Es ist: 25-01-2020, 11:20
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Der Protagonist
Beitrag #1 |

Der Protagonist
Liebe Schreibfreunde,

wahrscheinlich gab es diese Frage schon einmal, aber es schadet sicher nicht sie noch einmal zu stellen.

Ich war gerade dabei mir Gedanken über meinen Protagonisten zu machen und habe mich gefragt, was ihn eigentlich wirklich als Hauptperson interessant macht. Ich weiß nicht warum, aber ich finde es immer schwer den Protagonisten zu charakterisieren.

Jetzt wollte ich einfach mal gerne aushorchen, was ihr so für Hauptfiguren habt.
Erzählt einfach von eurem Lieblingsprotagonisten und was ihn/sie im Vergleich zu den anderen Figuren besonders macht. Ist er eher ein selbstloser Held oder ein Egoist? Würdet ihr ihn mögen, wenn er echt wäre? Würde er euch mögen? Usw.

Ich bin gespannt auf eure Antworten. Icon_wink





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Beitrag #2 |

RE: Der Protagonist
Hallo Meluse!

Ich habe ...
- einen ziemlich fertigen Suchenden, der fanatisch ein Artefakt jagt, an das er selbst nicht so recht glaubt; der nicht an Magie glaubt, die Formeln aber trotzdem spricht (Steine)
- eine hübsche Suizidentin ohne Grund für ihre Depressionen (Klöppelspitzen)
- einen an gesellschaftlichen Grenzen Gescheiterten (Azurblau, mit Weiß)
- einen menschenscheuen Journalisten, einen kumpelig-rauhbeinigen Polizisten, einen dem anderen Geschlecht gegenüber schüchternen Rechtsanwalt und einen aufstrebenden Jungpolitiker, dem zu viel in den Schoß fällt (Die Causa Wartenberg).

*Schleichwerbung mach*

Ganz unabhängig davon, ob meine Protagonisten jetzt interessant oder spannend geworden sind - das Mittel ist klar: Sie dürfen nicht zu glatt sein. Der Leser darf nicht alles antizipieren können, muss Ecken und Kanten finden, an denen er sich reiben kann, muss den Protagonisten mal mehr, mal weniger mögen, ihn nie ganz durchschauen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist meines Erachtens Berechenbarkeit. Dann wirds langweilig.

Liebe Grüße,
Lehrling

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Beitrag #3 |

RE: Der Protagonist
(Wie - alle mein Protagonisten? Antagonisten? Wirklich? Das will doch keiner lesen ...)

*hust*

Moin.

Zitat:Ich weiß nicht warum, aber ich finde es immer schwer den Protagonisten zu charakterisieren.
Ich persönlich finde es schwieriger, einen reinen weißen guten Charakter zu zeichnen - im Gegensatz zum reinen schwarzen bösen Darsteller. Natürlich sind ausnahmlos alle Darsteller (oder sollten es zumindest sein) niemals nur weiß oder schwarz - das Leben ist bunt und vielfältig. Böse Darsteller haben oftmals auch ein gutes Merkmal, dass mir die Leute näherbringt. Und auch die guten haben einen dunklen Fleck, was mich als Leser abstößt.

Es ist die Mischung, die einen Darsteller interessant macht. Meiner Meinung nach.

LGD.


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Beitrag #4 |

RE: Der Protagonist
Ein Hauptcharakter darf meiner Meinung nach nie nur "gut" oder "boese" sein. Natuerlich darf er eine Gesinnung haben, doch es muss immer etwas geben, das ihn aus diesem Schema hervorhebt. Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist eine Charakterentwicklung, die im Verlauf auch klar deutlich wird und synchron zu den Ereignissen ablaeuft, die diese Entwicklung vorantreiben.
Ob man seinen Protagonisten auf Anhieb moegen sollte, weiss ich nicht, ich mag meinen erst seit dem neusten Kapitel mit ihm, die vorangegangenen drei Kapitel konnte ich den echt nicht ab und es fiel mir leichter die Kapitel mit meinem Nebenprotagonisten zu schreiben, da sein Charakter einfach leichter definiert war. Jetzt hat mein Protagonist sich allmaehlich auch definiert, sodass es richtig Spass macht, die Kapitel mit ihm zu schreiben Mrgreen


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Beitrag #5 |

RE: Der Protagonist
Ähnliche Frage, wo wir schon dabei sind: Was führt eigentlich dazu, dass man seinen (respektive einen) Protagonisten "mag"? Ist das Menschlichkeit? Wiedererkennen?

