Es ist: 22-11-2019, 14:18
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Farblosigkeit
Beitrag #1 |

Farblosigkeit
Ziemlich experimentell und inspiriert vom Schreibimpuls.

Farblosigkeit

Die Sonne erhob sich blutrot über den Horizont. Der Himmel brannte, ging in Flammen auf und die Welt erwachte. Er starrte den sich emporhebenden Himmelskörper an und wünschte sich eine ebensolche Farbe zu haben. Aber er war grau. Genauso grau, wie die Fliesen in seinem Bad. Grau, wie der Tisch in seinem Wohnzimmer, grau wie das Porzellan seiner Tasse. Das einzige, das außer dem Sonnenaufgang eine Farbe besaß, war der Kaffee in dem Porzellanbecher.
Und der war kalt.
Ihm kam es so vor, als hätte er noch niemals warmen Kaffee getrunken. Selbst wenn er ihn gerade frisch aufgebrüht hatte. Amandus sah der immer weiter aufgehenden Sonne zu. Für ihn war es der erste Sonnenaufgang, den er seit Jahren erblickte. Normalerweise hatte er die Angewohnheit, zu dieser Zeit des Tages, in seinem Bett zu liegen und zu schlafen. Aber heute schien ihn seine innere Uhr zu täuschen - täuschen zu wollen. Er hatte dem Drang nicht widerstehen können, sich aus der warmen Umarmung der Decke zu lösen und den Tagesanbruch zu betrachten. Ihm gefiel das Farbenspiel am Himmel und er fragte sich, warum er es nicht öfter tat. Einfach den Schlaf unterbrechen und der Sonne zuschauen. Vielleicht liegt es an meinem Job, beantwortete er sich selbst die unausgesprochene Frage. Ich stehe nach Sonnenuntergang auf und lege mich vor Sonnenaufgang wieder hin. Warum war es dann heute anders? Hatte er zuviel von dem kalten Kaffee getrunken? Lag es vielleicht daran, dass ihm seine Gedanken keine Ruhe gönnten? Gedanken, die ihm in dieser Nacht zum ersten Mal in den Sinn gekommen waren. Gedanken an den Tag, den er Nacht für Nacht verpasste. Sein Nachbar hatte einmal, im dämmrigen Zwielicht eines Winternachmittags, von den Sonnenaufgängen auf Hawaii geschwärmt. Wenn die Sonne sich vom Horizont erhob und ihre Wärme in die Welt schickte, die Strahlen die Luft golden färbten und alles Leuchten ließen, auf das sie trafen. Amandus hatte diese Erzählung wenig beeindruckt. Er war zufrieden mit seiner Arbeit, dann waren Mond und Sterne seine einzigen Begleiter.
Denn die Nacht schwieg. Amandus mochte den Moment in dem die Lichter ausgingen und die Welt zum Schweigen gebracht wurde. Die Schwärze nahm alle Geräusche in sich auf. Geräuschlos. Farblos. Im Licht der Nachtgestirne wurde alles grau – so wie er. Er war dann nichts Besonderes mehr, fühlte sich dazugehörig und genoss das Gefühl der Macht. In der Nacht gehörte ihm nicht nur das Firmengelände, sondern auch die Welt. Dann besaß er die Kontrolle über sein Leben – über alles.

Amandus wusste nicht, wie lange er die Sonne nicht mehr gesehen hatte - seit wann sein Leben grau geworden war.
Eines Tages glaubte er zu sehen, wie die Farben einfach gebröckelt waren, einen Kosmos aus Farblosigkeit hinterließen, bis irgendwann die Ewigkeit begann für ihn nur einen Augenblick zu dauern - die Zeit war bedeutungslos geworden.
Er bezeichnete sich selbst als ein Geschöpf der Nacht, wie es die Vampire in schlechten Filmen immer taten. Während er die Tasse an die Lippen hob, erinnerte er sich, an den Teufel, der ihn zu einem der ihren gemacht hatte. Der Seelenfänger persönlich, der auf dem Boden saß, diabolisch grinste und um Seelen bettelte. Er konnte nur der Teufel sein, auch wenn er statt Pferdehufen Turnschuhe trug und statt Hörnern eine zerbeulte Mütze. Er drückte ihm einen Prospekt in die Hand, wie es Ahnungslosen oft geschah, die sorglos durch die Fußgängerzone gingen. Werde ein Teil der Nacht. Werde ein Nachtwächter, bot das laminierte Papier in großen Buchstaben an. Amandus fühlte sich angesprochen. Berufen. Inspiriert. Er blinzelte in die Sonne und kniff die Augen zusammen. Das Himmelsgestirn des Tages war ihm zuwider. Diese Helligkeit. Diese Farben, die grell zu schreien schienen.
Schon immer hatte Amandus das Gefühl, nicht in die Welt zu passen. Nicht in diese bunte Welt. Die Stelle als Nachtwächter versprach ihm neue Möglichkeiten. Eine graue Zukunft.

Das Lachen der spielenden Kinder schwebte über den Schulhof – erfüllte ihn. Doch einen Jungen, der abseits auf einer der hölzernen Bänke saß, erreichte es nicht. Er schien wie hypnotisiert von dem roten Gummiball, den die Viertklässler zwischen sich hin und her springen ließen. Der Junge gehörte zu ihnen – und auch wieder nicht. Er saß blass und regungslos auf seinem Platz, nur die dunklen Augen folgten dem Ball, auf und ab – hin und her. Das Rot glänzte in der Sonne, die den Schulhof erwärmte, aber ihn erreichten die Strahlen nicht. Es schien, als ob es ihn gar nicht gäbe, als ob er nur ein altes Polaroidfoto wäre, das langsam verblasste. Es war, als ob ihm die Schatten folgen würden.
„Darf ich mitspielen?“, hatte er gefragt.
„Na gut“, antworteten sie. Dann stand er einfach da und hielt den roten Gummiball zwischen den Händen. Er konnte nicht anders - starrte ihn einfach an, ließ den Kontrast zwischen seinen weißen Fingern und dem Blutrot auf sich wirken. Es schmerzte in seinen Augen, so dass er sie für einen Moment schließen musste. Dann waren die Kinder gekommen, nahmen ihm den Ball ab und ließen ihm ein „Du bist doof.“ da. Wie bunte Farbkleckse waren sie um ihn herumgesprungen und vertrieben ihn auf die Holzbank. Er hatte sich in die Schatten geflüchtet, wo ihm die Sonne nicht mehr die Augen zum Tränen brachte und ihn die Kinder vergessen konnten. Er gehörte nicht zu ihnen, er war anders als sie und sie ließen ihn das jeden Tag spüren.
Aber er ließ den springenden Ball nicht aus den Augen. Auf und ab – hin und her. Die Welt schien sich nur um diesen roten Farbklecks zu drehen. Alle anderen Farben um ihn verschwammen, verwischten zu einem grauen Brei – und er selbst ebenso. Er hatte das Gefühl, in dieser grauen Masse unterzugehen. Ewig grau zu bleiben. Er starrte das springende Spielzeug an. Es schien seine Rettung zu sein, um nicht in diesem reisenden Strudel aus Farblosigkeit unterzugehen.
Er stand auf. Voller Unsicherheit, die sich erst langsam - mit jedem Schritt mehr - in Entschlossenheit wandelte. Diesen roten Farbklecks wollte er haben. Ihn besitzen. Ihm seinen Willen aufzwingen und diese bunte Welt beherrschen. Und sich selbst vor dem Untergang darin bewahren. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen, um nicht in diesem Sumpf zu versinken. Den roten Gummiball ließ er dabei nicht aus den Augen. Hielt sich und seinen Verstand daran fest, wie an einem Rettungsanker. Die anderen Kinder sah er nicht, sie wichen vor ihm zurück und beobachteten ihn misstrauisch. Er sah nicht, dass sie alle Abstand zu ihm hielten und er spürte auch nicht ihre Blicke auf sich ruhen, für ihn gab es nur noch den roten Punkt vor sich. Ihm schien es, als ob er die Ewigkeit durchschritten hätte. Aber dann war er endlich zum Greifen nah. Das Objekt, um das sich sein Universum drehte. Seine Rettung. Sein Anker. Die Erlösung.
Er nahm ihn in seine Hände, ohne die protestierenden Worte des Besitzers zu hören. Er fühlte sich glatt an. Rund, rot und nach Macht. Er schloss für einen Moment die Augen, um dieses Gefühl zu genießen. Es durchströmte ihn und einen Atemzug lang fühlte er sich farbig. Als er sie wieder öffnete, hatte die Welt sich verändert. Die Farben blendeten ihn, stachen ihm in die Augen, schienen zu schreien. Nur die Kinder waren verstummt und mit ihnen auch alle anderen Geräusche, bis auf seinen dröhnenden Herzschlag. Er wusste was zu tun war. Er musste sich von dem Übel befreien. Vorsichtig legte er den Ball auf den Boden, vor seine Füße. Dann ging er ein paar Schritte zurück – nahm Anlauf und trat so kräftig dagegen, wie es ihm möglich war. Der Ball hob ab, schien in der Luft zu schweben und dem Horizont entgegen zu fliegen. Ein letztes Mal glänzte er in der Sonne, drehte sich um sich selbst und verschwand hinter der Hecke, die den Schulhof umgab. Der blasse Viertklässler war zufrieden, er brachte ein Lächeln zustande. Glücklich drehte er sich um und nahm wieder seinen Platz auf der hölzernen Bank ein. Seine Welt war wieder in Ordnung. Er war grau. Alle anderen auch. Und das war gut so.


