Es ist: 13-04-2021, 20:45
Es ist: 13-04-2021, 20:45 Hallo, Gast! (Registrieren)


Anfang Geschichte "Nobody"
Beitrag #1 |

Anfang Geschichte "Nobody"
Hallöchen Wave. Bin neu hier und dachte ich stell mal den Anfang meiner Geschichte rein Icon_smile. Ich weiß, sie ist nicht perfekt und würde mich deshalb auch über Kommis freuen Mrgreen. Na dann, viel Spaß beim lesen!


NOBODY


K a p i t e l 0 1
-Chains-

Regen fiel in dunklen Tropfen vom grauen Himmel herab. In der Ferne grollte das tiefe Donnern einer Turmuhr, Schlag um Schlag um Schlag. Die hölzernen Räder hinterließen tiefe Furchen im aufgeweichten Boden, Pferdehufen lösten sich mit schalem Schmatzen aus der schlammigen Erde, bespritzt und dreckig. Der Tross umfasste sieben Wagen, schmutziges, raues Holz, verbogene, vom Rost zerfressene Eisenstäbe. Die Rufe der Männer waren laut, verwehten mit dem Wind, ertranken im Regen. Sie hieben auf die Pferde ein, grobschlächtige Schatten vor den Wolken, trieben sie vorwärts, auf die Stadt zu.
Weiße Hände klammerten sich an die rostigen Gitter. Klamm von der Kälte und schwach vor Mutlosigkeit. Dunkle Augen, ein fein geschnittenes Gesicht, weiche Locken, deren Schönheit mit einem groben Messer zunichte gemacht worden war. Sie wusste nicht, wohin ihr Weg führen würde. War ihre Reise in dieser Stadt zuende? Oder würden sie sie wieder mitnehmen? Weiter? Weil sie keiner wollte. Die Männer hofften nicht einmal mehr, sie noch loszuwerden. Sie haben mein Haar geschnitten. Um es zu verkaufen, sicher doch. Sie hatte aufgehört, sich zu erinnern. An was denn? An Schatten, Gitter? Sie hatte ihren Namen vergessen, ihre Herkunft, ihre Persönlichkeit. Nur an eines erinnerte sie sich, klar und rein. Wut. Hass. Nur deinetwegen. Sie rückte von den Gittern ab, kauerte sich in eine Ecke ihres Gefängnisses, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie kamen der Stadt näher, sie war eine wie die anderen, eine namenslose graue Festung im Ödland. Das Mädchen erwartete nichts mehr. Ansprüche, Wünsche, das war ihr fremd geworden. Regentropfen rannen an den krummen Gittern herab, kalte Perlen, die auf dem hölzernen Wagenbogen zersprangen. Es zog, beißender Wind, sie war sicher, dass sie wieder krank werden würde. Dann würden die Männer sie anschreien, vielleicht schlagen. Nein, dass will ich nicht. Sie rutschte auf Knien nach vorne, und warf einen langen Blick auf die Mauern vor ihnen. Lasst mich hier.

Tyler hasste dieses Wetter. Im verlauf des Tages war es nicht besser geworden, das hob seine Laune nicht gerade. Mal abgesehen von seinem seltsamen Auftrag. Er verstand seinen Sinn nicht so ganz, und allein deswegen schon ärgerte er sich. Vielleicht war er ja wirklich nicht der Klügste.
Gegen den Wind gestemmt überquerte er die New Fort Lane, lauschte auf das, was die feuchten Böen ihm erzählten. Wortfetzen, Lärm. Gestank. Tyler kam nicht herum zu seufzen. Nobodys Square. Ein skurriler Name. Aber passend. Der Junge zog im Gehen einen Zettel aus der Hosentasche, er war feucht, und die Schrift vom Regen verlaufen. Tyler zog die Stirn kraus, er wusste, was auf diesem Stück Papier stand, aber lieber vergewisserte er sich erneut. Archand’s. Wagen 5.
Sein Herr hatte wirklich eine grausame Schrift. Er war sich nicht sicher, ob das erste Wort Archand’s oder doch eher Archond’s heißen sollte. War ja auch egal, es würde sicherlich nicht viele Händler mit einem diesen Namen geben.
Nobodys Square war ein runder Platz, schlecht gepflastert mit losen Steinen, zwischen denen sich das Regenwasser sammelte. Die Häuserfassaden rund herum waren leer, schmutzig und dem Verfall geweiht. Gut ein Dutzend Wagen standen hier, kreuz und quer, hölzern oder aus verbeultem Blech. Tyler schätze auf sieben oder acht Händler, nicht viel, für die Verhältnisse in dieser Stadt. Archand’s fand er beinahe auf einen Blick. Ein Tross von vielleicht sieben Wagen, eine handvoll Männer und eine große Aufschrift in schwarzen Lettern über dem ersten Wagon. Ein schmieriger Händler, ungewaschen mit halbverfaulten Zähnen begrüßte ihn mit einem grunzenden „Was soll’s sein?“ In Tyler stieg der Ekel hoch. Sie verkaufen die Menschen wie billige Ware. Sklavenhändler, die meist illegal Menschen von den Straßen aufließen, sie in Ketten legten und in den Städten und Dörfern für horrende Preise verkauften, gab es viele, ihre Anzahl war mit der der Wohnungslosen und Armen in den letzen Jahren in die Höhe geschossen, die hohen Herren und Lords liebten das gefährliche Spiel mit rechtswidrig Geklauten und holten sie in Scharen in ihre Häuser. Wie mein Herr. Mit düsterer Miene sah er Archand in die verschlagenen Augen. „Wagen fünf.“ Tyler bemerkte ein kurzes Zucken, das durch den Händler lief, es verriet ihm, dass er überrascht war. Aha, dachte er sich grimmig. Ein Sonderfall, also. Das musste er beim Preis herausschlagen.
Wagen fünf war schmutzig, wie die anderen auch, kaputt, wie die anderen auch. Tiefe Schatten fielen in seine Ecken, die Gittertür war mit einem verbogenen, nicht vielversprechendem Schloss gesichert, als ob die Person darin auch nur eine Chance hätte zu entkommen. Das Schloss war an sich unnötig. Die Gestalt, die darin kauerte, zusammengesunken mit stumpfen Augen, wirkte schwach, mager. Schmächtig und zerbrechlich. Ein Mädchen, wie Tyler bemerkte, in den schützenden Schatten zurückgezogen, verängstigt und klein. Ein neues Hausmädchen? Wohl kaum, sie hatten genug. Aber für etwas anderes schien sie ihm zu schwach. Archand schloss auf, packte das Mädchen unsanft an ihrem Pullover und zerrte sie ins Freie. Tyler betrachtete die Fremde mit gemischten Gefühlen. Ihr Haar war kurz, hellbraune Locken, die aber auf seltsame Weise verstümmelt wirkten, unsauber gekürzt. Sie versank förmlich in ihrem Pullover, grobes Strickwerk, viel zu groß für sie, lang bis zu den Knien, wobei noch ein kurzes Stück eines Spitzen besetzen Rockes hervorlugte. Hohe braune Kniestrümpfe, schwarze Lackschuhe. Große, dunkle Augen. „Des isse.“, kommentierte der plumpe Händler wortkarg. „Kriegst se für 250 Marken.“ Tyler schüttelte energisch den Kopf. Er wusste, dass der Händler sie loswerden wollte. „Hundert. Mehr ist sie nicht wert.“ Archand schnaubte verächtlich. „Bin doch net bleed. Ich sag dir 250, das is schon n Freundschaftspreis.“ Das Mädchen nahm keine Notiz von ihren Verhandlungen, stand unbeteiligt da, wie eine Beobachterin in der Ferne. „Hundertfünfzig. Das ist wirklich mehr als genug für einen Restposten.“ Archand wusste dem nicht mehr viel entgegen zu setzen, und da er froh war, dass er überhaupt einen Kunden für sie hatte, schlug er schließlich ein.

