Es ist: 16-11-2019, 23:15
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So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Beitrag #1 |

So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Und hier nun endlich der dritte und vorletzte Teil von "So weit das Leben trägt". Zweifellos der Höhepunkt, ich hoffe sehr, dass er mir gelungen ist. Schon jetzt möcht ich euch wieder allen danken, die ihr euch so viel Zeit für mich nehmt. Es ist so schön, diese Geschichte teilen zu dürfen, daran zu arbeiten und Rückmeldung zu bekommen. Ein ganz besonderes Danke auch der lieben Libertine, die mich irgendwie immer ungemein motiviert, weil sie meine Western so sehr mag! :o)



~*~ ~*~ ~*~

Wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte;
Millionen Meilen weit weg von hier:
Ich würde mich selbst beschützen ...
(Johnny Cash - Hurt)

~*~ ~*~ ~*~

So weit das Leben trägt (3)

„Was, zum Teufel, willst du dann?“ Wieder wütend geworden funkelte John sein Gegenüber an, die Stimme blieb dennoch ruhig und auch Rehauges Lächeln kehrte nicht zurück. Stattdessen deutete dieser auf Johns zu Boden gefallene Waffe. „Steig ab, lade nach und geh in diese Richtung. Zehn Schritte.“ Seine Finger wiesen nach Westen. Aschfarbene Wolken verdunkelten im Süden die Sonne und sollte sie dennoch unter dem wütenden Grau des herannahenden Gewitters hervorblitzen, konnte niemand geblendet werden. John erschauderte. Obwohl allein der Gedanke daran, Adam eine Kugel zu verpassen, alles in ihm zu rebellieren brachte, lehnte er sich lässig im Sattel zurück.
„Ich ziehe schneller als du“, erinnerte er kühl, nur um auf Nummer sicher zu gehen.
„Das tust du in der Tat.“
Einen Moment erlaubte sich John diesen irrsinnigen Gedanken zu Ende zu bringen. Er sah sich über Adams blutüberströmter Leiche stehen, den Finger noch am Abzug und den Sturm im Genick. Wie es wohl wäre, sich von ihm zu befreien und als letzter der alten Truppe übrig zu bleiben? Wie es wohl wäre, ohne einem Verfolger vor Sarahs Grab zu treten? Alle Zeit der Welt zu haben? Nun war es an ihm zu lachen, ohne sich um Rehauges verwirrten Gesichtsausdruck zu scheren.
„Wenn ich dich hätte übern Haufen schießen wollen“, begann er Adam zu zitieren. „Dann wäre das passiert. Damals schon, als du es gewagt hast Bill umzubringen, um dann den verdammten Lauf deiner Waffe auf mich zu richten.“ Johns Lachen verebbte zu einem fast schon traurigen Lächeln. Noch nie hatte er sich so alt gefühlt, so machtlos. So verloren und doch voller Überzeugung, das Richtige zu tun. Einmal wieder das Richtige. Wie erfrischend, verhöhnte er sich. „Hör mir gut zu, Adam, hör mir sehr gut zu: keine zehn Gäule bringen mich von diesem Pferd. Und keine Armee von Marshalls könnte mich dazu zwingen, dich abzuknallen. Wenn du sterben willst, dann scher dich zurück nach Rousalt und vor die Flinte des Mannes, der nun Vater eines Krüppels ist.“
Adam hätte inzwischen zehn Mal seine verdammte Knarre nachladen können, doch seine Finger fummelten immer noch an Colt und Patronen herum. „Gale, Gale, Gale … .“ Die Trommel rotierte, wieder und wieder. Rehauges Stimme hatte erneut diesen vertraut geworden, wahnsinnigen Klang und als er aufblickte, war jede Vernunft purer, kaum zu deutender Emotion gewichen. „Du scheinst mich nicht richtig verstanden zu haben.“
