Es ist: 06-12-2022, 11:15
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Umfrage: Protagonisten - lieber weiblich oder männlich?
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Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Beitrag #31 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Guten Morgen zusammen,

so, nachdem ich nun jetzt schon so lang mitlesen durfte und es toll finde, welch ein ausführliches Gespräch sich hier entwickelt, möchte ich nun auch noch etwas dazu sagen. Erstens einmal: Respekt an Dread und sein Wissen. Um ehrlich zu sein, komme ich mir neben ihm ganz schön blöd vor. Zweitens: Möchte ich mich seiner Meinung anschließen und auch der von Drakir, was das Mittelalter und die Position der Frau betrifft. Ganz so eindeutig, wie manche das sehen, war es halt doch nicht. Tausende Jahre Unterdrückung? Wohl kaum. Ich finde, um ehrlich zu sein, nicht sehr viel Schlechtes an der Rollenverteilung, die die Gesellschaft beherrscht hat. Und da möchte ich Drakir nochmals unterstreichen: "Im Mittelalter gab es die Rollenverteilung, klar, aber nicht aus idiologischen Gründen, sondern aus pragmatischen. Männer haben nun mal mehr Kraft, deswegen mussten sie die schweren Arbeitenerledigen und auch in den Krieg ziehen, weil sie einfach robuster gebaut sind und schmerzresitenter, was Verletzungen angeht."

Hält man sich daran, so ist es vielleicht auch schon klarer - zumindest für mich geworden - wo ich im Fantasy-Genre (für mich gerne gleichbedeutend mit Mittelalter) zuhause bin. Ich habe etwas gegen unlogisch schwache Frauenzimmer, die ganze Horden verprügeln. Zumindest dann, wenn die Gesetzmäßigkeit nichts anderes ermöglicht. Bei "Bernd Rümmelein" ist es eine Art von Magie, die Frauen genauso stark sein lässt. In dem Fall glaubwürdig dargestellt und, um Himmels Willen, ja warum nicht. Zum (furchtbaren Vergleich) von "Drei Engel für Charlie": Meine Großmutter hat diese Sendung geliebt und ich hab sie mit ihr geschaut. Und wenn wir ehrlich sind war davon wenig bist nichts wirklich realistisch. Um damit zurück zum Thema: Mir gefallen Frauen, wenn wir vom Kämpfen ausgehen, gerne in den Rollen "schnell und wendig". Denn meiner Meinung nach muss sich eine Frau im Kampf wohl dann eher darauf verlassen, da "Kraft" ja meist Männersache ist. Und selbst wenn eine Frau wirklich trainiert kann sie gegen einen ebenso trainierten Mann wohl kaum im Kräftemessen bestehen. Denk ich zumindest. Wenn also ein großer, starker, wenig wendiger Kerl von einer schnellen und vielleicht technisch überlegenen Frau vermöbelt wird hab ich da nichts dagegen. Allerdings, sollte der Kerl einen guten Schlag landen, dann darf besagte Prota. nicht einfach wieder so aufstehen und tun als wäre nix gewesen. Für mich persönlicher ist da es um ein Vielfaches spannender zwei Männer gegenüber zu stellen. Zwei, die sich also richtig gegenseitig vermöbeln können. Da sehe ich mehr Potenzial. Intrigen und Hofleben ist da sehr wenig meins. Wenn ich so etwas einmal aufgreifen sollte, dann vermutlich, weil ich muss. Nicht aber aus Leidenschaft. Ich denke mir schon, dass es auch tolle Frauen-Fantasy geben kann, sofern nicht Unglaubwürdig. Aber das ist eben das schwere daran. Wie vieles in der heutigen Zeit wird auf "too much" gepokert. Daher trauen sich meiner Meinung nach weniger Autoren wirklich auf was erdiges und realistisches zu greifen. Sofern sie denn wollen ...

Liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #32 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Huch, hier wird/wurde ja fleißig diskutiert. Dann will ich mich hier auch mal verewigen.

