Es ist: 23-10-2020, 23:17
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Verbotene Wörter - Teil 3 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

Verbotene Wörter - Teil 3 (abgeschlossen)
Dann mal auf ins Gefecht!

Thema: Piraten

Verbotene Wörter: Deck, Schiff, Schatz, Sturm, entern

Ich freue mich darauf, wie ihr kreativ das Kap der verbotenen Wörter umschifft ... Mrgreen

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #2 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
Hallo!

Dann mach ich mal die erste Piratengeschichte! Icon_cool

Zitat:Thema: Piraten
Verbotene Wörter: Deck, Schiff, Schatz, Sturm, entern

Einer der Männer klopfte an die Kabinentür und trat ein, ohne die Antwort abzuwarten: "Oben ist der Teufel los! Die Mannschaft will die Haken benutzen, wir haben den fetten Kaufmanns-Segler jetzt direkt vor uns!" Der Kapitän gab seiner neuen Flamme, die Esmeralda hieß, einen Stoß, so dass sie aus dem Bett fiel. Instinktiv hielt sie beide Hände vor ihre nackten Brüste, tastete nach ihrer Unterwäsche und zischte: "Drei Teufel, was soll denn das?" Der Kapitän, an den Mann gewandt, sagte: "Bin schon auf dem Weg, sag das denen da oben. Und jetzt verschwinde endlich!" Sein Gegenüber grinste und verließ die Kabine.
Esmeralda hatte sich in aller Eile angezogen. Sie wusste, warum ihr Liebhaber sie so unsanft aus dem Bett geschmissen hatte; der beste Weg, nicht zum Weitermachen verführt zu werden. Kapitän Flint stand nun ebenfalls auf und zog sich an. Verdammt, dachte er, verflucht schlechtes Timing. Er schnallte sich den Säbel um und griff nach den Pistolen. Können die das Kapern nicht auf einen günstigeren Zeitpunkt verlegen? "Du bleibst hier!", sagte er zu Esmeralda, "ich werde schneller wieder da sein, als du für möglich hältst." Dann eilte er, links und rechts eine Pistole in der Hand, nach oben und gab Befehl zum Ranholen und Übersetzen.


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Beitrag #3 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
Ich habe mir auch mal etwas einfallen lassen - natürlich zählt es nicht Icon_smile