Die Trommel klickte ein.
Du scheinst nicht verstehen zu wollen.“
Der Hahn spannte sich.
John hätte gerne behauptet, sich keinen Deut darum zu scheren, dass er gleich aus dem Sattel fallen würde. Doch seine Knie zitterten und Schweißrinnsale rannen, trotz des kühl aufkommenden Sturms, an Rücken und Stirn hinab. Donner eroberte ein weiteres Mal den Himmel, einem Schuss gleich.
„Steig ab!“, verlangte Adam erneut. „Oder reite weiter. Verpiss dich auf deine alte Ranch und sei dir mit jeder Stunde, die du atmest, bewusst, dass ich nicht eher ruhen werde, bis der Boden deines ach so Heiligen Landes verpestet ist von Leichen, die ich dort abladen werde.“ Er schwieg für einen Moment, gab ihm Zeit wahrlich zu begreifen. „Ich bin mir sicher, dass in Rousalt noch genug unschuldige Kinder leben.“
Gales Pferd begann nervös unter dem versteinerten Gewicht seines Reiters zu tänzeln. Das Tier schnaubte unwillige und für einen kurzen Moment verspürte John nichts anderes als den Impuls, vor so viel Wahnsinn zu fliehen. Doch dieser Alptraum musste ein Ende finden. Er konnte nicht weglaufen. Nicht mehr. Nicht nach diesem schaurigen Versprechen. Ohne noch ein einziges Wort zu verschwenden saß er ab, schlug dem Braunen in die Flanke und beobachtete, wie der Gaul bockend hinter dem herannahenden Vorhang des Regens verschwand. Hemd, Hose und Halstuch klebten nur wenige Momente später völlig durchnässt an ihm, als er sich bückte, um die Waffe aufzuheben. Dann richtete er sich auf und sah Rehauge erwartungsvoll an. Er hatte schon lange nicht mehr versucht, einen Menschen um Verzeihung zu bitten, doch jetzt stand er kurz davor, konnte sich mit einem Mal an zu viele gute Zeiten erinnern. An ihr gemeinsames Lachen am Feuer. An ausufernde Kartenspiele und an das Gefühl, in wenig kostbaren Momenten, in ihm einen Sohn gefunden zu haben.
„Werd jetzt ja nicht rührselig, Gale.“ Adam blickte zu Boden, als sich Johns Stirn fruchte. „Geh endlich und denk an die vielen, armen, unschuldigen Kinder, die von bösen Männern wie mir gemeuchelt und von guten wie dir begraben werden.“ Er meinte es ernst, daran bestand kein Zweifel. Und Gale bewegte sich. Einen Schritt nach dem anderen, den Colt in der Hand. Drei, fünf, sechs. Nein, sieben Meter. Vielleicht einer mehr. Er wandte sich um, wischte die Nässe aus den Augen und die Haare aus der Stirn. Der Regen peitschte über das Land. Momente später würde er verschwunden sein. Wie so oft hier draußen, wo Sonne wie Sturm herrschten und ein Wolkenbruch ausreichte, um die Steppe kurzeitig zu ertränken.
Sie warteten ab. Den nächsten Donnerschlag.
Ein Blick. Kein Zeichen. Wissen.
Dann Schüsse. Zu laut an Gales Ohr. Tausend grelle Lichter explodierten in seinem Blickfeld, als er vollkommen fassungslos am Boden aufschlug. Tiefdunkle Schwärze wechselte mit gleißend weißem Licht. John stöhnte und umschloss sein rechts Schultergelenk, während Adam, am Boden kniend, langsam auf die Füße kam. Dieser verdammte Bastard hatte sich beim zweiten Schuss einfach zur Seite fallen lassen, schwungvoll abgerollt und erst dann ernsthaft gezielt. Geschossen.