Zurück zur Anfangsfrage: Studienbedingt (und natürlich auch aus Interesse) lese ich hauptsächlich Klassiker der Literaturgeschichte und nur vereinzelt Neuerscheinungen und noch weniger in populärkulturellen Genres wie Fantasy, von dem hier vermehrt die Rede war.
Ihr habt ja auch schon die Kultur- (und Evolutions)geschichte angesprochen: Wen wundert es also da noch, dass die Protagonisten der letzten 300 Jahren überwiegend Männer sind, die auch von Männern geschrieben worden sind? Goethe, Mann, Proust, Musil usw., all die großen Namen haben die Literatur mit geformt, die damals an Gesellschaft und Politik teilgehabt, wie auch beeinflusst haben, und deren Urururururururururururenkel die Neuerscheinungen in den Buchhandlungen heute sind. Der männliche Autor und der männliche Protagonist waren die Regel und sind es heute zum Teil immer noch. Er war und ist das Sprachrohr des einfachen Mannes (!) und mit ihm konnte man sich leicht identifizieren. Lesen wir also Faust oder ein anderes Kanonwerk (auch aus einem nicht deutschsprachigen Land), dann sieht sich der Titelheld mit nichts Geringerem als den Widrigkeiten des Lebens selbst konfrontiert, sei es nun Sterblichkeit, Wissensdrang dgl. Tritt dann aber jemand wie Gretchen auf, haben wir es plötzlich "nur" noch mit der Mutterschaftsfrage zu tun.

Erkennt ihr, worauf ich hinaus will?

Der "Mann" ist die Norm, er steht für alles, was die Menschheit bewegt, die Frau dagegen wird marginalisiert und entweder als Femme fatale oder Fortpflanzungsmedium dargestellt.

Natürlich ist eine Emanzipation (in Gesellschaft und Literatur) passiert und Frauen werden nicht mehr nur als das eine dargestellt und weisen nun eine Vita auf, die sich nicht nur aufs Kinderkriegen beschränkt. Doch ich kann leider nicht das Gefühl abschütteln, dass weibliche Rollenbilder noch immer durch ihr Fortpflanzungsorgan definiert werden und dadurch als etwas "Anderes", "Suspektes" gehandhabt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der männliche Protagonist hat lange Zeit die Norm dargestellt und nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen ein Identifikationspotential geliefert. Viele weibliche Protagonisten müssen sich von dieser Diskriminierung erst erholen und werden deswegen oft mit leidlichen Stereotypen überzeichnet, die auf irgende beschränkte Vorstellung von Frauen abzielen (Schlagwort Zicke). Darum kann ich mich besser mit männlichen Figuren identifiziert, weil die eben nicht bloß "männlich", sondern auch "allgemein" sind.

Beim Schreiben versuche ich auch aus diesen Stereotypen auszubrechen und Frau nicht als Frau und Mann nicht als Mann abzukanzeln. Wenn ich es recht bedenke, sind meine Protagonisten ausgewogen, was Haupt- und Nebenfiguren betrifft, es hält sich die Waage. Ganz ehrlich macht es mir aber mehr Spaß, einen Mann zu schreiben, weil es Abwechselung zu meinem Alltag ist. Mrgreen

LG

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #33 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Hallo @all,

das Erscheinungsbild der Menschen ist, unabhängig von ihrem Geschlecht, so vielfältig wie ihre Gefühle. Es in Stereotypen zu zwängen ist für einen Autor doch ungeschickt oder gar selbstmörderisch.
Gerade diese Freiheit ist es, was mich am Schreiben so fasziniert. Niemand, wirklich niemand auf dieser Erde, kann behaupten, es gäbe den Protagonisten in dieser Form nicht oder er könne das, was man in ihn zu tun geheißen hat, nicht vollbringen. Dabei kämen höchstens Attribute wie ungewöhnlich oder unmöglich heraus und schlimmstenfalls werden die Protas nicht akzeptiert und das Buch nicht gelesen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Als Autor kann man jede Frau und jeden Mann in jede Rolle stecken, sei sie nun als typisch anerkannt bzw. verschrieen oder fernab vom naturgegebenen Rollenverhalten (vgl. homo erectus vs. homo sapiens). Und das immer auch mit gutem Gewissen.

