Es ist: 21-09-2019, 00:31
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Das Rot des Mohns
Beitrag #1 |

Das Rot des Mohns
Diese Kurzgeschichte ist vor fast zwei Jahren entstanden und mir nun wieder in die Hände gefallen. Ich habe zu der Zeit angefangen, mich für Kunst und Literatur mit leicht surrealem Einschlag zu begeistern.

Das Rot des Mohns
Das Verlangen ist eine Sünde. Ein furchtbarer, wermutsgleicher Sündenfall der reinen Seele dir gegenüber. Eine Seele zu begehren heißt, sie zu zerstören. Irgendwann wirst du es tun und dich fragen, warum du es nicht schon vorher getan hast. Deine Seele, deine schwarze, brennende Seele, wird das samtene weiße Glühen besudeln. Und in dem Moment, in dem du sie in deinesgleichen verwandelst, erlischst du in den fernen Weiten der Finsternis.
Irrationale Muskelkontraktionen ließen die Schrift unruhig wirken. Er fragte sich, wann die Müllabfuhr endlich kommen würde. Es war Sommer. Sein linker Manschettenknopf stand offen, es ärgerte ihn nicht. Das Wasser in dem Glas stand schon so lange dort, dass feine Ringe aus Kalk ein Muster gebildet hatten. Es war ein kalter, langer Sommer. Ganz langsam fuhr die große, alte Hand über den feinen weißen Stoff, der am Kragen und den Ellbogen schon abgestoßen war, trüb und fast durchsichtig, nur fast, wie eine Milchglasscheibe. Die Brusttasche hatte einen winzigen, roten Fleck in der Innenseite. Er betrachtete ihn und aus seinen Augen tropfte Blasphemie.
Was hättest du getan, in diesem Augenblick? Vielleicht hättest du das Glas genommen, die schmierigen Fenster geöffnet und zugesehen, wie es auf dem moosig-grau-melierten Waschbeton zerschellt. Dann hättest du wahrscheinlich gelacht.
Er nahm das Glas und öffnete das Fenster. Die Sonne stand dunstig und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt. Das alte Bett und der abgenutzte, verstoßene Sessel, auf dem nun niemals wieder jemand sitzen würde, warteten noch immer. Sie waren nicht die einzigen Huren auf diesem Straßenstrich der grauen Vorstadt. Er fragte sich, wann die Müllabfuhr endlich kommen würde. Der kleine Köter mit der gepuderten Schnauze zerrte an der Ecke zum China-Markt an etwas, das eigentlich nur eine tote Taube sein konnte. Anderes Leben hielt es kaum aus in dieser asphaltenen Eintönigkeit. Selbst die Ratten hatten sich ein einträglicheres Plätzchen gesucht und fraßen die Abfälle der Nobelrestaurants am Fluss. Ein junges Pärchen vergnügte sich im Haus gegenüber, in einer Parzelle der stummen, altersgebeugten, eng aneinander geschmiegten Mietshäuser. Müde und ruhig wandte er seine Augen ab. Das Glas war in seiner Hand. Sachte hob er es. Die Wellen veränderten sich kaum. In einer zielbestimmten Bewegung kippte er das Glas und verhalf so den Pionieren in der rostgeschmückten Dachrinne zu einem weiteren Funken Leben. Dann stellte er es auf das alte, verzogene, vom Wetter gegerbte Fensterbrett. So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum. Er verspürte keine Dringlichkeit, es zu schließen. Einige Sekunden gingen vorbei, berührten ihn nicht und passierten seinen Verstand ohne einen bleibenden Schaden. Dann öffnete er die Tür, schloss die Tür, machte ein paar weitere Schritte und suchte das Geländer in der Dunkelheit. Grau dringt nicht durch Glasbausteine.
An der Einfahrt lenkte er demonstrativ seinen Blick an den verlassenen Möbeln vorbei hin zu dem schmächtigen Jungen auf dem klapprigen Fahrrad, von dem der rosafarbene Lack nun schon fast abgeblättert war. Ein Blick aus verwaschen blauen Augen und ein Packen Zeitungen landeten vor seinen Füßen. Er fühlte sich, als sei ihm vor die Füße gespuckt worden. Ganz langsam ließ er die Hand in die Tasche der schwarzen Anzughose sinken. Auf seinem Weg über die Straße zählte er die Risse im Asphalt. 17. Der Winter war wie dieser Sommer gewesen, lang und kalt, aber näher, irgendwie. Eine widerlich dicke schwarze Spinne ließ sich Zeit auf ihren Weg die blass kupferfarbene Regenrinne von Nummer 103 hinauf. Er lief abwesend, in sich gekehrt und als offenes Buch, immer den Bordstein entlang, dann wieder herunter, zählte Risse, hinauf und wieder hinunter, bis er an der Ecke stand, an der die Straße vorbei war, an der nur noch ein Haus war, das Eckhaus. Lächerlich und einsam stand es da, an den Enden seiner Mauern ausgefranst und kahl, um es herum nur schüttere Stachelpflanzen auf steiniger Erde. Doch die Butzenscheiben glühten, wie der tristen Leere ringsum zum Trotz. „Das Eck“ – wie lange war es her, dass er zum letzten Mal den Wirt mit Handschlag begrüßt hatte und dann sein obligatorisches Pils am Tresen in Empfang genommen hatte? 4 Wochen, 4 Monate, 4 Jahre?
Du hättest es ihm sagen können, du hattest ein Gedächtnis für so was, ganz besonders, weil er dann immer nachts vor deiner Wohnungstür stand und klopfte, dreimal, jedes Mal. Nie hast du aufgemacht, weil du wusstest, dass es nur ein Vorwand war.