„Gale, Gale, Gale.“ Die Stimme hatte völlig an Schneid verloren. Adam kam näher; am Horizont eroberte die Sonne unerbittlich den Himmel zurück und der Regen ebbte zu einem Nieseln ab. „Du hast mir gesagt, dass es nach dem Mord an diesem Jungen kein Zurück mehr gibt. Damals. Vor vier Jahren … “ Nun neben ihm angekommen, betrachte er ihn nachdenklich, aber auch mit einem Anflug von Erleichterung und lud noch ein letztes Mal durch. Er, nicht ich, das denkst du dir gerade, was? Zumindest hab ich mir das immer gedacht. Voller Genugtuung, als hätte es nie eine andere Alternative gegeben.
„ … und dieses einmal hattest du sogar Recht.“
John hustete, als Regenwasser über sein Gesicht rann und in seinen Rachen tropfte. Mit der Bewegung kam der Schmerz und die Taubheit verschwand ebenso so schnell, wie sie sich vorhin noch schützend über ihn gelegt hatte. Gale schnappte nach Luft, fühlte die Zerstörung in seiner Schulter, das warme Blut und die Angst, die an seinen Nerven kratze. Er würde sterben. Vielleicht nicht sofort und an dieser Verletzung, aber zweifellos an Adams Unerbittlichkeit. Ihre Blicke trafen sich und hielten lange aneinander fest. Bis sich etwas in Adams Augen endgültig zu verändern begann. Die eben noch glühende Genugtuung verschwand, der Zorn verrauchte, das Kind schien zufriedengestellt und was blieb, war ein Mann im besten Alter. Jung, kräftig und bloß ein verlorener Junger unter vielen, mit endlos traurigen Augen.
„Ich wünschte, ich hätte noch etwas zu sagen, John.“
„Das wünschte ich mir auch, du Arschloch.“
Gale blickte den Jungen noch einmal hasserfüllt an, bevor er die Augen schloss und sich zwang, sie nicht mehr zu öffnen. Zum Teufel er wollte ihn nicht mehr sehen. Zu sehr kochte die Wut und der Überlebenswille in ihm über, wollte sich Luft verschaffen, kämpfen, siegen und bestehen. Zitternd lag er da, wartete. Wartete. Und wartete. Hörte seinen beschleunigten Atem, das wilde Pfeifen des Windes, das Spannen eines Hahns und dann Schritte. Sich langsam entfernende Schritte.
„Zwei Meilen, Gale, vielleicht auch mehr.“ Etwas landete neben John, der die Augen aufriss. Ein zusammengeschnürtes Päckchen, in Leder gewickelt. „Ich will, dass du ihn vergräbst, solltest du es schaffen. Vergrab ihn unter dem Baum neben deiner Scheune, ich hätte ihn nie finden sollen.“
„Was …“ Er verstand nicht und wollte nicht verstehen.
„Du hast schon schlimmeres überlebt“, unterbrach Adam ernst.
„Und du schon besser gezielt.“
„Meine Hand hat gezittert. Mehr nicht.“
Wahrheit. Wissen. Ein letztes Nicken. Ein bitteres Lächeln. Dann wandte Adam sich um.
Ging Schritt um Schritt in Richtung Horizont, die entsicherte Waffe in seiner Rechten.
Du hast mir gesagt, dass es nach dem Mord an diesem Jungen kein Zurück mehr gibt.
Gale verzog das Gesicht und schloss ein weiteres Mal die Augen.
Er zwang sich, sie nicht mehr zu öffnen. Zwang sich, abzuwarten.
… und dieses einmal hattest du sogar Recht.
Vergebens. So endlos vergebens.
„Adam!“ Ein Husten. „Adam, nicht!“
Ein Schuss.
Ein Sieg.
Zwei Morde.

