Es ist: 05-12-2021, 13:07
Es ist: 05-12-2021, 13:07 Hallo, Gast! (Registrieren)


Ich- oder Er-Erzähler
Beitrag #11 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Hallo!

Ich mag die Ich-Perspektive, allerdings sollte sie wirklich in der Ecke der Kurzgeschichten verweilen. Wenn es gut geschrieben ist, dann ist es - wie angemerkt - ein intensives Leseerlebnis, in dem man sich sehr gut in die Gedanken, Beweggründe und den Chara hineinfühlen kann. Geht aber eben genauso bei guten Dritt-Personen-Geschichten.

Für längere Erzählungen, vor allem im Fantasy-Bereich, kann ich mir das nicht vorstellen.
Zwar kenn ich diese Variante in Romanlänge noch nicht, aber ich bin ganz der Meinung von Federlehrling, dass mit der Konzentration auf eine Person das ganze "Drumherum" nicht so optimal eingebaut werden kann. Kleine Passagen inzwischen sind okay, aber nicht über die ganze Distanz. Es schränkt meiner Meinung nach sehr ein und ich hätte ständig das Gefühl, den Überblick zu verlieren, den Hintergrund. Man steckt fest in einer Sicht der Dinge, obwohl man so gern wüsste, was derweil andererorts passiert - und zwar nicht mittels kompliziertem Sich-erzählen-Lassen von sich selbst.

Ich schreibe selbst natürlich auch nur 3te Person Icon_wink

Grüße
Nameless


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Beitrag #12 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Zitat:Ich neige an sich nicht dazu, umgebungsbeschreibungsbrabbelnderweise durch die Gegend zu spazieren. Finde ich tendenziell strange. Ich-Erzähler neigen insofern in meinen Augen zu einer unglaubwürdigen Auswahl an Details (die sich einfach viel, viel schwerer verpacken lassen als in der dritten Person).

Da hast du natürlich schon eine Schwachstelle der Ich-Erzählung gefunden. Bei Romanzen oder Krimis würde das meiner Meinung natürlich nichts ausmachen, da man meist auf eine sehr genau Umgebungsbeschreibung verzichtet.

Nehmen wir aber mal an, ich schreibe eine Geschichte in der ersten Person, dann erzählt sie von der Vergangenheit dieser Person. Ist logisch.
Man kann sich vorstellen, dass diese Person etwas Außergewöhnliches erlebt hat und von diesem Ereignis berichtet. Wenn man es dann von der Seite betrachtet, ist es nicht ungewöhnlich, dass man manche Sachen genau beschreibt, auch wenn man sich nicht mehr genau daran erinnert. Also ist es eigentlich gar nicht so strange, wie du behauptet hast.

Noch ein Beispiel: Wenn ich persönlich etwas erlebe und es dann später meinen Freunden erzähle, dann berichte ich auch nicht immer die Wahrheit, sondern ich neige dazu, die Wahrheit ein bisschen zu verdrehen und alles zu steigern.

Mir fällt jetzt nichts besseres ein^^
Wahrheit: Ich habe 5 Bier auf der Party getrunken und bin dann 1km nach Hause gegangen.
Nacherzählung: Man hab ich auf der Party viel getrunken. Kann mich nicht mehr erinnern. Vielleicht so 8/9 Bier und 2 Goaßmaß. Dann bin ich voll betrunken die 3km nach Hause getorkelt und auf dem Weg musste ich sogar von einem Wolf davonrennen, weil der mich angegriffen hat. ^^

Das ist jetzt vielleicht ein bisschen überspitzt dargestellt, aber es verdeutlicht meinen Standpunkt.

MfG
Dramweida

"I'm Logan Thackeray. I protect those who are mine."
"I'm Rytlock Brimstone. I kill those who aren't."
Guild Wars 2 - Edge of Destiny

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Beitrag #13 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Jetzt muss ich mich nochmal zu Wort melden.

Ich denke, mit dem Protagonisten aus der Ich-Perspektive kann man sich nicht identifizieren. Man muss die Geschichte als Erzählung hinnehmen. Wenn einer guter Freund seine Leidensgeschichte erzählt und dabei seine Eindrücke ausmalt, ist das nicht ungewöhnlich. Er wird alles einflechten, was ihm wichtig erscheint. Gefühle für den Hauptdarsteller müssen aber vorhanden sein. Ob man den Kerl liebt oder hasst, ist dabei wohl eher nebensächlich.

