Es ist: 18-09-2019, 15:28
Es ist: 18-09-2019, 15:28 Hallo, Gast! (Registrieren)


Feierabend
Beitrag #1 |

Feierabend
Hier also meine erste zum Kommentieren eingestellte Geschichte.
Ich freue mich über eure Kritik.

Gabriel stand auf der Brücke und musterte den jungen Mann, der sich mit weiß hervorstehenden Fingerknöcheln an das feucht schimmernde Brückengeländer klammerte, schätzte ihn ab. Das konnte dauern. Verdammt, in einer halben Stunde hätte er Feierabend, Wochenende. Wieso beschlossen Lebensmüde immer während seiner Schicht zur Tat zu schreiten? Der Engel strich die Federn seiner Flügel glatt und prüfte die Umgebung. Es war ihm wirklich ernst. Eine stille, abgelegene Brücke. Gabriel riskierte einen Blick über das halbhohe Eisengeflecht. Eine sehr hohe stille, abgelegene Brücke. Unwahrscheinlich, dass ein Passant vorbeikommen und den Jungen von seinem Vorhaben abbringen, sich um ihn kümmern, oder das Ganze beschleunigen würde.

Gabriel seufzte, räusperte sich und spreizte die goldgesprenkelten Flügel. Natürlich hatte er dieses Federzeugs nicht nötig, aber manchmal erschreckte es die Leute und sie fielen unbeabsichtigt vom Mauervorsprung oder aus dem Fenster. Dieser hier richtete zwei blicklose Augen auf Gabriel und wand seine Finger noch untrennbarer um das glatte Eisen.

Raschelnd verabschiedete sich Gabriel von seinen Flügeln, erlaubte es ihnen, sich aufzulösen. Er trat näher an seinen Schützling heran und roch den Tod.

„Es gibt immer einen Ausweg“ Unter Gabriels leiser und dennoch dröhnender Stimme erzitterten die feuchten Blätter der nahe stehenden Bäume und eine einsame Windbö trieb einen Schauer kalter Tropfen zu dem ungleichen Paar auf der Brücke. Ein besonders dicker blieb als ungeweinte Träne auf der matten Wange des jungen Mannes kleben. Gabriel hasste solch anrührende Bilder, streckte ohne nachzudenken die Hand aus, um sie abzuwischen. Die leeren Augen weiteten sich. Eine raue Stimme holperte über die spröden Lippen: „Hattest du nicht eben noch Flügel?“

Gabriel zog die Hand unverrichteter Dinge zurück und nickte unter einem Seufzer. Beim nächsten Blinzeln verharrten die Lider des Jungen einen Moment zu lange über den Augen. Wie es schien, dachte er nach. Gabriel spähte links und rechts die Straße entlang. Keine Chance, es würde niemand auftauchen, um seine Schicht zu beenden. Die Lider hoben sich, senkten sich mit Nachdruck und hoben sich noch einmal.

„Bist du ein Engel?“ Rostig wie mit der Stimme eines viel älteren Mannes rasselten die Worte durch die kalte Nacht.

Noch einmal nickte der Engel. Sein Schützling quittierte es mit einem scheppernden Lachen. „Ein Engel! Hat Gott dich geschickt?“

Gabriel breitete seine großen, milchig schimmernden Hände aus, hob die Schultern und sprach: „Ich hatte Bereitschaftsdienst.“

Für einen Sekundenbruchteil hob sich der Schleier über der Iris des Jungen. „Was?“

„Bereitschaftsdienst“, Gabriel wusste, dass man seiner Stimme die Frustration anhören konnte. Egal. Er setzte noch eines drauf: „Kurz vor Feierabend“

„Feierabend?“, kiekste der Junge nun, als wohnten Großvater und Enkel in seiner Brust, die abwechselnd die Stimmbänder eroberten.

Für einen Augenblick war Gabriel nur mit sich selbst beschäftigt. „Ja, Feierabend! Eigentlich sogar Wochenende!“, murrte er und kratzte sich den Kopf unter den dichten, schwarzen Locken.

„Scheiße“ Die Stimme des Jungen hatte endlich die richtige Tonlage gefunden. „Verdammte Scheiße! Wenn es Alex schlecht geht, braucht Gott sich nicht drum zu kümmern. War so klar. Ist ja nur Alex. Da reicht irgendein dahergelaufender Engel.“ Er krallte seine Finger noch fester um die Eisenstange, rüttelte daran und stieß ein hysterisches Lachen aus.

Gabriel legte seine Hand auf das klirrende Geländer, um den Lärm zu dämpfen. „Es ist nicht so, als ob ich irgendein Engel wäre.“ Er streckte sich, überragte den Jungen für einen Moment um mindestens einen Meter. „Ich bin Gabriel.“ Die Worte brausten über die Brücke und die Bäume duckten sich unter ihrem mächtigen Schall.

Doch Alex richtete sich auf. „Ja und? Ich bin Alex. Und das ist auch jedem scheißegal.“

Der Engel beugte sich vor, bis er die einzelnen Wimpern um Alex Augen unterscheiden konnte. „Na dann spring doch!“

Alex zuckte zurück, die Hände vom Geländer gelöst, und starrte Gabriel mit entgeisterter Miene an. „Was?“

„Du hast mich sehr wohl verstanden.“

Mit vorsichtigen Trippelschritten entfernte sich Alex vom Rand der Brücke. Unsicherheit waberte über sein Gesicht. „Du bist mein Schutzengel, du musst mich daran hindern zu springen.“ Ohne Vorwarnung kreischte er: „Du sollst mir nicht auch noch einen Schubs geben.“ Dann hellte sich seine Miene auf. „Das machst du absichtlich. Du willst mich dazu bringen, das Gegenteil von dem zu machen, was du mir rätst.“

Der Engel betrachtete das Kaleidoskop der Gefühle auf dem blassen Gesicht. Er schnaubte. „Und? Funktioniert es?“

Wieder schloss Alex die Augen. Allem Anschein nach konnte der Junge nicht gleichzeitig sehen und denken.