Damals war er dumm gewesen, denn natürlich hatte es nicht lange gedauert bis ein Mutiger losgegangen war, um den Ball zu holen. Heute wusste Amandus, dass sich die Farben nicht kontrollieren ließen. Es gelang ihm nicht, sie in sich aufzunehmen, noch gelang es ihm sie aus der Welt zu schaffen.
Seitdem hatte sich nichts verändert. Im hellen Sonnenschein hatte er immer das Gefühl anders zu sein – nicht dazuzugehören. Er fühlte sich von der schreiend grellen Buntheit geblendet, sie machte ihn blind und zeigte ihm auf schmerzhafte Weise seine eigene Farblosigkeit. Aber das war nicht immer so. Vor vielen Jahren gab es eine Zeit, da gierte er nach Farbe.

Amandus stand am Fenster seines Zimmers und drückte gedankenverloren, wie es Jugendliche gerne taten, an einem Pickel auf seinem Kinn herum. Die Welt, von der er durch das Glas getrennt war, schien unterzugehen. Seit vor einigen Minuten die ersten Regentropfen gefallen waren, hatte sich der Himmel immer weiter in dunklere Wolken gehüllt und ihr jegliche Farbe genommen.
Er bewunderte die Natur dafür. Von einer Minute zur nächsten konnte sie sich in leuchtend bunte Farben hüllen, gelbe Rapsfelder, grüne Wiesen und sattblauen Himmel hervorbringen, nur um im nächsten Moment alles mit grauen Wolken, triefendem Regen oder milchiggrauem Nebel zu verhüllen. Er mochte dieses verzaubernde Farbenspiel. Sein Blick folgte den Regentropfen, die - jeder für sich - vom Himmel fielen, alles durchnässten auf das sie trafen, um sich dann zu einem kleinen Strom im Rinnstein zusammenzuschließen und aus seinem Blickfeld zu verschwinden. Er dachte an nichts bestimmtes, bis ihn plötzlich die Lust überkam. Von jetzt auf gleich – ohne Vorwarnung und so intensiv, dass er sich nicht wehren konnte. Es verlangte ihn nach Farbe. Es genügte nicht mehr, dass er sich die rosa und roten Geranien seiner Nachbarn ansah, auch das intensive gelb des Rapsfeldes beeindruckte ihn nicht mehr – nein, er brauchte mehr Farbe. Er wollte sie berühren, sie in seiner Nähe haben. Hier in seinem Zimmer. Mit raschen Schritten ging er in den Keller, wo er die Eimer für solche Notfälle aufbewahrte und dankte allen Göttern, dass seine Eltern nicht zu Hause waren. Sie hatten kein Verständnis für seine Farblosigkeit, drückten nur hin und wieder ihr Bedauern über seine Andersartigkeit aus und waren dankbar, dass er weder etwas mit Drogen, noch mit Alkohol zu tun hatte. Amandus verschwieg ihnen, dass die Farbe seine Sucht war und seine Drogen in den Blechbehältern im Keller lagerten, für die er sein ganzes Taschengeld ausgab. Ohne darüber nachzudenken nahm er alle Farbeimer, die er tragen, konnte und trug sie in sein Zimmer. Er betrachtete sie sich eine Weile, dann nahm er einen in die Hand, ging ein zweites Mal nach unten, um ihn auszutauschen. Als er mit seiner Auswahl zufrieden war, konnte er seine Sucht kaum noch unterdrücken. Sich seinem Rausch hingebend tauchte er einen Pinsel in sonniges Gelb und malte einen Streifen auf die graue Wand seines Zimmers. Das Gelb strahlte kräftig und Amandus war zufrieden. Dann tauchte er den nächsten Pinsel in den karmesinroten Eimer und strich die Farbe wellenförmig unter die gelbe Gerade. Dann folgte Moosgrün, quer über das Gelb und Rot, ein himmelblauer Kreis daneben und Mahagonibraun rahmenhaft um alles herum. Amandus spürte, wie sich ihm die Farben ergaben, wie er sie kontrollieren konnte, wie sie sich ihm fügten. Rot und Blau – ein scheinbares Chaos ohne Sinn, doch für ihn stellte es die Kontrolle dar. Strich um Strich fühlte er sich vollständiger, farbiger. Braun und Gelb beugten sich seinem Willen, er fühlte sich mächtig.
Farbberauscht und glücklich ließ er sich auf den Boden sinken, Kleckse umgaben und bedeckten ihn. Zufrieden betrachtete er sein Werk. Alles war bunt, nicht nur seine Haut und Kleidung, sondern auch seine Seele – sein Herz.
Er war zufrieden. Die Welt war farbig, er war farbig. Morgen würde er sich daran sattgesehen haben und die Wand wieder grau streichen, damit sie genauso war wie er.


Wann genau er begonnen hatte, die unkontrollierbare bunte Welt zu hassen, wusste er nicht. Wahrscheinlich als ihm das Alter die Unbeschwertheit der Jugend genommen hatte.
Jedes Tröpfchen hatte er in sich aufgesogen, wie das sterbende Feuer den Sauerstoff. Amandus wollte dazugehören, tat sein Bestes, um sein Leben so zu leben, wie es von ihm erwartet wurde. Mit der Gier eines Verdurstenden trank er die Farbe – wie die Vampire es mit dem Blut ihrer Opfer taten. Doch die Nacht, die ihn ständig umgab, beraubte ihn all seiner gesammelten Farbe. Er hatte sich eingestehen müssen, dass er nur in Grauheit leben konnte. Farbberaubt. Seelenlos.
An diesem Morgen hatte er nicht dem Impuls widerstehen können, sich den Sonnenaufgang zu betrachten. Gerade hatte er den letzten Schluck kalten Kaffees getrunken, als ihn die ersten Lichtstrahlen berührten und ihn zu grauem Staub verwandelten.
Hinter dem kleinen Häuflein Asche erhob sich die Sonne und tauchte die Welt in die Farbe schlechten Blutes. Und die Welt schwieg.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #2 |

RE: Farblosigkeit
Hallo Lady,

ich hab noch ein bisschen Zeit, bevor ich mich an die Arbeit setzen muss und möchte und da bietet sich deine Geschichte schon sehr an. Phantastik ist zwar nicht so meines, aber ich schreib ja auch nicht grad immer nur in der Fantasy rum, von daher: Ich widme mich gern auch mal was anderem. Mal schauen, was es Neues von dir gibt.

Die Sonne erhob sich blutrot über den Horizont.
=> Jede Geschichte die so beginnt muss doch einfach nur gut sein, oder? Icon_wink

Der Himmel brannte, ging in Flammen auf und die Welt erwachte. Er starrte den sich emporhebenden Himmelskörper an und wünschte sich eine ebensolche Farbe zu haben. Aber er war grau. Genauso grau, wie die Fliesen in seinem Bad. Grau, wie der Tisch in seinem Wohnzimmer, grau wie das Porzellan seiner Tasse. Das einzige, das außer dem Sonnenaufgang, eine Farbe besaß war der Kaffee in dem Porzellanbecher.
Und der Kaffe war kalt.

