Es ist: 14-04-2021, 05:30
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Sieben Pforten: Prolog (komplett überarbeitet)
Beitrag #1 |

Sieben Pforten: Prolog (komplett überarbeitet)
Hallo,

hier ist der Prolog meines neu begonnenen Fantasyromans.
Ich hoffe, er gefällt euch und ich bekomme konstruktive Kritik, mit der ich mich bessern kann Icon_smile

EDIT: 04.01.12: alles komplett überarbeitet, jetzt mag ich Christin schon mehr!

Titel: Sieben Pforten (vorher: Vierzehn)
Genre: Fantasy, Thriller
Kapitel: Bisher 12

Und schon gehts los.

LG Semi


EDIT: 01.09.2011, 11:54 Uhr: Verbesserungsvorschläge von Sternchen und Soulcall übernommen.
EDIT: 02.09.2011, 12:02 Uhr: Verbesserungsvorschläge von Adsartha übernommen und elber noch ein wenig verändert.
EDIT: 04.01.12: Verbesserungen von Plumbum übernommen. Alles komplett überarbeitet, jetzt mag ich Christin schon mehr!



~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


"Lauf!"
Der Schrei hallte durch die düstere Nacht und wurde von hohen Häusern mehrfach zurück geworfen. Ben stellten sich die Nackenhaare auf, doch das lag nicht nur an dem verzweifelten Ausruf seiner Zwillingsschwester.
Es war hinter ihnen her. Man konnte die leisen Laute hören. In jeder Atempause drang es in Bens Ohren. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch, es kam ihnen immer näher. Bens Muskeln protestierten, aber er verschwendete keinen Gedanken daran, aufzugeben. Sein Rachen fühlte sich durch die eisige Luft an wie von Nadelstichen durchbohrt. Seine Glieder brannten wie Feuer, doch er befahl seinen Beinen weiterzulaufen. Sie durften jetzt nicht stehen bleiben!
Ihre Umgebung wurde nur spärlich vom Mond in ein graues Licht getaucht. Zu ihren Seiten ragten die Häuser steil empor; dunkle, emotionslose Bauten, die Ben das Gefühl gaben, eingeschlossen zu sein. Keine Möglichkeit, zu entkommen.
Da war es wieder, das Wispern. Ganz leise, wie das Rascheln eines Baumes. Doch hier gab es keine Bäume. Nur alte Bauten mit finsteren Toreingängen, die auf noch dunklere Hinterhöfe führte.
Christin zog scharf die Luft ein; er streckte seine Hand nach ihr aus. Als er ihre klammen Finger griff, zuckte sie zusammen und kurz streiften sich ihre Blicke. Man konnte ihr die Anstrengung des rasanten Laufs anmerken. Ihre Augen waren weit geöffnet, voller Angst und Unverständnis. Nichts wies auf die sonst so schlagfertige, optimistische Art hin, die er an ihr so mochte und die das pure Gegenteil von ihm war.
Ben stolperte und fiel beinahe. Er fing sich im letzten Moment, Christin zog ihn weiter. Die Straße wollte kein Ende nehmen, doch wie groß war ihre Chance, wenn sie nur geradeaus liefen? Seine Augen huschten nach links, nach rechts. Was sollte er machen? Kurzerhand bogen sie in eine Seitenstraße ab und er stellte mit Grauen fest, dass sich ihnen immer noch keine Fluchtmöglichkeit bot. Eine der wenigen Telefonzellen, die noch nicht von der Modernisierung eingeholt worden waren, warf ihr schwaches Licht auf die Straße.
Das Raunen kam näher, Ben widerstand der Versuchung, hin zu schauen. Weiter. Rechts in die nächste Straße.
Warum war das Viertel so riesig? Liefen sie im Kreis?
Er nahm eine Bewegung aus dem Augenwinkel war und für einen winzigen Moment bewegte er seinen Kopf ruckartig zur Seite. Das Bild eines kauernden Mannes fraß sich in sein Gehirn und ließ einen eiskalten Schauer über seinen Rücken laufen.
Sie hatten keine Zeit, Halt zu machen und an einer Tür um Einlass zu bitten. Und wer würde ihnen schon glauben? Er würde es selbst nicht glauben, wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.
Flüstern. Direkt hinter ihnen. Panik wallte in Ben auf, als er scharf links um die nächste Kurve sprintete, Christin hinter sich her reißend. Da vorne. Eine Lichtquelle. Am Ende der Straße. Ein blau leuchtendes Schild wies ihnen den hell erleuchteten Eingang zur U-Bahn. Vielleicht konnten sie es dort abhängen. Als er direkt auf die Treppenstufen zuhielt, spürte er Widerstand an seiner Hand. Seine Schwester war unwillkürlich langsamer geworden, als sie erkannt hatte, was er vor hatte.
"Nein."
Er antwortete nicht. Der Abstieg kam stetig näher. Das Geflüster wurde lauter. Die Hälfte der Strecke hatten sie überwunden. Wieder eine Bewegung im Augenwinkel. Es näherte sich.
Nur noch wenige Schritte, doch die Sekunden zogen sich wie Gummi.
Endlich hatten sie ihn erreicht: Den Eingang zur U-Bahn. Ohne das Tempo zu verringern jagten sie nebeneinander die Treppe hinab, drei Stufen auf einmal nehmend. Schlitternd kamen sie im Warteraum zum Stehen und Ben sah sich gehetzt um. Auf der Treppe gegenüber verschwanden gerade zwei Beinpaare, die letzten Passanten, die es vielleicht vertreiben konnten. Sein Blick sprang nach rechts, auf den Gleisen stand die Bahn. Er sprintete los, neben sich Christin. Gemeinsam sprangen sie durch die sich gerade schließende Tür und kamen schwer atmend zum Stehen. Ben drehte sich rasch um, doch es war niemand im Warteraum zu sehen. Sein Brustkorb hob und senkte sich rasend schnell, er zitterte und seine Augen huschten schnell von einer Treppe zur anderen. Ein Schatten. Etwas schlich die Stufen hinab. Christin neben ihm murmelte etwas, was sich verdächtig nach einem Fluch an hörte. Dann schlossen sich die Türen und die Bahn fuhr mit einem leichten Ruck los.
Er war, als erwachte er aus einem Traum. Die Fahrgäste musterten die beiden teilweise gelangweilt, teilweise Naserümpfend. Ein älterer Herr schimpfte leise: "Man könnte ja auch pünktlich kommen."
Keiner der Leute hatte auch nur die geringste Ahnung, was Ben und Christin gerade passiert war. Woher sollten sie es auch wissen, vor wenigen Stunden hätte er selbst jeden ausgelacht, der ihm diese Story erzählt hätte.
Christin hatte sich bereits auf einen freien Platz fallen lassen und die Augen geschlossen. Als er sich neben sie setzte, fixierte sie ihn mit ihrem Blick.
"Was sollte das? Hier hätte es uns noch schneller schnappen können als oben auf der Straße."
Ihre Stimme war leise, zitterte jedoch vor unterdrückten Gefühlen. Er zuckte nur kurz mit den Schultern, irgendwo hatte sie Recht.
"Es ist ja noch mal gut gegangen."
Draußen zogen die dunklen Wände an ihnen vorbei, hin und wieder einen schwarzen Durchgang preisgebend. Früher hatte Ben sich mit Freuden vorgestellt, was für Geheimnisse in den U-Bahnschächten versteckt liegen mochten.
Heute wollte er am liebsten alles vergessen. Doch seine Gedanken überschlugen sich, Bilder rauschten vor seinem inneren Auge und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.
Dabei war das Wochenende ganz normal verlaufen, jedenfalls bis zu dem Unfall ...


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Beitrag #2 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Guten Morgen Semi,

nun und bevor ich mich daran mache, zwei der alten Forums-Hasen endlich fertig zu kommentieren, schau ich noch einmal schnell bei dir vorbei. Mit zweiundzwanzig erwarte ich, dass ich nicht über dutzende Fehler stolpern muss, um ehrlich zu sein. - Kann ich gut gebrauchen, mich einzukommentieren. Und überhaupt: Fanatsy-Thriller braucht die Welt. Davon gibts eindeutig zu wenige. Ein Roman ist viel Arbeit. Sehr sehr viel. Ich wünsche dir schon mal jetzt, ganz doll Geduld und Zeit.

