Es ist: 29-09-2020, 21:33
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Satzzeichen sinnvoll setzen
Beitrag #1 |

Satzzeichen sinnvoll setzen
Vorwort
Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Da ich diese Lektionen allerdings mit Hilfe des aktuellen Dudens (2006) und des Internet-Portals von Duden.de verfasst habe, können sie ohne Bedenken als Nachschlagewerk für die Regeln der deutschen Zeichensetzung genutzt werden.
Meine persönliche Meinung setze ich immer deutlich vom Text ab.
Leider habe ich noch keine Erfahrung in Zusammenarbeit mit Verlagen/Lektoren sammeln können, so dass ich bei Stil-Fragen nur für mich selbst sprechen kann.
Zitate in roter Schrift sind wörtlich oder leicht umformuliert aus dem Duden übernommen (ohne den Sinn der Aussage zu verändern), Beispiel-Sätze sind in blauer Kursiv-Schrift dargestellt (bei diesen Sätzen möge man mir verzeihen, wenn ich nicht so viel Wert auf Stil und/oder Originalität lege).

Um die Übersicht zu gewährleisten, bitte ich darum, von Kommentaren innerhalb dieses Threads abzusehen. Bei Fragen könnt ihr euch natürlich gerne per PN an mich wenden.




Einleitung


Geheimnisse der Interpunktion

1. Punkt
2. Ausrufezeichen
3. Fragezeichen
4. Komma
5. Semikolon
6. Gedankenstrich
7. Klammern
8. Doppelpunkt
9. Anführungszeichen
10. Auslassungspunkte
11. Apostroph


Wem sollen diese Regeln helfen?

Ich schreibe diese Zusammenfassung vor allem für Autoren von Romanen und Kurzgeschichten, also im Bereich der Unterhaltungsliteratur. Dementsprechend werde ich kaum oder gar nicht auf Regeln eingehen, die sich zum Beispiel auf Briefverkehr oder Abkürzungen beziehen.
Mein Hauptanliegen ist es, ein Gefühl für Satzzeichen innerhalb eines erzählenden Textes zu vermitteln. Vor allem Autoren, die sich bisher noch nicht mit den Regeln dazu beschäftigt haben, möchte ich einen übersichtlichen Leitfaden bieten. Aber vielleicht finden auch „alte Hasen“ die ein oder andere Regelung, die sie bisher noch nicht kannten.


Satzzeichen – was ist das?

Duden schrieb:Die Zeichensetzung (Interpunktion) dient dazu, den geschriebenen Text mit Hilfe von Satzzeichen zu gliedern und dadurch besser lesbar zu gestalten. Die verschiedenen Satzzeichen haben verschiedene Funktionen.
wikipedia schrieb:Satzzeichen sind Sonderzeichen einer Schrift, die der Strukturierung und auch der Sinngebung des Satzbaus dienen.


Satzzeichen – warum überhaupt?

Satzzeichen unterteilen Sätze in einzelne Abschnitte, bestimmen den Rhythmus eines Textes und können die Betonung verändern. Vor allem in der Literatur sind sie ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug. Der eigene Stil zum Beispiel drückt sich nicht nur über Wortwahl und Satzkonstruktion aus, sondern auch über den Einsatz bestimmter Satzzeichen.
Wie bei allen Stilmitteln gilt allerdings auch bei der Verwendung „unüblicher“ Satzzeichen: in Maßen, nicht in Massen.
Wann zu welchem Satzzeichen gegriffen wird, liegt oft im Ermessen des Autors – dieser sollte sich allerdings über die Wirkung der kleinen Satzveränderer im Klaren sein. Sie trennen nicht nur Ganzsätze, Teilsätze oder wörtliche Rede, sie geben den Worten auch einen Klang mit, der wohlüberlegt sein sollte.

Schreiben soll Spaß machen – natürlich – und das Erlernen von Regeln ist für die meisten eher anstrengende oder nervige Arbeit. Aber wahrscheinlich wollt ihr auch, dass das Lesen eurer Geschichten Spaß macht. Wenn ihr selbst einen Satz ohne Punkt und Komma schreibt, versteht ihr ihn, weil ihr wisst, was ihr sagen wolltet. Wenn ein neutraler Leser ihn liest, versteht er wahrscheinlich weit weniger. Satzzeichen tragen enorm zum Verständnis bei und sollten deshalb von jedem Autor genauso wie die Rechtschreibung beherrscht werden.

Ein Beispiel (versucht mal, diesen Satz auf Anhieb und direkt beim ersten Mal mit richtiger Betonung vorzulesen):
Als ich in das Haus das am Stadtrand stand ging um mich ein bisschen ohne einen bestimmten Grund umzusehen hörte ich ein Geräusch was das wohl gewesen sein mochte.

Schwierig, so ganz ohne Satzzeichen, oder?
Anders sieht das aus, wenn man ein bisschen großzügiger ist:
Als ich in das Haus, das am Stadtrand stand, ging, um mich ein bisschen – ohne einen bestimmten Grund – umzusehen, hörte ich ein Geräusch. Was das wohl gewesen sein mochte?