=> hmm, ... interessant. Ich geh mal stark davon aus, dass hier eigentlich gar nichts grau ist, sondern alles nur so wahrgenommen wird. Wenn ich darüber nachdenke, dann hätte ich erst gedacht, dass es an der Wärme der Farbe oder des Sonnenaufgangs selbst liegt. Die Fliesen sind kalt, der Tisch genauso wie das Porzellan, nur der Kaffee hat Farbe. Doch da ist schon das Problem: Er ist kalt. Also hab ich doch kein Muster. Und ich darf mich weiterhin gleich am Anfang fragen, was dahinter steckt ...

Ihm kam es so vor, als hätte er noch niemals warmen Kaffee getrunken. Selbst wenn er ihn gerade frisch aufgebrüht hatte. Amandus sah der immer weiter aufgehenden Sonne zu. Für ihn war es der erste Sonnenaufgang, den er seit Jahren erblickte. Normalerweise hatte er die Angewohnheit, zu dieser Zeit des Tages, in seinem Bett zu liegen und zu schlafen. Aber heute schien ihn seine innere Uhr zu täuschen - täuschen zu wollen.
=> Wird immer besser. Amandus (? was ist das für ein Name ?) nimmt die Wärme einfach auch nicht mehr wahr ...

Gedanken an den Tag, den er Nacht für Nacht verpasste.

=> Schööööön geschrieben.

Denn die Nacht schwieg. Amandus mochte den Moment indem die Lichter ausgingen und die Welt zum Schweigen gebracht wurde. Die Schwärze nahm alle Geräusche in sich auf. Geräuschlos. Farblos. Im Licht der Nachtgestirne wurde alles grau – so wie er. Er war dann nichts besonderes mehr, fühlte sich dazugehörig und genoss das Gefühl der Macht.
=> Die Macht der Dazugehörigkeit? Geräuschlos, farblos, im Licht schweigsamen Licht der Nacht? hmm, .... klingt in jedem Fall momentan sehr schön. Gut ausgedrückt.

Amandus wusste nicht, wie lange er die Sonne nicht mehr gesehen hatte - seit wann sein Leben grau geworden war.
Irgendwann hatte er geglaubt zu sehen, wie die Farben gebröckelt waren, absplitterten und einen Kosmos der Farblosigkeit hinterlassen hatten. Eines Tages hatte die Ewigkeit begonnen für ihn nur einen Augenblick zu dauern - die Zeit war bedeutungslos geworden.

=> Doppelt sich ein wenig. Ich würds ehrlich gesagt kürzen. "Amandus wusste nicht, wie lange er die Sonne nicht mehr gesehen hatte - seit wann sein Leben grau geworden war; die Zeit bedeutungslos. Eines Tages waren die Farben einfach gebröckelt, einen Kosmos aus Farblosigkeit hinterlassend, der die Ewigkeit zu wenigen Augenblicken zerrinnen ließ." Nur als Vorschlag gedacht. Icon_smile

Während er die Tasse an die Lippen hob, erinnerte er sich, wie der Teufel persönlich ihn zu einem von ihnen gemacht hatte. Der Seelenfänger, der auf dem Boden saß, diabolisch grinste und um Seelen bettelte. Er konnte nur der Teufel sein, auch wenn er statt Pferdehufen Turnschuhe trug und statt Hörnern eine zerbeulte Mütze. Er drückte ihm einen Prospekt in die Hand, wie es Ahnungslosen oft geschah, die sorglos durch die Fußgängerzone gingen.
=> Ei, ich komm hier mit der Zeit nicht ganz zurecht. Irgendwie hört es sich falsch an, wenn du an der Stelle im Präsenz erzählst, anstatt wie weiter oben in die Vergangenheit zu gehen. Das quietscht in den Ohren wie Nägel auf der Schultafel.

Werde ein Teil der Nacht. Werde ein Nachtwächter, versprach das einlaminierte Papier in großen Buchstaben. Amandus fühlte sich angesprochen. Berufen. Inspiriert. Er blinzelte in die Sonne und kniff die Augen zusammen.
=> Wie bitte? Flugblätter? Icon_confused

Schon immer hatte Amandus das Gefühl nicht in die Welt zu passen. Nicht in diese farbenreiche Welt. Die Stelle als Nachtwächter versprach ihm neue Möglichkeiten. Eine graue Zukunft, voller Farblosigkeit.
=> Irgendwie find ich, dass du das streichen solltest. Denn der Titel heißt so und das alles grau ist, hast du oben genug ausgebreitet. Hier nochmal darauf hinzuweisen ist, ... als würdest du nicht mit dem Finger, sondern nen Amboss in die richtige Richtung weisen. Es ist einfach, für mich zumindest, zu aufdringlich.

Das Lachen der spielenden Kinder schwebte über den Schulhof – erfüllte ihn. Doch einen Jungen der abseits auf einer der hölzernen Bänke saß erreichte es nicht. Er schien wie hypnotisiert von dem roten Gummiball den die Viertklässler zwischen sich hin und her springen ließen. Auch der Junge auf der Holzbank gehörte zu ihnen – und auch wieder nicht. Er saß blass und regungslos auf seiner Bank, nur seine dunklen Augen folgten dem Ball, auf und ab – hin und her. Das Rot glänzte in der Sonne, die den Schulhof erwärmte, doch den Jungen erreichten die Strahlen nicht.
=> Super schön geschrieben. Stimmungsvoll, ohne Wiederholungen. Fein! Read

Es schien, als ob es ihn gar nicht gäbe, als ob er nur ein altes Polaroidfoto wäre, das langsam verblasste. Eine Aura der Farblosigkeit umgab ihn, als ob ihm die Schatten folgen würden.
=> *kreisch* Schon wieder das F-Wort! Nein, definitiv, ich bin übersättigt mit der Pointe.

„Darf ich mitspielen?“, hatte er gefragt.
„Na gut“, hatten sie geantwortet. Dann hatte er dagestanden und den roten Gummiball zwischen den Händen gehalten. Er konnte nicht anders. Er hatte ihn einfach angestarrt, den Kontrast zwischen seinen weißen Fingern und dem Blutrot auf sich wirken lassen. Es hatte in seinen Augen geschmerzt, so dass er sie für einen Moment schließen musste.

=> Autsch. Ich möcht dir gern noch ein Beispiel, wenn ich darf:
"Darf ich mitspielen?" Seine Stimme war leise, fast schüchtern gewesen.
"Na gut", hatten sie geantwortet; ihn wenig später mit den roten Gummiball zwischen den Händen in ihre Mitte treten lassen. Doch ihre Anwesenheit war rasch verblasst ..."

~ Ich stelle fest, wenn ich hatte umgehen will, muss ich immer ganz anders formulieren, um mich daran vorbei zu schleichen. Nicht leicht, geb ich zu, da ich selbst gerade lang überlegt hab. Ich finde aber immer nen guten Trick dabei, wenn man sich zwischen "war" und "hatte" immer wieder abwechselt. Dann wirkts meist weniger wiederholend und eintönig.

Aber er ließ den springenden Ball nicht aus den Augen. Auf und ab – hin und her. Die Welt schien sich nur um diesen roten Farbklecks zu drehen. Alle anderen Farben um ihn verschwammen, verwischten zu einem grauen Brei – und der Junge ebenso.
=> Interessant. Rot wie der Sonnenaufgang.

Die anderen Kinder sah er nicht, sie wichen vor ihm zurück und beobachteten ihn misstrauisch.
=> Da ist ein Leerzeichen zu viel.