Fortsetzung folgt ...
Vorgeschichte: Totgelebt (1874 O.H)

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Beitrag #2 |

RE: So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Hallöchen liebes Sternchen!

Um meine Erinnerung ein wenig aufzufrischen, habe ich Teil 1 und 2 nochmal rasch überflogen … John wird von Adam gestellt, aber nicht getötet, sondern dazu gebracht, gemeinsam mit Adam aus dem Ort zu fliehen. Adam ist leer, hat seine Rache bekommen und nun … nun plant er etwas mit John. Falls Missverständnisse entstehen, weil ich doch eine Kleinigkeit nicht mehr im Kopf habe, lies einfach drüber hinweg Icon_wink

Zitat: Wie es wohl wäre, ohne einem Verfolger vor Sarahs Grab zu treten?
»einen«;
Im Moment hat er ja eher die Wahl, ohne Verfolger oder gar nicht.

Zitat: „Wenn ich dich hätte übern Haufen schießen wollen“, begann er Adam zu zitieren.
»überʼn«

Zitat: Damals schon, als du es gewagt hast Bill umzubringen, um dann den verdammten Lauf deiner Waffe auf mich zu richten.
Öh, das ist jetzt aber ein anderer Bill als der alte tattrige Bill eben in der Stadt, dem niemand außer John ein Bein stellt, oder? *lach*

Zitat: „Gale, Gale, Gale … .“
Kein Punkt hinter den Auslassungspunkten

Zitat:  und als er aufblickte, war jede Vernunft purer, kaum zu deutender Emotion gewichen. 
Hm … mir persönlich gefällt »Emotion« hier nicht so gut. Es ist sehr allgemein, was du vermutlich auch wolltest, weil es nicht deutbar ist, aber das beißt sich mMn mit »pur«. Eine pure Emotion wird ja durch nichts verschleiert und sollte demnach sehr gut zu erkennen sein. Ich würd hier eine klare Benennung der Emotion besser finden

Zitat: „Du hast schon schlimmeres überlebt“, unterbrach Adam ernst. 
»Schlimmeres«

Joa, das wars auch schon an Anmerkungen. Liest sich wirklich verdammt gut und flüssig weg, Daumen hoch Icon_wink

Das Problem ist, dass mir grad nichts einfällt, was ich noch dazu sagen kann *lach* Die Geschichte ist richtig gut geschrieben und die Charaktere führst du konsequent und glaubhaft fort. Aber so richtig werd ich mit der Situation glaub ich nicht warm. Ich mag solche »Ich jagt dich bis ans Ende der Welt, nur um die eine Lektion zu erteilen«-Dinge nicht. Es ist so … pathetisch. Zumal sich mir hier die Frage stellt, warum Adam das Duell so lange hinausgezögert hat. Er schien ja immer dicht an Johns Fersen zu sein, warum also hat er nicht schon viel eher diesen Schlussstrich gezogen? War er nicht bereit dazu?

Nichtsdestotrotz ist es von der Atmosphäre her ein guter Höhepunkt. Ein Duell – wie es sich für einen guten Western gehört Icon_wink Adam will sich von John erschießen lassen, der spielt aber nicht mit. Deshalb erschießt Adam sich selbst.
Ich vermute, in dem Paket ist der Colt, mit dem Adams »Karriere« begonnen hat, also ein symbolisches Abschließen mit der Vergangenheit, ein neuer Abschnitt, wenn auch ein kurzer, in Adams Leben.

Warum genau Adam sich erschießt ? Hm … ich hätte gesagt, weil ihn die ganze Schuld doch endlich einholt, aber dagegen spricht definitiv die Drohung, etliche unschuldige Kinder umzubringen. Mit diesem Teil seines Lebens scheint er also keine tieferen Probleme zu haben. Er hatte seine Rache, jetzt hat er keinen Sinn mehr. Deshalb schafft er sich einen neuen Sinn, indem er John hinterher jagt. John soll sein Leben beenden, weil er der Auslöser für alles war.
Ich persönlich verstehe da einfach nicht, warum Adam sich nicht direkt selbst erschießt. Aber das liegt vermutlich nur daran, dass ich solche Vorgehensweisen nur schwer von mehreren Seiten betrachten kann.

Jo, also wie gesagt, es liest sich super, nur zu den Charakteren hab ich keinen direkten Draht.
Trotzdem bin ich gespannt, womit du in Teil 4 die Geschichte letztendlich abrunden wirst Icon_smile

Bis dahin
Liebe Grüße
Lanna

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Beitrag #3 |

RE: So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Hallo liebe Lanna!

