Es ist: 13-04-2021, 21:09
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In der Bucht der Krabbenfischerkönige (3/5)
Beitrag #1 |

In der Bucht der Krabbenfischerkönige (3/5)
Teil 2

„Beeindruckend, nicht wahr? Das Licht, das in ihnen spielt verleiht ihnen eine Art von Leben, obwohl sie doch bloß seelenlose Splitter sind.“ Die Stimme schien aus dem Nichts zu kommen, denn bisher hatte Buyar Noyan den Mann nicht wahrgenommen, der hinter dem Schreibtisch in der Mitte der Kajüte saß, die Hände gefaltet, den Blick hell und wach auf die Neuankömmlinge gerichtet. „Ein Thishoi von weither aus dem Osten hat sie für mich angefertigt, einer der letzten, der die Kunst Glas zu formen noch zur Vollkommenheit beherrscht, wie ich fürchte.“
„Ein interessantes … Spielzeug, ja“, erwiderte Buyar Noyan. Er musste dem Drang widerstehen, eine Verbeugung, oder eine anders geartete Weise der Unterwerfung anzudeuten. So eine Regung hatte ihn nicht mehr überkommen, seit er seinen Vater vor jener Schicksalsnacht eine gute Nachtruhe gewünscht hatte, doch dieser Mann – der Tulug sein musste, wer sollte er sonst sein? - schien es mit irgendeinem Teil seiner Person zu fordern. Vielleicht lag es an seinen Augen, die grün wie junge Schattenschwimmer in ihren Höhlen lagen, vielleicht am harten, unnachgiebigen Schwung von Kinn und Kiefern, vielleicht am schmalen Mund, der ein Lächeln erahnen ließ, ansonsten aber für das Rufen von Kommandos wie gemacht zu sein schien.
Jetzt lehnte Tulug sich zurück, strich sich über den rasierten Schädel und rückte sein ärmelloses rote Gewand zurecht. Dann wurde sein Lächeln breiter.
„Er ist ganz, wie Ihr angekündigt habt, Mera“, sagte er, an den Feldscher gewandt. „Stolz, wie der alte Wellentänzer höchstselbst.“
Erzürnt, dass über ihn geredet wurde, als sei er nicht anwesend, schnitt Buyar Noyan dem Feldscher das Wort ab, bevor dieser mehr tun konnte, als die Lippen zu verziehen: „Sein Blut fließt in meinen Adern, mein Stolz kommt vom göttlichen Recht, das in mir weiterlebt.“ Wenn Tulugs Männer ihm nicht den gebührenden Respekt zollen wollten, so konnte er damit leben, hatte er beim Abstieg in den Bauch des Schiffes beschlossen, doch Tulugs ignorantes Verhalten würde er nicht gutheißen. An den Feldscher gewandt sprach er: „Wie kannst du wagen, mich zu so einem Mann zu führen? Mir wurde versprochen, ich würde den mächtigen Tulug treffen, den fähigen Anführer seiner Männer, stattdessen weiß dieser rotgewandete Fischer nicht einmal, wie er den letzten Krabbenfischerkönig zu behandeln hat!“
Stille kehrte ein, nur die Lebensgeräusche des Schiffes und das Schwappen der Wellen waren weiterhin zu hören. Die Augen des Feldschers zuckten unruhig zwischen ihm und Tulug hin und her, sein Mund öffnete und schloss sich. Dieses Treffen verlief nicht, wie Buyar Noyan es erwartet hatte, doch der Feldscher war mindestens im gleichen Maße verstört.
Tulug seufzte. „Was meint Ihr, Noyan, wie viele Männer in den vergangenen zwanzig Jahren über diese Planken geschritten sind, wie viele behauptet haben, königliches Blut in sich zu tragen?“ Er hustete leise in die geschlossene Hand und betrachtete die Schälchen mit Weihrauch mit gerunzelter Stirn, bevor er sich wieder an Buyar Noyan wandte: „Ich will Euch einen Anhaltspunkt geben: es waren genug um die Fische und die Roten Falter in dieser Bucht fett zu machen. Was also sollte mich bewegen, einem weiteren Jungen, der gerne König spielen möchte, mehr Respekt zu schenke, als dem Vorangegangenen?“
Buyar Noyan fand seine Stimme wieder, irgendwo zwischen den dunklen Vorahnungen und denn allzu lebhaften Erinnerungen an die vergangenen Jahre, an Fluchten aus niedrigen Hütten, an Kämpfe in dunklen Gassen, Gifte und Meuchelmörder. „Was Ihr mit all den Möchtegernen tut, ist mir gleich. Tötet sie, folterte sie, nehmt sie meinetwegen zum Weib, es könnte mich nicht weniger interessieren. Diesmal aber habt Ihr Euren zukünftigen König vor Euch und Ihr tätet gut daran, Ihm Ehre zu erweisen.“ Sie klangen richtig, diese Worte. So stellte er sich vor, hatte sein Vater geredet, wenn er über die Anliegen der Archipelbewohner Gericht gehalten hatte, in jener vergangenen Zeit, an die Buyar Noyan sich nur bruchstückhaft erinnern konnte.