Damals war er dumm gewesen, denn natürlich hatte es nicht lange gedauert bis ein Mutiger losgegangen war und den Ball geholt hatte. An das was dann geschehen war, konnte er sich nicht mehr erinnern.
=> Da versteh ich nicht ganz was du meinst? An was sollte er sich denn erinnern und kann es nicht? Oder ist das nur ein Füllsatz, ein unwichtiger? Wenn ja, würd ich ihn streichen und gleich mit "Heute" weitergehen, denn eigentlich frag man sich, was du andeuten willst. Danach kam das Leben, da sind viele Jahre, kann er sich an das erinnern, an den Jungen, der den Ball wieder geholt hatte?

Sie hatten kein Verständnis für seine Farblosigkeit, drückten nur hin und wieder ihr bedauern über seine Andersartigkeit aus und waren dankbar, dass er weder etwas mit Drogen, noch mit Alkohol zu tun hatte. Amandus verschwieg ihnen, dass die Farbe seine Sucht war und seine Drogen in den Blechbehältern im Keller lagerten.
=> Sehr interessant. Gute Idee! Icon_smile

Sich seiner Sucht hingebend tauchte er einen Pinsel in sonniges Gelb und malte einen Streifen auf die weiße Wand seines Zimmers. Das Gelb strahlte kräftig und Amandus war zufrieden.
=> Einspruch! Hat er denn noch weiße Wände? Wie oft malt er denn und woher nimmt ein jugendlicher so viel Geld für so viel Farbe. Auch die weiße, weil er muss ja wieder ausweißen. Farbe ist teuer, hab ich in meinem Leben festgestellt! Icon_ugly Seine Eltern unterstützen ihn glaub ich da nicht so, wenn er sein Zimmer jedes Mal verunstaltet. Außerdem, ein Raps-Gelb ist immer schöner und kann zu jederzeit mithalten mit einem an die Wand gepinselten Gelb. Ich würd dir ne andere Farbe empfehlen, sonst fragt sich der Leser, warum der Raps schlechter sein soll, als das.

Er war zufrieden. Die Welt war farbig, er war farbig. Morgen würde er sich daran sattgesehen haben und die Wand wieder grau streichen, damit sie dieselbe Farbe bekam, die er besaß.
=> Vorher war die Wand noch weiß. Icon_wink

Hinter dem kleinen Häuflein Asche erhob sich die Sonne und tauchte die Welt in die Farbe schlechten Blutes.
=> Hach! Abercrombie-Satz! *schwärm*

So, dass soll es gewesen sein. Sprachlich hatte ich nicht viel anzumerken, wie mir eben bewusst wird. Immer wieder gut dich zu lesen, allerdings gibt es zwei Dinge, die ich handwerklich nicht ganz so toll fand. Zum einen dieses schreckliche "hatte". Einfach überall. Und zum anderen, das wiederholen von "Farbe". Überall Farbe und gleichzeitig nur wenig vorhanden und überhaupt: Ich meine es würden sich sicherlich so viele malerische Umschreibungen finden lassen. Da wäre ganz schön viel Potenzial vorhanden. So aber übersättigst du den Leser im Dauerlauf. Liegt natürlich auch am Inhalt, es geht ja nur um "das eine". Aber trotzdem find ich, dass man schlussendlich vorsichtig sein muss, die Begriffe nicht zu oft zu verwenden, selbst wenn sie das Zentrale nicht nur umschreiben, sondern einfach dazugehören. Irgendwann wirds aber doch zu viel.

Inhaltlich. Nun. Eine sehr einnehmende und interessante Idee ist das, was du deinen Lesern bietest. Wir haben einen Farben-Vampir. Einen Süchtling, aus dessen Leben du uns ein paar Einblicke bietest. Und das gut, wie ich finde. Ich mochte das Spiel mit den Farben. Das sie mal da waren, mal weg. Das war alles sehr bildlich in meinen Augen; konnte ich mir gut vorstellen. Irgendwie hätte ich nur gern mehr über die Arbeit erfahren und den Teufel. Wobei, vermutlich gibt es da nicht viel zu wissen. Eine normale Firma und ein jemand, der einfach auf merkwürdige Art (denn Flyer sind merkwürdig) für neue Mitarbeiter wirbt, die sein Betriebsgelände schützen? Klingt wahrscheinlicher, wenn mans bedenkt. Allerdings bringt mich das auf den Gedanken: Wie löst er das mit dem Einkaufen in seiner Freizeit? Er ist ja am Tag so gut wie nie unterwegs. Wie löst er das mit Behördengängen? Wie am Wochenende? Ich finde, das hättest du ausweiten können. Er braucht unbedingt eine Putzdame, die einkaufen geht und so. Eben ein ganzes Leben. Ein System, dass du dem Leser zeigen kannst und mit dem du deutlich machst: Hey, geht auch alles ohne den Tag und die blöden Farben. Mrgreen

Das Ende ist für mich sehr surreal. Er wird also wieder von den Farben verbrannt. Zu Asche gewandelt, ganz im Grau, weil er das Licht nicht mehr genießen kann. Was anderes lässt sich kaum vorstellen, weil er ja auch früher schon an der Sonne war. Der Schock-Effekt war dennoch vorhanden und auch das kurzlebige Fragezeichen übern Kopf. Gut gemacht und Experiment so weit geglückt, würd ich sagen.

Icon_smile

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"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
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Beitrag #3 |

RE: Farblosigkeit
Sanyasala Lady,


(29-05-2011, 14:03)LadydesBlauenMondes schrieb: Ziemlich experimentell
Ja, vielleicht. Auf jeden Fall hast du mich gefangen. Eigentlich müsste ich einige Absätze frei lassen, dir den Raum zeigen, in dem ein unbestimmtes, graubuntes Gefühl mich ergriffen hat, aber das wäre vielleicht unpassend ... Es ist eine schöne Geschichte, glaube ich, schön und auf seltsame Weise berührend. Amandus sein oder ihn zu verstehen glauben, ihn begleiten oder an seiner Leidensfreude teilnehmen? Ich weiß es nicht genau, es ist ein seltsames Lesegefühl. Als müsste man den Text wiederlesen, um sehen zu können, was da eigentlich steht.
... aber dass er ausgerechnet Amandus heißen muss Icon_ugly

Grobe Fehler sind mir überhaupt nicht aufgefallen, allerdings sind einige Kleinigkeiten übersehen geblieben Icon_smile

Zitat:Und der Kaffe war kalt.
Hier fällt mir gerade ein fehlendes e auf: "e" *eingekeschert hab*

Zitat:Ich stehe nach Sonnenuntergang auf und lege mich vor Sonnenaufgang wieder hin.
Im Nachhinein hätte ich hier noch eine Frage: Sollte ein Nachtwärter nicht die ganze Nacht wachen, also das Morgengrau (Irony *g*) noch miterleben, wenn er nach Hause geht? Ich weiß es wirklich nicht.

Zitat:Er war dann nichts besonderes mehr
"nichts Besonderes mehr"

Zitat:Irgendwann hatte er geglaubt zu sehen, wie die Farben gebröckelt waren, absplitterten und einen Kosmos der Farblosigkeit hinterlassen hatten. Eines Tages hatte die Ewigkeit begonnen für ihn nur einen Augenblick zu dauern - die Zeit war bedeutungslos geworden.
Diesen Satz muss ich anmerken - als einen der schönsten, über die ich je nachdenken musste. Wirklich, er ist fantastisch und wirkt lange nach Icon_smile

Zitat:Er bezeichnete sich selbst, als ein Geschöpf der Nacht
Dieses Komma ist zuviel.

Zitat:Werde ein Teil der Nacht. Werde ein Nachtwächter, versprach das einlaminierte Papier in großen Buchstaben.
"versprach" passt hier irgendwie nicht so recht. Müsste es nicht eher so etwas wie "beschwor" sein?

Zitat:Schon immer hatte Amandus das Gefühl nicht in die Welt zu passen.
Ich glaube, nach "Gefühl" fehlt ein Koma.

Zitat:Doch einen Jungen, der abseits auf einer der hölzernen Bänke saß, erreichte es nicht. Er schien wie hypnotisiert von dem roten Gummiball, den die Viertklässler zwischen sich hin und her springen ließen.