Fox Claw. Gib ihr etwas zu essen. Gegen Abend dann nach Campbell Hall.
Tyler verstand diese Anweisungen nicht, nicht im weiteren Sinne jedenfalls. Er hätte die Fremde gleich zum Herrenhaus bringen können. Aber es schien, als wollte der Herr sie persönlich in empfang nehmen. Tyler wusste, dass er bis abends unterwegs sein würde, geschäftlich. Also tat er wie ihm geheißen, nahm die Marionette, das stumme Mädchen mit ins Fox Claw, einer Wirtschaft, in der es gutes Essen relativ billig gab. Tyler hatte noch genug von den Marken, die ihm sein Herr gegeben hatte, und so bestellte er für sie beide. Das Fox Claw war heute gut besucht, ein dunkler Schankraum in dem kleine runde Tische verstreut standen, gedämpftes Licht, dass durch die schmutzigen Fensterscheiben fiel, Fuchsköpfe an der Wand. Keine bevorzugte Wirtschaft eines Lords vielleicht, doch für einen Diener reichte es allemal.
Es herrschte Schweigen zwischen den beiden, das Mädchen schlang gierig das Essen hinunter, ohne Tyler eines Blickes zu würdigen. „Wie heißt du?“, unterbrach er sie schließlich. Sie sah ihn an, er konnte sich in ihren Augen sehen, ein kleines, verzerrtes Spiegelbild. Doch es kam keine Antwort. „Na sag schon, ihr habt doch meistens einen Namen.“ Sie antwortete nicht, statt dessen starrte sie intensiv in ihren Salat, als würde sie die Lösung zwischen den grünen Blättern finden. Ratlos spießte sie eine Tomate auf und schob sie sich in ihren Mund. Sie sah wieder auf, studierte sein Gesicht ausgiebig, sodass Tyler sich von dem stechenden Blick am liebsten abgewandt hätte. „Ich bin Tyler.“, versuchte er es erneut. „Und du?“ Sie kaute langsam ihre Tomate, als bräuchte sie Zeit zum überlegen, schluckte. „Ni...“ Ihre Stimme war leise, brüchig, als hätte sie sie schon lange nicht mehr benutzt.
„Niemand.“
Plötzlich tat sie Tyler leid. Ja, egal ob mit oder ohne Name, sie war ein Niemand. Ein schwarzer Sklave, wie man die unfreiwilligen Bediensteten nannte. Weniger, als irgendjemand in dieser Stadt. Er überspielte sein Mitleid, er wollte nicht, dass die Fremde dachte, sie wäre armselig und bedauernswert. Obwohl sie es war. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, sie wirkte so klein und verloren, so unschuldig und hilflos, dass er sie gerne getröstet und in den Arm genommen hätte. „Dann hast du keinen Namen?“, fragte er stattdessen. Sie nickte eifrig. „Aber...“ Sie schluckte, als habe sie eine raue Kehle, und versuchte es nochmals. „...nicht schlimm. Er... wird mir einen... geben?“ Natürlich würde er dass, sein Herr. Einen Vor- und einen Nachnamen. Und ein neues Leben in seinem Schatten. „Wer...ist er?“ „Lord Allion of Campbell. Hast es nicht allzu schlecht getroffen, mit ihm.” Ja, vermutlich. Of Campbell war steht’s rücksichtsvoll mit seinen Bediensteten umgegangen, zumindest im Vergleich zu anderen Lords. Tyler selbst hätte sich wohl für nichts in der Welt zu einem anderen in die Dienste begeben. Und doch, musste er sich eingestehen, er war ein bisschen eigen. „Allion...“, wiederholte das Mädchen, als hätte der Name ihr etwas zu sagen, dass ihr nicht einfallen wollte. „Und...du bist da... auch?“ Tyler nickte, und zu seiner Überraschung zeichneten sich feine Züge eines Lächelns auf das Gesicht der Fremden. Beide aßen fertig, es herrschte Schweigen, nicht unangenehm, sondern gegenseitig beruhend. Tyler sah auf die Uhr, es wurde Zeit, sein Herr würde nicht ewig warten. „Wir sollten gehen. Bis nach Campbell Hall ist es ein gutes Stück.“ Die Fremde erhob sich wortlos, wartete bis Tyler ebenfalls aufstand und schlich hinter ihm hinaus in den Regen, ein stummer, Skelett ähnlicher Schatten.
Da sie weder Regenschirm noch Kapuze hatten, waren sie bis auf die Haut durchnässt, als sie Campbell Hall erreichten. Das Anwesen lag am Rande der Stadt, wo der Lärm und der Gestank sich in Grenzen hielten. Weitläufige Gärten mit säuberlich gestutzten Hecken und ordentlichen Steinplatten führten den Besucher zum Herrenhaus, einem Gebäude, das nach den grünen Weiten enttäuschen klein und verloren wirkte. Roter Backstein, kleine verspiegele Fenster, die den dunklen Wolkenhimmel zeigten, unzählige Schornsteine, die wie knorrige Finger in den Regen deuteten. Auf den zweiten Blick erkannte man nicht nur am Haus selbst die Spuren des unaufhaltsamen Verfalls. Saurer Regen hatte die Backsteine wund gewaschen, hier und da klebten die Reste ehemals weißen Putzes, herabgebröckelt und rissig, der Lack an den Fensterrahmen war gesprungen und durch die Platten des Weges zogen sich Risse. Das Unwetter hatte matschige Pfützen in den Rasen gemalt, die das saftige Grün dämpften und sumpfig wirken ließen. Campbell Hall war ein beeindruckendes Anwesen gewesen, doch es war in die Jahre gekommen und hockte nun wie eine alte Dame mit stumpfen Blick in der Landschaft. Tyler hatte sich an diesen Anblick gewöhnt, in als auf seltsame Art romantisch abgetan, wenn die roten Mauern mit ihren Kletterrosen im goldenen Sonnenschein badeten. Jetzt musste es aber auf die Fremde abstoßend wirken, grau und hässlich, passend zu ihrem Eindruck vom Rest Brithtons.
Auf mehrmaliges klopfen mit einem eisernen Löwenkopf wurde ihnen vom Butler die Tür geöffnet. Sie schlüpften in die kleine Eingangshalle, bemüht, keine Wasserpfützen zu hinterlassen. Der Lord of Campbell hatte seinen Bediensteten erlaubt, den Haupteingang, statt des Boteneingangs zu nutzen, wann immer keine Gäste erwartet wurden. Tyler fühlte sich verpflichtet, der Fremden ein wenig der innerlichen Schönheit der alten Dame zu zeigen. Der dunkle, blank polierte Holzboden, der im Licht des Kronleuchters verführerisch glänzte. Die breiten Treppen, die zu beiden Seiten des Raumes ausladend nach oben in die Dunkelheit führten. Die alten Gemälde, die Tyler das erste mal erschreckt hatten, finstere Gesichter in grauen Ölfarben. Er fand es beinahe schade, wie wenig sich der Lord doch um Campbell Hall kümmerte. Auf den Bilderrahmen hafteten Spuren des Staubs, und nur etwa ein drittel der beeindruckenden Lampen brannte. Zudem heizte er kaum, es war kalt und die Luft zugig. Tyler hatte das Haus schon ganz anders erlebt, glänzend und funkelnd unter dem strahlenden Licht, warm und wohlig mit seinen dicken Teppichen. Voll von Stimmen und rauschenden Kleidern. Lachen und Fußgetrappel. Doch das war schon lange her. Der Lord hatte sich mehr und mehr zurückgezogen, und nur der Rasen war stets gepflegt, um dem Passanten einen angenehmen Eindruck zu vermitteln. Der Butler, James, führte sie in das obere Stockwerk, durch die im Dunklen liegenden Gänge, Tylers nasse Haut brannte vor Kälte, und er wünschte sich unmittelbar in die Küche, wo doch meinst zumindest ein kleines Feuer brannte. Bald schon hielten sie vor einer dunklen Eichentür inne, eine der wenigen Flügeltüren hinter denen die Bibliothek lag. James packte die eisernen Löwenköpfe mit beiden Händen und stieß dann die große Tür schwungvoll auf.
„Lord Allion of Campbell! Die Fremde ist eingetroffen.“




