Es ist: 26-10-2020, 05:42
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5 Wörter Teil 16 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

5 Wörter Teil 16 (abgeschlossen)
Terve zusammen,

die neuen Wörter sind:

Zahnstocher, Bungeeseil, Klemmbrett, anhimmeln, Karamellsirup

Vielleicht haben ein paar Neuankömmlinge auch Lust mitzumachen. Die Spielregeln könnt ihr hier nachlesen.

Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Write

LG
Lilith

Schluss mit lustig

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Beitrag #2 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Glückwunsch zum Sieg, Lilith!

Dann will ich mich mal versuchen ...


Feuerprobe

Der Wind orgelte ewig über Truce City und trieb Staubherden über die Straßen. Eine vertrocknete Pflanze kegelte rasch zwischen die Holzhäuser, aber ansonsten bewegte sich kaum etwas. Nur ein halb abgebrochener Fensterladen klapperte leise vor sich hin und vor dem Saloon döste ein Maulesel, neben der Tränke angebunden. Die sich höher und höher schwingende Sonne drückte die Stille tief in die staubigen Straßen ...
Unsichtbare Gestalten, sie schienen überall zu sein, drückten sich tief in die Schattenstellen, um bloß nicht gesehen zu werden.
Die kleine Stadt schien wie vom Winde leergefegt und musste jedem, der die Hauptstraße zum Saloon heraufkam, verlassen vorkommen. Wenn jemand kam ...
Die Spannung wuchs unter den Unsichtbaren. Wer wusste, dass sie da waren, konnte ahnen, dass ihre Regungslosigkeit kaum noch haltbar war - es musste etwas passieren, jetzt!
Dumpfe Schritte im Staub der Straße - das "Welcome to Truce City"-Schild ignorierend ritt eine Gestalt heran. Unter der breiten Hutkrempe strich der prüfende Blick eines Mannes, der Bescheid wusste, über die scheinbare Leere. Das Gesicht blieb im Schatten verborgen, aber die unverdeckt getragenen Pistolen und die offensichtliche Abnutzung der Halfter reichten aus, um stets einen großen Abstand zu ihm haben zu wollen. Vor der Tränke blieb das Pferd stehen. Langsam schwang sich der Fremde aus dem Sattel und hielt eine Hand dabei auffällig nahe am Holster, während sein Blick weiterhin kritisch über die Umgebung streifte. Als er dabei zu dem klappernden Fensterladen aufsah, glänzten die Schweißperlen auf seinem Kinn in der Sonne.
Die Unsichtbaren waren still wie Wüstenmäuse und pressten sich besorgt in ihre Deckung ...
Der Fremde spuckte aus und stelzte mit klirrenden Sporen zur Mitte der Straße.
"Komm raus, Sheriff!", schrie er und lachte heiser. "Stell dich dem, den du jagen wolltest!"
Aus dem Saloon kamen Geräusche des Stolperns. Ein dicklicher Kerl mit Tränensäcken erschien und fiel vor dem Gebäude, offensichtlich geschubst, in den Staub. Seine Augen waren glasig und er nicht bei klarem Verstand. Der Sheriffstern wirkte wie eine Parodie auf seiner schäbigen Weste.
"Es wäre keine Leistung, ihn zu erschießen", knurrte da eine Stimme aus dem Saloon. Durch die Tür trat langsam ein weiterer Mann, angetan mit einem Poncho und der Sicherheit eines Helden. Während er redete, tanzte der Zahnstocher zwischen seinen Lippen. Der Fremde besah sich misstrauisch die Narbe, die sich quer über das Gesicht des anderen zog.
"Willst du dich etwa mit mir anlegen?" Es klang eher ärgerlich als belustigt, auch wenn es so hätte rüberkommen sollen.
Die Hitze schwoll an und umwob die Zeit, bis diese zähflüssig wie Karamellsirup vorantroff. Die Unsichtbaren beobachteten das Geschehen genau, wussten, was passieren würde ...
"Nein", antwortete das Narbengesicht. "Ich will den Westen von dir erlösen, Wild Rico ..."
Die Zeit schien still zu stehen, erlag dem Einfluss der Spannung, in der die Männer verharrten - bereit, ihre Pistolen zu zücken. In nur zwei Sekunden würde einer im Staub liegen und ...
"CUT!"
Eine dickliche, schwitzende Gestalt trippelte eiligen Schrittes aus dem Schatten, gefolgt von einer dürren, langen mit Klemmbrett und gezücktem Stift. Die Westernhelden richteten sich auf, als der Regiesseur zwischen ihnen ankam. Das Hemd spann sich merklich über seinem Bauch und von der Glatze tropfe der Schweiß, aber auf seinen Lippen lag ein zufriedenes Grinsen.
"Das war wirklich superb", schwärmte er mit nasaler Stimme. "Ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe! Wild Rico - der berühmte Ganove, der das arme Städtchen unsicher macht, und dann du, Blonder!" Er drehte sich zu dem Narbengesicht um, um ihm einen strahlenden Blick zuzuwerfen.
"Ein Traum! Unerschrocken, mutig, der einsame Koyote mit Nerven wie Bangeeseilen - die Mädchen werden euch anhimmeln!"
Er grinste - und schnippte.
"Komm, Margy, schreib mit!", befahl er der Dürren mit Klemmbrett scharf und zog abschätzig die Augenbraue hoch. "Dieser Esel muss weg - er stört die Harmonie des Bildes! Und der Sheriff, mit Verlaub -" Der besagte Schauspieler hatte sich ebenfalls wieder aufgerichtet und harrte dem Urteil, das sich wie eine Flut von Beschimpfungen über dem Setting ergoss.
"Okay, okay", schloss der Dicke. "Machen wir es einfach nochmal!"
Die Unsichtbaren zogen sich innerlich stöhnend wieder zurück. Es war nicht der angenehmste Drehort und die Hitze dehnte die Dreharbeiten ins Unendliche. Und dann dieses blöde Gebläse!

