Es ist: 23-02-2020, 21:45
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Umfrage: Wie entscheidest du dich? (Bitte zuerst lesen, dann beantworten)
Du hältst an deinem Vorhaben fest und zerstörst die Brücke trotzdem
Du heimst das Geld ein, um von diesem eine konkurrenzfähige Brücke bauen zu können
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München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 3.2)
Beitrag #1 |

München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 3.2)
Teil 1
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Teil 3.1 | Teil 3.2

So, und es geht weiter mit der Geschichte um Heinrich den Löwen, Otto von Freising und...euch! Achja, um sicherzugehen, dass mir hier keine Umfragewerte durch die Lappen gehen, wollte ich nur kurz anmerken, dass ihr immer mit abstimmen könnt, egal, ob ihr einen Kommentar hinterlasst oder keinen. Nur zur Sicherheit! Icon_smile Und jetzt, viel Spaß!

Dythmar hörte, wie der Welfe seinen Soldaten befahl, ihn festzunehmen. Hektisch drehte er sich um und sah seinen Kameraden mit vier Soldaten. Das brachte ihn auch nicht weiter Mit vier Soldaten gegen schätzungsweise einen zwanzig Mann starken Trupp von Heinrich zu kämpfen, war so, als würde man mit einem Strohhalm gegen einen Löwen ankommen wollen. Schlicht unmöglich. Verzeiht mir, Otto!, dachte er noch, dann floh er die Brücke hinunter zu seinen Kameraden.
Zufrieden sah Heinrich zu, wie auch der letzte Mann, der zwischen ihm und der Zerstörung dieser Brücke stand, floh. Er musste eingesehen haben, dass er nicht gegen seine Soldaten ankommen würde.
„Gut“, sprach er bei sich. Dann bekam sein Blick eine gewisse Härte. „Zerstört die Brücke!“, befahl er seinen Soldaten. Diese begannen sofort, den mitgebrachten Reisig aufzuschichten, der dafür sorgen sollte, dass das Feuer erst einmal zu brennen begann. Während sie dies taten, wies ihn einer seiner Männer auf einmal darauf hin, dass auf der anderen Seite des Flusses zwei Männer offenkundig zu ihm redeten. Er wollte erst abwinken, in der Vermutung, es wären zwei Soldaten, die ihm irgendwelche Drohungen, Beleidigungen oder Ähnliches an den Kopf warfen, doch dann sah er genauer hin und erkannte Otto zusammen mit einem jungen Mann. Der junge Mann schien offenkundig erzürnt und rief rüber: „Hört sofort auf!“
„Wartet“, wies Heinrich seine Soldaten an. „Lasst alles so, wie es ist, aber zündet es noch nicht an. Ich will mir anhören, was Otto zu sagen hat.“
Der Welfe winkte die beiden Männer hinüber. Otto wollte die Brücke sofort überqueren, doch der junge Mann – vielleicht war es dieser Rahewin – redete kurz auf ihn ein. Doch der Bischof winkte ab und setzte seinen Weg fort. Sofort eilte der Jüngling hinterher, um ihn zu stützen – Otto war nicht mehr der Jüngste. Währenddessen musterte ihn der Mann misstrauisch, soweit Heinrich das auf diese Entfernung beurteilen konnte.
Um zu zeigen, dass er niemanden bedrohen wollte, schnallte der Welfe sein Schwert ab und warf es von sich. Kurz darauf war das ungleiche Paar angekommen. Der alte Mann schien in seiner Würde eine Ausstrahlung auf einige von Heinrichs Soldaten zu haben. Diese machten ehrfurchtsvoll Platz und räumten sogar den Reisig ein Stück zur Seite. Angekommen, übernahm der junge Mann sofort die Führung.