Kensington, eure liebevolle Mann, euer heldenhafter Frau.


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Beitrag #34 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Hi Leute,
ich persönlich kann mich für keines von beiden entscheiden. Warum auch?
Ich denke man sollte kein Geschlecht bevorzugen, sei es nun, weil das andere öfter vorkommt oder aus einem anderen Grund. Es kommt denke ich auch immer ein wenig auf die Geschichte an sich drauf an. Auch kann es an der Erzählperspektive liegen. Damit meine ich, dass z.B. viele Romane die in der Ich-Perspektive geschrieben sind meist einen weiblichen Prota haben. Mir ist bisher noch kein männlicher begenet, der selbst erzählt.
Zur Art der Geschichte nochmal:
Ein passendes Beispiel für einen männlichen Prota ist: Abenteuergeschichten/Fantasy (die mittelalterlichen),... Beispiele wären Eragon, Harry Potter, der herr der ringe, ...
zu weiblichen Protas passt mehr: Liebesromane (eventuell mit fantasy, wie twilight und evermore und andere)
wahrscheinlich werden frauen eher für tiefsinnigere Romane genommen, da sie mehr Empfinden zeigen können,etc. keine Ahnung wie ich das sagen soll
Es stimmt schon, dass früher meist Männer die Protas waren, aber das hatte ja damals auch mehr mit den Traditionen und dem allgemeinen Bild zu tun.
Aber es muss natürlich jeder für sich entscheiden, was ihm besser gefällt (wie gesagt es kommt auf die Geschichte drauf an)

PS: ich persönlich bin gerade am überlegen mein Projekt umzuändern in die Ich-perspektive.
Nur frage ich mich, ob ein männlicher prota überhaupt dafür in frage kommt
(wird ja meistens eher Frau verwendet, das sie mehr romatische Gefühle,etc. zeigt und die Leser, besonders Mädchen voll darauf abfahren)

LG Jan


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Beitrag #35 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Hej,

Also zwinge ich meine wirren Gedanken vor dem Paketpacken mal in einigermaßen lesbare Formen und antworte endlich mal auf dieses Thema, das mich schon eine ganze Weile interessiert.

Männlicher oder weiblicher Protagonist - und welchen bevorzuge ich eigentlich? Eine sehr gute Frage, die ich noch vor einem Jahr sicher beantworten konnte. Damals hätte ich geantwortet: ganz klar weiblicher Protagonist, am besten in einem ähnlichen Alter wie ich. Inzwischen hat sich das etwas geändert, vielleicht, weil ich mich mehr mit meinen Protagonisten zuwende, oder weil ich mich besser auch in andere Personen einfühlen kann.
Für mich ist der Prota - und das Geschlecht des Protas - weniger vom Genre, sondern mehr davon abhängig, was ich eigentlich rüberbringen will.
Wenn ich so genauer darüber nachdenke, lese ich genauso gerne über männliche Protagonisten wie über weibliche, auch wenn ich (zur Zeit) noch oft weiblichen Protagonisten mehr Aufmerksamkeit schenke - zumindest in meinen eigenen Projekten. Ich denke, es liegt daran, dass es für mich so einfacher ist, die Gefühlswelt des Protagonisten rüberzubringen, und darum geht es mir unter anderem (auch wenn es nicht immer klappt, aber das ist eine andere Geschichte Icon_wink ).

