Es ist: 26-09-2021, 10:35
Es ist: 26-09-2021, 10:35 Hallo, Gast! (Registrieren)


Wie ehrlich darf Kritik sein?
Beitrag #21 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hallo zusammen,

ein sehr interessantes Thema. Allerdings muss ich sagen, mir bereitet die Fragenstellung Kopfzerbrechen. Denn ich frag mich nicht, wie ehrlich ich sein darf, sondern eher: "Wie viel Ehrlichkeit macht Sinn?" Denn so sehr ich auch höre "ich ertrag das alles und immer her mit Kritik" so sehr muss ich auch an mich und meine eigene Empfindung denken, wenn ich meinen "Dreck" zurückgeschleudert bekommen. Und das ist immer unangenehm, wenn auch fordernd. Und solang es fordernd, bzw. fördernd bleibt, finde ich absolut ehrliche Kritik schon okay. Allerdings ist es wenig förderlich, mit einer Tür ins Haus zu fallen. Egal wo, egal wie und egal wie toll das Haus schon ist und wie "vorbereitet". Deshalb ist mir in meinen Kommentaren schon länger nicht mehr gelegen, jede Kleinigkeit aufzuzählen. Das hab ich früher gemacht, mittlerweile bin ich eben aus den genannten Gründen davon abgekommen.

Ich kritisiere, wenn ich denn einmal möchte, gerne Schritt für Schritt. Der Erfahrungswert, bzw. der Eindruck davon ist mir hierbei sehr wichtig. Wie alt ist der Autor, oder zumindest wie reif? Wie lange schreibt er schon und wie weit kann man sich wagen? Dabei denke ich nicht daran, ob ich Zorn auf mich ziehe, sollte ich weit ausholen, sondern eher daran, wie erträglich ist es für den Autor Kritik einzustecken. Kann man wirklich alles aufzählen? Oder macht es mehr Sinn erst am "Groben" zu arbeiten und in dem Moment nicht mit Details zu überfordern. Erst am "Groben" und wenn das klappt, dann zum "Kleinkram". - Ja, so stell ich mir das effektivste Kritisieren vor (allerdings wird hier eine längere Zusammenarbeit vorausgesetzt). Die Wahrheit sagen, natürlich, aber eben nicht um jeden Preis alles sagen. Zumindest dann nicht, wenn man befürchtet eine Schmerzgrenze zu überschreiten, die den Autor eher nach hinten werfen könnte, als nach vorn.

Soviel zu meiner ehrlichen Meinung.
Liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #22 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hallo!

Das Geheimnis guter Kritik ist, neben den Anmerkungen und Verbesserungsvorschlägen, die positiven Stellen im Text zu loben. Dann hat der Autor nicht das Gefühl, nur Mist geschrieben zu haben. Mit persönlichen Aversionen gegen den Autor sollte man sich zurück halten, das darf nicht mit in eine Kritik einfließen - dann lieber keinen Kommentar schreiben. (meine Meinung)

Gruß, Sigurd


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Beitrag #23 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Eine gute Meinung, Sigurd. Icon_smile
Ich finde diesen Punkt auch sehr wesentlich. Ich glaub es ist sogar ganz wesentlich zu loben und im Grunde gibt es nur selten Geschichten, die so schlecht sind, dass man gar nichts findet, das man positiv hervorheben kann. Allerdings wenn man wirklich nichts findest, dann sollte man auch nichts suchen, das nicht da ist ...

Liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #24 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hallo,
interessantes Thema, habe auch schon überlegt, ob ich mal so eine Frage stellen soll, dann habe ich das hier gefunden Icon_smile .
Also ich bemühe mich schon, den Empfänger der Kritik nicht zu verletzen, aber wenn man schlechte Punkte einfach weglässt, hilft man dem Schriftsteller auch nicht weiter.
Es ist also irgendwo schon wichtig zu wissen, wie viel Kritik jemand verträgt, am Besten eigentlich gleich in der Vorstellung.
Ich selbst vertrage eigentlich recht viel Kritik, unter der Vorraussetzung, dass sie wohl begründet ist und nicht nach dem Thema:
"Das ist schlecht und das auch" oder "Ich mag deine Geschichte nicht, weil sie schlecht ist."

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #25 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Kritik, finde ich, sollte immer ehrlich sein, aber es kommt auf das Formulieren derselben an.
Loben ist genauso wichtig wie kritisieren, oder wenn nicht ersteres, was manchmal aus Zeitmangel ein bisschen vernachlässigt werden könnte, so kann man doch Fragen aufwerfen, die einem der Text in stilistischer oder inhaltlicher Sicht stellt.

Man muss sich darüber klar sein, wenn man Kritiken liest, dass es dem Kritisierenden vor allem nicht um persönliche Angriffe geht, sondern um die Sache.
Letztendlich sitzen wir alle in einem Boot und wer sich auf die See hinauswagt, sollte neben einer Flaute auch die raue See zu verkraften wissen.

punkie


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Beitrag #26 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Servus aus München,

ich habe jetzt nicht alle Kommis durchgelesen, aber den Grundtenor habe ich verstanden. Dann hab ich überlegt, ob ich noch was Neues beisteuern kann. Und ich kann Icon_cool -glaube und hoffe ich!