Mein Ziel ist es, die Regeln und Möglichkeiten der Zeichensetzung mit einfachen Beispielen darzustellen, um eine Orientierungshilfe zu bieten. Dabei trenne ich ganz deutlich feste Regeln von meiner eigenen Meinung – an letztere muss sich natürlich niemand halten, wohingegen erstere verpflichtend sind wie die Rechtschreibung.
Natürlich gibt es die Möglichkeit des Regelbruchs – aber um dadurch einen eigenen Stil zu kreieren, muss man die Regeln erst einmal kennen.


Seiten im Netz:
Auf canoonet gibt es die Regeln, wie sie auch im Duden stehen, in übersichtlicher Auflistung
Speziell zu der Zeichensetzung bietet korrekturen.de eine leicht verständliche Regelübersicht

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #2 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
1. Lektion – Der Punkt (.)


  1. Definition

    »Der Punkt ist das neutrale Satzschlusszeichen. Er steht nach einem abgeschlossenen Ganzsatz (Hauptsatz) und kennzeichnet Zahlen als Ordnungszahlen.«


  2. Wann wird ein Punkt gesetzt?
    • am Ende eines Aussagesatzes, wie er uns tagtäglich über den Weg läuft
      Die Vögel singen vom Frühling.
      Ich warte schon seit Tagen auf deinen Anruf.
      Dieses Beispiel ist blöd.

    • am Ende eines Satzstückes (zum Beispiel als Antwort auf eine Frage)
      Wie geht es dir? Gut.
      Warst du gestern zuhause? Gestern nicht.

    • zur Kennzeichnung von Ordnungszahlen
      Heute ist der 1. April.
      Friedrich II. war König von Preußen.

      Achtung! Steht die Ordnungszahl am Satzende, wird kein zusätzlicher Punkt gesetzt; allerdings ist es in der Prosa ohnehin üblich, solche Zahlen in Worten auszuschreiben.
      Ich bekomme mein Geld immer am 20.
    • bei Abkürzungen, die im vollen Wortlaut ausgesprochen werden
      z. B. (sprich: zum Beispiel)
      usw. (sprich: und so weiter)
      Achtung! Auch hier gilt: Steht die Abkürzung am Satzende, wird kein zusätzlicher Punkt gesetzt.
      Allerdings sehen Abkürzungen in Fließtexten unschön aus und sollten vermieden werden.

    Ausnahme! Der Punkt wird nicht nach freistehenden Zeilen gesetzt, wie zum Beispiel Überschriften, Titeln, Anschriften in Briefen, u.Ä.

    Lanna sagt:
    Ich für meinen Teil nutze den Punkt auch selten (!) in Überschriften, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Ein Punkt wirkt abschließend und kann deshalb aus Stilgründen auch in Überschriften verwendet werden. Das sollte allerdings nicht die Regel sein.



  3. Der Punkt und die direkte Rede

    Unsere Sprache wäre nicht halb so spannend ohne die berühmten Ausnahmen. So gibt es auch beim Punkt kleine Besonderheiten.
    In der direkten (oder auch wörtlichen) Rede wird normalerweise nach den genannten Regeln ein Punkt gesetzt. Dies geschieht direkt nach dem letzten Wort des Satzes, also innerhalb der Anführungszeichen.
    „Ich gehe nach Hause. Du kannst ja noch bleiben.“ Mit diesen Worten verließ Theobald die Party.
    Ausnahme!
    Folgt nach der direkten Rede ein Verb des Sagens (also: sagen, entgegnen, antworten, usw.), entfällt der Punkt am Satzende.
    „Wir fahren morgen in den Urlaub“, teilte Kira ihrem Vater mit.
    „Ich habe keine Zeit. Ich muss noch meine Koffer packen“, entgegnet Thorben.



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Beitrag #3 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
2. Lektion – Das Ausrufezeichen (!)

  1. Definition

    »Das Ausrufezeichen gibt dem Inhalt des vorangehenden Satzes oder Ausdruckes einen besonderen Nachdruck. Es steht nach Ausrufe-, Wunsch- und Aufforderungssätzen sowie nach Ausrufewörtern.«


  2. Wann wird ein Ausrufezeichen gesetzt?
    • am Ende eines Satzes, dem besonderer Nachdruck verliehen werden soll
      Ich will endlich losfahren!
      Dieses Beispiel ist blöd!

    • nach einer Bitte, einem Befehl oder einem Ausruf (um dem Satz Nachdruck zu verleihen)
      Lass uns nach Hause gehen!
      Komm sofort her!
      Hilfe! Hilfe!
      (aber auch: Hilfe, Hilfe!)
    • nach einer Frage, die als Ausruf formuliert ist (also keine Antwort erwartet)
      Bist du denn verrückt geworden!
      Muss das sein!

    • bei einem Satz/Ausdruck in Klammern oder Gedankenstrichen steht das Ausrufezeichen innerhalb der Begrenzung
      Dieses Messer (vorsichtig benutzen!) ist sehr scharf.
      Das Feuer – Gott steh uns bei! – breitet sich zu schnell aus.


