Es ist: 13-04-2021, 19:40
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In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
Beitrag #1 |

In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
Teil 4

Buyar Noyans Erinnerungen endeten nicht an dieser Stelle. Einmal ergriffen von den lange vergrabenen Geschehnissen, hätte er noch stundenlang weitererzählen können; von der Flucht durch die Katakomben des Palastes, von den Fluchten, den unzähligen Fluchten, von Ood, der für sie da war, sie beschützte, von Ood, der in Buyar Noyans Armen starb …
Doch Tulug hatte genickt, mitten in seiner Erzählung, und gesagt, dies sei genug. Er würde ihm glauben, hatte er gesagt, mit mehr als nur einem Funken Ehrfurcht in seinem Blick.
„Ihr wisst von der Schwester“, hatte er erklärt. „Kaum jemand weiß von ihr. Sie war gerade einen Tag alt, als der Palast gestürmt wurde, also war es, als hätte sie gar nicht existiert.“ Er schüttelte den Kopf, sah Buyar Noyan lange an. „Nach all den Jahren also … der Erbe der Buyar.“
Buyar Noyan schluckte den bitteren Geschmack herunter, der sich in seinem Mund ausgebreitet hatte wie Giftalgen, und erwiderte Tulugs Blick. „Heißt das, wir können diese Farce endlich zu einem Ende führen? Schließt Ihr Euch meiner Sache an, wie Ihr es in Aussicht gestellt habt?“
Wieder ein Nicken, langsam, bedächtig. „Eines noch, Buyar. Sagt … Eure Schwester. Ist sie in Sicherheit? Wartet sie an einem sicheren Ort auf Euch?“
Neuerlicher Schmerz riss in Buyar Noyans Brust auf. Mit zusammengebissenen Kiefern antwortete er: „Ja, sie wartet jenseits des letzten Horizonts auf mich. Sie ist tot, Tulug!“
„Verzeiht, das wusste ich nicht. Es tut mir Leid das zu hören. Waren die Götter wenigstens gnädig mit ihr?“
Nein, das waren sie nicht. Sie waren es nie, dachte er, doch er sagte: „Es war das Flussfieber. Sie hat lange gekämpft und doch verloren.“ Sie war so klein gewesen, so klein. Immer schon. Obwohl sie nur sechs Jahre jünger gewesen war, als er, war ihr Körper der eines kleinen Mädchens geblieben, ganz so, als hätten die Götter ihr Ende lange schon geplant gehabt und beschlossen, nicht einmal mehr einen Gedanken darauf zu verschwenden, sie heranwachsen zu lassen.
„Ihr habt die Antworten, die Ihr wolltet, Tulug. Nun bin ich an der Reihe. Sagt mir, was Ihr zu tun gedenkt.“
„Ja, es ist an der Zeit.“ Tulug erhob sich. An den Feldscher gewandt erklärte er: „Geht zu der Kabine am Heck, Mera. Einer meiner Männer wird Euch Eure Bezahlung aushändigen. Ihr habt sie Euch verdient. Und sagt Todan, dass ich mit unserem Gast nach oben komme. Er sollte noch an Deck sein.“
Mit einem unterwürfigen, deutlich erleichterten Nicken huschte der Feldscher von dannen. Als er fort war, ging Tulug zu einer Truhe, klappte den Deckel auf und zog einen, in ein blaues Tuch gewickelten, Gegenstand hervor. Als er ihn aus wickelte, kam eine Flasche mit einer dunklen Flüssigkeit hervor.
„Lasst uns trinken, Buyar. Auf den Beginn eines Zeitalters in Recht und Ordnung.“ In zwei Becher goss er ein, bevor er einen davon Buyar Noyan reichte. Sein Lächeln war warm, unerwartet ansteckend und er, der wahre Erbe des Throns der Krabbenfischerkönige, merkte, wie seine Mundwinkel in die Höhe wanderten.
„Auf ein Zeitalter in Recht und Ordnung“, wiederholte Tulug, setzte den Becher an und trank. Buyar Noyan zögerte noch einen kurzen Moment, dann tat er es ihm gleich.
Wie Feuer brannte der Schnaps in seiner Kehle, gleichzeitig schmeckte er eine hölzerne Note, die ihn an Planken und Segel und die offenen See erinnerte.
Und an Ood. Seltsamerweise an Ood.
Möglicherweise, weil sich eine träge Wärme in seinem Bauch ausbreitete …
Tulug war indessen im Begriff, die Flasche zurück zu stellen. Er zog das Tuch hervor, kräftiger als zuvor, da es sich scheinbar irgendwo verheddert hatte. Mit einem Ruck kam es frei. Ein helles Klingen war zu hören, als eine große Münze über die Kante der Truhe hüpfte, aufkam und über den unebenen Boden rollte.
Buyar Noyans Fuß schnellte vor und hielt sie auf, bevor sie in einem der zahlreichen Spalte zwischen den Deckbrettern verschwinden konnte.
„Mit Geld geht Ihr schon einmal großzügig um“, frotzelte er, als er sich bückte und die Münze mit den Fingerspitzen aufklaubte. Tulug stand wie angewurzelt da, für einen Moment war seine Miene voller Erschrecken. Der Augenblick ging vorüber, das Lächeln kehrte zurück, doch nun war es nicht länger harmlos, sondern verräterisch. Buyar Noyan sah auf die Münze in seiner Hand hinab, die er eben noch seinem neuen Verbündeten hatte zuwerfen wollen.
Er hatte gedacht, sie sei aus Gold, doch nun stellte er fest, dass sie aus polierter Bronze bestand, das im Halblicht der Kajüte wertvoll schimmerte.
Es war auch keine Münze.
In seiner Hand lag eine Brosche, auf der eine gravierte Möwe ihre Flügel spreizte.
Mit einem gewaltigen Satz flankte Tulug über den Schreibtisch, in seiner Hand durchschnitt mit einem Mal ein Korallenmesser die Luft, in der anderen hielt er noch immer die Flasche, nun wie eine Keule zum Schlag erhoben.
Buyar Noyan warf die Brosche nach ihm, wich zurück, versuchte sein eigenes Messer aus den Falten seines Hemdes zu ziehen, doch Tulug war bereits heran, hieb mit der Klinge nach ihm. Ein beißender Schmerz breitete sich wie ein Blitz auf seinem rechten Arm aus, als die Koralle seinen Ärmel durchtrennte und in das Fleisch darunter schnitt.
Er schrie. Vor Schmerz. Vor Wut.
Mit dem Ellenbogen schlug er nach Tulug und traf ihn an der Schulter ohne viel zu bewirken. Wieder zuckte das Messer auf ihn zu, die kleinen Löcher in seiner porösen Klinge leise pfeifend. Er drehte sich, nutzte den Schwung. Mit der Linken hieb er auf Tulugs Handgelenk ein. Der Mann schrie nicht, aber etwas knackte hörbar. Seine kraftlosen Finger ließen das Messer fallen und endlich bekam Buyar Noyan seine eigene Waffe frei.
Tulug versuchte sich zu verteidigen, doch seine Reaktion kam zu spät. Unter weichem Widerstand fuhr die Klinge in seinen Bauch und nach oben. Nur ein Keuchen kam Tulug über die Lippen, währen warme Flüssigkeit über Buyar Noyans Hände sprudelte. Langsam, als wäre ein schnellerer Sturz unter seiner Würde, taumelte Tulug zurück, hielt sich am Schreibtisch fest, bevor er langsam daran hinab glitt.
„Was hast du getan?“, hauchte er. Er hustete und spuckte eine Wolke nebligen Blutes.
„Was habt Ihr getan?“ Erst jetzt bemerkte Buyar Noyan, dass er am ganzen Leib zitterte. Seine Finger waren eigenartig taub und er beeilte sich, sein Messer zurück zu stecken. Am liebsten hätte er sich die Hand irgendwo abgewischt, doch der Gedanke war fern und wenig klar. „Ich bin der rechtmäßige Erbe der Buyar!“
„Eben darum, Buyar, eben darum.“ Rote Blasen bildeten sich auf Tulugs Lippen, jedes Wort klang gequälter als das vorige, doch in seinen Augen brannte Zorn wie Feuer. „Ihr seid ein Spross seiner Lenden, ein Schlüpfling aus einer verdorbenen Brut, die ein für alle Mal ausgemerzt gehört.“ Angewidert spuckte er aus.
„Ich hätte Euch Frieden gebracht! Freiheit vom Usurpator!“
„Frieden!“ Tulug lachte. „Zwanzig Jahre … sind vergangen, seit Ihr aus dem Palast … entflohen seid, Ihr und Eure …“ Ein Husten verschluckte die Worte. „Zwanzig Jahre, in denen Ihr nur Eure Ohren hättet aufhalten müssen um etwas über Frieden zu lernen.“ Zitternd deutete er auf die verzierten Fenster und die Bucht, die in der blau wogenden Ferne dahinter lag. „Frieden … Wir haben ihn, gerade jetzt. Seit dem Tag, an dem man … Euren Vater am Fuße seines eigenen Thrones den Kopf von den Schultern schlug. Ihr hättet es doch hören müssen!“ Durch all den Schmerz auf seinen Zügen hindurch, wirkte sein Unverständnis doch echt. Buyar Noyan wollte seine Worte als Lügen abstempeln, doch sein Geist ließ sich nicht zähmen.
Er erinnerte sich an den Lärm der Feste, jener Reigen, die er von seinem Zimmer aus hören konnte, er erinnerte sich an den Lärm, den er am Abend seiner Flucht vernommen hatte – sie waren einander furchtbar ähnlich. Etwas anderes zu behaupten wäre … ja, eine Lüge.
Er schüttelte den Kopf, sah Tulug an. „Ihr sterbt und dennoch dient Ihr weiter dem Usurpator, indem Ihr mir Märchen erzählt?“ Selbst in seinen Ohren klangen die Worte hohl, schwach und leer, wie eine Muschel, die nicht einmal den Klang des Meers zurückwerfen konnte.
„Ich sterbe … ja. Aber Ihr … Ihr …“ Seine Stimme wurde stetig schwächer, sein Nacken konnte das Gewicht seines Kopfes nicht mehr tragen. Eine rote Lache bildete sich unter seinem Körper aus, sein Gewand war bereits dunkel gefärbt. „Mein Schiff verlasst Ihr … nicht lebend.“ Wieder hustete er, dann sackte sein Kinn auf seine Brust, sein Blick wurde leer.
Unbewegt stand Buyar Noyan da, zum ersten Mal seit langer Zeit unsicher, was er tun sollte, wohin ihn sein Weg führte, während sich Tulugs Blut träge um die Brosche auf dem Boden schloss.
In seinem Kopf geisterten Geräusche umher, Feste, Kämpfe, Lachen und Tod, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. Wie lange er dastand, wie lange er noch gestanden hätte, wenn die Kajütentür nicht aufgesprungen wäre, wusste er nicht.
Ein erstickter Schrei erklang hinter ihm und hohlte ihn zurück in die Wirklichkeit. Gerade rechtzeitig wirbelte er herum um in das wutverzerrte Gesicht eines der Wächter zu sehen.
Feuer explodierte in seiner Hüfte. Ohne darüber nachzudenken, zog er sein Messer und hieb zu. Ein roter Halbmond schwebte für die Zeit, die das Herz zum Schlagen braucht, in der Luft. Das Gesicht vor ihm wurde weich, weiß trat in die Augen des Wächters. Sein Kamerad war zu überrascht um reagieren zu können. Buyar Noyans Messer fand die ungeschützte Stelle unter seinen Achseln, als er gerade einen seiner Dolche ziehen wollte. Die Klinge verhakte sich und blieb stecken, aber das nahm er nur am Rande seines Bewusstseins wahr, dort, wo Wolken, schwarz wie Tinte sich zusammenballten. Als er einen Schritt machen wollte, sackte er gegen die Wand, dann knickten seine Knie ein und er fiel zwischen die Leichen der Wächter.
Erst jetzt bemerkte er, dass er verwundet worden war. Auf der Höhe seiner Nieren steckte ein Dolch in seinem Fleisch, der Griff ein Schiffsmast in einem Meer von der Farbe Roter Falter. Schwer klebte der Stoff seines Hemdes an seiner Haut.
Nein, dachte er, konnte es aber nicht mehr sagen. Nein, nicht so. Nicht hier im Schatten. Ich kann das Meer nicht einmal riechen. Nicht hier im Schatten!
Doch seine Kräfte schwanden, lösten sich auf, Fußspuren im Sand, vom Meer davon gespült.
Seine eigene Große Flut kam über ihn, dunkel wie eine sternenlose Nacht, kalt wie das Wasser an den nördlichen Riffen. Sie schwappte mit der Macht von Jahrtausenden über ihm zusammen und sie war voller Geister und Schemen.