„Seid Ihr nicht mehr ganz bei Sinnen?“, fragte er wütend. „Warum brennt Ihr die Brücke eines Bischofs nieder?“
„Rahewin“, redete Otto mit dem jungen Mann, „so zügelt Euch doch bitte! Allerdings würde ich auch gerne den Grund für Eure Tat erfahren.“ Seine Stimme war zwar vom Alter gezeichnet, aber in einer Würde gezeichnet, dass jeder Satz klang, als würde Otto gerade über große Gedanken sprechen.
„In der Tat ist dieser vorhanden“, erwiderte Heinrich, dessen Stimme viel härter war und eine ganz andere Würde besaß. „Ihr habt seit Jahren ohne Recht Geld mit Eurer Brücke eingenommen. Schon Eure Vorfahren haben dies getan und auch Eure Nachfahren würden dies noch tun, wenn nicht jemand eingreift. Und das werde ich nun tun.“
„Könnt Ihr Euch ein wenig genauer ausdrücken?“, hakte Rahewin nach.
„Aber sicher doch, auch wenn ich annehme, dass Otto Euch das genau so gut erklären könnte“, sagte Heinrich. „Die Bischöfe von Freising besitzen keine reichsrechtliche Konzession für Markt, Münze und Zoll für die Brücke von Freising.“
„Das ist nicht möglich“, sprach Rahewin, aber mehr zu sich, als mit ihm. „Das ist nicht möglich“, wiederholte er nochmal, als könnte das irgendetwas ändern.
„Doch“, erwiderte Heinrich. „Das ist in der Tat der Fall. Meine Berater haben gründlich nach der Konzession gesucht und sie nicht gefunden. Und genau aus diesem Grund sehe ich es als meine Pflicht, weitere Unrechtsmäßigkeiten dieser Art zu unterbinden, indem ich die Quelle des Unrechts, die Brücke, zerstöre.“
Rahewin fing sich erstaunlich schnell wieder. „Nun, wenn dem so ist, dann muss ich mich entschuldigen. Jedoch hat weder Otto noch seine Vorfahren mit Vorsatz gehandelt. Dass es keine Konzession für die Brücke von Freising gibt, ist die Folge aus Unwissenheit, nicht aus berechnender Absicht.“ Erstaunt registrierte Heinrich, wie schnell ihm Rahewin geglaubt hatte. Doch er war sich sicher, dass dies nur vorerst war. Später würde er das Ganze sicher noch einmal nachprüfen lassen, doch erst einmal hatte er hier dafür zu sorgen, dass die Brücke nicht zerstört wurde. Aber das würde Heinrich schon zu verhindern wissen.
Während er sich dies überlegte, redete der junge Mann weiter: „Nun jedoch haben wir erfahren, welchen unbeabsichtigten Fehler wir begangen haben und werden ihn so schnell wie nur möglich ausmerzen. Zum Dank, dass Ihr uns darauf hingewiesen habt, gebührt Euch natürlich eine gewissen Summe an Gold. Wie viel wollt Ihr haben?“
Es war klar, dass dies nur der angebliche Grund war. In Wirklichkeit bestach ihn Rahewin, um zu verhindern, dass er die Brücke zerstörte. Aber sollte er wirklich auf dieses Geschäft eingehen?
Vielleicht musste er das Angebot annehmen. Vielleicht würde er zu weit gehen, wenn er nun dennoch die Brücke zerstörte. Rahewin war ein guter Sekretär für Otto. Er war hartnäckig und holte das Beste für ihn raus. Vielleicht würde er so viel Druck auf Friedrich ausüben, dass dieser einlenkte und Heinrich mit einer Strafe versah.
Würde der Welfe jedoch das Geld annehmen, so könnte er von diesem möglicherweise eine konkurrenzfähige Brücke bauen und so doch noch sein Ziel erreichen.
Wie sollte er sich entscheiden?