Aber genau aus der Erzählperspektive kommt hier die Authentizität.

LG

Titania




- niemals ist alles gesagt -

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Beitrag #14 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Hallo zusammen,

ich erzähle auch eher im Personalenerzähler - einen typischen auktorialen Erzähler ist mir seit der Schulzeit eigentlich nicht mehr untergekommen. Icon_wink
Dieser Erzähltyp ist eine gute Kompromisslösung zwischen Nähe zu einer (oder mehrer Figuren) und dem forschenden Blickwinkel des Autorens.

(Ich lese alle Erzählertypen und kenne für alle gute und schlechte Beispiele - aber beim Ich-Erzähler hab ich grundsätzlich eine gewisse Skepsis; mir sind schon öfter Geschichte untergekommen, die diese Perspektive vorschieben um emotionale Nähe zu erzeugen und sich dann darauf ausruhen, dass sie die Perspektive gewählt haben. *lacht*)

Eine beachtenswerte Kombination aus Ich-Erzähler und personalem Erzähler sind noch die Geschichten mit den kursiven Gedanken aus der Perspektive des Chars, während der restliche Stil personal ist (Abercrombie macht das z. B.).
So habe ich auch über einen längeren Zeitraum geschrieben, aber mittlerweile bin ich wieder davon abgerückt - ich scheue kaum noch davor zurück, "direkte" Gedanken einfach in den "normalen" Textfluss einfließen zu lassen - dann aber nicht aus der ersten Person.

Viele Grüße!

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #15 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
@Titania

Zitat:Ich denke, mit dem Protagonisten aus der Ich-Perspektive kann man sich nicht identifizieren.

Das finde ich ganz und gar nicht. Wenn der Protagonist von seinen Erfahrungen in bestimmten Situationen berichtet, kann man sich sehr wohl damit identifizieren.
Wie in einem vorherigen Post von mir schon erwähnt habe ich mich sehr gut mit dem Protagonisten aus Catcher in the Rye 'Holden Caulfield' identifizieren können. Zwar waren seine Ansichten ein bisschen extrem, doch bei seinen Grundgedanken konnte ich meist zustimmen.

Ich greife jetzt dein Beispiel auf Titania.
Ein guter Freund von mir erzählt seine Leidensgeschichte. Seine Frau hat ihn verlassen, Kinder sind nicht mehr da, kein Job, usw. Er wird seine Probleme aus seiner Sicht beschreiben, das heißt aber nicht, dass du als Leser bzw Zuhörer nicht das gleiche gefühlt hättest, wenn du in so einer Situation wärst.

Es kommt natürlich auf die Situation an, die beschrieben wird.
Vertritt der Erzähler gleiche oder ähnliche Werte wie der Leser, dann kann man sich auf jeden Fall mit ihm identifizieren.

MfG
Dramweida

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Beitrag #16 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
So, da hat sich im Laufe des Tages ja einiges getan … uff... so viele Meinungen schon Icon_smile

erstmal noch ein Ausschnitt zu dem Personalen Erzähler

Zitat:Der personale Erzähler schlüpft in eine oder mehrere Personen und erzählt die Geschichte aus deren Perspektive, aber nicht in der grammatischen Ich-Form, sondern in der 3. Person ("er", "sie"). Das Spannende an dieser Erzählperspektive ist, dass der Erzähler nur mit den Augen der gewählten Figur in die Welt blickt.
Quelle: Bücher-Wiki

Dann geh ich einfach mal der Reihe nach durch!

@Dramweida

Zitat: Welche der beiden Erzähltypen lest ihr am liebsten?
Welche verwendet ihr am liebsten in euren eigenen Geschichten?

Auf beide Fragen die gleiche Antwort: Personaler Erzähler
Ich hab auch ein paar Geschichten, die einfach aus der Ich-Perspektive geschrieben werden wollten, aber meine Standarderzählweise ist einfach die Personale.
Beim Lesen scheue ich vor dem Ich-Erzähler zurück, weil ich mich dann oft in die Geschichte hineingezwungen fühle. Der Autor gibt mir dann Gedanken und Gefühle vor, die ich vielleicht nicht nachvollziehen kann und das mag ich nicht. Ich-Erzähler ist für mich ein Grund, das Buch nicht zu kaufen.
Eine Ausnahme ist da der »Schattenwanderer«, den ich zwar noch nicht gelesen, aber immerhin im Regal stehen habe. Der ganze Erzähltonfall erinnert mich da an ein Computerspiel, dessen Hauptperson ich sehr mochte, deshalb vemute ich, dass ich mit ihm als Erzähler auch warm werden kann.


