Es ist: 16-04-2021, 14:25
Es ist: 16-04-2021, 14:25 Hallo, Gast! (Registrieren)


Aus dem Gegenlicht
Beitrag #1 |

Aus dem Gegenlicht


Der Umriss einer Stadt. Einem Turm
entgähnen schwere Wolken aus Qualm.

Hier,
neben mir
greift sich Sturm einen Halm,
schüttelt ihn,
flüstert hin und wider,
lispelt geisterhaft vom Blütendämmern.

Aus dem Gegenlicht dröhnt Hämmern.

Hier,
neben mir
braunt verschwiegen blinder Flieder.


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Beitrag #2 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Und nochmal - Moin.

(Wenn ich schonmal dabei bin ...)

Anmerkungen:
Zitat:Der Umriss einer Stadt. Einem Turm
entgähnen schwere Wolken aus Qualm.

Diesmal kam es mir (im Gegensatz zu 'Nach den Plagen') nicht endzeitlich oder apokalyptisch vor. Irgendwie zwar ferngerückt, oder der Wirklichkeit entrückt (da nur 'ein Turm' und keine näheren Charakteristika erkennbar), aber es hatte einen Hauch von 'Aufbau' hinterlassen.

Zitat:Hier,
neben mir
greift sich Sturm einen Halm,
schüttelt ihn,
flüstert hin und wider,
lispelt geisterhaft vom Blütendämmern.
(Abgesehen davon, dass ich diese Strophe bildlich überaus gelungen finde ...)
Hämmern und dröhnen, da malochen einige Kollegen an irgendwas auch immer. Obwohl der Qualm zwar nach Feuer und Rauch schmecken könnte, habe ich eher die Sonne vor Augen.

Zitat:Hier,
neben mir
braunt verschwiegen blinder Flieder.
Auch den Abschluss finde ich ausdrucksstark. Allerdings habe ich hier auch das Bild eines gefallenen Kriegers aus der (vermaledeiten) 'Fantasy' vor Augen, der fast verblichen auf dem Gras liegt, noch den letzten Hauch Verderbung mitbekommt.
Oder ist es doch nur ein einfacher Mann im Park, der auf der Wiese liegt? Icon_wink

LGD.


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Beitrag #3 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Icon_slash
Sorry, aber mit dem blinden Flieder habe ich so meine Probleme.

Ich versuche, die Zeile zu verstehen, kann es aber nicht.


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Beitrag #4 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Sososo...heja leute!

@Dreadnoughts:
Okay, nach "...den Plagen" wagst Du Dich also tatsächlich an noch eines?!
Icon_shocked Bin poswitiv sehr überrascht!!!
Gut, Du meinst:
Zitat:Diesmal kam es mir (im Gegensatz zu 'Nach den Plagen') nicht endzeitlich oder apokalyptisch vor. Irgendwie zwar ferngerückt, oder der Wirklichkeit entrückt (da nur 'ein Turm' und keine näheren Charakteristika erkennbar), aber es hatte einen Hauch von 'Aufbau' hinterlassen.
- ohne philosophisch werden zu wollen, aber ist nicht auch manche 'zerstörung' 'konstruiert'? - (Beispielsweise ist doch das fortschrittliche an der kernspaltung etwas, das durchaus zur apokalypse führen kann, oder?)
Ich denke, Du spielst auf den "Qualm" an, der dem statischen, dem starren
mit einer art bewegung entgegensteht. Nur sind "schwere Wolken aus Qualm"
etwas 'aufbauendes'?...Nähere charakteristika waren für dieses bild gar nicht vonnöten, das blanke wirkt.
Zitat:Hämmern und dröhnen, da malochen einige Kollegen an irgendwas auch immer. Obwohl der Qualm zwar nach Feuer und Rauch schmecken könnte, habe ich eher die Sonne vor Augen.
- vielleicht der schlüssel, vielleicht ein fake. Warum "Hier / bei mir"...warum
"Gegenlicht"? Nähert sich das LyrIch einer stadt wie einem moloch, einem entnatürlichten geschöpf, einem konstruierten unwesen, das gen abgrund wächst? Sind "Blütendämmern" und "Flieder" nicht doch synonyme für eine 'idyllische vorzeit'? Für etwas, das dort, wo das licht entsteht, gar nicht mehr existiert?
Zitat:Allerdings habe ich hier auch das Bild eines gefallenen Kriegers aus der (vermaledeiten) 'Fantasy' vor Augen, der fast verblichen auf dem Gras liegt, noch den letzten Hauch Verderbung mitbekommt.
Oder ist es doch nur ein einfacher Mann im Park, der auf der Wiese liegt?
- nein. Kein 'gefallener Krieger' und auch kein 'einfacher Mann im Park, der auf der Wiese liegt'. Naja, das zweite hat schon etwas, aber da liegt keiner auf 'ner wiese. Sagen wir: ein einfacher mann steht vor einer stadt und schaut diese von weitem an.