Der Wind orgelte ewig über Truce City und trieb Staubherden über die Straßen ...

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #3 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Mir scheint, das hier alle in Winterschlaf gefallen sind. Nicht zu fassen.

Nun, damit Trins schöne Geschichte von Truce City hier nicht so alleine vor sich hinstaubt, setzt ich einfach mal meine dazu und hoffe, dass noch ein paar mehr zusammen kommen. Ist ja noch ein bisschen Zeit. Also traut euch ruhig, die Wörter beißen nicht. Hoffe ich zumindest.
Mrgreen

Der Zahnstocher musste das Bungeeseil einfach anhimmeln, denn es war für ihn genauso faszinierend, wie getrockneter Karamellsirup auf einem Klemmbrett.

Spurensuche

„Sieh dir das an“, sagte ich ergriffen, und blinzelte in die Morgensonne, die soeben glänzend hinter den Wolken hervorbrach. „Als hätte jemand Karamellsirup über dem Canyon verschüttet.“
„Was?“ Joey kratzte sich über seine schwarzen Bartstoppeln und blickte uninteressiert in der Gegend herum.
„Die Berge!“
„Haben sie sich bewegt?“
Ich verdrehte genervt die Augen. „Siehst du denn nicht, wie wunderschön sie aussehen?“
„Das sind Berge, keine Rockstars, also hör auf diese scheiß Hügel anzuhimmeln!“
„Du kannst gar nicht mein Bruder sein“, antwortete ich bitter.
Nick, Joeys bester Freund, kam gähnend aus dem Zelt gekrochen. Mit seinen blonden Haaren, die ihm in alle Richtungen wie Zahnstocher vom Kopf abstanden sah er aus, als wäre er soeben mit einem Bungeeseil durch einen Hurrikan gehopst.
„Auch schon wach?“, fragte Joey ihn grinsend.
„Nicht wirklich.“ Nick zog sich ein schwarzes Shirt über und goss sich Kaffee in einen der Becher.
Mir kamen immer mehr Zweifel, ob es richtig war, diese beiden Irren auf dieser wahnwitzigen Expedition zu begleiten. Die Alternative dazu wäre gewesen, die ganzen Ferien zu Hause zu hocken. Also war in Anbetracht der vorprogrammierten häuslichen Langeweile ein kleines Abenteuer mit zwei durchgeknallten Typen wohl doch die bessere Wahl.
Oder auch nicht.
Nach dem spärlichen Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und setzten unseren Marsch durch die karge Landschaft fort und nach einer gefühlten Ewigkeit blieb Joey endlich stehen.
„Das ist er“, sagte er ehrfurchtsvoll.
Nachdem wir noch knapp eine Stunde fluchend das Äußere des Berges absuchten, entdeckten wir endlich einen schmalen Felsspalt, durch den wir uns mit unseren Rucksäcken ins Innere quetschten. Joey, der vorausging, schaltete seine Taschenlampe ein.
„Seid ihr bereit?“, fragte er und die delligen Felswände warfen seine Stimme verzerrt wieder zurück.
„Klar“, piepste ich und wäre am liebsten wieder rückwärts rausgegangen. Aber Nick, der hinter mir stand, drückte mich an den Schultern vorwärts.