Doch Tulug zeigte sich unbeeindruckt, hob nicht einmal den Blick, den er wieder auf die Weihrauchschälchen gesenkt hatte.
„Nun, es ist nicht an mir irgendwelche Beweise zu führen, sondern an Euch. Ihr seid der Erbe der Buyar? Beweist es. Aber beweist es gut, denn wenn ich Euch nicht glaube – und die Chancen stehen gegen Euch, das will ich Euch versichern – werden sich die Falter heute Abend gleich auf ein doppeltes Mahl freuen können.“ Bei den letzten Worten richtete er den Blick auf den Feldscher, der zusammenzuckte, als hätte man ihn mit einem glühenden Eisen gestochen.
„Ich … ich habe ihn doch nur her gebracht … Ganz wie -“
„Mera, Ihr kennt mich allem Anschein nach nicht, aber sicher sind Euch Geschichten über mich zu Ohren gekommen. Ich bin niemand der Täuschung verzeiht und dieser Tage ist meine Geduld begrenzt! Führt den Beweis oder lasst es, das sind zwei von drei Möglichkeiten, die Ihr habt – und wiederum zwei davon werden Euch ein nasses Grab bescheren!“ Daraufhin wurde der Feldscher noch krummer und kleiner als er ohnehin schon war.
„Was ist mit Eurer Seite des Handels?“, fragte Buyar Noyan und machte einen Schritt nach vorne.
„Handel? Mir war nicht bewusst, dass wir bereits einen Handel abgeschlossen haben.“
Ohne sich von der Antwort beirren zu lassen setzte Buyar Noyan hinzu: „Ihr wisst wovon ich rede! Der Feld … Mera hat dieses Treffen in die Wege geleitet, weil Ihr angeblich Mittel und Männer habt, mir dabei zu helfen, den Platz einzunehmen, den die Götter mir zugestanden haben. Doch bis jetzt habe ich nicht mehr gesehen, als eine Bande bewaffneter Rüpel, die auf Eurem Deck umherstolpern und mit den Gesichtern von Narren in die Gischt pissen. Ihr wollt Beweise? Überlegt, wer von uns beiden mehr zu verlieren hat! Ihr oder ich?“ Einen Augenblick lang ließ er die Worte sacken, bevor er hinzufügte: „Ihr solltet mir einen Beweis erbringen, meint Ihr nicht auch?“
Wieder sank jene samtige Stille voller versteckter Klingen herab. Diesmal war deutlich das aufgeregte Atmen des Feldschers zu vernehmen. Dann knarzte Tulugs Stuhl, als er sich mit ausdrucksloser Mine zurücklehnte. Nur seine Augen – hart, doch leuchtender als zuvor – ließen ahnen, was er dachte.
„Auf diesem Schiff habe ich vierzig Mann unter meinem Kommando, weitere sechzig in der Hafenstadt. Genug Zeit vorausgesetzt, kann ich Getreue von allen Inseln des Archipels zusammenrufen, wann immer es nötig sein sollte. Ich habe Männer in der Wache, Männer in der Verwaltung der Stadt und des Palastes, Verbündete unter den Thishoi und den Söldnerpriestern.“ Mit einer Hand schob er Blätter auf dem Tisch vor sich umher, obwohl er sie sicher nicht brauchte. Er wusste alles auswendig, kannte jeden Zweig seiner Organisation, daran zweifelte Buyar Noyan nicht einen Moment.
Einhundert Mann in der Stadt. Das war mehr, als er erwartet hatte, doch er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen.
„Diese Getreuen – von was für Zahlen sprechen wir hier?“, hakte er nach, darum bemüht, das nervöse Geraschel und Gekeuche des Feldschers zu überhören.
„Im besten Fall?“ Tulug zog eine Augenbraue hoch. Wieder strich er über seinen Schädel. „Sechshundert Mann in Waffen.“
Diesmal war Buyar Noyan sich sicher, seine Fassade würde zusammenbrechen. Es kostete ihn alle Konzentration, die er aufbringen konnte um es zu verhindern.
Sechshundert Mann … Im Palast sind nie mehr als zweihundert Gardisten stationiert. Wir könnten sie überrennen, wie die Kleine Tide eine Sandburg! Immer schwerer wurde es, die Aufregung zu kaschieren.
„Nun gut“, sagte er. „Ich soll meine Herkunft beweisen? Wie Ihr wünscht.“ Mit einer Hand lockerte er seinen Gürtel, dann zog er das Hemd aus der Hose. Rauer als sonst scheuerte der grobe Stoff über seine Haut, als er den Saum hoch hob. „Ist Euch dies Beweis genug?“
Zuerst wanderte Tulugs Blick zu dem Muttermal, dann wieder zu Buyar Noyans Gesicht. Auf seinen Zügen lag nach wie vor Misstrauen, doch darunter kam jetzt etwas anderes zum Vorschein, etwas, das einzuordnen ihm schwer fiel.
War es … Vorfreude?
Er sieht, dass ich die Wahrheit sage, dachte Buyar Noyan. Wie ich, sieht auch er nun das Ende der Herrschaft des Usurpators vor sich!
Ganz sicher war er sich nun, einen Verbündeten gefunden zu haben, jemanden, der seinen Traum nicht nur teilen, sondern ihm helfen würde, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.