Zitat:Deck, Schiff, Schatz, Sturm, entern

"... und der Himmel war grau und grollte böse!" Opa beugte sich in seinem Lehnstuhl nach vorne und zog die Meerschaumpfeife zwischen den rissigen Lippen hervor. "Aber!"
Tobias sah mit großen Augen zu Opa auf.
"Was 'Aber'?", fragte er und kauerte sich zusammen, als ob auch im Wohnzimmer gleich ein Unwetter losbrechen würde.
"ABER!", donnerte Opa und fuchtelte mit der Pfeife vor der Nase des Jungen herum. "Aber es wurde noch schlimmer!"
Der Rauch strich durch Tobias' Haare, als höre das ergraute Abenteuer von damals zu.
"Ich lehnte mich weit über die Reling - und sah ...!"
"Was, Opa, was?", flüsterte Tobias und beobachtete unruhig das Blitzen in Opas Augen.
"... den tanzenden Wind!"
"Den ... tanzenden Wind?"
"Oh JA!" Opa lehnte sich wieder zurück und tippte mit den gekrümmten Fingern auf den Pfeifenkopf. Sein Blick verlor sich im Ölgemälde eines Seglers. "Die 'Räuberbraut' war stark, Tobi. Ja, sie war 'ne wunderbare Gefährtin auf See - und sogar als der Luftwirbel uns zu treffen drohte, versagte sie nich' ihren Dienst."
Seine Stimme klang wieder ruhig, ein wenig klein und ... wehmütig. Tobias krabbelte auf dem Teppich auf Opa zu und legte das Kinn auf die Armlehne des alten Lehnstuhls.
"Was ist mit ihr passiert?" Tobias schluckte. "Ist die 'Räuberbraut' gesunken?"
Opa drehte sich seinem Enkel langsam zu und blinzelte.
"Gesunken?"
Tobias nickte zaghaft.
"Gesunken?! Meine 'Räuberbraut'? Niemals!" Er lachte heiser, hustete und lachte dabei immer noch. "Ge...sunk...gesunken!"
Tobias zog die Augenbrauen zusammen.
"Ne ne, Tobi", Opa legte einen Arm um den Jungen und beugte sich an sein Ohr. "Sie hat sogar noch - noch einmal! - fette Beute gemacht."
Opa kicherte und erhob seine Stimme wieder zu normaler Lautstärke.
"Aber danach is' sie gegangen. Gegangen! Nicht gesunken."
"Aber Großvater", fragte Tobias nachdenklich, "hat sie das Gold dann mitgenommen?"
"Alles", seufzte Opa und nagte an seiner Pfeife. "Jede Dublone. Und jetzt gibt sie den Fischen ein Fest damit."
Tobias grübelte schon wieder, sagte aber nichts.
Den Fischen, dachte er. Den Fischen ... am Meeresgrund?
"Junge ..." Opa beobachtete Tobias und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Sie ist weg. Hab' es nie wiedergesehen, das alte Mädchen. Und ihr Gold natürlich auch nich'."
Tobias schwieg einen Moment. Er versuchte, sich das Glitzern vorzustellen - vielleicht sah es aus wie diese Pokemonkarten, die man mit viel Glück zwischen den normalen fand. Oder wie Mamas gesamter Schmuck im Sonnenlicht. Ein Lächeln lag auf Tobias' Lippen.
"Vielleicht, Opa, kann ich es finden", platzte es aus ihm heraus. Opa zögerte kurz, zog die Pfeife aus dem Mund und schaukelte.
"Joah ... is' schon möglich", gab er zu. "Ich bin alt. Du bist jung. Vielleicht siehst du sie eines Tages ..."
Sie starrten gemeinsam auf das Ölgemälde, saßen da und starrten - der Junge und der Großvater. Und die Meerschaumpfeife hustete ein wenig Rauch, es lag Wärme im Raum - und doch ging salziger Wind in der Luft umher ...
"Tobi", flüsterte Opa, ohne den Blick von der gemalten 'Räuberbraut' zu lösen. "Wenn du sie findest ... sag dem alten Mädchen einen schönen Gruß von ihrem Kapitän. Einen letzten."
Er ächzte und ließ den Kopf auf die Brust fallen.
"Ja." Tobias achtete nicht auf ihn, nur auf das Rauschen der Wellen, die ihn aus dem Bild entgegenschlugen ...

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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Beitrag #4 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
Süße Geschichte, Trin. Pro

Zitat:Thema: Piraten
Verbotene Wörter: Deck, Schiff, Schatz, Sturm, entern

Meine ist leider etwas länger geworden, aber ich kann nichts dafür! Smiley_emoticons_blush

Der P.-S.

„Wo ist denn nun der Scha...“ Weiter kam der Einäugige nicht, denn Hakenhand hatte ihm schon unsanft seinen Ellenbogen auf den Mund gepresst.
„Nicht – das – Wort – aussprechen!“, flüsterte er streng und hob seine versengten Augenbrauen.
Der Einäugige nickte und rieb sich die schmerzende Unterlippe. Er vergaß immer wieder den Fluch der Seherin, die ihnen verboten hatte, fünf bestimmte Wörter auszusprechen. Ansonsten, so hatte sie prophezeit, würde die Welt im Chaos versinken.
Käpten Rotstrumpf drehte eine vergilbte Karte in den Händen und versuchte sich zu orientieren. „Dort drüben“, sagte er schließlich und zeigte mit seinem halbierten Zeigefinger auf ein paar Palmen.
„Und bei welcher sollen wir nun graben?“, fragte Stoppelkinn ungeduldig, als sie die Bäume erreicht hatten.
„Hm“, brummte der Käpten und strich sich nachdenklich über seinen grauen Bart. „Eine wird die Richtige sein.“
Der Einäugige staunte wieder einmal über die enorme Scharfsinnigkeit ihres Käptens. Welch ein Glück, dass sie ihn hatten. Zwanzig Kisten voller Gold warteten nur darauf, endlich wieder das Tageslicht zu erblicken.
„Voll die Scheiße“, krächzte der Papagei auf Rotstrumpfs Schulter und hob seinen Schwanz, um eine Ladung weißer Flüssigkeit auf der Jacke des Käptens zu hinterlassen.
„Halt die Klappe, blödes Vieh“, knurrte Rotstrumpf genervt.
„Selber“, vermaulte sich die bunte Kreatur und hob zur Strafe gleich noch einmal den Schwanz.
„Irgendwann dreh ich dir den Hals um, Rhabarber.“
„Ja, aber mit Schmackes!“, schrie der Vogel und flatterte aufgeregt davon.
„Wir sollten die Großfresse mal teeren, gefedert ist er ja schon“, grölte Stoppelkinn plötzlich los. Im nächsten Moment hatte er auch schon den Lauf einer Flinte am Nasenloch.
„Fasst du Rhabarber an, bist du tot“, flüsterte der Käpten böse. „Und jetzt wird gebuddelt!“
Die Männer verteilten sich gehorsam unter den Bäumen und fingen an zu graben.

