Es ist: 27-10-2020, 13:07
Es ist: 27-10-2020, 13:07 Hallo, Gast! (Registrieren)


Verbotene Wörter - Teil 7 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

Verbotene Wörter - Teil 7 (abgeschlossen)
Servus liebe Literatopianer,

in der Welt der Schreiberlinge sollte eigentlich nichts verboten sein, aber es macht auch Spaß und Sinn, nach Alternativen für das ein oder andere Wort zu suchen. Letztendlich kann man auch dem Thema einen ganz neuen Hintergrund geben, auf dessen Grundlage man gar nicht in Versuchung kommt, die verbotenen Wörter zu schreiben.

Wie immer heißt also die Aufgabe, innerhalb eines Monats (letzter Termin 02. März 2011) einen (bitte nicht allzu langen) literarischen Text* zum besten zu geben, der sich diesmal mit dem Thema "Senf" beschäftigen sollte. Dabei sollten nirgends die Wörter "Tube", "Glas", "scharf", "süß" und "würzen" in keiner ihrer Formen auftauchen (also z. B. auch nicht "gläsern").

Ich wünsche viel Spaß beim kreativeln Icon_smile

Liebe Grüße
Porter

* = Genre und Art (Prosa, Lyrik etc.) egal.


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Beitrag #2 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
Thema: Senf
Verbotene Wörter: Tube, Glas, scharf, süß und würzen


Die nackte Bratwurst

„Na endlich gibt es was zu essen.“ Tobias leckte sich voller Vorfreude über die Lippen, als sein Vater zwei Teller mit Bratwurst und Pommes auf den Küchentisch stellte.
„Brauchst du noch Ketchup oder Majo dazu?“, fragte der Vater und stand unschlüssig da.
„Nö. Aber dieses gelbe Zeugs wäre nicht schlecht.“
„Was für gelbes Zeugs?“
Tobias kratzte sich über die kurzgeschorenen Haare, so wie er es immer machte, wenn er überlegte. „Boah, keine Ahnung, wie das heißt.“
„Wenn du das nicht weißt, ich weiß es auch nicht.“
„Na die gelbe Pampe zum eintunken, Papa!“
„Meinst du Soße?“
„Was für Soße?“
„Ja was weiß ich denn? Wenn dir einfällt, was du willst, dann melde dich. Ich fange jetzt jedenfalls an zu essen, bevor es kalt wird.“ Mit diesen Worten setzte sich Tobias Vater hin und piekste schwungvoll mit der Gabel in die Wurst. Fett spritzte in hohem Bogen aus den Löchern und Tobias kicherte. Dann wurde er wieder ernst.
„Papa, das finde ich echt unfair von dir.“
„Was findest du unfair?“, frage sein Vater und schob sich eine Pommes in den Mund.
„Wie kannst du anfangen zu essen, wenn mir das Wichtigste fehlt?“
„Dein gelbes Zeugs?“
„Genau. Nur weil ich nicht weiß, wie es heißt, muss ich nun darauf verzichten und meine Bratwurst nackt essen.“
„Aber ich weiß es doch auch nicht. Soll deshalb das Essen kalt werden?“
„Ich glaube, wenn jemand sich überall immer einmischt, heißt das auch so.“
„Was?“
„Na das gelbe Zeug.“
„Was hat das denn jetzt damit zu tun? Wenn sich jemand überall einmischt, dann ist das ein Klugscheißer oder Besserwisser. Den kann man zwar auch irgendwo eintunken ...“
„Mensch, Papa!“
Tobias Vater sah seinen Sohn nachdenklich an. „Meinst du Currypulver?“
„Ne, so was esse ich doch nicht.“
„Dann weiß ich auch nicht, was du willst.“
Eingeschnappt verschränkte Tobias seine Arme vor der Brust. „Dann mache ich eben Hungerstreik.“
„Okay, aber ich mache nicht mit.“
„Oh doch, Papa“, sagte Tobias wütend. „Wir werden so lange hier sitzen und überlegen, bis wir wissen, was ich will.“ Damit zog er seinem Vater den Teller unter der Nase weg und stellte beide auf den Küchenschrank.

„Und, Werner, siehst du was da falsch gelaufen ist?“ Die Supernanny hatte das Video an dieser Stelle gestoppt und sah Tobias Vater fragend an, der neben ihr auf der Ledercouch saß.
„Na ja ...“ druckste er herum und kratzte sich am Kopf.
„Die Situation ist dir völlig entglitten. Wenn du dir so etwas gefallen lässt, dann steht er in einer Woche mit einem Messer in der Hand vor deinem Bett. Das ist die klassische Situation, wie aus normalen Kindern Psychopathen werden!“
Werner sah die Supernanny erschrocken an. „Auf die stille Treppe?“
„Genau, aber ganz schnell. Und wenn du wieder weißt, wie man sich als Vater benimmt, darfst du wiederkommen.“

Schluss mit lustig

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Beitrag #3 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
@Porter: Wie bist du auf DIESES Thema gekommen? Icon_panik