„Weiß nicht.“

Gabriel winkte ab. „Egal, stimmt sowieso nicht.“

„Nicht?“

„Nein!“

„Aber …“

Nun schloss Gabriel die Augen. „Es ist keineswegs meine Aufgabe, dich vor dem Tod zu schützen. Ich soll dich nur geleiten, dir helfen, den Weg zu finden.“

Sein Blick wanderte auf der Suche nach Erkenntnis über den Jungen. „Glaubt ihr Menschen allen Ernstes, wir Engel wollten euch daran hindern, in das Reich Gottes einzutreten? Wieso fürchtet ihr euch vor eurem Sein in der Unendlichkeit?“

Sie starrten sich gegenseitig in die Augen, bis Gabriel das Duell unterbrach. „Ich für meinen Teil, würde es gerne hinter mich bringen. Ich kann hier erst weg, wenn ich dich sicher geführt habe oder das Tor zum Übergang wieder geschlossen ist.“

„Welches Tor?“ In seinem Unverständnis versuchte Alex sich an Kleinigkeiten zu klammern.

Nur, dass Gabriel nicht gern über Kleinigkeiten plauderte. „Das Tor zum Übergang, du weißt schon, weißes Licht, das dich ruft. Himmelspforte, blablabla. Springst du jetzt?“

Der Junge wich noch weiter zurück und stieß mit dem Rücken an das gegenüberliegende Geländer. Es war keine sehr breite Brücke. „Vielleicht ist das Tor schon zu“, klammerte er sich an ein Stück Hoffnung, dessen Daseinsberechtigung Gabriel nicht erkennen konnte.

„Nein“, beschied er seinem Schützling.

„Wieso nicht?“ Wieder umklammerte Alex das Brückengeländer, aber dieses Mal hielt er sich mit durchgestreckten Armen davon fern.

„Ich rieche immer noch den Tod an dir.“

Alex blasses Gesicht verlor noch mehr an Farbe, wirkte durchsichtig. Der dunkle Fleck seiner Pupillen löschte beinahe das helle Blau und hob sich scharf umrissen vom mit Blut getränkten Weiß der Augäpfel ab.

Gabriel forschte im Gesicht des Jungen. Es war in der Tat seltsam. Hetzte man einen Lebensmüden, gab es gewöhnlich zwei Möglichkeiten. Der kleinere Teil sprang, schoss, schnitt sofort. Klappe zu – Affe tot – Feierabend. Die meisten am Abgrund Stehenden traten jedoch einen Schritt zurück, fühlten sich zu etwas gedrängt, was sie nicht wollten, und machten, wie Alex vermutet hatte, das genaue Gegenteil. Das Tor zum Übergang schloss sich. Klappe zu – Affe lebt – Feierabend. Eine besondere Vorliebe für eine der beiden Lösungen hegte Gabriel nicht. Feierabend blieb Feierabend. Aber Alex roch unzweideutig nach Tod.

„Wieso willst du springen?“

Alex Finger entließen einer nach dem anderen die Eisenschiene aus ihrem Griff, ballten sich vor seinem Körper zu Fäusten. Sein Kopf ruckte von rechts nach links, als er sie betrachtete, wandte sich wieder nach rechts und zurück. Immer schneller wurde die Bewegung, wuchs zu einem Kopfschütteln.

Er sah zu Gabriel auf: „Ich will nicht springen.“

Nicht einmal Gabriel konnte sich dem Flehen in den Worten völlig entziehen. Er legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter, wie er es sonst nur machte, während er Sterbenden den Weg wies. Die volltönende Engelsstimme hielt sich rücksichtsvoll zurück. „Wieso wolltest du alles hinschmeißen?“

Wieder trieb ein Schauer von den Bäumen fallender Tropfen auf sie zu. Mit einem sachten Trommelwirbel klatschten die im roten Abendlicht glühenden Wasserkugeln auf die feuchten Holzbohlen.

Diesmal waren die Tränen auf Alex´ Wangen jedoch echt. „Sie liebt mich nicht. Sie hat Schluss gemacht.“ Die Worte sprudelten in kleinen Grüppchen über seine Lippen.

Mit einer müden Bewegung schob er Gabriels Hand von seiner Schulter. „Niemand macht sich etwas aus mir. Ich bin einfach nur überflüssig.“ Plötzlich kam Leben in ihn, er riss ein kleines, schwarz glänzendes Kästchen aus seiner Hosentasche und schwenkte es unter Gabriels Nase. „Völlig überflüssig, siehst du? Ein Looser wie ich braucht kein Handy. Mich ruft sowieso keiner an.“

Mit einer zärtlichen Geste legte er das Mobiltelefon an seine Wange, wiegte es dort wie ein neugeborenes Baby, dann drehte er sich um und warf es in hohem Bogen über die Brüstung. „Scheiß drauf“

Gabriel rümpfte die Nase, der Geruch nach Tod wurde übermäßig. Er streckte die Hand aus und für einen Wimpernschlag lang verharrte das fallende Telefon reglos in der Luft. Der Engel schüttelte den Kopf und das Telefon fiel weiter.

Stille herrschte auf der Brücke, kein Vogel zwitscherte, kein Blatt raschelte. Dann durchschnitten die Klänge von „Rock´n Roll Train“ das Schweigen. Alex zog scharf die Luft ein, drehte sich dem Geländer zu und streckte die Hand aus. Das Telefon fiel. Der Junge stieß sich mit dem Fuß ab. Auf den feuchten Holzbohlen fand die Sohle seiner Turnschuhe keinen Halt. Er versuchte, sich auch mit dem anderen Fuß abzustoßen, streckte die Hand dem laut klingenden Mobiltelefon entgegen. Mit der anderen krallte er sich in den rutschigen, eisernen Handlauf, machte einen kleinen Hopser um die zwei Zentimeter zu überwinden, die ihm von seinem Glück trennten. Gabriel lächelte.