Laute Stimmen drangen von Innen heraus, er wusste nicht einmal mehr, ob es Morgen oder Abend war. Vielleicht war es auch Mittag und der Wirt schäkerte mit einem seiner Lieferanten. Kurz berührte die alte, falsche Hand den kühlen, in den Jahren polierten Türgriff, dann zog sie sich zurück und er setzte seinen Weg fort, nun manchmal humpelnd, vielleicht aus Spaß, vielleicht im Ernst. Er war umgekehrt, hier gab es einen Weg zurück, er dachte es gab ihn und gleichzeitig gab es ihn nicht, weil man nie an einen Ort zurückkehrte und dieser in der Zwischenzeit stehen geblieben war. Meist ignorierte er das.
Die klägliche Klingel, die den Eintritt von Kundschaft überwachte, war noch immer die gleiche wie vor Jahrzehnten, bei seinem ersten Besuch in dem winzigen Laden – damals regenumströmt und außer Atem, heute alt und ruhig und endend. Das braune Linoleum auf dem Boden hatte sich nie geändert, genauso wenig wie die Regale, angefüllt mit Konservendosen, Fertiggerichten und Dosenbier. Es war ein Geschäft, das sich nach den Bedürfnissen der Kunden hier richtete, ein Geschäft, das hierhin passte, wie das Krebsgeschwür eines kranken Körpers. Er zog die staubige Flasche Korn hinter den Kidneybohnendosen hervor. Er fühlte einen winzigen Anflug von kindlichem Stolz auf sich selbst. Bei seinem Schritt auf die Kasse zu winkte der alte Winkler ab, auch er trug noch den schwarzen Anzug und ein Stück Wehmut in den Augen. „Walter, das geht schon in Ordnung.“. Dann überließ Winkler ihn wieder seiner Stille, der endlosen Stille dieses Sommers. Wann kam die Müllabfuhr?
Er kannte die Nummer jedes Hauses in dieser grauen Endlosigkeit, obwohl die meisten vergessen hatten, sie an den versifften Putz zu heften oder zu pinseln. Er lief, immer den Bordstein entlang, seine Schritte wacklig und die Flasche war noch zu und sein Mund, seine Seele trocken. Er zählte die Risse und hoffte, dass niemand den roten Fleck gesehen hatte. Niemand außer ihm. Dann blieb er stehen, seine eingefallene Altmännerbrust bebend, mit Silberfischen vor Augen. Sanft schweifte sein Blick und rieb sich am intensiven Rot, das aus einem der Hauseingänge stieß. Nr. 62, die junge Floristin, die ihren Sohn hier allein großzog und die er schon länger kannte, als sie sich selbst. Doch nur aus der Ferne, wie alles, immer nur in Distanz.
Du, auch du warst in Distanz geblieben. Für dich kam es nicht in Frage, diese aufzugeben, das verdiente nur eine Person und die war fort, weit fort. Hast du es manchmal bereut? Aber es ist nicht deine Schuld, gewiss nicht.
Er langte nach dem Weidenkörbchen mit den Mohnblumen, drei waren sie und feuerrot. Vielleicht das einzige Rot hier, das es schaffte, noch, nicht im Grau zu versinken. Leise, zu sich selbst, entschuldigte er sich und legte einen Fünfer unter einen Stein in den Hauseingang. Dann lief er weiter, die Flasche in der einen, das Weidenkörbchen in der anderen Hand und ein graues Leuchten in den Augen.
Er erstieg die Dunkelheit wieder, bis zum Ende, bis zu der Luke, die sich von einer geschickten Hand mit einem Kleiderbügel aus Draht oder mit brachialer Gewalt öffnen ließ. Dann flutete wieder Zementlicht über ihn und die billigen Dachpappeflicken wellten sich unter seinem Gewicht. Mit einer gewissen Genugtuung ließ er das Weidenkörbchen auf dem verrußten Schornstein thronen. Er mochte den Anblick. Dann setzte er die Flasche an die Lippen, leerte ein Viertel, schwankte, holte ein Feuerzeug aus der Tasche, leerte ein weiteres Viertel, schüttelte sich und zündete mit Windlaubhand die wunderbaren Mohnblumen an. Schließlich setzte er sich auf das Dach, beobachtete den Rauch und dann die Silberfische vor seinen Augen. Sein Bewusstsein gab dem Druck nach und befreite ihn endlich.
Nun wirst du niemals mehr sein Hemd leihen und es mit quälendem Rot besudeln. Nie wieder wirst du in deinem alten, traurigen Sessel sitzen und ihn aus tiefen, niemals ernsten Augen ansehen. Nie ernst, niemals ernst, nicht einmal, wenn er dir sagte, du sollest nun endlich, endlich für immer ruhig sein. Dein Lächeln war immer noch das des Sechsjährigen, nur bitterer, dass Humor auch schwarz sein kann, das hast du gelernt. Und immer hast du gewusst, dass er es nicht ertragen würde, das Schweigen. Er ertrug es nie.
Ein lautes Geräusch holte ihn zurück. Sanfter Wind trieb zusätzliches Grau in die dunstige Käseglocke der Stadt und das Licht war diffus, weit weg. Ein paar Stimmen tauchten unten auf, verschwanden wieder. Ein paar Zentimeter forderten ihn heraus, dann sah er den Hof, den grünlich-verschandelten Innenhof. Tausende von kleinen Glasscherben hatten sich zu einem grotesken Mandala vereint. Vielleicht wäre es schön gewesen, wenn die Sonne es zum Funkeln gebracht hätte, fast Kunst, aber sie tat es nicht. Sie tat es nie, hier. Er dachte darüber nach, ob er die Wohnung noch mal betreten würde. Seine Finger tasteten nach der Flasche, fanden sie, irgendwo hinter ihm. Mit erstaunlicher Kraft schleuderte er sie – wie die Steine früher, mit dir – und traf die Mitte des Mandalas. Zwei fette Tauben geruhten sich irritiert, ihren Platz auf einem schartigen Fensterbrett zu verlassen. Und er lachte.

