Es ist: 21-10-2020, 22:27
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5 Wörter Teil 15 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

5 Wörter Teil 15 (abgeschlossen)
Sodele,
nach unverhofftem Sieg hier meine drei Wörter:

Blattwerk, Metamorphose und Ausrufzeichen (als Wort, bitte) ...

und Trinitys Rest:

Silbermorgen und Traum

Viel Spaß wünschen Trin und ich!

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #2 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Was für eine Wortwahl ... Mrgreen

Erst mal noch einen verspäteten Glückwunsch zum Sieg, Adsartha!

So, und nun rein ins Wortgetümmel. Als erstes zum Aufwärmen wieder eine Ein-Satz-Variante:


Wie das Ausrufezeichen in einem Traum erschien mir an diesem Silbermorgen die Metamorphose von diesem Blattwerk.

Nun aber genug der Spielereien. Hier mein richtiger Beitrag:

Bis zum Winter

Wie ein wütender Riese stiebte der Wind in das lose Blattwerk. Eine bunte Vielfalt tanzte in seinen Händen, bis er sie wieder losließ und das Laub sanft zurück auf den Boden schwebte.
„Es ist wie ein Traum“, flüsterte Liam und betrachtete den Park mit glänzenden Augen. Als er aufgewacht war, und diesen wunderschönen Silbermorgen gesehen hatte, musste er unbedingt nach draußen. Die Nacht hatte die Erde mit Raureif bedeckt, welcher in der aufgehenden Sonne friedlich schimmerte.
Ein untrügliches Zeichen, dass der Winter bevorstand, dachte Liam und wischte die Träne ab, die sich auf seiner heißen Wange verirrt hatte.
„Was machst du denn hier draußen?“ Die schrille Stimme der Schwester riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ich wollte nur ...“
„Du weißt ganz genau, dass du nicht raus darfst!“ Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn zurück in das graue Gebäude.
„Weißt du was eine Metamorphose ist?“, fragte er, als sie im Aufzug standen. Sein schwerer Atem, der draußen noch weiße Wolkenfetzen hinterlassen hatte blieb hier drinnen völlig unsichtbar.
„Natürlich weiß ich was eine Metamorphose ist! Wie kommst du denn jetzt darauf?“
„Warum muss sich alles verändern?“
„Weil die Natur nun mal so ist!“
Er nickte stumm. Als sie in der dritten Etage angekommen waren, ließ er sich schweigend in sein Zimmer führen. Er mochte Schwester Manuela nicht. Sie behandelte ihn immer wie einen Schwerverbrecher. Jeder Versuch, mit ihr zu reden, war schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie schien ständig schlechte Laune zu haben und ihre Sätze endeten meist mit einem Ausrufezeichen.
Nun saß er wieder in seinem Bett und starrte auf das Frühstück. Haferschleim.
Angeekelt wandte er sich ab und sein Blick wanderte sehnsüchtig zum Fenster. Er sah die Baumwipfel, die mit dem Wind spielten und er wünschte sich, er könnte sich ihnen anschließen. Sie könnten seine Freunde sein. Sie würden tanzen, singen und lachen.
Bis zum Winter.
Mit ihnen könnte er noch einmal glücklich sein.
War es nicht das, worauf ankam? Auch wenn es nur begrenzt sein sollte? Warum hielten sie ihn hier in diesem Zimmer gefangen, wenn er dort draußen die Chance hätte, noch ein wenig zu leben. Oder waren neun Jahre schon genug?
„... bis zum Winter“, hörte er wieder die Worte des Arztes, der im Sommer mit seinen Eltern gesprochen hatte. „Wir können nichts weiter tun.“
Liam schob sein Tablett beiseite und rutschte aus dem Bett. Langsam ging er zum Fenster und betrachtete wieder den Park, in seinem wunderschönen funkelnden Mantel. Die Scheibe fühlte sich wie Eis an unter seinen fiebrigen Händen.
Es war einfach nicht fair. Die Natur erwachte nach dem Winter wieder zum Leben. Doch für ihn würde dieser Winter der Letzte sein. Für ihn würde es kein neues Erwachen geben.
„Liam!“ hörte er plötzlich die panische Stimme seiner Mutter. Sie hob ihn von der Erde auf und trug ihn ins Bett zurück.
„Es wird Winter, Mama.“