„All das?“, fragte der kleine Noyan. Mit großen Augen sah er vom Turm hinab auf die Welt, die sich in Azur und Smaragd vor ihm ausbreitete. Er roch sie im Wind, schmeckte ihren salzigen Atem und fühlte sich winzig klein und riesengroß zugleich, während über ihnen Möwen und Rote Falter ihren uralten Tanz aufführten.
„All das“, bestätigte sein Vater, strich sich durch den pechschwarzen Bart und lächelte. „Es wird dir gehören, wie es mir gehört hat, meinem Vater vor mir, dessen Vater vor ihm – bis zurück zu Buyar Thelshy, der der erste Krabbenfischerkönig war.“
Des kleinen Noyans Blick wanderte zu der Endlosigkeit der Welt zurück. Von Horizont zu Horizont erstreckte sich blau die Ewigkeit des Meeres, gesprenkelt mit einer Insel neben der anderen, und dazwischen bewegten sich unendlich langsam die weißen Flecke der Schiffssegel.
Wann wird es mir gehören?“
Sein Vater lachte, tief und donnernd wie die See selbst. „Nicht zu bald, mein Junge. Noch bin ich nicht alt. Aber wenn ich es eines Tages bin, werde ich dir den Thron mit Freude übergeben. Aber bis dahin ist noch Zeit, viel Zeit, in der vieles getan werden muss.“
„Was denn?“
Daran würde Noyan sich sein Leben lang erinnern, jene dunkle Traurigkeit im Blick seines Vaters. „Frieden schaffen. Sicherheit. Für dich und deine Mutter, deine Schwester und deine Kinder.“
„Kinder? Ich habe doch keine Kinder.“ Er war doch gerade erst sechs geworden, erst vor wenigen Tagen!
„Noch nicht, aber irgendwann wirst du welche habe.“ Mit seiner großen Hand strich er Noyan durchs Haar. „Wir sind Buyar. Wir sind stark und frei von Furcht. Ein jeder von uns ist der erste von vielen. So ist es zeit zehntausend Jahren und so wird es zehntausend weitere sein, mögen die Götter uns wohlgesonnen sein!“
Nun schaute auch er aufs Meer hinaus. Noyan folgte seinem Blick. Noch immer wandten sich Möwen und Falter umeinander, die einen gejagt, die anderen Jäger. Rote und weiße Flügel waren wie Blitze vor dem blauen Himmel.
Sein Vater legte ihm die Hand auf die Schulter, als der Wind Geräusche von der Stadt zu ihnen herauf trug.
„Ein Fest? Ist das ein Fest, Vater?“ Er versuchte, zu erkennen, was vor sich ging, doch die Brüstung des Turmes war glatt und hoch, und die Stadt lag in einem ungünstigen Winkel unter ihnen.
„Ja“, antwortete sein Vater. Er zog Noyan von dem Podest herunter, auf dem er auf Zehenspitzen gestanden hatte. „Lass uns wieder hinein gehen. Ich sage Ood, er soll dir etwas auftragen, bevor du ins Bett gehst.“
Noyan nickte, zögerlich. Appetit hatte er keinen, lieber hätte er noch bis Sonnenuntergang in die Welt gespäht, anstatt in die Mauern des Palastes zurück zu kehren, doch er fügte sich, wie man es ihm beigebracht hatte. Außerdem freute er sich mehr als nur ein wenig auf Ood, der ihm in dieser Nacht wieder aus seiner Lieblingsgeschichte vorlesen wollte.
„Vater, werde ich irgendwann einmal ein Fest sehen können? Ich möchte so gerne sehen, wie die Leute feiern!“ Er quiekte beinahe vor Begeisterung.
Sein Vater aber nickte bloß, langsam und schwer. „Irgendwann, mein Sohn. Wenn die Welt sicherer ist.“

Buyar Noyan entschwebte der Welt, angstvoll und im Schatten. Hinab, immer tiefer hinab wirbelte er, sank in die kalte Dunkelheit.
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Beitrag #2 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
ProProPro

Klasse Finale, gefällt mir sehr, sehr gut die Geschichte Pro
Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen ... klasse Setting, tolle Chars und dann eben dieses unerwartete Ende. Während dem dritten und vierten Teil habe ich die ganze Zeit gedacht, dass du daraus doch locker etwas in Romanlänge machen könntest und nun weiß ich, warum das nichts wird. Ich bin echt ziemlich beeindruckt davon, alles gut durchdacht und eine schöne Moral am Ende Mrgreen

Vielen Dank hierfür und schöne Grüße
Jonas


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Beitrag #3 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
Hey Saryn!