„Lauf!“
Der Schrei hallte durch die dunkle Straße und wurde von den hohen Häusern mehrfach zurück geworfen. Ben stellten sich die Nackenhaare auf, doch das lag nicht nur an dem verzweifelten Ausruf, den seine Schwester gerade von sich gegeben hatte.

=> Super spannend. Kleine Geschmackssache: mit dem Absatz gleich am Anfang kann ich nicht viel anfangen. Rein nach der Logik könntest auch ohne arbeiten.

Es war hinter ihnen her. Man konnte es hören. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch. Es kam ihnen immer näher.
=> Willkommen im Land der Wortwiederholungen - ihr Ticket zur Leseverflüssigung finden sie links, rechts und überall, sofern sie hier mindestens ein "es" löschen. *lach* Vorschlag: "Es war hinter ihnen her. Man konnte es hören, dieses flüsternde, immer näher kommende Geräusch. Bedrohlich knirschend." Erstes "Es" würd ich übrigens kursiv setzen, also die Betonung hervorheben. Ich glaub, dass würd gut passen.

Bens Muskeln brannten und begannen bereits zu protestieren, aber er verschwendete keinen Gedanken daran, ihrem Flehen nachzugeben. Sie durften jetzt nicht stehen bleiben!
=> *entspannt zurücklehnt* Ja, das kann man stilisch schon sehr schön lesen. "Ben" klingt allerdings in Verbindung mit den "hohen Häusern" nicht ganz mittelalterlich, was ja fast schon typisch für Fantasy wäre. Sind wir in einer anderen Zeit gelandet?

Die Straße, auf der sie liefen, war düster und wurde nur spärlich vom Mond in ein gräuliches Licht geworfen. Die Häuser zu ihren Seiten ragten steil empor; dunkle, emotionslose Bauten, die einem das Gefühl gaben, eingeschlossen zu sein.
=> Tipp: Satzanfänge niemals doppeln, außer es ist eine Sache von Stilmitteln, also soll besonders betonen. Ist hier nicht der Fall. Wieder lässt "Straße" zweifeln daran, wo, bzw. in welcher Zeit wir sind.

Da war es wieder, das Wispern. Ganz leise, wie das Rascheln eines Baumes. Doch hier gab es keine Bäume, die Altstadt bestand nur aus den alten Gemäuern mit finsteren Toreingängen, die auf noch dunklere Hinterhöfe führte.
=> Schön gemacht.

Christin wimmerte; der Laut fuhr Ben durch Mark und Bein und er streckte seine Hand nach ihr aus. Als er ihre klammen Finger umgriff, zuckte sie zusammen und kurz streiften sich ihre Blicke. Ihr Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sie sich noch schlimmer fühlte als er. Ihre Augen waren weit geöffnet, voller Angst und Unverständnis.
=> Hier geht die Doppelung der Anfänge noch gerade als "Betonung" durch. Von daher: da passt es. Was mir weniger gut gefällt ist dieses "dass" und damit kommen wir schon beim Feinschliff an: irgendwie hört es sich nicht zu deinem Stil stimmig an. Also sagen wir: weniger bemüht. "Als er ihre klammen Finger umgriff, zuckte sie zusammen und kurz streiften sich ihre Blicke. Ihr Gesichtsausdruck verriet nackte Angst." Würde mir schon mal besser gefallen. Das "ihm" erfüllt nämlich gar keinen Zweck, denn wem soll ihr Gesicht denn sonst was verraten? Die Steigerung von seinen Gefühlen auf ihre ist ne gute Idee, motzt den Text nicht wirklich so auf, bzw. kann die unschöne "dass"-Stelle nicht aufwerten.

Der Junge riss sich zusammen und fasste ihre Hand fester. Dann bog er in eine Seitenstraße ab und stellte fest, dass sich an der Umgebung nichts geändert hatte
=> Kommt mir ein bisschen zu plötzlich. Erst die Hand, das umfassen, die Panik - mir fehlt noch das Laufen, um ehrlich zu sein, bis du dann die beiden irgendwo abbiegen lässt.

Hauswand an Hauswand, keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Eine der wenigen Telefonzellen, die noch nicht von der Modernisierung eingeholt worden waren, warf sein schwaches Licht auf die Straße. Seitenstiche plagten Ben und ließen ihn immer heftiger ausatmen.
=> Gut, also keine Mittelalter-Fantasy. Stellt sich schnell die Frage, ob du in Phantastik nicht besser untergebracht bist, aber das wird sich wohl noch zeigen.

Warum war das Viertel so riesig? Oder liefen sie bereits im Kreis? Er konnte es nicht sagen.
=> Ich verzichte ja gerne auf unnötige Worte, oder versuche es zumindest, wenn meine Augen mal aufmerksam sind. Hier sagt mir mein Bauchgefühl, dass du auf den letzten Satz ganz verzichten kannst. Er fragt sich ja bereits, ob er im Kreis läuft. Wenn er sich das fragt, kann er es nicht genau sagen (sofern er überhaupt Luft zum Sprechen hätte).

Eine Bewegung aus dem Augenwinkel ließ einen eiskalten Schauer über seinen Rücken laufen und kurz hatte er das Bild eines zusammen gekrümmten Mannes vor seinen Augen. Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte Ben, seine Gedanken nach vorne zu richten.
=> Woher das Bild? Ich kanns schwer zuordnen. Wordwiederholung - nicht schön.

Die Hälfte der Strecke hatten sie überwunden. Bens Gesichtsfeld verengte sich vor Anspannung und Anstrengung. Christin stolperte, reflexartig zog er sie weiter und stützte sie. Weiter.
=> Christin ist ja schon vorher gestolpert, ich würde also "wieder" schreiben. Hier hast du wieder eine Wortwiederholung. Und ich hab ein ganz großes Problem mit meinem Bild von "weiterziehen" zum "stützen" zu kommen. Dazu hat er kaum noch Zeit, da bin ich sicher. Kaum noch Kraft - über stützen sind die zwei, durch den Gesamteindruck, weit hinaus. Da hilft nur noch weiterziehen. Und weiterziehen und weiterziehen - selbst wenn der Arm auskugelt. *so stell ich mir das vor - so geladen*

Dabei war das Wochenende ganz normal verlaufen, jedenfalls bis zu dem Unfall...
=> "zum Unfall" oder "bis auf den Unfall" würd für mich flüssiger klingen. Leerzeichen nach "Unfall" übrigens.

Und schon bin ich am Ende angekommen. - Es ging ganz flott, war duchwegs gut zu lesen, atmosphärisch und flüssig, sowie erfahren geschrieben. Also: es hat mir gefallen. Spannend ziehst du den Leser von Beginn an mit und er bleibt auch gerne an den Seiten der Protagonisten, die du nicht vorstellst und auch nicht wirklich vorstellen must. Das passt in die Situation, denn es geht um Hast. Nicht um Haarfarbe und Details. Trotzdem hätte ich hier und da ganz gut gefunden, wenn du etwas mehr einbringst. Eine Haube vielleicht, die vom Kopf fliegt. Ein wehender, farbiger Schal - irgendwas halt. Soweit ich mich erinnere ist Winter. Und wenn ich es recht bedenke, dann könntest du mit solchen Dingen noch das Gefühl ausmerzen, dich so oft zu wiederholen. Nicht falsch verstehen: das war nicht drängend, das Wiederholen. Nicht so, dass man sagt: ey, Mann, viel zu viel. Aber es bleibt: das ständige Mitreißen, das Stolpern, das nicht Näherkommen. Ich finde wenn du ein bisschen, nur ein bisschen, etwas auf dem Weg zum Tunnel kürzen würdest, bzw. Doppelungen mit neuen Details ersetzt, wäre alles noch idealer. Ansonst hat mir alles soweit sehr gut gefallen. Du lässt viel im Dunkeln, deshalb kann ich auch noch nicht viel sagen. Bisher sehe ich diese Geschichte eher noch in einer Phantastik-, bzw. Mystery-Rubrik. Außer sie finden ein Tor in ne andere Welt. *lach*

Gerne gelesen,
- Sternchen

PS: Ich seh grad du hast in "Fantasy" gepostet. Es ist aber doch ein Prolog, also wird es mit der Geschichte weitergehen und dafür haben wir die Fortsetzungs-Rubrik. Dahin verschieb ich dann mal. Über Phantastik plaudern wir besser noch.





