Es ist: 21-10-2020, 22:38
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Sternenpflückerin - von Libertine (Winter 2011/12)
Beitrag #1 |
Smile 

Smile  Sternenpflückerin - von Libertine (Winter 2011/12)
Meine Karte ist in der letzten Woche angekommen und ich finde sie wunderschön.

Sie ist quadratisch, steckte in einem apfelgrünen Umschlag, der mit leichtem Perlmutteffekt schimmert, wenn man ihn im Licht hin- und herbewegt. Frankiert ist er mit einer nicht ganz gerade aufgeklebten Automatenmarke, der Poststempel (Briefzentrum 48) ist um 90 Grad gedreht (was wohl am Format liegt) und jemand hat mit blauem Wachsstift die Zahl 191 oder 141 auf die Vorderseite geschrieben. Ich glaube, das ist unterwegs geschehen, denn die Anschrift ist sauber und gut leserlich mit schwarzem Kugelschreiber erstellt.
Interessanterweise befindet sie sich eher oben mittig-links und nicht, wie man es bei einem Brief erwarten würde. Dreht man den Umschlag um, sieht man den Absender "Literatopia", die Klappe ist sauber zugeklebt.

Nun zum Inhalt.
Die Vorderseite ist mittelrot und wirkt auf eine an Wischtechnik erinnernde Weise leicht strukturiert. Streiche ich mit den Fingespitzen darüber, spüre ich jedoch glatten Karton, auf dem die Motive nachträglich und etwas erhaben mit glänzender Lackfarbe aufgedruckt sind.
Im Vordergrund sehe ich sieben eingetopfte und unterschiedlich hohe Weihnachtsbäume in verschiedenen Grüntönen. Sie sind mit kleinen Kugeln - jeder Baum trägt eine andere Farbe - geschmückt und tragen einen Stern auf der Spitze. Bis auf zwei Bäumchen: der dritte rechts trägt eine stark nach links gekippte Mondsichel, der zweite von rechts hat seinen Schmuck zum Teil verloren. Fünf Kugeln und ein Hölzchen liegen auf dem Boden. Hat sich das Hölzchen auf der Spitze befunden?

Darüber, in der Mitte des Bildes sehe ich eine Klapp-/Trittleiter. Darauf steht eine Frau, mit bloßen Füßen und einem langen Rock, der im unteren Drittel türkisfarben und ansonsten silbern gepunktet ist. Ihr Oberteil, ist gelbgold und mit roten barocken Ornamente geschmückt. Sie trägt einen Hut, der an die orientalische Kopfbedeckung Féz erinnert und unter dem eine schwarze Locke vorwitzig hervorlugt.
Etwas beunruhigend finde ich, dass sie auf Zehenspitzen steht und weit nach oben, aber auch nach vorn reckt, um einen der Sterne abzupflücken, die über ihr glänzen. Das bringt mich auf die Idee, dass der vorher beschriebene Baum vielleicht seine Kugeln nicht verloren hat, sondern einfach noch nicht fertiggeschmückt ist. Wir werden es niemals herausfinden. Ist das womöglich ein Teil des Weihnachtsgeheimnisses?

Ich kann mich gar nicht sattsehen. Drehe ich die Karte nun aber doch um, so fällt zuerst die auf, dass sie komplett mit der Schrift bedeckt ist, die ich bereits vom Umschlag kenne. Am unteren Rand befinden sich rechts und links Datenstreifen und ich bin für einen Augenblick versucht, sie mit dem Smartphone einzuscannen, lasse es dann aber sein, denn viel interessanter ist das Motiv dazwischen. In der Form eines rechteckigen umrandeten Stempels, leicht schräg aufgedruckt, gibt es Aufschluss über den französischen Hersteller der Karte. Telefonnummer, Webadresse und der Name: Correspondances. Ist Sender oder Senderin der Karte francophil?

Der Text.
Diese Überlegung bringt mich dazu, die Schrift noch einmal genauer zu betrachten. Es ist eine Schrift aus dem deutschen Sprachraum, da bin ich mir ziemlich sicher. Die Zeilen senken sich nach rechts unten ab, doch nicht so sehr, dass man es für Absicht halten würde. Die Buchstaben halten behutsam dagegen, indem sie sich nach links neigen. Dennoch ein gleichmäßges, angenehm zu betrachtendes Schriftbild. Die Buchstaben fast wie Druckbuchstaben, dann aber auch wieder einmal in sanftem Schwung miteinander verbunden. Druckbuchstaben könnten auf einen männlichen Schreiber hinweisen oder auf jemanden, der dies in der Schule gelernt hat und somit noch recht jung sein dürfte. Ich bin kein Graphologe und somit ratlos.

