Es ist: 03-10-2022, 23:07
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Google Streetview & die Literatur
Beitrag #11 |

RE: Google Streetview & die Literatur
Hmm ... Diese StreetView-Hysterie schlägt schon merkwürdige Wellen. Was mich wirklich interessieren würde, ist, was passiert wär', wenn ... sagen wir ... ein Konsortium von Universitäten aus aller Welt ein vergleichbares Projekt auf die Beine gestellt hätten. Bezahlt aus unseren Steuergeldern, die gleichen Bilder, die gleichen Möglichkeiten. Ich wette, die Leute hätten Beifall geklatscht.
Nur, weil jetzt Google auf die Idee gekommen ist, sucht man akribisch nach Knüppeln, die man dem bösen Internetgiganten zwischen die Beine schmeißen kann. Ich kann das gut verstehen, der Verein hat die unangenehme Angewohnheit, erst einmal zu machen und dann zu prüfen, ob das denn alles rechtens war. Und dann am Besten so, dass Rechtsordnungen jenseits der US-Grenzen in ihrer Bedeutung für vernachlässigbar gehalten werden. Mir schmeckt das nicht. In Hysterie ob meiner offenliegenden Persönlichkeit bei der Darstellung meiner Hausfassade im Internet verfalle ich deshalb aber nicht.
Und einmal ganz abgesehen davon: Wer protestiert denn gegen die Bilder privater Nutzer, die bei Google Maps angezeigt werden, wenn man das Häkchen bei "Fotos" setzt? Da wird auch nicht nur das eigene Haus eingestellt ...

Dass Google für die Literatur gefährlich ist, liegt aber an einem anderen Projekt - Google Books stürzt sich zwar bisher in erster Linie auf orphan works, also Bücher, bei denen die Rechteinhaberschaft ungeklärt ist, die möglicherweise sonst völlig verschwinden würden (insoweit ist das Projekt ja löblich), aber darüber hinaus finde ich es hochgradig fragwürdig, ob es in Ordnung ist, Bücher von A bis Z zu scannen, ein Texterkennungsprogramm drüberlaufen zu lassen und den ganzen Spaß frei ins Netz zu stellen - unabhängig davon, ob es noch einen kreativen Kopf dahinter gibt, der damit gerne seine Brötchen verdienen möchte. In den USA ist das leider in bestimmten Grenzen zulässig, sofern ich da richtig informiert bin. Und Google ist nicht doof genug, in Deutschland zu scannen ...

Grüße!
Lehrling

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Beitrag #12 |

RE: Google Streetview & die Literatur
[Off topic]
Ich weiß nicht, ob ihr den hier schon kennt: Street View Weltrekord. Ist schon etwas älter. Die Bilder von Google sind schon schön. Und das Fotografieren von Häusern ist ja nun soweit auch kein Problem.

In Bezug auf die Personen auf den Fotos würde mir es aber schon besser gefallen, wenn auf diesen Fotos keine Menschen eindeutig zuzuordnen wären. Das wird sich wahrscheinlich, aber nicht 100%ig umsetzen lassen.
Die Angst vor dem Konzern Google ist für mich allerdings sehr nachvollziehbar. Ein Konzern der es schafft über 2 Milliarden Gewinn zu machen, ohne großartig über Produkte zu verfügen, die man bezahlt, ist schon irgendwie komisch. Es ist kein Geheimnis, dass Google sein Geld hauptsächlich durch Werbung finanziert und das wiederum für die Werbenden qualitativ hochwertige möglichst stark verknüpfte Informationen von Wert sind.
Demnach kommt diese Angst nicht von ungefähr. Ob sich diese jedoch erfüllen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Eines ist auf jeden Fall sicher. Um Google kommt man nicht mehr drum herum...
[/Off topic]

In Sachen Gefahr für die Literatur - derjenige der sich an die Orte des jeweiligen Buches per Street View klicken muss, dürfte das Prinzip der Literatur nicht verstanden haben! Ob Literatur und Realität übereinstimmen, sollte doch wohl egal sein...


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Beitrag #13 |

RE: Google Streetview & die Literatur
Zitat:In Sachen Gefahr für die Literatur - derjenige der sich an die Orte des jeweiligen Buches per Street View klicken muss, dürfte das Prinzip der Literatur nicht verstanden haben! Ob Literatur und Realität übereinstimmen, sollte doch wohl egal sein...

Das sehe ich nicht so. Wenn ich ein Buch lese, und darin werden tatsächlich existierende Orte genannt, dann renne ich zwar auch nicht immer sofort zum Rechner und google das, aber gelegentlich schaue ich schon einmal auf eine Karte. Ich finde es nicht so abwegig, mir den Schauplatz einmal bei StreetView anzusehen. Das macht für mich aber eher einen ergänzenden Reiz aus, einmal zu sehen, inwieweit Literatur und Realität übereinstimmen. Denn wenn der Autor die Realität zum Vorbild nimmt, dann muss er sich auch daran messen lassen, finde ich.

Grüße!

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Beitrag #14 |

RE: Google Streetview & die Literatur
Ich finde Stefan Niggemeier hat recht. Den Text in der Welt habe ich überhaupt zu Ende gelesen, das war so ein Unsinn...

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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