Vor einiger Zeit habe ich einmal versucht, für mich ein Schema zur Beurteilung eines Textes aufzustellen, um den Schrecken zu hoher Emotionalität zu entgehen. Das hat anfangs auch gut geklappt, ich schrieb z. B. hin:
Zitat:Anfang bzw. erster (Ab-)Satz: "Er hat mich sofort auf die richtige Spur gebracht" oder das glatte Gegenteil "Als ich ihn las, war ich sofort wieder draußen!"
So ging es weiter mit Übergang, Hauptteil, Spannungsbogen, Aussage, Plot, Schluss, Fazit. Nach einer gewissen Zeit ging mir das, was ich schrieb, gewaltig auf den Senkel, weil sich mit der Anwendung des Standardschemas automatisch Standardformulierungen bildeten, die sich schließlich abgedroschen und nervig anhörten. Also hab ich wieder damit aufgehört, denn selten steht man einer Geschichte neutral gegenüber. Aber dieses Schema hat sicher noch immer Einfluss auch mich und irgendwo ist es auch sinnvoll, um seine Gedanken zu ordnen. Eine Geschichte hat nun mal diese (und andere) Bestandtteile. Meistens hat man irgendwo schon mal gelesen, wie diese Teile aus literarischer Sicht auszusehen haben oder man hat sich eine eigene Philosophie geschaffen, die man anwendet und auch vertritt. Diese Dinge nehmen (un)mittelbaren Einfluss, da kannst du nix machen.

Alles in allem beginne ich aktuell eine Kritik (und auch positive Aussagen nennt man Kritik!) mit einem ersten Eindruck, arbeite mich dann nicht allzu korinthenkackerisch durch den Text und schließe mit einem Fazit und ggf. mit einer Empfehlung.

Das Leben hat alle Farben, es gibt also keinen Grund, nur auf eine einzige zu starren.

Viele Grüße
Porter


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Beitrag #27 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hallo liebe Mitschreiberlinge!

Falls es einem Neuling wie mir, der hier noch nichts reingestellt oder selbst kommentiert hat, erlaubt ist, möchte ich mich zu dem Thema doch auch äußern, weil ich genau deswegen hierhergekommen bin.

Ich zwar altersmäßig nicht mehr die jüngste, aber Schreiben tu ich (ernsthaft und doch nicht von berufswegen) erst seit ca. einem Jahr und damit ein echter Frischling. Und ich wollte von Anfang wissen, ob das, was ich da zusammengetippt hatte, nicht nur mir gefällt, sondern auch anderen. Irgendwann haben sich in dem Forum, wo ich bisher unterwegs war, die Kommentare auf Einzeiler wie "Tolles Kapitel, gefiel mir gut" oder "Mach weiter so" beschränkt. Und da gebe ich meinen Vorpostern völlig recht: damit kann man nichts anfangen, da kann man nichts verbessern. Es kann ja schließlich nicht wahr sein, dass alles gut ist, was da steht (vor allem wenn man später selber fürchterliche Fehler findet ;-))! Außerdem sinkt der Motivationsfaktor solcher Kommentare schnell gegen null.

Wie hab ich mich gefreut, wenn jemand mal den Mut gefunden hat, zu sagen: "Du, der Übergang da und da war zu abrupt, da hab ich mich nicht ausgekannt und du solltest da noch etwas einfügen" oder wenigstens, WAS gefallen hat, nicht bloß Pauschalaussagen.
Gottlob hatte (habe ab und an immer noch) eine sehr kritische Betaleserin, die selbst schreibt und veröffentlicht und daher ziemlich gnadenlos mit manchen Passagen ins Gericht gegangen ist Icon_lol .Trotzdem durfte ich mich das eine oder andere Mal auch über ein Lob von ihr freuen, das dann umso schwerer gewogen hat, weils so selten war.

Aber ich schweife ab Smiley_emoticons_blush.

Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive sagen, was ich mir von einem ehrlichen Kommentar wünschen würde.
Das ist einerseits sicher das ehrliche uns sachliche (!) Aufzeigen von Fehlern und Ungereimtheiten. Nur muss man dann als Autor auch ehrlich mit sich selbst sein und eine Kardinalregel der Kommunikation beherzigen: Es zählt nicht das, was ich beabsichtigt habe, zu übermitteln, sondern nur, was ankommt. Und wenn ein Charakter z.B. unglaubwürdig ist, habe ich vermutlich einen Fehler gemacht und ihn Dinge tun lassen, die nicht zusammenpassen.