Dankeschön! Endlich ein Kommentar zu dieser Geschichte, die mir so endlos ans Herz gewachsen ist. Nun denn, danke für das schöne Kompliment, dass du es so verdammt gut geschrieben findest. Wenn du das sagst, ist es so ziemlich mit das schönest, was ich unter meinen Geschichten so hören kann. Deine Anmerkungen werd ich gleich einarbeiten. Was Adam betrifft:

Es ist so … pathetisch. Zumal sich mir hier die Frage stellt, warum Adam das Duell so lange hinausgezögert hat. Er schien ja immer dicht an Johns Fersen zu sein, warum also hat er nicht schon viel eher diesen Schlussstrich gezogen? War er nicht bereit dazu?
=> Entweder bin ich völlig gescheitert oder dir fehlt nur der Durchblick, weil du dich mit den Charakteren überhaupt nicht anfreuden kannst. Warum nicht früher, nun da muss ich spoilern, denke ich, oder nicht - Keine Ahnung. Sicher ist sicher ...


Ich vermute, in dem Paket ist der Colt, mit dem Adams »Karriere« begonnen hat, also ein symbolisches Abschließen mit der Vergangenheit, ein neuer Abschnitt, wenn auch ein kurzer, in Adams Leben.
=> Haargenau.

Jo, also wie gesagt, es liest sich super, nur zu den Charakteren hab ich keinen direkten Draht. Trotzdem bin ich gespannt, womit du in Teil 4 die Geschichte letztendlich abrunden wirst
=> Uhuuuu, gerade hier ist das "keinen Draht haben" für mich echt schwer zu verkraften, weil ich doch geschuftet hab wie ein Hund an diesen Charakteren. Aber dafür kannst du nichts, das ist nichts, was ich vorwerfen will und ich freu mich trotzdem sehr über deinen Kommentar, etwas Rückmeldung und die Tatsache, dass du es - bis auf meine zwei Goldstücke - für richtig gelungen befindest! Icon_bussi

Schön, dich noch im nächsten Teil dabei zu wissen! Icon_bussi

Liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #4 |

RE: So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Hallo Sternchen,

auf geht’s in den wilden Westen. Icon_wink

Zitat: Obwohl allein der Gedanke daran, Adam eine Kugel zu verpassen, alles in ihm zu rebellieren brachte, lehnte er sich lässig im Sattel zurück.

zum rebellieren

Zitat:So verloren und doch voller Überzeugung, das Richtige zu tun. Einmal wieder das Richtige.

Das erinnert mich an den guten, alten Kropf. Mrgreen

Zitat: Die Trommel klickte ein.
„Du scheinst nicht verstehen zu wollen.“
Der Hahn spannte sich.

Die Stelle gefällt mir sehr gut, wie du mit den kurzen Sätzen automatisch Spannung erzeugst.

Zitat: trotz des kühl aufkommenden Sturms, an Rücken und Stirn hinab.

Hmm, das „kühl aufkommend“ klingt irgendwie seltsam. Ich hätte wahrscheinlich irgendwas von „kühlem Wind, den der aufkommende Sturm mitbrachte“ geschrieben.

Zitat: Er schwieg für einen Moment, gab ihm Zeit wahrlich zu begreifen.

Hier erscheint mir das „wahrlich“ seltsam. Vielleicht einfach weglassen?

Zitat: Das Tier schnaubte unwillige und für einen kurzen Moment verspürte John

unwillige <-- guck’ mal ich hab die Durchstreich-Funktion gelernt. Mrgreen

Zitat: Ohne noch ein einziges Wort zu verschwenden saß er ab, schlug dem Braunen in die Flanke und beobachtete, wie der Gaul bockend hinter dem herannahenden Vorhang des Regens verschwand.

Wieso schickt der sein Pferd weg? Sollte er überleben, braucht er das doch noch. Oder ist der Regen inzwischen so dicht, dass das Pferd nur ein paar Schritte geht.