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Beitrag #6 |

RE: Der Protagonist
Meine Protagonisten.... nun, sie zeichnet vor allem aus, dass sie meist eher der Geschichte dienen. Ich mag sie sehr selten, irgendwelche Charaktere vom Schlag "Heldentypus" sind bei mir ohnehin noch nie aufgetaucht.
Das was der Lehrling zu den Protagonisten im allgemeinen schreibt, könnte ich so auch sagen - aber welcher Autor würde schon von sich behaupten, eindimensionale, glatte und berechenbare Protagonisten produzieren zu wollen (mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass so viele, selbst veröffentlichte Autoren, das trotzdem tun).
Nun, bei mir ist aber weiterhin auffällig, dass meine Protagonisten meist unglaublich unglücklich/unzufrieden mit ihrer Situation sind oder zumindest immer irgendwas zu meckern haben. Häufig brauche ich das schlicht als Handlungsmotivation, allerdings ist das auch mein Hang dazu, meine Charaktere zu quälen.

Generell mag ich meine Antagonisten (auch wenn ich keine Geschichte hab, bei der man von einem klaren Antagonisten sprechen kann - unklare Gut-Böse-Verhältnisse sind ja eigentlich schon Standard) meist deutlich mehr. Schwache, hilflose Charaktere und solche mit moralischen Skrupeln gehen mir früher oder später auf die Nerven, weswegen ich eher zum Antiheld tendiere.
Allerdings neige ich auch nicht dazu, Nebencharaktere so weit auszubauen, dass ich mein Herz an sie hängen würde - dann bleiben sie schlicht keine Nebencharaktere.

Insgesamt lässt sich wohl sagen, dass ich meine Protagonisten (für mich sind das nur die, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird) deutlich weniger mag als alle anderen Hauptcharaktere - bisher ist es mir wohl noch nicht gelungen, jemanden zu konstruieren, den man über bis zu 300 Seiten Leid und Elend nicht hassen würde^^

@ Federlehrling

Ich mag Charaktere, wenn sie mich selbst überraschen können und der Geschichte ihren unverwechselbaren Stempel aufdrücken. Also mag ich sie ab dem Punkt, an dem es die Geschichte nur mit diesem Charakter geben könnte. Zudem mag ich sie, wenn das was sie tun und ihre Eigenarten mich zum Schmunzeln bringen. Allgemein dürfen sie an dem Punkt, ab dem ich Sympathie für sie empfinde, nicht mehr meine Spielbälle sein, die nach den Bedürfnissen des Plots geformt werden. Ab dem Punkt sind sie eher wiederborstig und machen alles nur komplizierter Icon_rolleyes Mrgreen

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When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy.’ They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.
- John Lennon -

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Beitrag #7 |

RE: Der Protagonist
Hey ihr,

Meluse schrieb:Jetzt wollte ich einfach mal gerne aushorchen, was ihr so für Hauptfiguren habt.

Also ich will jetzt auch nicht alle aufzählen, aber gerade bei meinen Phantastik-Geschichten ist mir aufgefallen, dass ich lauter verrückte Männer hab. Das sind auch so die Geschichten, die aufgrund der Charaktere oder bestimmter Charakterzügen entstanden sind. Bei meinen Emotions-Geschichten gings mir eher darum die Handlung/Geschichte zu erzählen, weshalb da die Prots nicht so herausragend sind. Tja und in Athalem hab ich ein schüchternes Mädchen und einen alten Mann, der nur so tut als ob rumlaufen. Icon_wink

Meluse schrieb:Erzählt einfach von eurem Lieblingsprotagonisten und was ihn/sie im Vergleich zu den anderen Figuren besonders macht.

Ich glaub ich hab keinen Lieblingsprot. Jeder ist ja in seiner Art besonders und je nach dem mit wem ich mich grad beschäftigte ist er mein Lieblingsprot. Icon_smile

Meluse schrieb:Ist er eher ein selbstloser Held oder ein Egoist? Würdet ihr ihn mögen, wenn er echt wäre? Würde er euch mögen? Usw.

Klar würd ich meine Prots mögen, sogar die "Bösen", weil sie genauso sind, wie ich sie mir gebastelt hab. Aber sie würden mich nicht mögen, weil ich den meisten was antu. Icon_fies

Joromir schrieb:Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist eine Charakterentwicklung, die im Verlauf auch klar deutlich wird und synchron zu den Ereignissen ablaeuft, die diese Entwicklung vorantreiben.