Nachdem ich den gestrigen Kopfschmerz besiegt habe, muss ich heute nur mit einem Bienenstich kämpfen, das liegt im Bereich des Ertragbaren Icon_wink

Für den fünften Teil gibt es zuerst alle Textstellen und anschließend eine ausführliche Analyse des Geschehens durch meinereiner

Zitat: Sagt … Eure Schwester. Ist sie in Sicherheit? Wartet sie an einem sicheren Ort auf Euch?“
Ich stand der ganzen Sache ja von Anfang an etwas misstrauisch gegenüber (von wegen, so unter Deck führen und so), und hier wurde ich nochmal hellhörig. Allein die Frage nach der Schwester wäre nicht so auffällig gewesen (wäre sie kein Baby sondern eine Jugendliche gewesen, hätte ich in Tulug einen ehemaligen Verehrer vermutet), aber die spezielle Formulierung »an einem sicheren Ort« … da haben bei mir die Alarmglocken geläutet.

Zitat: Mit zusammengebissenen Kiefern antwortete er:
beißt man die »Kiefer« zusammen? Beißen tut man ja mit den Zähnen … auf jeden Fall ist es sehr schwer, zu sprechen, während man zusammenbeißt, egal ob Kiefer oder Zähne Icon_wink

Zitat: Es tut mir Leid das zu hören.
Komma zwischen »Leid, das«

Zitat: Obwohl sie nur sechs Jahre jünger gewesen war, als er,
Kein Komma zwischen »war als«

Zitat: ls hätten die Götter ihr Ende lange schon geplant gehabt und beschlossen
das »gehabt« würde ich weglassen. Bin nicht sicher, ob es grammatikalisch gesehen hin muss, aber es klingt auf jeden Fall nicht schön

Zitat: Geht zu der Kabine am Heck, Mera. Einer meiner Männer wird Euch Eure Bezahlung aushändigen. Ihr habt sie Euch verdient. Und sagt Todan, dass ich mit unserem Gast nach oben komme. Er sollte noch an Deck sein.“
Hier die Stelle macht mich unsicher in Bezug auf Mera – welche Rolle er spielt und viel wichtiger noch: auf wessen Seite er spielt. Tulug beauftragt ihn, »Todan« bescheid zu sagen – nennt also namentlich ein Crew-Mitglied, was mich vermuten lässt, dass Mera die Crew kennt. Natürlich könnte er auch über Todan mit Tulug in Kontakt getreten sein und daher den Namen kennen, aber es klingt einfach so … vertraut. Ich bin durch diese Sätze sehr, sehr skeptisch und kann Mera allgemein auch überhaupt nicht einordnen.

Zitat: In zwei Becher goss er ein, bevor er einen davon Buyar Noyan reichte. Sein Lächeln war warm, unerwartet ansteckend und er, der wahre Erbe des Throns der Krabbenfischerkönige, merkte, wie seine Mundwinkel in die Höhe wanderten.
Vielleicht liegt es daran, dass meine Rollenspielrunde schon in ihrem ersten Abenteuer mit vergiftetem Wein zu tun hatte und mein Char deshalb total paranoid geworden ist … aber hier war ich mir total sicher, dass Tulug NICHTS gutes will, hatte sogar damit gerechnet, dass der Wein vergiftet ist. Diese Szene war auf jeden Fall ausschlaggebend für mich, Tulug nicht als Verbündeten sondern als Bedrohnung zu sehen

Zitat: und die offenen See erinnerte.
Und an Ood. Seltsamerweise an Ood.

Keine Ahnung, ob das irgendwie beabsichtigt ist oder nicht, aber hier musste ich an den säuerlichen Gestank denken, den Noyan beim Überfall an Ood wahrgenommen hat. Inzwischen ist mir eingefallen, dass dieser Gestank auch sowas simples wie Babykotze sein könnte *lach* Aber irgendwie … der Gestank ist einfach hängen geblieben und weil hier auch so die Gerüche / Geschmäcke beschrieben werden, musste ich da einfach dran denken.

Zitat: Tulug war indessen im Begriff, die Flasche zurück zu stellen.
»zurückzustellen«

Zitat: Er zog das Tuch hervor, kräftiger als zuvor, da es sich scheinbar irgendwo verheddert hatte.
»scheinbar« ist hier falsch, denn das Tuch HAT sich ja vermutlich wirklich verheddert und tut nicht nur so. Um auszudrücken, dass Noyan es nicht mit Sicherheit wissen kann, sondern nur vermutet, wäre »anscheinend« der richtige Begriff Icon_wink (über solche Unterschiede wird’s auch irgendwann eine Lanna-Lektion geben)

Zitat: „Mit Geld geht Ihr schon einmal großzügig um“, frotzelte er,
Geschmackssache, ich finde »frotzeln« ist ein unheimlich hässliches Wort, weil es sich fast wie ein ziemlich böses Schimpfwort liest. Alternativen, wenn gewünscht, wären »spotten«, »scherzen«, »necken«, »sticheln« …

Zitat: und die Münze mit den Fingerspitzen aufklaubte. Tulug stand wie angewurzelt da, für einen Moment war seine Miene voller Erschrecken. Der Augenblick ging vorüber, das Lächeln kehrte zurück, doch nun war es nicht länger harmlos, sondern verräterisch. Buyar Noyan sah auf die Münze
Prinzipiell eine schöne Beschreibung Tulugs, allerdings für meinen Geschmack stark außerhalb der Perspektive. Wobei … hm … eventuell reicht es einfach, wenn du schreibst: »frotzelte er, bevor er sich bückte«
Denn mit dem »als« ist meines Erachtens nach keine Zeit, dass er nochmal Tulugs Miene betrachtet. Er bückte sich schon, als er spricht (das Sprechen wäre der Grund, warum er zu Tulug sieht), aber beim Bücken sollte er schon nach der Münze gucken, sonst kann er sie ja nicht aufklauben. Und nach dem Aufklauben sehe ich keinen Grund, warum er erst zu Tulug sehen sollte, bevor er die »Münze« genauer registriert.

Zitat: In seiner Hand lag eine Brosche, auf der eine gravierte Möwe ihre Flügel spreizte.
*hust* In meinen Notizen steht da nur ein dickes, fettes »HA!« am Rand, was soviel heißt wie: »Ich habs ja gewusst!« *lach* Hat mich sehr gefreut, dass mein Misstrauen berechtigt war. Zwar war es nicht absolut vorhersehbar, dass Tulug doch kein Helfer ist, aber es wirkte auch nicht vollkommen aus dem Hut gezogen, um eine überraschende Wende in die Geschichte zu bringen. Gut vorbereitet, ohne mit dem Holzhammer drauf zu hauen Pro

Zitat: Nur ein Keuchen kam Tulug über die Lippen, währen warme Flüssigkeit
»während«

Die »Dramatic Death Speech«, ein Thema, auf das ich inzwischen extrem sensibel reagiere, ist noch im grünen Bereich – zwar stelle ich mir Tulugs Wunde (Messer in den Bauch und hochziehen *schauder*) schon relativ schlimm vor, bekomme es aber – anders als in Filmen – nicht mit heraushängendem Gedärm auf die Nase gebunden. Ich kaufe dir also noch ab, dass er ein paar Worte hervorpresst, trotz Schmerzen. Es ist schon etwas typisch, fällt aber erst beim mehrmaligen Durchlesen auf. In den Fluss der Geschichte hat es gut gepasst.