    Achtung! Das Ausrufezeichen verleiht einer Aussage besonderen Nachdruck. Bei der Verwendung dieses Satzzeichens muss in erster Linie darauf geachtet werden, dass dieser „Tonfall“ zur Sprache des Textes passt.
    Eine desinteressierte Hauptperson wird mit Ausrufezeichen weniger zu tun haben, als ein schreckhafter Charakter.
    Zum Beispiel (in Klammern steht, welcher Tonfall vermittelt wird):
    „Wir könnten ans Meer fahren!“ (mehr Befehl als Vorschlag, eine klare Ansage, quasi schon beschlossene Sache, der Sprecher ist voller Begeisterung/Überzeugung)
    „Wir könnten ans Meer fahren.“ (dagegen eher ein vorsichtiger Vorschlag, die Andeutung eines Wunsches, vielleicht verträumt, vielleicht auch einfach desinteressiert)

    Lanna sagt:
    Ausrufezeichen drücken einem Satz einen starken Stempel auf. Vereinzelt in einer Geschichte platziert können sie eine enorme Wirkung entfalten; treten sie allerdings in ganzen Horden auf, fühlt sich der Leser schnell „angebrüllt“. Zu viele Ausrufezeichen wirken, als würden sie Spannung erzwingen wollen. Aber nicht die Ausrufezeichen machen eine Aussage spannend, sondern das Drumherum.
    Prinzipiell sollte man Ausrufezeichen im erzählenden Text selbst sehr sparsam einsetzen und in wörtlicher Rede immer den Tonfall im Hinterkopf haben, in dem eine Aussage gemacht wird


    Beispiel (bezogen auf meine Meinung)
    Karsten hörte hinter sich ein Geräusch! Ruckartig dreht er sich um! Hinter ihm war nichts! Schnell lief er zu den anderen zurück!
    Der Leser liest den ersten Satz und bekommt durch das Ausrufezeichen die Information: Hier wird etwas Wichtiges gesagt. Karsten hört etwas, und das möchte der Autor betonen. Im zweiten Satz dreht er sich um, und auch das geschieht mit größtem Nachdruck. Es ist ebenso wichtig wie das Geräusch. Die Entdeckung, die Karsten macht, ist auch wichtig, der Leser stirbt an einer Überdosis Adrenalin oder fängt an, das Ausrufezeichen nicht mehr ernstzunehmen. Spätestens am dem vierten Satz hat er eine Ausrufezeichenübersättigung.

    Gezielt eingesetzt kann das Ausrufezeichen dagegen den Fokus auf einen bestimmten Aspekt dieser Szene lenken:
    Karsten hörte hinter sich ein Geräusch! Ruckartig dreht er sich um. Hinter ihm war nichts. Schnell lief er zu den anderen zurück.
    Karsten erschrickt stark über das Geräusch, hat sich dann aber wieder beruhigt
    Karsten hörte hinter sich ein Geräusch. Ruckartig dreht er sich um. Hinter ihm war nichts! Schnell lief er zu den anderen zurück.
    Hier dagegen liegt der Fokus stärker auf der Erkenntnis, dass hinter Karsten gar nichts ist, er ist überrascht oder sogar erschrocken über diese Entdeckung.


  3. Das Ausrufezeichen und die direkte Rede

    In der direkten (oder auch wörtlichen) Rede wird das Ausrufezeichen nach den genannten Regeln gesetzt. Dies geschieht direkt nach dem letzten Wort des Satzes, also innerhalb der Anführungszeichen.
    „Pack endlich deine Koffer!“, rief er von draußen.
    „Schluss mit Fernsehen!“, befahl Hannelore. Doch Kira flehte: „Nur noch ein bisschen!



  4. Das Ausrufezeichen und die Überschrift

    Anders als der Punkt darf das Ausrufezeichen auch nach freistehenden Zeilen gesetzt werden.

    Lanna sagt:
    Ausrufezeichen in der Überschrift wirken allerdings schnell effekthascherisch, wie BILD-Schlagzeilen. Eine gute Überschrift sollte ohne solche „Special Effects“ auskommen



  5. Das Ausrufezeichen ist ein Einzelgänger

    Ein Ausrufezeichen am Ende eines Satzes genügt vollauf. Eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung erzielt keine stärkere oder bessere Wirkung, sondern sieht nach Effekthascherei aus. Als würde der Autor eine Warntafel aufstellen: „Achtung, hier passiert etwas enorm Wichtiges!“
    Das Hauptwerkzeug, um Spannung zu übertragen, ist und bleibt die Sprache selbst. Satzzeichen können unterstützen, sollten aber nicht als vollständiger Ersatz für Wortakrobatik missbraucht werden.


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Beitrag #4 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
3. Lektion – Das Fragezeichen (?)


  1. Definition

    »Das Fragezeichen kennzeichnet eine Frage. Es steht am Ende einer wörtlich wiedergegebenen Frage.«


  2. Wann wird ein Fragezeichen gesetzt?
    • am Ende eines direkten Fragesatzes
      Was lerne ich hier eigentlich?
      Kann es so einfach sein?
      War Peter gestern im Park?

      Achtung! Bei indirekt wiedergegebenen Fragesätzen steht kein Fragezeichen.
      Ich fragte ihn, ob er jetzt Zeit für mich habe.
      Sie wollte wissen, ob Peter gestern im Park gewesen sei.

    • bei einer Frage in Klammern oder Gedankenstrichen steht das Fragezeichen innerhalb der Begrenzung
      Der Mann auf der anderen Straßenseite (sieht er nicht verdächtig aus?) trägt einen schwarzen Hut.
      Das Feuer – wer mag es verursacht haben? – breitet sich zu schnell aus.


