Es ist: 21-02-2020, 12:17
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The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Beitrag #1 |

The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Am liebsten wäre Christopher in einer Weltraumkapsel allein auf endloser Fahrt. Die Menschen, ihre Launen und Stimmungswechsel sind dem autistischen Jungen ein ewiges, kaum lösbares Rätsel. Seine Welt stellt sich als streng logisches Fakten- und Zahlenwerk dar. Er schätzt es nicht, angefasst zu werden, nimmt Speisen nur an, wenn sie einander auf dem Teller nicht berühren und nennt die Welt der Primzahlen sein Zuhause. Und Sherlock Holmes natürlich, der in seiner glasklaren Logik für den Jungen ein natürliches Vorbild darstellt. Folgerichtig schlüpft Christopher, als er Wellington, den Hund der Nachbarin Mrs. Shears, mit einer Mistgabel erstochen auffindet, in die Rolle des viktorianischen Superhirns.

Zu allererst mal ein Tipp: Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, das Buch gerne lesen würde und die englische Sprache recht gut beherrscht, sollte unbedingt die englische Version vorziehen, da diese in dem einfachen Englisch eines Jugendlichen geschrieben ist - ich habe gerade das dritte Jahr Englisch und kam problemlos zurecht, auch wenn das Wörterbuch manchmal, mit Betonung auf manchmal, zur Hand genommen werden musste.
Ich weiß nicht, wie die deutsche Übersetzung ist, aber grundsätzlich ist die Originalfassung immer besser, obwohl das ein ganzes eigenes Thema wert ist Icon_wink .
Wenn jemand das Buch auf Deutsch gelesen hat, würde mich interessieren, wie die Übersetzung ist.
Das Buch wird aus der Sicht eines Autisten mit dem Asperger Syndrom geschrieben und die Sicht des 15-Jährigen ist so eigen und besonders, dass man teilweise richtig lachen muss.
Zum Asperger Syndrom:
Der Wikipedia-Artikel sagt Folgendes:
Als Asperger-Syndrom wird eine Störung innerhalb des Autismusspektrums bezeichnet, die vor allem durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet ist sowie von eingeschränkten und stereotypen Aktivitäten und Interessen bestimmt wird. Beeinträchtigt ist insbesondere die Fähigkeit, nonverbale und parasprachliche Signale bei anderen Personen intuitiv zu erkennen und intuitiv selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Asperger-Autisten erscheint dadurch „merkwürdig“ und ungeschickt (...) . Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt jedoch nicht als Autisten, sondern höchstens als „wunderlich“ wahrgenommen. Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen. Das Syndrom, das als angeboren und nicht heilbar angesehen wird, macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar.

Die Inselbegabung von Christopher Boone ist die Mathematik und wie der Artikel verrät, kann er keine mitmenschlichen Angelegenheiten verstehen und versucht daher, das alles logisch zu lösen...
So, genug gelabert, ich hoffe, einige Leute hier geben ihren Senf dazu.

Schönen Abend noch

rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #2 |

RE: The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Moin.
Das Buch wird ja allenthalben hoch gelobt. Wir haben es vor Jahren in der Schule gelesen, auch im englischen Original.
Natürlich: Ein authentisches Buch aus der Perspektive eines Jungen, der unter dem Asperger-Syndrom leidet (leidet?), muss eben die Handycap-bedingten Eigenheiten des Charakters in den Vordergrund stellen. Der Roman macht das hervorragend.
Und genau das ist das Problem. Ich habe über keinerlei Zugang zum Protagonisten, zu seiner Denkweise, zu seinem Innenleben bekommen. Die Geschehnisse um den Jungen herum waren wiederum durch seine Innenansichten verzerrt, damit habe ich auch dazu keinen Zugang dazu bekommen.
Die mathematische Inselbegabung ist überall. Für den Protagonist ein Kinderspiel, für seine Umgebung - vielfach geistig Behinderte - nicht unbedingt. Ich persönlich kann mich für Mathematik nicht begeistern, daher hat es mich mit der Zeit genervt. Was soziales Unverständnis ausdrücken sollte, hat sich mir als eine Art Überlegenheit dargestellt. Wenn ich mich recht erinnere, endet das Buch mit den Worten "Quod erat demonstrandum", gefolgt von der Erklärung, was das bedeutet. Insgesamt ein Charakter, dessen Verzwicktheit dargestellt werden sollte. Ein Charakter, den man vielleicht nicht verstehen soll. Ein Charakter, der jedoch Mitleid erregen soll, ein Verständnis für seine Situation. Das ist - zumindest für mich - grandios gescheitert.
Insgesamt ein Buch - nun ja. Ich musste mich wirklich hindurchquälen. Eine Darstellung der Welt, die sich kindlich-simpel darstellt, durcheinandergeworfen durch (alltägliche) Schicksalsschläge und (letztendlich falsche) Rücksichtnahme auf einen Asperger-Patienten, zu dem ich keinen Zugang bekommen habe - alles in allem: Für "schlecht" zu gut intendiert.