Geschreibselerinnerungshilfe
--- öffne die tür dem nein // sollen die vögel doch fliegen ---
--- Le Clézio ---


When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy.’ They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.
- John Lennon -

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Beitrag #2 |

RE: Das Rot des Mohns
Moin jadeaugen.

Ich hatte Dich ja (mehr oder weniger) bekniet, mal wieder was von Dir einzustellen - und doch gibt es da Sachen, die echt manchmal und leider überhaupt wichtiger sind. Icon_ugly Zum Glück für Dich habe ich das große Steuerrechtsbuch gerade auf dem Boden liegen. (Aus den Augen ... *hust*)

'Das Rot des Mohns' als Titel finde ich zwar schlicht, aber herausragend. Neugierigmachend, wenn man so will. (Ich schrieb nie ohne einen Titel, das war für mich, als wenn man ein Schiff ohne Namen zu Wasser lässt.)

Anmerkungen:
Zitat:Das Verlangen ist eine Sünde. Ein furchtbarer, wermutsgleicher Sündenfall der reinen Seele dir gegenüber. Eine Seele zu begehren heißt, sie zu zerstören. Irgendwann wirst du es tun und dich fragen, warum du es nicht schon vorher getan hast. Deine Seele, deine schwarze, brennende Seele, wird das samtene weiße Glühen besudeln. Und in dem Moment, in dem du sie in deinesgleichen verwandelst, erlischst du in den fernen Weiten der Finsternis.
Irrationale Muskelkontraktionen ließen die Schrift unruhig wirken. Er fragte sich, wann die Müllabfuhr endlich kommen würde.
Ich habe hier ein Problem. Der Anfang spricht zu mir als Leser, aber schlussendlich bei der Überleitung zu 'Irrationale ...' reißt es mich raus. Frage: Ist der Passus gedanklicher Natur? Dann würde ich es empfehlen kenntlich zu machen. Zu überlegen wäre kursiv oder eine Abgrenzung mittels einfachen Anführungsstrichen. (->'<-)

Zitat:Er nahm das Glas und öffnete das Fenster. Die Sonne stand dunstig und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt.
Hm. Auch verbaute Wortwiederholungen sind Wortwiederholungen. Deine Ausdruckskraft ist gut, die Metaphorik funktioniert ('... tropft Blasphemie'), warum also hier so ein kleiner Schönheitsmakel?
Vorschlag:
Er nahm das Glas und öffnete das Fenster. Die Sonne hing fiebrig am Himmel und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt.

Zitat:Das alte Bett und der abgenutzte, verstoßene Sessel, auf dem nun niemals wieder jemand sitzen würde, warteten noch immer. Sie waren nicht die einzigen Huren auf diesem Straßenstrich der grauen Vorstadt. Er fragte sich, wann die Müllabfuhr endlich kommen würde.
Obwohl ich oben den Schönheitsmakel angemerkt habe, bin ich hier von der 180° Wendung bezüglich der wertenden Worte überzeugt - es passt nämlich zu den eingangs formulierten Gedanken und der Frage nach der Müllabfuhr perfekt.