  3. Das Fragezeichen und die direkte Rede

    In der direkten (oder auch wörtlichen) Rede wird das Fragezeichen nach den genannten Regeln gesetzt. Dies geschieht direkt nach dem letzten Wort des Satzes, also innerhalb der Anführungszeichen.
    „Sind wir schon zu spät an?“, erkundigte sich Kira.
    „Werden wir das Flugzeug noch erreichen?“, wollte Thorben wissen. „Können wir das schaffen?



  4. Das Fragezeichen und die Überschrift

    Wie das Ausrufezeichen darf auch das Fragezeichen nach freistehenden Zeilen gesetzt werden.

    Lanna sagt:
    Im Gegensatz zu Ausrufezeichen finde ich Fragezeichen in Überschriften durchaus sinnvoll. Sie können einen hinterfragenden Unterton einbringen, der ein einzelnes Wort in anderes Licht rückt. So hat „Wahre Liebe“ eine andere Wirkung als „Wahre Liebe?“.



  5. Das Fragezeichen ist ein Einzelgänger

    Wie das Ausrufezeichen auch, fühlt sich das Fragezeichen am wohlsten, wenn es alleine am Satzende steht. Zwei Fragezeichen erzeugen keine stärkere Frage als ein einzelnes. Auch hier gilt, dass die Ratlosigkeit oder jedes andere Gefühl, das der Autor vermitteln will, bereits in den Wörtern liegen muss. Das Fragezeichen gibt dem Leser einen eindeutigen Hinweis darauf, sollte aber nicht in dreifacher Ausführung vorhanden sein. Wenn die handelnde Person verwirrt oder ratlos ist, sollte der Text dieses Gefühl auch ohne fünfundzwanzig Fragezeichen transportieren können.


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Beitrag #5 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
4. Lektion – Das Komma (,)

Hinweis:
Die Regeln zur Kommasetzung sind zu umfangreich, als dass ich sie mit allen Details, Ausnahmen, Sonderregelungen und Spezialfällen hier aufnehmen könnte. Ich werde sie deshalb nur grob umreißen, was in 80% aller Fälle aber schon genügt. Wer sich genauer informieren möchte, kann das zum Beispiel auf canoo.net tun (auf diese Seite verweise ich auch innerhalb der Lektion mehrfach)


  1. Definition

    »Das Komma dient zur Gliederung des Textes innerhalb von Ganzsätzen. Es trennt bestimmte Wörter, Wortgruppen und Teilsätze voneinander ab.«


  2. Wann wird ein Komma gesetzt?
    • Aufzählungen
      Werden Wörter innerhalb einer Aufzählung nicht durch „und“ / „oder“ verbunden, wird ein Komma gesetzt (eine detaillierte Regelauflistung findet ihr HIER)
      Zum Frühstück gab es Brot, Käse, Marmelade und Kakao.
      Er trank, lachte, tanzte bis spät in die Nacht.
      Rita trägt ein schwarzes, knielanges, handgenähtes Kleid.

      Achtung! Zwischen zwei Adjektiven, von denen das erste die folgende Fügung näher bestimmt, steht kein Komma. Oft hängt es vom Sinn des Satzes ab, ob ein Komma gesetzt werden kann oder nicht.
      Gustav trinkt schon das dritte, bayrische Bier.
      Mit Komma trinkt Gustav das dritte Bier (an diesem Abend) und dieses Bier, was er gerade trinkt, ist ein bayrisches. Die ersten beiden, die er getrunken hat, können auch Bitburger gewesen sein.
      Gustav trinkt schon das dritte bayrische Bier.
      Ohne Komma trinkt hat Gustav bereits zwei Biere aus Bayern getrunken und verköstigt gerade das dritte. Allerdings macht der Satz keine Aussage darüber, wie viele Biere Gustav (an diesem Abend) schon insgesamt getrunken hat.

    • Nebensätze
      Nebensätze werden mit Kommata vom Hauptsatz getrennt; dabei ist unwichtig ob sie vorangestellt, nachgestellt oder eingeschoben sind (eine detaillierte Regelauflistung findet ihr HIER)
      Ich glaube, dass es gar nicht so schwer ist.
      Sybille geht gerne spazieren, wenn es regnet.
      (oder:Wenn es regnet, gehe Sybille gerne spazieren.)
      Moritz hatte die Wohnung aufgeräumt, bevor seine Mutter zu Besuch kam.
      Das Haus, das mir am besten gefällt, ist auch am teuersten.


    • Infinitivgruppen
      Formulierungen mit „zu“+Verb werden meistens durch ein Komma abgetrennt (eine detaillierte Regelauflistung findet ihr HIER)
      Ich will versuchen, alle Regeln einzuhalten.
      Gestern bat Christina dich, dein Zimmer aufzuräumen.
      Er ging nach Hause, um seine Koffer zu packen
      Die Schlacht zu gewinnen, ist unser höchstes Ziel.

      Hinweis Die Regeln sind in diesem Bereich teilweise sehr locker, bei vielen Formulierungen ist sowohl die Variante mit als auch die ohne Komma erlaubt. Eine gute Übersicht bietet der oben angegebene Link.

