Es ist: 13-04-2021, 19:48
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Eine Geschichte von Raum und Zeit - Kapitel 2
Beitrag #1 |

Eine Geschichte von Raum und Zeit - Kapitel 2
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Prolog Kapitel 1
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Kapitel 2: Kriemhild

Jedes Mal, wenn sie ihr in die grauen, blutunterlaufenden Augen sah, hatte sie das Gefühl zu brennen. Sie hasste dieses Gefühl der Hilflosigkeit und doch war es allgegenwärtig, sobald sie diese unglaublich hässliche Frau inmitten des riesigen, bis an den Rand gefüllten Wasserbeckens sitzen sah. Ihre Haut war schrumpelig wie die eines Apfels, der seine besten Tage schon lange hinter sich gelassen hatte, und das kalte Wasser, in dem sie permanent saß, tat sicherlich sein übriges. Angeblich soll sie damals, vor über 100 Jahren, eine wahre Schönheit gewesen sein. Doch der Liebreiz, sofern es ihn jemals gegeben hatte, war dem Alter gewichen und das einzige was bis heute dem Zahn der Zeit standgehalten hatte, war ihre unbeschreibliche Grausamkeit.

Hastig wandte Kriemhild den Blick von der Alten ab und fokussierte stattdessen ihren Begleiter. Er wirkte angespannt. Vermutlich ahnte er ebenso wie sie selbst, dass nur eine Neuigkeit von ungeheuerlichen Ausmaßen ihre Herrin dazu bewogen haben konnte, sie von dem Heer weg vor ihren Thron zu befehligen. Das - oder eine neue unerträglich verrückte Idee.

„Hubertus. Der Wind scheint heute auf unserer Seite zu sein, wenn meine Nachricht dich so schnell erreicht hat.“ Die Herrin im See schenkte ihrem Begleiter ein erwartungsfrohes Lächeln. Ein Lächeln, das ihr aufgeschwemmtes Gesicht nur noch grotesker wirken ließ.

„Dylana.“ Hubertus hielt unmittelbar vor dem Beckenrand und deutete eine leichte Verbeugung an. „Der Wind weht in der Tat…“

„Lassen wir das. Was interessiert mich der Wind. Es gibt Wichtigeres zu besprechen“, unterbrach Dylana ihn ungeduldig. „Sophos, mein Lieber, willst du oder soll ich ihm die große Neuigkeit übermitteln?“

„Ganz wie es dir beliebt, meine Liebe“, erklang Sophos‘ gewohnt nonchalante Stimme neben ihnen.

Dylanas Lächeln vertiefte sich, so als hätte sie keine andere Antwort erwartet. „Nun denn, Hubertus, es wird dich sicherlich brennend interessieren, welche unglaublichen Neuigkeiten Sophos‘ Spione uns zugetragen haben?“ Die Spitzen ihrer beiden Zeigefinger tippten unaufhörlich aneinander, während sie eine wohlkalkulierte Pause einlegte. Doch als Hubertus keine Anstalten machte sich auf ihr Spiel einzulassen, sackten ihre Mundwinkel herab. „Du willst es doch wissen, oder Hubertus?“ Obwohl sich ihre Lippen kaum bewegt hatten, konnte man ihre schneidende Stimme bis in den letzten Winkel des Saales hören.

Unwillkürlich - ob des Sturms, der heraufzuziehen drohte - begannen Schatten, die zuvor nahtlos mit den hohen Säulen verschmolzen waren, zum Leben zu erwachen und sich langsam vom Wasserbecken weg in Richtung Wände zu schieben.

„Natürlich“, erwiderte Hubertus geduldig.

Etwas zu ruhig für Dylanas Geschmack, die augenscheinlich doch etwas mehr Neugierde erwartet hätte. „Natürlich“, spottete sie scharf. „Natürlich!“ Das Wasser, welches zuvor noch still wie die Eiwüste geruht hatte, begann sich zu kräuseln.

Unruhig tastete Kriemhild nach dem Feuerzeug in ihrem Mantel und trat wider besseres Wissen einen Schritt dichter an Hubertus und damit auch direkt an den Rand des Wasserbeckens heran. Das war nicht gut, das war gar nicht gut.