Zitat: Seine Finger waren eigenartig taub und er beeilte sich, sein Messer zurück zu stecken.
»zurückzustecken«

Zitat: Selbst in seinen Ohren klangen die Worte hohl, schwach und leer, wie eine Muschel, die nicht einmal den Klang des Meers zurückwerfen konnte.
Herzchen-Stelle Pro

Zitat: Ein erstickter Schrei erklang hinter ihm und hohlte ihn zurück in die Wirklichkeit. Gerade rechtzeitig wirbelte er herum um in das
»holte«
Komma zwischen »herum, um«

Zitat: Ein roter Halbmond schwebte für die Zeit, die das Herz zum Schlagen braucht, in der Luft.
Eine extrem kurze Zeitspanne über einen im Vergleich dazu doch sehr langsamen Relativsatz zu beschreiben, finde ich nicht so schön. Ich würde zu der knapperen Variante: »für die Zeit eines Herzschlags« oder so raten, da der Nebensatz eher sperrt und damit der Aussage im Prinzip widerspricht

Zitat: Sein Kamerad war zu überrascht um reagieren zu können.
Komma zwischen »überrascht, um«
(vor »um« in solchen Konstruktionen gehört immer ein Komma)

Zitat: wo Wolken, schwarz wie Tinte sich zusammenballten.
Komma zwischen »Tinte, sich«

Zitat: Erst jetzt bemerkte er, dass er verwundet worden war.
Bemerkt hat er es doch schon vorher, als »Feuer in seiner Hüfte explodierte«. Jetzt wird es ihm erst bewusst oder so, aber bemerkt hat er es halt schon Icon_wink


Zitat: Doch seine Kräfte schwanden, lösten sich auf, Fußspuren im Sand, vom Meer davon gespült.
Seine eigene Große Flut kam über ihn, dunkel wie eine sternenlose Nacht, kalt wie das Wasser an den nördlichen Riffen. Sie schwappte mit der Macht von Jahrtausenden über ihm zusammen und sie war voller Geister und Schemen.

Richtig, richtig schön! Pro
Find ich sogar noch schöner als die letzten Sätze, weil es weniger pathetisch und näher an Noyan dran klingt. Es trägt die ganze Atmosphäre der Geschichte, enthält das Meer und die Flut und all das ist plötzlich nur noch Geister und Schemen. Für mich persönlich ein viel lesenswerterer Abschluss als die Sätze, die im Moment am Ende stehen.

Leider komm ich nach dem Lob nochmal mit einer dummen Meldung:
Der Anfang der Erinnerung hat mich total an »König der Löwen« erinnert, wo Simba und Mufasa über das Geweihte Land blicken und sinngemäß sowas gesagt wird wie: »Alle, was das Licht berührt, ist unser Königreich« »Und das wird alles mir gehören?« »Ja, alles was das Licht berührt« (ausm Gedächtnis raus halt *lach*)
Ist jetzt nicht die schlechtestes Assoziation, die ich haben könnte, denn ich liebe den König der Löwen, aber es war doch irgendwie merkwürdig.

Zitat: Des kleinen Noyans Blick
Find ich persönlich ganz schrecklich, diese Formulierung *lach*

Zitat: Für dich und deine Mutter, deine Schwester und deine Kinder.“
Ist Noyans Mutter nicht bei seiner Geburt gestorben? *nachgucken geh*
ja, doch: »Sein Mutter war bei seiner Geburt gestorben, doch daran erinnerte er sich nicht«
Selbst wenn der Vater es dann mehr so im abstrakten Sinne meint (Frieden schaffen zu Ehren der toten Mutter), würde ich von Noyan eher erwarten, dass er in diese Richtung nachfragt, nicht nach Kindern … also eher »Für Mutter? Aber Mutter ist doch schon tot« oder sowas … find ich

Zitat: „Wir sind Buyar. Wir sind stark und frei von Furcht. Ein jeder von uns ist der erste von vielen.
Auch hier würde ich viel lieber die Worte hören, die Noyan während der Flucht im Kopf hatte – oder Noyan sollte während der Flucht dann diese Wort hier (Wir sind stark und frei von Furcht) im Kopf haben

Zitat: mögen die Götter uns wohlgesonnen sein!“
genau genommen heißt es »wohlgesinnt«, wobei ich nicht sicher bin, ob »wohlgesonnen« inzwischen auch »legalisiert« wurde, da es so häufig im Sprachgebrauch vorkommt.

Zitat: Außerdem freute er sich mehr als nur ein wenig auf Ood,
Da ist es wieder Mrgreen Ich hab jetzt nur die Stellen rausgepickt, wo mich diese Struktur wirklich stört, und wenn du sagst, du magst es, muss ich damit leben *lach* aber hier fände ich ein »Außerdem freute er sich auf Ood« mindestens genauso aussagekräftig und noch dazu schöner zu lesen Icon_wink

Zitat: Buyar Noyan entschwebte der Welt, angstvoll und im Schatten. Hinab, immer tiefer hinab wirbelte er, sank in die kalte Dunkelheit.
Ich persönlich würde diese Sätze weglassen. Entweder einfach streichen, oder stattdessen die letzten zwei Sätze von vor der Erinnerung ans Ende stellen, also:
Seine eigene Große Flut kam über ihn, dunkel wie eine sternenlose Nacht, kalt wie das Wasser an den nördlichen Riffen. Sie schwappte mit der Macht von Jahrtausenden über ihm zusammen und sie war voller Geister und Schemen.
als Schlusssätze. Hab ich ja oben schon was dazu gesagt.

Bevor ich es vergesse, ganz zuerst: Ein großes Lob an die (fast) durchgehend richtig geschriebenen Anredepronomen! Pro Pro Pro *großes Leckerli geb* Icon_wink

Vier Sachen hab ich mir direkt unter die Geschichte geschrieben, damit ich nicht vergesse, was mir durch den Kopf ging.

Wie du in den Kommentaren zum Teil schon gemerkt hast, bin ich mir über Meras Rolle unschlüssig. Ist er wirklich Noyan loyal ergeben? Wie hat er Kontakt zu Noyan aufgenommen, wie hat er ihn überhaupt gefunden? Wie lange sind sie schon zusammen an diesen Plänen dran?
Für mich arbeitet er für Tulug, hat das Vertrauen des Königs gewonnen und ihn zu Tulug geführt. Denn wenn Tulug wirklich so hinterher ist, den echten Erben zu finden / ermorden, muss er ja aktiv auch irgendwas getan haben. Also hat er Mera losgeschickt. (Holzweg oder nicht, ich find die Theorie gut!)

War Noyans Vater ein Tyrann? Aus Tulugs Rede entnehme ich, dass der Angriff auf den Palast eigentlich ein Befreiungsschlag war – das Volk hat sich unter der Knute des Tyrannen erhoben, ihn gestürzt und führt seitdem ein Leben in Frieden.
Was zu einer weiteren Sache führt: Konnte Noyan wirklich so blind sein, und den Frieden um ihn her übersehen? Natürlich ist er beschäftigt und die Welt erscheint nicht so friedlich, wenn man ständig fliehen muss oder Mörder am Hals hat. Aber er hat doch versucht, Verbündete zu finden, Unterstützung, oder nicht? Da wird er doch Kontakt mit der Realität gehabt haben, wird zu hören bekommen haben, dass man nicht gegen die »Besatzer« kämpfen möchte. Hat er das alles ausgeblendet?
Rückblickend wirkt die Szene mit den Kinder natürlich sehr friedlich und einen Hinweis auf Gewalt und Unterdrückung gibt es auch nirgendwo. Ich kann mir nur gar nicht vorstellen, wie es da in der Stadt aussieht – abgesehen von verstärkter Wachen-Präsenz, dass entweder Noyan so falsch liegt und sein Volk in Knechtschaft sieht, oder dass … nein, ich glaube nicht, dass Tulug irgendwie verblendet ist. Dazu trägt auch die Sache mit den Festen bei:

Kampflärm oder Festlärm, das ist die entscheidende Frage. Für mich sind alle »Feste« in dieser Geschichte in Wirklichkeit Kämpfe. Oods Unruhe durch den Lärm, die Sorge des Vaters am Ende, als Noyan ihn auf die Feiern anspricht und die Tatsache, dass Noyan selbst den gewöhnlichen »Festlärm« und den »Kampflärm« von dem Palastangriff gleichsetzt. Denn dass es am Abend des Palastangriffs Kämpfe gab, das steht vollkommen außer Frage. Also müssen auch die anderen Feste Kämpfe sein, verursacht durch ein Volk, das gegen seinen Herrscher aufbegehrt oder verursacht von einem Herrscher, der sein Volk unterdrückt. Noyans Vater ist also ein Tyrann, der sich selbst vermutlich nicht einmal als schlechten Menschen sieht. Vielleicht will er wirklich Friede bringen – aber eben seinen Frieden, nicht den, den die Menschen sowieso schon haben.