    • Zusätze und Nachträge
      In der Sprache sind diese Einschübe mit einer deutlichen Pause gekennzeichnet (eine detaillierte Regelauflistung findet ihr HIER)
      Friedbert Müller, der Sohn meiner Freundin, sucht eine nette Frau.
      Dort hinten siehst du ein sinkendes Schiff, die Titanic.
      Tina freute sich, wie sollte es auch anders sein, am meisten auf das Fußballspiel.


    • Anrede, Ausruf, Stellungnahme
      Anreden werden immer mit Komma abgetrennt, bei Ausrufen und Stellungnahmen bewirkt das optionale Komma eine Hervorhebung.
      Mir schmeckt dein Essen, liebe Mutter, überhaupt nicht.
      Ach(,) wär ich doch zuhause geblieben!
      Könnte ich(,) bitte(,) das Salz haben?


    • bei wörtlicher Rede
      wenn an einen Satz in direkter Rede ein Teilsatz folgt oder eingeschoben wird(durch ein Verb des Sagens (sagen, fragen, rufen, usw.) eingeleitet), wird ein Komma gesetzt
      „Komm doch nach Hause“, bat Mirko verzweifelt.
      „Was machst du“, wollte meine Mutter wissen, „mit diesem ganzen Kram?“
      Bettina jammerte: „Die Welt ist so ungerecht“, und schloss sich in ihrem Zimmer ein.


    Lanna sagt:
    Beim Setzen von Kommata gibt es nach der neuen Rechtschreibung sehr viele Kann-Situationen, in denen es vor allem auf ein gutes Sprachgefühl ankommt. Wenn ihr an einer Stelle nicht sicher seid, ob ein Komma hinkommt oder nicht, lest euch den Satz einfach selbst laut vor. Legt ihr an der Stelle eine Pause ein, ist ein Komma normalerweise nicht verkehrt. Es ist auch hilfreich, aufmerksam Bücher oder Zeitungsartikel zu lesen – im besten Falle laut -, um ein Gefühl für den Satzrhythmus zu entwickeln.



  3. Das Komma und seine Tücken

    Nicht von mir, sondern bei Wikipedia ausgegraben sind folgende Beispiele, die sehr schön zeigen, wie gravierend ein fehlendes Komma sein kann:

    Beispiel 1
    wikipedia schrieb:„Manfred las das Buch auf den Knien der Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vor.“ Erst mit der Kommasetzung wird der Satz verständlich bezüglich der Frage, auf wessen Knien das Buch nun liegt: „Manfred las, das Buch auf den Knien, der Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vor.“
    Beispiel 2
    wikipedia schrieb:Ein eingängigeres Beispiel für die verschiedenen möglichen Bedeutungen, die durch die Kommas gesteuert werden, ist: „Manfred las das Buch auf den Knien zu Ende.“ und „Manfred las, das Buch auf den Knien, zu Ende.“ Im ersten Satz liest Manfred das Buch bis ganz zum Schluss, während er selbst kniet. Im zweiten Satz liest Manfred einen Abschnitt, aber nicht zwingend das ganze Buch, zu Ende, während das Buch dabei auf Manfreds Knien liegt.
    Beispiel 3
    wikipedia schrieb:Ein anderes Beispiel für einen Doppelsinn gibt eine fiktive Kurzgeschichte. Ein Verbrecher soll gehenkt werden, doch der König erfährt durch einen Boten in letzter Sekunde, dass der Todgeweihte unschuldig ist. Nun richtet er eine Nachricht an den Scharfrichter, die Nachricht heißt: Wartet nicht, hängen! Der Scharfrichter erhält die Nachricht und hängt den Unschuldigen zur Empörung des Königs. Dieser hatte einen Beistrichfehler gemacht, er wollte eigentlich schreiben: Wartet, nicht hängen!


  4. Das Komma gegen den Rest der Welt

    Ich glaube, mit kaum einem anderen Satzzeichen schlagen sich Autoren so sehr herum wie mit dem Komma. Es gibt zahlreiche Regeln, wann es gesetzt werden muss, ebenso zahlreiche Fälle, in denen es nicht gesetzt wird und noch einmal eine Handvoll, wo es im eigenen Ermessen liegt. Allerdings bestimmt kein anderes Satzzeichen den Lesefluss so stark wie das Komma. Ohne diesen kleinen Strich zwischen zwei Wörtern sind unsere Sätze nur Wortkolonnen, die wahllos aneinandergereiht werden. Erst das Komma unterteilt die Sätze zu logischen Einheiten und verschafft dem Leser Übersicht, ermöglicht Zuordnungen und Bezüge, und bietet dem Autor die Möglichkeit, seinen eigenen Rhythmus zu entwickeln.
    Auch wenn es anstrengend sein mag: Es lohnt sich, die Kommaregeln zu lernen und zu üben. Sobald ihr sie einmal drin habt, läuft es beim Schreiben automatisch. Und die Leser werden es euch danken!