„Mach dir mal nicht ins Hemd, Kleine“, flüsterte er in mein Ohr und ich bekam eine Gänsehaut.
Joey fing an zu lachen. „Ich glaube, meine Schwester hat jetzt schon die Hose voll.“
„Wer kommt auch auf die blöde Idee, mitten im Canyon eine Höhlenmalerei von einem Wahnsinnigen anzusehen?“, antwortete ich gehässig.
„Geniale Geister, wie wir“, meinte Joey belustigt.
„Ja, sehr witzig.“
Nick holte die Videokamera aus seinem Rucksack und schaltete sie ein.
„Na dann los.“
Wir folgten dem schmalen Gang, der uns letztendlich in eine große Höhle führte. Sie war mit größeren und kleineren Felsen versetzt und es hing ein staubiger Modergeruch darin, der penetrant in meine Nase kroch.
Das war sie also. Die Höhle, in der ein Serienkiller vor zweihundert Jahren seine Taten in einem kunstvollen Wandbild verewigt haben sollte.
Nick und Joey hatten bei Ebay für satte 348 Euro eine Schatzkarte ersteigert, die uns nun bis hierher geführt hatte. Für mich war das einfach nur bekloppt, aber für die beiden, die so sehr von Serienmördern besessen waren, war das die Sensation. Sie hatten zwar noch nie vorher von diesem Mörder namens Samuel gehört, aber sie waren fest davon überzeugt, dass es ihn gegeben hat und dass sie nun die Gelegenheit hatten, etwas Einzigartiges zu entdecken.
Die Jungs liefen in verschiedenen Richtungen an den Wänden entlang und suchten im Schein ihrer Taschenlampen die Malerei. Ich blieb dicht bei Nick. Er war kräftiger und im Falle eines überraschenden Angriffs, stand mit ihm die Chance auf Überleben wohl höher.
„Was zur Hölle ist das denn?“ drang Joeys unheimliche Stimme zu uns. Er war stehen geblieben und blickte die Wand an. Anscheinend hatte er gefunden, was er suchte. Aber glücklich hörte er sich nicht gerade an.
Nick und ich gingen zu ihm und sahen, worauf er die ganze Zeit starrte. Es war eine Zeichnung, nicht viel größer als ein Din A2 Poster, von zwei Strichmännchen. Es sah aus, wie von einem vierjährigen Kind gemalt. Ich erkannte, dass eines der Männchen seine Strichhände am Hals des anderen hatte.
„Tolle Höhlenmalerei“, kicherte ich und erntete eine bösen Blick von Joey.
Der Schein meiner Taschenlampe fiel auf ein Klemmbrett, das ein paar Schritte weiter mit einem rostigen Nagel in der Felswand befestigt war. Auf dem welligen Zettel, der daran hing, stand in krakeligen Buchstaben:

Vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Kunstwerk. Ich würde mich über eine Bewertung, wie es Ihnen gefallen hat, sehr freuen. Bitte tragen Sie dazu Ihren Namen in die Liste ein und kleben daneben die beigefügten Sterneaufkleber (1-5). Wenn Sie möchten, dürfen Sie noch ein kurzes Fazit abgeben. Aber nicht zu lang, meine Zeit ist knapp.
Vielen Dank.