„Dylana!“ Sophos‘ Stimme war ruhig und dennoch klang etwas in ihrem Unterton mit, das Kriemhild nicht so recht zuordnen konnte. Etwas, das selbst die Herrin im See dazu veranlasste aufzublicken und ihm in die Augen zu sehen. „Wir wollten uns doch über die Neuigkeiten unterhalten.“

Dylana schaute ihn eine ganze Weile wortlos an, dann blinzelte sie. Ihre Stirn kräuselte sich, wie das Wasser zu ihren Füßen. Fast so, als versuchte sie sich verzweifelt an etwas zu erinnern. Ein Gedanke, eine Idee, doch was immer es auch war, es blieb verschollen. Hilflos blickte sie erneut in Sophos‘ Richtung, der neben Hubertus und ihr selbst der einzige war, der nach wie vor direkt am Beckenrand stand.

„Wir wollten die Sache mit Mathilda besprechen“, erklärte Sophos nun wieder in gewohnt freundlichem Ton.

Dylana runzelte erneut die Stirn, überlegte, doch dann breitete sich wieder das groteske Lächeln von zuvor auf ihrem Gesicht aus und mit dem Lächeln kamen auch die Schatten wieder langsam aus dem Hintergrund hervor und nahmen ihren angestammten Platz neben den Säulen ein. „Ich habe unglaubliche Neuigkeiten, Hubertus“, begann sie und schaute Hubertus einmal mehr so erwartungsvoll an, so als wäre nichts gewesen und vielleicht war es das in ihrer Erinnerung auch gar nicht. Doch Hubertus‘ Gesicht blieb wie versteinert.

Dylana seufzte frustriert auf. „Ach Hubertus, warum musst du dich nur immer so unterkühlt geben. Kannst du nicht wenigstens versuchen, dich ein kleines bisschen wie der liebe Sophos zu benehmen?“

Kriemhild musste ein abfälliges Schnauben unterdrücken. Sophos und Hubertus mochten zwar beide Dylanas oberste Befehlshaber sein, aber das war auch schon die einzige Gemeinsamkeit, die sie teilten. Hubertus war stark, wo Sophos mit List überzeugen musste, mutig, wo der andere klug war, aber allen voran war er wohl der mit Abstand ehrenhafteste Mann, den Kriemhild kannte, und das machte ihn schwach, verdammt schwach. Vor allem gegenüber einem Sophos, der es meisterhaft beherrschte, die Schwächen anderer zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Unwillkürlich schielte sie von Hubertus zu Sophos und wieder zu Hubertus zurück. Nein, die beiden hatten wirklich nichts gemeinsam.

Ihre Herrin seufzte einmal mehr, ehe es ihre gelang sich wieder auf den ursprünglichen Grund ihrer Zusammenkunft zu konzentrieren. „Nun dann, wie mir berichtet wurde, ist Mathilda während der Leitung ihrer letzten Dimensions-Reise ernsthaft verwundet worden.“ Unruhig - wie ein Kind, dass es nach dem Essen kaum erwarten konnte von seinem Platz aufzustehen und mit seinen Freunden zu spielen - rutschte sie auf ihrem Thron hin und her, bevor sie eindringlich fortfuhr: „Wir müssen uns diese Schwäche unbedingt zunutze machen!“

Kriemhilds Unterkiefer verkrampfte sich. Mathilda. Die Dimensionshexe. Eine der vier großen, der vier mächtigen Mimage. Eine der vier, deren Heimatländer man besser nicht angreifen sollte. Jedenfalls dann nicht, sofern man nicht wollte, dass einen das gleiche Schicksal ereilte wie Dylana vor über sechzig Jahren. Selbst wenn Mathilda heute geschwächt war, so würden ihre Wunden doch schneller heilen, als Hubertus und Sophos ihre Armeen in Richtung Mittland führen könnten. Warum dann nicht gleich einfach beim ursprünglich Plan bleiben und zuerst das Land am Silbermeer erobern, dessen Herrin noch relativ unerfahren und deren Macht noch nicht ganz ausgereift war? Doch das Schicksal und Dylana, mit all ihrer Unvorhersehbarkeit, hatten mit einem Schlag all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Doch dem war nicht genug, da ihre Herrin bereits zum nächsten Schlag ausholte: „Hubertus, Sophos, bringt mir Mathilda! Lebend. Bringt sie mir. Ich will sie hier vor mir knien sehen.“

Wenn man einen Krieg zwischen ihren beiden Ländern als verlustreich bezeichnen müsste, so war doch ein direkter Zweikampf mit Mathilda reiner Selbstmord. Jeder im Raum wusste das. Jeder, sogar Sophos! Doch dieser lächelte nur nachsichtig, wie immer.

