Es ist: 09-04-2020, 11:31
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Altnurmadinische Ritualformel
Beitrag #1 |

Altnurmadinische Ritualformel
Sanyasala!
Ich - hier? Ja, wie man unschwer erkennen kann, auch wenn mein Schriftchen doch eher ungewöhnlich ist, wie mir scheint. Eine Ritualformel, übersetzt aus dem Altnurmadinsk - aber gedichtet. Und zwar sehr amateurhaft ;o)
Ich erhoffe mir von der Bewertung einen Sinn für die Zeremonien der damaligen Zeit (es stammt aus meiner Herzblutwelt
Nurmadin), denn dies ist eines der wenigen Fragmente, die ich bei archäologischen Ausgrabungen in der alten Ruinenstadt Waron durch einen glücklichen Zufall entdeckte. Die Zeit der Alten Religion, Götterglaube genannt, ist wenig erforscht und noch weniger als über die glorreichen Götter wissen wir über die Sitten und Rituale.
Bedauerlicherweise scheint es möglich, dass die Schriftrolle einst riss und Strophen verloren gingen ...



Du, mein Licht
Deine Schrift ist mein Gericht.
Du führtest mich auf hellen Wegen,
warst um mich, immer zugegen,
sobald mein Geist auf Suche war.
Mein Dank gilt dir, auf immerdar.

Du, mein Herz
vergangen ist der üble Schmerz,
der früher hat in mir gepocht.
Vorbei der Kampf, den ich oft focht
mit Zweifel-, Angst- und Schreckensflut
- dank deiner Kraft in meinem Blut.

Du, mein Tun
Nie will ich noch ruh'n,
da dein Ruf mich erweckt –
Fleiß in mir entdeckt.
Von früherer Arbeit verschieden
macht mich das Dienen zufrieden.

Du, mein Sinn
ohne Streben nach Gewinn,
außer dem des Geis-
tes folg' ich dei'm Geheiß.
Ich höre nur auf deine Lehr'
losgelöst von Gold und Ehr'

Du, mein Sein
vergessen seien Trug und Schein,
denn ich lerne zu verstehen
und sicher auf deinen Pfaden zu gehen.
Nimm meine Seele zu den deinen
Möge sie im Lichte erscheinen!

Du, mein Tod
Sonnensüß und frei von Mod-
er ist dein Gesicht.
Vergehen erreicht dich nicht,
dennoch nehme ich mein Leben,
es dir in die Hände zu geben.


Meine Meinung schreibe ich schon einmal dazu: Dies wird wohl eine Art Formel bei einer Aufnahmezeremonie in die Geweihtenschaft einer Göttin, vermutlich die Todesgöttin Magyra - das unberührte Gesicht deutet auf die marmorne Totenmaske der Göttin hin.
So denn - lasst euch von meinem Gequatsche nicht beeindrucken und kommentiert mir fleißig mein armseliges Gedichtchen, auf dass ich endlich zu den antiken Mittelreichen Nurmadins Zugang finde Icon_smile Vielen Dank im Voraus!

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #2 |

RE: Altnurmadinische Ritualformel
Hallo Trinity,

also den Titel fand ich schon mal sehr kompliziert *lach* ... und sehr lyrisch klingt der auch nicht. Mhm, und insgesamt sieht es ein bisschen so aus, als könnte es in einem Roman stehen oder so, was ja zum Vorwort passt ... naja, ich kenne deine Welt da leider nicht, aber ich wage mich trotzdem mal an einen Kommentar:

Du, mein Herz
vergangen ist der üble Schmerz,


Es soll wohl altertümlich klingen, aber sowas wie "übler Schmerz" ist doch eher recht modern, finde ich.

Von früherer Arbeit verschieden
macht mich das Dienen zufrieden.


Das sieht ein bisschen aus, als würde das "zufrieden" nur dastehen, damit da ein Reim ist ... ich find die Formulierung im Kontext des Gedichtes nicht gut.

Du, mein Sinn
ohne Streben nach Gewinn,


Hier auch, weiß nicht - "Gewinn" - das klingt auch nicht wirklich altertümlich ...

außer dem des Geis-
tes folg' ich dei'm Geheiß.


Wörter über Zeilenumbrüche hinweg zu trennen sieht in der Lyrik nichts aus ... und dieses "dei'm" ist wirklich sehr verkürzt, vor allem hast du sowas vorher relativ wenig. Der ganze Teil klingt durch diese zwei Sachen sehr holprig.

Nimm meine Seele zu den deinen
Möge sie im Lichte erscheinen


"erscheinen" klingt seltsam, besser "scheinen" ...


Du, mein Tod
Sonnensüß und frei von Mod-
er ist dein Gesicht.


Auch hier - diese Trennung sieht nicht gut aus und liest sich ganz komisch.

Allgemein klingt mir das Gedicht zu "banal", zu wenig pathetisch. Wenn es ein altertümliches Gedicht zu Ehren einer Gottheit, eine Ritualformel für eine Zeremonie sein soll, dann müsste da viel mehr Apostrophe rein und vor allem mehr Lyrik. Da sind nichtmal Reime dringend nötig - ich finde, deine Reime hier klingen oftmals etwas zu aufgesetzt.

Vom Rhythmus her ist es schon ganz gut gelungen. Es liest sich bis auf die angesprochenen Stellen flüssig, aber wie gesagt etwas zu simpel.

Dies wird wohl eine Art Formel bei einer Aufnahmezeremonie in die Geweihtenschaft einer Göttin, vermutlich die Todesgöttin Magyra

Wieso "vermutlich"? Soll es doch einfach für die Todesgöttin Magyra sein - du solltest das mehr einbauen. Sie vielleicht erwähnen. Etwas mehr die Thematik "Todesgöttin" aufgreifen, das Gedicht entsprechend gestalten. So könnte es nämlich auch ein etwas seltsames Liebesgedicht sein oder für ein Schwur für einen König oder ähnliches. Wenn du schon diese konkrete Vorstellung dazu hast, dann setze sie doch auch so um Icon_smile ...