Alex erreichte das Telefon und lächelte ebenfalls für einen Moment. Dann verloren seine Beine den Halt, der Handlauf drückte gegen seinen Bauch. Er rutschte weiter nach unten, fasste mit der rechten Hand nach, doch das herbstnasse Eisen bot ihm keine Hilfe. Im Abgleiten drehte er sich zur Seite, richtete seine panischen Augen auf Gabriel. Der nickte ihm freundlich zu.

“Ich warte unten auf dich.“

Alex fiel,
fiel,
so tief,
streifte die erste Äste der Bäume,
der Büsche,
der Stauden.
Landete.
Weich.

Sein erster Blick erfasste Gabriel.

„War doch nur halb so schlimm.“

Der zweite streifte die Gestalt, die zu seinen Füßen mit verdrehten Gliedern zwischen dem Heidegras lag, prüfte einen Augenblick das blasse, erschrockene Gesicht und blieb dann an den silbern schimmernden Buchstaben auf dem Display des Handys hängen:

Verzeih mir! Ich liebe dich. Julia.

Ein schüchternes Lachen kroch über seine Lippen und entfaltete sich zu einem irren Gelächter.

Noch einmal legte Gabriel ihm die Hand auf die Schulter. „Ich zeige dir den Weg.“ Mit Nachdruck schob er Alex in die richtige Richtung. „Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch bis Feierabend.“

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Beitrag #2 |

RE: Feierabend
Hallo Titania,

Ich habe mich mal an die Arbeit gemacht, deinen Text auseinander zu nehmen.


Zitat:Gabriel stand auf der Brücke und musterte den jungen Mann, der sich mit weiß hervorstehenden Fingerknöcheln an das feucht schimmernde Brückengeländer klammerte, schätzte ihn ab.
Du brauchst hier noch gar nicht erwähnen, dass er auf einer Brücke steht. Das ist erstens viel zu offensichtlich und zweitens erwähnst du es später ja. Außerdem mustert Gabriel ihn ja bereits, dann muss er ihn nicht noch gleichzeitig abschätzen Icon_wink Also reicht:
Gabriel musterte den jungen Mann, der sich mit weiß hervorstehenden Fingerknöcheln an das feucht schimmernde Brückengeländer klammerte.

Zitat:Verdammt, in einer halben Stunde hätte er Feierabend, Wochenende.
Mach drei Sätze draus, das unterstreicht das Wort Wochenende und seinen Unmut noch einmal.
Verdammt. In einer halben Stunde hätte er Feierabend. Wochenende.

Zitat:Es war ihm wirklich ernst.
Wem? Gabriel? Du schwenkst von den Beobachtungen des Engels zurück zu dem jungen Mann, aber der Leser bekommt diesen Wechsel nicht mit. Vorschlag:
Es schien ihm wirklich ernst zu sein.

Zitat:Eine sehr hohe stille, abgelegene Brücke.
Da du auf jeden Fall betonen möchtest, dass diese Brücke hoch ist, mach das doch auch. Vielleicht mit kursiv oder fett. Und mit Komma Icon_wink
Eine sehr hohe, stille, abgelegene Brücke.

Zitat:Gabriel seufzte, räusperte sich und spreizte die goldgesprenkelten Flügel. Natürlich hatte er dieses Federzeugs nicht nötig, aber manchmal erschreckte es die Leute und sie fielen unbeabsichtigt vom Mauervorsprung oder aus dem Fenster. Dieser hier richtete zwei blicklose Augen auf Gabriel und wand seine Finger noch untrennbarer um das glatte Eisen.
Klasse zweiter Satz *lach*. Ich mag Gabriel Icon_wink
Beim letzten Satz würde ich statt „wand“ lieber „klammerte“ benutzen.

Zitat:„Es gibt immer einen Ausweg“ Unter Gabriels leiser und dennoch dröhnender Stimme erzitterten die feuchten Blätter der nahe stehenden Bäume und eine einsame Windbö trieb einen Schauer kalter Tropfen zu dem ungleichen Paar auf der Brücke.
Du magst lange Sätze, nicht wahr? Manchmal ist es jedoch sinnvoll, sie auf zu teilen, damit man nicht am Ende nur noch die Wörter entlang kriecht, dem Verdursten nahe (super Umschreibung ^^).
Hmmm, leise und dröhnend passt nicht genau. Ich weiß, was du sagen willst. Vielleicht „ruhiger“?
Außerdem fehlt nach der wörtlichen Rede ein Satzzeichen:
„Es gibt immer einen Ausweg.“ Unter Gabriels ruhiger und dennoch dröhnender Stimme erzitterten die feuchten Blätter der nahe stehenden Bäume. Eine einsame Windbö trieb einen Schauer kalter Tropfen zu dem ungleichen Paar auf die Brücke.


Zitat:Ein besonders dicker blieb als ungeweinte Träne auf der matten Wange des jungen Mannes kleben.

„Dick“ erscheint mir hier auch ein eher schwaches Wort. Vielleicht lieber „großer“.

Zitat:Gabriel hasste solch anrührende Bilder, streckte ohne nachzudenken die Hand aus, um sie abzuwischen.
… die Hand aus um sie... (ohne Komma)

Zitat:Die leeren Augen weiteten sich.
Hmmm, leer bedeutet für mich, dass seine Augenhöhlen leer sind und er keine Augäpfel mehr hat Icon_wink Vielleicht lieber „ausdruckslos“, „dumpf scheinenden“?