"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
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Beitrag #3 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Hallo,

hier ist der Prolog meines neu begonnenen Fantasyromans.
Ich hoffe, er gefällt euch und ich bekomme konstruktive Kritik, mit der ich mich bessern kann Icon_smile

[i]Nun, dann will ich mich mal versuchen.. =)

(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Titel: Vierzehn (Arbeitstitel, hab noch keine Ahnung, wie der Roman heißen soll ^^)
Genre: Fantasy, Thriller
Kapitel: Bisher 2

Und schon gehts los.

LG Semi[/i]

Zugegeben, der Arbeitstitel ist "nur" eine Zahl.. aber irgendwie hat gerade das mich neugierig gemacht. Unter anderem weil ich selber ebenfalls mal eine Kurzgeschichte geschrieben habe deren Arbeitstitel "nur" eine Zahl war und nun wohl auch der Titel der fertigen Geschichte sein wird..


(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: „Lauf!“
Der Schrei hallte durch die dunkle Straße und wurde von den hohen Häusern mehrfach zurück geworfen. Ben stellten sich die Nackenhaare auf, doch das lag nicht nur an dem verzweifelten Ausruf, den seine Schwester gerade von sich gegeben hatte.
Es war hinter ihnen her. Man konnte es hören. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch. Es kam ihnen immer näher. Bens Muskeln brannten und begannen bereits zu protestieren, aber er verschwendete keinen Gedanken daran, ihrem Flehen nachzugeben. Sie durften jetzt nicht stehen bleiben!
Die Straße, auf der sie liefen, war düster und wurde nur spärlich vom Mond in ein gräuliches Licht geworfen. Die Häuser zu ihren Seiten ragten steil empor; dunkle, emotionslose Bauten, die einem das Gefühl gaben, eingeschlossen zu sein. Bens Rachen fühlte sich durch die kalte Winterluft so an, als würde er von unzähligen Nadelstichen durchbohrt werden. Seine Glieder brannten wie Feuer, doch er befahl seinen Beinen weiterzulaufen.

Sehr spannender Beginn, man kann sich sehr gut in die Figuren reinversetzen, es schaudert einen selber wenn man sich die Umgebung vorstellt, deren Bilder sich einem förmlich in den Kopf setzen. Nur eine Kleinigkeit stört mich. Du erwähnst zweimal innerhalb weniger Sätze das seine Muskeln und Glieder brennen, schmerzen und protestieren. Das stört mich persönlich ein wenig.

(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Da war es wieder, das Wispern. Ganz leise, wie das Rascheln eines Baumes. Doch hier gab es keine Bäume, die Altstadt bestand nur aus den alten Gemäuern mit finsteren Toreingängen, die auf noch dunklere Hinterhöfe führte.
Christin wimmerte; der Laut fuhr Ben durch Mark und Bein und er streckte seine Hand nach ihr aus. Als er ihre klammen Finger umgriff, zuckte sie zusammen und kurz streiften sich ihre Blicke. Ihr Gesichtsausdruck verriet ihm, dass sie sich noch schlimmer fühlte als er. Ihre Augen waren weit geöffnet, voller Angst und Unverständnis.
Der Junge riss sich zusammen und fasste ihre Hand fester. Dann bog er in eine Seitenstraße ab und stellte fest, dass sich an der Umgebung nichts geändert hatte: Hauswand an Hauswand, keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Eine der wenigen Telefonzellen, die noch nicht von der Modernisierung eingeholt worden waren, warf sein schwaches Licht auf die Straße. Seitenstiche plagten Ben und ließen ihn immer heftiger ausatmen.


Auch hier finde ich nichts Größeres, was mich jetzt im Lesefluss stören würde, lediglich ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen, den ich im Zitat rot markiert habe.. ich meine, das müsste in dem Fall heissen: Eine der wenigen Telefonzellen, die noch nicht von der Modernisierung eingeholt worden waren, war[/color] ihr schwaches Licht auf die Straße.

(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Das Raunen kam näher, jetzt von links, doch Ben widerstand dem Versuch, hin zu schauen. Christins Weinen entnahm er, dass sie dieser Versuchung nachgegeben hatte. Er drückte ihre Hand und zog sie so schnell wie möglich weiter. Rechts in die nächste Straße.
Warum war das Viertel so riesig? Oder liefen sie bereits im Kreis? Er konnte es nicht sagen.
Eine Bewegung aus dem Augenwinkel ließ einen eiskalten Schauer über seinen Rücken laufen und kurz hatte er das Bild eines zusammen gekrümmten Mannes vor seinen Augen. Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte Ben, seine Gedanken nach vorne zu richten.
Lange konnten sie das nicht mehr durchhalten! Christin war am Straucheln und er zog sie an sich. Sie hatten keine Zeit, Halt zu machen und an einer Tür um Einlass zu bitten. Und wer würde ihnen schon glauben? Er würde es selber nicht glauben, wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.

Hier schreibst du, er zieht sie an sich. Da kommt in mir unweigerlich das Bild auf, wie er sie wirklich direkt an sich zieht.. aber dann könnten sie ja nicht mehr rennen, hier hätte ich also eher geschrieben, das er sie "zu sich zieht" was ich dann eher damit asoziieren würde, das er sie eben näher zu sich hin zieht, aber immer noch mit ihr weiterrennt. Ich hoffe ich habe das verständlich ausgedrückt.


(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Flüstern. Direkt hinter ihnen. Panik wallte in dem Jungen auf, als er scharf rechts um die nächste Kurve sprintete und Christin hinter sich her zog. Da. Licht. Am Ende der Straße. Aus dem Boden leuchtete es hell und Ben erkannte den Eingang zur U-Bahn. Vielleicht konnten sie es dort abhängen. Als er direkt auf die stark beleuchteten Treppenstufen zuhielt, spürte er Widerstand an seiner Hand.
Seine Schwester war unwillkürlich langsamer geworden, als sie erkannt hatte, was er vor hatte.
„Nein.“

Hm ja.. das es "aus dem Boden hell leuchtet" irritierte mich zunächst, bis ich weitergelesen hatte. Ich würde hier also vielleicht eher schreiben: "Aus einer Öffnung am Boden leuchtete es hell und Ben erkannte den Weg zur U-Bahn."
Wäre in meinen Augen verständlicher, denn der Boden leuchtet ja nicht mal eben einfach so ^^.
Eine weitere Frage die sich mir stellt: Wieso wird die Schwester langsamer? Wieso sagt sie nein? Fürchtet sie sich vor der U-Bahn? Weiss sie irgendwas?


(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Er antwortete nicht, drückte nur ihre Hand fester. Der Abstieg kam näher, war aber noch ziemlich weit entfernt. Das Geflüster wurde lauter, erklang nun von rechts.
Die Hälfte der Strecke hatten sie überwunden. Bens Gesichtsfeld verengte sich vor Anspannung und Anstrengung. Christin stolperte, reflexartig zog er sie weiter und stützte sie. Weiter.
Wieder eine Bewegung im Augenwinkel. Es näherte sich.
Nur noch wenige Schritte, doch sie zogen sich wie Gummi. Ben erinnerte es an die Albträume, die ihn als Kind verfolgt hatten: ein dunkler Korridor, ein heller Ausgang. Doch je schneller er rannte, desto weiter schien das rettende Ziel entfernt.
Jetzt war er da: Der Weg hinab in die U-Bahn. Mit letztem Atem riss Ben seine Schwester mit sich und sie jagten nebeneinander her die Treppe hinab. Sie nahmen drei Stufen auf einmal und rannten in den Warteraum. Auf der anderen Seite führte eine Treppe wieder nach oben, man konnte zwei Beinpaare sehen, die gerade aus dem Blickfeld verschwanden. Die letzten Passanten, die es vielleicht vertreiben konnten. In dem Bahnhof war es hell, aber schmutzig. Ein Mülleimer quoll mit stinkendem Papier und Abfall über. An den Wänden hingen Werbeplakate, die unverschämte Jugendliche mit Spraydosen verschandelt hatten. Doch dafür hatte Ben keinen Blick. Seine Augen waren nach rechts gerichtet. Sein Herz setzte einmal kurz aus. Auf den Gleisen stand die Bahn, die sie vielleicht noch retten konnte. Er sprintete los und zog das zitternde Mädchen mit durch die sich gerade schließende Tür.
Schlitternd kamen sie zum Stehen und der Junge drehte sich rasch um. Es war niemand zu sehen. Sein Brustkorb hob und senkte sich rasend schnell, er zitterte und seine Augen huschten schnell von einer Treppe zur anderen. Ein Schatten. Etwas schlich die Stufen hinab. Seine Schwester wimmerte leise auf und Ben zog sie dicht an sich heran. Dann schlossen sich die Türen und die Bahn fuhr mit einem leichten Ruck los.