Kriemhild blickte zu Hubertus, auf dessen Gesicht sich leichter Widerwille abzeichnete. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass in seinem Kopf bereits ein ganz anderer Gedanke Gestalt angenommen hatte. Weder der Kampf gegen einen geschwächten Gegner, noch der Herrin ein weiteres Opfer zum Spielen zu geben, harmonierte mit seiner Vorstellung von Ehre. Und genau hier begann seine eigentliches Problem. Er konnte entweder seinen Schwur, ihr die Treue zu halten und jeden ihrer Befehle zu befolgen, brechen oder aber wider seinen Anstand handeln und ihrem Befehl Folge leisten. So oder so, letztendlich konnte er eigentlich nur verlieren, dennoch versuchte er es: „Herrin, ich kann nicht…“

„Bring sie mir! Ich will sie haben! Ich werde keine Ausreden dulden!“ Bei jedem Wort schlug sie mit der Faust auf die Lehnen ihres wässrigen Throns. Wasser spritzte in alle Richtungen, doch dieses Mal blieben die Schatten dort, wo sie waren.

Kriemhild wartete. Sie wartete, wie auch alle anderen, auf Hubertus‘ Reaktion. Es war ein offenes Geheimnis, dass beinahe jeder, der unter der Herrschaft der Herrin im See stand, insgeheim hoffte, dass Hubertus eines Tages genug von ihren Eskapaden haben und sich offen gegen sie stellen würde. Doch dieser sehnlichst erwartete Tag schien nicht heute zu sein, da Hubertus bereits schicksalsergeben den Kopf beugte und nickte: „Wie du befiehlst, Herrin.“

Die Enttäuschung im Raum war förmlich greifbar, als einmal mehr das Pflichtgefühl über den Anstand gesiegte hatte.

Die Herrin im See begann zu lachen. Ein grausiges Lachen. „Das wird ein wahres Fest werden.“

Noch während Dylana lachte, verabschiedete sich Hubertus von ihr mit einer leichten Verbeugung und strebte in Richtung Ausgang. Sein langer, einfacher, dunkelroter Umhang wehte hinter ihm her, während seine bloßen Füße geräuschlos über den blauen Steinboden schritten. Kriemhild hatte Mühe mit ihm Schritt zu halten, war er doch ein gutes Stück größer als sie. Die Tür zum Saal öffnete sich wie von Geisterhand als sie darauf zustrebten und schloss sich ebenso, nachdem sie hindurchgegangen waren.

Sie betraten einen großen Vorraum, von dem mehrere Gänge ausgingen. Einer zu den Trainingsräumen, einer in die Küche, ein weiterer in den Keller hinab und mehrere zu den Schlafräumen. Nur ein einziger Weg führte nach draußen und auf eben jenen strebte Hubertus zu. Kriemhild wusste nur zu gut, wie unwohl er sich im Schloss seiner Herrin fühlte. So wie sie die Angst zu verbrennen nicht ausblenden konnte, schaffte er es nicht, sich des unguten Gefühls zu erwehren, den Boden unter den Füßen verloren zu haben. Und das hatte er wirklich in Anbetracht der Tatsache, dass das komplette Schloss von Wasser unterhöhlt war. Wasser mit dem es ihrer Herrin gelang, ohne jemals ihren Platz zu verlassen, das Schloss entlang jedes Flusses zu bewegen.

Eine Zeit lang begleitete sie ihn schweigend, während sie dem sich schier endlos lang hinziehenden Korridor folgten. „Das wird keine leichte Aufgabe werden“, versuchte sie schließlich vorsichtig die anhaltende Stille zu brechen, doch Hubertus schnaubte nur abfällig.

„Und du hast immer noch die Alternative dich offen gegen sie zu stellen.“

„Ich habe ihr Treue und Gehorsam geschworen“, entgegnete Hubertus bestimmt.

„Du warst damals doch nicht viel mehr als ein Kind. Nur ein Kind, Hubertus!“, erwiderte sie mit sanfter, eindringlicher Stimme.