@Lilith: Die Supernanny fand ich schon immer gruselig. Icon_lol

Jürgens Schicksal

Ihm schmeckte die Bratwurst nicht. Aber er versuchte tapfer es sich nicht anmerken zu lassen und kaute weiter. Seiner Frau hingegen schien es vorzüglich zu schmecken, oder sie verstand es geschickt zu verbergen, dass ihr dass Mittagessen misslungen war. Jürgen versuchte ständig etwas im Mund zu haben, damit Karin nicht auf die Idee kam zu fragen, wie es ihm schmeckte. Doch nach und nach leerte sich sein Teller, die Beilagen wurden viel zu schnell weniger. Irgendwann musste er das unvermeidliche akzeptieren und seine Bratwurst essen. Denn, wenn er es nicht tat, würde Karim ihm das übel nehmen, beschließen eine Diät zu machen und er musste sich aus Solidarität zu ihr drei Wochen lang von Kohlsuppe ernähren. Verzweifelt hatte er schon nach dem roten Töpfchen mit Ketchup gegriffen, doch es war keine Geschmacksänderung eingetreten. Ebenso war es ihm mit der Mayonnaise im weisen Töpfchen ergangen. Für Jürgen blieb also das gelbe Töpfchen der letzte Ausweg, aber es war unauffindbar, schien wie vom Erdboden verschluckt.
„Karin, weißt du wo der Se…“, die letzten Worte blieben ihm ebenso ungenießbar im Hals stecken, wie es die Bratwurst war. Denn Karins Blick traf ihn sofort und war unmissverständlich: Wenn dir mein Essen nicht schmeckt, dann sag es. Also schloss er den Mund wieder, ohne etwas gesagt zu haben und wünschte sich ein Mauseloch. Nicht um sich darin zu verstecken, sondern damit er die Wurst an eine Maus verfüttern konnte.
Ein letztes Mal schuppste Jürgen die Bratwurst von einer Seite des Tellers auf die andere. Als sie aber auch diesmal nicht wie durch ein Wunder verschwand, machte er sich todesmutig daran sie zu Essen. Jeden Bissen spülte er mit reichlich Mineralwasser herab und suchte den Tisch immer mal wieder nach dem rettenden gelben Töpfchen ab, fand es aber nicht und aß mutig weiter.
„Jürgen, hat es dir geschmeckt?“
„Ja, sicher mein Spätzchen. So wie immer.“
„Das freut mich, denn ich habe beschlossen, nächste Woche wieder eine Kohlsuppendiät zu machen.“

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #4 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
Zitat:@Porter: Wie bist du auf DIESES Thema gekommen?
Ganz einfach: Senf + dazugeben = kommunizieren, Überleitung von mündlich zu schriftlicher Aussage, somit zur Literatur und damit gut aufgehoben in Literatopia Icon_lol Na, hör mal, das ist doch klar ... und gelb, wie Senf (ich darf es schreiben Icon_smile

Bis bald.
Porter


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Beitrag #5 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
Hallooooooooooooooooooooooooo!!!

Letzter Tag heute! Noch ein Beitrag? Von Dir vielleicht? Na, dann: Her damit!

Liebe Grüße
Porter


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Beitrag #6 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
Hallo!

Zwei Teilnehmerinnen, die für jeden Scherz zu haben sind! Offensichtlich! Vielen Dank ihr beiden für die senflosen Beiträge, die trotzdem gewaltig von "dem gelben Zeugs" beeinflusst waren.

Lilith mit dem Erziehungsversuch, der auf Geheiß der Supernanny "auf der stillen Treppe" endete und
Lady, die dem armen Jürgen ein derart tragisches Geschenk in Form einer Kohlsuppendiät zukommen ließ.

Beide Geschichten strotzen nur so von Einfallsreichtum bei der Umschreibung der verbotenen Wörter und passen beide hervorragend zur Faschingszeit. Auch nach mehrfachem Durchlesen und Wiederholung nach einer gewissen Zeit finde ich keine subjektive Siegerin, von einer objektiven ganz zu schweigen.

Da fragte ich also einfach den "narrischen Deifi" (närrischen Teufel) in mir. Der sprach salbungsvoll:

Hast du einmal zwei zur Wahl
Beende einfach schnell die Qual.
Rück dem Problem doch so zu Leibe:
Siegerinnen sind sie beide!

Also, ihr zwei! Nehmt gemeinsam den Pokal entgegen und lasst das Spiel doppelt weiterleben! Helau, Alaaf und Hirsebrei, ich sag es einfach, dass's so sei!

Herzliche Grüße
Porter



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Beitrag #7 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
Na sowas. Icon_shocked Ich hab gewonnen. Mrgreen Schön. Danke. Icon_smile

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #8 |

RE: Verbotene Wörter - Teil 7
*ehrerbietig verbeug* Es war mir ein Vergnügen, von Ihnen zu lesen und Sie zu wählen, Mylady!

Sir Porter


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