Nun bist du Heinrich. Hältst du lieber an deinem eigentlichen Vorhaben fest und zerstörst die Brücke? Oder heimst du doch lieber das Geld ein und lässt Ottos Brücke heil, um danach mit dem Geld vielleicht doch eine Brücke zu bauen? Wie entscheidest du dich? (s. Umfrage)

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #2 |

RE: München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 3.2)
Hallo rex,

ein kurzer Teil, also direkt mal los:
Als sie die Brücke anzünden wollen (wie lang ist sie eigentlich und woraus besteht sie? Holz, Stein?), stellt sich ihnen Otto mit seinem Gehilfen gegenüber. Da hat der zweite Wächter ja doch ganze Arbeit geleistet, dass er sogar den Bischof aus dem Bett geholt hat. So beflissen wirkte er bisher gar nicht. Steht dem Bischof eigentlich die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben oder war er noch gar nicht am Schlafen?
Sie diskutieren und wieder muss Heinrich sich entscheiden: Geld oder Brücke. Damit bleibst du deinem Schema treu, das mir nachwievor gut gefällt.

Was mich etwas irritiert hat, ist, dass Heinrich seine Waffe ablegt. Warum will er plötzlich mit Otto reden? Worüber denn? Warum sollte er sich doch dagegen entscheiden, die Brücke niederzubrennen? Zwei parallele Brücken sind nach Teil 1 so oder so zu viel. Und warum legt er seine Waffe ab? Vllt stellt Otto ihm eine Falle? Das kam mir sehr leichtsinnig vor.
Von Dythmar hätte ich mir nach 3.1 auch mehr erwartet, muss ich sagen *lacht* Wohin sind eigentlich Ottos Soldaten dann so schnell verschwunden?
Mich wundert, dass Otto gar nicht selbst spricht. Klar, er ist alt und gebrechlich (und wahrscheinlich müde *g*), aber trotzdem sollte er doch das Ruder in der Hand haben in der Situation, oder? Zumindest das Angebot mit dem Gold hätte doch mit Otto abgesprochen werden können.

Du siehst, so recht überzeugen kannst du mich in diesem Teil nicht. Ich kann Heinrich einfach nicht nachvollziehen. Vllt helfen dir meine Fragen ja, ihn etwas nachvollziehbarer zu gestalten. Icon_smile

Rahewin scheint mir ein ganz gewitzter Bursche zu sein. Den stellst du gut dar, ich habe ihn vor Augen. Wie er kurz stockt, überrascht ist, und sich dann schnell wieder fängt. Nur der Bischof tritt in diesen Szenen wie gesagt etwas sehr in den Hintergrund.

Wann geht es denn weiter mit deiner Geschichte?