„Schwur ist Schwur.“

Kriemhild verdrehte, ob dieser Verbohrtheit, die Augen. Sie gingen wieder eine Zeit lang schweigend nebeneinander her, ehe sie einen weiteren Anlauf nahm, ihn zur Vernunft zu bringen. „Du weißt, dass das Wahnsinn ist. Bei den Göttern, wir sprechen nicht von irgendjemandem, gegen den du kämpfen sollst. Wir reden hier über Mathilda! Auch wenn ich vollstes Vertrauen in deine Fähigkeiten habe. Sie ist mehr als doppelt so alt wie du und hat ebenso viele Jahre mehr Erfahrung. Selbst wenn sie geschwächt ist, ist sie dennoch nicht wehrlos. Vor allem dann nicht, wenn sie versucht dich zu töten, während du nur versuchst sie lebend gefangen zu nehmen für die Alte.“

„Redet man so über seine Herrin?“ erklang eine tadelnde Stimme hinter ihnen.

Kriemhild und Hubertus fuhren herum. Keiner von beiden hatte bemerkt, dass Sophos ihnen unauffällig gefolgt war und sie nun, kaum dass er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit genoss, mit einer hochgezogenen Augenbraue musterte. „Hubertus, du hast sicherlich ebenfalls bemerkt, dass es von deiner…hmh… Adjutantin nicht unbedingt klug ist, im Schloss ihrer Herrin eine Rebellion zu planen. Noch dazu auf dem Korridor, wo jeder euch hören kann?“

Kriemhild fletschte unbewusst die Zähne - eine Unart von ihr, die sie einfach nicht loswerden konnte - ehe sie zischte: „Du weißt genauso gut wie ich, dass eine direkte Konfrontation mit Mathilda das reinste Himmelfahrtskommando ist.“

„Weiß ich das?“ In Sophos‘ Frage klang nun eindeutig Spott mit.

„Sie ist einfach zu mächtig!“

„Ach, ist sie das?“ Die Unschuld in seiner Stimme wirkte genauso falsch wie die fliederfarbene Kolorierung seiner Fingernägel.

„Hör auf mit mir zu spielen Sophos. Du weißt ebenso gut wie ich, dass sie eine verdammte Drittstuflerin ist!“ fauchte Kriemhild frustriert. „Und du weißt auch…“ Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter. „Lass es gut sein, Kriemhild, und du, Sophos, hör‘ auf sie unnötig zu provozieren.“

Sophos‘ Mundwinkel zuckten, so als könne er nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. Er lachte gerne und viel, vor allem wenn er sich auf Kosten anderer amüsieren konnte. Wie auch jetzt, da er plötzlich ganz und gar unerwartet auf sie zutrat und ihr, ehe sie auch nur eine Chance hatte zurückzuweichen, kurz durch das braune Haar wuschelte. „Mach dir keine Sorgen, kleine Kriemhild. Deinem Hubertus wird schon nichts passieren. Mathilda ist so stark geschwächt, dass sie wohl kaum eine Gefahr für uns darstellt. All jene, die uns eventuell gefährlich werden könnten, leben zu weit entfernt von ihr, und sie ist so sehr darauf versteift, allein zu sein, dass sie mehr oder weniger von ihren eigenen Landsleuten isoliert lebt.“ Er machte eine kleine Kunstpause. „Und denk doch nur daran, dass sobald Mathilda besiegt ist, Hubertus der einzige ist, der das Raum-Zeit-Kontinuum beherrschen kann. Also wie ist es, Hubertus, bist du bereit loszureiten?“

„Reiten?“ wiederholte Hubertus skeptisch.

„Ja, reiten. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mit dir durch das Raum-Zeit-Kontinuum gehe? Was ist, wenn du mich dabei irgendwo verlierst - ganz aus Versehen natürlich“, entgegnete Sophos und bemühte sich entsetzt auszusehen.

„Du vertraust mir nicht?“ Hubertus Satz schien eher eine Feststellung zu sein als eine Frage.