Andererseits bringt es mMn auch etwas, wenn differenzierte, positive Rückmeldungen kommen. Nicht bloß ein "Klasse, Toll, ...", sondern wirklich ein konkreter Hinweis auf die Stärken des Autors (so er welche hat) oder besonders gelungene Passagen. Das kann weiterhelfen - und motivieren, es beim nächsten Mal zumindest nochmal so gut hinzukriegen wenn nicht besser. Die meisten Menschen können Feedback mMn wesentlich besser annehmen und umsetzen, wenn sie nicht nur eine volle Breitseite negative Kritik abkriegen und auf Handspanne zusammengestaucht werden, zumindest am Anfang (und dort sehe ich mich auch noch ;-)).

Vielleicht bin ich mit dieser Meinung, was positives Feedback angeht, ziemlich alleine und der eine oder andere mag jetzt denken, dass ich es lieber lassen sollte, euch meine Ergüsse irgendwann anzutun oder schon die Messer wetzen, um meine erste Geschichte in der Luft zu zerfetzen. Doch es ist nun mal meine persönlich Meinung und da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt, konnte ich es nicht lassen, sie kund zu tun ;-).

LG Abiane


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Beitrag #28 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Guten Morgen, Abiane.

Zitat:Ich bin zwar altersmäßig nicht mehr die jüngste, aber Schreiben tu ich (ernsthaft und doch nicht von Berufswegen) erst seit ca. einem Jahr und damit ein echter Frischling.
Fünfunddreißig ist 'nicht mehr jung'? Mach meine Altersvorstellung nicht kaputt. Icon_wink

Zitat:Nur muss man dann als Autor auch ehrlich mit sich selbst sein und eine Kardinalregel der Kommunikation beherzigen: Es zählt nicht das, was ich beabsichtigt habe, zu übermitteln, sondern nur, was ankommt.
Es ist (natürlich) sehr bitter, wenn man in Antworten zu Kommentaren über Gebühr viel erklären muss - meistens ist dann etwas schief gelaufen.
Das liegt am Spannungsverhältnis zwischen Leser und Schreiber: der Schreiber weiß genau, was er sieht - der Leser muss es umsetzen. Klappt nicht immer. Leider.

Zitat:Andererseits bringt es mMn auch etwas, wenn differenzierte, positive Rückmeldungen kommen.
Kritik bedeutet nicht automatisch 'negative Rückmeldung', sondern ist sowohl negativ als auch positiv. Scheinen einige Mitmenschen noch nicht für sich entdeckt zu haben.

Aber es war nicht meine Intention, darauf einzugehen, sondern eher auf:

Zitat:dass ich es lieber lassen sollte, euch meine Ergüsse irgendwann anzutun oder schon die Messer wetzen, um meine erste Geschichte in der Luft zu zerfetzen.
1. Du hast Dir von Bernhard Hennen eine 'Welt' ausgeliehen - das verpflichtet.
2. Wir haben alle (ALLE!) klein angefangen.
3. Hier zerfetzt niemand eine Geschichte. Falls doch schick ihn bei mir vorbei.

LGD.


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Beitrag #29 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hi Dreadnoughts!

Icon_lol naja, ich fühl mich nach manchem Tag halt einfach "alt". Und gestern war ein solcher (heute übrigens auch)^^. Jedenfalls danke für die Blumen...

Zitat:1. Du hast Dir von Bernhard Hennen eine 'Welt' ausgeliehen - das verpflichtet.
Es ist ein bisschen Off Topic, aber ich hab da noch eine Frage an dich:
Wozu genau verpflchtet das? ^^

LG Abiane


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Beitrag #30 |

RE: Wie ehrlich darf Kritik sein?
Hallo Abiane.

Es wäre für mich schwierig meine Darsteller in anderen Gefilden spielen/agieren zu lassen. Das liegt daran, dass ich die Welt und ihre Bedingungen, Vorgaben, Rahmengeschichten nicht stören dürfte. Im Gegenteil, ich habe sie zu respektieren. (Damit meine ich beispielsweise technische Sachen, wie 'Drachen können in dieser Welt das und das, aber nicht was-weiß-ich.')

Bei Bernhard Hennen kommt noch der Erfolg hinzu und die Begeisterung seiner Leser. (Soweit mir das bekannt ist.)
Kurz: das alles ist (in solch einem speziellen Fall) eine Messlatte, die hoch gesetzt ist. Und die man mindestens erreichen sollte, wenn man den ursprünglichen Weltenerschaffer nicht dramatisch aufseufzen hören will. Icon_wink

Oder andersrum, um den Beitrag wieder auf das ursprüngliche Gleis zu hieven:
Natürlich würde eine mögliche Kritik (wenn man weiß, dass man sich von einem bekannten Autoren eine Welt ausgeborgt hat) immer ein Auge auf den ursprünglichen Erschaffer und seine Schreibweise/Erzählkunst/Lebendigkeitsbeschreibungen richten und Vergleiche anstellen. Und gerade bei diesem Vergleich darf es nicht schlechter als das ..., ich sage mal 'Original' sein.

Das meinte ich mit: das verpflichtet.

LGD.


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