Ihr Serienmörder Samuel

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Beitrag #4 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Noch sieben Tage! Wait

Schüttelt für ein paar Minuten den Weihnachtsstress ab, macht es euch mit einem heißen Kakao, Kaffee, Tee oder Cappuccino und ein paar Plätzchen gemütlich und lasst euch von den fünf Wörtern zu einer kleinen Geschichte oder einem Gedicht inspirieren.
Write

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Beitrag #5 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Puh, gerade noch so geschafft. Mrgreen

Die Feder zeichnete kleine Buchstaben auf das abgenutzte Pergament. Nino wusste, dass es seinem Meister nicht gefallen würde, wenn er dieses Gekritzel sehen würde. Verzweifelt ließ er noch einmal die Augen über das Klemmbrett wandern, auf dem er alles notiert hatte, was Meister Dobar haben wollte: Zahnstocher, Marmelade, eine Schaufel, Gummiringe, Karamellsirup und ein Bungeeseil. Für was zum Teufel braucht er ein Bungeeseil? fragte sich Nino. Das sein Meister Karamellsirup liebte und jeden Morgen zum Frühstück verwendete wusste er. Aber was er mit diesem Seil wollte, konnte sich Nino beim besten Willen nicht erklären.
Noch einmal überprüfte er, ob er auch alles richtig aufgeschrieben hatte. Meister Dobar konnte pingelig sein, wenn es um solche Dinge ging. Bevor Nino die freigewordene Stelle zum Zaubereranwärter angenommen hatte, hatte er nur gutes über Meister Dobar gehört. Ja, er hatte ihn geradezu angehimmelt. Das war auch heute noch so, aber nach drei Jahren Anwärterdasein wusste Nino, dass sein Meister wunderlich sein konnte. Wunderlich und zerstreut. Aber Nino wusste auch, dass dies die Eigenschaften eines Genies waren. Daran zweifelte er nicht, doch er fragte sich warum er noch immer nur ein Anwärter war. Vielleicht musste er selbst auch wunderlich und zerstreut werden, bevor ihm der Aufstieg zum Lehrling gelang. Seufzend rollte Nino sorgfälltig das Pergament zusammen und machte sich auf den Weg. Er nahm sich vor das Bungeeseil einfach zu vergessen, um möglichst wunderlich und zerstreut zu wirken.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #6 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Rechtzeitig? Hoffentlich!
Glücksmomente