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Beitrag #6 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
5. Lektion – Das Semikolon (;)


  1. Definition

    »Das Semikolon (der Strichpunkt) grenzt gleichrangige (nebengeordnete) Teilsätze oder Wortgruppen voneinander ab. Er trennt stärker als das Komma, aber schwächer als der Punkt.«


  2. Wann wird ein Semikolon gesetzt?
    • Die Verwendung des Semikolons unterliegt keinen genauen Regelungen. Es darf als Unterteilungszeichen verwendet werden, wird aber in keiner Situation explizit verlangt. Vielmehr dient es dem Autor als Werkzeug, um zum Beispiel eine Aufzählung noch einmal zu unterteilen
      Auf ihrer Flucht mangelte es ihnen an Essen, Wasser und Schlaf; Sicherheit, Zuversicht und Hoffnung. („Essen, Wasser, Schlaf“ als körperliche Bedürfnisse werden von den seelischen Bedürfnissen „Sicherheit, Zuversicht, Hoffnung“ abgetrennt)
      Hannes stärkte sich mit einem üppigen Frühstück; aber gegen die Angst half es nicht. (Statt dem Semikolon könnten auch ein Komma oder ein Punkt stehen; lediglich der Satzrhythmus verändert sich leicht, da die Pause anders klingt)
      Sandra erwischte den Bus; Bernhard verpasste ihn.


    Lanna sagt:
    Früher habe ich nie verstanden, warum man ein Semikolon benutzen sollte: Es ist nicht Fisch nicht Fleisch – also nicht Punkt und nicht Komma. So ein Zwischending, das eigentlich überflüssig ist. Aber inzwischen nutze ich es regelmäßig, eben aus diesem Grund. Ich möchte zwei Teilsäetz deutlich voneinander abtrennen, ihnen aber nicht ihre Zusammengehörigkeit nehmen. Ein Punkt zerreißt, ein Komma verbindet; das Semikolon vereint beides in einem Zeichen.
    Natürlich ist es Geschmackssache – ich kann allerdings jedem nur raten, es einfach einmal auszuprobieren. Nicht jeder Punkt und jedes Komma sollten ersetzt werden, aber um ab und zu einen Akzent und dadurch eine besondere Betonung zu setzen, eignet sich der Strichpunkt hervorragend.



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Beitrag #7 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
6. Lektion – Der Gedankenstrich (-)


  1. Definition

    »Der Gedankenstrich ist ein waagrechter Strich, der zur Kennzeichnung einer Pause, zur Abgrenzung eines eingeschobenen Satzes oder Satzteiles dient«

    Achtung! In dieser Lektion werden auch die Regeln zum Ergänzungsstrich und zum Auslassungsstrich (die sich optisch kaum vom Gedankenstrich unterscheiden) erläutert.


  2. Wann wird welcher Strich gesetzt?

    Gedankenstrich
    • bei deutlichen Pausen im Satzfluss; meist um etwas Unerwartetes einzuführen oder einen gedanklichen Einschub in den Satz einzubauen
      Dann geschah, woran niemand mehr geglaubt hatte – Rettung nahte!
      Wir können noch bleiben – wenn du möchtest.
      Dieses Buch – so gut es auch geschrieben ist – langweilt mich.

      Hinweis! Gedankenstriche können oft durch Kommata, Klammern oder Doppelpunkte ersetzt werden. Welches Satzzeichen verwendet wird, liegt meist im Ermessen des Autors. Durch den Gedankenstrich wird der Satzfluss unterbrochen.
    Ergänzungsstrich
    • wenn innerhalb einer Aufzählung ein gemeinsamer Wortteil weggelassen wird
      Sie bekämpften sich mit Hieb-, Stich- und Schusswaffen. (Hiebwaffen, Stichwaffen und Schusswaffen)
      Das Leben hat seine Schokoladen- und seine schlechten Seiten. (Schokoladenseiten und schlechte Seiten)

      Lanna sagt:
      Die Ergänzungsstriche sehen in Fließtexten je nach Kontext nicht besonders schön aus. Oft lässt sich mit ein bisschen Nachdenken eine schönere Formulierung finden; zum Beispiel statt „Sie kämpften mit Hieb- und Stichwaffen“ -> „Sie kämpften mit Schwertern und Dolchen“. Die Entscheidung ist natürlich Geschmackssache
    Auslassungsstrich
    • wenn am Satzende ein Wort, Wortteil oder ein Teilstück des Satzes ausgelassen wird (siehe hierzu auch „Die Auslassungspunkte“)
      Wir können doch nicht
      Du bescheuerter Blöd-

      Achtung! Ersetzt der Auslassungsstrich ein vollständiges Wort (Beispiel 1), wird zwischen das letzte Wort und den Strich ein Leerzeichen gesetzt. Markiert der Auslassungsstrich dagegen ein abgebrochenes Wort (Beispiel 2), wird er ohne Leerzeichen direkt an den letzten Buchstaben dieses Wortes gehängt.

      Lanna sagt:
      Ich selbst treffen meine Wahl zwischen Auslassungspunkte und dem Auslassungsstrich nach folgenden Kriterien:
      Erfolgt die Unterbrechung unerwartet und abrupt, verwende ich den Auslassungsstrich. Wenn zum Beispiel jemandem ins Wort gefallen wird oder ein plötzliches Ereignis einen Gedankengang unterbricht.
      Geht die Unterbrechung von der redenden/denkenden Person selbst aus, greife ich zu Auslassungspunkten.