Stimmt, das find ich wichtig. Ich denke das spielt auch mit in dieses: "Schwarz oder weiss" gibt es nicht. Gerade Entwicklungen machen den Mensch menschlich und Entwicklungen machen die Geschichte spannend.

Joromir schrieb:Ob man seinen Protagonisten auf Anhieb moegen sollte, weiss ich nicht,

Hmm, also als Autor würd ich sagen, ich muss meinen Prot mögen, weil ich sonst keine Lust hätte seine Geschichte zu schreiben. Der Leser muss aber den Prot mögen, weil er sonst keine Lust hat die Geschichte zu lesen. Icon_smile

Lehrling schrieb:Was führt eigentlich dazu, dass man seinen (respektive einen) Protagonisten "mag"? Ist das Menschlichkeit? Wiedererkennen?

Für mich würd ich sagen die Menschlichkeit. Dieses Gefühl das der über den ich gerade Lese mir auch so auf der Straße begegnen könnte. Und natürlich die Charakterzüge, denke ich. Verhaltensweisen die nachvollziehen kann, oder auch nicht. Das mit der Symphatie ist ja bei jedem anders, aber die Prots die "echt" und "lebendig" wirken bleiben mir im Gedächtnis.

Jadeaugen schrieb:Allerdings neige ich auch nicht dazu, Nebencharaktere so weit auszubauen, dass ich mein Herz an sie hängen würde - dann bleiben sie schlicht keine Nebencharaktere.

So gings mir auch schon. Inzwischen hab ich aber wieder abstand zur Geschichte gewonnen und kann mich wieder auf die Hauptprots konzentrieren. Icon_smile Aber wenn die Geschichte auch mit dem Nebenchar als Hauptchar funktioniert, nun warum eigentlich nicht? Ist doch prima, wenn die Geschichte sich entwickelt. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #8 |

RE: Der Protagonist
Sanyasala

(21-07-2011, 19:06)Meluse schrieb: Ich weiß nicht warum, aber ich finde es immer schwer den Protagonisten zu charakterisieren.
Das kann ich in manchen Fällen nachvollziehen *böse zu einer protagonistin schiel*, aber manchmal weiß ich auch ganz genau, was der Geschichte dient. Allerdings habe ich am allermeisten Leute, über die ich zunächst nicht viel weiß. Sie haben dank der Handlung recht viele Freiheiten, denn ich passe die Handlung dynamisch daran an, wie sich die Charaktere entwickeln - sonst würde ich wahrscheinlich jede Glaubwürdigkeit verlieren. Wenn ich Zeit und Gedanken mit dem Protagonisten verbringe, bekommt er oder sie ein eigenes Leben, das macht es schwer. Mir zumindest.

Zitat:Jetzt wollte ich einfach mal gerne aushorchen, was ihr so für Hauptfiguren habt.
Vor allem: Viele :D
Hm, so zum Beispiel:
Einen entschlossenen jungen Mann, der in Heldenmanier gepresst wird, um die Seele seiner geliebten Liebe-seines-Lebens-weil-Klischee zu erlösen, und dabei von zu vielen mitgeschleift wird, um zurücktreten zu können, und sehr viel Glück hat. Egal, welche Situation auf ihn zukommt.
Ein übersinnlich begabtes Mädchen, das in einem Krieg über die Vernichtung der Menschen zu überleben und nicht verrückt zu werden versucht, ihre Schwäche zu intensiv erlebt und Schlag um Schlag zerbricht, obwohl sie Liebe und Geister kennenlernt. Anders, weil menschlich und normal nach einem zerborstenen System, das sich nie wieder erheben wird.
Eine unglückliche junge Frau, die ihre spärliche Vergangenheit mit rebellischem Willen zu bezwingen versucht; ein von der allzu bekannten Vergangenheit halb gebrochener Mann, der Rache meidet, aber nicht vergeben kann; eine sorglose Frau, der ihre Identität wegbricht, und die Halt von Leuten sucht, die mutiger sind als sie, und denen ihre Gaben schenkt.
Eine Stammkriegerin aus einem Volk kleiner Waldbewohner, die sich tapfer in einen respektablen Rang arbeitet, um nützliches Mitglied des Geheges zu werden, und nach vielen Schicksalsschlägen für alle dann hart darum kämpfen muss, überhaupt eine Zukunft für ihr Gehege zu haben - oder überhaupt irgendeine Zukunft, wobei Verzweiflung, Mut und verbitterte Kaltblütigkeit ihr den Weg ermöglichen. Trauer, Wut, all das macht ihren Charakter zu dem, was ihre Leute brauchen, sie aber nicht werden wollte. Die Hölle, wenn man so will, in einer Welt, die sich rasant verändert, nicht zum Guten für die Kleine.
Und Neya ... Neya. Ich weiß nicht, was sie ist, aber sie träumt von den Träumen eines Jungen, ohne das Mädchen in sich zu vergessen. Sie begräbt ihre Hoffnung und wird im selben Moment zu dem, was sie immer sein wollte. Sie erkennt den Preis für das, was sie nicht hat kommen sehen, und tut alles, um den letzten Rest ihrer Vergangenheit zu schützen, um eine Zukunft zu haben. Sie ist mir fremder geworden, je länger ist an dem Buch gearbeitet habe. Je mehr sie sich entwickelt - und auch nur in Gedanken bislang! -, desto mehr verschließt sie sich gegen mich; was mich ärgert, obwohl es dem entspricht, was sie sein soll. Werden soll. Ich versuche, mich mit ihr zu einigen, damit wir die Handlung, die sie so verbittern wird, auf die Beine stellen können Icon_smile

