Es ist: 29-03-2020, 00:07
Es ist: 29-03-2020, 00:07 Hallo, Gast! (Registrieren)

Aktuell befinden wir uns im Umbau. Sollte also etwas seltsam aussehen, sind wir gerade bei der Arbeit und strukturieren die Foren neu :)

Eisheil
Beitrag #1 |

Eisheil


Die Stufen enden unten wieder.
Die Pracht der Sterne ist nur Show.
Überall ist Nirgendwo. – Bieder
säuft ein Mann sich warm.

Die Unentwegten lauschen Winden.
Betrachten Schlote und den Rauch.
Stille spricht aus jedem Hauch. – Linden
steh’n in Reih’ und Glied.

Ein Mann versäuft den Restverstand. –

Geschmolz’ner Schnee zerspült doch kaum
die Spuren, die nach unten führen.

Heillos sucht ein Mann nach Türen.





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Beitrag #2 |

RE: Eisheil

Ha, ich wusste doch, dass ich das Gedicht irgendwo gesehen hatte. In dem Moment bin ich nicht dazu gekommen, dir einen Kommentar dazu zu schreiben, dies will ich nun ändern, poLet.

Den Titel finde ich bereits sehr ansprechend, er hat für mich etwas Winterliches, zugleich aber auch Stilles, Düsteres an sich - weiß allerdings auch nicht, warum. Icon_ugly Gemeint könnte auch der Bezug zu den Eisheiligen sein, also eine bestimmte Zeit, ein Schicksal, das sich zu dieser Zeit begeben hat.

Zitat:Die Stufen enden unten wieder.
-- Eine sehr schlichte Zeile, aber gerade das wirkt besonders nach. Keine Schnörkel, eigentlich nur eine Aussage, in der doch eine tiefere Wahrheit steckt.

Zitat:Die Pracht der Sterne ist nur Show.
Überall ist Nirgendwo. – Bieder
säuft ein Mann sich warm.
-- Es liest sich so, als wäre ein Mann am Ende seiner Träume in der Realität gestrandet, alles wirkt unecht, falsch, und nur der Alkohol vermag noch Trost zu bieten, nachdem man alles riskiert und verloren hat. Keine Heimat.

Zitat:Die Unentwegten lauschen Winden.
Betrachten Schlote und den Rauch.
Stille spricht aus jedem Hauch. – Linden
steh’n in Reih’ und Glied.
-- Dem gegenüber steht das normale Leben, ihr Einerlei. Menschen, die darin treiben, sich um kurzeitige Dinge, kleine Dramen scharen, obwohl das alles doch Nichts ist. Die Linden stehen unverändert, ordentlich, wie es zu sein hat.

Zitat:Ein Mann versäuft den Restverstand. –
-- Wovor läuft er wohl weg? Was haben seine Augen gesehen, dass dieser Deprimismus(?) da ist?

Zitat:Geschmolz’ner Schnee zerspült doch kaum
die Spuren, die nach unten führen.
-- Daraus werde ich nicht ganz schlau. Rational zumindest nicht, denn emotional wirken diese Zeilen sehr stark.

Zitat:Heillos sucht ein Mann nach Türen.
-- Einem Ausweg? Seinen alten Träumen? Seiner Vergangenheit?

Ingesamt liest es sich wie eine abgerissene Biographie, ein Mann, dem Alkohol verfallen, all seine Träume liegen auf der Straße. Er weiß nicht wohin, hat seinen Weg, seinen Sin verloren, im symbolischen Winter seines Lebens.

Wieder ein sehr starkes Gedicht, das zeigt, dass du auch auch schlichteren Zeilen wirkungsvolle Werke zu schaffen vermagst. Icon_smile

Ich habe es sehr gern gelesen.

Liebe Grüße
Adsartha







"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #3 |

RE: Eisheil
Heja Adsartha,
zugegeben, ich habe beim 1. lesen etwas stutzen müssen, da Du Deinen
kommentar in ein 'poLetenzitat' gekleidet hast...ein unfall, nehme ich an. Icon_fies

Es freut mich, dass Du diese 'skizze' so deutlich sehen/fühlen kannst!

Zitat: Zitat:Geschmolz’ner Schnee zerspült doch kaum
die Spuren, die nach unten führen.

-- Daraus werde ich nicht ganz schlau. Rational zumindest nicht, denn emotional wirken diese Zeilen sehr stark.
- ich halte es nicht für nötig, dem eine rationale erklärung zuzufügen.

Danke für diesen kommentar und Deine aufmerksamkeit!
Grüße,
poLet


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Beitrag #4 |

RE: Eisheil
Terve poLet,

ich muss ja ganz ehrlich zugeben, dass ich mit manch anderen Gedichten von dir ein wenig Probleme habe, dir inhaltlich zu folgen. Smiley_emoticons_blush
Aber das hier ist irgendwie klarer als sonst.

Am Anfang der Blick auf jemanden, der ganz unten angekommen ist. Nichts ist mehr wichtig. Der Schwenk zum normalen, geordneten Leben oder aber auch ein Rückblick. Dann der Alkohol als Endlösung/Erlösung. Und der Abstieg, der für jeden jederzeit ersichtlich bleibt.
Nur der letzte Satz will mir hier nicht so ganz passen. Denn bis dahin hat es sich so gelesen, als hätte er längst resigniert. Warum sucht er plötzlich nach einem Ausweg?
Für mich würde es mehr Sinn machen, dass er nach einem Ausweg sucht, bevor er sich den Restverstand versäuft.

Hm, vielleicht ist es doch nicht so klar, wie ich gedacht habe und ich habe mich mit meiner Interpretation völlig verrannt. Na egal.
Ich finde das Gedicht ist eine Mischung aus Melancholie und Kritik und lässt einen doch auch nachdenklich zurück. Solch ein Abstieg bzw. Absturz kommt meist schneller als man denkt und kann im Prinzip jeden treffen. Denn oft sind Menschen davon betroffen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und durch einen Schicksalsschlag vor dem absoluten Nichts stehen.

Hat mir gut gefallen.

LG
Lilith

Schluss mit lustig

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Beitrag #5 |

RE: Eisheil
Heja Lilith,

erstmal DANKE für Deinen kommentar!
Es liest sich für mich so, als hättest Du lange gewartet (und einiges gelesen), um dann doch endlich mal etwas zu hinterlassen. Icon_wink
Freut mich!
Ok:
Zitat:ich muss ja ganz ehrlich zugeben, dass ich mit manch anderen Gedichten von dir ein wenig Probleme habe, dir inhaltlich zu folgen. Smiley_emoticons_blush
...hm, Du stellst Dir allerdings eine schwierige aufgabe!

Dann lieferst Du eine für Dich stimmige deutung, die Du gleich wieder in frage stellst.
Zitat:Hm, vielleicht ist es doch nicht so klar, wie ich gedacht habe und ich habe mich mit meiner Interpretation völlig verrannt.
...hm, ich kann Dir da nicht groß helfen...aber mir fällt auf, dass dieser
"Mann" von strophe zu strophe mehr rausfällt...-
formal besehen...wobei ich doch denke, dass man immer nach türen suchen kann, egal wie weit oder tief man sich verirrt hat!
Das emotionale suchen entbehrt des verstandes!

Danke für Deinen kommentar und Deine aufmerksamkeit!
Grüße,
poLet


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