Tulug selbst ist mir auch noch ein Rätsel. Er gehört zu den Befreiern … ah, da fällt mir noch ein Hinweis ein:
Die Roten Falter jagen die Möwen – sie sind die Jäger, die Möwen die Gejagten. Die Brosche der Angreifer trägt eine Möwe – das Symbol der Buyars ist demnach der Falter (also im metaphorischen Sinne), was meine Theorie des Tyrannensturzes noch untermauern würde. Die Möwen erheben sich gegen ihre Jäger, die Falter *zufrieden nick*
Aber wieder zu Tulug: Er weiß von der Schwester? Woher? Da waren zwei Männer im Zimmer, die aber auch nicht wissen können, dass es das Kind des Königs war, das Ood dabei hatte, falls sie denn überhaupt überlebt haben. Es muss also Spione im Königshaus gegeben haben. Warum aber wurden dann die Tore mit Waffengewalt genommen und nicht von den Infiltranten geöffnet? Hm … mein erster Gedanke war tatsächlich, dass Tulug einer der beiden Angreifer in Noyans Zimmer war, aber dann hättest du sicherlich irgendwelche Narben erwähnt. Außerdem hatten die Angreifer dunkle Augen, Tulug hat grüne (die Beschreibung mit den Schattenschwimmern hat sich eingeprägt *lach*). Es muss also einen Spion gegeben haben.

Es wäre wirklich hilfreich, wenn man wüsste, wie lange Mera und Noyan sich schon kennen. Dann könnte man zumindest sagen, ob Mera was damit zutun hat oder nicht. Denn wenn sie sich schon 2 Jahre kennen, ist er aus dem Schneider, sind sie sich aber erst vor 3 Monaten begegnet, ist er ein Helfer Tulugs.
Da fällt mir ein … nein … Mera war in der Flotte des Buyars … ER ist der Spion? Nein … dann hätte es nicht so lange gedauert, bis er Noyan zu Tulug führt. Aber vielleicht ist er der Spion und hat nur so lange gebraucht, um Noyan überhaupt zu finden?

Ja, bevor ich hier weiter sämtliche Holzwege abmaschiere, die ich finden kann, warte ich mal auf offizielles Feedback Mrgreen Wenn gewünscht kann ich auch anhand von Textstellen und genaueren Gedankengängen erklären, warum ich welche Schlüsse gezogen hab Icon_wink

Noch was Allgemeineres zur Geschichte:
Irgendwie waren die Thishoi ja überflüssig (es gab keine Situation, in der es unbedingt ein Thishoi sein musste, der tat, was getan wurde), aber es wirkte trotzdem nicht rangeklatscht. Du hast das zweite Volk von Anfang an und für mich auch absolut glaubwürdig in die Geschichte, in das Setting und das Geschehen integriert und ihnen eine nette Andersartigkeit verpasst. Bei Elfen ist es ja oft so, dass sie einfach Menschen mit spitzen Ohren sind, aber die Thishoi waren auf angenehme Art fremd und doch Teil des Ganzen.

Im Nachhinein sage ich zwar, dass ich gerne etwas mehr von der Stimmung in der Stadt erlebt hätte – einfach um einschätzen zu können, ob wirklich Friede ist oder ob Tulug Witze macht – aber während des Lesens sind mir keine Lücken oder Brüche aufgefallen. Nicht zu viel, nicht zu wenig, für meinen Geschmack genau richtig Pro

Auch die Thematik find ich sehr schön: Ein gefallener Prinz, der so sehr davon besessen ist, zurückzuholen, was ihm gehört, dass er gar nicht merkt, dass er damit alles schlimmer machen würde. Dass er überflüssig ist für den Frieden und für ein gutes Leben in »seinem« Land.

Das Setting ist sowieso super, das erwähnte ich ja schon (glaub ich); Südseeflair, ein bisschen piratisch, Fischmenschen und düstere Vergangenheiten – tolle Mischung, tolle Ausführung. Das schäm ich mich schon fast, nur Mittelalter-Standard-Fantasy zu schreiben Icon_ugly

Die technische Ausführung (Rechtschreibung, Formulierungen …) hat mich ebenfalls überzeugt. Klar waren ein paar Sachen dabei, die mit meinem Geschmack eben nicht so übereinstimmen, aber vom Lesefluss her war es super, die Fehler hielten sich angenehm in Grenzen und du hast etliche wirklich schöne, passende und überzeugende Formulierungen drinnen, die der Geschichte zusätzlich Charme verleihen.

Ich habe »Die Bucht der Krabbenfischerkönige« sehr gerne gelesen und bin höchst gespannt auf deine Anwort bezüglich meiner Vermutungen Mrgreen

Ganz liebe Grüße
Lanna

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Beitrag #4 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
Hallo Saryn,

wow ... das ist ein unglaublich starkes Ende, eine sehr gute Wendung. Plötzlich ist alles klar, wirklich aufgelöst, wer wer ist und wer wem etwas vorgemacht hat. Deswegen hat Noyan die Kämpfe auch für Feste gehalten (was sich trotzdem in Teil 4 merkwürdig liest. Vllt schiebst du da die Beunruhigung in Oods Gesicht hinter die Frage?) - weil der Vater die eigene Bevölkerung bis zum Aufstand unterdrückt hat. Und er hat nie ein Fest gesehen. Später den Frieden nicht erkannt, nicht gemerkt, dass seine Herrschaft weder notwendig noch erwünscht ist. Stattdessen fällt er - anscheinend nur im Kampf und weniger in Menschenkenntnis trainiert - auf Tulug herein, der ihm als Herrscher über 600 Mann vllt von vornherein in seiner Macht verdächtig hätte vorkommen sollen. Auch weil er nicht fragt, was Tulug tut. Er weiß ja gar nicht, mit wem er sich da eingelassen hat. Geschweige denn, ob Tulug seine Versprechen halten kann. Ganz beflügelt von seinem seit frühster Kindheit eingetrichterten Herrschaftswunsch verliert er das natürliche Misstrauen. Aber daran scheint es ihm - das zeigt der vierte Teil - schon immer etwas gefehlt zu haben.

Dieser Teil gefällt mir ausgesprochen gut.

Was du offen lässt, ist die Verbindung zwischen Tulug und Noyans Schwester. Wahrscheinlich wollte er nur wissen, wo sie versteckt ist, da sie dann wiederum das letzte Glied der Familie wäre. Tulug scheint auf jeden Fall dem Usurpator sehr nah zu stehen. Tolle Wendung!

Im Kampf wundert mich, dass Noyan so schnell gewinnt, dass er auch die anderen Soldaten so aussticht. Klar, er wird dann getroffen, trotzdem wirkt er obwohl ich ihn mir körperlich unterlegen vorstelle sehr versiert. Da könntest du vllt noch einbauen, wie er zu dieser Stärke kommt. Mich irritiert auch, dass Tulug nicht so vorsichtig war, direkt an der Tür Wachen zu postieren, die eingreifen, wenn etwas schief geht. Er ist schließlich der Anführer, der allein mit dem einzigen Feind an Bord ist. Da ist vllt etwas Vorsicht geboten.
Inwiefern Feldscher mit drin steckt, lässt du offen. Wahrscheinlich hat er Noyan besten Wissens ins Verderben gelockt - er konnte nichts dafür. Und geht genau deswegen über Bord, während Noyan unter Deck stirbt.
Mein erster Gedanke, als Tulug Noyan etwas zu trinken anbietet, war übrigens, dass er ihn vergiften will Icon_wink. Aber da er es selbst getrunken hat, scheint ihn der eigene Alkohol träge gemacht zu haben. Oder er ist einfach alt. Aber über Tulugs Alter verräts du leider nichts.

Die letzte Erinnerung Noyans zeigt, wie sehr er von der Bewunderung des eigenen Vaters geblendet war. Erst habe ich die Szene für überflüssig gehalten. Am Ende zeigt sie noch einmal sehr deutlich, worum es in dieser Geschichte geht. Nur dass der kleine Lord den alten Herrscher in deiner Version nicht mehr umstimmen kann ... und es auch selbst nicht besser machen.

Anmerkungen:
Zitat:Einmal ergriffen von den lange vergrabenen Geschehnissen, hätte er noch stundenlang weitererzählen können; von der Flucht durch die Katakomben des Palastes, von den Fluchten, den unzähligen Fluchten, von Ood, der für sie da war, sie beschützte, von Ood, der in Buyar Noyans Armen starb …
Auch hier würde ich statt Semikola Punkte setzen. Vor allem am Ende statt der drei Punkte - geschlossen ist die Wirkung in meinen Augen viel größer als so halb offen. Was soll auch danach noch kommen?
Zitat:„Ja, sie wartet jenseits des letzten Horizonts auf mich. Sie ist tot, Tulug!“
„Verzeiht, das wusste ich nicht. Es tut mir Leid das zu hören. Waren die Götter wenigstens gnädig mit ihr?“
Hier könntest du vllt noch ein bisschen Interaktion einbauen. Zum Beispiel bevor Noyan sagt "Sie ist tot, Tulug"
Aber auch danach: Wie reagiert Tulug auf diese Nachricht? Was steht in seinem Gesicht? Er wirkte ja wirklich interessiert, da wird die Nachricht etwas auslösen.
Zitat:Mit einem unterwürfigen, deutlich erleichterten Nicken huschte der Feldscher von dannen.
Warum war er eigentlich bei diesem Beweis-Gespräch dabei? Es geht ihn doch nichts an.