„Das alleine beweist nichts.“
Einen viel zu langen Augenblick starrte Buyar Noyan den Mann am Tisch vor sich fassungslos an. Er hatte das Gefühl von einem Sturmwind gepackt und auf spitze Klippen geworfen worden zu sein. Nicht einmal eine Entgegnung wollte ihm einfallen.
Tulug erhob sich. „Unter Euren Vorgängern, die hier zu mir in meine Kajüte gekommen sind, unter all den Möchtegernen und fehlgeleiteten Träumern, gab es genug, die glaubten, irgendein Leberfleck könne jeden Zweifel aus dem Weg räumen“, erklärte er, während er um den Tisch herum kam. „Manche sind so weit gegangen, sich mit Drachenflosslergift einzureiben, bis die Haut angeschwollen ist, dass sie aussah wie das Mal der Buyar. Und mehr als einer hat sich dabei verschätzt und ist vor meiner Nase mit Schaum vor den Lippen zusammengebrochen.“ Nun stand er direkt vor Buyar Noyan, der noch immer den Saum des Hemdes festhielt und sich inzwischen fühlte, als sei dies die einzige Verbindung, die er noch zu dieser Welt. Tulug legte seine Finger auf das Muttermal.
„Hm, aber dies hier sieht echt aus.“ Er zog daran, drückte es, nicht ohne Buyar Noyan ein wenig Schmerz damit zu bereiten. Schließlich ließ er von ihm ab. „Das kann nun zweierlei Dinge bedeuten“, sprach er bedächtig. Langsam kehrte er zu seinem Stuhl zurück. „Entweder ist es ein Trick, den ich noch nicht kenne, doch das allein wird Euch allerhöchstens ein wenig Zeit erkaufen. Wenn Ihr mich übertölpeln wollt, muss ich Euch leider sagen, werdet Ihr keinen Erfolg haben. Ich werde dahinterkommen, eher früher als später. Andererseits besteht nun auch die Möglichkeit, dass Ihr die Wahrheit sagt. Wenn das so wäre …“ Sein Stuhl knarzte, als er sich setzte. Er kratzte sich an der Wange, die Augen in den Raum hinter Buyar Noyan gerichtet, als stünde dort jemand, den er um Rat bitten wollte. Schließlich räusperte er sich. „Wenn Ihr der seid, der Ihr zu sein vorgebt, dann werdet Ihr mir folgende Frage beantworten können: Wer war bei Euch, als Ihr aus dem Palast geflohen seid?“
Endlich erlangte Buyar Noyan die Kontrolle über seine Zunge wieder.
„Was ist das für eine Frage?“
Wieder seufzte Tulug. „Denkt darüber nach, Buyar – oder nicht Buyar. Nur jemand, der dabei gewesen ist, kann wissen, was genau vorgefallen ist.“
„Ach ja? Ihr scheint doch ebenfalls zu glauben eine Antwort zu kennen, oder irre ich mich?“
„Tut Ihr nicht, nein“, lachte Tulug. „Aber ich habe meine Quellen. Quellen, die niemandem sonst zur Verfügung stehen, vor allem aber keinem falschen Buyar.“ Übergangslos wurde seine Miene wieder ernst. „Wenn Ihr also noch länger zögert, werde ich daraus meine eigenen Schlüsse ziehen müssen.“
„Hoheit, Ihr solltet -“
„Halt den Mund, Feldscher!“ Buyar Noyan verspürte den Drang, dem untersetzten Mann einen Schlag zu versetzen und atmete tief durch.
Es war nicht so, dass er nicht von der Nacht der Flucht erzählen konnte – schließlich war er der wahre Erbe des Throns über die Archipele. Ein Teil von ihm verweigerte sich dessen, wollte es nicht tun, wollte nicht zurück an diesen dunklen Ort, in diese dunkle Zeit, seine eigene, schreckliche Große Tide.
Vielleicht war dies die Prüfung, die er zu bestehen hatte. Ood, erinnerte er sich, hatte ihm einmal erzählt, wie die Schlüpflinge in der Alten Zeit – so nannten die Thishoi die Zeit, bevor sie in den Osten gekommen waren – ihre Kindheit hinter sich ließen und in den Kreis der Ausgewachsenen aufgenommen wurden:
Tief in den Wasserhöhlen ihrer Heimat wurden sie ausgesetzt, dort, wo auch die Eier der Brut ihres Stammes lagerten. Nur mit einem Speer bewaffnet mussten sie dort vierzehn Nächte überstehen, das Gelege gegen räuberische Tiefenwesen verteidigen, notfalls mit ihrem Leben.
War dies so anders?
Um zu bekommen wonach er strebte – die Macht seiner Ahnen, Frieden und Recht überall auf den Archipelen – musste er an jenen Ort zurück, an dem er geboren worden war. Nicht aus dem Mutterleib hinaus, sondern aus der Dunkelheit und dem Blut der Nacht.
Er räusperte sich. Tief sah er in Tulugs Augen, die ihm mit einem Mal gar nicht mehr so einschüchternd vorkamen, und begann zu berichten, was geschehen war, damals, als er noch ein anderer Mensch gewesen war.