In meinem aktuellen Projekt, den Federn, gibt es nicht so direkt den Hauptprota, sondern eher vier Personen, die am wichtigsten sind. Diesen Protas habe ich in etwa gleich viel Zeit gewidmet, und meiner Meinung nach sind sie gleich wichtig für die Entwicklung der Handlung, auch wenn sich einer wohl etwas benachteiligt fühlen wird, wenn ich nicht aufpasse. Von diesen vier Protas sind zwei weiblich, und zwei männlich. In den Nebenrollen findet man dann noch zwei weibliche Protas, das liegt eher daran, dass ich für männliche Protas mehr Zeit brauche, damit sie mir selbst glaubwürdig erscheinen und ich etwas faul war.
Freilich sind meine weiblichen Protas von mir nachvollziehbarer, aber das liegt wohl daran, dass meine Menschenkenntnis nicht so weit reicht, um männliche Protas vollkommen glaubwürdig zu machen. Aber dazu gibt es ja dann eine Reihe Kritiker Icon_wink
Im Übrigen hasse ich diese klischeehaften weiblichen Charaktere, die nichts auf die Reihe bekommen, immer nur jammern und seufzen und immerzu auf Andere angewiesen sind. Lustigerweise fällt mir gerade auf, dass ich am liebsten über schräge, ungewöhnliche weibliche Charaktere oder über männliche Protas lese.

Vielleicht ist es schon ein bisschen angeklungen - mir geht es weniger darum, dass die Protas in irgendein Schema oder Genre passen, sondern dass sie eigentlich nur Menschen sind und als solche erkennbar. Und da ist es eigentlich egal, ob männlich oder weiblich - ihre Macken haben alle.
________________________________________________________

@Jan: Wieso sollte eine Ich-Perspektive aus der Sicht eines männlichen Protas nicht gehen? Ist ja nicht reserviert für weibliche Charaktere. Und wenn du nicht gerade auf bei Romantasy durchdrehende Teeniemädchen abzielst, kann dir doch egal sein, ob der Leser nun auf romantische Gefühle abfährt oder nicht. Er muss es ja nicht lesen, wenn es ihm nicht gefällt.

Viele Grüße, Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #36 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
*einen weiteren Thread auskram*

Hi Icon_smile

Ich lasse mal die Debatte über Gleichberechtigung und den ganzen Bla außer Acht, weil das für mich auch ein ganz andere Thema wäre.

Ich mag recht eindeutig männliche Protagonisten lieber.
Warum das so ist, kann ich nicht sagen - dafür analysiere ich beim Lesen zu wenig. Aber grundsätzlich sind mir männliche Hauptdarsteller (und auch die meisten Nebendarsteller) lieber, sympathischer oder ich finde sie schlichtweg interessanter. Hat vielleicht damit zu tun, dass ich gerne für die Helden einer Geschichte schwärme (Staubfinger Icon_cuinlove ) und mich Frauen nunmal einfach nicht ins Schwärmen bringen.
Auch in Computerspielen und Filmen kann ich mich viel eher für eine männliche Rolle begeistern.
Im echten Leben komme ich auch besser mit Männern zurecht. Vielleicht sind es Vorurteile aus eigenen Erfahrungen, die mich weiblichen Protagonisten gegenüber skeptischer sein lassen als männlichen.

Mit fällt gerade spontan kein Buch ein, in dem ich eine weibliche Person am meisten mochte ... Nicht falsch verstehen: Es gibt viele Bücher, in denen ich gute Frauencharaktere gefunden habe, aber auf Platz 1 meiner Mögen-Liste steht eigentlich immer ein Mann.
Knapp wird es lediglich bei Dhampir, wo sich weibliche und männliche Hauptrolle theoretisch Platz 1 teilen würden, wenn der Kerl nicht noch dazu ein Elf wäre Icon_ugly

Schlagt mich nicht für meine frauenverachtende Einstellung Icon_ugly Mrgreen
Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #37 |

RE: Protagonisten: lieber weiblich oder männlich?
Im Grunde ist es mir egal. Gerade bei Thrillern oder Krimis sind meist die männlichen Ermittler besser, einfach weil sie weniger zickig und unvernünftig handeln. Bei Fantasy oder Jugendbüchern sind die Hauptfiguren ja meist eher weiblich, hab da aber auch schon ein paar sehr sympathische männliche gehabt.

lg KreaMa

Bücher lesen, heißt wandern gehen in fernen Welten, aus den Stuben über die Sterne. Read
Jean Paul

Die wunderbare Bücherwelt der KreaMa

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