Ein starkes Ende, auf das du für meinen Geschmack etwas zu lang hinruderst. Aber ich zumindest bin dir erst kurz vor der Offenbarung auf die Schliche gekommen. Da hast du dein Ziel erreicht. Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #5 |

RE: In der Bucht der Krabbenfischerkönige (5/5)
Finale, oh-oh!

Wie immer die alte Reihenfolge, erst Joromir:

Klasse Finale, gefällt mir sehr, sehr gut die Geschichte
Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen ... klasse Setting, tolle Chars und dann eben dieses unerwartete Ende. Während dem dritten und vierten Teil habe ich die ganze Zeit gedacht, dass du daraus doch locker etwas in Romanlänge machen könntest und nun weiß ich, warum das nichts wird. Ich bin echt ziemlich beeindruckt davon, alles gut durchdacht und eine schöne Moral am Ende
Auf Moral war ich nicht aus – und wenn du schon dabei bist, kannst du mir sagen, wie sie lautet? Ich hab nämlich keine Ahnung :D – aber die Geschichte hat dir gefallen und das ist Hauptsache. Ich hatte auch großen Spaß daran zu schreiben und die Welt auszuarbeiten. Wobei das in diesem Fall eher bedeutete, sie wachsen zu lassen.
Und vielleicht wird daraus auch mal etwas längeres, denn das Potential sehe ich auch. Aber erstmal wird auf jeden Fall – irgendwann – eine weitere Kurzgeschichte folgen.
Danke fürs Lesen Icon_smile

… dann Lanna:

Nachdem ich den gestrigen Kopfschmerz besiegt habe, muss ich heute nur mit einem Bienenstich kämpfen, das liegt im Bereich des Ertragbaren
Dem Backerzeugnis oder einem tatsächlichen Bienenstich?^^ Bin erst einmal gestochen worden, deshalb kann ich nicht sagen, was mir lieber wäre Icon_wink

Ich stand der ganzen Sache ja von Anfang an etwas misstrauisch gegenüber (von wegen, so unter Deck führen und so), und hier wurde ich nochmal hellhörig. Allein die Frage nach der Schwester wäre nicht so auffällig gewesen (wäre sie kein Baby sondern eine Jugendliche gewesen, hätte ich in Tulug einen ehemaligen Verehrer vermutet), aber die spezielle Formulierung »an einem sicheren Ort« … da haben bei mir die Alarmglocken geläutet.
Verständlich^^

beißt man die »Kiefer« zusammen? Beißen tut man ja mit den Zähnen … auf jeden Fall ist es sehr schwer, zu sprechen, während man zusammenbeißt, egal ob Kiefer oder Zähne
ich glaube, man presst sie eher zusammen. Ist notiert.

Hier die Stelle macht mich unsicher in Bezug auf Mera – welche Rolle er spielt und viel wichtiger noch: auf wessen Seite er spielt. Tulug beauftragt ihn, »Todan« bescheid zu sagen – nennt also namentlich ein Crew-Mitglied, was mich vermuten lässt, dass Mera die Crew kennt. Natürlich könnte er auch über Todan mit Tulug in Kontakt getreten sein und daher den Namen kennen, aber es klingt einfach so … vertraut. Ich bin durch diese Sätze sehr, sehr skeptisch und kann Mera allgemein auch überhaupt nicht einordnen.
Der Gedanke war der, den ich bereits zuvor mal irgendwo erwähnt hatte:
Mera schafft die Leute heran, bzw. Leute wie Mera schaffen die Leute heran, die sich für den Erben halten oder für den Erben gehalten werden sollen.

Vielleicht liegt es daran, dass meine Rollenspielrunde schon in ihrem ersten Abenteuer mit vergiftetem Wein zu tun hatte und mein Char deshalb total paranoid geworden ist … aber hier war ich mir total sicher, dass Tulug NICHTS gutes will, hatte sogar damit gerechnet, dass der Wein vergiftet ist. Diese Szene war auf jeden Fall ausschlaggebend für mich, Tulug nicht als Verbündeten sondern als Bedrohnung zu sehen
Gift war einige Zeit lang eine Option, aber ich hatte ja schon ein königliches Muttermal … das wäre dann zuviel des Guten gewesen. Icon_wink

»scheinbar« ist hier falsch, denn das Tuch HAT sich ja vermutlich wirklich verheddert und tut nicht nur so. Um auszudrücken, dass Noyan es nicht mit Sicherheit wissen kann, sondern nur vermutet, wäre »anscheinend« der richtige Begriff (über solche Unterschiede wird’s auch irgendwann eine Lanna-Lektion gebe
Diese zwei Begriffe haue ich mit Vorliebe durcheinander^^

Geschmackssache, ich finde »frotzeln« ist ein unheimlich hässliches Wort, weil es sich fast wie ein ziemlich böses Schimpfwort liest. Alternativen, wenn gewünscht, wären »spotten«, »scherzen«, »necken«, »sticheln« …
Ein Schimpfwort? Das kenn ich gar nicht. Welches denn? Icon_wink

Prinzipiell eine schöne Beschreibung Tulugs, allerdings für meinen Geschmack stark außerhalb der Perspektive. Wobei … hm … eventuell reicht es einfach, wenn du schreibst: »frotzelte er, bevor er sich bückte«
Denn mit dem »als« ist meines Erachtens nach keine Zeit, dass er nochmal Tulugs Miene betrachtet. Er bückte sich schon, als er spricht (das Sprechen wäre der Grund, warum er zu Tulug sieht), aber beim Bücken sollte er schon nach der Münze gucken, sonst kann er sie ja nicht aufklauben. Und nach dem Aufklauben sehe ich keinen Grund, warum er erst zu Tulug sehen sollte, bevor er die »Münze« genauer registriert.
„Bevor“ klappt wirklich besser. Danke.

*hust* In meinen Notizen steht da nur ein dickes, fettes »HA!« am Rand, was soviel heißt wie: »Ich habs ja gewusst!« *lach* Hat mich sehr gefreut, dass mein Misstrauen berechtigt war. Zwar war es nicht absolut vorhersehbar, dass Tulug doch kein Helfer ist, aber es wirkte auch nicht vollkommen aus dem Hut gezogen, um eine überraschende Wende in die Geschichte zu bringen. Gut vorbereitet, ohne mit dem Holzhammer drauf zu hauen
Gott. Sei. Dank!
Ich hatte echt befürchtet, dass das alles zu erzwungen daher kommt, aber aus deinem und Libertines Kommentar schließe ich einfach mal, dass es alles in allem gut geklappt hat Icon_wink

Die »Dramatic Death Speech«, ein Thema, auf das ich inzwischen extrem sensibel reagiere, ist noch im grünen Bereich – zwar stelle ich mir Tulugs Wunde (Messer in den Bauch und hochziehen *schauder*) schon relativ schlimm vor, bekomme es aber – anders als in Filmen – nicht mit heraushängendem Gedärm auf die Nase gebunden. Ich kaufe dir also noch ab, dass er ein paar Worte hervorpresst, trotz Schmerzen. Es ist schon etwas typisch, fällt aber erst beim mehrmaligen Durchlesen auf. In den Fluss der Geschichte hat es gut gepasst.
Bin eigentlich auch absolut dagegen (sowas sage ich bei dieser Geschichte seeehr oft, habe ich das Gefühl^^), aber hier war es einfach irgendwie nötig. Habe deshalb versucht, es so kurz wie möglich zu halten.