Teil 4

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Beitrag #2 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (3/5)
Und Teil 3 Mrgreen

Zitat:„Beeindruckend, nicht wahr? Das Licht, das in ihnen spielt, verleiht ihnen eine Art von Leben, obwohl sie doch bloß seelenlose Splitter sind.“

Ich weiß nicht genau, ob das Komma da wirklich hin muss, kann man aber glaube ich machen.

Zitat:Was also sollte mich bewegen, einem weiteren Jungen, der gerne König spielen möchte, mehr Respekt zu schenken, als dem Vorangegangenen?“

Und ein "n" vergessen Icon_panik
Und wohl eher "den Vorangegangenen"? Sind ja mehr als einer gewesen.

Zitat:Buyar Noyan fand seine Stimme wieder, irgendwo zwischen den dunklen Vorahnungen und denn allzu lebhaften Erinnerungen an die vergangenen Jahre, an Fluchten aus niedrigen Hütten, an Kämpfe in dunklen Gassen, Gifte und Meuchelmörder.

Hier ist es ein "n" zuviel Icon_wink

Zitat:Tötet sie, folterte sie, nehmt sie meinetwegen zum Weib, es könnte mich nicht weniger interessieren.

Und ein "e" zuviel^^

Zitat: „Sechshundert Mann in Waffen.“

Kann man das so schreiben? Ich kannte immer nur "unter Waffen"?!

Und das war es auch schon mit Teil 3. Hat mir wieder gut gefallen, die wenige "Kritik" waren auch nur Flüchtigkeitsfehler Mrgreen



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Beitrag #3 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (3/5)
Hiho Saryn!