Zitat:Beim nächsten Blinzeln verharrten die Lider des Jungen einen Moment zu lange über den Augen.
Finde ich viel zu umständlich um zu schreiben, dass er die Augen länger geschlossen hält. Ich bin auch mehrmals darüber gestolpert. Man muss nicht immer alles umschreiben Icon_wink

Zitat:„Ich hatte Bereitschaftsdienst.“
Super klasse :D

Zitat:„Bereitschaftsdienst“, Gabriel wusste, dass man seiner Stimme die Frustration anhören konnte. Egal. Er setzte noch eines drauf: „Kurz vor Feierabend“

Hmmm, generell stimmt deine Zeichensetzung so, allerdings finde ich eher, dass die wörtliche Rede und der Satz danach zwei getrennte Sätze sind. Also lieber mit Punkt trennen. Hinter Feierabend auch ein Punkt.
Und es heißt, so weit ich weiß: „noch einen drauf setzen“
„Bereitschaftsdienst.“ Gabriel wusste, dass man seiner Stimme die Frustration anhören konnte. Egal. Er setzte noch einen drauf: „Kurz vor Feierabend.

Zitat:Für einen Augenblick war Gabriel nur mit sich selbst beschäftigt. „Ja, Feierabend! Eigentlich sogar Wochenende!“, murrte er und kratzte sich den Kopf unter den dichten, schwarzen Locken.
Auch wieder eine schöne Passage, der arme, arme Gabriel. Er hat eigentlich frei und dann will so ein komischer Kerl sich umbringen. Böse ^^

Zitat:„Scheiße“ Die Stimme des Jungen hatte endlich die richtige Tonlage gefunden.
Welche? Die des Greises oder die des Enkels? Oder gibt es noch eine ganz normale? Icon_wink
Wieder Satzzeichen:
„Scheiße.“ …

Zitat:Gabriel legte seine Hand auf das klirrende Geländer, um den Lärm zu dämpfen.
… Geländer um den Lärm...

Zitat:„Ich bin Gabriel.“ Die Worte brausten über die Brücke und die Bäume duckten sich unter ihrem mächtigen Schall.

Doch Alex richtete sich auf. „Ja und? Ich bin Alex. Und das ist auch jedem scheißegal.“
Wieder eine Szene, bei der ich lachen musste.
Super :D :D

Zitat:„Na dann spring doch!“
… Na, dann spring doch!“ (Komma)
Übrigens sehr freundlich für einen Schutzengel :D

Zitat:Allem Anschein nach konnte der Junge nicht gleichzeitig sehen und denken.
Fies, aber gut ^^

Zitat:„Ich für meinen Teil, würde es gerne hinter mich bringen.
…. für meinen Teil würde es... (ohne Komma)

Zitat:Es war keine sehr breite Brücke.
Den Satz würde ich einfach weglassen, den brauchst du nicht. Man erkennt schon, dass die Brücke nicht so breit sein kann, wenn er dagegen stößt.

Zitat:„Nein“, beschied er seinem Schützling.

Hmmm, das Wort „bescheiden“ passt hier irgendwie nicht. Es gibt doch genügend andere Wörter für erklären. Feststellen, bemerken, anmerken, …

Zitat:Klappe zu – Affe tot – Feierabend.
...
Klappe zu – Affe lebt – Feierabend.

Sehr schön :D

Zitat:Diesmal waren die Tränen auf Alex´ Wangen jedoch echt.

Schöne Anspielung auf vorher.

Zitat:Plötzlich kam Leben in ihn, er riss ein kleines, schwarz glänzendes Kästchen aus seiner Hosentasche und schwenkte es unter Gabriels Nase.
Hmmm... mein erster Gedanke war, dass er ein Kästchen mit einem Ring hat, weil er seiner Freundin einen Heiratsantrag machen wollte. Vielleicht ist Kästchen nicht das richtige Wort. Benutze lieber Gegenstand, Ding, …

Zitat:„Scheiß drauf“
Satzzeichen fehlt.
„Scheiß drauf!“

Zitat:Er streckte die Hand aus und für einen Wimpernschlag lang verharrte das fallende Telefon reglos in der Luft. Der Engel schüttelte den Kopf und das Telefon fiel weiter.
Warum macht er das? Ich sehe keinen Sinn darinnen. Entweder du lässt das weg oder sagst noch, warum er das macht.

Zitat:Alex zog scharf die Luft ein, drehte sich dem Geländer zu und streckte die Hand aus. Das Telefon fiel. Der Junge stieß sich mit dem Fuß ab. Auf den feuchten Holzbohlen fand die Sohle seiner Turnschuhe keinen Halt. Er versuchte, sich auch mit dem anderen Fuß abzustoßen, streckte die Hand dem laut klingenden Mobiltelefon entgegen. Mit der anderen krallte er sich in den rutschigen, eisernen Handlauf, machte einen kleinen Hopser um die zwei Zentimeter zu überwinden, die ihm von seinem Glück trennten.
Hier war ich ziemlich verwirrt. Wie lange fällt denn bitte das Handy? Und wie weit hat Alex es ist in die Luft geworfen, als dass er noch dran kommt? So wie ich es verstehe, fängt er es, und stürzt dann über das Geländer, weil er sich zu weit vorgelegt hat. Das kann man allerdings einfacher und verständlicher ausdrücken.

So...
zum Inhalt:
Ich finde die Idee richtig interessant. Ein Schutzengel, der seinen Schützling nicht vom Springen abhalten will, ist mir noch nicht untergekommen.
Vor allem nicht so ein zynischer und Sarkastischer Engel Icon_wink
Ich würde noch ein wenig an dem letzten Abschnitt arbeiten, denn die „Sterbeszene“ ist noch nicht perfekt, eher verwirrend.

Ich musste mehrmals lachen bei der Geschichte, den trockenen Humor hatte Gabriel scheinbar gepachtet Icon_smile

Ich hoffe, ich konnte die ein wenig weiterhelfen.

LG Semi


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Beitrag #3 |

RE: Feierabend
Icon_jump Ein Kommentar!

Da muss ich mich gleich drüber hermachen. Aber zuerst einmal danke für deine Mühe, Semi.

Ich bekenne mich schuldig in allen Anklagepunkten, die ich hier nicht erwähne, und werde mich auch ans Überarbeiten machen. Zu einigen "Vorwürfen" Icon_wink möchte ich meine Gedanken kundtun.