      Beispiele (zu meiner Meinung)
      Auslassungsstrich
      „Lass uns nach Hause fah-“
      „Jetzt doch noch nicht!“(, fiel ihm Jochen ins Wort)

      oder
      Die Blumen blühten so wunderschön heute, dass ich fast vergaß –
      Eine gewaltige Explosion riss mich von den Beinen.

      Auslassungspunkte
      „Wenn du das nochmal machst ...“ Karl warf ihr einen finsteren Blick zu, ohne seine Drohung zu vollenden.
      oder
      Die Blumen blühten, die Bienen summten und ...
      „Alles ist schön“, flüsterte Nora dem Frühling zu.


  3. Der Gedankenstrich und andere Satzzeichen
    • ein Einschub zwischen zwei Gedankenstrichen behält sein Satzzeichen, das ebenfalls innerhalb der Gedankenstriche steht; zwischen dem Satzzeichen und dem zweiten Gedankenstrich steht ein Leerzeichen
      Dieses Gehämmer – schon den ganzen Tag! – geht mir auf die Nerven.
      Die letzten drei Wochen – sind es wirklich schon drei? – vergingen wie im Fluge.

    • außerhalb der Gedankenstriche werden alle Satzzeichen verwendet, die auch ohne den Einschub notwendig wären
      Ich frage mich – zum wiederholten Male! –, ob es das Richtige war.
      Wir kommen nach Hause – das verspreche ich dir –, bevor die Sonne aufgeht.


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Beitrag #8 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
7. Lektion – Die Klammern (())


  1. Definition

    »Klammern schließen Zusätze oder Nachträge ein. Es werden nur die runden Klammern verwendet.«


  2. Wann werden Klammern gesetzt?
    • zur deutlichen Abtrennung eines Zusatzes vom restlichen Text
      Nachdem der Sturm (es war der schlimmste des Jahres) vorüber war, begannen die Aufräumarbeiten.
      Können wir (meine Schwester und ich) auch später kommen?

      Hinweis! Klammern können meistens durch Kommata oder Gedankenstriche ersetzt werden. Welches Satzzeichen verwendet wird, liegt im Ermessen des Autors.

      Lanna sagt:
      Ich persönlich mag Klammern in erzählenden Texten überhaupt nicht; und oft werden sie – wenn sie auftauchen – auch von anderen kritisiert. Klammern wirken ausschließend: Sie „klammern“ den Einschub aus der Geschichte aus. Wenn dieser Effekt gewollt ist, ist das natürlich kein Problem, aber oft wird der Leser so aus dem Satz gerissen, ohne dass diese Wirkung gewünscht wäre. Ich selbst ziehe Gedankenstriche Klammern immer vor.


  3. Die Klammern und andere Satzzeichen
    • ein Einschub in Klammern behält sein Satzzeichen, das ebenfalls innerhalb der Klammern steht
      Der Lärm von draußen (und das mitten in der Nacht!) nimmt einfach kein Ende.
      Unser letzter Ausflug (erinnerst du dich daran?) hat wirklich Spaß gemacht.

    • außerhalb der Klammern werden alle Satzzeichen verwendet, die auch ohne den Einschub notwendig wären
      Wir sind uns einig (das sind wir doch?), dass wir das Haus verkaufen werden.
      Peter und Susanne heiraten (wie ich erfahren habe), obwohl sie ständig streiten.


  4. Die Klammern und das Leerzeichen

    für die öffnende Klammer [(] gilt immer: Leerzeichen_Klammer_kein Leerzeichen
    für die schließende Klammer [)] gilt im Normalfall: kein Leerzeichen_Klammer_Leerzeichen
    Die beiden_(Jörg und Klara)_sind ein hübsches Paar.
    Ausnahme! Wenn nach der schließenden Klammer ein Satzzeichen (Komma, Punkt, Ausrufe- oder Fragezeichen) folgt, kommt das Leerzeichen erst nach dem Satzzeichen: kein Leerzeichen_Klammer_Satzzeichen_Leerzeichen
    Ich weiß (und das mit Gewissheit),_dass ich lebe.

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #9 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
8. Lektion – Der Doppelpunkt (:)


  1. Definition

    »Der Doppelpunkt kündigt an, dass etwas Weiterführendes folgt.«


  2. Wann wird ein Doppelpunkt gesetzt?
    • vor angekündigter direkter Rede
      Viktoria fragte: „Geht es dir gut?“
      Marcel antwortete drauf verstört: „Warum sollte es mir gut gehen?“
      Sie flüsterte noch: „Ich liebe dich“, und schlief ein.

      Hinweis! Viele Autoren mögen den Doppelpunkt besonders in diesem Kontext nicht. Allerdings ist seine Verwendung hier keine Geschmackssache, sondern eine feststehende Regel. Wer direkte Rede ankündigt, muss einen Doppelpunkt setzen; auch wenn es nach Schulaufsatz aussieht.

    • vor angekündigten Aufzählungen oder Erklärungen
      Aus folgenden Beerensorten kocht Berta hervorragende Marmelade: Himbeeren, Stachelbeeren und Gummibären.
      Unbedingt beachten: Der Hund ist bissig.
      Der Raum war spärlich eingerichtet: ein Tisch, zwei Stühle und ein krummer Mantelständer.