K a p i t e l 0 2
-Named-


Vor ihr eröffnete sich ein neues Universum an Farben. Regale, bis an die Decke reichend, gefüllt mit glänzend gefetteten Bücherrücken, rot, grün, braun, gelb. Ein leuchtendes Feuer mit seiner sicheren Wärme, glimmende Lampen, polierte Tische, bunte Teppiche, strahlendes Silber an den Wänden. Und in dem allen, in einen hohen Sessel gelehnt, ein Buch aufgeschlagen vor ihm, der Lord. Ohne aufzusehen winkte er sie hinein, und gebot hinter ihr Tyler Einhalt. Der Butler schloss die Türen, und sie war alleine in dem stillen Zimmer, alleine mit dem Lord und den tausend Büchern die ihr aus den Regalen leise Worte zuflüsterten. „Setz dich doch.“ Er wies vor ihm auf einen Sessel, blätterte dann eine Seite um und las weiter. Sie tat wie ihr geheißen, und das erste mal bot sich ihr die Gelegenheit, ihr Gegenüber genauer zu betrachten. Sein Haar war schwarz wie die Nacht, kurz geschnitten und stand ein wenig unordentlich, wie sie bemerkte, von seinem Kopf ab. Seine Augen glänzten, ein heller, warmer Ton, über denen allerdings ein leichter Schatten lag. Er schien sich die letzen Tage nicht die Mühe gemacht zu haben, sich zu rasieren, auch sonst trug er seine Kleidung eher achtlos und wahllos zusammengewürfelt. Seine Füße steckten in dicken Wollsocken, die irgendwie, sie konnte nicht anders, abgetragen und muffig wirkten.
„Tee?“ Er wartete keine Antwort ab, stattdessen griff er neben sich zu einem Beistelltisch auf dem ein Teeservice stand. Nachdem sie ihre warme, nach Kräutern duftende Tasse Tee in der Hand hielt, schlug er das Buch zu und sah sie das erste mal richtig an. Nicht unfreundlich aber unverhohlen interessiert. Dann nickte er leicht. „Gefällt sie dir? Meine Bibliothek?“ Ihre Augen wanderten über die Bücherrücken, über die in Silber gerahmten Bilder. „Ja. Sie ist... schön.“ Ein anderes Wort wollte ihr nicht einfallen. Ihr Blick blieb schließlich an einem Gemälde hängen, das undeutliche Farbstriche zierte. Irgendwie verwischt und verlaufen. Er bemerkte es, und lächelte prompt. „Moquin. Ein begnadeter Künstler, wirklich eindrucksvolle Werke.“ Sie erhob sich, um das Eindrucksvolle an dem Bild genauer zu betrachten, wiegte den Kopf hin und her und wollte sich nicht recht einig werden. Regenbogen? Labyrinth? Nein. Aber was dann? Die Pinselstriche wirkte unbeholfen, ein Spektrum an Farben, dass sich zu einem einzigen hässlichen Braunton verlaufen hatte. Eine Ölschicht, dick aufgetragen, sodass kleine Klümpchen von der Leinwand abstanden. „Glory of Niamh. Eines seiner berühmtesten Werke.” Sie konnte sich nicht vorstellen, dass so etwas berühmt sein sollte. Oder das so etwas überhaupt irgendjemand kaufte, mit Ausnahme vielleicht der Lord. „Ich habe noch mehr von Moquin. Skulpturen, Gemälde. Du wirst sie sehen, wenn du dir das Haus oder den Garten ansiehst. Aber setzen wir uns doch wieder.“ Der Lord schien vergnügt, als hätte er über sein liebstes Thema geredet, und sich gefreut, dass sie sein Interesse zu teilen schien. Was den komischen Künstler betraf, so wohl kaum, dachte sie sich leise. Es dauerte eine ganze Weile, bis Lord Allion wieder zu reden begann. Er blickte kurz verwirrt drein, und runzelte nachdenklich die Stirn. „Ich habe dir gar keinen Cracker zum Tee angeboten. Wie dumm von mir.“ Er kramte umständlich eine Schachtel Cracker hervor, bei denen sie sich fast sicher war, dass sie schon sehr lange dort einsam in der Schublade des Beistelltisches lagen, was sich bestätigte, als sie sich das trockene, harte Gebäck in den Mund schob. „Nun denn, wie heißt du?“, fragte er schließlich, nachdem sie fertig gegessen hatte. „Weiß... nicht.“, antwortete sie knapp. Der Lord nickte wissend und seufzte. „Na schön, du brauchst einen Namen.“ Gespannt beobachtete sie, wie sein Blick erst auf ihr ruhte, dann langsam begann ratlos im Raum umher zu wandern. Er betrachte die Packung in seinen Händen, als hoffe er darauf einen passenden Namen zu finden, sah wieder auf, überfolg die Büchertitel und blieb mit dem Blick an dem scheußlichen Gemälde hängen.