Anmerkungen:
Zitat:Das brachte ihn auch nicht weiter Mit vier Soldaten gegen schätzungsweise einen zwanzig Mann starken Trupp von Heinrich zu kämpfen, war so, als würde man mit einem Strohhalm gegen einen Löwen ankommen wollen.
Punkt nach "nicht weiter"
Wieso "ihn"? Er ist ja nicht Drahtzieher und Mittelpunkt der Welt. Da müsste es doch "brachte sie" heißen?
Gibt es zu der Zeit schon Strohhalme? Dann finde ich den Vergleich sehr cool, gerade mit Verweis auf den Löwen Icon_wink
Zitat:Er musste eingesehen haben, dass er nicht gegen seine Soldaten ankommen würde.
Ja, genau das hast du zuvor ja auch geschrieben. Solche Wiederholungen solltest du vermeiden, sie bringen die Geschichte nicht voran.
Zitat:Diese begannen sofort, den mitgebrachten Reisig aufzuschichten, der dafür sorgen sollte, dass das Feuer erst einmal zu brennen begann.
Den Reisig könntest du vllt schon vorher erwähnen?
Ich habe mich an dieser Stelle gefragt, woraus die Brücke eigentlich besteht. Und wie lang es wohl dauert, sie komplett niederzubrennen: Scheint ja eine Holzbrücke zu sein?
Zitat:Während sie dies taten
Hm, ich finde "dies" ist Analysesprache, das liest sich in Geschichten immer seltsam ... braucht es den Satz denn überhaupt? Du schreibst ja zuvor "Diese begannen sofort ...", also weiß man, dass sie dabei sind, es zu tun. Dann kann hier zB direkt der Mann kommen und ihn auf die andere Brückenseite hinweisen? Oder vllt Heinrich es sogar selbst?
Zitat:dass auf der anderen Seite des Flusses zwei Männer offenkundig zu ihm redeten.
Redeten? Nicht eher etwas wie "zu ihm herüberriefen/schrien"?
Zitat:Otto wollte die Brücke sofort überqueren, doch der junge Mann – vielleicht war es dieser Rahewin – redete kurz auf ihn ein. Doch der Bischof winkte ab und setzte seinen Weg fort.
Wdh. von "doch", vllt einfach ohne das zweite
Zitat:Otto war nicht mehr der Jüngste.
Stimmt bestimmt, aber ist nichtssagend. Vllt präzisierst du, was er im Bein hat oder seit wann er nur noch mit Hilfe laufen kann ...
Zitat:„Warum brennt Ihr die Brücke eines Bischofs nieder?“
Sie brennen ja noch gar nicht, so verteilen nur reisig. Vllt: "Was habt ihr mit der Brücke vor?" oder etwas in der Art?
Zitat:Seine Stimme war zwar vom Alter gezeichnet, aber in einer Würde gezeichnet, dass jeder Satz klang, als würde Otto gerade über große Gedanken sprechen.
Wdh. von gezeichnet
vllt "gleichermaßen von Alter und Würde gezeichnet"
Zitat:„Aber sicher doch, auch wenn ich annehme, dass Otto Euch das genau so gut erklären könnte“, sagte Heinrich.
Warum lässt er es denn dann nicht Otto erklären? So oder so: Ich vermisse einen Kommentar von Otto an dieser Stelle. Er wird hier offen des Betrugs beschuldigt und sagt kein Wort.
Zitat:sprach Rahewin, aber mehr zu sich, als mit ihm.
Liest sich seltsam, vllt etwas wie "aber mehr zu sich, als an Heinrich gerichtet"
Zitat:Jedoch hat weder Otto noch seine Vorfahren mit Vorsatz gehandelt.
haben weder ...
Zitat:Brücke von Freising gibt, ist die Folge aus Unwissenheit, nicht aus berechnender Absicht
die Folge von
Zitat:Später würde er das Ganze sicher noch einmal nachprüfen lassen, doch erst einmal hatte er hier dafür zu sorgen, dass die Brücke nicht zerstört wurde. Aber das würde Heinrich schon zu verhindern wissen.
"hatte er dafür zu sorgen" ist sehr umgangssprachlich und klingt auch nach Innenperspektive (von der Formulierung her). Es dreht sich hier auch mit Verneinungen ziemlich im Kreis: "dass die Brücke nicht zerstört wurde" ... es ist hier deutlich, was du meinst. Aber der Schwank auf Rahewins Wünsche, Sorgen und Pläne passt nicht in die Erzählweise.
Zitat:Es war klar, dass dies nur der angebliche Grund war. In Wirklichkeit bestach ihn Rahewin, um zu verhindern, dass er die Brücke zerstörte.
Sehr umgangssprachlich. Hier klingst du als Autor auch sehr raus. Zum einen wegen der Formulierung, zum anderen wegen der Sache an sich: Du kaust dem Leser auch hier vor, was er denken soll.
Zitat:Vielleicht würde er zu weit gehen, wenn er nun dennoch die Brücke zerstörte.
Warum? Darf man Bestechungen nicht ablehnen?
Zitat:Würde der Welfe jedoch das Geld annehmen, so könnte er von diesem möglicherweise eine konkurrenzfähige Brücke bauen und so doch noch sein Ziel erreichen.
Er hat also nicht genug Geld, um von vornherein eine konkurrenzfähige Brücke zu bauen? Die Möglichkeit von Geldmangel hattest du bisher noch gar nicht erwähnt ...

Wie bereits geschrieben, hoffe ich, dir helfen zu können. Nimm die Kritik nicht persönlich, rex. Aber ich denke, das tust du so oder so nicht Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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