Nachdenklich spielte Sophos mit dem schweren Rubinring, der seinen linken Zeigefinger schmückte, ehe er antwortete: „Nicht im Geringsten und du wärst mit Sicherheit furchtbar enttäuscht, wenn ich es tun würde.“ Er wartet auf Hubertus‘ Erwiderung, doch als dieser nur schwieg, fuhr er gut gelaunt fort: „Aber eigentlich meine ich es ja auch nur gut mit dir. Denn wenn wir reiten, mein lieber Hubertus, verlängert sich unsere Reise. Damit hat die arme, verwundete Mathilda mehr Zeit sich zu erholen und du musst dich nicht ganz so schlecht fühlen, wenn du gegen sie kämpfst.“

„Oder sie ist in der Zwischenzeit wieder so weit bei Kräften, dass sie Hubertus töten kann“, unterbrach Kriemhild ihn scharf. „Ist es nicht das, was du die ganze Zeit willst, Sophos?“

„Mitnichten“, entgegnete dieser gelassen. „Du kannst natürlich auch allein durch Raum und Zeit reisen und Mathilda sofort herausfordern, Hubertus. Diese Entscheidung überlasse ich ganz dir.“

„Wir treffen uns im Morgengrauen am Stall“, erklärte Hubertus und wandte sich erneut zum Gehen.

Kriemhilds Augen schossen hasserfüllte Blitze in Sophos‘ Richtung. „Und was ist deine Aufgabe in dem ganzen verdammten Plan?“

Sophos strahlte. „Gut aussehen.“

„“Flieder steht dir nicht“, erwiderte Kriemhild wütend, bevor auch sie sich umwandte und Hubertus hinterher eilte, um diesen, kaum dass sie aufgeholt hatte, zur Rede zu stellen. „Merkst du denn gar nicht, dass Sophos dich auf diese Weise nur loswerden will?“

„Das wird ihm allerdings nicht gelingen“, erwiderte Hubertus siegessicher. „Und jetzt lass uns über die wirklich wichtigen Dinge reden. Während ich zusammen mit Sophos weg bin, möchte ich, dass du dafür sorgst, dass die Armee bei meiner Rückkehr bereit ist in Richtung Mittland zu marschieren.“

Kriemhild schluckte ihren Ärger, ob seiner Uneinsichtigkeit, herunter, obwohl sie sich relativ sicher war, dass er noch eine ganze Weile lang unterschwellig in ihr gären würde. Hubertus war verbohrt in allem was seine Ehre betraf und es fiel ihr verdammt schwer diese Ehrenhaftigkeit auch als solche zu sehen und nicht als das, was sie eigentlich war: Dummheit.

„Wie du befiehlst“, bestätigte sie tonlos. Sie hoffte inbrünstig, dass er wiederkehren würde. Wenn nicht, würde sie vielleicht eines Tages in die Augen ihrer Herrin sehen und wirklich brennen.

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Beitrag #2 |

RE: Eine Geschichte von Raum und Zeit - Kapitel 2
Hallo Plumbum,
wenn ich schon dabei bin, kommentiere ich dieses Kapitel auch noch Icon_wink

Zitat:Jedes Mal, wenn sie ihr in die grauen, blutunterlaufenden Augen sah, hatte sie das Gefühl zu brennen. Sie hasste dieses Gefühl der Hilflosigkeit und doch war es allgegenwärtig, sobald sie diese unglaublich hässliche Frau inmitten des riesigen, bis an den Rand gefüllten Wasserbeckens sitzen sah. Ihre Haut war schrumpelig wie die eines Apfels, der seine besten Tage schon lange hinter sich gelassen hatte, und das kalte Wasser, in dem sie permanent saß, tat sicherlich sein übriges. Angeblich soll sie damals, vor über 100 Jahren, eine wahre Schönheit gewesen sein. Doch der Liebreiz, sofern es ihn jemals gegeben hatte, war dem Alter gewichen und das einzige was bis heute dem Zahn der Zeit standgehalten hatte, war ihre unbeschreibliche Grausamkeit.
Drittes Kapitel, dritter Erzähler. Es muss nicht unbedingt schlecht sein, häufig die Erzähler zu wechseln, aber du solltest immer den Leser im Hinterkopf behalten. Er muss der Geschichte folgen können und kann er das, wenn man häufig den Erzähler wechselt?
Das sage ich jetzt im Allgemeinen, noch bevor ich dieses Kapitel gelesen habe. Vielleicht kann ich ihr folgen, vielleicht auch nicht, aber es gibt immer solche die es nicht tun.
Es soll keine Kritik an dir sein, sondern nur ein gut gemeinter Hinweis.

