des Lesekreises, oder?
Ich weiß auch gar nicht, ob ich es so gut finden würde, wenn am Ende klar gesagt wird, so ist das Haus zu interpretieren und nicht anders. Bei der ganzen Verschlüsselung käme uns wahrscheinlich jede Auflösung banal vor und das wäre schade.
Letztendlich geht es in diesem Haus - wie wir ja vermuten - vor allem um die Psyche entweder von Truant oder Zampano und nicht im eigentlichen Sinne um das Haus. Das könnte meiner Meinung nach nur eine Metapher sein.
Na ja, das können wir wohl erst am Ende beurteilen.

Lars schrieb:Allerdings: Warum dann durchgestrichen? Ist es doch (der These folgend) dann einer der Schlüssel zur Entschlüsselung des Hauses - ich glaube fast, wir müssen noch tiefer graben, aber ich würde auf jeden Fall von Deinem Ansatz dabei ausgehen, ihn noch ausarbeiten, ich glaube wir sind dem Haus an sich damit nah auf der Spur.
Möglicherweise ist er durchgestrichen, gerade um uns als Leser mit der Nase darauf zu stoßen. ("Es ist durchgestrichen, also hat Zampano versucht es vor uns zu verstecken, also ist es wichtig2 - so in etwa Icon_wink).

Lars schrieb:Was ist, wenn Zampano der 'endgültige' Autor des Buches ist? Truant also nur eine Erfindung von Zampano, der ja offensichtlich im Krieg gewesen zu sein scheint, um sich zu ordnen, sich selber zu therapieren (s.o.), etc.?
Genau das war auch meine Ausgangsposition! Truant nur als Erfindung Zampanos, darauf können einige Textstellen, die wir schon hatten hindeuten.

Federlehrling schrieb:Über das Glossar am Ende habe ich mich fast geärgert. Fast, als wolle Danielewski vermitteln, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und der Rest der Welt nur aus dummen Stümpern bestehe, die nicht in der Lage sind, ihnen fremde Begriffe nachzuschlagen und damit auch fachfremd möchtegern-wissenschaftliche Texte zu verstehen (zu können, sofern sie die Energie aufbringen wollen). Möglicherweise eine neue Form der Verschlüsselung, nur diesmal gleich mit dem dazugehörigen Schlüssel. Hat mich nicht angesprochen.
Da muss ich dir entschieden widersprechen Herr Lehrling. Icon_wink Lies den Glossar mal genau: es kommen Begriffe darin vor, die im (wissenschaftlichen) Text nicht auftauchen, sondern vermutlich von den vielen fehlenden Seiten dieses Kapitels stammen. Es handelt sich um Begriffe aus der Linguistik, wenn ich das richtig überschaue, der wissenschaftliche Teil des Textes drehte sich jedoch um geologische Aspekte des Hauses.
Wie passt da die Linguistik rein? Diese Verknüpfung setzt nur der Glossar, dafür ist er da, nicht um die geologischen Begriffe tatsächlich zu erklären.

Federlehrling schrieb:Geht fast schon in Richtung Wissenschaftskritik: Wir versuchen immer, Theorien aufzustellen, Rätsel zu lösen, zu tüfteln etc. (so wie Navidson, und auch Truant und Zampanó) und vergessen dabei, einfach zu leben (so wie Tom) - am Ende wirft jedes gelöste Rätsel neue Fragen auf und hilft uns nicht weiter - so auch dieses Buch: Ein einziges großes Rätsel, das offen bleiben wird, und der, der damit leben kann, dass es nicht gelöst wird, der, der das Rätsel auch einmal Rätsel sein lassen kann, ist am Ende der Glückselige?
Das ist für mich ein sehr bedenkenswerter Ansatz! Wir als Leser versuchen die ganze Zeit das Rätsel um das Haus zu lösen, so wie vor allem Navidson es um jeden Preis auch will. Ob Truant das auch möchte erscheint mir unklar, er wirkt eher immer so, als wäre er bereits hinter das Rätsel gekommen und gerade das bringt ihn um den Verstand.
Navidson geht bei dem Versuch zu Grunde, den Code zu knacken, Zampano und Truant gehen anscheinend zu Grunde, weil sie den Code geknackt haben. Nur Tom war nicht hinter der Lösung her und schien der positivste Charakter gewesen zu sein. ABER: auch er ist dem Haus zum Opfer gefallen ... und zwar als aller erste! Warum? Hm ...

So ... ich würde mal sagen, wir schließen diese Woche bis Kapitel 19 ab, oder was sagt ihr? Wenn jeder ein bisschen was macht, schreckt es auch nicht so sehr ab. Nächste Woche können wir dann wieder im Plan weiter gehen, zumindest wäre das mein Vorschlag.

(Ach, und dieser Lesekreis hat bei mir Vorrang vorm Sandersonlesezirkel, also keine Sorge. Icon_wink)

Viele Grüße!

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Beitrag #108 |

RE: frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Ihr Lieben, schaut mal, worüber ich gerade beim Stöbern nach Neuerscheinungen gestolpert bin :o)

"Only Revolutions" - neuer Lesezirkel gefällig? ;o)

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #109 |

RE: frühsommerlicher Lesekreis (2010): House of Leaves
Oh, ich seh den Hinweis ja früh, Angel. Aber nee, bin eher raus. Das Haus war übertrieben gut gemacht, aber andererseits auch übertrieben schwer zu lesen.

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