Zitat:Dann stellte er es auf das alte, verzogene, vom Wetter gegerbte Fensterbrett. So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.
Hm, Begründung siehe oben, aber hier hadere ich. Man könnte versuchen über Blumen aus der Baustelle herauszukommen, beispielsweise:
Dann stellte er es neben die alten, vom Wetter ausgetrockneten Blumen in ihren Kübeln. So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.
Oder so:
Dann stellte er es auf den alten, verzogenen, vom Wetter gegerbten Sims. So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.
Schlussendlich:
Dann stellte er es auf das alte, verzogene, vom Wetter gegerbte Fensterbrett. So weit offen sah die ausgeblichene Scheibe aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.

Zitat:Ein Blick aus verwaschen blauen Augen und ein Packen Zeitungen landeten vor seinen Füßen. Er fühlte sich, als sei ihm vor die Füße gespuckt worden.
Dito. Vorschlag:
Ein Blick aus verwaschen blauen Augen und ein Packen Zeitungen landeten vor seinen Schuhen. Er fühlte sich, als sei ihm vor die Füße gespuckt worden.

Zitat:Eine widerlich dicke schwarze Spinne ließ sich Zeit auf ihren Weg die blass kupferfarbene Regenrinne von Nummer 103 hinauf.
Nicht eher: 'ihrem'?

Zitat:„Walter, das geht schon in Ordnung.“.
Einen Punkt kannst Du beruhigt rauseditieren. Icon_wink

Zitat:Dann blieb er stehen, seine eingefallene Altmännerbrust bebend, mit Silberfischen vor Augen.
Sehr schönes Detail.

Soweit die Anmerkungen. Generell der Nachtrag, dass ich die dichte Aneinanderreihung als Darstellungsmittel zur Präsentation des Darstellers sehe (bezüglich des wiederkehrenden Fragesatzes 'Wann kommt die Müllabfuhr?').

Zur Interpretation:
Da stehe ich auf dem Schlauch, ehrlich gesagt. (Ob das jetzt an meiner gegenwärtigen geistigen Ausnutzung von nur 5% liegt, kann ich schlecht beurteilen.) Darsteller ist ein Mann mit Altmännerbrust und dem Namen Walter. Eine Person ist gegangen, scheinbar eine männliche Person, mit der er - passiv - einen gedanklichen Dialog führt. Für diese Person war eine andere wichtig, die nun weg ist - wer schuld ist, scheint egal. Hier scheint mir die Bedeutung von 'Er' und 'Du' in den Gedanken wichtig. Das Du scheint zu Walter zu gehören, selbstreflektierend. Dagegen das 'Er' für die andere Person. Salopp formuliert spricht ein Teil Walters zum anderen.
Was der rote Fleck auf dem Hemd bedeutet, den scheinbar Walter verursacht hat (und eben dieses Hemd gerade trägt), bleibt unklar. Da (in dieser Logik) das Hemd passgenau sein müsste, ist der Verweis auf den Sechsjährigen eher ein Ausdruck als das tatsächliche Alter von der passiven männlichen Person.
Somit könnte es sich um den Sohn oder einen Freund oder einen Pfleger handeln, der nun fort ist. Der letzte Mensch, der noch eine Bedeutung hatte.
Das Rot des Mohns verweist dagegen auf die Ursache des roten Fleckes. Die Verbrennung stellt somit eine Art der Reinkarnation (oder Katharsis) dar, die Walter symbolisch vollzieht. (Genauso wie der Wurf der Flasche hinab - anfangs war es nur das Wasser. Im Grunde ließ er das Glas zurück und verschonte es, stellte es - so scheint es mir - als letzten Anker zur Welt auf das Fensterbrett. Daher nehme ich an, dass der Wurf der kompletten Flasche gleichbedeutend mit der Herauslösung aus der Welt ist. Eine Art der Selbsttötung wäre als finale Sequenz denkbar.)

Gut, okay, das soll es erstmal soweit gewesen sein.

Insgesamt flüssig zu lesen. Schöne Kleinigkeiten wie die Silberfische gut herausgearbeitet. Einzig die Gedanken könnte man etwas deutlicher kennzeichnen.

(Willkommen in der Phantastikrubrik.)

LGD.


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Beitrag #3 |

RE: Das Rot des Mohns
Hey D =)

Freut mich, dass du die Zeit gefunden hast, meine Geschichte zu kommentieren. Und dass andere Dinge manchmal vorgehen, ist ja wohl klar Icon_wink

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb: 'Das Rot des Mohns' als Titel finde ich zwar schlicht, aber herausragend. Neugierigmachend, wenn man so will. (Ich schrieb nie ohne einen Titel, das war für mich, als wenn man ein Schiff ohne Namen zu Wasser lässt.)

Du kannst dir nicht vorstellen, wie mich das freut Icon_jump Endlich mal ein Titel, der nicht sofort niedergemacht wird (zumindest nicht von dir Icon_wink ).
Ich schreibe übrigens immer ohne Titel - die Titel kommen später dazu, wenn ich die Geschichten irgendwie verbreiten will. Icon_confused

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb: Ich habe hier ein Problem. Der Anfang spricht zu mir als Leser, aber schlussendlich bei der Überleitung zu 'Irrationale ...' reißt es mich raus. Frage: Ist der Passus gedanklicher Natur? Dann würde ich es empfehlen kenntlich zu machen. Zu überlegen wäre kursiv oder eine Abgrenzung mittels einfachen Anführungsstrichen. (->'<-)
Nun, die ersten Sätze sind das, was der Protagonist schreibt. Wahrscheinlich sollte ich das wirklich noch kursiv machen, wenn das so unklar ist - ich sträube mich immer ein wenig dagegen, wenn ich es stilistisch abgegrenzt habe, aber dem Leser wird es wohl doch zugute kommen.