Klingt jetzt wohl alles etwas negativ, aber irgendwie hapert es einfach noch an vielen Stellen. Vor allem klingt es zu allgemein, es mangelt an Metaphorik und Wortspielen, an Übertreibung, was in der Lyrik in diesem Fall ein tolles Stilmittel ist. Ich weiß nicht so viel über Magyra, aber es gibt sicherlich einiges an mythologischen Hintergründen, die du hier konkret einbauen könntest! Icon_smile

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Altnurmadinische Ritualformel
Sanyasala!

(15-08-2010, 12:21)Zack schrieb: also den Titel fand ich schon mal sehr kompliziert *lach* ... und sehr lyrisch klingt der auch nicht. Mhm, und insgesamt sieht es ein bisschen so aus, als könnte es in einem Roman stehen oder so, was ja zum Vorwort passt ... naja, ich kenne deine Welt da leider nicht, aber ich wage mich trotzdem mal an einen Kommentar:
Das hatte ich gehofft Icon_smile Mal sehen, wie es ausfällt.

Zitat:Du, mein Herz
vergangen ist der üble Schmerz,


Es soll wohl altertümlich klingen, aber sowas wie "übler Schmerz" ist doch eher recht modern, finde ich.
Findest du? Gut, ich merke es mir an. Sicher sind viele derselben Meinung. Ich hab da manchmal meine Probleme mit dieser Einschätzung.

Zitat:Von früherer Arbeit verschieden
macht mich das Dienen zufrieden.


Das sieht ein bisschen aus, als würde das "zufrieden" nur dastehen, damit da ein Reim ist ... ich find die Formulierung im Kontext des Gedichtes nicht gut.
Sieht es? Tja ... ich denke mir da mal was anderes aus, glaub ich mal. Ich bin nicht besonders geübt in solchen Sachen.

Zitat:Du, mein Sinn
ohne Streben nach Gewinn,


Hier auch, weiß nicht - "Gewinn" - das klingt auch nicht wirklich altertümlich ...
Okay, angemerkt.
Zitat:außer dem des Geis-
tes folg' ich dei'm Geheiß.


Wörter über Zeilenumbrüche hinweg zu trennen sieht in der Lyrik nichts aus ... und dieses "dei'm" ist wirklich sehr verkürzt, vor allem hast du sowas vorher relativ wenig. Der ganze Teil klingt durch diese zwei Sachen sehr holprig.
Ich fand die Trennung gerade so außergewöhnlich für mich *schmunzel* Nun ja, ich glaube, ich kann es nachvollziehen.
Zitat:
Nimm meine Seele zu den deinen
Möge sie im Lichte erscheinen


"erscheinen" klingt seltsam, besser "scheinen" ...
Passt auch zur Rhythmik besser, glaub ich.
Zitat:
Du, mein Tod
Sonnensüß und frei von Mod-
er ist dein Gesicht.


Auch hier - diese Trennung sieht nicht gut aus und liest sich ganz komisch.
Wie du meinst Icon_smile

Zitat:Allgemein klingt mir das Gedicht zu "banal", zu wenig pathetisch. Wenn es ein altertümliches Gedicht zu Ehren einer Gottheit, eine Ritualformel für eine Zeremonie sein soll, dann müsste da viel mehr Apostrophe rein und vor allem mehr Lyrik. Da sind nichtmal Reime dringend nötig - ich finde, deine Reime hier klingen oftmals etwas zu aufgesetzt.
Pathetisch - stimmt, eigentlich hätte es das nötig. Großspurigkeit? Hm, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das zu dem passt ... Nu, in der Lyrik kann ich dir zustimmen.

Zitat:Vom Rhythmus her ist es schon ganz gut gelungen. Es liest sich bis auf die angesprochenen Stellen flüssig, aber wie gesagt etwas zu simpel.
Immerhin etwas Grundsubstanz, mit der man arbeiten kann. Das freut mich schon einmal.

Zitat:Dies wird wohl eine Art Formel bei einer Aufnahmezeremonie in die Geweihtenschaft einer Göttin, vermutlich die Todesgöttin Magyra

Wieso "vermutlich"? Soll es doch einfach für die Todesgöttin Magyra sein - du solltest das mehr einbauen. Sie vielleicht erwähnen. Etwas mehr die Thematik "Todesgöttin" aufgreifen, das Gedicht entsprechend gestalten. So könnte es nämlich auch ein etwas seltsames Liebesgedicht sein oder für ein Schwur für einen König oder ähnliches. Wenn du schon diese konkrete Vorstellung dazu hast, dann setze sie doch auch so um Icon_smile ...
Konkret ist übertrieben - "vermutlich",weil das absolut spontan vermutet war *zwinker* Wie gesagt: Diese Sachen sind absolut unausgebaut.
Zitat:Klingt jetzt wohl alles etwas negativ, aber irgendwie hapert es einfach noch an vielen Stellen. Vor allem klingt es zu allgemein, es mangelt an Metaphorik und Wortspielen, an Übertreibung, was in der Lyrik in diesem Fall ein tolles Stilmittel ist. Ich weiß nicht so viel über Magyra, aber es gibt sicherlich einiges an mythologischen Hintergründen, die du hier konkret einbauen könntest! Icon_smile
Da gibt es immerhin gut Punkte zum Ansetzen - dann danke ich für deinen ausführlichen Kommentar!

Alles Liebe,
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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