Grüße,
Lehrling

PS: @ "... dass man teilweise richtig lachen muss" - Das stand auch auf dem Klappentext. Mein Humor ist offenbar anders.

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Beitrag #3 |

RE: The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Hallo,
verzeih mir, dass ich dich so lange mit meiner Antwort habe warten lassen, aber die Woche war ziemlich stürmisch. Nicht dass du nach denkst, ich wär beleidigt Icon_wink .
Aber da sieht man ja mal wieder, wie wie bei jedem Buch die Meinungen auseinander gehen; auch wenn ich vermutlich ein wenig voreingenommen war - das erste Buch auf Englisch ist ja irgendwo immer etwas Besonderes. Ich jedenfalls habe nichts gegen Mathe (damit war ich sogar beschäftigt...) und daher haben mich diese Zwischeneinwürfe nicht weiter gestört. Auch kam ich eigentlich recht gut mit der Sicht von Christopher zurecht, zwar musste ich manchmal kurz überlegen, aber insgesamt, hatte ich doch eigentlich eher keine Schwierigkeiten.
Zitat:Ich habe über keinerlei Zugang zum Protagonisten, zu seiner Denkweise, zu seinem Innenleben bekommen.
Ich glaube, das soll man vielleicht gar nicht, man soll ihn auch einfach nicht verstehen, das sagst du auch darunter irgendwann.
Ich finde, dieser Charakter ist irgendwo faszinierend, weil er so verdammt, logisch denkt und alles über seine Logik macht und man kann nachvollziehen, warum man so schwer mit ihm zurecht kommt, warum viele Charaktere in dem Buch nicht mit ihm zurecht kommen. Ich denke, dieses Buch ist so stark auf diesen Charakter fixiert, die Außengeschichte kann eigentlich jeder so ähnlich konstruieren, sie ist nur dazu da, um den Charakter noch besser darstellen zu können. Denn ohne Christopher wäre diese Geschichte leer, da die Nebengeschichte ja nur eben als Hülle fungiert und ohne den Kern kein eigenes wirkliches Buch stellen würde. Aber Christopher verändert diese Außengeschichte wieder, manche Menschen verzweifeln regelrecht an ihm, seine Familie wird auf den Kopf gestellt und das alles schildert er so emotionslos, was wohl am Besten zeigt, wie wenig mitmenschliche Gefühle er hat. Und so scheiden sich die Geister genau an Christopher, der eben das ganze Buch ausmacht.
Ich konnte ihn recht gut nachvollziehen, da viele seiner Eigenheiten einfach extreme Formen unserer Einstellung sind. Beispiel: Auch für uns ist es ja unangenehm berührt zu werden und Christopher hält das nicht aus. Das hat geholfen, um ihn wenigstens so halb zu verstehen, warum er so denkt und warum er so ist, aber es ist, finde ich, dennoch überhaupt nicht vorstellbar, selbst so zu denken, aber ich glaube das ist auch nicht die Absicht des Buches.
Die ist vielleicht eher, das Denken nur zu verstehen, also Verständnis zu erregen, aber ich glaube nicht, dass er Mitleid für die Situation von Christopher erregen will, da er ja zeigt, dass dieser das eigentlich gar nicht nötig hat.
Wie gesagt, wenn Christopher für einen authentisch rüberkommt, dann ist auch das Buch authentisch, und so war das für mich. Soweit ich verstanden habe, war es für dich einfach zur sehr auf diese Authentik des Charakters fixiert, womit ich am Anfang *rex erinnert sich* auch Probleme hatte, weshalb es zwischendurch schon fast abgebrochen hätte. Aber die Begeisterung, ein englisches Buch zu lesen und der zunehmend für mich faszinierendere Charakter von Christopher, bewirkten, dass ich es schließlich doch fertiglas und es auf keinen Fall bereut habe, da das Buch immer besser wurde.
Vielleicht ein Buch, an dem sich die Geister scheiden, genauso wie Christopher.
So, das wars, noch viele Grüße und danke für deine Meinung