Die Spannung ist förmlich greifbar, ich habe regelrecht mitgefiebert. Schaffen sie es, schaffen sie es nicht? WAS ist da hinter ihnen her? Dann die Erleichterung, als sie es in die U-Bahn schaffen. Und doch bleibt die Frage, ob sie wirklich in Sicherheit sind.. ob das, was sie verfolgt hat, ihnen nicht auch durch die U-Bahn oder auf anderen Wegen folgen kann. Spannung pur, Kompliment!


(31-08-2011, 21:56)Semikolon schrieb: Mit geschlossenen Augen ließ sich Ben auf einen Sitz fallen und zog Christin neben sich, den Arm um sie gelegt.
Nur langsam beruhigte sich sein Herz. Draußen zogen die dunklen Wände an ihnen vorbei, hin und wieder einen schwarzen Durchgang preisgebend. Früher hatte Ben sich mit Freuden vorgestellt, was für Geheimnisse in den U-Bahnschächten versteckt liegen mochten.
Heute wollte er am liebsten alles vergessen.
„Ist es weg?“
Er drehte seinen Kopf und sah zu Christin. Ihre Augen waren weit geöffnet, ihr Gesicht so blass wie ein dünnes Stück Papier. Auch sie zitterte, ihre Hände lagen verkrampft in ihrem Schoß. Jetzt sah sie zu ihm, hoffend, flehend.
Er glaubte nicht an seine Worte, als er sie mit gespielter Zuversicht aussprach:
„Bestimmt. Wie soll es uns hierher folgen?“
Ihre Augen schlossen sich für eine Weile und er wusste, dass sie nach Fassung rang. Über die letzten vierundzwanzig Stunden grübelnd. Ihre Augen zuckten hinter den geschlossenen Lidern hin und her. Ben konnte es vollkommen nachvollziehen, denn er hatte selber noch nicht ganz begriffen, was alles geschehen war.
Dabei war das Wochenende ganz normal verlaufen, jedenfalls bis zu dem Unfall...

Toller Abschluss für diesen Teil, wirklich. Macht Lust auf und Neugier auf mehr, man möchte wissen, wie es weitergeht. Kompliment!

LG Soulcall



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Beitrag #4 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hallo ihr beiden.

Erst einmal ein großes Dankeschön, dass ihr euch die Zeit genommen und die Arbeit gemacht habt, mir solch ausgezeichnete Kritiken zu schreiben!

@Sternchen:
Du hast Recht, es handelt sich nicht um eine mittelalterliche Fantasywelt, sondern um eine moderne Großstadt.

Dass ich einen Absatz nach dem ersten Ausruf gesetzt habe, liegt wohl daran, dass ich die wörtliche Rede immer in eine neue Zeile setze. Das hat sich bei mir so eingebürgert, da ich es so übersichtlicher und einfacher zu lesen finde.

Oh, dass ich es bei Fantasy - Fortsetzungen reinsetzen musst, wusste ich nicht. Danke fürs umstellen Icon_smile So ganz bin ich scheinbar noch nicht in den Forenregeln bewandert Icon_wink

Ich werde die Vorschläge und Korrekturen, die du oben geschrieben hast, in meinen Text einbauen und darüber sinnieren Icon_wink

Es freut mich ungemein, dass dir der Anfang gefällt! So etwas motiviert einen sehr, weiter zu schreiben, wie du dir wohl denken kannst!

Es wird auf jeden Fall eher Fantasy als Phantastik, aber das wird erst später klar.



@Soulcall:
Ich habe lange überlegt, wie ich das Ganze vorerst nennen soll und da diese Zahl nun doch ihre Bedeutung in der Geschichte bekommt, ist sie meine Wahl gewesen. Wir werden sehen, ob sie es tatsächlich bis zum Ende durchhält *lach*

Ahh die Telefonzelle ^^ du hast vollkommen Recht, war mir bisher echt nicht aufgefallen danke Icon_smile Und danke für die Umschreibung für das Licht aus dem Boden, das hat mir wirklich Kopfschmerzen bereitet, weil ich nicht zufrieden war!

Werde auch deine anderen Verbesserungen in Ruhe durchgehen und sie einbringen.

Es freut mich sehr, dass ich dich mit dem Anfang fesseln konnte und es spannend für dich war (Ziel erreicht, juhu^^)

Dann freu ich mich, wenn ich dich eventuell beim nächsten Kapitel antreffen werde.

LG Semi


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Beitrag #5 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hi Semi!
So, nachdem ich mich nun schon im Vorstellungshread geäußert habe, hier nun auch etwas Senf.
Vorneweg: Neben Lanna, Federlehrling und drakir, teilweise auch Herr Dreadnoughts, gehöre ich wohl zu den härtesten Kritikern in diesem Forum. (und zu den besten. Muahaahaaa *Größenwahn zum Grühstück gefressen hab* Icon_ugly )
Nimm eventuelle Kritik an Deinem Werk bitte nicht als persönlichen Angriff. Alles dient nur der Story und seiner Vervollkommnung!
Also dann frisch ans Werk!
(Nein, das ist keine Wortwiederholung!) Mrgreen


Zitat:„Lauf!“
Der Schrei hallte durch die dunkle Straße und wurde von den hohen Häusern mehrfach zurück geworfen.

-- So, es geht gleich mit Volldampf in die Geschichte. Pro
Die Adjektive hier finde ich allerdings etwas zu gewöhnlich, um wirklich Wirkung zu erzielen. Ich verstehe, dass du Spannung bzw. Athmosphäre aufbauen möchtest, aber eine Dunkle Straße die von Hohen Häusern umgeben ist. Nee.
Dann doch eher ne simple Gasse. Da stehen nämlich meist keine Lampen und sind auch gerne schattig. Ergo alles düster! )
Das Zurückwerfen des Schalls spricht für hohe Häuser, die eng beieinander stehen, sonst gäbe es nämlich erst gar kein Echo. Kann also auch weg. Ansprechender fände ich allerdings etwas wie "kalte Fassaden" oder Ähnliches. Dann könnte man statt "hallte" noch etwas bildlicher werden. Der Schrei kann durch die Gasse rollen oder die Dunkelheit in der Gasse zerschneiden, während die Fassaden der Häuser ungerührt bleiben. (Upps, ich schweife hier gerade ab. Aber ich hoffe, du verstehst, was ich sagen wollte.)

Zitat:Ben stellten sich die Nackenhaare auf, doch das lag nicht nur an dem verzweifelten Ausruf, den seine Schwester gerade von sich gegeben hatte.
-- Dieser Satz ist mir zu komplex. Spannung entsteht durch kurz abgehackte Sätze. Auch könntest du die Angst durch ein anderes Bild stärker machen.
-> Ben sackte das Herz in die Knie.

Zitat:Es war hinter ihnen her. Man konnte die leisen Laute hören. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch, es kam ihnen immer näher.
-- Auch hier ist die Wahl des Adjektives wieder etwas unglücklich in meinen Augen. Er rennt. Also schnauft er. Ebenso seine Schwester. Leise Laute hört man da kaum. Zudem sind sie auch nicht besonders gruselig. Das würde ich also streichen, und ebenso nochmal die Wahl des Geräusches überdenken. Etwas Schmatzendes wäre cool. :D
--> Er konnte es spüren. Wie es sich näherte. Knirschend wie eine Steinlawine; und genauso unaufhaltsam.

Zitat:Bens Muskeln brannten und begannen bereits zu protestieren, aber er verschwendete keinen Gedanken daran, ihrem Flehen nachzugeben.
-- Wenn die Muskeln brennen ist eigentlich klar, dass sie protestieren. Also etwas kürzer:
Bens Muskeln brannten (und schrien nach Ruhe), doch er konnte es sich nht erlauben, stehen zu bleiben. Nicht eine Sekunde!

Zitat:Die Straße, auf der sie liefen, war düster und wurde nur spärlich vom Mond in ein gräuliches Licht geworfen. Zu ihren Seiten ragten die Häuser steil empor; dunkle, emotionslose Bauten, die einem das Gefühl gaben, eingeschlossen zu sein.
-- Von Der Verfolgung nun ein Schwenk auf die Umgebung. Das kann man machen, aber du greifst nur auf, was bereits am Anfang steht. Von daher stört es mich hier sehr. Wir wissen, dass die Straße dunkel ist. Die Häuser hoch. Beschreib lieber, wie sie vorbeiziehen. Suchen deine Protas nach etwas? Schutz? Eine Lücke in den Häusern? Eine offenen Tür? Licht? Menschen? Du könntest schreiben, wie er die Hand seiner Schwester fester fasst, weil er Angst hat sie zu verlieren etc. Mache ihn und sie etwas lebendiger!