Der dritte Teil also – das Gespräch mit Tulug, das mich sehr stark an den Zeichentrickfilm »Anastasia« erinnert hat. Also von der Thematik her. In dem Film sucht nämlich ein junger Schwindler Zarentochter-Doppelgängerinnen, die er der Zaren-Oma als »echt« präsentieren möchte. Kann deine Geschichte nix für, und ich mag den Film auch *lach* es war nur eben so in meinem Hinterkopf drin.

Auch das Muttermal als Zeichen der königlichen Linie … es ließ mich an Pratchett denken, bei dem es ja auch noch die Form einer Krone hat *lach* Es stört den Lauf der Geschichte bei dir überhaupt nicht und ich fands auch nicht schlimm – es ist nur immer ein bisschen komisch, wenn so ein Muttermal vererbt wird. An jeden. Und immer an genau der gleichen Stelle in genau der gleichen Form.
Oder wird jeder Buyar auf Muttermale untersucht und eines wird dann als das Erkennungszeichen deklariert?
Wie gesagt, ich finds okee, es ist nur eben ein bisschen … seltsam, wenn man mal genauer drüber nachdenkt.

Mit dem Bestreben Tulugs im Hinterkopf, den echten König zu finden und zu ermorden (das ist doch von Anfang an sein Plan, oder?) frag ich mich allerdings, warum Noyan da nicht schon viel früher von Tulug gehört hat – bzw. warum Tulug nicht etwas öffentlicher vorgeht bei seiner »Königssuche«.
(oder ich hab komplett was falsch verstanden, das werden wir dann wohl unterm fünften Teil rausfinden)

Tulug selbst mag ich ganz gerne. Man kauft ihm ab, dass er niemandem mehr glaubt, der echte König zu sein, allerdings frage ich mich grade, woher ER die Sache mit der Schwester weiß … Ood hatte doch alle umgebracht? Egal, darum kümmer ich mich auch unterm 5. Teil.

Wie auch schon unterm zweiten Teil gesagt kam mir Noyans Stimmungswechsel zu plötzlich, da geh ich jetzt nicht mehr drauf ein.

Zitat: Das Licht, das in ihnen spielt verleiht ihnen eine Art von Leben
Komma zwischen »spielt, verleiht«

Zitat: Die Stimme schien aus dem Nichts zu kommen, denn bisher hatte Buyar Noyan den Mann nicht wahrgenommen, der hinter dem Schreibtisch in der Mitte der Kajüte saß
hm … in dem Moment, als Tulug anfängt zu sprechen, nimmt Noyan ihn aber wahr, oder? Daher find ich es unpassend, wenn die Stimme trotzdem noch »aus dem Nichts« kommt. Also so wie es da steht zumindest hört Noyan die Stimme und entdeckt direkt darauf den Mann. Aus dem Nichts kommen wäre eher, dass er noch eine Weile nach dem Sprecher suchen muss. Aber der sitzt an einem Schreibtisch, Mitten in einem hell erleuchteten Raum … er sollte sofort auffallen, deshalb klingt das »aus dem Nichts« leicht überdramatisiert Icon_wink
Vielleicht:
Erst jetzt nahm Buyar Noyan den Mann wahr, der hinter dem Schreibtisch in der Mitte der Kajüte saß.

Zitat: Vielleicht lag es an seinen Augen, die grün wie junge Schattenschwimmer in ihren Höhlen lagen,
Pro

Zitat: und rückte sein ärmelloses rote Gewand zurecht.
»rotes«

Zitat: Wenn Tulugs Männer ihm nicht den gebührenden Respekt zollen wollten, so konnte er damit leben, hatte er beim Abstieg in den Bauch des Schiffes beschlossen,
Beim ersten Mal lesen bin ich über diese Stelle arg gestolpert, wegen dem nachgeschobenen »hatte er beschlossen«, das sich so nahtlos in die ganzen Nebensätze einreiht. Vielleicht eher mit Gedankenstrichen abheben, oder mit einem rückbezüglichen »das« absichern?
»so konnte er damit leben – das hatte er beim Abstieg ...«