Zitat:Zitat:Eine sehr hohe stille, abgelegene Brücke.
Da du auf jeden Fall betonen möchtest, dass diese Brücke hoch ist, mach das doch auch. Vielleicht mit kursiv oder fett. Und mit Komma
Eine sehr hohe, stille, abgelegene Brücke.

Ich möchte im Text nicht kursiv oder fett schreiben, sondern dem Leser zumuten mitzudenken. Icon_ugly Das erste Komma habe ich eben aus dem Grund weggelassen, weil Kommas nur zwischen gleichwertigen Adjektiven gesetzt werden.

Zitat:Zitat:Gabriel seufzte, räusperte sich und spreizte die goldgesprenkelten Flügel. Natürlich hatte er dieses Federzeugs nicht nötig, aber manchmal erschreckte es die Leute und sie fielen unbeabsichtigt vom Mauervorsprung oder aus dem Fenster. Dieser hier richtete zwei blicklose Augen auf Gabriel und wand seine Finger noch untrennbarer um das glatte Eisen.
Klasse zweiter Satz *lach*. Ich mag Gabriel
Beim letzten Satz würde ich statt „wand“ lieber „klammerte“ benutzen.

Das hatte ich auch so, aber Alex umklammert das Geländer schon ein paar Zeilen weiter oben. Vielleicht fällt mir ja noch was anderes ein.Icon_confused

Zitat:Manchmal ist es jedoch sinnvoll, sie auf zu teilen, damit man nicht am Ende nur noch die Wörter entlang kriecht, dem Verdursten nahe (super Umschreibung ^^).
Icon_lachtot
Da musste ich nun wieder lachen. Klasse!

Zitat:Zitat:Beim nächsten Blinzeln verharrten die Lider des Jungen einen Moment zu lange über den Augen.
Finde ich viel zu umständlich um zu schreiben, dass er die Augen länger geschlossen hält. Ich bin auch mehrmals darüber gestolpert. Man muss nicht immer alles umschreiben


Ich weiß, die Stelle habe ich lange betrachtet und dann doch so gelassen. Ich werde es ändern.

Zitat:Zitat:„Scheiße“ Die Stimme des Jungen hatte endlich die richtige Tonlage gefunden.
Welche? Die des Greises oder die des Enkels? Oder gibt es noch eine ganz normale?
Zitat:Ja, hatte ich so gedacht, kommt aber wohl nicht so rüber, wenn du drüber stolperst.Icon_confused Also ändern!

Ebenso das Ende. In meiner Vorstellung hat Alex das Handy nicht gefangen. Aber du hast recht, es dauert sehr lange. Also ran an die Tasten und überarbeiten.

Jetzt noch zu den Kommas: Ja, ich weiß. Im Korrigieren bin ich schwach und finde meistens auch beim sechsten Lesen noch einen Fehler. Wahrscheinlich husche ich zu schnell über die Buchstaben.Smiley_emoticons_blush

Aber was Infinitivgruppen betrifft ist mir hier im Forum schon ein paar Mal aufgefallen, dass nicht korrekt geschrieben bzw. kommentiert wird. Nach der neuen Rechtschreibung kann man Infinitivgruppen mit Komma abtrennen, muss aber nicht. Es gibt allerdings einige Fälle in denen muss ein Komma gesetzt werden, z. B. wenn die Gruppe mit um, als, statt, ohne, anstatt, außer beginnt.

Wenn man das nicht ganz beherrscht, ist man mehr oder weniger auf der sicheren Seite, wenn man bei Infinitivgruppen ein Komma setzt.

Auf jeden Fall habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass du ein paar Mal über meinen Schutzengel lachen konntest.

Liebe Grüße

TitantiaWave





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Beitrag #4 |

RE: Feierabend
Hallo Titania,

ich hoffe dir gefällts bei uns. Icon_smile

Zitat: kümmern, oder das Ganze beschleunigen würde.

Gabriel seufzte, räusperte sich und spreizte die goldgesprenkelten Flügel. Natürlich hatte er

Warum hast du hier eine Leerzeile drin? Bei solchen Leerzeilen denke ich immer, dass ein größerer Zeitsprung oder ein Ortswechsel oder so kommt. Auf den ersten Blick hat dein Text sowieso so viele Leerzeilen, die einfach den Lesefluss unterbrechen, du solltest darüber nachdenken, ein paar von denen rauszuschmeißen. Icon_wink

Zitat:Nun schloss Gabriel die Augen. „Es ist keineswegs meine Aufgabe, dich vor dem Tod zu schützen. Ich soll dich nur geleiten, dir helfen, den Weg zu finden.“

Ich finds toll, wie du Gabriel/den Engeln in der Geschichte ihr Beschützer-Klischee nimmst. Gerade auch mit seinen Gedanken an Feierabend/Wochenende machst du Gabriel so schön „menschlich“, du bringst ihn mir toll nahe und irgendwie wirkt es dadurch auch ein wenig lustig – besonders die interaktion zwischen Gabriel und Alex. Icon_smile

Der arme Alex. Irgendwie stimmt mich die Geschichte traurig. Da liebt ihn seine Julia doch, aber er ist schon tot. Tja und Gabriel hat trotzdem Feierabend. Irgendwie hätte deine Geschichte auch gut in die Rubrik „Nachdenkliches“ gepasst, denn sie wirft natürlich das Thema vom Sinn und Unsinn von Selbstmord auf.
Ich denke, da muss jeder selbst entscheiden, was er davon hält. Ich persönlich hätte ja viel zuviel Angst am Ende doch noch zu Überleben, auch noch mit bleibenden Schäden. Aber gut, Alex hat zumindest Gabriel an seiner Seite. Gabriel und deine etwas andere Vorstellung der "Engelsarbeit" machen für mich die Geschichte aus. Icon_smile

Das Ende find ich echt traurig, aber ansonsten hat mir die Geschichte gut gefallen. Auch die Umsetzung, es lässt sich gut und flüssig lesen, auch wenn du etwas lange Sätze, mit häufigen Nebensätzen verwendest. Aber dadurch wirkt es „rund“ so insgesamt. Das einzige, was mich an der Umsetzung stört sind die vielen unnötigen Leerzeilen, besonders der Dialog wirkt dadurch arg auseinandergerissen.