„Niamh. Dein Name ist Niamh Brithton!“


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Beitrag #2 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hey, Lili!

Ich kenn die Geschichte ja schon, aber ich dachte, ich könnte jetzt auch mal meinen Senf dazu geben...

Also, bei dem Ganzen handelt es sich ja um eine Fantasy-Geschichte, angesiedelt in einer Fantasie- bzw. Parallelwelt (das solltest du vielleicht noch mehr hervorheben).
Der Anfang ist ganz gut, die düsterne Stimung gut beschrieben. Die arme Niamh! Sie tut mir leid, ohne Namen und Erinnerung, als Sklavin verkauft. Aber zumindest scheint der Lord kein allzu schlechter Mensch zu sein, zumindest ersten Eindrücken nach. Und in Tyler könnte sie einen Freund finden.
Was das Textliche und den Schreibstil betrifft, ist mir natürlich aufgefallen, dass deine poetische Ader etwas nachgelassen hat, was ich eigentlich etwas schade finde (obwohl du natürlich nicht eine Tür eine halbe Seite beschreiben musst ^^). Na ja, ich weiß ja, du suchst nach dem passenden Schreibstil.
Es sind ein paar Rechtschreibfehler drin und du könntest ein paar Absätze mehr reinmachen.
Mit einigen Sätzen komme ich nicht so recht klar, z.B.:
Zitat:Sie hatte ihren Namen vergessen, ihre Herkunft, ihre Persönlichkeit.
...Ihre Persönlichkeit? Bisschen komischer Ausdruck... Als ob ihre Persönlichkeit irgendwie wie im Computerspiel oder so erstellt worden wäre. Ich glaube, du solltest das komplett umformulieren.
Zitat:Sklavenhändler, die meist illegal Menschen von den Straßen aufließen,
Illegal auflesen... Gibt es in dem Fall denn ein "legal auflesen"... Klingt etwas seltsam. Würde ich auch umformulieren, so nach der Art "Sklavenhändler, die Bettler und arme Kinder von den Straßen holten, um sie dann...". Okay, war nur ein Beispiel... Smiley_emoticons_blush
Aber ich hoff, du verstehst was ich meine.
Welches Geheimnis Niamh wohl in sich birgt? Wo kommt sie her, wer ist sie, warum wurde sie verschleppt?
Und was will Allion von ihr? Der Lord ist auf jeden Fall witzig. Ziemlich schräg. Icon_ugly

Na, ich werd auf jeden Fall weiterlesen! Hoffentlich kann ich dir helfen! Icon_wink

LG, Mello


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Beitrag #3 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hey Mello,
danke, dass du dir die Mühe gemacht hast Icon_lol! Ich weiß, ich muss erst mal wieder zu meinem richtgien Stil zurückfinden, aber dafür habe ich in letzter Zeit zu wenig geschrieben... Na ja, wird schon wieder Icon_smile Wie auch immer, du hast natürlich recht, die beiden Sätze sind etwas verunglückt... Stimmt schon, Niamh ist ja wohl kein Roboter oder so... Icon_confused Was den Lord betrifft wird wohl noch einiges über seine Vergangeheit kommen, hab da so ein paar Szenen im Kopf... er ist schließlich auch eine zentrale Figur.
jaja wie ich diese spontanen Geschichten liebe Icon_panik

Ach ja wann gibts den was von dir? Muss wohl in der Lyrik kramen Icon_lol

Vielen dank für dein Kommi
bb, Lilia


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Beitrag #4 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Nochmal ich!