Zitat: Dieses Treffen verlief nicht, wie Buyar Noyan es erwartet hatte, doch der Feldscher war mindestens im gleichen Maße verstört.
Die Verwirrung des Feldschers dürfte aber eher auf den Ausbruch Noyans zurückzuführen sein? Auf jeden Fall irritiert mich das »doch« … es ist doch zu erwarten, dass der Feldscher AUCH verwirrt über das Treffen ist. Oder steh ich da auf dem Schlauch? *kopfkratz*

Zitat: Anhaltspunkt geben: es waren genug um die Fische und die Roten Falter in dieser Bucht fett zu machen.
»Es« groß, weils ein vollständiger Satz nach dem Doppelpunkt ist;
außerdem ein Komma zwischen »genug, um«

Zitat: Was also sollte mich bewegen, einem weiteren Jungen, der gerne König spielen möchte
Hier kam die Frage nach Noyans Alter dann zum ersten Mal akut auf, weil ich ihn bisher eher als älter eingeschätzt hatte. Da er 26 ist, und damit sicher kein Junge mehr, finde ich die Formulierung hier etwas irreführend. Beheben ließe sich das, wenn du auch auf Tulugs Alter irgendwo einen Hinweis gibst, falls er eben viel älter als Noyan ist, so dass das »Junge« auf den Altersunterschied bezogen werden kann.
Also schon klar, dass er das so herablassend meint, aber mit 26 ist man halt einfach kein Junge mehr und ich denke auch nicht, dass Noyan irgendwie noch kindlich aussieht.

Zitat: zwischen den dunklen Vorahnungen und denn allzu lebhaften Erinnerungen
»den«

Zitat: Tötet sie, folterte sie, nehmt sie meinetwegen zum Weib, es könnte mich nicht weniger interessieren. Diesmal aber habt Ihr Euren zukünftigen König vor Euch und Ihr tätet gut daran, Ihm Ehre zu erweisen
»foltert«;
»ihm«

Zitat: Bei den letzten Worten richtete er den Blick auf den Feldscher, der zusammenzuckte, als hätte man ihn mit einem glühenden Eisen gestochen.
„Ich … ich habe ihn doch nur her gebracht … Ganz wie -“
„Mera, Ihr kennt mich allem Anschein nach nicht, aber sicher sind Euch Geschichten über mich zu Ohren gekommen. Ich bin niemand der Täuschung verzeiht und dieser Tage ist meine Geduld begrenzt!

Komma zwischen »niemand, der«
»hergebracht« zusammen
hier ist so eine Stelle, die mich unsicher macht. Also, nachdem ich das Ende kenne und irgendwie glaube, dass Mera in der ganzen Verrat-Sache mit drin steckt: Der Feldscher könnte zusammenzucken, weil er Tulug versprochen hat, dieses Mal den echte König zu bringen und Tulug ihn genauso verfüttern lässt, wenn es halt nicht der echte ist.
das »Ganz wie« … könnte ein angefangenes »Ganz wie Ihr befohlen habt / wie wir es besprochen haben / wie ich es gesagt habe« sein, das Tulug unterbricht mit einer Betonung davon, dass er und Mera sich nicht kennen, damit Noyan keinen Verdacht schöpft.
Wobei ich die Formulierung »Ihr kennt mich allem Anschein nach nicht« merkwürdig finde, denn Tulug sollte doch wissen, ob Mera ihn kennt oder nicht. Er scheint ja nun kein Mann zu sein, der an jedem Abend in der Kneipe 50 neue Facebook-Freunde hat Mrgreen
Ich bin vermutlich total auf dem Holzweg (*toktok*), aber ich mag meine Verschwörungstheorie.

Zitat: Führt den Beweis oder lasst es, das sind zwei von drei Möglichkeiten, die Ihr habt – und wiederum zwei davon werden Euch ein nasses Grab bescheren!“
Diese Stelle hat mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet.
Zwei Möglichkeiten – soweit alles klar. Aber welches wäre die dritte Möglichkeit? und »wiederum zwei«? von welchen? Von den dreien oder von den zweien? Entweder sie führen den Beweis – dann gibt es kein nasses Grab – oder sie führen den Beweis nicht, dann gibt es ein nasses Grab. Aber zwei Möglichkeiten bescheren ein nasses Grab, das heißt, die dritte Möglichkeit, die es noch gibt, gäbe auch ein nasses Grab. Warum ist es dann noch eine Möglichkeit? Oder ist damit gemeint, dass der Beweis auch zu wenig überzeugend sein kann, so dass es trotz Beweis ein nasses Grab gibt? Das wäre ja dann aber keine neue Möglichkeit, sondern 1.1 und 1.2.
Hm … schieb es ruhig auf mich, aber ich komm nicht drauf, was Tulug damit sagen will, bzw. welche Möglichkeiten er meint und überhaupt.