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb: Hm. Auch verbaute Wortwiederholungen sind Wortwiederholungen.
Allerdings. Da merkt man wirklich stark, dass die Geschichte noch eine Überarbeitung braucht. Dankeschön für deine Vorschläge =)

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb: Er nahm das Glas und öffnete das Fenster. Die Sonne hing fiebrig am Himmel und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt.
Dann stellte er es neben die alten, vom Wetter ausgetrockneten Blumen in ihren Kübeln. So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.
Ein Blick aus verwaschen blauen Augen und ein Packen Zeitungen landeten vor seinen Schuhen. Er fühlte sich, als sei ihm vor die Füße gespuckt worden.
Angenommen und notiert.

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb:
Zitat:Eine widerlich dicke schwarze Spinne ließ sich Zeit auf ihren Weg die blass kupferfarbene Regenrinne von Nummer 103 hinauf.
Nicht eher: 'ihrem'?
Jap. Smiley_emoticons_blush

(19-06-2011, 01:06)Dreadnoughts schrieb:
Zitat:„Walter, das geht schon in Ordnung.“.
Einen Punkt kannst Du beruhigt rauseditieren. Icon_wink
Damals hab ich die richtige Zeichensetzung bei wörtlicher Rede noch nicht beherrscht Smiley_emoticons_blush

Die Interpretation:
Damit waren bisher die meisten, die diese Geschichte gelesen haben, leicht überfordert. Ich lasse ja auch vieles im Dunkeln und sehe es so: Jeder muss darin auch das finden, was er selbst sucht.
Ich persönlich habe es als eine Geschichte eines alten Mannes geschrieben, dessen bester Freund gestorben ist. Er kommt gerade von der Beerdigung und geht noch einmal in dessen Wohnung, da fängt die Geschichte dann an. Unterschwellig geht es auch darum, ob die beiden vielleicht ein wenig mehr verbunden hat als bloße Freundschaft, doch das halte ich bewusst nur als Andeutung.
Im Endeffekt ist die reine Geschichte aber auch nicht besonders wichtig. Es geht vor allem um das Gefühl, das ich vermitteln will. Vielleicht ist es kein Gefühl, über das jemand mit 15 wirklich kompetent schreiben kann - zumindest wurde das an der Geschichte schon kritisiert.

Deine Anmerkung mit der Katharsis, was die Verbrennung angeht, passt allerdings sehr gut. Am Ende geht es auch um einen Neubeginn - um das Ende, die Zerstörung, die im Tod des Freundes liegt, aber auch im Alter des Protagonisten, gleichzeitig aber auch die symbolische Lossprechung davon. Der Selbsttötungsgedanke passt auch sehr gut - allerdings habe ich die Geschichte mit Absicht an dieser Stelle enden lassen, um auch das in der Einschätzung des Lesers zu lassen.


Ich danke dir für deine Einschätzung und freue mich über deinen Kommentar.
Man liest sich Icon_wink

LG
Jade



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Beitrag #4 |

RE: Das Rot des Mohns
Hallo Jade,

Phantastik lese ich ganz gerne; Surrealismus dafür umso weniger. Irgendwie bin ich wohl zu einfach gestrickt für viele Geschichten in diesem Bereich. Aber ein bisschen traue ich mir, ab und an, doch noch zu. Nun denn. Ich liebe Mohn. Nicht zum Essen - da bleibt er zu gern in den Zähnen, aber die Farbe ... das Rot. Schön.

Das Verlangen ist eine Sünde. Ein furchtbarer, wermutsgleicher Sündenfall der reinen Seele dir gegenüber. Eine Seele zu begehren heißt, sie zu zerstören.
=> *lach* eben noch an die Farbe Rot denkend, les ich also von Sünde. Super. Der Einstieg wieder gut, kurz, knapp, scheinbar ruckiger als deine letzte Geschichte. "Dir" verwirrt mich noch ein bisschen, aber ich schätz, ich muss wohl weiter lesen ...

Irgendwann wirst du es tun und dich fragen, warum du es nicht schon vorher getan hast. Deine Seele, deine schwarze, brennende Seele, wird das samtene weiße Glühen besudeln. Und in dem Moment, in dem du sie in deinesgleichen verwandelst, erlischst du in den fernen Weiten der Finsternis.
=> Man erlischt selbst, wenn man das Glühen einer unschuldigen Seele zerstört, weil man sie begehrt. Interessant. Sprachlich schlicht, aber schön. Deftiger Inhalt.