Zitat: Jetzt habe ich speziell zum Bereich Fantasy Fragen zu dem Erzähler.
Gibt viele Bücher in der Ich-Perspektive?

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber mir kommt es so vor, als wäre der Ich-Erzähler aktuell im Kommen. Mir laufen immer öfter Bücher aus dieser Perspektive über den Weg – für mich natürlich ärgerlich, denn ich mag sie nicht *lach*
Ein paar, die mir spontan einfallen:
»Der Schattenwanderer«, »Die Assassine«, »Der Name des Windes«, »Bartimäus« (im Wechsel mit einem Er-Erzähler), »Die Magier von Montparnasse« (soll mit 7 Ich-Erzählern daher kommen), »Die Tribute von Panem«, »Der Weitseher« …

Zitat: Ist es sinnvoll, Fantasy aus der Sicht einer Person zu schreiben? Fantasy Geschichte leben ja von ihrer Vielfalt und so ist ja eine riesige Einschränkung, oder?
»sinnvoll« … nunja, es kommt vermutlich unter anderem darauf an, welche Art von Geschichte du schreiben möchtest. Wenn du ein Epos über Krieg, Intrigen, Verrat und Liebe schreiben willst, empfinde ich den Ich-Erzähler als eher unpassend. Willst du gefühlvoll ein Einzelschicksal schildern, oder den Leser in viele spannende Szenen mitnehmen, in denen es eben nur um das Schicksal einer oder weniger Figur(en) geht, könnte der Ich-Erzähler durchaus punkten. In einer Fantasy-Geschichte muss keine ganze Welt erkundet werden, um das Genre zu rechtfertigen. Es kann auch um kleinere, persönlichere Dinge gehen und trotzdem exotisch sein.

Zitat: Aber ist es nicht verwirrend, wenn man die Erzählperspektiven wechselt?
Da fallen mir spontan gleich zwei Beispiele ein:
Bei »Bartimäus« wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Bartimäus und der Er-Perspektive (weiß nicht mehr ob personal oder auktorial) von Nathanael erzählt. Ich fand das Buch selbst nicht gut, der Perspektivenwechsel hatte damit aber weniger zu tun.
Bei der »Gezeiten-Stern-Saga« werden einzelne Kapitel aus der Ich-Perspektive einer Hauptfigur erzählt – nämlich alle Kapitel, die diese Hauptfigur auch in der Geschichte selbst jemand anderem erzählt. Das fand ich sehr passen und stimmungsvoll.
Was ich mir nicht vorstellen kann, sind unterschiedliche Ich-Erzähler, da könnte man dann auch personale Erzähler nehmen, finde ich.
Mehrere personale Erzähler sind ja – zumindest im Bereich der Fantasy – bereits durchaus üblich.

Zitat: Ich persönlich könnte mir eine Fantasygeschichte in gewisser Hinsicht gut mit einem Ich-Erzähler vorstellen, weil es dem Leser dann leichter fällt, sich mit dem Hauptcharakter zu identifizieren. Bei manchen Geschichten vermisse ich das persönlich. Was treibt den Protagonisten an? Warum macht er das? Ich würde diese Fragen viel interessanter finden als die reine Beschreibung seiner Taten.
Aber nur, weil da steht »Ich war traurig, deshalb sprang ich von der Brücke« kann man doch nicht besser mit einer Figur mitfühlen? Gefühle, Motivation und Gedanken kannst du über eine personalen Erzähler genausogut einbauen. Mitfühlen beim Leser setzt weit mehr voraus als einfach nur die Ich-Vorgabe. Bei mir zumindest.
Wie Federlehrling und Der Weltenwanderer glaube ich auch, dass der Autor beim Ich-Erzähler oft nicht mehr so viel Wert darauf legt, alle Gefühle auch dem Leser nahezubringen, weil er eben denkt: Ach, das geht bei der Perspektive von alleine.
Wie gesagt: »Ich bin traurig« weckt genausoviel Mitgefühl wie »Er war traurig.« Zumindest wenns in einem Buch steht.