Zitat:Es hatte in seinen Augen geschmerzt, so dass er sie für einen Moment schließen musste. Dann waren die Kinder gekommen, hatten ihm den Ball abgenommen und ihm ein „Du bist doof.“ dagelassen. Wie bunte Farbkleckse waren sie um ihn herumgesprungen und hatten ihn auf die Holzbank vertrieben.
Auch eine sehr berührende Stelle. Hat eine Art kindliche Tragik, finde ich. So leicht gesagter Schmerz, irgendwie. Ach, frag mich nicht, ich finde keine passende Worte dafür, die hast du ja schon aufgeschrieben.

Zitat:Er hatte das Gefühl in dieser grauen Masse unterzugehen.
Hier fehlt, glaube ich, wieder nach "Gefühl" ein Komma.

Zitat:Es schien seine Rettung zu sein um nicht in diesem reisenden Strudel aus Farblosigkeit unterzugehen.
Und hier nach "zu sein".

Zitat: sie wichen vor ihm zurück
Hier scheinst du geplankt zu haben Icon_wink

Zitat:Rund, Rot und nach Macht.
"rot" muss klein geschrieben werden, denke ich Icon_smile

Zitat:An das was dann geschehen war, konnte er sich nicht mehr erinnern.

Komma nach "An das" Icon_wink

Zitat:Mit raschen Schritten ging er in den Keller, wo er die Eimer für solche Notfälle aufbewahrte und dankte allen Göttern, dass seine Eltern nicht zu Hause waren. Sie hatten kein Verständnis für seine Farblosigkeit, drückten nur hin und wieder ihr bedauern über seine Andersartigkeit aus und waren dankbar, dass er weder etwas mit Drogen, noch mit Alkohol zu tun hatte. Amandus verschwieg ihnen, dass die Farbe seine Sucht war und seine Drogen in den Blechbehältern im Keller lagerten.
Wieder so eine besonders schöne Stelle Icon_smile

Zitat:Er betrachtete sie sich eine Weile
Ein "sich" zuviel, wenn du mich fragst.

Zitat:Als er mit seiner Auswahl zufrieden war konnte er seinen Rausch kaum noch unterdrücken.
Komma nach "war" - und kann man einen Rausch unterdrücken? Nicht eher einen Drang? Oder kann sich endlich dem Rausch hingeben?

Zitat: auf die weiße Wand seines Zimmers.
Heißt es später nicht, sie wäre grau?

Zitat:Wann genau er begonnen hatte die unkontrollierbare Welt aus Farben zu hassen wusste er nicht.
Komma nach "hatte" - und eines nach "hassen", denke ich.

Zitat:Doch die Nacht die ihn ständig umgab beraubte ihn all seiner gesammelten Farbe.
Komma nach "Nacht" und eines noch nach "umgab".

Zitat:Gerade hatte er den letzten Schluck kalten Kaffees getrunken, als ihn die ersten Lichtstrahlen berührten und ihn zu grauem Staub verwandelten.
Hinter dem kleinen Häuflein Asche erhob sich die Sonne und tauchte die Welt in die Farbe schlechten Blutes. Und die Welt schwieg.
Ein wundervoller Schluss, richtig bildhaft-schön. Aber ich würde das "ihn" vor "zu grauem Staub" noch wegnehmen, es liest sich so gedoppelt.

Als Fazit kann ich nur sagen: Pro Hat mir sehr gut gefallen.

Alles Liebe und Liebliche Icon_wink
Trin

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #4 |

RE: Farblosigkeit
Hallo ihr zwei,

beim ersten überfliegen eurer Kommentare hat mich schonmal beruhigt, dass ihr anscheinend verstanden habt worum es ging. Da war ich mir teilweise echt unsicher inwieweit das Experiment funktioniert. Icon_smile Aber der Reihe nach.

@Sternchen:
Zitat:Die Sonne erhob sich blutrot über den Horizont.
=> Jede Geschichte die so beginnt muss doch einfach nur gut sein, oder? Icon_wink

Das kann ich nur hoffen. Ich hatte ursprünglich wirklich mit dem Impulssatz angefangen, dazu dann ungefähr ne halbe Seite geschrieben und als ich mich dann dazu entschloss das Ganze auszuweiten ist der Satz dann doch ans Ende gekommen. Icon_wink

Zitat:Während er die Tasse an die Lippen hob, erinnerte er sich, wie der Teufel persönlich ihn zu einem von ihnen gemacht hatte. Der Seelenfänger, der auf dem Boden saß, diabolisch grinste und um Seelen bettelte. Er konnte nur der Teufel sein, auch wenn er statt Pferdehufen Turnschuhe trug und statt Hörnern eine zerbeulte Mütze. Er drückte ihm einen Prospekt in die Hand, wie es Ahnungslosen oft geschah, die sorglos durch die Fußgängerzone gingen.
=> Ei, ich komm hier mit der Zeit nicht ganz zurecht. Irgendwie hört es sich falsch an, wenn du an der Stelle im Präsenz erzählst, anstatt wie weiter oben in die Vergangenheit zu gehen. Das quietscht in den Ohren wie Nägel auf der Schultafel.

Ich hatte während dem Schreiben echt mehrere Krisen wegen den Zeiten unter anderem auch, weil ich die ganzen Rückblenden im Nachhinein eingebaut hab, daher kann es durchaus sein, dass ich da durcheinander gekommen bin. Ich seh im Moment zwar nicht, wo ich ins Präsens gerutscht bin, aber ich schaus mir nochmal in Ruhe an.

Zitat:=> *kreisch* Schon wieder das F-Wort! Nein, definitiv, ich bin übersättigt mit der Pointe.

Okay, ich werd schauen, dass ich das böse F-Wort rauskürze. Icon_wink

Zitat:~ Ich stelle fest, wenn ich hatte umgehen will, muss ich immer ganz anders formulieren, um mich daran vorbei zu schleichen. Nicht leicht, geb ich zu, da ich selbst gerade lang überlegt hab. Ich finde aber immer nen guten Trick dabei, wenn man sich zwischen "war" und "hatte" immer wieder abwechselt. Dann wirkts meist weniger wiederholend und eintönig.

Mir sind diese „hattes“ auch schon sauer aufgestoßen. Nur irgendwann nachdem ich alles dann zum Millionstenmal gelesen hab, hatte ich keinen Plan mehr, wie ich da drum herum komme. Vielleichts liegts dran, das man irgendwann zu festgefahren in der eigenen Satzstruktur ist, daher danke für den Tipp mit dem „war“. Icon_smile

=> Da versteh ich nicht ganz was du meinst? An was sollte er sich denn erinnern und kann es nicht? Oder ist das nur ein Füllsatz, ein unwichtiger? Wenn ja, würd ich ihn streichen und gleich mit "Heute" weitergehen, denn eigentlich frag man sich, was du andeuten willst. Danach kam das Leben, da sind viele Jahre, kann er sich an das erinnern, an den Jungen, der den Ball wieder geholt hatte?

Zitat:=> Einspruch! Hat er denn noch weiße Wände? Wie oft malt er denn und woher nimmt ein jugendlicher so viel Geld für so viel Farbe. Auch die weiße, weil er muss ja wieder ausweißen. Farbe ist teuer, hab ich in meinem Leben festgestellt! Seine Eltern unterstützen ihn glaub ich da nicht so, wenn er sein Zimmer jedes Mal verunstaltet. Außerdem, ein Raps-Gelb ist immer schöner und kann zu jederzeit mithalten mit einem an die Wand gepinselten Gelb. Ich würd dir ne andere Farbe empfehlen, sonst fragt sich der Leser, warum der Raps schlechter sein soll, als das.

Also er hat noch weiße Wände, weil er das immerwieder übermalt. Darüber wo er das Geld für die Farbe her hat hab ich mir eigentlich keine Gedanken gemacht, aber ich schätz mal er wird sein Taschengeld hauptsächlich dafür sparen. Und die Eltern, joar, wieso sollten die ihn nicht unterstützen? Die halten ihn sicher für sehr kreativ. Icon_smile Andrerseits werden die ja auch ab und zu mal Farbe brauchen und er wird sich an ihren Resten bedienen. Jedenfalls find ich das sehr nebensächlich …
Zum Gelb: Es geht ihm nicht darum, welches gelb schöner ist, sondern das er die Farbe näher bei sich braucht, in seinem Zimmer halt, ich hatte dazu noch einen Satz an der Stelle drin, fand ihn dann doof und wird jetzt aber mal schauen, ob ich ihn nicht doch wieder rein tu. Es geht ihm ja darum mit der Farbe rumzuhantieren und nicht nur ums angucken. Icon_wink

Zitat:Einen Süchtling, aus dessen Leben du uns ein paar Einblicke bietest. Und das gut, wie ich finde.