Irrationale Muskelkontraktionen ließen die Schrift unruhig wirken.
=> Ein Tattoo? Oder wie?

Er fragte sich, wann die Müllabfuhr endlich kommen würde. Es war Sommer. Sein linker Manschettenknopf stand offen, es ärgerte ihn nicht.
=> Oh, schön, man stolpert in eine Erzählung. Nun, da bin ich aber erleichtert. *zwinker*

Das Wasser in dem Glas stand schon so lange dort, dass feine Ringe aus Kalk ein Muster gebildet hatten.
=> hmmm, .. wo dort?

Es war ein kalter, langer Sommer.
=> Oh ja ... *aus dem Fenster schaut*

Ganz langsam fuhr die große, alte Hand über den feinen weißen Stoff, der am Kragen und den Ellbogen schon abgestoßen war, trüb und fast durchsichtig, nur fast, wie eine Milchglasscheibe.
=> Schön, nur adjektivreich. Ich mag Adjektive, hier jedoch würd ich eines streichen: das "groß". Es sagt am wenigsten wirklich etwas aus und raubt nur Platz, wie ich finde.

Die Sonne stand dunstig und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt.
=> Kämpfende Sonnen sind schön. Wortwiederholungen eher nicht.

Das alte Bett und der abgenutzte, verstoßene Sessel, auf dem nun niemals wieder jemand sitzen würde, warteten noch immer.
=> wie wehmütig.

So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum. Er verspürte keine Dringlichkeit, es zu schließen.
=> Sehr stark!

Die klägliche Klingel, die den Eintritt von Kundschaft überwachte, war noch immer die gleiche wie vor Jahrzehnten, bei seinem ersten Besuch in dem winzigen Laden – damals regenumströmt und außer Atem, heute alt und ruhig und endend.
=> oh das ist gut, sehr sehr gut!

„Walter, das geht schon in Ordnung.“.
=> Da ist ein Pünktchen zu viel.

So. (Wieder meine So´s). - Ähnlich wie die letzte Geschichte, die ich von dir gelesen habe, hat mir diese auch gefallen. Sprachlich sogar noch um ein paar Ecken besser. Erst auch insgesamt gut verständlich, bis es wieder wirr wurde. Oder sagen wir: undeutlich. Ist nicht schlimm. Wir sind im Surrealismus angekommen und genau das was ich zu Beginn gesagt hab, wiederhole ich: solch ein Surrealismus begeistert mich in etwa wie ein nicht verständliches, schön geschriebenes Gedicht. Schön, dass es da ist, es hört sich auch gut an, aber - hä? Manche Leser schätzen das, ich mag lieber aufgeklärt werden. Ich mag, dass man mir etwas erzählt, etwas Fremdes auch gern, etwas, dass ich neu betrachten und erforschen kann. Deshalb haben mir auch deine Beschreibungen sehr gefallen. Atmosphärisch, voller Details, dennoch nicht langweilig. Tiefsinnig auch, wenn nicht völlig greifbar. Und das war es dann auch für mich. Ich denke gerne nach, ich bleib aber nicht gerne an der Luft zum Trocknen hängen. Mehr Andeutungen wären schön gewesen und ein Prost auf deinen Stil! Gefällt mir sehr, sehr gut! Stil allein, ist aber für mich nicht alles.

Trotzdem: Gern gelesen,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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Beitrag #5 |

RE: Das Rot des Mohns
Hallo Sternchen =)

Schön, dass du dich nach meiner SI-Geschichte auch noch mit "Das Rot des Mohns" beschäftigt hast.

Zitat:Irrationale Muskelkontraktionen ließen die Schrift unruhig wirken.
=> Ein Tattoo? Oder wie?
Irrationale Muskelkontrationen = Zittern =) Seine Hand zittert, während er schreibt. Das soll auch andeuten, dass die erste Passage das ist, was er schreibt, was ich anscheinend wohl oder übel noch hervorheben sollte^^

Zu den Wortwiederholungen: Da hat mir D ja schon einiges rausgefrimelt, sobald ich Zeit habe, korrigiere ich die Geschichte und suche für diese Dinge eine Lösung.

Nun, zu deiner Abschlussbemerkung:
Du kannst dir sicher sein, dass bei mir immer ein Konzept dahintersteht und ich nichts schreibe, das nur ein nett klingendes Konzept ohne Geschichte dahinter ist. Allerdings bewege ich mich immer knapp an der Grenze zwischen gerade noch verständlich und nicht genug Hinweise - das kommt aber auch stark auf den Leser an.
Gerade wegen des angestrebten Themas war es mir sehr wichtig, das nur unterschwellig, kaum greifbar einzuflechten, dementsprechend passt deine Einschätzung schon, auch wenn ich es ein bisschen schade finde, dass du für dich keine wirkliche Aufklärung in den Dunst malen konntest.
Da es hauptsächlich um die vermittelte Stimmung geht, freue ich mich trotzdem über dein Lob, bedanke mich für deinen Leseeindruck und hoffe, dich bald mal mit etwas mehr Substanz überzeugen zu können =)