Zitat:Bens Rachen fühlte sich durch die kalte Winterluft so an, als würde er von unzähligen Nadelstichen durchbohrt werden. Seine Glieder brannten wie Feuer, doch er befahl seinen Beinen weiterzulaufen.
-- Satz Nummer 2 steht so in der Art oben bereits! Satz 1 ist hingegen wieder etwas zu umständlich. Zudem fängst du erneut mit Ben an.
Etwas Abwechslung: Die Winterluft bohrte sich mit unzähligen Nadelstichen in sei Rachen. (das bedingt, dass sie dann auch kalt ist - wieder ein unnötiges Adjekv gespart Icon_wink )

Zitat:Da war es wieder, das Wispern. Ganz leise, wie das Rascheln eines Baumes. Doch hier gab es keine Bäume, die Altstadt bestand nur aus den alten Gemäuern mit finsteren Toreingängen, die auf noch dunklere Hinterhöfe führte.
-- Zu den leisen Geräuschen habe ich weiter vorne bereits etwas gesagt. Bei den Häusern hast du hier einen schönen Ansatz drin. Diese Stelle würde sich gut für e Bild eignen.
--> Doch hier gab es keine Bäume. Nur nackten Stein und finstere Toreingänge, die sich ab und an in den Mauern wie hungrige Schlünder auftaten.

Zitat:Christin wimmerte; der Laut fuhr Ben durch Mark und Bein und er streckte seine Hand nach ihr aus. Als er ihre klammen Finger umgriff, zuckte sie zusammen und kurz streiften sich ihre Blicke.
-- Das funktioniert so leider nicht. Sie läuft, also schnauft sie. Wie er auch. Wimmern wird da schwierig. Zudem, wenn beide laufen, und er wirklich älter ist, wie ich es denke, sind die beiden nicht auf einer Höhe, so dass er einfach nach ihrer Hand greifen könnte. Entweder er hält ihre Hand von Anfang an und zerrt sie hinter sich her oder aber er muss sich umdrehen, schauen wo sie ist und sich dann zurückfallen lassen. Er könnte sie auch anteiben. Sollte er sogar. Sich immer wieder painisch umschauen. Insgesamt ist mir das Wegrennen zu statisch.
Ps: Warum sollte das Wimmern ihn eigentlich so aus der Fassung bringen?

Zitat:Ihr Gesichtsausdruck verriet ihre ungeheuerliche Angst, sie fühlte sich noch schlimmer als er. Ihre Augen waren weit geöffnet, voller Angst und Unverständnis.
Der Junge riss sich zusammen und fasste ihre Hand fester.
--Siehe oben. Er rennt scheinbar um sein Leben. Da bleibt keine Zeit für solch genaue Betrachtungen - ohne zu stolpern.

Zitat:Hektisch blickte Ben umher, was sollte er machen?
-- 2 Sätze.

Zitat:Kurzerhand bog er in eine Seitenstraße ab und stellte mit Grauen fest, dass sich an der Umgebung nichts geändert hatte: Hauswand an Hauswand, keine Möglichkeit, sich zu verstecken.
-- Hm, also wenn ich kurz um eine Ecke biege, erwarte ich nicht, dass sich die Umgebung sofort radikal ändert. Kennt er sich dort nicht aus? Wie ist er dort hingegekommen?

Zitat:Eine der wenigen Telefonzellen, die noch nicht von der Modernisierung eingeholt worden waren, warf ihr schwaches Licht auf die Straße. Seitenstiche plagten Ben und ließen ihn immer heftiger ausatmen.
-- Hm, aber er rennt noch, oder? Also ich musste im Sportunterricht immer aufhören, wenn ich Seitenstiche hatte. Frage mich gerade, ob man damit rennen kann. Verkrampft sich da nicht die Rippenmuskulatur?

Zitat:Das Raunen kam näher, jetzt von links, doch Ben widerstand dem Versuch, hin zu schauen.
-- Du hast einige Sätze, die mittendrin "doch" oder "aber" enthalten. Erstens fängt man damit üblicherweise einen neuen Satz an. Zweitens ist es an vielen Stellen unnötig bzw. vermeidbar. Hier kann es zum Beispiel weg. Versuch sollte wohl Versuchung heißen. Icon_wink Obwohl ich darunter etwas anderes verstehe. Hm.
--> Das Raunen kam näher. Jetzt von links. Ben widerstand dem Wunsch hinzuschauen.

Zitat:Warum war das Viertel so riesig? Oder liefen sie bereits im Kreis?
-- Kannn getrost raus.

Zitat:Eine Bewegung aus dem Augenwinkel ließ einen eiskalten Schauer über seinen Rücken laufen und kurz hatte er das Bild eines kauernden Mannes vor seinen Augen.
-- Unschöne Dopplung und es heißt im Augenwinkel.

Zitat:Flüstern. Direkt hinter ihnen. Panik wallte in dem Jungen auf, als er scharf rechts um die nächste Kurve sprintete und Christin hinter sich her zog.
-- Das musst du eigentlich nicht mehr erwähnen.

Zitat:Er antwortete nicht, drückte nur ihre Hand fester.

-- Da er das bereits zum vierten Mal macht, ist die Hand jetzt wohl hin. Icon_wink
(Soll heißen - etwas Abwechslung wäre nett.)

Zitat:Nur noch wenige Schritte, doch sie zogen sich wie Gummi.

--> Die Schritte zogen sich wie Gummi. (eher lustig, als gruselig *find*)

Zitat:Jetzt war er da:
--> Endlich waren sie da. (Die Schwester ist ja auch dabei.)

Zitat:Schwester mit sich und sie jagten nebeneinander her die Treppe hinab. Sie nahmen drei Stufen auf einmal und rannten in den Warteraum. Auf der anderen Seite führte eine Treppe wieder nach oben, man konnte zwei Beinpaare sehen, die gerade aus dem Blickfeld verschwanden.
-- Und das alles ohne Atem zu holen? Icon_wink

Zitat:In dem Bahnhof war es hell, aber schmutzig. Ein Mülleimer quoll mit stinkendem Papier und Abfall über. An den Wänden hingen Werbeplakate, die unverschämte Jugendliche mit Spraydosen verschandelt hatten. Doch dafür hatte Ben keinen Blick.
-- Warum beschreibt du es denn? Du schreibst im personalen Stil, also sollten wir sehen, was Ben sieht und wahrnimmt.

Zitat:Seine Schwester wimmerte leise auf und Ben zog sie dicht an sich heran.

-- zu viel.

Zitat:Mit geschlossenen Augen ließ sich Ben auf einen Sitz fallen und zog Christin neben sich, den Arm um sie gelegt.
- Da er sie im Arm hält eher: Mit geschlossenen Augen ließ sich Ben mit Christin auf eine sitzbank fallen.

Zitat:Ihre Augen schlossen sich für eine Weile und er wusste, dass sie nach Fassung rang. Über die letzten vierundzwanzig Stunden grübelnd.
-- Ich frage mich wirklich, wie alt sie wohl sein mag. Ich habe hier ein kleines Mädchen vor Augen und dieses würde garantiert nicht so schnell beruhigt sein.

Zitat:Dabei war das Wochenende ganz normal verlaufen, jedenfalls bis zu dem Unfall...
-- Ich nehme an, hier leitest du die Geschichte ein? Wir bleiben also bei Ben und Christin im Roman? Das nächste Kapitel wäre dann ein Rückblick. Hm.

Gut, kommen wir zum Inhalt:
An sich nichts Ungewöhnliches. Junge rennt mit (kleiner?) Schwester weg. Vor einer unheimlichen Bedrohung. Das ist nun wirklich nichts Neues. Um so mehr muss dann der Stil bzw. die Umsetzung klappen.