Dieser Satz von dir beruhigt mich doch sehr. Ich war mir echt unsicher, ob ich Amandus nahe genug an den Leser ranbringen kann, damit er verstanden werden kann. Icon_smile

Zitat:Irgendwie hätte ich nur gern mehr über die Arbeit erfahren und den Teufel. Wobei, vermutlich gibt es da nicht viel zu wissen.

Stimmt, da gibt’s nichts zu wissen. Der „Teufel“ ist nur ein ganz normaler 1-Euro-Jobber, der Werbezettel verteilt. Ich hab mir das so vorgestellt das die einfach nur allgemein Werbung für den Nachtwächterjob machen und noch nicht mal die Firma speziell.

Zitat:Allerdings bringt mich das auf den Gedanken: Wie löst er das mit dem Einkaufen in seiner Freizeit? Er ist ja am Tag so gut wie nie unterwegs. Wie löst er das mit Behördengängen? Wie am Wochenende? Ich finde, das hättest du ausweiten können.

Hmm, ich weiss nicht. Ich finde seinen Alltag nicht so sehr interessant. Es ist ja nicht so, wie bei den Vampiren, dass er gar nicht rausgehten kann. Er war ja auch normal in der Fußgängerzone. Nur am Ende verträgt er die Farbübersättigung eben nicht mehr. Einkaufen z.b. kann er auch spät abends, die Geschäfte haben ja teilweise ewig lang auf. Behördengänge könnte er frühmorgens erledigen, oder z.b. auch neblige/regnerische Tage mag Amandus bestimmt, wenn nicht alles so farbig ist. Icon_wink

Zitat:Gut gemacht und Experiment so weit geglückt, würd ich sagen.

Danke für die Blumen. Icon_cuinlove Und überhaupt für den tollen Kommentar. Ich werd mich demnächst an die Überarbeitung machen und sicherlich viel mit deinen Tipps anfangen können. Wie schon gesagt, die handwerlichen Schnitzer sind mir auch schon aufgefallen, aber wenn mans oft genug gelesen hat, sieht man das einfach nicht mehr. Wie gut das ich euch hab. Icon_smile

@Trin:

Zitat:Eigentlich müsste ich einige Absätze frei lassen, dir den Raum zeigen, in dem ein unbestimmtes, graubuntes Gefühl mich ergriffen hat, aber das wäre vielleicht unpassend ...

Boah. Icon_jump Das freut mich jetzt aber sehr, dass ich dich auf Amandus Weg mitnehmen konnte. Mir gings beim Schreiben übrigens so ähnlich wie dir, ich musste sehr vorsichtig vorgehen um ja kein falsches Wort zuviel oder zuwenig zu benutzen, was dieses ganze Farbgebilde zerstören würde/könnte.

Zitat:Hier fällt mir gerade ein fehlendes e auf: "e" *eingekeschert hab*

Ne, jetzt, oder? Doh

Zitat:Im Nachhinein hätte ich hier noch eine Frage: Sollte ein Nachtwärter nicht die ganze Nacht wachen, also das Morgengrau (Irony *g*) noch miterleben, wenn er nach Hause geht? Ich weiß es wirklich nicht.

Ich hab auch keine Ahnung aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass die noch mehr Wachpersonal haben und die Schichtwechsel eben so sind, dass Amandus den Sonnenaufgang nicht sieht.

Zitat:auf die weiße Wand seines Zimmers.
Heißt es später nicht, sie wäre grau?

Das hat Sternchen auch schon angemerkt. Ich glaub in dem Moment hab ich einfach grau und weiß gleichgesetzt, sozusagen weil beides farblos ist. Ich schätz mal ich mach sein ganzes Zimmer einheitlich grau. Icon_smile

Danke für das heraussuchen der ganzen Komma-Dinger, damit komm ich nie klar. Icon_wink Und danke überhaupt für den den ganzen Kommentar der mir doch einen ganzen Berg von der Seele geräumt hat. Ich hatte wirklich bedenken, dass ich "zu dick" aufgetragen hab, zu "abgedreht" worden bin, aber ich freu mich so sehr, dass es euch beiden gefallen hat.

Liebe Grüße,
Lady

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Beitrag #5 |

RE: Farblosigkeit
Guten Morgen Lady,

Rückmeldung zur Rückmeldung. Und die Mainpage ist noch nicht mal fertig. Z z z z z ... Icon_wink

Also er hat noch weiße Wände, weil er das immerwieder übermalt. Darüber wo er das Geld für die Farbe her hat hab ich mir eigentlich keine Gedanken gemacht, aber ich schätz mal er wird sein Taschengeld hauptsächlich dafür sparen. Und die Eltern, joar, wieso sollten die ihn nicht unterstützen? Die halten ihn sicher für sehr kreativ. Andrerseits werden die ja auch ab und zu mal Farbe brauchen und er wird sich an ihren Resten bedienen. Jedenfalls find ich das sehr nebensächlich …
=> Ich glaub dir gern, dass das für dich Nebensächlich war, sonst hättest du was erwähnt, und ich versteh es sogar auch. Denn sind wir ehrlich, das ist nur Hintergrund und nix anderes. Aber ich muss auch sagen, dass, wenn ich mich als Leser beginne so etwas zu fragen, es ein Zeichen ist, dass mir ein wenig "Hintergrund" also Sicherheit im Konzept fehlt. Eben das Gefühl, dass du ganz genau weißt wie alles bei ihm ist. Ja, im Grunde nebensächlich und nicht soo gewichtig. Die Idee ist deshalb nicht schlechter, aber für mich wirkt es dadurch noch nicht ganz rund. Ich möchte nämlich gar nicht auf die Idee kommen, mich Sachen zu fragen, die du dir nicht stellen willst. Icon_smile

Zum Gelb: Es geht ihm nicht darum, welches gelb schöner ist, sondern das er die Farbe näher bei sich braucht, in seinem Zimmer halt, ich hatte dazu noch einen Satz an der Stelle drin, fand ihn dann doof und wird jetzt aber mal schauen, ob ich ihn nicht doch wieder rein tu. Es geht ihm ja darum mit der Farbe rumzuhantieren und nicht nur ums angucken.
=> Versteh ich auch gern. Im Text war es allerdings nicht deutlich. Ist genauso wie der Hintergrund für mich eine Frage von mini-kleinen-Kleinigkeiten. Also Andeutungen. Beides erfordert so gut wie keine Änderungen, vor allem keine großen. In diesem Fall, also in dem von Gelb, würd ich dir wirklich gerne empfehlen, da nochmals drüberzugehen und den Unterschied herauszuarbeiten. Was den Hintergrund betrifft, so ist das im Vergleich dazu sicherlich weniger gewichtig.

Hmm, ich weiss nicht. Ich finde seinen Alltag nicht so sehr interessant. Es ist ja nicht so, wie bei den Vampiren, dass er gar nicht rausgehten kann. Er war ja auch normal in der Fußgängerzone. Nur am Ende verträgt er die Farbübersättigung eben nicht mehr. Einkaufen z.b. kann er auch spät abends, die Geschäfte haben ja teilweise ewig lang auf. Behördengänge könnte er frühmorgens erledigen, oder z.b. auch neblige/regnerische Tage mag Amandus bestimmt, wenn nicht alles so farbig ist.
=> Ich verweise auf oben. Für mich hat es den Eindruck gemacht, als würde er so gut wie gar nicht mehr rausgehen, wenn es hell ist. Und wenn das so ist, fände ich das "wie" teuflich interessant. Du musst dich darauf aber nicht einlassen, wenn du nicht willst. Ich hab mich nur danach gefragt; fänd ein wenig Hintergrundrückhalt ne schöne Ergänzung.