Zitat: Adam blickte zu Boden, als sich Johns Stirn fruchte.

Beim letzten Wort ist dir das r an die falsche Stelle gerutscht.

Zitat: Wie so oft hier draußen, wo Sonne wie Sturm herrschten und ein Wolkenbruch ausreichte, um die Steppe kurzeitig zu ertränken.

Ich lass dir mal ein z für das „kurzzeitig“ da

Zitat: „ … und dieses einmal hattest du sogar Recht.“

Entweder: „dieses Mal“ oder „dieses einemal“

Zitat: Ging Schritt um Schritt in Richtung Horizont, die entsicherte Waffe in seiner Rechten.

Ich würde hier noch ein paar Punkte einstreuen. Etwa so: „Ging. Schritt um Schritt. In Richtung Horizont, die entsicherte Waffe in seiner Rechten.“

Zitat: … und dieses einmal hattest du sogar Recht.

s.o.

Zitat: Ein Schuss.
Ein Sieg.
Zwei Morde.

Ja, was jetzt. Hat der sich selbst erschossen?

Uii, jetzt bin ich umso gespannter auf den letzten Teil. Vielleicht weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob hier jetzt tatsächlich schon einer von beiden gestorben ist, oder nicht. Hat Adam John wirklich erschossen, oder nicht? Oder hat er sich selbst erschossen? Ich denk mal, das hast du ganz bewusst hier offen gelassen um uns bei der Stange zu halten. Icon_wink Okay, zumindest bei mir hat das gut funktioniert. Icon_panik
Überhaupt gefällt mir dein Western immernoch. Diese ganze Setting mit dem Staub, dem Regen, den Colts. Einfach toll. Auch die beiden Helden John und Adam. Der eine wirklich alt, der andere noch jünger und trotzdem schon irgendwie lebensmüde. Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #5 |

RE: So weit das Leben trägt (3 von 4) (1878 S.D.)
Hey Sternchen,
die Fortsetzung muss ich wohl übersehen haben. Naja, dann halt jetzt. Icon_wink

Zitat:„Was, zum Teufel, willst du dann?“

Die Kommata gehören meines Wissens nach weg.

Zitat:„Steig ab, lade nach und geh in diese Richtung.

Gehört das "e" in "lade" nicht weg?

Zitat:Obwohl allein der Gedanke daran, Adam eine Kugel zu verpassen, alles in ihm zu rebellieren brachte, lehnte er sich lässig im Sattel zurück.

"zum Rebellieren"

Zitat:„Wenn ich dich hätte übern Haufen schießen wollen“, begann er Adam zu zitieren. „Dann wäre das passiert.

Komma hinter "wollen"; Komma hinter "zitieren"; "Dann" kleinschreiben.

Zitat:„Du scheinst mich nicht richtig verstanden zu haben.“
Die Trommel klickte ein.
Du scheinst nicht verstehen zu wollen.“

Schöne Stelle! Pro
Allerdings würde ich "Du" nicht kursiv setzen, damit liegt die Betonung mehr auf dem Willen und es klingt einfach besser.

Zitat:Der Hahn spannte sich.
John hätte gerne behauptet, sich keinen Deut darum zu scheren, dass er gleich aus dem Sattel fallen würde. Doch seine Knie zitterten und Schweißrinnsale rannen, trotz des kühl aufkommenden Sturms, an Rücken und Stirn hinab. Donner eroberte ein weiteres Mal den Himmel, einem Schuss gleich.

Spannung baut sich auf... dann diese kurze Pause, die Beschreibung der Atmosphäre, der in einen Vergleich eingebaute Schuss, wieder wörtliche Rede von Gale... fesselnd. Gefällt mir sehr gut! Pro

Zitat:Verpiss dich auf deine alte Ranch und sei dir mit jeder Stunde, die du atmest, bewusst, dass ich nicht eher ruhen werde, bis der Boden deines ach so Heiligen Landes verpestet ist von Leichen, die ich dort abladen werde.