Schluss mit lustig

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Beitrag #3 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Hallo Lilith,
ein sehr anrührender Text, sehr schön wie du auch die Worte eingearbeitet hast. Hat mir wirklich sehr gefallen. Icon_smile

LG
Adsartha

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Beitrag #4 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Zitat:Blattwerk, Metamorphose, Ausrufzeichen, Silbermorgen, Traum
Ähm, ja. Fragt mich nicht, was ich da fabriziert habe (Wie ist das so lang geworden?!).
Inspiration: Die Wörter und Liliths Geschichte, auch wenn meine nicht halb so gut ist. Famos, Lil', echt klasse!
Nehmt meine Geschichte aus dem Rennen, ich bin ja selbst nicht zufrieden damit - irgendwie ist das Ende voll unpassend o.O Tut mir leid!



Herbstblätter

Mama war unerbittlich und zog einen dicken Wollschal aus dem Korb im Flur. Marli kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und stapfte mit dem Fuß auf die Fliesen.
"Aber das Seidentuch ist viel bunter!", jammerte sie und schlang es sich trotzig um den Hals. Sie reckte Mama das Kinn entgegen und versuchte ebenso entschlossen auszusehen - wie bei den meisten Sachen war diese aber um ein Vielfaches überlegen.
"Es ist kalt, Marli", erklärte Mama streng. "Wenn du dir nicht den dicken Schal anziehst, wirst du schon wieder krank."
"Aber dieser ist viel bunter", beharrte Marli und strich es über den Brust glatt. "Das passt tausendmal besser zum Herbst."
"Marli, bitte - führ dich nicht auf wie ein Kleinkind!" Mama seufzte. "Du bist doch schon zehn und vernünftig."
Aber das Mädchen schob die Unterlippe vor und rührte sich nicht. Hinter dieser Fassade aus Trotz beobachtete sie aber, wie eine Veränderung mit Mama vorging. Diese richtete sich auf, die Miene wurde hart wie ein Felsen und sie verschränkte die Arme vor der Brust. Dies alles waren Anzeichen, die Marli kannte - und sie wusste auch mit beinahe hundertprozentiger Sicherheit, was nun folgen würde.
"Wenn du ihn", Mama wedelte ein bisschen mit dem verwaschen dunkelblauen Wollschal, "nicht anziehst, Marlena, darfst du nicht mit Oma, Opa und mir auf den Spaziergang!"
Marlena verzog das Gesicht. Mama hatte ihren ganzen Namen gesagt und das Ausrufezeichen hing beinahe greifbar zwischen ihnen. Wenn Marli jetzt noch trotzig blieb, würde Mama wirklich wütend werden und vielleicht auch Papa holen. Und vor allem dürfte Marli dann nicht mit in den Wassermann Park kommen - und vor allem allem würde sie dann nicht die Feen sehen können.
Feen waren immer draußen und immer waren welche im Park.
Mama nickte zufrieden, als das Mädchen sich den Schal griff und einfach zusätzlich umband. Sie reichte Marli auch einen dicken Mantel, den mit den Reflektoren daran, damit man sie immer sehen konnte.
"Kommt Papa auch mit?", fragte das Mädchen, während es sich die Schuhe zuband.
"Nein."
"Warum nicht?"
"Er hat zu tun", sagte Mama, und sie sagte es in einem Ton, der keine Nachfrage duldete. Marli schwieg, aber sie hätte gerne gefragt, warum Papa schon seit Tagen stets 'viel zu tun' hatte. Sie bekam ihn ja kaum noch zu Gesicht. Mama schien auch irgendeinem Gedanken nachzuhängen, sie stand mit steinerner Miene im Flur und drehte den Schlüssel zwischen ihren Fingern. Marli runzelte die Stirn - Mama war schon früher manchmal so gewesen, wenn sie sich Sorgen um etwas machte, aber in letzter Zeit häufte es sich ohne irgendeinen für Marli erkennbaren Grund.
"Ich gehe Oma und Opa holen", verkündete das Mädchen und lief den Flur hinunter zum Wohnzimmer. Mama merkte nicht einmal, dass Marli schon ihre Schuhe anhatte und polterte - zwei Dinge, wegen der sie sonst stets schimpfte, weil sie nicht dauernd putzen und sich bei den Nachbarn entschuldigen wollte.
Es ist seltsam geworden, dachte Marli. Umso besser, dass Oma und Opa da sind. Und dass wir in den Park gehen!