Ich würd mich freuen noch mehr von dir im Forum zu lesen.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #5 |

RE: Feierabend
Hallo Titania,

nun wage ich mich hier heran, wie bereits in andern Kommentaren geschrieben bin ich krank, aber ich hoffe das ich dennoch auf meine Art und Weise, seis nur als unbeteiligte Leserin, etwas helfen kann mit der Geschichte.

Zu Allererst möchte ich noch sagen, das die Geschichte mich sehr berührt hat, auf die ein und andere Weise. Kompliment.


(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb:
Hier also meine erste zum Kommentieren eingestellte Geschichte.
Ich freue mich über eure Kritik.

Gabriel stand auf der Brücke und musterte den jungen Mann, der sich mit weiß hervorstehenden Fingerknöcheln an das feucht schimmernde Brückengeländer klammerte, schätzte ihn ab. Das konnte dauern. Verdammt, in einer halben Stunde hätte er Feierabend, Wochenende. Wieso beschlossen Lebensmüde immer während seiner Schicht zur Tat zu schreiten? Der Engel strich die Federn seiner Flügel glatt und prüfte die Umgebung. Es war ihm wirklich ernst. Eine stille, abgelegene Brücke. Gabriel riskierte einen Blick über das halbhohe Eisengeflecht. Eine sehr hohe stille, abgelegene Brücke. Unwahrscheinlich, dass ein Passant vorbeikommen und den Jungen von seinem Vorhaben abbringen, sich um ihn kümmern, oder das Ganze beschleunigen würde.

Gabriel seufzte, räusperte sich und spreizte die goldgesprenkelten Flügel. Natürlich hatte er dieses Federzeugs nicht nötig, aber manchmal erschreckte es die Leute und sie fielen unbeabsichtigt vom Mauervorsprung oder aus dem Fenster. Dieser hier richtete zwei blicklose Augen auf Gabriel und wand seine Finger noch untrennbarer um das glatte Eisen.

Obwohl das Thema eigentlich ein sehr ernstes ist, kam ich nicht umhin, hier ein wenig schmunzeln zu müssen, als Gabriel das Ende seines "Schützlings" auf die Art beschleunigen wollte, indem er seine Flügel zeigt und mit ihnen raschelt.


(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: Raschelnd verabschiedete sich Gabriel von seinen Flügeln, erlaubte es ihnen, sich aufzulösen. Er trat näher an seinen Schützling heran und roch den Tod.

„Es gibt immer einen Ausweg“ Unter Gabriels leiser und dennoch dröhnender Stimme erzitterten die feuchten Blätter der nahe stehenden Bäume und eine einsame Windbö trieb einen Schauer kalter Tropfen zu dem ungleichen Paar auf der Brücke. Ein besonders dicker blieb als ungeweinte Träne auf der matten Wange des jungen Mannes kleben. Gabriel hasste solch anrührende Bilder, streckte ohne nachzudenken die Hand aus, um sie abzuwischen. Die leeren Augen weiteten sich. Eine raue Stimme holperte über die spröden Lippen: „Hattest du nicht eben noch Flügel?“

Gabriel zog die Hand unverrichteter Dinge zurück und nickte unter einem Seufzer. Beim nächsten Blinzeln verharrten die Lider des Jungen einen Moment zu lange über den Augen. Wie es schien, dachte er nach. Gabriel spähte links und rechts die Straße entlang. Keine Chance, es würde niemand auftauchen, um seine Schicht zu beenden. Die Lider hoben sich, senkten sich mit Nachdruck und hoben sich noch einmal.

Einfach toll geschrieben. Die Art wie Gabriel sich seinen Feierabend herbeisehnt und doch nicht gehen kann, weil er nunmal zu tun hat, gefällt mir sehr gut, denn sie bringt den Engel irgendwie nahe. Auch das er trotz allem Sarkasmus dann doch meint, das es immer einen Ausweg gibt, was ihn dann ja doch als zumindest nicht herzlos dastehen lässt - aber vielleicht fühlt ein Engel ja auch gar nichts? In jedem Falle klasse.

(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: „Bist du ein Engel?“ Rostig wie mit der Stimme eines viel älteren Mannes rasselten die Worte durch die kalte Nacht.

Noch einmal nickte der Engel. Sein Schützling quittierte es mit einem scheppernden Lachen. „Ein Engel! Hat Gott dich geschickt?“

Gabriel breitete seine großen, milchig schimmernden Hände aus, hob die Schultern und sprach: „Ich hatte Bereitschaftsdienst.“

Für einen Sekundenbruchteil hob sich der Schleier über der Iris des Jungen. „Was?“

„Bereitschaftsdienst“, Gabriel wusste, dass man seiner Stimme die Frustration anhören konnte. Egal. Er setzte noch eines drauf: „Kurz vor Feierabend“

„Feierabend?“, kiekste der Junge nun, als wohnten Großvater und Enkel in seiner Brust, die abwechselnd die Stimmbänder eroberten.

So.. ein wenig unsicher bin ich mir über das genaue Alter des Jungen, aber ich nehme an, das er so um die 15-17 Jahre alt ist? Denn einen älteren Protagonisten würde ich persönlich wohl nicht mehr als Junge bezeichnen, sondern eher als jungen Mann. Die Sache mit dem Bereitschaftsdienst... einfach nur irre. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen, ich musste zugegeben wirklich schmunzeln.

(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: Für einen Augenblick war Gabriel nur mit sich selbst beschäftigt. „Ja, Feierabend! Eigentlich sogar Wochenende!“, murrte er und kratzte sich den Kopf unter den dichten, schwarzen Locken.