Da hapert es in meinen Augen allerdings ziemlich. Gerade wenn man bedenkt, dass es sich um ein Prolog handelt. Dieser soll ja vom Prinzip her Spannung erzeugen und Interesse wecken. Bei einer Weglaufszene noch Kreativ zu sein, ist zugegeben schwierig, aber nicht unmöglich.
1. Solltest Du dir noch einmal Gedanken über deine Umgebung machen.
Ben rennt panisch durch die Stadt. Was sieht er? Was nicht! Und wie wirkt das, was er sieht auf ihn. Da er aufgeregt ist, kannst du da ruhig etwas verrückt spielen. Ein paar bizarre Vergleiche, Bilder peppen die Handlung gewaltig auf.
2. Ben rennt! Das solltest du nie vergessen. Wenn man rennt, gehen viele Dinge nicht. Vor allem hat man nicht ewig Zeit, um bestimmte Dinge zu betrachten.
3. Baue etwas mehr Hintergrund ein! Es sollte kein Roman werden, aber sein Alter bzw. Christins sollte irgendwie herüberkommen. Ebenso wo sie sind und vor allem, 4. warum dort kein Mensch ist! Selbst wenn man nachts durch die Stadt rennt, sollte einem irgendwer begegnen. Sollte es nur ein Penner sein.
5. Brauchen deine Charaktere mehr Leben. Damit meine ich mehr als pochende Herzen. Ich will Gedanken, Wünsche. Hektik! (Die Hatz in Order of the Phenix isier ein gutes Beispiel!)

Zum Stil:
In deiner Einleitung steht, dass du bereits seit zwei Jahren schreibst. Ich nehme allerdings an, dies ist dein erster aktiver Austausch? Dein Stil ist noch sehr schlicht, fast farblos. Das ist an sich nichts Schlimmes. Nicht jeder muss mit sprachlicher Brillianz bestechen. Das verlange ich auch gar nicht. Anschauen könntest du dir jedoch deinen Satzbau. Du hast viele Sätze mit ähnlicher Struktur. Meist steht ein Subjekt am Anfang. "doch" bzw. "aber" taucht relativ häufig auf - habe ich früher auch gemacht. Icon_wink
Überleg dir einfach, ob es wirklich notwendig ist. Meist erledigt eine Satzumstellung vieles. Ebenso wie manche Verben/ Adjektive Nebensätze erübrigen.
Nimm dir doch einfach mal eines deiner Lieblingsbücher und schreibe dir raus, was es für Möglichkeiten gibt, einen Satz zu beginnen. Ich kann dir versichern, du wirst über die Fülle überrascht sin. Icon_smile

Fazit:

Bis jetzt weiß ich noch nichts über die Geschichte. Der Prolog an sich zeigt gute Ansätze, wirkt aber, ob der Gewöhnlichkeit noch etwas überflüssig auf mich. Also ich frage mich, wofür brauchst du ihn? Ist er wirklich notwendig, um in die Handlung einzuleiten? Denn du musst sehen, dass du dem Leser auch schon verrätst, was denn im Laufe der Geschichte passieren wird. Vielleicht äre es also besser mit dem "normalen" Wochenende zu beginnen. Harry Potter hat auch keine großartige Einleitung, ebenso nicht HdR. Manchmal ist weniger wirklich mehr.
Und manchmal stößt ein Prolog dem Leser eher bitter auf, anstatt ihn anzulocken. Icon_wink

Liebe Grüße
Adsartha




"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #6 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hallo Adsartha,

erst einmal danke für deinen ausführlichen Kommentar!

Persönlich nehme ich so etwas eh nicht, dann würde ich es ja nicht weit bringen Icon_wink

Ich feile und bessere den Prolog an allen Ecken und Kanten aus, mit Hilfe der Community hier. Dass mein Schreibstil noch nicht der beste ist, ist (logischerweise) auch klar; allerdings habe ich bisher noch von jedem gehört, dass er ihn mag. Schade, dass er bei dir nicht punkten kann.

Mit dem ähnlichen Satzaufbau gebe ich dir vollkommen Recht, zu meiner Verteidigung: Wenn man den gleichen Text zehn Mal überarbeitet, dann weiß man nicht mehr so genau, was wo steht (ich jedenfalls nicht ^^). Der Feinschliff ist sowieso noch nicht gemacht, daher kommt das wohl noch (ich bin da frohen Mutes und positiv eingestellt *lach*)

Ich wollte den Prolog deshalb mit der Flucht beginnen, damit der Leser sofort in der Geschichte drinnen ist und es meiner Meinung nach gut ist. Natürlich funktionieren Bücher wie Harry Potter auch ohne, aber ich persönlich habe den ersten Band nach 40 Seiten zur Seite gelegt beim ersten Mal.

Da es noch nicht die Endfassung ist, steht diese Reihenfolge auch noch nicht genau fest, kann sich also noch ändern. Wenn ich alles noch einmal überdacht habe, werde ich das wohl entscheiden Icon_wink

Ich werde mir natürlich deine Anmerkungen zu Herzen nehmen und mir morgen erneut den Prolog vornehmen, denn ich sehe einiges jetzt besser Icon_smile

Deshalb noch einmal ein Dankeschön an dich! Pro

LG Semi


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Beitrag #7 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Moin Semi.

Wie hier kommentiert wird, hast du ja inzwischen schon kennengelernt. Auch von mir gibt es erst Detailkritik, dann Fazit. Ich kommentiere, was mir auffällt. Ich gehöre hier zu den härteren Kritikern. Das ist das kein Affrond gegen dich persönlich sondern bloß meine Kritik an deiner Geschichte. Ich habe die anderen Kommentare noch nicht gelesen, um unvoreingenommen an die Geschichte zu gehen, es kann also ggf. zu Dopplungen kommen. Nimm' dir, was dir gefällt, den Rest kannst du ignorieren Icon_smile


Zitat:Der Schrei hallte durch die nahezu endgültige Finsternis und wurde von hohen Häusern mehrfach zurück geworfen.
Endgültig im Sinne von "das Licht kommt niemals wieder"? Oder ist es einfach nur Nacht? Dann wäre vielleicht "vollkommen" ein passenderes Adjektiv.

Zitat:Man konnte die leisen Laute hören. In jeder Atempause drang es in ihr Ohr. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch, es kam ihnen immer näher.
Leise Laute - das klingt komisch in meinen Ohren. Im nächsten Satz beschreibst du das Geräusch näher, insofern könntest du auf diesen Satz letzten Endes ganz verzichten.
Vorschlag: "In jeder Atempause drangen die flüsternden Laute in ihr Ohr. Das leise Knirschen, es kam ihnen immer näher."
(Wobei "Knirschen" für mich tendenziell ein harter, flüstern eher ein weicher Laut ist, sodass diese Beschreibung ebenfalls ein bisschen hinkt, aber vielleicht bin ich da auch überkritisch und etwas verquer im Ohr Icon_wink)

Zitat:Sie durften jetzt nicht stehen bleiben!
Vorsicht mit Ausrufezeichen! In der wörtlichen Rede braucht man es gelegentlich und im Erzähltext kann es - wie hier - auch einmal verwendung finden, wenngleich erheblich seltener. Bevor du es setzt, besser noch einmal drüberschauen, ob es reißerisch wirkt. In dem Fall lieber umbauen.

Zitat:Ihre Umgebung wurde nur spärlich vom Mond in ein graues Licht getaucht.
Eben war es noch "endlos finster".

Zitat:Zu ihren Seiten ragten die Häuser steil empor
Das hatten wir gerade schon (beim Hall des Ausrufs). Insofern:

Zitat:; dunkle, emotionslose Bauten, die einem das Gefühl gaben, eingeschlossen zu sein.
Vorschlag: Rechts und links der Straße ragten dunkle, emotionslose Bauten empor und gaben einem das Gefühl ...

Zitat:Bens Rachen fühlte sich durch die eisige Winterluft an wie von Nadelstichen durchbohrt.
"Wie von Nadelstichen durchbohrt" klingt für mich nicht optimal, und normalerweise sticht es in der Luftröhre, oder? "Rachen" ist für mich der Teil gleich hinter der Mundhöhle; bei mir sitzen die Nadelstiche weiter unten, auf Höhe des Kehlkopfs. Wie wäre es mit "Bens Hals fühlte sich wegen der eisigen Winterluft an, als bohrten sich Tausende Nadeln in seine Luftröhre"?

Zitat:Ihr Gesichtsausdruck verriet ungeheuerliche Angst.
Hier bin ich nicht sicher: "Ungeheuer" oder "ungeheuerlich"? Für mich gibt es da einen Unterschied. Ersteres kann "besonders viel" bedeuten, letzteres eher "unverschämt" ("Ungeheuerlich!", rief er aus, als er die Vorwürfe vernahm, die ihm entgegengebracht wurden.)