Was macht meine Protagonisten besonders?
Dass ich sie anschaue. Am Charakter ist jeder irgendwo besonders, denke ich, aber in meinen Schreibereien werden die Leute oft von Handlung geprägt. Ich jage meine Leute durch die Hölle und wieder zurück, um sie dazu zu treiben, etwas Eigenes zu werden - und damit glaubhaft. Ich glaube sie am Anfang einigermaßen zu kennen, aber meine Protagonisten sollen anders werden. Darin liegt für mich die Besonderheit: Durch Erlebnisse werden sie zu Fremden, offenbaren Dinge von sich, die ich selbst nie geplant habe. Dafür leiden sie ziemlich, fürchte ich. Andere Charaktere wachsen mir oft sehr ans Herz, meist eine wichtigere Nebenfigur, die Mysteriöses an sich hat oder den Protagonisten wie auch mich überraschen kann - im Positiven wie im Negativen. Charaktere, die von Anfang an so von mir unbeobachtet sind, dass sie sich rasch zu "echten" Leuten entwickeln und damit z.B. zu Lehrern, Mentoren oder ähnlichem werden können.
Oder Antagonisten. Ich MAG Antagonisten. Systemkritiker. Individualisten. Oder einfach total ekelhafte Leute, die so widerlich und Charakterschweine sind, dass sie sogar mir so abgehen, obwohl sie durch und durch das sind, als was ich sie erschaffen habe. Sie erfüllen ihre Antagonität auf die ekelhafte Weise, die ihnen zusteht. Diese Leute liebe ich einfach, weil sie es können.

Gut, ich habe auch übernatürliche Protagonisten, Helden, gemachte Leute. Aber häufig finde ich mich dann nicht so unglaublich tief in die Charaktere ein, sehe mich als Handlungskonstrukteur und bemühe mich um eine tolle Szenerie, in der die Leute dann agieren können. Auf solche Leute kann ich mich halt verlassen, weil sie nicht so viel entwickeln, was man nicht voraussehen kann. Meist beinhalten sie Klischees. Aber manchmal macht mir sowas Spaß Icon_smile

Man merkt wahrscheinlich, dass ich ein ziemlich ... seltsames Verhältnis zu meinen Protagonisten und auch anderen Charakteren aufgebaut habe, aber meist hilft es mir, eine Geschichte zu schreiben, die zumindest ich selbst gut miterleben kann. Dann habe ich mich viel mit den Charas auseinandergesetzt und mit ihnen geeinigt und bin umso stolzer auf fertige Sachen. Ich könnte jetzt auch Stunde um Stunde mehr schreiben, aber das lasse ich besser Icon_wink