Im Park hatte sich viel verändert, seit sie das letzte Mal hier gewesen war. Die Bäumchen, die sie mit ihren Eltern zusammen bewundert hatte, waren ein gutes Stück in die Höhe geschossen und überall leuchtete buntes Blattwerk. Marli setzte direkt an der Kante des Weges Fuß vor Fuß und hüpfte über die neuen Laubhaufen, die ihr dabei im Weg lagen. Der Wind fegte sie langsam wie ein gutmütiger, alter Straßenputzer hin und her. Inmitten dieser Pracht liefen Opa, Oma und Mama, die Hände tief in den Taschen - oder, in Omas Fall, in einem Muff - vergraben und redeten mit diesen steinernen Mienen aufeinander ein, ohne einen Blick auf ihre Umgebung zu werfen. Marli schüttelte verständnislos den Kopf und fuhr während des Laufens mit dem Blick die Büsche und Bäume am Wegesrand ab. Ein Teil der Blätter lagen am Boden, jetzt konnten sich die Feen nicht mehr so gut verstecken! Marli ging langsam neben den Erwachsenen her und hielt wachsam Ausschau nach kleinen, bunten Persönchen mit Flügeln. Im Sommer hatte sie doch auch schon eine gefunden ...
"Marli", sagte Mama in diesem ernsten, frierenden Tonfall. "Geh doch ein Stück vor, ja? Ich möchte mit Oma und Opa über wichtige Sachen reden."
Marli nickte und hüpfte voran, wobei sie versuchte, die Ernsthaftigkeit so gut es ging auszublenden. Es war eigentlich nie gut, wenn Mama nicht fröhlich war.
"Aber lauf nicht zu weit weg, hörst du?", rief Mama ihr noch hinterher. "Ich möchte dich sehen können!"
"Ja doch!", rief Marli zurück und dachte: Wenn du mit Oma und Opa über wichtige Sachen redest, siehst du sowieso nicht zu mir.
Das Mädchen wollte sich nicht mit den Erwachsenen-Problemen beschäftigen, die sie nach Mama Meinung wohl nichts angingen. Sie wollte die Herbstluft genießen, durch den Park spazieren - und eine Fee finden. Vielleicht auch zwei. Oder noch mehr. Marli lächelte.
Wie wäre es wohl, wenn ich eine richtige Feenkönigin träfe?, fragte sie sich und hüpfte weiter, zu einer Reihe von halbkahlen Büschen. Sie hockte sich davor, in der festen Entschlossenheit, auf eine Fee zu warten.
Eine Minute später langweilte sie die Warterei bereits.
"Komm raus, Fee", flüsterte sie - um das Wesen nicht zu erschrecken. Ihr wurde auch langsam kalt, da half der Schal nicht viel. Vermutlich würde sie trotzdem krank werden.
"Also ist es auch egal", murmelte Marli und schob sich tiefer in die Büsche. Sie inspizierte einige Äste und befand, dass sich so nahe am Wegesrand sicher keine Feen versteckten.
Marli ging weiter - es war etwas Ähnliches wie Watscheln, denn sie war immer noch in der Hocke, um eine Fee gleich zu entdecken, wenn sie sich zeigte.
"Hallo", flüsterte Marli. "Komm raus, ich tu dir nichts."
Noch weiter hinein, nur ein paar Schritte. Da hörten die Büsche auf - aber gleich da vorne waren wieder welche. Marli watschelte eifrig weiter. Vor ihr erschien ein Busch, der im Frühling wohl sehr prächtig ausgesehen haben musste. Er war groß und beinahe rund - und bot ein ideales Versteck.