Ich finde, "verpestet" ist dafür irgendwie das falsch, und wenn du es behalten willst, dann passt wiederum der Boden meiner Meinung nach nicht so gut, weil ja eher das Land selbst verpestet. Aber vielleicht ersetzt "verpestet" durch bedeckt? Würde mir persönlich besser gefallen.

Zitat:Er schwieg für einen Moment, gab ihm Zeit wahrlich zu begreifen.

Ich finde das "wahrlich" braucht es gar nicht mehr. Schlichter ausgedrückt wirkt das Ganze noch mehr, schmettert nieder.

Zitat:Das Tier schnaubte unwillige und für einen kurzen Moment verspürte John nichts anderes als den Impuls, vor so viel Wahnsinn zu fliehen.

Kann ich dir das "e" oben abkaufen?

Zitat:Ohne noch ein einziges Wort zu verschwenden saß er ab, schlug dem Braunen in die Flanke und beobachtete, wie der Gaul bockend hinter dem herannahenden Vorhang des Regens verschwand.

Hinter "verschwenden" muss ein Komma, glaube ich.

Zitat:„Geh endlich und denk an die vielen, armen, unschuldigen Kinder, die von bösen Männern wie mir gemeuchelt und von guten wie dir begraben werden.“

Ist, finde ich, ein schöner Blick in sein Inneres! Icon_smile

Zitat:Jung, kräftig und bloß ein verlorener Junger unter vielen, mit endlos traurigen Augen.

Wiederholung von "jung" und ich finde, das "endlos" passt auch nicht so rein. Die traurigen Augen sind subtiler, das "endlos" zwingt einem das Ganze eher rein, hämmert auf einen ein und das passt einfach nicht. Ich würde stattdessen eher noch einen weiteren Aspekt seiner Mimik einfügen, z. B.: "mit traurigen Augen und gebrochener Miene" Würde mir besser gefallen. Obwohl "gebrochen" auch wieder nicht so ganz passt, irgendwie... Schwierig, aber ich hoffe, du hast verstanden, was ich meine. Icon_wink

Zitat:Zum Teufel er wollte ihn nicht mehr sehen.

Komma hinter "Teufel".

Zitat:Wahrheit. Wissen. Ein letztes Nicken. Ein bitteres Lächeln. Dann wandte Adam sich um.
Ging Schritt um Schritt in Richtung Horizont, die entsicherte Waffe in seiner Rechten.
Du hast mir gesagt, dass es nach dem Mord an diesem Jungen kein Zurück mehr gibt.
Gale verzog das Gesicht und schloss ein weiteres Mal die Augen.
Er zwang sich, sie nicht mehr zu öffnen. Zwang sich, abzuwarten.
… und dieses eine Mal hattest du sogar Recht.
Vergebens. So endlos vergebens.
„Adam!“ Ein Husten. „Adam, nicht!“
Ein Schuss.
Ein Sieg.
Zwei Morde.

Die Stelle ist so gelungen, dass ich dazu eigentlich nichts sagen will außer: Pro

So, das war's auch schon wieder. Nun, das Fazit: ich muss einfach sagen, ich mag deinen Schreibstil. Und es gibt so einige Szenen, ein paar habe ich zitiert, in denen du mich richtig mitgerissen hast und du bekommst es hin, dass das gleichzeitig die Schlüsselszenen sind. Denn das sind die Bilder, die ich mir merken werde.
Außerdem, finde ich, arbeitest du gut mit der Symbolkraft von Bildern. Ob der Donnerschlag, das Paket - ich nehme an, darin ist irgendein Colt von besonderer Bedeutung - oder noch einige anderen Bilder, sie verstärken noch einmal gut, was du ausdrückst, nicht nur in dieser Geschichte, sondern generell.
Ich hoffe, ich konnte dir trotzdem nochmal ein bisschen weiterhelfen!
Nochmal ein großes Pro !

LG,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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