„Bist du sicher, dass er hier ist?“, fragte Stoppelkinn den Käpten und betrachtete argwöhnisch die Krater, die sie in den letzten Stunden in den Sand gesetzt hatten.
„Willst du behaupten, dass ich zu blöd bin eine Karte zu lesen?“
„Nein“, meinte Stoppelkinn verlegen. „Ich meine ja nur, dass es vielleicht ...“
„SOS Aurelia“, erklang plötzlich ein lautes Krächzen über ihnen und Rhabarber setzte zum Sturzflug an. „SOS Aurelia!“
„Das sagtest du bereits“, knurrte Rotstrumpf, als ihm der Vogel die Nachricht nun noch einmal direkt ins Ohr brüllte.
„Was will er uns denn damit sagen?“, fragte der Einäugige blöd.
„Keine Ahnung. Vermutlich spinnt die Vogelscheuche mal wieder rum.“ Hakenhand kratzte sich am Hintern. Wie immer, wenn er über etwas nachdachte. „Ist SOS nicht so was wie ein Notruf?“
„Woher soll ich das denn wissen?“, fragte Rotstrumpf aufgebracht.
„Idioten! Die Alte sinkt!“, schrie Rhabarber und schüttelte den Kopf.
„Seit wann kann denn ein Sch... – aua – singen?“ Hakenhands Ellenbogen hatte den Einäugigen wieder hart getroffen, als er erneut eines der verbotenen Wörter aussprechen wollte. Er rieb sich den Mund und überlegte dann laut weiter: „Vielleicht würden wir vermuten, dass sie singt, wenn wir mitten in einem St... – aua – an De... – aua – stünden oder wenn jemand versuchen würde uns zu ent... – AUA!“ Böse funkelte er Hakenhand an, der entschuldigend mit den Schultern zuckte.
„Sie singt nicht, sie geht unter, du verdämelte Hackfresse!“ krächzte der Papagei und schwenkte dabei die Flügel, dass es Federn regnete.
Wie vom Stier gestoßen rannten plötzlich alle zurück zum Strand. Selbst Holzbein-Joe.
Doch sie kamen zu spät. Von ihrer heißgeliebten Aurelia ragte nur noch die Bugspitze aus dem Wasser. Und am Horizont sahen sie eine grinsende Totenkopfflagge, mit dem Kennzeichen BB, davonsegeln.
„Dieser verdammte Black Berry!“, schrie Rotstrumpf aufgebracht, zerknüllte die Karte und warf sie in den Sand. „Der hat uns reingelegt.“
„Du meinst, er hat das Kreuz an der falschen Stelle gemacht?“, fragte der Einäugige. Hakenhands Ellenbogen landete wieder hart auf seiner geschwollenen Unterlippe, obwohl er diesmal gar keines der Wörter in den Mund nehmen wollte.
„Es gibt gar kein Gold“, sagte der Käpten böse. „Das war eine Falle. Er hat uns auf die Insel gelockt und nun sitzen wir hier fest.“
„Aber wir haben doch noch die Boote, mit denen wir an den Strand gerudert sind“, meinte der Einäugige stolz. Endlich konnte er auch mal etwas Sinnvolles beisteuern.
„Meinst du die da?“ Stoppelkinn blickte auf die zertrümmerten Holzbretter, die im Wasser trieben.
„Oh mein Gott“, schrie Rhabarber von oben. „Meuterei, Meuterei!“
Die Männer sahen sich verdutzt an.
„Wer will meutern?“, fragte der Käpten schließlich.
„Rhabarber, Rhabarber!“, krächzte der Vogel. „Ich bleib doch nicht mit euch Idioten hier auf der Insel!“
Er ließ noch einen letzten feuchten Abschiedsgruß von oben auf die Männer fallen und flatterte dann Kapitän Black Berry hinterher.