Und überhaupt für den tollen Kommentar. Ich werd mich demnächst an die Überarbeitung machen und sicherlich viel mit deinen Tipps anfangen können. Wie schon gesagt, die handwerlichen Schnitzer sind mir auch schon aufgefallen, aber wenn mans oft genug gelesen hat, sieht man das einfach nicht mehr. Wie gut das ich euch hab.
=> Schööön, wenn ich helfen konnte! Icon_smile
Freut mich ganz doll!

Liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #6 |

RE: Farblosigkeit
Hey Sternchen,

kurze Rückmeldung zur Rückmeldung. Icon_panik Icon_smile

Zitat:Aber ich muss auch sagen, dass, wenn ich mich als Leser beginne so etwas zu fragen, es ein Zeichen ist, dass mir ein wenig "Hintergrund" also Sicherheit im Konzept fehlt. Eben das Gefühl, dass du ganz genau weißt wie alles bei ihm ist.

Tja, ich denke das ist ein sehr schmaler Grad auf dem ich mich hier grad bewege. (Gerade mit so Hintergrundinfos sollte man ja vorsichtig sein, damits nicht überladen wirkt) Ich denke das ist so winzige Kleinigkeit, die man sich als Leser schon herleiten kann -find ich. Wir bewegen uns hier ja in einem ganz alltäglichen Hintergrund, wo es eben auch alltägliche Erklärungen gibt. Würden wir uns jetzt in einer völlig anderen Welt befinden, wo ich was spezielles erklären müsste, würde ich dir sofort Recht geben. Icon_wink

Zitat:In diesem Fall, also in dem von Gelb, würd ich dir wirklich gerne empfehlen, da nochmals drüberzugehen und den Unterschied herauszuarbeiten.

Hier wiederum geb ich dir Recht, weil seine Beziehung zu Farben ja was spezielles ist. Ich werde dazu noch nen Satz einschieben, dass es eben einen Unterschied zwischen nur betrachten und hantieren gibt. Icon_smile

Zitat:=> Ich verweise auf oben. Für mich hat es den Eindruck gemacht, als würde er so gut wie gar nicht mehr rausgehen, wenn es hell ist.

Das mit dem rausgehen ist, genauso wie mit dem Taschengeld, find ich. Eine Hintergrundkleinigkeit, die sich bei ihm eigentlich nicht von „normalen“ Menschen unterscheidet. Ich denke es ist auch Geschmackssache wieviel von solchen Hintergrund der Leser haben will. Trin, z. B. hat das nicht angesprochen. ^^ Ich werde mal schauen, ob ich an den Problemstellen nochmal einen Satz dazu einflechten kann, dann dürfte es nicht zu überladen wirken. Icon_wink

Liebe Grüße,
Lady

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Beitrag #7 |

RE: Farblosigkeit
Hey Lady,

da du so nett warst bei meiner Geschichte einen Kommentar zu hinterlassen, denke ich, es ist an der Zeit zu erwidern.

Wie immer gilt meine Kritik ganz alleine deiner Geschichte und nicht deiner Person.

Zitat:Die Sonne erhob sich blutrot über den Horizont.
Sehr schöner Anfang

Zitat:Der Himmel brannte, ging in Flammen auf und die Welt erwachte.
Ich fände hier ein „als“ anstelle des „und“s schöner. Das ist allerdings Geschmackssache.

Zitat:Er starrte den sich emporhebenden Himmelskörper an und wünschte sich eine ebensolche Farbe zu haben.
Das „er“ an dieser Stelle führt zu Irritation, weil es zuerst auf mich so gewirkt hat, als würde mit er der brennende Himmel gemeint sein. Ich würde daher direkt mit den Namen des Protagonisten beginnen.

Zitat: Aber er war grau. Genauso grau, wie die Fliesen in seinem Bad. Grau, wie der Tisch in seinem Wohnzimmer, grau wie das Porzellan seiner Tasse. Das einzige, das außer dem Sonnenaufgang(,) eine Farbe besaß, war der Kaffee in dem Porzellanbecher. Und der Kaffee war kalt.
Ihm kam es so vor, als hätte er noch niemals warmen Kaffee getrunken.
1. Kommasetzung
2. Ich verstehe schon, dass du die Wiederholung der Worte „grau wie“ hier als Stilmittel einsetzen willst, allerdings habe ich beim ersten Überfliegen deiner Geschichte bereits gesehen, dass du sehr gerne diese Wortwiederholungen verwendest, hier könntest du es durch eine einfache Aufzählung vermeiden. Von daher… denk einfach mal darüber nach.
3. Also ich weiß zwar nicht wie dein Kaffee aussieht, aber der Kaffee in meine Becher ist schwarz und somit farblos.
4. Ich finde den vorletzten Satz besser, wenn das Wort Kaffee dort nicht noch mal wiederholt werden würde, sondern du schlichtweg schreiben würdest:“ … und der war kalt“. Es wäre auch von den vielen Wortwiederholungen (grau, Kaffee, war) her schöner.

Zitat:Wenn die Sonne sich vom Horizont erhob und ihre Wärme in die Welt schickte. Wenn die Sonnenstrahlen die Luft golden färbten und alles Leuchten ließen, auf das sie trafen. Amandus hatte diese Erzählung wenig beeindruckt. Er war zufrieden mit seiner Arbeit, wenn Mond und Sterne seine einzigen Begleiter waren.
1. Du strapazierst das Wort Sonne in dem diesen Satz vorangegangen Absatz schon ganz gehörig, darum schlage ich vor, hier anstelle der Sonnenstrahlen einfach mal „wenn ihre Strahlen die Luft…“ zu schreiben, um die Sonne ein bissel zu entlasten.
2. Die ersten beiden „wenn“s erkenne ich als Stilmittel an, das dritte „Wenn“ vor Mond würde ich durch ein Synonym ersetzen, um eine zu häufige Wortwiederholung zu vermeiden.

Zitat: In der Nacht gehörte ihm nicht nur das Firmengelände, sondern auch die Welt. Dann besaß er die Kontrolle über sein Leben – über alles.
Dieser Satz gefällt mir wirklich gut.

Zitat:Eines Tages glaubte er zu sehen,…
Ich bin mir nicht sicher, ob an dieser Stelle die Zeitform die richtige ist, da du ja eigentlich die Vergangenheit der Vergangenheit beschreibst, oder?

Zitat:Er bezeichnete sich selbst als ein Geschöpf der Nacht, wie es die Vampire in den schlechten Filmen immer taten. Während er die Tasse an die Lippen hob, erinnerte er sich, wie der Teufel persönlich ihn zu einem von ihnen gemacht hatte.
1. Wortwiederholung: wie
2. ich würde das „den“ weglassen, da es überflüssig ist
3. Ich würde „ihn zu einem von ihnen“ durch „ihn zu einem der ihren“ ersetzen, um das doppelte „ihn“ zu vermeiden.

Zitat: Er drückte ihm einen Prospekt in die Hand, wie es Ahnungslosen oft geschah, die sorglos durch die Fußgängerzone gingen.
Mir persönlich ist dieser Satz aufgrund seiner Verschachtelung etwas zu unübersichtlich beim Lesen.

Zitat:Werde ein Teil der Nacht. Werde ein Nachtwächter, bot das einlaminierte Papier in großen Buchstaben an.
Das Wort „einlaminierte“ gibt es laut Duden nicht, da laminieren an sich schon das Überziehen mit einer Deckschicht beschreibt. Laminiert würde daher schon reichen.

Zitat:Schon immer hatte Amandus das Gefühl gehabt, nicht in die Welt zu passen.
Vom Gefühl her, würde ich ein „gehabt“ einsetzen.

Zitat: Doch einen Jungen, der abseits auf einer der hölzernen Bänke saß, erreichte es nicht. Er schien wie hypnotisiert von dem roten Gummiball, den die Viertklässler zwischen sich hin und her springen ließen. Auch der Junge auf der Holzbank gehörte zu ihnen – und auch wieder nicht. Er saß blass und regungslos auf einer Bank,
1.Wortwiederholung: Bank, Holz, saß, (auch; das zweite „auch“ könnte man z.B. durch "und doch" ersetzen)
2.Kommasetzung

Zitat:Er hatte sich in die Schatten geflüchtet, wo ihm die Sonne nicht mehr die Augen zum Tränen brachte und ihn die Kinder vergessen konnten. Er gehörte nicht zu ihnen, er war anders als sie und sie ließen ihn das jeden Tag spüren.
Eine wirklich sehr traurige Stelle und dabei so wunderschön in ihrer Traurigkeit.