@Titania

Zitat: Der auktoriale Stil ist eigentlich nicht mehr so up to date, oder? In Fantasy-Romanen aber wahrscheinlich noch weiter verbreitet, nehme ich mal an. Ich lese nicht die große Masse Fantasy, eher ausgewählt und dann eben wieder personal.
Ich lese zwar nicht alles im Bereich Fantasy, aber mir ist der auktiorale Stil in einem Fantasybuch glaub ich seit über 10 Jahren nicht mehr untergekommen *lach* Also – ich vermute, es ist ein allgemein aussterbender Stil. Der Personale Erzähler ist in den letzten Jahren einfach immer beliebter geworden.


Sternchen schrieb
Zitat: Ich hab festgestellt, dass ich früher - sofern ich keinen Zugang zum Text bekommen habe - wesentlich weiter gekommen bin, wenn ich die Geschichte erst durch das "ich" erzähle.
Ich glaube, das liegt daran, dass man aus der Ich-Perspektive oft einen … flapsigeren Ton anschlägt, die ganze Stil-Sache weniger ernst nimmt. »Ich« kommt einer persönlichen Erzählung näher, denke ich. Zumindest ist es bei mir grundsätzlich so *lach*


Federlehrling schrieb
Zitat: Ich neige an sich nicht dazu, umgebungsbeschreibungsbrabbelnderweise durch die Gegend zu spazieren. Finde ich tendenziell strange. Ich-Erzähler neigen insofern in meinen Augen zu einer unglaubwürdigen Auswahl an Details (die sich einfach viel, viel schwerer verpacken lassen als in der dritten Person).
Ja, das ist auch ein großes Problem. Streng genommen müsste der Ich-Erzähler stark eingeschränkt sein – die Auswahl der Beschreibungen muss nicht nur auf seine Sicht reduziert werden, sondern zusätzlich noch auf seine Aufmerksamkeit. Da ist es halt eine Gratwanderung zwischen Realismus (was denkt man, wenn man einen Baum ansieht) und Literatur (was denkt der Ich-Erzähler, um es dem Leser nahezubringen).


@Dramweida
Zitat: Noch ein Beispiel: Wenn ich persönlich etwas erlebe und es dann später meinen Freunden erzähle, dann berichte ich auch nicht immer die Wahrheit, sondern ich neige dazu, die Wahrheit ein bisschen zu verdrehen und alles zu steigern.
Bei diesen Berichten wirst du aber vermutlich auch nicht alle Erlebnisse in ausformuliertem Hochdeutsch schildern und jedes gesprochene Wort wortwörtlich wiedergeben, oder? Icon_wink Also eine mündliche Erzählung an Freund und eine erzählte Geschichte für Leser lassen sich mMn nicht vergleichen.



Identifikation mit der Hauptfigur
Das hat mMn nichts mit der gewählten Perspektive zu tun. Ob ich nun eine Geschichte über »Ich« oder »Theodor« lese, ist ja grundsätzlich erstmal egal für die Identifikation. Wenn Theodor ein kinderhassender, fauler Student ist, kann ich mich genauso gut mit ihm identifizieren, wie mit »Ich«, der ein kinderhassender, fauler Student ist.
Wichtig ist die Darstellung des Protagonisten und die hat grundlegend erst einmal nichts mit der gewählten Perspektive zu tun.


Sobald ich mich endlich mal an den »Schattenwanderer« heranwage, kann ich auch genauer sagen, ob ich mit der Ich-Perspektive nun warm werden kann oder nicht *lach* Für mich ist es aber eher unangenehm, sie zu lesen, da ich mich so stark in eine fremde Haut eingeengt fühle und alles live miterleben muss, ob ich die Person nun mag oder nicht. Bei der personalen Perspektive ist es immer noch mehr so ein … freiwilliges Beobachten. Mehr ein »Miterleben«, statt ein »Selbsterleben«. Und selbst erleben möchte ich in einer Geschichte nunmal keine Gedanken, Gefühle und Handlungen, die ich für mich selbst so niemals haben / tun würde.


Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #17 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Moin Moin.

Zitat:Welche der beiden Erzähltypen lest ihr am liebsten?
Welche verwendet ihr am liebsten in euren eigenen Geschichten?
Zu Frage 1:
Lesen tue ich nur Rechnungswesen, Zivilrecht, Statistik und andere Bücher zur Recherche (ungeachtet, ob diese mit dem Studium zusammenhängen oder mit einer geschichtlichen 'Idee'). Gelesen (aus purem Spaß) habe ich letztes Jahr Philipp Kerr 'Der Pakt' - obwohl ich innerlich dieses Buch auch lieber als Recherchebuch ansehen, nicht das es schlecht war ...
Zu den Geschichten hier im Forum fällt auf, dass es doch so einige Mitglieder gibt, die (jung, gerade angefangen mit dem Schreiben) eher dem Ich-Erzähler zugänglich sind, was meiner Meinung nach damit zu tun hat, dass es einfacher ist, als die anderen beiden (neutraleren) Stile.