Alles Liebe,
Trin

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #9 |

RE: Der Protagonist
Mische hier mal mit!
Also, ich mag mehr die "Anti-Helden" als die typisch glatten Protagonisten, die gemäß der Handlung folgen und scheinbar keinen eigenen Charakter haben. Klar, muss die Hauptfigur auf gewisse Dinge eingehen, um die Story weiterzubringen. Und es ist schwer, einen Charakter in kurzer Zeit komplett auszuarbeiten. Oft ergeben sich die Charakterzüge im Laufe der Geschichte.
Ich mag es, wenn der "Held" auch mal Macken und Fehler hat, wenn er vielleicht mal eine Fehlentscheidung trifft und seine ganz eigenen Vorlieben und Meinungen hat.
Meine Schwester und ich haben sehr lang an einer Geschichte gearbeitet und die Personen haben sich immer weiter "entwickelt". Die "Hauptperson" ist ein Mann, der wahrscheinlich nicht dem typischen Protagonisten-Bild folgt: Ende dreißig, mürrisch, verschlossen, selbstgerecht, zielstrebig mit einigen seltsamen Verhaltensweisen: Er schneidet sein Essen in geometrische Stücke, hasst Franzosen (die Story spielt in der Napoleon-Zeit) und Kinder, weiß nicht, wie er mit Frauen reden soll, hat einen Konkurrenten, den er am liebsten sofort umlegen würde und ist allgemein sehr reizbar und gewalttätig. Klingt nicht unbedingt nett. Aber im Zusammenspiel mit den anderen, wird er zu einem liebenswert-rauen Individuum, das möglichst gewinnen will, aber auch oft verliert und in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt.
Die Kommunikation und Beziehungen zwischen der Hauptfigur und den "Nebenfiguren" machen ziemlich viel aus!Pro


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Beitrag #10 |

RE: Der Protagonist
Jo

Ich mag deine Fragen immer besonders gerne, Meluse. Icon_smile

Es gibt eine Voraussetzung, die jede meiner Hauptfiguren erfüllen wüssen: Komplexität. Sie dürfen sich nicht nur über ein Merkmal, sondern müssen sich über eine Vielfalt definieren, dabei können schon mal Widersprüche entstehen.

Bsp.-Person X: schüchtern, introvertiert, hat nur wenige Freunde, ABER hat eine große Klappe, waghalsig, selbstverliebt.

Mir geht es einfach darum, möglichst realistisch zu schreiben und Fakt ist, dass der Mensch ein Gefüge aus Gegensätzen, unzählige Vorlieben, noch mehr Antipathien ist und, und, und. Ich kann nur mit Figuren schreiben, die diese Diversität in sich vereinigen und auch ausleben. Eine Figur, die zu eindimensional ist, eignet sich deshalb höchstens als Nebenfigur, da ich sie ja auch nicht weiter beleuchten muss, weil der Fokus nicht auf ihr liegt. So kann es aber auch schon mal passieren, dass Nebenfiguren zu Hauptfiguren werden, weil ich plötzlich Facetten erkenne und diese ausbaue, sodass sie viel mehr Platz brauchen, um sich zu entfalten.

Meine Hauptfiguren machen in der Regel eine Entwicklung durch, sodass sie auf der letzten Seite nicht mehr dieselben sind wie auf der ersten (gewollt!). Dasselbe gilt auch für die zahlreichen Nebenfiguren, nur eben nicht in diesem Ausmaß als dass es die Handlung beeinflussen würde. Meine Hauptfiguren beeinflussen den Gang der Handlung, meine Nebenfiguren werden durch selbige beeinflusst.

Und wie mich meine Figuren lieben würden. Icon_ugly *Sarkasmus mod on*
Wir können nichts schreiben, was nicht von uns selbst kommt. Etwas, was nicht in uns drinnen ist, würde nie seinen Weg aufs Papier finden, weil wir schlichtweg nicht daran interessiert wären darüber zu schreiben bzw. gar nicht erst auf die Idee kämen, uns näher damit zu beschäftigen. Was ich damit sagen will: jede Figur ist ein Teil von uns. Das gilt genauso wie für das Mauerblümchen wie für den Casanova aus meinen Geschichten, denn: wäre ich nicht in ihnen, wären sie auch keine meiner Figuren. Natürlich trifft das auf die eine Figur mehr zu als auf die andere, wie wir Schreibende auch verschiedene Charakterausprägungen haben, etwas ungedulig, etwas pessimistisch, etwas fröhlich etc. und nicht immer zu 100% alles sind.

Ich mag auch meine "Arschlöcher", weil meine Figuren nie so eindimensional sind, dass sie sich nur über ihre Bösartigkeit definieren würden. Person Y nimmt keine Rücksicht auf andere Personen, weil bis jetzt noch nie jemand wirklich zu ihm gestanden ist. Natürlich rechtfertigt das nicht die Verbrechen, die er im Jetzt begeht, aber es wird verständlich, warum er sich so und nicht anders verhält.

Ob sie mich mögen würden? Icon_fies Wahrscheinlich nicht, weil ich um ihre tiefsten Abgründe Bescheid wüsste und niemand gerne so einem Menschen in die Augen schauen würde, der all das weiß, was man vor sich selbst nicht eingestehen will. Ich hab zu dem Thema sogar ein nettes Projekt angefangen, das langsam mal wieder auf seine Fortsetzung pocht ... Read

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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