LG
Jade

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Beitrag #6 |

RE: Das Rot des Mohns
Hallo jade,

es gibt ein Album der Band Muff Potter, das Bordsteinkantengeschichten heißt. Daran habe ich während deiner Geschichte denken müssen, vor allem als Walter sich den Korn kauft.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was in dieser Geschichte wirklich passiert. Da ist Walter in seiner grauen Wohnung in einem grauen Teil der Stadt, und hat einen roten Fleck auf der Innenseite seiner Brusttasche. Es liegt eine gewisse Endgültigkeit in und vor allem zwischen den Zeilen, als wäre das sein letzter Weg und als würde er dort bleiben auf dem Dach und warten, bis es vorbei ist.
Auf der anderen Seite beschreibst du das Schweigen, das er nicht aushalten kann, dass niemand mehr auf seinem Sessel sitzen würde - da klingt es dann, als wäre jemand gestorben oder gegangen. Jemand, der sich sein Hemd sonst geliehen hat und es jetzt nicht mehr tragen wird - nie wieder. Dein Lächeln war immer noch das des Sechsjährigen - vllt sein Kind? Ich kann dieses Du nicht so recht zuordnen, vllt ist es an ihn gerichtet, vllt steckt es nur in seiner Phantasie, vllt beschreibt es jemanden, der Walter verlassen hat.
Du beginnst die Geschichte mit dem Satz Das Verlangen ist eine Sünde - den ersten Absatz kann ich nicht recht zuordnen. Vllt steckt hier die Ursache für Walters Leben, warum er dort festsitzt in seiner grauen Straße, in der niemand mehr wohnt oder zugeben will, es zu tun. Unruhige Schrift, also vllt Walters Notizen. Er scheint auf jeden Fall ziemlich erloschen, dein Protagonist.

Beim Lesen deiner Geschichte habe ich ungefähr in der Hälfte gemerkt, dass ich insgesamt sehr langsam gelesen habe. Das liegt vor allem daran, dass du durchgängig beschreibst, was er sieht, die äußeren Umstände, die triste Welt und wie er sie sieht. Trotzdem hat mir in gewisser Weise der Tiefgang gefehlt. Du hast einige sehr gute Elemente drin - die Müllabfuhr, die Silberfische (scheinen dir erst im Verlauf eingefallen zu sein, vllt bringst du sie schon früher?), die Mohnblumen, das Rot, das Grau, die Einsamkeit -, aber trotzdem scheint es mir, dass die Geschichte nur an der Oberfläche von Walters Gemütslage kratzt. Du brichst ihn nicht auf, spiegelst ihn nicht, zeigst lieber die Stadt als Sinnbild seiner Tragödie. Das würde natürlich funktionieren, die Geschichte so zu lesen, aber vor allem ab seiner Entscheidung, das Haus zu verlassen, wird die Geschichte dafür etwas zu real. Die Eckkneipe, der Supermarkt - ja, Erinnerungen. Früher. Aber für mich ergeben sie im Gesamtkonstrukt deiner Geschichte wenig Sinn. Die Mohnblumen dagegen schon, auch das Rot. Vllt habe ich auch einfach etwas wirklich Surrealistisches erwartet - und hier eher eine emotionale Geschichte gefunden, die ganz ohne Emotionen auskommt.
Vielleicht habe ich vom Verlauf der Geschichte her auch lediglich erwartet, dass irgendetwas passiert, dass er etwas tut, vllt sogar dass sich etwas ändert. Aber so läuft es dahin und läuft und läuft und dann sitzt er auf dem Dach und trinkt seinen Korn, die letzte Szene finde ich sehr schön.

Vielleicht merkst du, dass ich dir nicht beschreiben kann, woran es liegt, dass mich deine Geschichte nicht wirklich erreicht hat. Oder ich verstehe es schlicht nicht in seiner ganzen Tiefe. Mir fehlt das Gefühl.

Nichtsdestotrotz gefällt mir die Art, wie du schreibst. Du lenkst den Blick immer etwas weg von dem, was man eigentlich beschreiben würde und beschreibst das daneben. Das gefällt mir sehr.