@Doma:
Du schreibst:
Zitat:Sorry, aber mit dem blinden Flieder habe ich so meine Probleme.

Ich versuche, die Zeile zu verstehen, kann es aber nicht.
- nuja, was heißt "sorry"? Brauchst Dich nicht zu entschuldigen, niemand kann und wird alles verstehen oder sehen, so wie ein anderer meinte, es wäre richtig. Soll nicht heißen, dass Du falsch liegst...-
ich meine, flieder löst etwas in uns aus, etwas sehr verschiedenes meinetwegen -darum geht es eigentlich auch nicht-, aber in dem moment, da er etwas auslöst, spiegelt er uns auch...ok?...d.h. wir lassen durch den flieder etwas auslösen. Dieser hier ist 'blind', er spiegelt nicht mehr, er löst nichts mehr aus, von all den gefühlen, die wir bei seinem namen -vielleicht- einmal hatten.

Danke Euch beiden für Eure aufmerksamkeiten und Eure kommentare!
Bestes,
poLet


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Beitrag #5 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Hallo poLet,

heute grabe ich mal was Älteres aus. Dieses Gedicht ist mir gerade wieder ins Auge gefallen und es gefällt mir heute noch genauso gut wie damals.

(by the way, muss das nicht "hin und wieder" statt "hin und wider" heißen? Ich würde dir unterstellen, dass das "wider" Absicht ist, aber irgendwie stoße ich mich immer wieder ein bisschen dran, daher Korrektur oder Erklärung!)

Ich mag den leisen, resignierten Ton, habe das Bild eines LyrIchs vor mir, das in der Natur steht. Einer Natur, die krankt, und in der Ferne pulst der Fortschritt, während das LyrIch in der modernen Welt verloren scheint.

Das Gedicht ist kritisch, ohne anklagend zu sein, und es wirkt auf mich sehr ehrlich und echt - und in seiner apokalyptischen Stimmung auf seltsame Weise schön.

Und der Titel: Pro wow!

Viele Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #6 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Heja Zack,

endlich raffe ich mich auf, auf kommentare zu reagieren.
Sorry for that!

Erstmal schön, dass es Dir gefällt!

Zitat:(by the way, muss das nicht "hin und wieder" statt "hin und wider" heißen? Ich würde dir unterstellen, dass das "wider" Absicht ist, aber irgendwie stoße ich mich immer wieder ein bisschen dran, daher Korrektur oder Erklärung!)

- nuja. So weit ich den autoren kenne, meint er es hier nicht zeitlich, sondern räumlich. Also nicht im sinne von "hin und wieder", sondern eher von "hin und her"...also hin und wider, praktisch. Ist das immer noch unklar?

Zitat:Ich mag den leisen, resignierten Ton, habe das Bild eines LyrIchs vor mir, das in der Natur steht. Einer Natur, die krankt, und in der Ferne pulst der Fortschritt, während das LyrIch in der modernen Welt verloren scheint.
- ja, und ich mag Deine lesart!
Ich glaube, das kann ein schlüssel sein.
(Falls es einen gibt.)

Zitat:Und der Titel: [Bild: icon_pro.gif] wow!
Smiley_emoticons_blush
...

Danke für den kommentar!
Dir weiterhin alles gute!
poLet


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Beitrag #7 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Hi polet,

es ist eine Weile her. Deine Antwort trieb mich beim Schweifen in dieses Gedicht von dir. Der Flieder hielt mich hier. Als Anhänger dieser Planze, sowohl optisch wie olfaktorisch, traf mich der blinde Flieder tief.
Auch sehe hier den Kontrast zwischen Leben (Natur) und Zerstörung (Fortschritt). Das graduelle Voranschreiten der Industrie hinein in die grünen Landstriche, die nicht nur im Wind, sondern vielmehr vor ihrer drohenden Vernichtung zittern. Die Pflanzen blind von Staub.
Es spricht mich an, auf einer stillen, tieferen Ebene.
So, wie es sich gehört. Icon_smile

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #8 |

RE: Aus dem Gegenlicht
Icon_shocked ...oha! Noch'n kommentar! Meine güte...

Heja Adsartha,


seltener gast, Du. Nein, freut mich sehr, dass Du Dich mal 'etwas-da-lassend' blicken lässt!
Zitat:Es spricht mich an, auf einer stillen, tieferen Ebene.
-dass dieses gedicht Dich anspricht, ist doch schön.
Was könnte ein schreiber mehr erwarten?
(Außer geld, sex, drogen und ruhm, natürlich.)



Nuja, ich denke, das "Gegenlicht" blendet zwar manchmal recht laut auf,
aber Deine lesart geht mit der meinen schon konform.
An dieser stelle tut es mir fast leid, Deinen 'fanartikel' aus reimzwang gebraucht haben zu müssen.
Mir als Mai-geborenem steht/wuchert/wächst dieses lebewesen auch nahe.
Zitat:So, wie es sich gehört.
- tut es das?

Es gehört sich jedenfalls, DANKE zu sagen.

Bestes,
poLet


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