Zitat: Ohne sich von der Antwort beirren zu lassen setzte Buyar Noyan hinzu: „Ihr wisst wovon ich rede! Der Feld … Mera hat dieses Treffen
Komma zwischen »lassen, setzte«
Dafür aber kein Leerzeichen vor den drei Auslassungspunkten, weil das Wort selbst unterbrochen wird, nicht einfach nur der Satz: »Der Feld… Mera«

Zitat: Wieder sank jene samtige Stille voller versteckter Klingen herab.
Icon_cuinlove

Zitat: Dann knarzte Tulugs Stuhl, als er sich mit ausdrucksloser Mine zurücklehnte.
Ich bin so froh, dass dieser Fehler auch anderen passiert Mrgreen »Miene«

Zitat: darum bemüht, das nervöse Geraschel und Gekeuche des Feldschers zu überhören.
woot? Was um alles in der Welt tut der Feldscher da? Er raschelt und keucht? Das wäre selbst für Asthma eine gewagte Umschreibung Icon_ugly »die nervöse Atmung des Feldschers« würde mMn vollkommen ausreichen

Zitat: „Sechshundert Mann in Waffen.“
Heißt es nicht »unter Waffen« ?

Zitat: Sechshundert Mann … Im Palast sind nie mehr als zweihundert Gardisten stationiert. Wir könnten sie überrennen, wie die Kleine Tide eine Sandburg!
falls du meinem Änderungsvorschlag mit dem Kleinschreiben der »kleinen Tide« folgst, wäre hier noch eine Stelle, an der sie steht.
Ohne mich in den Gegebenheiten deiner Architektur und Belagerungskunst auszukennen, war doch mein erster Gedanke: Mit nur 3:1 Überlegenheit eine halbwegs gut verteidigte Befestigung einzunehmen, wird unter Umständen nicht soo leicht.
Wollt ich nur angemerkt haben *lach*

Zitat: Wie ich, sieht auch er nun das Ende der Herrschaft des Usurpators
kein Komma zwischen »ich sieht«

Zitat: bis die Haut angeschwollen ist, dass sie aussah wie das Mal der Buyar.
Ich weiß nicht, was grammatikalisch richtig(er) ist, aber vom Gefühl her hätte ich »angeschwollen war« gesagt, einfach weil das »aussah« im nächsten Satz auch Vergangenheit ist.

Zitat: Um zu bekommen wonach er strebte
Komma zwischen »bekommen, wonach«

Etwas irritiert hat mich, warum Noyan plötzlich seine GANZE Geschichte erzählt. Abgesehen davon, dass es dann so für den Leser dramatischer ist Icon_wink Im Prinzip hätte »meine Schwester« als Antwort voll und ganz gereicht. Tulug will ja nur wissen, wer mit Noyan geflohen ist.
Prinzipiell finde ich die Erinnerung sehr gut eingebaut und auch stimmig, aber der Logik zu liebe würde ich wirklich eher nach den Abläufen der Flucht fragen lassen, so dass eine längere Antwort Noyans gerechtfertigt ist.

So, für heute muss ich leider Schluss machen, die anderen beiden Teile gibt’s dann morgen Icon_wink

Ganz liebe Grüße und geruhsame Nacht
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #4 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (3/5)
Hallo Saryn,

vllt ist diese Geschichte nicht mehr als der erste Wind in den Segeln eines Umsturzes - es klingt, als würde Buyar Noyan entweder die Hilfe Tulugs erhalten oder nicht. Und als hinge davon ab, ob er jemals König der Bucht werden würde oder nicht. Ich hoffe, dass Tulug noch etwas aus sich herauskommt und durchblicken lässt, wieso er der geheime Herrscher über die Bucht ist. Oder zumindest weit genug verzweigt, den jeweiligen Herrscher jederzeit zu stürzen. Das führt natürlich zu der Frage, warum er ihn nicht längst gestürzt hat. Vllt weil er weiß, dass die Macht als Repräsentant, als erster Ansprechpartner im Fall von Problemen, nicht die ist, die er leben möchte. Er scheint sich in seinem Reich sehr eingenistet zu haben - umgeben von Weihrauchgeruch. Wie eine Ein-Mann-Jury, die über Wohl und Wehe entscheidet. Tulug stellst du gut dar.