"Na, wenn ich eine Fee wäre, würde ich hier wohnen wollen", kicherte Marli und stellte sich vor, klein und schillernd zu sein.
"Von uns wohnt da keine", piepste da ein Stimmchen. Es kam aus einem der kleineren Büsche - dieser war eigentlich nur eine Ansammlung feiner Astgabeln - und gehörte zu einer winzigen Gestalt, die einen noch winzigeren Pinsel im Händchen hielt. Marli biss sich auf die Unterlippe und hielt ihr Gesicht ganz nahe an den Busch.
"Bist du eine Fee?", fragte das Mädchen neugierig.
"Lass sehen", seufzte das Wesen. "Zwei Flügel, rosige Haut, zierlich, klein - also, wenn du kein Riese bist, bin ich wohl eine Fee.
"Ich bin kein Riese", stellte Marli fest.
"Dachte ich es mir. Ich bin Saffa und für die Blätter zuständig." Die Fee hielt den Pinsel hoch und Marli konnte sehen, dass er mit Flecken gelber, grüner und roter Farbe bedeckt war. Mit der anderen Hand hielt Saffa eines der Blätter fest, dass es wie eine Staffelei vor ihr aufragte.
"Du allein?", fragte das Mädchen erstaunt. Die Fee war gerade so groß wie ihr Daumennagel - da konnte sie doch nicht all diese Blätter alleine angemalt haben ...
Saffa winkte mit dem Pinsel ab, wodurch ein paar Tröpfchen das Blatt sprenkelten.
"Oh", meinte sie und errötete leicht. "Du hast wohl Lilian schon gesehen. Sie ist in diese Saison meine Gehilfin, weil doch der Herr Graunebel nun befördert worden ist und somit ihr Bereich fast gänzlich wegfällt - Lilian ist für die winterlichen Silbermorgen zuständig."
Saffa hielt in ihrem Plaudern inne und sah Marli neugierig an.
"Du kennst doch solche Morgen, nicht wahr? Wenn der erste Glanz der Sonne eine dünne Schicht glitzernden Neuschnees streift ... Herrlich! Ja, sie ist eine wahre Künstlerin, wie soll da unsereins mithalten? Aber was soll man machen, ja - immer wie die Königin befiehlt, mein Kind! Dann heißt es immer 'Ja, Mutter Natur, habe verstanden, Mutter Natur, stets zu Diensten und mit Eifer, Mutter Natur!' - damit ja nur alles seinen Gang geht."
Marli kam gar nicht zu Wort - ihre Gedanken waren irgendwo in denen der Fee verloren gegangen.
"Echt?", fragte das Mädchen nun. "Ihr habt eine Königin?"
"Aber natürlich, mein Kind." Die Fee lächelte und strich wieder über das Blatt. "Wer regelt sonst alles? Den Herbst, der Winter - das ist schon mit Koordination anstrengend. Diese ganzen Metamorphosen! Da gibt es eine Menge zu tun - aber Ihre Majestät bekommen das schon hin."
"Wo ist sie?" Marli sah sich neugierig zu dem großen Busch um.
"Ach, so hier und da. Vielleicht streift sie in der Nähe herum und kontrolliert das Laub, was weiß ich? 'Ja, Mutter Natur, wie Ihr befehlt, ich werde mir den Park gleich heute vornehmen und ihn bis zum Abendgrauen fertig - große Güte!" Sie brach ab und schlug sich die Hand vor den Mund. Bei der kleinen Fee sah es aus wie eine Fliegenklatsche!