    • optional wenn das vorher Geschriebene zusammengefasst wird oder eine Schlussfolgerung gezogen wird
      Das schwüle Wetter, der ständige Streit, die unbezahlten Rechnungen: all das nagte an Felix’ Nerven.
      Erst Tinas Seitensprung und nun ihre Schwangerschaft: Das ist ein Desaster.

      Hinweis! Hier kann der Doppelpunkt auch durch einen Gedankenstrich oder ein Semikolon ersetzt werden.

      Lanna sagt:
      Ich kämpfe ja für verpönte Satzzeichen, deshalb gehört auch der Doppelpunkt zu meiner Standardausrüstung, wenn es an die Textarbeit geht. Richtig eingesetzt kann er zum Beispiel eine Aussage besonders betonen oder den Fokus auf eine bestimmte Tatsache lenken.


  3. Der Doppelpunkt und das Leerzeichen

    Für den Doppelpunkt gilt immer: kein Leerzeichen_Doppelpunkt_Leerzeichen
    Sibylle rief:_„Ich komme gleich!“
    Auf dem Tisch standen:_drei Tassen, zwei Teller und ein hartgekochtes Ei.


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Beitrag #10 |

RE: Satzzeichen sinnvoll setzen
9. Lektion – Die Anführungszeichen ( „ “ )


Hinweis! Standardmäßig arbeiten die meisten Textprogramme mit den deutschen Anführungszeichen ( „ “ ). In Büchern begegnen uns oft noch die französischen Anführungszeichen ( » « ), die nicht durch das doppelte Größer- bzw. Kleiner-als-Zeichen (>> <<) entstehen, sondern über die Zeichentabelle eingefügt werden müssen. Alternativ funktionieren auch die Tastenkombinationen Alt+0187 (») und Alt+0171 («).
Der Einfachheit halber werde ich hier jeweils nur die deutschen Anführungszeichen verwenden; alle Regeln gelten natürlich auch für die französischen.

  1. Definition

    »Anführungszeichen schließen etwas wörtlich Wiedergegebenes ein oder heben Wörter innerhalb eines Textes hervor.«


  2. Wann werden Anführungszeichen gesetzt?
    • bei wörtlicher Wiedergabe von direkter Rede oder Textstellen
      Gehen wir ins Kino?, wollte David wissen.
      Gabi lächelte. Wir sind ein tolles Team.
      Schon Hamlet hatte erkannt: Es ist was faul im Staate Dänemark.

    • zur Hervorhebung eines Wortes oder Ausspruches, zum Beispiel bei Werktiteln, Zeitungsnamen oder Äußerungen
      Jedes Mal, wenn Mirkos quengelndes Ist es noch weit? ertönte, verdrehte Lisa die Augen.
      Im Spiegel las Ilse über Goethes Die Leiden des jungen Werther und war ganz begeistert.


    • um Wörter oder Wortgruppen zu kennzeichnen, die ironisch oder übertragend genutzt werden
      Manfreds Freunde hatten plötzlich alle keine Zeit mehr.
      Die Katastrophe forderte nur zehn Opfer.


      Lanna sagt:
      Im Bereich der Erzählungen geht es vielen Lesern so, dass die Anführungszeichen automatisch mit wörtlicher Rede in Verbindung bringen. Dadurch wirkt eine solche Hervorhebung oft irritierend. Alternativ kann man statt der Anführungszeichen auch Kursiv-Schrift oder halbe (einfache) Anführungszeichen nutzen.


  3. Die Anführungszeichen und andere Satzzeichen

    Grundsätzlich gilt: Satzzeichen, die direkt vor den schließenden Anführungszeichen stehen, bleiben erhalten.
    Michael fragte: „Wann kommst du nach Hause?“
    „Gar nicht!“, brüllte Anette.
    „Wir können ihn nicht zurücklassen.“ Sebastian schluchzte herzerweichend.

    Ausnahme!
    Wenn der Satz mit einem Punkt enden würde, aber nach den Anführungszeichen ein Verb des Sagens (sagen, erwidern, fragen, usw.) folgte, entfällt der Punkt.
    „Die Antwort lautet 42, teilte Julia uns mit.

    Details zur Zeichensetzung bei wörtlicher Rede findet ihr HIER (§90 - §93)


  4. Sonderfall: Die halben Anführungszeichen

    Wenn es darum geht, innerhalb von Anführungszeichen (zum Beispiel in wörtlicher Rede) ein weiteres Wort hervorzuheben, setzt man niemals erneut die normalen Anführungszeichen, sondern greift auf die so genannten „halben“ oder auch „einfachen Anführungszeichen“ zurück.
    Diese sehen in der deutschen Variante so aus: ‚ ‘ (nicht zu verwechseln mit dem Komma, dem Apostroph oder gar den Akzent-Zeichen!)
    und in der französischen Variante so: › ‹ (über Zeichentabelle oder Tastenkombination erreichbar, nicht zu verwechseln mit dem Größer-als-Zeichen > und dem Kleiner-als-Zeichen <)
    Simon las vor: In Aschenputtel geht es um böse Stiefschwestern und prächtige Tanzabende.
    Kerstin hat immer nur gesagt: Was geht dich das noch an?, beklagte Nils sich.




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