Zitat:Die Herrin im See wahnsinnig zu nennen, konnte nur als höfliche Untertreibung gewertet werden. Sie war nicht wahnsinnig. Hubertus war wahnsinnig, weil er ihr bis dato folgte. Sophos war wahnsinnig, da er sich ihr freiwillig angeschlossen hatte. Sie selbst, war wahnsinnig, weil sie nicht schon bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Flucht ergriffen hatte, aber die Herrin im See war nicht wahnsinnig. Sie war einfach nur krank!
Ich weiß nicht, was ich von diesem Absatz halten sollte. Du wirfst hier mit drei Namen um dich und erklärst nur ob sie wahnsinnig sind oder nicht. Meiner Meinung nach ist der Absatz ziemlich überflüssig, da du ja oben schon ihre Grausamkeit erwähnt hast und dieser Absatz ja genau darauf abzielt: Nämlich zu beschreiben, wie krank die Herrin im See ist.
Wenn wir schon bei ihr sind. Warum heißt sie Herrin im See? Sie ist doch in einem Wasserbecken und nicht in einem See.

Zitat:Hastig wandte Kriemhild den Blick von der Alten ab und fokussierte stattdessen ihren Begleiter. Er wirkte angespannt. Vermutlich ahnte er ebenso wie sie selbst, dass nur eine Neuigkeit von ungeheuerlichen Ausmaßen ihre Herrin dazu bewogen haben konnte, sie von dem Heer weg vor ihren Thron zu befehligen. Das - oder eine neue unerträglich verrückte Idee.
Kriemhild heißt also die Frau und sie muss einen ziemlich hohen Rang haben.
Ein Heer? Also herrscht Krieg. Das bringt die Sache ins Rollen Icon_wink

Zitat:„Wir wollten die Sache mit Mathilda besprechen“, erklärte Sophos nun wieder in gewohnt freundlichem Ton.
Wieder ein neuer Name, der für Verwirrung sorgen könnte. Man sollte den Leser vielleicht aufklären, wer es ist und was er macht.
Wo ist Mathilda? Wenn sie die Sache mit ihr besprechen wollen, muss sie doch auch im Raum sein. Bisher wurde sie aber nicht erwähnt.

Zitat: Unruhig - wie ein Kind, dass es nach dem Essen kaum erwarten konnte von seinem Platz aufzustehen und mit seinen Freunden zu spielen - rutschte sie auf ihrem Thron hin und her, bevor sie eindringlich fortfuhr: „Wir müssen uns diese Schwäche unbedingt zunutze machen!“
Sie hat einen Thron? Ich dachte sie ist Unterwasser in einem Becken?

Zitat:Selbst wenn Mathilda heute geschwächt war, so würden ihre Wunden doch schneller heilen, als Hubertus und Sophos ihre Armeen in Richtung „Mittland“ führen könnten.
Mittland ist ein Land in deiner Welt, nicht wahr? Dann würde ich es nicht in Anführungszeichen setzen, weil es das Land ja wirklich gibt.

Zitat:„Bring sie mir! Ich will sie haben! Ich werde keine Ausreden dulden!“ Bei jedem Wort schlug sie mit der Faust auf die Lehnen ihres wässrigen Throns. Wasser spritzte in alle Richtungen, doch dieses Mal blieben die Schatten dort, wo sie waren.
Ah, OK. Sie ist also doch im Wasser. Ich nehme meine Frage von oben zurück.
Außerdem frage ich mich, was es mit den Schatten auf sich hat. Aber das wird sich bestimmt noch aufklären Icon_wink

Zitat:Kriemhild wartete. Sie wartete, wie auch alle anderen, auf Hubertus‘ Reaktion. Es war ein offenes Geheimnis, dass beinahe jeder, der unter der Herrschaft der Herrin im See stand, insgeheim hoffte, dass Hubertus eines Tages genug von ihren Eskapaden haben und sich offen gegen sie stellen würde.
Wenn es so offen ist, wieso hat die Herrin im See ihn nicht vom Dienst suspendiert und sich einen neuen, treueren Anführer gesucht?

Zitat:Auch wenn ich vollstes Vertrauen in deine Fähigkeiten habe, sie ist fast doppelt so alt wie du und hat ebenso viele Jahre mehr Erfahrung.
Der zweite Teil ist eigentlich so logisch, dass es besser wäre, wenn man ihn wegließe. Für mich liest es sich so nämlich mit den Jahren doppelt und das klingt nicht gut.

