Es ist: 21-10-2020, 00:56
Es ist: 21-10-2020, 00:56 Hallo, Gast! (Registrieren)


Unter der Pfirsichbrücke
Beitrag #11 |

RE: Unter der Pfirsichbrücke
Hallo PoLet,

Dein Gedicht hat kühne Bilder. Deshalb wird ein Thema, das zuweilen abgegriffen dargestellt wird, hier in ein neues Licht gesetzt. Man spürt beim Lesen den Widerstand der Worte. Und man hat das Gefühl, als ob eine Egge die eigenen Vorstellungen aufraut.

Was sich beim Lesen und vielleicht auch beim Interpretieren abspielt, ist ein In-Bezug-Setzen von zwei Vorstellungsbereichen. Da gibt es Wörter, die sozusagen eine Brückenfunktion haben.

Zitat:Pontongeschaukel reibt sich [man denkt an wirkliche Pontonbrücken]
Schenkel wund an Schmirgelhaut – [das gesperrte "Wund-Reiben" wirkt sehr sinnlich, die "Schmirgelhaut" ist ein Fremdkörper, der aber die Übertragung des Themas ins Erotische unmissverständlich macht]
Seufzen, Glucksen, ein Kehlkopflaut [guter Zeilensprung]
nur gaukelt durstig Staunen vor;[Es ist sehr listig, das Adjektiv "durstig" endungslos einzufügen, damit bekommt es einen adverbialen Charakter]

gespreizt sind Stufen abkömmlich [das ist ein sperriger Satz, vor allem das Wort "abkömmlich" ist auf raffinierte Art doppeldeutig]
genug –

und trug ein Glied der Brücke bei,
von der man übers Strömen schaut,

die Schenkel reiben sich entzwei, [hier wird der Themenbezug so deutlich, dass Kommentare überflüssig sind, sich vielleicht sogar verbieten]
Pfirsichsaft tropft mir ins Ohr.

So, jetzt habe ich versucht, etwas zu schreiben.

Viele Grüße

Hans Werner


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Beitrag #12 |

RE: Unter der Pfirsichbrücke
Guten Morgen Hans Werner,

Du schreibst:
Zitat:Was sich beim Lesen und vielleicht auch beim Interpretieren abspielt, ist ein In-Bezug-Setzen von zwei Vorstellungsbereichen. Da gibt es Wörter, die sozusagen eine Brückenfunktion haben.
- schön, dass Du mit diesem statement meine absicht bestätigst.
Mir war und ist bewusst, dass eine solche thematik schnell ins
lächerliche, peinliche oder ins banal geschmacklose abrutschen kann,
das wollte ich natürlich vermeiden. Dennoch reizt es mich manchmal,
genau über solch ein thema ein 'gedicht' zu schreiben.
Für mich ist es dabei kein weg, unbedingte direktheit darzustellen,
- beispielsweise sehe ich mich nicht als Bukowski-jünger-
ich bevorzuge meistens ein 'metaphorisches versteckspiel'.
Zitat:So, jetzt habe ich versucht, etwas zu schreiben.
- von mir aus ein guter versuch!

Danke für Deine aufmerksamkeit und die betrachtungsweise.
Grüße,
poLet



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