Das Gespräch zwischen den beiden gefällt mir sehr gut. Dass Buyar denkt, er hätte sein Gegenüber jetzt überzeugt und dabei hat er es doch noch nicht geschafft. Wie schnell er schwankt zwischen absolutem Selbstbewusstsein und purer Verzweiflung.
Nur frage ich mich, wie alt Buyar Noyan eigentlich ist - so in etwa. Schon die ersten grauen Haare erkennbar? Ich habe irgendwie überhaupt nicht vor Augen, wie er aussehen könnte, welche Züge sein Gesicht dominieren - auch seine Haltung kann ich mir abgesehen von einer gewissen Grundanspannung und -überheblichkeit nicht vorstellen.

Auch wenn ich gern mehr über Buyar Noyan erfahren möchte, finde ich, dass du das Gespräch mitunter sehr lang aufhältst durch die Beschreibungen drumherum. Wirklich stark aufgefallen ist mir das, als Tulug ihn herausfordert zu erzählen, wer bei ihm war. Da zwingt ihn Tulug schon dazu, schnell zu antworten oder zu schweigen. Und dann funkt ihm der Feldscher dazwischen und er denkt erst einmal weit zurück. Die Geschichte, die du ihn dann erinnern lässt, ist natürlich sehr stimmungsvoll, aber mir kam es beim Lesen so vor, als müsste er wirklich schnell antworten. Da ist dann insgesamt eine halbe Seite Grübelei viel zu viel.

Anmerkungen:
Zitat:Ein Thishoi von weither aus dem Osten hat sie für mich angefertigt, einer der letzten, der die Kunst Glas zu formen noch zur Vollkommenheit beherrscht, wie ich fürchte.
Cool! Und auch Buyar Noyans Reaktion darauf - da kann man sich die lecihte Skepsis, ob das wirklich der richtige Gesprächspartner in Sachen Thronbesteigung ist oder vllt nur ein Schöngeist, gut vorstellen.
Nur "wie ich fürchte" könntest du auch weglassen.
Zitat:Dieses Treffen verlief nicht, wie Buyar Noyan es erwartet hatte, doch der Feldscher war mindestens im gleichen Maße verstört.
Na ja, "verlief" - sie sind ja noch nicht einmal richtig im Gespräch angekommen, vllt eher "begann"?
Zitat:und betrachtete die Schälchen mit Weihrauch mit gerunzelter Stirn, bevor er sich wieder an Buyar Noyan wandte
Vllt "Weihrauchschälchen"
Zitat:Führt den Beweis oder lasst es, das sind zwei von drei Möglichkeiten, die Ihr habt
Was ist die dritte? Die Antwort muss nicht von Tulug kommen, aber zumindest Buyar Noyan sollte sie - wenn er sie denn kennt - selbst geben. Oder sich wenigstens nicht vorstellen, was es ist.
Oder hab ich's überlesen?
Zitat:Wieder sank jene samtige Stille voller versteckter Klingen herab.
Top!
Zitat:Nur seine Augen – hart, doch leuchtender als zuvor – ließen ahnen, was er dachte.
Hm, was denkt er denn? Durchschaut Buyar Noyan das? Dann sag mir, was er denkt Icon_wink
Zitat:wie die Schlüpflinge in der Alten Zeit – so nannten die Thishoi die Zeit, bevor sie in den Osten gekommen waren –
Bisher hast du so dezent deine Welt erklärt, vllt lässt du einfach das "so nannten die Thishoi" weg?
Zitat:die Macht seiner Ahnen, Frieden und Recht überall auf den Archipelen
Wahrscheinlich liegt es an mir, aber "überall" liest sich so wie "in jedem Mülleimer" - da fände ich etwas wie "auf den gesamten Archipelen" schöner. Aber ist wie gesagt wahrscheinlich Geschmackssache.

So, auf in die Tiefen von Buyar Noyans Erinnerung!

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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