Übrigens: Du musst unbedingt klarmachen, dass es in dieser Welt auch moderne Erfindungen wie Flugzeuge, Autos und technische Geräte gibt! Sonst hört sich das mit dem sauren Regen etwas seltsam an!
Ach ja, "wie eine Beobachterin in der Ferne"...
In der Ferne? Sie steht in der Ferne und beobachtet? Oder meintest du, sie beobachtet die Ferne?
Am besten wärs wohl, du liest den Text noch mal durch. Es sind einige Fehler in Groß- und Kleinschreibung, oder die Buchstaben haben sich ein bisschen verheddert...
Um die Begeisterung von Allion über den Künstler zu verdeutlichen, könnte er anfangen, etwas über ihn zu erzählen. Er lebte so und so (ist er bereits gestorben?) und starb dann und dann...
So kommt seine Marotte noch stärker zur Geltung.

Grüße vom Schoki(st)opfer!


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Beitrag #5 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hallo Lilia,

herzlich Willkommen in der Fantasy-Rubrik. Icon_smile

Als erstes Fällt mir natürlich dein Titel ins Auge. Nun, wenn du dir unsere Fortsetzungsrubrik anschaust wirst du feststellen, dass es sich als übersichtlich erwiesen hat, einfach nur den Titel zu nennen und dahinter die Information um welches Kapitel es sich handelt. In deinem Fall hätte ich also „Nobody-Prolog“ oder „Nobody Kapitel 1“ genannt. Aber das bleibt natürlich dir überlassen und soll von mir nur ein kleiner Tipp zur Übersichtlichkeit sein. Icon_wink

Zitat: Die hölzernen Räder hinterließen tiefe Furchen im aufgeweichten Boden, Pferdehufen lösten sich mit schalem Schmatzen aus der

Pferdehufe

Zitat:Sie haben mein Haar geschnitten. Um es zu verkaufen, sicher doch.

Sind das ihre Gedanken? Dann würde ich die kursiv setzten, damit sie leichter als solche zu erkennen sind.

Zitat:Es zog, beißender Wind, sie war sicher, dass sie wieder krank werden würde.

Seit neuestem bin ich ja ein Fan von Ganz-Kurz-Sätzen. Deshalb würde ich hier Punkte statt Kommata setzen, das würde sich mMn besser lesen lassen.

Zitat: Ihr Haar war kurz, hellbraune Locken, die aber auf seltsame Weise verstümmelt wirkten, unsauber gekürzt.

Das find ich gut gemacht, wie du hier nur über die Haare deutlich macht, dass sie das Mädchen ist „in“ deren Gedanken wir am Anfang waren.

Zitat: es herrschte Schweigen, nicht unangenehm, sondern gegenseitig beruhend.

Die Formulierung erscheint mir seltsam, ich hätte geschrieben: „auf Gegenseitigkeit beruhend.“

Zitat: in als auf seltsame Art romantisch abgetan,

ihn

Zitat: wo doch meinst zumindest ein kleines Feuer brannte.

meist

Zitat: K a p i t e l 0 2
-Named-

Huch du hast hier ja auch schon Kapitel 2. Nun, hier im Forum ist es eigentlich üblich für jedes Kapitel einen eigenen Thread zu erstellen. Aber da das zweite Kapitel anscheinend sehr kurz ist und dein Beitrag nur knapp 5 Seiten lang ist, kannst du es ruhig so lassen. Nur als Tipp für die Zukunft: Wir empfehlen meistens eine Länge von ca. 4 Word Seiten, damit sich die Kommentaroren nicht von der Länge abschrecken lassen und das Kapitel auch am Stück lesen können. Icon_wink

Zitat: und gebot hinter ihr Tyler Einhalt.

Ich hätte die Worte etwas umsortiert: „und gebot Tyler hinter ihr Einhalt“ oder wenn ich mir noch unsicherer werde: „und gebot Tyler Einhalt“

So, ich hab zu Ende gelesen. Wie du an meinen relativ wenigen Anmerkungen sehen kannst, hab ich gar nicht soviel zu meckern gefunden, nur ein paar „kosmetische“ Dinge, bzw. Forumsübliche-Tipps. Ja, ich bin recht begeistert, von dem, was ich bis jetzt lesen konnte. Du schreibst sehr ruhig, sehr beschreibend, atmosphärisch, was ich auch gerne mache und deshalb sehr mochte. Ich kann mir die Stadt durch die Tyler geht, gut vorstellen und auch die Gefühle des kleinen Mädchens hast du uns so nahe gebracht. Sehr schön. Gefällt mir. Bisher wirken die Hauptbeteiligten alle nett auf mich, was gut ist und mich umso gespannter macht, ob das auch so bleibt.

Das einzige, was ich nicht richtig einsortieren kann, ist die Zeit. In welchem Jahrhundert befinden wir uns. Vielleicht liegt es an der Fantasy-Rubrik, dass ich nicht sofort angenommen habe, wir würden uns im Mittelalter befinden, aber dann kam mir sofort ein Bild des alten Londons in den Sinn, so mit Kutschen und Zylindertragenden Herrschaften und Frauen mit langen, weiten Röcken und so. Einen richtigen Hinweis darauf hast du nicht gegeben. Es ist weder eine Kutsche noch ein Auto vorbeigekommen. Aber dadruch, dass Lords und Sklaven gibt, bin ich relativ überzeugt davon, dass wir nicht im „jetzt“ sind. Aber gerade dieses „zeitlose“ macht auch den Charme der Geschichte aus.

Bevor ich in noch mehr Lobhudeleien verfalle, verabschiede ich mich wieder und schau mal, ob du schon die nächsten Kapitel eingestellt hast, denn auf die werde ich ab jetzt sehr gespannt warten. Ich bin sehr auf Niamhs Geschichte gespannt.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #6 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hallo LadydesBlauenMondes!