"Wer ist der erste?" Kurt schaute zu den Wartenden hinüber. Die meisten blickten zu Boden und lenkten sich sonst irgendwie ab. Der eine kaute auf einem Zahnstocher herum, ein anderer nestelte an seinen Klamotten, ein dritter brachte mit übermäßig lauter Stimme seinen Mitstreitern zur Kenntnis, was er schon alles an Abenteuern bestanden hatte. Dadurch fiel ihm eine junge Frau auf, die ganz ruhig mittendrin stand. Sie war blond, etwa einsiebzig groß und brachte wohl das ein oder andere Pfund zuviel auf die Waage. Sie wirkte jedoch nicht wirklich übergewichtig, es ging etwas Kraftvolles von ihr aus, eine Kraft die nichts mit ihrem Körper zu tun hatte, sondern irgendwie aus ihr heraus zu leuchten schien.
Kurt betrachte sie genauer und erschrak, als sie einen Blick ihrer tiefbraunen Augen zu ihm sandte. Trotzdem konnte er nicht wegschauen. Diese Augen schienen ihm wie aus einer anderen Welt und für einen Moment fühlte er sich in diese Welt hineingezogen, als gäbe es nur noch sie und ihn.
"Hey Kumpel! Ich bin der erste." Der Sprücheklopfer von eben zupfte an Kurts Klemmbrett und überwand mit zwinkernder Zuversicht die Blickstrecke von seinen einsfünfundsechzig auf die einsneunzig seines Gegenüber.
Kurt hob sein Klemmbrett und griff nach dem Bleistift, der an einem dünnen Draht daran hing.
"Das freut mich, Herr …?"
"Wessing, Friedolin Wessing."
"Herr Wessing, ah, ja, hier. Sie haben die Eins! Gehen Sie doch bitte schon weiter zu meinem Kollegen, der wird Sie einweisen." Der Mann nickte und schritt hoch erhobenen Hauptes zum Kran hinüber, der die Bungee-Plattform auf seinem Arm trug und sie in achtzehn Meter Höhe schieben sollte. Das Seil lag zusammengerollt darauf und wartete entspannt auf die Protagonisten dieses nachmittäglichen Schauspiels.
Kurt lächelte in Gedanken. 'Wessing. Ein Mann, ein Held!'
Die seltsame Frau zwängte sich in seinem Kopf in dieses Wortspiel und Kurt suchte erneut ihren Blick. Doch sie war verschwunden. Seine Augen musterten jeden der Umstehenden, doch nirgends kam dieses unglaubliche Braun ihrer Augen in sein Blickfeld.
Für einen Augenblick wollte er sie suchen, doch jetzt war erst der Job zu erledigen. Er wurde wieder ganz zum Profi.
"Nun,", rief er in die Runde, "der Anfang ist gemacht, bei wem darf ich die Zwei dahinter schreiben?"
"Bei mir." Nur gehaucht, aber klar verständlich, scheinbar auch für die anderen, die abdrehten und damit klaglos akzeptierten, dass sich die Frau mit den unheimlich braunen Augen nach vorne drängte.
Kurt traf es wie ein Blitz. Sie war noch da und nicht irgendwo, sondern hier, direkt neben ihm! Und sie schien ihn regelrecht anzuhimmeln, berührte ihn mit den Händen, strich mit einer lasziven Bewegung des Fingers über ihre Lippen und von dort auf die Liste.
"Dort! Ich springe nach dem guten Friedolin."
Im Weggehen glitt ihre linke Hand über seinen Arm. "Ich hoffe, du kommst auch."
Ihm wurde so heiß, dass er unwillkürlich den Reißverschluss seiner Jacke aufzog, um etwas von der kühlen Herbstluft abzubekommen.
"Mein Kollege wird Sie …" Er brach ab, denn Sie war schon halb dort, wohin er sie schicken wollte. Es schien jetzt mit einem Mal kühler zu werden.
'Was war das?', überlegte er. 'Sie hat mich regelrecht angemacht. Diese Frau … mich!'
"Und dann verschwindet sie einfach!", setzte er laut und ein wenig wütend hinzu. 'Peinlich.' Kurt sah sich betreten um. Doch kein Mensch hatte Notiz von seiner unvermittelten Aussage genommen. Er schüttelte das Gefühl ab und konzentrierte sich. Er legte nun die Reihenfolge einfach fest, womit keiner der Kunden Probleme zu haben schien.

Friedolin Wessing hatte der Mut verlassen, endgültig. Seine Vermutung, dass er es als erster auch am schnellsten hinter sich bringen konnte, stimmte zwar, doch es fiel ihm viel schwerer als gedacht. Seine Kniee zitterten, er vermochte nicht zu sprechen. Er stand achtzehn Meter über dem Boden mit angelegtem Bungeeseil und wünschte sich wieder auf festen Grund. Kurz schaute er über die Schulter, wo Hermann Messler ihn noch am Hosenbund festhielt und ihm etwas erzählte, das er nicht aufnehmen konnte.