rex

P.S.: Sollte das einer von den Forenleitern lesen, dann würde ich ihn bitten, das Buch in ein geeigentes Subforum zu verschieben, ich habe völlig übersehen, dass ich es in Fantasy gegründet habe...

P.P.S: @ federlehrling: Ich hoffe, die Antwort kommt für dich jetzt nicht so nach dem Thema "Du fandest das Buch nur schlecht, weil du´s nicht verstanden hast, und ich hab´s verstanden und daher bin ich besser als du". Ich habe nur versucht, zu verstehen, warum unsere Meinungen so auseinander gehen und es würde ja auch gar keinen Sinn machen, das zu vermuten, da das ja einfach verschiedene Meinungen sind und wenn du das so verstanden hast, dann tut mir das leid, das war nicht meine Absicht!

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #4 |

RE: The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Moin Rex!
Zitat:P.P.S: @ federlehrling: Ich hoffe, die Antwort kommt für dich jetzt nicht so nach dem Thema "Du fandest das Buch nur schlecht, weil du´s nicht verstanden hast, und ich hab´s verstanden und daher bin ich besser als du". Ich habe nur versucht, zu verstehen, warum unsere Meinungen so auseinander gehen und es würde ja auch gar keinen Sinn machen, das zu vermuten, da das ja einfach verschiedene Meinungen sind und wenn du das so verstanden hast, dann tut mir das leid, das war nicht meine Absicht!
Die Klarstellung wäre nicht nötig gewesen. Ich bin mir sehr bewusst, dass Geschmäcker und Meinungen zu Büchern auseinandergehen können. Und nichts anderes liegt hier vor. Mir hat das Buch nicht gefallen, dir gefällt es - so ist das Leben Mrgreen
Ich müsste allerdings der Fairness halber noch erwähnen, dass ich den "Curious Incident" als Schullektüre in der (ich glaube) 10. Klasse gelesen habe. Schullektüre fördert die Begeisterung für ein Buch, das einen nicht völlig in seinen Bann zieht, ja sowieso schon einmal nicht, und dann noch in der 10. Klasse (wo man vielleicht insgesamt nicht so lernbegeistert ist) ... Na ja, und wenn man dann noch in Betracht zieht, dass ich 2007 Abitur gemacht habe, dürfte ich das Buch etwa 2004 gelesen haben; insofern sind mir eher die Schlaglichter in Erinnerung geblieben, die damals dafür gesorgt haben, dass es mir nicht gefallen hat. Bei dir hingegen ist der Leseeindruck ja offenbar etwas frischer Icon_wink
Mag sein, dass ich inzwischen anders darüber denken würde, aber ich glaube dennoch nicht, dass ich das Buch so ohne Weiteres noch einmal lesen werde, dafür war das erste Lesen für mich zu abschreckend ... Icon_wink

Grüße!
Lehrling

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Beitrag #5 |

RE: The courious incident of the dog in the night-time/Die sonderbare Welt des Christo...
Das mit der Schullektüre habe ich völlig übersehen, aber es stimmt natürlich. Aber...muss man jedes Buch mögen, das die Mehrheit der Kritiker für gut befindet?

"Jedes Mal, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit sich zu besinnen."

Mark Twain

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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