Schluss mit lustig

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Beitrag #5 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
Danke - aber das Lob muss ich sofort zurückgeben! Rhabarber ahoi!

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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Beitrag #6 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
@Lilith: Icon_lachtot

Der Wind blähte die Segel des Zweimasters und er nahm Geschwindigkeit auf. Sanft schlugen die Wellen gegen das Holz und trugen die Elster dem Horizont entgegen. Hamil stand an am Steuerrad und sah seiner Mannschaft zu, die das dreckige Holz schrubbte. Schon seit zwei Monden war er jetzt Kapitän des schnellsten Zweimasters, der unter der königlichen Flagge segelte. Es wunderte ihn, dass er noch immer das aufregende Kribbeln in der Magengrube spürte, wenn er mit ihr den Heimathafen verließ. Hamil hatte einen Auftrag erhalten, seinen ersten richtigen Auftrag, der ihn mehrere tausend Seemeilen von zu Hause fortbringen würde. Der Lagerraum war voll beladen mit wertvollen Gewürzen und er hoffte die schmackhaften Kleinode sicher an ihr Ziel bringen zu können.
Zuversichtlich und mit sich zufrieden schritt er auf der Elster auf und ab und beobachtete die Seemänner, die geübt ihr Tagewerk verrichteten. Seine Gedanken schweiften hinab in seinen Laderaum. Wieviel das seltene dunkle Salz wohl wert war? Welchen Preis musste man für den gelben Pfeffer bezahlen? Hamil hoffte seinen Auftraggeber nicht zu enttäuschen.
Der salzige Geruch des Meeres vermsichte sich in Hamils Nase mit dem Duft der Gewürze die sich unter ihm befanden. So riecht die Freiheit, wurde ihm klar. Sobald er die Fracht an Bish verkauft hätte, wäre er ein echter Freibeuter – ein Gesetzloser – der alle Neun Meere unsicher machen würde und der König würde seine Waren nie wieder sehen.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #7 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
Hallo ich grüße euch recht sakrisch aus dem oktoberfest-verseuchten München und möchte euch ein Erlebnis mit Piraten schildern, das tatsächlich fast so passiert ist. LG Porter Icon_wink

Da sind sie wieder, ich hatte es von Anfang an gewusst. Rabenschwarz, rostbraun und mit einer intensiv roten Tönung strahlten die geschmeidigen Körper zu meinem Beobachtungsplatz herüber. Noch sah es nicht so aus, als hätten sie es auf das Nest abgesehen, noch schienen sie mit dem Wind in den Ästen zu spielen. Die buschigen Schweife der drei Baumpiraten steuerten die schmalen Leiber bei den Sprungmanövern geschickt durch die Luft. Doch sie wussten von dem Gelege, da war ich mir absolut sicher. Und sie würden irgendwann angreifen, die harte Schale der zwei Eier mit ihren noch härteren Schneidezähnen aufmeißeln, den Inhalt in ihren hungrigen Mägen verschwinden lassen. Den letzten Angriff von Black Kong, wie ich den dunklen Kletterer auf Grund seiner Körpermaße getauft hatte, hatten die wehrhaften erwachsenen Elstern noch relativ mühelos abwehren können, aber da war er allein gewesen. Nun waren seine beiden Kumpanen, der geschmeidige Red Cat und der fidele Rusty Jumper mit von der Partie.

Wieder war ich innerlich zerrissen bei der Frage, ob ich nur beobachten und dem Lauf der Natur seinen Gang lassen oder mit meinem Blasrohr und den bereit gelegten Erbsengeschossen die Räuber vertreiben sollte. Ein bisschen unfair schien es mir schon zu sein; drei gegen zwei, aber ich gab den großen Vögeln eine gute Chance.