Da meldete sich in seinem Kopf eine Stimme. Sie flüsterte ihm Mut zu, sie löste ihn von all seinen Ängsten, so dass er nicht bemerkte, dass Hermann es aufgegeben hatte, ihn zu erreichen und die Bänder an seinen Füßen zu lösen begann. Es interessierte ihn auch nicht die Bohne, dass das kleine Sperrgitter der Plattform wieder geschlossen war.
"Es ist soweit, spring! Es wird schön, mein Held!"
'Diese Stimme!', dachte er. 'So weich, so sanft, so sinnlich. Ja, es wird schön!'
Eine leichte Berührung an seinem Rücken ließ ihn schließlich handeln. Ohne zu zögern riss er die Sperre auf und kippte mit weit ausgebreiteten Armen nach vorne. Herrmann hatte gerade das Zeichen gegeben, die Plattform wieder zu senken. Er war zu überrascht, um noch eingreifen zu können. Noch überraschter war er allerdings, als das vermeintliche Unfallopfer ein lautes "Juhu!" ausstieß, als sich seine Füße von der Plattform lösten. Wenige Sekunden später schlug sein Körper auf den Boden.

"Er muss sofort tot gewesen sein." Kurt teilte die Einschätzung des Polizeiarztes. In der Stunde, die seit dem Absturz vergangen war, hatte er sich immer wieder nach der Frau mit den braunen Augen umgesehen. Er musste sie finden. Schließlich wandte er sich an Herrmann, der mit hängendem Kopf in der Nähe des Krans auf dem Boden saß. Seine Ellbogen drückten sich in die aufgestellten Knie und die Hände waren im Nacken gefaltet. Kurt kam heran und meinte, ein leichtes Zucken im Oberkörper des Kollegen und Freundes gesehen zu haben.
"Du weinst?", fragte er ihn. "Du kannst doch nichts dafür! Diese Frau hat ihn doch hinuntergestoßen!"
"Frau? Welche Frau?"
"Die mit euch hochgefahren ist." Herrmann sah ihn an, als hätte er Karamelsirup mit Salz getrunken.
"Da war keine Frau. Wir waren da oben allein. Die Plattform ist ja gerade groß genug für zwei! Wo sollte sie also gewesen sein?"
Kurt sah mit offenem Mund von seinem Freund zur Plattform hinüber und wieder zurück. "Aber ich habe es doch …" Er riss sein Klemmbrett hoch. Fieberhaft ging er die Namen durch. Wie hatte sie noch geheißen? "Mona, ja! Mona Dämmer!" Doch der Name war nirgends zu finden.


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Beitrag #7 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Letzte Chance ...

wer sich noch beteiligen möchte, hat noch Zeit bis heute 00.00 Uhr! Danach ist Einsendeschluss! Mrgreen
Die Auswertung erfolgt dann morgen.

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Beitrag #8 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Zeit für die Auflösung!

Kurze Zusammenfassung:

Trins „Feuerprobe“, eine Geschichte von zwei Revolverhelden, die sich letztendlich als Filmdreh entpuppte.

Ladys „Puh, gerade noch so geschafft“ (merkwürdiger Titel *g*), eine Geschichte von einem Anwärter, der durch eine geniale Idee nun hoffentlich auf dem besten Weg zum Zauberlehrling ist.

Porters „Glücksmomente“, ein feiner kleiner Mystery-Krimi mit überraschendem Ende.

Die Wahl ist mir wirklich nicht leicht gefallen, da mir alle drei Geschichten wirklich gut gefallen haben. Aber leider kann nur einer gewinnen und letztendlich hat mir Trins Geschichte doch am besten gefallen. Gleich am Anfang war ich durch die schönen Beschreibungen gefangen, die eine richtige Western-Atmosphäre erzeugten. Dass es sich dabei nur um einen Fildreh handelt, fand ich eine gelungene Idee.
PS: Ich freue mich schon auf den Film. Mrgreen

Also: Herzlichen Glückwunsch zum Sieg, Trinity!

LG
Lilith

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Beitrag #9 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Trinity for President, Trinity auf Briefmarke!!!

Herzlichen Glückwunsch!

Porter


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Beitrag #10 |

RE: 5 Wörter Teil 16
Auf Briefmarke? Aber erst, wenn ich an der PKA teilnehme *g*

Danke sehr, Lilith! Ich mache mich gleich auf die gedanklichen Socken für ein neues "Fünf Wörter" ...

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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