Zitat:Sophos strahlte: „Gut aussehen.“
Ich liebe es, wie du Sophos darstellst. Allein diese Aussage macht ihn eindeutig zu meinem Lieblingscharakter Icon_wink


Zusammenfassung:
Es gelingt dir hier, trotz des dritten Perspektivenwechsels, den Leser gleich wieder zu ergreifen, indem du neue Charaktere vorstellst.

Die Herrin ist grausam und auch ein bisschen naiv (wenn man das so sagen kann). Eine perfekte Tyrannin.
Kriemhild ist die „Gute“ und versucht Hubertus zu überreden, keine Dummheit zu begehen.

Auch Hubertus stellst du sehr gut dar. Er ist sehr, sehr stolz und eitel würde ich sagen, weil er nicht von seinem Schwur ablässt, obwohl er es nicht erträgt, ihre Befehle auszuführen.

Wie oben schon erwähnt gefällt mir Sophos am besten. Er ist ziemlich gerissen und rückt alle Ereignisse so hin, dass sie zu seinem Besten sind. Er besitzt auch das meiste Vertrauen der Herrin.

In diesem Kapitel ist wenig Handlung, dafür werden die Hauptpersonen vorgestellt. Es werden immer wieder Andeutungen auf das Raum- bzw Zeitreisen gemacht, doch wie es funktioniert, erfährt man noch nicht.

Auch dieses Kapitel gefällt mir sehr gut Icon_smile

Mit freundlichen Grüßen
Dramweida

"I'm Logan Thackeray. I protect those who are mine."
"I'm Rytlock Brimstone. I kill those who aren't."
Guild Wars 2 - Edge of Destiny

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Beitrag #3 |

RE: Eine Geschichte von Raum und Zeit - Kapitel 2
Hey Dramweida,

einmal mehr vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deine Ausdauer. Icon_wink

Zitat:Drittes Kapitel, dritter Erzähler. Es muss nicht unbedingt schlecht sein, häufig die Erzähler zu wechseln, aber du solltest immer den Leser im Hinterkopf behalten. Er muss der Geschichte folgen können und kann er das, wenn man häufig den Erzähler wechselt?
Ich hoffe doch, ja. Ich habe momentan fünf Point of View Charaktere geplant -um die ganzen Geschehnisse rund um meine Welt abzudecken- von denen vier in den ersten fünf Kapiteln ihren Auftritt haben werden. Ich weiß, dass das auf den ersten Blick ein bisschen viel werden kann, allerdings versuche ich auch, das Ganze möglichst übersichtlich zu halten. Icon_smile

Zitat: Ich weiß nicht, was ich von diesem Absatz halten sollte. Du wirfst hier mit drei Namen um dich und erklärst nur ob sie wahnsinnig sind oder nicht.
Du hast natürlich Recht mit deiner Anmerkung. Den Absatz habe ich nun gelöscht.

Zitat: Wieder ein neuer Name, der für Verwirrung sorgen könnte. Man sollte den Leser vielleicht aufklären, wer es ist und was er macht.
Das ergibt sich eigentlich alles im Laufe des Kapitels. Ich denke auch, dass durch den zuvor entfernten Absatz das Ganze nun ein bissel übersichtlicher geworden ist.

Zitat: Wo ist Mathilda? Wenn sie die Sache mit ihr besprechen wollen, muss sie doch auch im Raum sein. Bisher wurde sie aber nicht erwähnt.
Sie wollen die Sache nicht mit Mathilda sprechen, sondern sie reden über Mathilda.

Zitat: Wenn es so offen ist, wieso hat die Herrin im See ihn nicht vom Dienst suspendiert und sich einen neuen, treueren Anführer gesucht?
Zum einen ist Hubertus Dylana ja treu ergeben, seine Leute hoffen lediglich, dass er es nicht wäre. Zum anderen weiß Dylana ganz genau, zumindest wenn sie bei Verstand ist, dass eine Aufhebung von Hubertus Schwur (was einer Suspendierung in dieser Welt gleichkäme) wirklich dafür sorgen würde, dass dieser sich gegen sie stellen würde.

Viele liebe Grüße

Plumbum Icon_smile


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