Zuerst einmal vielen Dank für deinen Kommentar! Da das meine erste Geschichte ist, die ich hier hineingestellt habe, bin ich für die Förmlichen Hinweise sehr dankbar! Icon_smile
So, jetzt habe ich auch noch was zu ergänzen:

Zitat:Sind das ihre Gedanken? Dann würde ich die kursiv setzten, damit sie leichter als solche zu erkennen sind.

Mmh also, das war mein Fehler... Ich hab meine Worddatei kopiert und nicht bemerkt, dass das kursiv- geschriebene dabei verloren gegangen ist... Mrgreen

Zitat:Huch du hast hier ja auch schon Kapitel 2. Nun, hier im Forum ist es eigentlich üblich für jedes Kapitel einen eigenen Thread zu erstellen. Aber da das zweite Kapitel anscheinend sehr kurz ist und dein Beitrag nur knapp 5 Seiten lang ist, kannst du es ruhig so lassen. Nur als Tipp für die Zukunft: Wir empfehlen meistens eine Länge von ca. 4 Word Seiten, damit sich die Kommentaroren nicht von der Länge abschrecken lassen und das Kapitel auch am Stück lesen können. Icon_wink

Stimmt natürlich Mrgreen! Ich sollte mich wohl besser daran gewöhnen... im Nachhinein fand ich auch, dass der Text sehr abschreckend wirkt...

Nun, ich bin erleichtert, dass sich die grammatikalischen Fehler noch in Grenzen halten (danke für deine Korrektur!). Leider ist es so, dass ich beim schreiben oft jede Grammatik fahren lasse und später mir die Fehler nicht mehr auffallen! Icon_irre
Was die Zeit betrifft, in der die Geschichte spielt... Nun, wie du gut erkannt hast, ist es eine Art "Parallelwelt" zu England. Ich wollte kein klassisches Fantasy, mit Elfen ect. da ich so etwas in der Art schon in einer anderen Geschichte benutzt habe... allerdings sollte ich wohl mal an der Ausfeilung der Welt arbeiten... Icon_confused

Nun, vielen vielen Dank für deinen sehr hilfreichen Kommentar!! Icon_smile
Liebe Grüße,
Lilia




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Beitrag #7 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hallo Lilia,

nun bekommst du auch meinen Kommentar, der schon etwas länger in Arbeit ist. Wahrscheinlich habe ich einen etwas anderen Fokus als die Lady und hoffe, dass meine Anmerkungen dich ein wenig weiter bringen können =)

Fangen wir mit den Titeln an.
Bitte nicht.
Es ist mein persönlicher Geschmack, aber ich kann es absolut nicht leiden, wenn eine deutsche Geschichte englische Titel trägt, die man auch problemlos mit deutschen Wörtern ersetzen könnte. Sicher, die Geschichte spielt in England, wodurch ich es noch irgendwie tolerieren könnte, aber an deiner Stelle würde ich mir sehr genau überlegen, ob du nicht lieber deutsche Titel nimmst, wenn du für diese keinen zwingenden Grund hast.
"Niemand", "Ketten" und "Benannt" sind ganz nebenher gesagt auch keine unbedingt starken Titel.

Nun, zum ersten Kapitel:
(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Regen fiel in dunklen Tropfen vom grauen Himmel herab. In der Ferne grollte das tiefe Donnern einer Turmuhr, Schlag um Schlag um Schlag. Die hölzernen Räder hinterließen tiefe Furchen im aufgeweichten Boden, Pferdehufen lösten sich mit schalem Schmatzen aus der schlammigen Erde, bespritzt und dreckig. Der Tross umfasste sieben Wagen, schmutziges, raues Holz, verbogene, vom Rost zerfressene Eisenstäbe. Die Rufe der Männer waren laut, verwehten mit dem Wind, ertranken im Regen. Sie hieben auf die Pferde ein, grobschlächtige Schatten vor den Wolken, trieben sie vorwärts, auf die Stadt zu.
Weiße Hände klammerten sich an die rostigen Gitter.
Zu viele Adjektive. Viel zu viele Adjektive.
Ich verstehe, dass du Atmosphäre schaffen willst, aber meiner Meinung nach bewirken zu viele Adjektive nur das Gegenteil. Anschaulichkeit und Detailreichtum ist immer gut, ebenso wie Adjektive eine sehr schöne Wirkung entfalten können, aber der Einstieg wirkt für mich auf diese Weise nicht atmosphärisch, sondern ein wenig übertrieben und sprachlich schwach. Sehr schade, weil dein Vokabular deutlich zeigt, dass du einiges an sprachlichem Potenzial hast - manchmal ist weniger aber mehr, für meinen Geschmack =)
Die kursiv markierte Stelle scheint auf den ersten Blick einigermaßen originell, ist für mich aber eindeutig zu viel des Guten, auch weil sie sich inhaltlich-akustisch doppelt. Was wäre zum Beispiel mit "erklang das Donnern einer Turmuhr" ? Das nimmt der Stelle absolut nichts - hier zeigt sich auch gut, wie viele Adjektive du weglassen kannst. Denn ein Donnern oder Grollen ist nur sehr selten hoch.... Icon_wink
Blau habe ich alles markiert, was meiner Meinung nach überflüssig/gedoppelt ist oder auch anders ausgedrückt werden könnte, ohne dass du an Atmosphäre verlierst. Wenn du ein wenig an deiner sprachlichen Variabilität arbeitest, kann dir ein sehr starker Einsteig gelingen.
Die "grobschlächtigen Schatten" haben mir übrigens als Bild sehr gut gefallen - Kompliment dafür =)