Zitat:Der Junge stolperte und fiel beinahe. Er riss sich zusammen und sah hektisch umher.
Hmm. "Fallen" sagt für mich wenig aus. Ich weiß, ist nicht viel besser, aber was hältst du von "stürzen? Oder "geriet ins Straucheln"? Außerdem weiß ich nicht, ob "Zusammenreißen" etwas bringt, wenn man strauchelt. Das beziehe ich eigentlich eher auf die Psyche. Vielleicht besser "Irgendwie gelang es ihm, sich wieder zu fangen"?

Zitat:Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte Ben, seine Gedanken nach vorne zu richten.
Richtet man seine Gedanken mit zusammengebissenen Zähnen nach vorne? Ich hätte wahrscheinlich "... biss die Zähne zusammen und versuchte, seine Gedanken nach vorne zu richten". (Oder: "... auf das zu richten, was noch vor ihm lag"?)

Zitat:Lange konnten sie das nicht mehr durchhalten!
Das meinte ich vorhin mit den AUsrufezeichen. Hier wirkt es auf mich reißerisch. Ich würde einen Punkt setzen.

Zitat:Christin war am Straucheln und er zog sie zu sich.
"War am Straucheln" ist sehr umgangssprachlich. Besser einfach "strauchelte" oder "war ins Straucheln geraten". Aber ist es so schlau, jemanden an sich zu ziehen, der gerade nicht sicher über den Füßen steht? Im schlimmsten Fall liegen dann beide lang. Vielleicht "versuchte, sie zu stützen"? "Griff instinktiv nach ihrem Arm"?

Zitat:Dabei war das Wochenende ganz normal verlaufen, jedenfalls bis zu dem Unfall...
Die drei Punkte am Ende finde ich unschön. Das ist kein Satzzeichen, das Pausen symbolisiert, sondern ein Mittel, um Auslassungen darzustellen. Dieser Satz ist hier aber zu Ende, da fehlt nichts. Das richtige Werkzeug ist dann der Punkt. Und wenn die Auslassungspunkte stehen bleiben sollen, dann gehört ein Leerzeichen davor (anders, wenn du mitten im Wort unterbrichst - näheres in Lannas Satzzeichenfibel).

Tja, und durch.
Du merkst sicher, ganz zufrieden bin ich nicht. Inhaltlich ist noch nicht viel passiert - eine klassische Flucht vor einem unbenannten Grauen. Nichts Weltbewegendes, aber solide gemacht. An der Wortwahl kannst du gelegentlich noch feilen, aber das ist, fand ich, schon im Laufe der Geschichte besser geworden; vielleicht hast du dich warmgeschrieben Icon_wink
Manchmal schienen mir die Aktionen der Protagonisten nicht ganz durchdacht. Ob man in der Situation klar und besser denken würde, weiß ich zwar nicht, aber so richtig dieser Gedankengang ist, unlogisches Verhalten, das nicht als solches benannt wird, lastet der Leser gemeinerweise in der Regel dem Autoren an, der in seinem gemütlichen Kämmerlein klar denken können sollte und das offenbar nicht getan hat (denn sonst hätte er die naheliegenden Konsequenzen ja in die Geschichte eingebaut).

Liebe Grüße, viel Erfolg weiterhin beim Überarbeiten und bis bald unter Kpt. 1 Icon_smile
Lehrling

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Beitrag #8 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hallo Lehrling,

ich danke dir für deine Kritik!

Es hat sich nicht viel gedoppelt, weil ich den Text oben bereits aktualisiert habe. Also kann ich mich in Ruhe auf deine Aussagen konzentrieren.

Die richtige Wortwahl zu finden ist manchmal schwer. Deshalb bin ich richtig glücklich, dass ihr über die Texte schaut. Das hilft mir sehr.

Da hast du wohl Recht. Wenn ich eine Geschichte neu beginne, hören sich meistens sogar die ersten zwei oder drei Kapitel sehr holprig an, weil ich erst einmal reinkommen muss. Dass es hier bereits gegen Ende besser wird, lässt mich hoffen Icon_wink

Dann freu ich mich schon, wenn du das erste Kapitel gelesen hast.

LG Semi


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Beitrag #9 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hi Semikolon!

Normalerweise fange ich bei Geschichten, die ich nicht weiterlese, das Kommentieren gar nicht an. Aber weil dein Prolog doch recht kurz ist, weil du Kritik auch annimmst und zum Überarbeiten gewillt bist (ist ja leider keine Selbstverständlichkeit) und weil ich nach meinen ganzen Ausflügen außerhalb der Fantasy nochmal Heimweh habe *lach* - also, du bekommst trotzdem einen Kommentar.
Auch wenn es hier (noch) keine Fantasy gibt. Das ist auch der Grund, warum die Geschichte bisher nicht auf meiner Kommentier-Liste stand. Ich mag Fantasy-Geschichten, die in unserer Welt spielen, nicht. Gibt ganz wenige Ausnahmen, aber normalerweise sortiere ich die immer raus. Da kannst du also nicht für. Auch dein Schreibstil hat mich nicht abgeschreckt oder sowas Icon_wink Einzig und allein Geschmackssache.

Bei meinem Kommentar werde ich mich deshalb vermutlich auch auf textliche Anmerkungen beschränken. Überflogen hatte ich die Geschichte schon, als sie eingestellt wurde, nun schreib ich beim Lesen direkt meine Anmerkungen auf. Du bist also sozusagen »live« dabei Icon_wink
Oft sind meine Anmerkungen natürlich Geschmackssache und es liegt an dir, ob du sie annehmen möchtest oder nicht.

Zitat: Der Schrei hallte durch die nahezu endgültige Finsternis
In letzter Zeit fallen mir solche Dinge da irgendwie ständig auf – kann also an mir liegen:
Ich finde es immer sehr schade, wenn solche starken Wörter wie »endgültig« durch Abschwächungen (beinahe, fast, ein wenig, nahezu) ihrer Stärke beraubt werden. Das ist, als würde man sagen: »Ihm war total kalt. Er fror ein wenig.« … »endgültige Finsternis« ist ein so starkes Bild, hinterlässt den Eindruck von Schwärze und Verlorenheit. aber über das ganze Schwarz wird lieblos ein bisschen Deckweiß gepinselt. Versteht man mich? *lach*
Vor allem, da du später nochmal »graues Mondlicht« aufgreifst, scheint es mir, als gäbe es hier gar keine endgültige Finsternis, sondern vielmehr eine verwaschen schwarze Nacht.
In diesem Satz scheinen mir »Schatten« viel treffender, oder auch nur »Dunkelheit«.
Finsternis klingt schon so tiefdunkel, das endgültig davor verstärkt es noch.
»Der Schrei hallte durch die Dunkelheit« klingt natürlich sehr … »normal«. Aber wenn es genau das aussagt, was da überhaupt passiert, warum nicht?

Zitat: Man konnte die leisen Laute hören. In jeder Atempause drang es in ihr Ohr. Dieses flüsternde, knirschende Geräusch, es kam ihnen immer näher.
(Wunder dich nicht, ich kritisiere teilweise sehr pingelig, vor allem, wenn ich in größeren Maßstäben nichts finde Icon_wink )
»Man« klingt sehr unpersönlich, irgendjemand halt, berührt nicht. Du hast doch jemanden da, der die Laute hört, warum also nicht: »Ben/Er konnte … hören«? Bleib am Protagonisten dran, besonders in einer solchen Szene.
»leise Laute« - das klingt schon so lustig, durch den Gegensatz leise/laut; aber auch hier gilt: bleib an Ben: Was genau hört er? Vor allem, da du schon im übernächsten Satz genauer auf die Geräusche eingehst, liest sich das hier wie eine überflüssige Verallgemeinerung. Je präziser du bei der Beschreibung bist, umso bildhafter wird die Szene. Was natürlich nicht heißt, dass immer jede Kleinigkeit beschrieben werden muss. Aber statt einer allgemeinen Aussage, die alles bedeuten kann, ist eine konkrete immer besser. Vor allem in einer Situation, in der es wirklich einen Unterschied macht, ob die »leisen Laute« jetzt ein gesummtes Lied sind oder tatsächlich Schritte oder das Murmeln eines Wahnsinnigen Icon_wink
»es dringt an ihr Ohr« - das klingt, als wäre entweder der Bezug falsch »ihr Ohr« = »das Ohr der Schwester« oder als würden die Geschwister sich ein Ohr teilen. Auch hier wäre mein Ratschlag: Bleib bei Ben – ob die Schwester das Geräusch ebenfalls hört ist nicht wichtig, man kann es sich sowieso denken, weil sie ja auch flieht und Panik hat. Mein Vorschlag also:
»Er konnte das Knirschen hören, wie Schritte. In jeder Atempause drang es an sein Ohr/ seine Ohren. Dieses Flüstern / flüsternde Geräusch, es kam (ihnen) immer näher.«