"Was ist denn?" Marli betrachtete das Blatt. "Sieht doch hübsch aus."
"So viel zu tun - da habe ich doch glatt Zeit verschwendet, mein Kind, tut mir leid - und so wenig Zeit!"
"Ich such die Königin", verkündete Marli. "Und vielleicht frag ich sie, ob sie dir nicht mehr Zeit gibt - das ist doch hektisch, wie du arbeiten musst! Laub wird so schnell bunt ..."
"Von wegen", murmelte die Fee und sah Marli nicht mehr an, strich nur rasch und rascher über das Blatt. Das Mädchen schüttelte den Kopf und sah auf. Die Luft war merklich grauer geworden, der Nachmittag flüchtete sich bereits in Abends Arme.
Vielleicht stecken da ja auch Feen dahinter.
Sie ging weiter - einfach geradeaus, obwohl da kein Weg führte. Aber welche Feenkönigin versteckte sich auch bei einem Weg!
"Mutter Natur?", rief Marli leise und schlug tief hängende Zweige aus dem Weg. "Mutter Natur?"
Marli ging um ein dichtes Geäst herum - und stand plötzlich wieder auf einem Weg. Es war irgendeiner - und nichts zu sehen von Oma, Opa und Mama.
Kein Wunder - dazu müsste ich ja wieder zurückgehen, dachte Marli. Kein Grund zur Panik. Erst einmal ist die Feenkönigin dran.
Vorsichtig - sie wollte nicht auf den Laubhaufen ausrutschen - hüpfte das Mädchen den Weg entlang. Grau war die Luft - aber bald mischte sich eine Art silberner Glanz hinzu, wie Marli fand.
"Mutter Natur?", rief sie wieder - und entdeckte eine Gestalt, die einige Meter vor ihr auf dem Weg stand. Aber es war nicht die Feenkönigin, sondern ein Mann. Er war in schwarze Sachen gekleidet und trug auch einen schwarzen Mantel - und irgendwie sah auch sein Gesicht dunkel aus, obwohl er weiße Haut hatte.
"Entschuldigung, ich suche die Feenkönigin", sagte Marli höflich, wenn auch ein bisschen befangen. Der Mann - lächelte. Es sah aus wie ein Lächeln, aber es strahlte etwas anderes aus. Marli war kurz und dran, einfach weiterzugehen, denn sie mochte diese Fremdartigkeit nicht. Es war, als sei dieser Mann ... na ja, er war fremd. Sehr fremd.
"Die kenne ich", sagte der Mann und Marli atmete auf. Er lächelte etwas breiter und war ihr gleich sympathischer.
"Wo ist sie denn?"
"Sie wohnt nicht weit von hier", antwortete der Mann. "Ich bin ... ihr Diener - sie wartet schon auf dich."
Der Mann lächelte. Er lächelte und zeigte seine Zähne dabei.
"Wir können gleich losgehen, ich bring dich hin."
Lächeln.
"Sie wohnt in einem Schloss in einem großen Traum, verstehst du?"
"Das ist was Besonderes", antwortete Marli, denn sie konnte es sich nicht vorstellen. "Wie kommt man in einen Traum?"
"Mit einem Geruch, mein Kind ..."
Marli nickte und sogleich roch sie etwas Süßliches - und es war etwas Besonders, wirklich. Die Kälte verschwand aus ihren Körper und es roch süßlich ... süß ...
Lächeln, ein Lächeln, das verschwamm ... und verschwand ...