Zu Frage 2:
Kommt auf die Geschichte an, beziehungsweise wie sich diese im Kopf entwickelt hat. Es muss zur Geschichte selbst passen, wie ich finde. Allerdings habe ich selten (so meine ich) etwas in der Ich-Perspektive verfasst, meistens im 'nicht-personalen Erzählstil' (so möchte ich ihn mal nennen). Ich für meinen Teil finde, ein Er-Erzähler ist schwieriger zu schreiben, als ein Ich-Erzähler.

LGD.



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Beitrag #18 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Sanyasala,

ich bin einer der, wie es scheint, wenigen Freunde des Ich-Erzählers.
Lesen mag ich alles, was gut geschrieben ist, da geht es mir nicht darum, aus welcher Sicht, solange es der Autor wohl für richtig hielt. Es gibt ja auch Leute, die fühlen sich in bestimmten Perspektiven wohl, weil sie eher ein Gespür dafür haben - und dann gibt es auch ansprechende Verpackungen, die das "Umfeld"-Geschwafel ersetzen oder nachvollziehbar einbinden können. Gerade ein Beispiel, weil ich es gestern noch las: "Die Magier von Montparnasse" ist komplett im Ich-Erzähler geschrieben und zwar von verschiedenen Personen aus. Klärende Überschriften oder Merkmale wie Farben, Kleidung, Richtung der Gedanken ließen mich dabei nicht durcheinander kommen und es machte viel Spaß, die Geschichte aus den einzelnen Perspektiven zu verfolgen. Vielleicht, könnte man anführen, hatte es gerade bei der Handlung einen besonderen Grund und man hätte anders auf gewisse Einblicke in gewisse Figuren zu gewissen Zeitpunkten verzichten müssen - aber ich finde, darum geht es immer. Schreibe ich auktorial, verzichte ich auf Nähe, weil ich den Fokus anders lege oder die Handlung besser dazu passt. Schreibe ich personal - was ich etwa fünfzig oder sechzig Prozent tue -, lege ich einen anderen Fokus an oder möchte, dass Handlung und Person gleichermaßen leicht zugänglich werden.
Ich schreibe gerne aus der Ich-Perspektive, wenn auch nicht unbedingt lieber. Wenn ich die Perspektive wähle, dann weil ich Lust dazu habe oder es passend finde, rein intuitiv. Das ist für mich auch ein Teil Schriftstellertum: Sich selbst die Freiheit zu bewahren, alles zu probieren und einfach zu machen, was man für richtig hält. Ob es andere mögen oder lesen oder schreiben, das ist ja noch was anderes. Mein vorrangiges Ziel ist, einen Charakter sich in einer Handlung entwickeln zu sehen und dabei auch - auch! - auf eventuelle Leser zu achten.
Aber ich hab ja trotzdem aufgehört, bei großen Sachen im Präsens zu schreiben, muss ich zugeben, weil es anders zugänglicher für Kritik war, also bin ich da auch auf Publikum ausgerichtet. Aber viele Sachen poste ich ja auch nicht, aus verschiedenen Gründen, da schreibe ich mehr aus der Ich-Sicht.
Vielleicht, weil es ich als Autorin, ich als Fantastin es bin, die die Geschichte sich ausdenkt und sie den Charakter erleben lasse. Weil ich mich hinwegträume, vielleicht auch. Aber so oder so würde ich mich nicht festlegen lassen wollen und schon gar nicht eine Perspektive grundsätzlich über eine andere stellen. Das legt den Fokus meiner Meinung nach auf das Publikum, und nur für dieses zu schreiben ist ... nicht mein Ziel. Das nur generell.
Also, ich lese beides gerne, wenn es gut gemacht ist, kann auch mit Perspektivwechseln vielleicht leichter umgehen als andere. Und ich schreibe beides gerne, nach Bauchgefühl das eine oder andere. Ganz gleich, welche Länge der Text hat, denn allgemeine Regeln habe ich da nicht.