Zitat: Ihre Umgebung wurde nur spärlich vom Mond in ein graues Licht getaucht. Zu ihren Seiten ragten die Häuser steil empor;
Der Satz beschreibt im Prinzip das gleiche wie der erste Satz, nur finde ich es in diesem hier viel schöner verpackt Icon_wink

Zitat: Ihre Augen waren weit geöffnet, voller Angst und Unverständnis. Ihr Gesichtsausdruck verriet ungeheuerliche Angst.
Auch das liest sich (selbst wenn du die Angst einmal umformulierst) wie eine Wiederholung. Wie eine Erklärung des Beschriebenen: »Ihr Augen sind vor Schreck geöffnet. Das heißt, sie hat Angst« Icon_wink
»In ihren weit geöffneten Augen glänzten Unverständnis und Angst. Schiere Panik« (falls du die Steigerung von Angst drinhaben willst. Gerade in schnellen Szenen bremsen solche Wiederholungen, die im Grunde nichts Neues bringen, aus, weil es – vor allem auf einer Flucht – immer vorwärts gehen sollte. Sowohl für die Protagonisten, wie auch für den Leser

Zitat: Der Junge stolperte und fiel beinahe.
Das ist glaub ich ganz stark Geschmackssache, aber ich persönlich bin kein Freund (mehr) davon, neutrale Synonyme für die Hauptperson zu verwenden. »Ben« ist eben »Ben«. Wenn es ihm Zusammenhang passt, können solche beschreibenden Synonyme mal sein, zum Beispiel wenn er beim Busfahren nach der Karte gefragt wird und dann steht da: »Lässig zog der Student seinen Ausweis aus der Tasche« oder sowas.
Aber ich bin auch jemand, der Beschreibungen der Hauptpersonen für überflüssig hält, wenn es nicht grad in die Szene passt. Also mir ist es bei einer Szene erstmal egal, ob Ben und Christin 12, 20 oder 50 sind. Wenn solche krassen Unterschiede nicht durch die Sprache rauskommen, hat der Autor eh was falsch gemacht Icon_wink und ob die beiden nun 16 oder 21 sind, spielt für mich keine große Rolle (in der aktuellen Situation). Zumal »Junge« ja nach Autor auch alles sein kann von 3 bis 25 *lach*

Zitat: keine Möglichkeit, sich zu verstecken.
könnte man sich nicht in den dunklen Hinterhöfen verstecken? Vermutlich nicht, ich wollte die Frage trotzdem gestellt haben *lach* Ich vermute, Ben sucht ein Versteck, dass nicht in eine Sackgasse führt, damit man im Notfall weiter fliehen kann? Ein Gebüsch, einen Autoparkplatz oder sowas vermutlich?

Zitat: doch Ben widerstand dem Versuch, hin zu schauen.
»hinzuschauen«

Zitat: Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte Ben,
»zusammengebissenen«

Zitat: Christin war am Straucheln und er zog sie zu sich.
»am Straucheln« ist Umgangssprache. Ich hab das selbst viel zu lange verwendet, bis mir endlich mal jemand, der ganz und gar nicht aus meiner Gegend kam, gesagt hat, dass es total falsch ist *lach*
»Christin strauchelte« oder »Christins Schritte wurden stolpernd« oder sowas Icon_wink

Zitat: Er würde es selber nicht glauben,
Gleiche Sache »selber« ist umgangssprachlich, »selbst« ist der eigentlich richtige Ausdruck dafür. Leider findet sich »selber« inzwischen in etlichen öffentlichen Texten …

Zitat: Ein blau leuchtendes Schild wies ihnen den hell erleuchteten Eingang zur U-Bahn.
Hm... man könnte das »leuchtendes« beim Schild weglassen, wobei mir grad auffällt, wenn der Eingang zur U-Bahn eh hell erleuchtet ist, braucht es kein Schild, das darauf hinweist. In der Dunkelheit fällt der helle U-Bahn-Eingang vermutlich sowieso schneller auf als ein bloßes Schild daneben?
Vorschlag:
»Da. Licht. Am Ende der Straße. Der hell erleuchtete Eingang zur U-Bahn tat sich dort auf / versprach neue Hoffnung / gab Ben neue Kraft.«

Zitat: als sie erkannt hatte, was er vor hatte.
»vorhatte«

Zitat: Ben erinnerte es an die Albträume, die ihn als Kind verfolgt hatten:
Ist nur eine Kleinigkeit, aber ich fände hier »Ben erinnerte sich an die Albträume« besser zu lesen. Dadurch bleibt Ben aktiv, wird nicht von außen zu einer Handlung gebracht, sondern ist selbst Akteur.

Zitat: Auf der Treppe gegenüber verschwanden gerade zwei Beinpaare, die letzten Passanten, die es vielleicht vertreiben konnten. Bens Blick sprang nach rechts. Sein Herz setzte einmal kurz aus. Auf den Gleisen stand die Bahn, die sie noch retten konnte. Er sprintete los und zog das zitternde Mädchen mit durch die sich gerade schließende Tür.
»vertreiben konnten« und »retten konnten« klingen schon sehr ähnlich, dazu ist der Satzbau drum herum gleich. Vorschlag:
»die letzten Passanten, die es vielleicht vertrieben hätten« … denn ich gehe mal davon aus, Ben rechnet nicht damit, dass die Passanten aufspringen und das »Monster« aktiv vertreiben, sondern dass das »Monster« durch die Anwesenheit der Passanten vertrieben worden wäre. daher fände ich eine Lösung mit »hätten« sinnvoller, weil es ja kein »Können« der Passanten selbst ist, dass das »Monster« sie … »fürchtet«.
das »zitternde Mädchen« … das klingt für mich sehr Distanziert dafür, dass es Bens Schwester ist. Es klingt, als hätte er plötzlich ein vollkommen fremdes Mädchen an der Hand Icon_wink Warum nicht weiterhin »Christin« oder »seine Schwester«?

Zitat: Sein Brustkorb hob und senkte sich rasend schnell, er zitterte und seine Augen huschten schnell von einer Treppe zur anderen.
Das zweite »schnell« würde ich einfach streichen; »huschen« impliziert so eine hektische, schnelle Bewegung sowieso schon, so dass das Adjektiv da überflüssig ist

Zitat: Dann schlossen sich die Türen und die Bahn fuhr mit einem leichten Ruck los.
Nene, nicht mit mir! Icon_wink Im Absatz vorher schreibst du schon:
»durch die sich gerade schließende Tür.«, das heißt, die Türen sind zu, sobald Ben und Christin durch sind. Oder gehen sie nochmal auf? Dann würd ich das extra erwähnen, denn sonst wirkt es wirklich wie ein Flüchtigkeitsfehler, dass sie hier schon wieder zugehen

Ja, abgesehen von diesen – ich gebe zu – Kleinigkeiten liest sich die Flucht der Geschwister sehr flüssig, ist spannend und dunkel beschrieben und erzeugt ein Kribbeln. Vor was sie wohl fliehen mögen? Prinzipiell hätte ich weitergelesen, weil du wirklich gut Spannung aufbaust, aber da der folgende Text ein Rückblick ist, ein »Wie es dazu kam« … das interessiert mich nicht wirklich, weil es so alltäglich scheint. Also nichts gegen Alltag in Geschichten, nur ich persönlich lese das nicht gerne. Wenn ich Fantasy lese, will ich fantastische Welten. Unter Horror hätte ich die Geschichte auch weitergelesen, wenn es eben jetzt mit der Flucht weitergegangen wäre. Aber das folgende Kapitel packt mich einfach nicht, weils meinen Geschmack nicht trifft.

Ich hoffe, ich konnte dir trotzdem weiterhelfen Icon_wink

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #10 |

RE: Vierzehn - Prolog: Flucht
Hallo Lanna,

danke dir für dein Kommentar, den ich leider erst jetzt lese. Ich habe in letzter Zeit nicht geschafft, rein zu schauen.

Es freut mich, dass dir der Prolog gefällt, trotz deiner Vorlieben etc.

Ich werde deine Verbesserungen übernehmen, manche Sachen waren zu offensichtlich für mich ^^

LG Semi


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