"Marli?" Agnes Berger rief nach ihrer Tochter. Schon seit einer halben Stunde. Sie sah das Lächeln nicht und hatte nicht nach der Feenkönigin gesucht.
"Marli! Mar-le-na!"
Nach einem Traum schon eher - nach dem Traum vom sorgenfreien Leben, aber diesen Traum konnte sie nicht erreichen - nicht mehr.
"Marlena, komm sofort hierher, Liebes! O Gott, Marli!"
Sie hätte niemals den Traum mit dem Schloss erreicht.
Sie hätte das Chloroform erkannt.
"Marli!" Agnes sank schluchzend auf dem kalten Boden zusammen und würde später wahrscheinlich krank davon werden.
"Marli - mein Kind ..."
Später - viel später, als ein seltener Lilianscher Silbermorgen die Welt weckte - fand man inmitten der letzten, vertrockneten Herbstblätter ein Tuch.
Es war aus Seide und bunt.

Es hatte gut zum Herbst gepasst.

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #5 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Terve Adsartha und Trinity,

danke für das Lob. Freut mich, dass euch mein spontaner geistiger Erguss gefällt. Icon_smile

(16-10-2010, 23:08)Trinity of Chaos schrieb: Ähm, ja. Fragt mich nicht, was ich da fabriziert habe (Wie ist das so lang geworden?!).
Icon_lol
Du kannst ja nichts dafür, wenn sich die Geschichte einfach so frei entfaltet.

LG
Lilith

Schluss mit lustig

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Beitrag #6 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Hi Trin!
Ich weiß gar nicht, was Du hast. Ich mag die Geschichte. Nur das Ende hätte ich früher gesetzt, gleich hinter "und verschwand".
Das mit der Mutter ist dann zu melodramatisch, so als wolltest Du nochmal jedem zeigen, Ja, sie ist wirklich entführt worden.
Ansonsten hast du das Kind, die Fee und die Probleme der Eltern gut verpackt. Pro
Edit: Mag denn keiner der Neulinge sich einmal versuchen?
Nicht, dass ich etwas gegen die älteren Gesichter habe, aber etwas mehr Konkurrenz belebt den Geist. Icon_wink

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Beitrag #7 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Oh danke. Mir gefällt Melodramatik *grins* Und ich wollte noch einmal den Schal als Motiv aufgreifen, aber ansonsten hast du recht ...

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
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Beitrag #8 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Die Worte waren mal wieder eine Herausforderung. Nagut, immerhin ist mir spontan noch was eingefallen ...

Seufzend stand sie am Fenster und betrachtete sich den erwachenden Morgen. Das Blattwerk der Bäume hatte sich golden verfärbt. Einstmals saftig grün, nun alterschwach braun und gelb geworden. Ein Hauch von Nebel lag noch zwischen den Stämmen der Bäume, besprenkelte die Welt mit silberner Farbe. Silbermorgen, dachte sie und konnte nicht dem Impuls widerstehen, dieses plötzlich erschienene, wunderschöne Wort auf Papier zu bannen. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegte sie sich durch ihr halbdunkles Schlafzimmer und setzte sich auf die Bettkante, um im Nachttisch nach Stift und Papier zu suchen. Mit ungelenken Buchstaben, die nur sie würde später entziffern können, bannte sie das Wort auf das Stück Papier. S-I-L-B-E-R-M-O-R-G-E-N. Ihr war, als ob plötzlich eine Veränderung in ihr stattfinden würde - eine Metamorphose. Sie fühlte sich seltsam leicht. Erleichtert. Sie hatte diesen Moment, der nur ihr allein gehörte, in diesem einzigen Wort gefangen, auf Papier gebannt. Konserviert, festgehalten. Sie schloss die Augen und genoss dieses Gefühl der Macht. Um dieser Macht Ausdruck zu verleihen – um sie zu demonstrieren, setzte sie ein Ausrufezeichen hinter das Wort. Dann verstaute sie Papier und Stift wieder in der Schublade und begann sich anzuziehen.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #9 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Blattwerk / Metamorphose / Ausrufezeichen / Silbermorgen / Traum

Polets Traum in Prosaisch Blau
Ein Dialog

Polet
Also, ich kam Zuhause an nach dem Leichenschmaus, der in der Wirtschaft
an der Ecke meiner Straße geendet hatte, und aß Thunfisch aus der Dose.
Dann legte ich mich hin und schlief ein.