Anmerkungen:
Zitat:Das Wasser in dem Glas stand schon so lange dort, dass feine Ringe aus Kalk ein Muster gebildet hatten.
Muster im Wasser oder Muster an der Innenseite des Glases?
Zitat:Es war ein kalter, langer Sommer.
Am stärksten finde ich in dieser Geschichte diese kleinen Sätze. Hier zum Beispiel der kalte, lange Sommer. Da denkt man erst: Na gut, es ist kalt. Aber dann: Ja, aber ist das denn Sommer, wenn's so kalt ist?
Direkt hierzu aber gleich noch eine andere Anmerkung: Du neigst, vor allem am Anfang dazu, viele ähnliche Adjektiv-Adjektiv-Substantiv-Konstellationen zu bauen:
Zitat:die große, alte Hand über den feinen weißen Stoff
Zitat: einen winzigen, roten Fleck
Schau da generell mal drüber, ob wirklich immer beide notwendig sind. Bei der Hand zum Beispiel würde alt völlig reichen. Ist doch egal, ob sie groß ist oder nicht ... Icon_wink
Zitat:trüb und fast durchsichtig, nur fast, wie eine Milchglasscheibe
Generell ist mir aufgefallen, dass du manchmal sehr leicht durch Weglassen etwas komprimierter schreiben könntest. Hier zum Beispiel könntest du nur fast streichen, es hält nur auf.
(Weitere Stellen dazu weiter unten.)
Zitat: Die Sonne stand dunstig und kämpfte gegen die schweren Ausdünstungen der Großstadt.
Etwas unglücklich formuliert. Vllt steht sie tief / schwer / ...
Zitat:Das alte Bett und der abgenutzte, verstoßene Sessel, auf dem nun niemals wieder jemand sitzen würde, warteten noch immer. Sie waren nicht die einzigen Huren auf diesem Straßenstrich der grauen Vorstadt.
Hm, ich dachte erst, da kommt jetzt ein sehr cooler Vergleich - aber es ist ja gar kein richtiger Vergleich. Geht da vllt etwas wie "Straßenstrich der Einsamkeit / Übriggebliebenen / Verlassenen / ..." - das waren zumindest meine Assoziationen zu Beginn des Satzes.
Zitat:Anderes Leben hielt es kaum aus in dieser asphaltenen Eintönigkeit.
Ein anderer Satz, den ich sehr stark finde. Vor allem anderes Leben ...
Zitat:Das Glas war in seiner Hand. Sachte hob er es. Die Wellen veränderten sich kaum.
Hier könntest du auch zusammenziehen, denn diese kurzen Sätze brechen mit dem Stil der Geschichte. Vllt etwas wie "Sachte hob er das Glas in seiner Hand."
Zitat:So weit offen sah das Fenster aus wie eine Wunde in diesem homogenen Raum.
"offen" ist sehr umgangssprachlich, vllt "geöffnet"?
Zitat:Einige Sekunden gingen vorbei, berührten ihn nicht und passierten seinen Verstand ohne einen bleibenden Schaden.
Auch hier kannst du super verkürzen, z.B. zu "Einige Sekunden passierten seinen Verstand ohne bleibenden Schaden." Die anderen beiden - gingen vorbei, berührten ihn nicht - sagen im Grunde das gleiche nur nicht so schön.
Zitat:Grau dringt nicht durch Glasbausteine.
Top!
Zitat:hin zu dem schmächtigen Jungen auf dem klapprigen Fahrrad, von dem der rosafarbene Lack nun schon fast abgeblättert war.
Liest sich, als wäre der Lack von dem Jungen abgeblättert Icon_wink
Mir ist auch nicht ganz klar, warum die hier das Fahrrad so ausführlich beschreibst.
Zitat:Auf seinem Weg über die Straße zählte er die Risse im Asphalt. 17. Der Winter war wie dieser Sommer gewesen, lang und kalt, aber näher, irgendwie.
Sehr cool!
Zur Betonung würde ich nach "lang und kalt" aber über einen Punkt nachdenken.
Zitat:bis er an der Ecke stand, an der die Straße vorbei war, an der nur noch ein Haus war, das Eckhaus.
Auch hier kannst du verkürzen, im Grunde sogar bis "bis er am Eckhhaus stand" oder "bis die Straße am Eckhaus vorbei war" oder eben etwas schöner Icon_wink
Zitat:Kurz berührte die alte, falsche Hand
Warum ist die Hand falsch?
Zitat:und er setzte seinen Weg fort, nun manchmal humpelnd, vielleicht aus Spaß, vielleicht im Ernst.
Hier könntest du verkürzen und "vielleicht im Ernst" rauslassen - denn, wenn er vllt im Spaß etwas tut, heißt das natürlich, dass er es vllt auch ernst meint ...
Zitat:er dachte es gab ihn und gleichzeitig gab es ihn nicht, weil man nie an einen Ort zurückkehrte
... dachte, es ...
Das mit dem Zurückkehren ist ein Gedanke, den man ein bisschen festhalten sollte ...
Zitat: Es war ein Geschäft, das sich nach den Bedürfnissen der Kunden hier richtete, ein Geschäft, das hierhin passte, wie das Krebsgeschwür eines kranken Körpers.
Markiertes kannst du auch kürzen.
Zitat:Vielleicht das einzige Rot hier, das es schaffte, noch, nicht im Grau zu versinken
Würde das "noch" vllt hinter "versinken" ziehen
Zitat:schüttelte sich und zündete mit Windlaubhand die wunderbaren Mohnblumen an
Schöne "Wandlung", schön ausgedrückt, aber "wunderbaren"? Die Wertung kannst du außen vor lassen, finde ich.

So, jetzt wird es langsam Zeit für dich, mal etwas einzustellen oder noch besser: zu schreiben und einzustellen. Oder fehlt mir noch irgendwas? Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

PS: *g* Und wegen dem Titel - ich find deine anderen besser *lacht*

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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