Zitat: Alle anderen Farben um ihn verschwammen, verwischten zu einem grauen Brei – und der Junge ebenso.
Ich würde hier, anstelle von „der Junge“ „er selbst“ schreiben.

Zitat:Die anderen Kinder sah er nicht, sie wichen vor ihm zurück und beobachteten ihn misstrauisch. Er sah nicht, dass sie alle Abstand zu ihm hielten und er spürte auch nicht ihre Blicke auf sich ruhen, für ihn gab es nur noch den roten Punkt vor sich.
Mir persönlich ist das ganze „der rote Ball“ ein bissel zu viel des Guten. Okay, er ist davon besessen, aber etwas kürzer könnte der Abschnitt dennoch sein.

Zitat:Es durchströmte ihn und einen Herzschlag lang fühlte er sich farbig. Als er sie wieder öffnete, hatte die Welt sich verändert. Die Farben blendeten ihn, stachen ihm in die Augen, schienen zu schreien. Nur die Kinder waren verstummt und mit ihnen auch alle anderen Geräusche, bis auf seinen dröhnenden Herzschlag.
Wortwiederholung: Herzschlag

Zitat: Der blasse Viertklässler war zufrieden, er brachte ein Lächeln zustande. Glücklich drehte er sich um und nahm wieder seinen Platz auf der hölzernen Bank ein. Seine Welt war wieder in Ordnung. Er war grau. Alle anderen auch. Und das war gut so Damals war er dumm gewesen, ..
Wortwiederholung: war

Zitat:Er fühlte sich von den schreiend grellen Buntheit geblendet,…
Es müsste „der“ heißen.

Zitat: Die Welt, von der er durch das Glas getrennt war, schien unterzugehen. Seit vor einigen Minuten die ersten Regentropfen gefallen waren, hatte sich der Himmel immer weiter in dunklere Wolken gehüllt und der Welt jegliche Farbe genommen. Er bewunderte die Natur dafür. Von einer Minute zur nächsten konnte sie sich in leuchtend bunte Farben hüllen,…
Wortwiederholung: Welt, Farbe

Zitat:…um sich dann zueinem kleinen Strom im Rinnstein zusammenzuschließen und aus seinem Blickfeld zu verschwinden.

Zitat:Sie hatten kein Verständnis für seine Farblosigkeit, drückten nur hin und wieder ihr Bedauern über seine Andersartigkeit aus…


Zitat: Ohne darüber nachzudenken nahm er alle Farbeimer, die er tragen konnte, und trug sie in sein Zimmer.
Kommasetzung

Zitat: Als er mit seiner Auswahl zufrieden war, konnte er seine Sucht kaum noch unterdrücken.

Zitat:. Wahrscheinlich als ihm das Alter die Unbeschwertheit der Jugend genommen hatte.
Abermals ein sehr schöner Satz.

Zitat:Hinter dem kleinen Häuflein Asche erhob sich die Sonne und tauchte die Welt in die Farbe schlechten Blutes. Und die Welt schwieg.
Einmal mehr ein wirklich schöner Absatz. Auch wenn ich ehrlich gesagt nicht verstanden habe, ob er nun wirklich ein Vampir war, der zur Asche geworden ist, oder nicht? Smiley_emoticons_blush *kopfkratz*

Fazit: Alles in allem eine schöne, stimmige Geschichte. Es gab da eigentlich nur ein kleine Sache, die mich etwas gestört hat und das waren die Wortwiederholung (von grau, Sonne, Farbe, wie, wenn, rot…) , die du einerseits zwar als Stilelement gesetzt hast, andererseits aber auch so zwischendurch immer wieder verwendet hast. Meines Erachtens nach, solltest du versuchen dieses ein bissel einzuschränken, weil es im Laufe der Zeit wirklich auffällt und nicht so schön zu lesen ist.

Viele liebe Grüße

Plumbum Wave


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Beitrag #8 |

RE: Farblosigkeit
Hallo Plumbun,

ich freu mich das du hergefunden hast und das du einen Kommentar hinterlassen hast. Icon_jump Ich bin schon gespannt, was du zur Farblosigkeit sagt, denn ich geb zu, ich hab mit der Geschichte ganz schön gerungen und mich lange, lange gefragt, ob die zu Verstehen ist.

Zitat:Das „er“ an dieser Stelle führt zu Irritation, weil es zuerst auf mich so gewirkt hat, als würde mit er der brennende Himmel gemeint sein. Ich würde daher direkt mit den Namen des Protagonisten beginnen.

Das "er" hab ich ganz bewusst gesetzt, weil ich es so schon so oft gelesen habe, dass mit dem Namen begonnen wurde. Aber ich schau mal, wie die Stelle dann mit Namen aussehen würde. Icon_wink

Zitat:2. Ich verstehe schon, dass du die Wiederholung der Worte „grau wie“ hier als Stilmittel einsetzen willst, allerdings habe ich beim ersten Überfliegen deiner Geschichte bereits gesehen, dass du sehr gerne diese Wortwiederholungen verwendest, hier könntest du es durch eine einfache Aufzählung vermeiden. Von daher… denk einfach mal darüber nach.

Ja, grade hier, hab ich das bewusst so gemacht. Aber ich schau auch an der Stelle mal, wie sie anders formuliert aussieht.

Zitat:3. Also ich weiß zwar nicht wie dein Kaffee aussieht, aber der Kaffee in meine Becher ist schwarz und somit farblos.

Ja, ich weiss schwarz ist eigentlich keine Farbe. Icon_rolleyes Ich könnte ja jetzt argumentieren, dass Kaffee ja auch eigentlich braun ist (zumindest sind Kaffeeflecken braun) Mrgreen Grund dafür, dass er Kaffeetrinker ist, ist das Bild, von einer Kaffeetasse die auf einem ansonsten völlig leeren, weißen Tisch steht. Und dieses Bild gab mir die Idee zu ihm, deshalb muss das jetzt so bleiben. (Künstlerische Freiheit und so Icon_wink )

Zitat:Das Wort „einlaminierte“ gibt es laut Duden nicht, da laminieren an sich schon das Überziehen mit einer Deckschicht beschreibt. Laminiert würde daher schon reichen.

Ich wusste schon immer, dass ich Worte benutze die es gar nicht gibt. Mrgreen Danke für den Hinweis -wird geändert. Icon_smile

Zitat:Einmal mehr ein wirklich schöner Absatz. Auch wenn ich ehrlich gesagt nicht verstanden habe, ob er nun wirklich ein Vampir war, der zur Asche geworden ist, oder nicht? Smiley_emoticons_blush *kopfkratz*

Der Effekt dieser Unsicherheit war so nicht von mir geplant, aber ich find ihn nicht schlecht. Mrgreen Also ganz ursprünglich war die Geschichte nur halb so lang und er war von mir wirklich als Vampir gedacht. Dann fand ich das aber irgendwie doof und ich bin näher auf dieses Farben-Junkie-sein eingegangen, dabei hab ich gemerkt, wie ich von dem Vampirsein immerweiter abgewichen bin. Ja, er ist ein Vampir, aber nicht wie im klassichen Sinn, sondern ein Farben-Vampir. Icon_smile

Zitat:Fazit: Alles in allem eine schöne, stimmige Geschichte. Es gab da eigentlich nur ein kleine Sache, die mich etwas gestört hat und das waren die Wortwiederholung

Das freut mich, dass dir die Geschichte soweit gefallen hat. Ich bin schon während des Schreibens über die ganzen Wortwiederholungen gestolpert und hab mich gefragt, ob ich nicht damit übertrieben habe. Ich werde beim nächsten Überarbeiten darauf achten, besonders auf die, die du mir angemerkt hast. Und natürlich werden auch die Kommafehler ausgemerkt, auch dafür: Danke. Icon_smile Ich seh die Dinger einfach nie.

Vielen Dank für dein tollen Kommentar, er wird mir sehr nützlich sein. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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