„Scheiße“ Die Stimme des Jungen hatte endlich die richtige Tonlage gefunden. „Verdammte Scheiße! Wenn es Alex schlecht geht, braucht Gott sich nicht drum zu kümmern. War so klar. Ist ja nur Alex. Da reicht irgendein dahergelaufender Engel.“ Er krallte seine Finger noch fester um die Eisenstange, rüttelte daran und stieß ein hysterisches Lachen aus.

Gabriel legte seine Hand auf das klirrende Geländer, um den Lärm zu dämpfen. „Es ist nicht so, als ob ich irgendein Engel wäre.“ Er streckte sich, überragte den Jungen für einen Moment um mindestens einen Meter. „Ich bin Gabriel.“ Die Worte brausten über die Brücke und die Bäume duckten sich unter ihrem mächtigen Schall.

Doch Alex richtete sich auf. „Ja und? Ich bin Alex. Und das ist auch jedem scheißegal.“

Der Engel beugte sich vor, bis er die einzelnen Wimpern um Alex Augen unterscheiden konnte. „Na dann spring doch!“

Trotz oder vielleicht gerade wegen der doch ernsten Thematik finde ich es aufheiternd, das es immer wieder Momente in deiner Geschichte gibt, die mich zum Lächeln bringen.
Was mir aufgefallen ist.. ein Geländer mit "klirren" in Verbindung zu bringen passt für mich irgendwie nicht. Ich weiss ungefähr was du ausdrücken willst und mir fällt grad leider auch kein besserer Ausdruck ein, aber ich wollt es mal erwähnt haben.


(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: Alex zuckte zurück, die Hände vom Geländer gelöst, und starrte Gabriel mit entgeisterter Miene an. „Was?“

„Du hast mich sehr wohl verstanden.“

Mit vorsichtigen Trippelschritten entfernte sich Alex vom Rand der Brücke. Unsicherheit waberte über sein Gesicht. „Du bist mein Schutzengel, du musst mich daran hindern zu springen.“ Ohne Vorwarnung kreischte er: „Du sollst mir nicht auch noch einen Schubs geben.“ Dann hellte sich seine Miene auf. „Das machst du absichtlich. Du willst mich dazu bringen, das Gegenteil von dem zu machen, was du mir rätst.“

Der Engel betrachtete das Kaleidoskop der Gefühle auf dem blassen Gesicht. Er schnaubte. „Und? Funktioniert es?“

Wieder schloss Alex die Augen. Allem Anschein nach konnte der Junge nicht gleichzeitig sehen und denken.

„Weiß nicht.“

Gabriel winkte ab. „Egal, stimmt sowieso nicht.“

„Nicht?“

„Nein!“

„Aber …“

Nun schloss Gabriel die Augen. „Es ist keineswegs meine Aufgabe, dich vor dem Tod zu schützen. Ich soll dich nur geleiten, dir helfen, den Weg zu finden.“

Sein Blick wanderte auf der Suche nach Erkenntnis über den Jungen. „Glaubt ihr Menschen allen Ernstes, wir Engel wollten euch daran hindern, in das Reich Gottes einzutreten? Wieso fürchtet ihr euch vor eurem Sein in der Unendlichkeit?“

Sie starrten sich gegenseitig in die Augen, bis Gabriel das Duell unterbrach. „Ich für meinen Teil, würde es gerne hinter mich bringen. Ich kann hier erst weg, wenn ich dich sicher geführt habe oder das Tor zum Übergang wieder geschlossen ist.“

„Welches Tor?“ In seinem Unverständnis versuchte Alex sich an Kleinigkeiten zu klammern.

Nur, dass Gabriel nicht gern über Kleinigkeiten plauderte. „Das Tor zum Übergang, du weißt schon, weißes Licht, das dich ruft. Himmelspforte, blablabla. Springst du jetzt?“

Einfach nur klasse. War für mich zu lesen, als stünde ich quasi mittendrin und würde diesem Gespräch lauschen. Erneut hat ein Schmunzeln in mir hervorgerufen, wie Gabriel dann hier die Frage stellt, ob Alex nun springt.. es klang irgendwie so harmlos unschuldig. Dabei will der arme Engel doch nur Feierabend haben.

(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: Der Junge wich noch weiter zurück und stieß mit dem Rücken an das gegenüberliegende Geländer. Es war keine sehr breite Brücke. „Vielleicht ist das Tor schon zu“, klammerte er sich an ein Stück Hoffnung, dessen Daseinsberechtigung Gabriel nicht erkennen konnte.

„Nein“, beschied er seinem Schützling.

„Wieso nicht?“ Wieder umklammerte Alex das Brückengeländer, aber dieses Mal hielt er sich mit durchgestreckten Armen davon fern.

„Ich rieche immer noch den Tod an dir.“

Alex blasses Gesicht verlor noch mehr an Farbe, wirkte durchsichtig. Der dunkle Fleck seiner Pupillen löschte beinahe das helle Blau und hob sich scharf umrissen vom mit Blut getränkten Weiß der Augäpfel ab.

Gabriel forschte im Gesicht des Jungen. Es war in der Tat seltsam. Hetzte man einen Lebensmüden, gab es gewöhnlich zwei Möglichkeiten. Der kleinere Teil sprang, schoss, schnitt sofort. Klappe zu – Affe tot – Feierabend. Die meisten am Abgrund Stehenden traten jedoch einen Schritt zurück, fühlten sich zu etwas gedrängt, was sie nicht wollten, und machten, wie Alex vermutet hatte, das genaue Gegenteil. Das Tor zum Übergang schloss sich. Klappe zu – Affe lebt – Feierabend. Eine besondere Vorliebe für eine der beiden Lösungen hegte Gabriel nicht. Feierabend blieb Feierabend. Aber Alex roch unzweideutig nach Tod.