Therapeut
Kommen Sie zum Thema!

Polet
Ein Hirt’ blafft
mich an, als hieße er Hundt, so begann der Traum, so als Metamorphose
eines Wollpullizüchters -wenn ich so sagen darf- der zum Ritter mutierte,
Sie wissen schon, mit Rüstung und Schwert und Morgenstern.

Therapeut
Moment! Soll das heißen, dass er Gedichte rezitierte?

Polet
Nein, mehr in Richtung Karl May. Die Poesie lag ihm fern.
Dann nahm er den Helm ab, was soll ich sagen, er hatte ein Pferdegesicht.
Er blähte die Nüstern, rollte die Augen, ja, was irgendwie schon komisch war-

Therapeut
Sie sagten doch Alptraum, nicht wahr? Oder sagten Sie’s nicht?

Polet
Doch, doch. Ich meine, es sah komisch aus, doch es war mies, unberechenbar.
Seine Zähne standen kreuz und quer im Maul, die Mähne war wie Blattwerk zerweht,
und am Schwert klebte Blut in verschiedenen Farben und der Helm war verbeult,
und als er wiehernd die Fäuste nach oben riss...ja, da hab’ ich mich wohl umgedreht,
also im Schlaf, Sie verstehen? Jedenfalls war er weg. Dann hat ein Kind geheult,
weil es die Hosen voll hatte.

Therapeut
Interessant. Sind Sie sicher?

Polet
Ich konnt’s im Traum sogar riechen.
Eine einäugige Frau erschien und wollte dem Balg eine Flasche reichen.

Therapeut
Was für eine Flasche?

Polet
Das konnt ich nicht seh’n. Aber diese Frau begann zu kriechen,
ja, und das Kind das spuckte nur !!!!!!!!!!!!!!!!!
Therapeut
Wie? Was?

Polet
Naja, das Kind...äh...erbrach sozusagen...Ausrufezeichen.

Therapeut
Ausrufezeichen? – Moment, das muss ich mir jetzt aber notieren.
‚Kotzt !’. Herr Polet, das ist wirklich was Neues, da liegt etwas verborgen!
So, als müssten Sie Ihrer Mutter etwas sagen.

Polet
„Sie soll im Grab nicht frieren.“

Therapeut
Gut, die Zeit ist um. Wir sehen uns am nächsten Silbermorgen!


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Beitrag #10 |

RE: 5 Wörter Teil 15
Hallo Ihrse!
Da hab ich nun letzte Woche jeden Tag geguckt, wann die Zeit ran ist, den Sieger zu küren, diese Woche habe ich es vergessen. Asche auf mein Haupt.
Also die Konkurrenz war ja nicht so groß, trotzdem sehr divers. Von sterbenden Kindern, Entführungen, Therapeuten und kleinen Künstlern war alles dabei.
Gewonnen hat für mich Liliths Werk:
Es war anrührend, gut ausgeführt und mit einer unterschwelligen Dramatik.

Trins Werk war auch sehr schön, doch für meinen Geschmack etwas zu In your face! (Versteht jemand, was ich meine?), Ladys kleiner Text konnte mich nicht überzeugen, weil irgendwie das Besondere fehlte, letztendlich war es nur eine kleine Morgenszene (Sorry, Lady.) polets Ansatz war sehr interessant, aber den Zugang bzw. die Bedeutung blieb mir verschlossen. (Auch dafür Sorry.).
Ich hoffe, ihr konntet meine Entscheidung nachvollziehen und damit gebe ich ab an Lil, die ja eigentlich inspiriert werden wollte und nun selbst inspirieren muss. *g*

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
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