Die Mutter, Lady Dalmatina saß im Nest und versuchte, jede Bewegung ihrer Feinde zu erfassen, das schwarz-weiße Gefieder von Sir Parzival, dem Vater zischte von wilden Schreien begleitet ein ums andere Mal nahe an den Angreifern vorbei, allerdings ohne sie durch die nadelspitzen Blattenden der Fichtenzweige wirklich berühren, geschweige denn greifen zu können. Der große Kong war wieder der erste, der sich der leckeren Beute zuwandte, doch kurz vor dem Ziel war ein kurzes Stück Stamm zu überwinden, das keine Äste hatte und keinen Schutz bot und genau da erwischte ihn Parzival fast mit dem Schnabel. Der Schwarze trat den Rückzug an, sichtlich beeindruckt. Über den Rand des Nestes ragte der scharfe Schnabel von Dalmatina, Parzivals ausgebreitete Flügel ließen einen schnellen Angriff ahnen – und doch versuchte es Kong noch einmal. Wie erwartet rauschte der Elsternmann blitzschnell heran, der Schnabel reckte sich nach vorn und die starken Zangen seiner Füße waren bereit. Kong ließ sich sofort ein Stück des Stammes hinunterrutschen und biss zu. Der Schrei Parzivals ging mir mitten durchs Herz und was ich sah, konnte ich im ersten Moment nicht glauben. Ein Fuß des tapferen Verteidigers baumelte ab der Mitte scheinbar nur noch von ein wenig Fleisch oder der Haut gehalten leblos herab. Das war hart, mehr als ich ertragen konnte. Ich packte mein Blasrohr und die ersten beiden Erbsen und richtete meine Waffe auf die Stelle, wo das Nest vor wenigen Augenblicken noch gehangen hatte. Lady Dalmatina war vom Baum weggeflogen und schwang verzweifelt ihre Flügel. In den paar Sekunden, in der Sir Parzival und ich uns im Herzen für den letzten Kampf gerüstet hatten, war das schützende Nest von Cat und Jumper von unten aufgerissen worden. Das mühsam zusammengesetzte Gebilde hing vollkommen zerrissen ein paar Astkränze tiefer wie ein Trauertuch herab. Die zerbrochenen Eier lagen auf dem mit Gras bewachsenen Steinboden der Feuerwehreinfahrt meines Wohnblocks. Die Piraten hatten ihr Ziel erreicht und reiche Beute gemacht.

Lady Dalmatina war noch zwei oder drei Mal zu den Resten ihrer Kinderstube zurückgekehrt, als erwarte sie, alles wieder unversehrt vorzufinden. Doch ihre Hoffnung wurde enttäuscht. Einige Tage später erkannte ich Sir Parzival an seinem fehlenden Fuß. Er schien sein Handicap nicht besonders zu bemerken, sein Flug war majestätisch wie immer. Doch was dieses Erlebnis aus ihm und seiner Gefährtin gemacht hat, werde ich nie erfahren. Mir bleibt nur die Trauer, denn neben dem Verlust für die werdenden Eltern weiß ich auch, dass die Elstern wohl nie wieder in der geschützten Astgabel vor meinem Balkon brüten werden.


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Beitrag #8 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3
So, liebe Kreativlinge,

ein Monat ist um!
Was haben wir denn da
[Bild: schreib_1.gif]
... einen doppelten Kaperversuch von Sigurd Icon_wink, der sehr vergnüglich zu lesen ist
... Ladys Elster mit einer in wenigen Worten erzählten Geschichte mit einer hübschen Wende
... Lilith süße Reinfall-Geschichte mit einem grenzgenialen Meuterer
... und, tja, Porters bemerkenswerte Interpretation mit tragischer Note, die das Umgehen der Wörter schön einschloss.

Ich denke, ich überreiche den Wanderpokal an Porter, für seinen Einfallsreichtum - obwohl das wirklich eine sehr schwere Entscheidung war, fand ich.
[Bild: award_1.gif]

Applaus für alle Geschichten! *klatsch*

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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Beitrag #9 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3 (abgeschlossen)
Liebe Trin, liebe Piratinnen und Piraten,

herzlichen Dank für den Pokal! Icon_jump Ich freue mich riesig, dass meine fast-wahre Geschichte so gut gefallen hat.

Natürlich werde ich mir auch was Schönes für euch einfallen lassen. Also, bis bald Wave

Herzliche Grüße


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Beitrag #10 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 3 (abgeschlossen)
Na dann mal los Icon_smile

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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