Zitat: Selbst in seinen Ohren klangen die Worte hohl, schwach und leer, wie eine Muschel, die nicht einmal den Klang des Meers zurückwerfen konnte.
Herzchen-Stelle
Danke Icon_smile

Eine extrem kurze Zeitspanne über einen im Vergleich dazu doch sehr langsamen Relativsatz zu beschreiben, finde ich nicht so schön. Ich würde zu der knapperen Variante: »für die Zeit eines Herzschlags« oder so raten, da der Nebensatz eher sperrt und damit der Aussage im Prinzip widerspricht
Ist eine meiner Lieblingsformulierungen, aber irgendwie bin ich mit dieser Liebe sehr alleine :D

Bemerkt hat er es doch schon vorher, als »Feuer in seiner Hüfte explodierte«. Jetzt wird es ihm erst bewusst oder so, aber bemerkt hat er es halt schon
Ist ja gut, du hast ja recht Icon_wink

Richtig, richtig schön!
Find ich sogar noch schöner als die letzten Sätze, weil es weniger pathetisch und näher an Noyan dran klingt. Es trägt die ganze Atmosphäre der Geschichte, enthält das Meer und die Flut und all das ist plötzlich nur noch Geister und Schemen. Für mich persönlich ein viel lesenswerterer Abschluss als die Sätze, die im Moment am Ende stehen.
Werde ich wohl auch zum letzten Satz machen, auch da ist das Meinungsbild recht eindeutig^^
Ach ja: danke Icon_smile

Leider komm ich nach dem Lob nochmal mit einer dummen Meldung:
Der Anfang der Erinnerung hat mich total an »König der Löwen« erinnert, wo Simba und Mufasa über das Geweihte Land blicken und sinngemäß sowas gesagt wird wie: »Alle, was das Licht berührt, ist unser Königreich« »Und das wird alles mir gehören?« »Ja, alles was das Licht berührt« (ausm Gedächtnis raus halt *lach*)
Ist jetzt nicht die schlechtestes Assoziation, die ich haben könnte, denn ich liebe den König der Löwen, aber es war doch irgendwie merkwürdig.
Dumm sind deine Meldungen nie, sondern immer interessant und amüsant Icon_wink
Der Vergleich wäre mir nie in den Sinn gekommen, aber ich sehe das Buchcover bereits vor mir:
„Eine gelungene Mischung aus Anastasia und König der Löwen“ Icon_wink

Find ich persönlich ganz schrecklich, diese Formulierung *lach*
Ähm … ich auch. Uiuiui^^

Ist Noyans Mutter nicht bei seiner Geburt gestorben? *nachgucken geh*
ja, doch: »Sein Mutter war bei seiner Geburt gestorben, doch daran erinnerte er sich nicht«
Selbst wenn der Vater es dann mehr so im abstrakten Sinne meint (Frieden schaffen zu Ehren der toten Mutter), würde ich von Noyan eher erwarten, dass er in diese Richtung nachfragt, nicht nach Kindern … also eher »Für Mutter? Aber Mutter ist doch schon tot« oder sowas … find ich
Ertappt. Da hab ich geschlampt^^

Auch hier würde ich viel lieber die Worte hören, die Noyan während der Flucht im Kopf hatte – oder Noyan sollte während der Flucht dann diese Wort hier (Wir sind stark und frei von Furcht) im Kopf haben
Auf jeden Fall muss ich es auf einen gemeinsamen Nenner bringen, stimmt.

genau genommen heißt es »wohlgesinnt«, wobei ich nicht sicher bin, ob »wohlgesonnen« inzwischen auch »legalisiert« wurde, da es so häufig im Sprachgebrauch vorkommt.
Das Schöne ist, bei deinen Kommentaren lernt man immer dazu ^^
Ich werde die richtige Variante nehmen Icon_wink

Da ist es wieder Ich hab jetzt nur die Stellen rausgepickt, wo mich diese Struktur wirklich stört, und wenn du sagst, du magst es, muss ich damit leben *lach* aber hier fände ich ein »Außerdem freute er sich auf Ood« mindestens genauso aussagekräftig und noch dazu schöner zu lesen
Ich neige zu solchen Formulierungen, wenn ich einmal im Schreibfluss bin (Gott, Die Stadt wird mich umbringen!), danach schäme ich mich immer, weil es mir eigentlich selbst hätte auffallen müssen, wie sch***e es klingt^^

Bevor ich es vergesse, ganz zuerst: Ein großes Lob an die (fast) durchgehend richtig geschriebenen Anredepronomen! *großes Leckerli geb*
Ich knabber mal glücklich daran^^
Das hast du mir definitiv … naja, „eingebläut“ klingt etwas zu hart, denke ich^^
Aber ich achte auf so etwas und bin mir auch ziemlich sicher, dass es noch nicht ins Umgekehrte umgeschlagen ist Icon_wink

Wie du in den Kommentaren zum Teil schon gemerkt hast, bin ich mir über Meras Rolle unschlüssig. Ist er wirklich Noyan loyal ergeben? Wie hat er Kontakt zu Noyan aufgenommen, wie hat er ihn überhaupt gefunden? Wie lange sind sie schon zusammen an diesen Plänen dran?
Für mich arbeitet er für Tulug, hat das Vertrauen des Königs gewonnen und ihn zu Tulug geführt. Denn wenn Tulug wirklich so hinterher ist, den echten Erben zu finden / ermorden, muss er ja aktiv auch irgendwas getan haben. Also hat er Mera losgeschickt. (Holzweg oder nicht, ich find die Theorie gut!)
Nnein, du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Das stimmt schon alles Icon_smile

War Noyans Vater ein Tyrann? Aus Tulugs Rede entnehme ich, dass der Angriff auf den Palast eigentlich ein Befreiungsschlag war – das Volk hat sich unter der Knute des Tyrannen erhoben, ihn gestürzt und führt seitdem ein Leben in Frieden.
Was zu einer weiteren Sache führt: Konnte Noyan wirklich so blind sein, und den Frieden um ihn her übersehen? Natürlich ist er beschäftigt und die Welt erscheint nicht so friedlich, wenn man ständig fliehen muss oder Mörder am Hals hat. Aber er hat doch versucht, Verbündete zu finden, Unterstützung, oder nicht? Da wird er doch Kontakt mit der Realität gehabt haben, wird zu hören bekommen haben, dass man nicht gegen die »Besatzer« kämpfen möchte. Hat er das alles ausgeblendet?
Rückblickend wirkt die Szene mit den Kinder natürlich sehr friedlich und einen Hinweis auf Gewalt und Unterdrückung gibt es auch nirgendwo. Ich kann mir nur gar nicht vorstellen, wie es da in der Stadt aussieht – abgesehen von verstärkter Wachen-Präsenz, dass entweder Noyan so falsch liegt und sein Volk in Knechtschaft sieht, oder dass … nein, ich glaube nicht, dass Tulug irgendwie verblendet ist. Dazu trägt auch die Sache mit den Festen bei
Na ja, Noyan weiß ja gar nicht, dass das Volk zuvor unterdrückt wurde. Dementsprechend kann er auch keinen Unterschied sehen, wenn er die neuen Zustände erlebt – auch, weil sicherlich unter dem Usurpator nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sein wird.
Noyan ist vor allen Dingen überzeugt davon, das Richtige zu tun und wenn er ahnt, dass etwas an seiner Sicht der Welt falsch sein könnte, wird er diese Ahnungen sicherlich unterdrücken.
So würde ich das jedenfalls versuchen zu erklären^^

Kampflärm oder Festlärm, das ist die entscheidende Frage. Für mich sind alle »Feste« in dieser Geschichte in Wirklichkeit Kämpfe.
Kämpfe, (ethnische) Säuberungen … etwas in der Art.

Tulug selbst ist mir auch noch ein Rätsel. Er gehört zu den Befreiern … ah, da fällt mir noch ein Hinweis ein:
Die Roten Falter jagen die Möwen – sie sind die Jäger, die Möwen die Gejagten. Die Brosche der Angreifer trägt eine Möwe – das Symbol der Buyars ist demnach der Falter (also im metaphorischen Sinne), was meine Theorie des Tyrannensturzes noch untermauern würde. Die Möwen erheben sich gegen ihre Jäger, die Falter *zufrieden nick*
Das gefällt mir mindestens so gut, wie deine Interpretation der Ankleidungsszene im „Herz“^^
Ob das Wappen der Buyar ein Roter Falter ist, kann ich dir nicht sagen, darüber habe ich noch nicht nachgedacht^^ Kann aber gut sein.

Aber wieder zu Tulug: Er weiß von der Schwester? Woher? Da waren zwei Männer im Zimmer, die aber auch nicht wissen können, dass es das Kind des Königs war, das Ood dabei hatte, falls sie denn überhaupt überlebt haben. Es muss also Spione im Königshaus gegeben haben. Warum aber wurden dann die Tore mit Waffengewalt genommen und nicht von den Infiltranten geöffnet? Hm … mein erster Gedanke war tatsächlich, dass Tulug einer der beiden Angreifer in Noyans Zimmer war, aber dann hättest du sicherlich irgendwelche Narben erwähnt. Außerdem hatten die Angreifer dunkle Augen, Tulug hat grüne (die Beschreibung mit den Schattenschwimmern hat sich eingeprägt *lach*). Es muss also einen Spion gegeben haben.
Tulug war in meiner Vorstellung immer eine Art Geheimdienstler, vielleicht sogar der Anführer des Geheimdienstes. Wenn jemand Zugang zu den Informationen hat, dann sicherlich er.