„Wieso willst du springen?“

Alex Finger entließen einer nach dem anderen die Eisenschiene aus ihrem Griff, ballten sich vor seinem Körper zu Fäusten. Sein Kopf ruckte von rechts nach links, als er sie betrachtete, wandte sich wieder nach rechts und zurück. Immer schneller wurde die Bewegung, wuchs zu einem Kopfschütteln.

Er sah zu Gabriel auf: „Ich will nicht springen.“

Nicht einmal Gabriel konnte sich dem Flehen in den Worten völlig entziehen. Er legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter, wie er es sonst nur machte, während er Sterbenden den Weg wies. Die volltönende Engelsstimme hielt sich rücksichtsvoll zurück. „Wieso wolltest du alles hinschmeißen?“

Wieder trieb ein Schauer von den Bäumen fallender Tropfen auf sie zu. Mit einem sachten Trommelwirbel klatschten die im roten Abendlicht glühenden Wasserkugeln auf die feuchten Holzbohlen.

Diesmal waren die Tränen auf Alex´ Wangen jedoch echt. „Sie liebt mich nicht. Sie hat Schluss gemacht.“ Die Worte sprudelten in kleinen Grüppchen über seine Lippen.

Mit einer müden Bewegung schob er Gabriels Hand von seiner Schulter. „Niemand macht sich etwas aus mir. Ich bin einfach nur überflüssig.“ Plötzlich kam Leben in ihn, er riss ein kleines, schwarz glänzendes Kästchen aus seiner Hosentasche und schwenkte es unter Gabriels Nase. „Völlig überflüssig, siehst du? Ein Looser wie ich braucht kein Handy. Mich ruft sowieso keiner an.“

Mit einer zärtlichen Geste legte er das Mobiltelefon an seine Wange, wiegte es dort wie ein neugeborenes Baby, dann drehte er sich um und warf es in hohem Bogen über die Brüstung. „Scheiß drauf“

Gabriel rümpfte die Nase, der Geruch nach Tod wurde übermäßig. Er streckte die Hand aus und für einen Wimpernschlag lang verharrte das fallende Telefon reglos in der Luft. Der Engel schüttelte den Kopf und das Telefon fiel weiter.

Im großen und ganzen fand ich hier eigentlich nichts zu meckern, vielleicht ist auch einfach meine Wahrnehmung derzeit zu sehr getrübt oder deine Geschichte fesselt mich zu sehr, ich weiss es nicht. =)
Wo ich allerdings meinen Vorkommentatoren zustimmen muss ist, das ich sowohl auch einige Satzzeichfehler gesehen habe - die ich nun nicht noch einmal gesondert anmerken werde - als auch das mich das "Schwarze Kästchen" im ersten Moment irritiert hat. Das sollte man vielleicht in der Tat irgendwie anders ausdrücken.


(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: Stille herrschte auf der Brücke, kein Vogel zwitscherte, kein Blatt raschelte. Dann durchschnitten die Klänge von „Rock´n Roll Train“ das Schweigen. Alex zog scharf die Luft ein, drehte sich dem Geländer zu und streckte die Hand aus. Das Telefon fiel. Der Junge stieß sich mit dem Fuß ab. Auf den feuchten Holzbohlen fand die Sohle seiner Turnschuhe keinen Halt. Er versuchte, sich auch mit dem anderen Fuß abzustoßen, streckte die Hand dem laut klingenden Mobiltelefon entgegen. Mit der anderen krallte er sich in den rutschigen, eisernen Handlauf, machte einen kleinen Hopser um die zwei Zentimeter zu überwinden, die ihm von seinem Glück trennten. Gabriel lächelte.

Alex erreichte das Telefon und lächelte ebenfalls für einen Moment. Dann verloren seine Beine den Halt, der Handlauf drückte gegen seinen Bauch. Er rutschte weiter nach unten, fasste mit der rechten Hand nach, doch das herbstnasse Eisen bot ihm keine Hilfe. Im Abgleiten drehte er sich zur Seite, richtete seine panischen Augen auf Gabriel. Der nickte ihm freundlich zu.

Mich hat auch erstmal gewundert, wie das Telefon so lange fallen konnte.. aber darüber will ich nun mal hinwegsehen. Die Szene wie Alex nun doch abrutscht und Gabriel bereits vorher lächelt, verrät mir, das der Engel bereits weiss, das Alex fallen wird. Eine traurige Situation und für mich doch insofern erschreckend, da man kurzzeitig den Eindruck hatte, das Alex es sich doch anders überlegen würde.

(22-08-2011, 22:37)Titania schrieb: “Ich warte unten auf dich.“

Alex fiel,
fiel,
so tief,
streifte die erste Äste der Bäume,
der Büsche,
der Stauden.
Landete.
Weich.

Sein erster Blick erfasste Gabriel.

„War doch nur halb so schlimm.“

Der zweite streifte die Gestalt, die zu seinen Füßen mit verdrehten Gliedern zwischen dem Heidegras lag, prüfte einen Augenblick das blasse, erschrockene Gesicht und blieb dann an den silbern schimmernden Buchstaben auf dem Display des Handys hängen:

Verzeih mir! Ich liebe dich. Julia.

Ein schüchternes Lachen kroch über seine Lippen und entfaltete sich zu einem irren Gelächter.

Noch einmal legte Gabriel ihm die Hand auf die Schulter. „Ich zeige dir den Weg.“ Mit Nachdruck schob er Alex in die richtige Richtung. „Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch bis Feierabend.“

Ein sehr trauriges Ende. Vor allem das seine Freundin ihn nun wohl doch liebt, aber er bereits tot ist.
Sehr emotional..

Im Großen und Ganzen eine Geschichte, die trotz ihrer ernsten Thematik auch Momente zum Schmunzeln in sich birgt, sehr gelungen.
Was mich persönlich ein wenig störte, waren die vielen Leerzeichen/Absätze, die das ganze etwas Schwerer zu lesen machten. Trotzdem hat mir die Geschichte sehr gut gefallen.

LG Soulcall

Die echten Schriftsteller sind Gewissensbisse der Menschheit.

Ludwig Feuerbach

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