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Die Männer hofften nicht einmal mehr, sie noch loszuwerden. Sie haben mein Haar geschnitten. Um es zu verkaufen, sicher doch. Sie hatte aufgehört, sich zu erinnern.
Sehr unklare Bezüge des "Sie" - falls die kursiven Sätze innerer Monolog sind, wirken sie auf jeden Fall sehr deplatziert und lesen sich schlecht. Ich hatte als Leser enorme Probleme, weil ich am Anfang der Beschreibung von nur einem Mann ausgegangen bin, dann "Die Männer lese" und kurz darauf wieder "mein", dann wieder etwas von einer Frau "Sie hatte aufgehört" - alles äußerst konfus. Hier musst du eindeutig noch arbeiten.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: An was denn? An Schatten, Gitter?
Schöne Stelle. Da habe ich spontan an Rilkes Panther gedacht.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Sie hatte ihren Namen vergessen, ihre Herkunft, ihre Persönlichkeit.
Kam mir seltsam vor - eine Persönlichkeit ist eher nichts, das man im Kontext Erinnerung in eine Reihe mit Namen und Herkunft stellen kann, zumindest für mich nicht. Darüber bin ich auf jeden Fall beim Lesen gestolpert.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Regentropfen rannen an den krummen Gittern herab, kalte Perlen, die auf dem hölzernen Wagenbogen zersprangen. Es zog, beißender Wind, sie war sicher, dass sie wieder krank werden würde.
Wieder Adjektivansammlung, die ich als teils unnötig empfunden habe. Zudem habe ich das Gefühl, dass du eigentlich "Wagenboden" gemeint hast Icon_wink

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Lasst mich hier.
Wirkt auf mich schwach - selbst wenn ich es mir kursiv als innerer Monolog denke. Das kann man atmosphärischer hinkriegen, außerdem ist der Gedanke recht trivial - für den Leser ist es absolut logisch, dass sie sich nicht denkt "Hoffentlich nehmen die mich auch weiter mit" Icon_wink Nicht nach dem Vorspiel.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Im verlauf des Tages
Tippfehler. Verlauf groß.

Der Teil mit Tyler fängt vielversprechend an, ich als Leser habe aufgehorcht, als ich das Wort "Herr" las. Ist Tyler also sowas wie ein Sklave? Langsam wird es interessant und man beginnt, sich zu fragen, wo die Geschichte spielt und was die Hintergründe für die beiden ersten Szenen sind.
Nobodys Square beschreibst du sehr schön, gefällt mir, hier zeigt sich auch, dass du durchaus ohne übermäßige Adjektive Stimmung erzeugen kannst.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Sie verkaufen die Menschen wie billige Ware.
Zeitfehler, falls es kein innerer Monolog ist - dann würde ich den Gedanken aber noch weiter ausführen.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Sklavenhändler, die meist illegal Menschen von den Straßen aufließen
Falsch. Ich denke, du meinst "auflasen", die Vergangenheitsform von "(etwas/jemanden) auflesen".
Nebenher aber interessant, hier wird nun die Vermutung des Lesers bestätigt. Finde ich schön, dass du die Leser nicht zu lange hängen lässt und das so direkt sehr plastisch machst.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: ihre Anzahl war mit der der Wohnungslosen und Armen
Das musste er beim Preis herausschlagen.
Unschöne Formulierungen.

Die Beschreibung in Wagen 5 gefällt mir wiederum, sicherlich lässt sich formulierungstechnisch noch ein wenig feilen - wieder musste ich an den Panther denken... Außerdem wird hier auch die Eingangsszene klarer, schön =)

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: eines Spitzen besetzen Rockes
"eines spitzenbesetzten Rockes" oder "eines mit Spitzen besetzten Rockes" - bitte auch mehr auf Tippfehler achten.
Deine Zeichensetzung bei wörtlicher Rede ist falsch, der Punkt fällt weg, zB bei: „Des isse.“, kommentierte der plumpe Händler wortkarg. -> „Des isse“, kommentierte der plumpe Händler wortkarg.
Zudem solltest du der Übersichtlichkeit halber Absätze machen, wenn eine neue Person anfängt zu reden.
Deine Einarbeitung von Umgangssprache finde ich allerdings schön, passt einfach in den Moment. Aber auch hier bei Auslassungen mit Apostroph arbeiten (zb 'n Freundschaftspreis) ^^

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Aber es schien, als wollte der Herr sie persönlich in empfang nehmen.
"in Empfang".

Zu der Szene im Wirtshaus:
Aus welchem Grund hat sie bitte nur einen SALAT?! Wirkt extrem seltsam, da sie ja als halb verhungert beschrieben wird, und es im Text genannt wird, als sei das eine vollkommen normale Speise, wenn eine Sklavin endlich was in den Magen bekommen soll.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Sie nickte eifrig.
Kompletter Stilbruch. Wirkt unecht und zerstört das Bild der sklavin, das du so ausgiebig aufgebaut hast. Eifrig zu nicken passt für mich einfach nicht in das sonstige Bild.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Skelett ähnlicher Schatten.
"einem Skelett ähnlicher Schatten" oder "skelettähnlicher Schatten" (zweite Version sehr unschön).

Beschreibung des Herrenhauses: Sehr schön! Mehr auf diesem Niveau bitte =)

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Auf mehrmaliges klopfen
Klopfen groß. Sowas muss nicht sein.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Auf den Bilderrahmen hafteten Spuren des Staubs, und nur etwa ein drittel der beeindruckenden Lampen brannte.
Wofür dann die ganzen Bediensteten? Icon_wink und "ein Drittel".

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: und die Luft zugig.
Die Luft ist wohl kaum zugig. Formulierung passt nicht.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: „Lord Allion of Campbell! Die Fremde ist eingetroffen.“
Wirkt seltsam, ein Diener spricht seinen Herrn wohl kaum so an, zumindest scheint es für mich nicht respektvoll genug.

So, dann kommen wir mal zum zweiten Kapitel (auch ich hätte es begrüßt, wenn du dafür ein anderes Thema eröffnet hattest, so ist es eine viel zu große Menge an Text zum Kommentieren).

Nunja, beim Intro... ich sag jetzt nicht nochmal was zu Adjektiven. Hier aber noch erträglich.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Sein Haar war schwarz wie die Nacht, kurz geschnitten und stand ein wenig unordentlich, wie sie bemerkte, von seinem Kopf ab.
Stoppt den Lesefluss, außerdem unnötig.