Es wäre wirklich hilfreich, wenn man wüsste, wie lange Mera und Noyan sich schon kennen. Dann könnte man zumindest sagen, ob Mera was damit zutun hat oder nicht. Denn wenn sie sich schon 2 Jahre kennen, ist er aus dem Schneider, sind sie sich aber erst vor 3 Monaten begegnet, ist er ein Helfer Tulugs.
Da fällt mir ein … nein … Mera war in der Flotte des Buyars … ER ist der Spion? Nein … dann hätte es nicht so lange gedauert, bis er Noyan zu Tulug führt. Aber vielleicht ist er der Spion und hat nur so lange gebraucht, um Noyan überhaupt zu finden?
Lanna, es gibt keinen namentlich genannten Spion Icon_wink Irgendwer hat es verraten, aber wenn das jemals rauskommt, dann nur, wenn ich wirklich mal eine längere Geschichte in dieser Welt schreibe^^
Ich hoffe du kannst mit diesem Word of God leben Icon_wink

Irgendwie waren die Thishoi ja überflüssig (es gab keine Situation, in der es unbedingt ein Thishoi sein musste, der tat, was getan wurde), aber es wirkte trotzdem nicht rangeklatscht. Du hast das zweite Volk von Anfang an und für mich auch absolut glaubwürdig in die Geschichte, in das Setting und das Geschehen integriert und ihnen eine nette Andersartigkeit verpasst. Bei Elfen ist es ja oft so, dass sie einfach Menschen mit spitzen Ohren sind, aber die Thishoi waren auf angenehme Art fremd und doch Teil des Ganzen.
Mit den Thishoi hatte ich auch viel Spaß, schon deshalb gehören sie für mich fest zur Geschichte^^
Außerdem finde ich, Fantasy(kurz)geschichten müssen immer auf einem schmalen Grat wandeln und der Autor muss sich fragen, wieviel fantastisches darf ich zum Weltenbauen einbringen und wie viel ist zu viel und damit Selbstzweck?
Ich bin mir halbwegs sicher, die Thishoi fallen in die erste Kategorie, soviel lese ich ja auch aus deinen Kommentaren heraus Icon_smile

Im Nachhinein sage ich zwar, dass ich gerne etwas mehr von der Stimmung in der Stadt erlebt hätte – einfach um einschätzen zu können, ob wirklich Friede ist oder ob Tulug Witze macht – aber während des Lesens sind mir keine Lücken oder Brüche aufgefallen. Nicht zu viel, nicht zu wenig, für meinen Geschmack genau richtig
Wie gesagt:
ich spiele praktisch mit jedem Tag intensiver mit dem Gedanken, noch mehr als einmal in diese Welt zurückzukehren, vielleicht auch für mehr als 21 Seiten Icon_smile
Dann gibt es mehr von der Stadt, von den Inseln, von den Thishoi und dir zuliebe wird auch sicher noch ein Spion auftauchen Icon_wink

Auch die Thematik find ich sehr schön: Ein gefallener Prinz, der so sehr davon besessen ist, zurückzuholen, was ihm gehört, dass er gar nicht merkt, dass er damit alles schlimmer machen würde. Dass er überflüssig ist für den Frieden und für ein gutes Leben in »seinem« Land.
Danke Icon_smile

Das Setting ist sowieso super, das erwähnte ich ja schon (glaub ich); Südseeflair, ein bisschen piratisch, Fischmenschen und düstere Vergangenheiten – tolle Mischung, tolle Ausführung. Das schäm ich mich schon fast, nur Mittelalter-Standard-Fantasy zu schreiben
Na, hallo: erst mal schreibe ich auch nur MSF (und mag Abkürzungen). Zweitens denke ich aber nicht, dass deine Fantasy sonderlich Standard ist. (Das ist positiv gemeint^^).
Außerdem wird die MSF nach wie vor mein liebstes Heim bleiben. Für zu viel Fantastisches bin ich nicht geschaffen, merke ich aktuell auch wieder^^

Die technische Ausführung (Rechtschreibung, Formulierungen …) hat mich ebenfalls überzeugt. Klar waren ein paar Sachen dabei, die mit meinem Geschmack eben nicht so übereinstimmen, aber vom Lesefluss her war es super, die Fehler hielten sich angenehm in Grenzen und du hast etliche wirklich schöne, passende und überzeugende Formulierungen drinnen, die der Geschichte zusätzlich Charme verleihen
Danke. Die Formalia (wenn du so willst) sind ja mitunter noch meine größten Stolpersteine^^

Ich habe »Die Bucht der Krabbenfischerkönige« sehr gerne gelesen und bin höchst gespannt auf deine Anwort bezüglich meiner Vermutungen
Ich habe deine Kommentare gerne gelesen, freue mich, dass es dir gefallen hat und hoffe, du kannst mit meinen Antworten leben. Ansonsten frag einfach nochmal nachdrücklicher nach, dann lass ich mir ein paar WoGs einfallen Icon_wink

… und zum Schluss Libertine:

wow ... das ist ein unglaublich starkes Ende, eine sehr gute Wendung. Plötzlich ist alles klar, wirklich aufgelöst, wer wer ist und wer wem etwas vorgemacht hat.
Uff, schön, dass das geklappt hat.^^
Mit Abschlüssen habe ich einfach keine Übung^^

Was du offen lässt, ist die Verbindung zwischen Tulug und Noyans Schwester. Wahrscheinlich wollte er nur wissen, wo sie versteckt ist, da sie dann wiederum das letzte Glied der Familie wäre. Tulug scheint auf jeden Fall dem Usurpator sehr nah zu stehen. Tolle Wendung!
Wie gesagt, er wird eine Art Geheimdienstler sein, deshalb weiß er auch mehr, als der 08/15-Usurpatoranhänger^^
Ich finde es auch toll, dass die Wendung dich wirklich überrascht hat Icon_smile

Im Kampf wundert mich, dass Noyan so schnell gewinnt, dass er auch die anderen Soldaten so aussticht. Klar, er wird dann getroffen, trotzdem wirkt er obwohl ich ihn mir körperlich unterlegen vorstelle sehr versiert. Da könntest du vllt noch einbauen, wie er zu dieser Stärke kommt. Mich irritiert auch, dass Tulug nicht so vorsichtig war, direkt an der Tür Wachen zu postieren, die eingreifen, wenn etwas schief geht. Er ist schließlich der Anführer, der allein mit dem einzigen Feind an Bord ist. Da ist vllt etwas Vorsicht geboten.
Tulug hat einfach damit gerechnet, das alles glatt geht, weil auch alles hätte glatt gehen sollen, die Sache mit der Brosche war einfach Pech.

Inwiefern Feldscher mit drin steckt, lässt du offen. Wahrscheinlich hat er Noyan besten Wissens ins Verderben gelockt - er konnte nichts dafür. Und geht genau deswegen über Bord, während Noyan unter Deck stirbt.
Ja, die steckten unter einer Decke.

Mein erster Gedanke, als Tulug Noyan etwas zu trinken anbietet, war übrigens, dass er ihn vergiften will . Aber da er es selbst getrunken hat, scheint ihn der eigene Alkohol träge gemacht zu haben. Oder er ist einfach alt. Aber über Tulugs Alter verräts du leider nichts.
Gegen das Vergiften habe ich mich entschieden, eine Geschichte verträgt nur begrenzt viele Klischees :D

Die letzte Erinnerung Noyans zeigt, wie sehr er von der Bewunderung des eigenen Vaters geblendet war. Erst habe ich die Szene für überflüssig gehalten. Am Ende zeigt sie noch einmal sehr deutlich, worum es in dieser Geschichte geht. Nur dass der kleine Lord den alten Herrscher in deiner Version nicht mehr umstimmen kann ... und es auch selbst nicht besser machen.
Danke, das trifft den Nagel auf den Kopf Icon_smile

Warum war er eigentlich bei diesem Beweis-Gespräch dabei? Es geht ihn doch nichts an.
Hm, vielleicht werfe ich ihn auch schon zwischendurch raus^^

[…] ich zumindest bin dir erst kurz vor der Offenbarung auf die Schliche gekommen. Da hast du dein Ziel erreicht.
Mehr kann ich gar nicht verlangen.

Danke fürs Lesen. Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte im Großen und Ganzen gefallen hat Icon_smile

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