Statement Ende Icon_smile
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #19 |

RE: Ich- oder Er-Erzähler
Huhu,
habt ihr’s schon gemerkt? Ich arbeite mich gerade durch die Threads zudenen ich schon immer mal was sagen wollte. Vielleicht belebt die Aktion die Plauderbereiche ja.

Zitat:Gibt viele Bücher in der Ich-Perspektive?

Mir sind bisher noch nicht viele in dieser Perspektive begegnet. Aber unser "Wind der Zeiten"-Lesekreisbuch, war eines der wenigen in dieser Perspektive und es hat in meinen Augen sehr gut dazu gepasst. Wobei das auch eher Historik mit ein bisschen Fantasy-Elementen war.

Zitat:Ist es sinnvoll, Fantasy aus der Sicht einer Person zu schreiben? Fantasy Geschichte leben ja von ihrer Vielfalt und so ist ja eine riesige Einschränkung, oder?

Ich würde mal sagen, dass ist stark davon abhängig, wie die Geschichte ausgelegt ist. Wenn du zum Beispiel den Weg eines Helden verfolgen willst, dann kann das in der Ich-Perspektive durchaus funktionieren. (Zum Beipspiel bei "Eragon" hätte das bestimmt geklappt)

Zitat:Ansonsten bieten sich Ich-Erzähler bei Dramen oder Romanzen, vielleicht auch Krimis an. Also in Büchern wo eine tiefe Einsicht in den Prota notwendig oder angebracht ist. *find*

*Addi zustimm* Gerade bei Krimi/Thrillern kann ich mir auch gut vorstellen da von Kapitel zu Kapitel abzuwechseln, sodass zum Beispiel die Sicht des Täters/Anti-Protas aus der Ich-Perspektive ist.

Zitat:Aber ist es nicht verwirrend, wenn man die Erzählperspektiven wechselt?

Nö. Wieso? Ich hab auch schon bei einer meiner Kurzgeschichten auch schon so gemacht. Die Kommentatoren haben sich dann drauf geeinigt, dass das zwar schon ein Stilbruch ist, aber die Ich-Perspektive den Protagonist dann doch näher beleuchtet hat. Icon_wink Das ist aber rein intuitiv passiert und nicht weil ich dachte, damit dem Prot noch näher zu kommen. Bei Romanen, wo das von Kapitel zu Kapitel springt, ist das natürlich was anderes. Also mich hat’s bisher nicht gestört.

Zitat:Der Stilbruch ist also nicht das Problem, sondern wie der Autor es zu verkaufen vermag. :D

Genau das wollte ich sagen. Icon_smile

Zitat:Ich-Erzähler mag ich gar nicht. Die Mär, dass dadurch die Emotionen stärker rübergebracht würden, hat sich für meinen Geschmack zu oft als Tagtraum erwiesen.

Hier stimm ich dem Lehrling zu. Die Ich-Perspektive ist keine Garantie dafür, dass die Emotionen ankommen und/oder sich der Leser automatisch besser in den Prot hineinversetzen kann. Es ist mMn wie immer eine Frage der Umsetzung.

Zitat:Welche der beiden Erzähltypen lest ihr am liebsten?
Welche verwendet ihr am liebsten in euren eigenen Geschichten?

Hmm, was ich am liebsten lese kann ich gar nicht so sagen. Also die meisten Romane (unabhängig vom Genre) sind ja mit personalem Erzähler geschrieben. (Den auktionalen hab ich schon lange nicht mehr gelesen) Wie gesagt: Ich-Erzähler können aber funktioren, es muss nur gut gemacht werden. Überhaupt denke ich, dass es bei wirklich guten Autoren egal ist, welche Perspektive sie wählen, da funktioniert es einfach. Icon_wink

Bei meinen eigenen Geschichten gehe ich intuitiv heran. Ich überlege vorher nicht lange, welche Perspektive wohl angebracht ist. Wahrscheinlich neige ich aber aus reiner Gewohnheit dazu, den personalen Erzähler zu verwenden.

Für mich stellt sich nun aber die Frage warum so viele junge Autoren dazu neigen aus der Ich-Perspektive zu schreiben? Fällt es ihnen dadruch leichter sich in die Prots hineinversetzen? Oder identifizieren sie sich so eher mit den Protas? Oder ist es so, wie Sternchen geschildert hat, dass es einfach leichter fällt sich in die Geschichte zu denken?

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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