Ansonsten ein recht sympathischer Lord, damit kann ich für den ersten Eindruck leben. Die Wollsocken fand ich gut *g*

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: Nachdem sie ihre warme, nach Kräutern duftende Tasse Tee in der Hand hielt,
o.o x.x
Tee bei Briten ist selten kalt und duftet fast immer nach Kräutern. Wenn du betonen willst, dass ihr kalt war, könntest du zB "ihre wohltuend warme Tasse Tee" schreiben, oder noch etwas ausführlicher und für mich schöner "Auf ihrer kalten Haut konnte sie die Wärme der Flüssigkeit wie ein Brennen spüren" (oder ähnliches). So wirkt das einfach nur unnötig.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: ein Spektrum an Farben, dass sich
"das", nicht "dass", da es hier ein Realtivpronomen ist, sich also auf Spektrum bezieht.

(18-08-2011, 22:54)Lilia schrieb: mit Ausnahme vielleicht der Lord.
Sehr unschöne Formulierung und grammatikalisch falsch. Ich würde "vielleicht mit Ausnahme des Lords" vorschlagen.

Nun, zum Inhalt des Kapitels: Für ein ganzes Kapitel ist das ein bisschen wenig, es ist eher eine einzelne Szene und gehört für mich zum ersten Kapitel. Allerdings gefällt mir der Lord als Person, ich finde es auch recht interessant, dass man seine Beweggründe noch nicht wirklich erahnen kann. Will er den Sklaven etwas Gutes oder ist er ein Feind? Tut er nur so nett? Und die Namensgebung für die kleine Sklavin hat mir gut gefallen, Daumen hoch dafür =)

Insgesamt:
Eine schöne Idee, schöne Atmosphäre und ich würde mich wirklich freuen, wenn du weitere Teile einstellst, um die Welt und die Hintergründe weiter kennenzulernen und zu schauen, was du aus dieser Basis machst. Handwerklich hast du noch einige Schwächen, das wird man in meinen Anmerkungen gesehen haben - allerdings ist der erste Versuch auch eigentlich nie perfekt. Wenn du dich konsequent ans Überarbeiten begibst und dir angewöhnst, deine Texte auf häufige Fehler zu kontrollieren, dürftest du sehr schnell auf einem sehr hohen Niveau sein. Denn eine schöne szenische Aufteilung und Bildhaftigkeit beherrscht du schon, das ist wirklich viel.

Ich bin gespannt darauf, mehr von dir zu lesen,

Grüße,
Jade

Geschreibselerinnerungshilfe
--- öffne die tür dem nein // sollen die vögel doch fliegen ---
--- Le Clézio ---


When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy.’ They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.
- John Lennon -

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Beitrag #8 |

RE: Anfang Geschichte "Nobody"
Hallo Jade!

Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar! Er hat mir viele neue Anregungen gebracht und ich hoffe, dass ich einiges das nächste Mal besser machen kann... Icon_lol
Nun, einmal muss ich mich für meine ständigen Rechtschreibfehler entschuldigen! Smiley_emoticons_blush Ich hab's leider nicht so mit Grammatik, ich meine, es gibt selten jemanden, der so blöd ist lauter kleingeschriebene Wörter groß zu schreiben, wie es mir andauernd passiert Icon_wink. Na ja, ich hoffe das bessert sich noch... irgendwann... Icon_lol

Alsoo... mal zu der Adjektiv- Ansammlung... Nett, dass du so ehrlich warst! Okay, irgendwie weiß ich nie so wirklich, wann es zuviel ist... Icon_confused Wenn ich schreibe, dann beschreibe ich die Bilder in meinem Kopf, und da ich sie dem Leser verdeutlichen will, mit ihren kleinen Details, wird's schnell mal zu viel des Guten... daran muss ich echt noch arbeiten! Write

Was die Titel betrifft... jaa ich hab da so meine Probleme... normalerweise gebe ich den Geschichten erst Titel, wenn sie abgeschlossen sind, und deshalb ist "Nobody" leider auch nicht wirklich mein Lieblingstitel... Das mit den englischen Überschriften ist wohl Geschmackssache... ich persönlich habe es bis jetzt noch nicht als störend empfunden, aber gut, kann natürlich schon sein, dass das komisch rüberkommt...
Im Allgemeinen habe ich wohl ernsthafte Probleme mit Titelgebung... Icon_confused wenn ich mal so an mein anderes Geschreibsel denke... jaaa irgendwie fast überall schwache Titel... Icon_panik Icon_lol

Soo, jetzt noch ein paar direkte Anmerkungen:

Zitat:Wofür dann die ganzen Bediensteten? Icon_wink und "ein Drittel".

Im Endeffekt sind es gar nicht so viele Bedienstete für ein so großes Haus... und wenn man mal bedenkt wie lange es braucht alles zu putzen... Außerdem hängt es auch ein bisschen mit dem Lord zusammen, der seine Untergebenen nicht sooo wirklich im Blick behält... im Grunde ist ihm das Haus ja auch egal. Icon_smile

Zitat:Zu der Szene im Wirtshaus:
Aus welchem Grund hat sie bitte nur einen SALAT?! Wirkt extrem seltsam, da sie ja als halb verhungert beschrieben wird, und es im Text genannt wird, als sei das eine vollkommen normale Speise, wenn eine Sklavin endlich was in den Magen bekommen soll.

Smiley_emoticons_blush Tatsächlich... das ist mir gar nicht aufgefallen... wie kam ich bloß noch mal auf Salat??! Peinlich peinlich... Icon_lol

Zitat:Schöne Stelle. Da habe ich spontan an Rilkes Panther gedacht.

Uiuiui an den erinnere ich mich noch entfernt.... da sage ich nur letztes Schuljahr Icon_lol


Nun denn, vielen Dank nochmals!! Das mit der Fortsetzung zieht sich hin, weil ich gerade auf einen neuen Laptop umgestiegen bin und an meine alten Dateien gerade nicht rankomme....
Na, wie auch immer, dein Kommentar hat mich sehr gefreut! Ich werde versuchen an meinen Schwachpunkten zu arbeiten! Jepp! Write

Liebe Grüße,
Lilia

PS: Tut mir leid, falls sich selbst im Kommentar Schreibfehler finden... mannomannomann!


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