Eine nachdenkliche Betrachtung über die Vergänglichkeit von Zeit und über den Versuch, sie in Bildern einzufangen. Zuversichtliche Grüße, obwohl auch der Weltuntergang nicht ausgeschlossen wird. Es unterzeichnet: Dein Postbote.


Das Wort "Jänner" im Text weist auf einen Schreiber mit österreichischen Wurzeln hin, oder steht dahinter ein Verfasser aus unserem Nachbarland? Ich glaube, dass ich europäische Post von einem nachdenklichen, zweilen auch romantischen Menschen bekommen habe, der durchaus noch mit der Hand schreibt und in der Nähe von Münster lebt. Liege ich damit richtig? Wie auch immer, ich freue mich sehr über diese besonderen Gruß.

Im Übrigen ist dies eine exzellente Schreibübung. Ich habe jetzt nur aufgeschrieben, was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist, aber ganz sicher gibt es noch viel mehr zu entdecken.







Viele Grüße
Jeanine


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Beitrag #2 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Hallo Jeanine,

du hast dir ja Mühe bei der Beschreibung der Karte gegeben! Ich habe sie fast vor Augen, so detailliert hast du sie beschrieben *lacht*
Was steht denn im Text? Vielleicht ergibt sich ja da noch der ein oder andere Hinweis ... Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #3 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
*Text nachreich*

Das Schöne an Bildern ist, dass auf ihnen die
Zeit stillsteht: kaum zu erkennen, ob das
Laufen nun vor- oder rückwärts ist, das Jojo
nach oben oder untern schwingt.
Vielleicht fischt im Jänner einer die Sterne
vom Himmel, vielleicht hängt er sie auf
(oder sich an ihnen).
Der Winter lugt kalt und blau durchs
Fenster, Weihnachtsmärkte sind abgebaut,
doch es stehen noch Glühwein und Lununba (?)
auf den Speisekarten.
In der Nachbarschaft kläffen nachts die Hunde
wenn einer den letzten Knaller loslässt. Ein
Briefkasten Rebelliert.
In dem Sinne: Frohe Weihnachten, frohes Neues,
frohen Weltuntergang. Es wird schon alles gut,
wenn man im rechten Moment das Bild anhält.
Dein Postbote


Was "Lununba" ist und ob ich das überhaupt richtig entziffert habe, kann ich nicht sagen. Lacht mich ruhig aus ;-)

Viele Grüße
Jeanine


PS
Ab wann darf man sich denn als Kartenschreiber outen?

Viele Grüße
Jeanine


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Beitrag #4 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Eigentlich ist Sinn der PKA, den Absender zu erraten - und die Verdächtigten sagen dann, ob sie es waren oder nicht. Spätestens zum Auflösungsdatum, in diesem Fall am 31. Januar, müssen aber alle zugeben, dass sie Absender sind :o)

Ich schließe mich Tinchen übrigens an, Deine Umschreibung ist wirklich sehr detailliert - freut mich, dass Du diese Aktion als Schreibübung ansiehst. Der Dreadnoughts war auch immer sehr kreativ beim Einstellen seiner erhaltenen Karten.

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #5 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Lumumba, heißt das. Einen passenden Thread gibts auch dazu, von den Münsteranern gegründet. Irgendwo.
Ich tippe auf Libertine, denn libbiistische Elemente springen mich an. Mrgreen

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #6 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Poststempel linsen gilt ja eigentlich nicht, aber Addi hat schon Recht - es gibt auch darüber hinaus genug "libbiistische Elemente":
- Karte aus Frankreich
- Jänner
- irgendwie libbi-lyrische Sprache
- Lumumba*. Alter PKA-Gag, der auf eine große Kartenaktion von Libbi und dem Wanderer zurückgeht, bei der Dreadnoughts davon ausging, dass die beiden in Münster im Fahrradkeller beim Lumumba sitzen und sich über die verwirrten Teilnehmer schlapplachen und sie mit einem "Das stimmt so nicht" weiter in die Verwirrung treiben (und beides stimmt**). Seitdem kommen alle Karten, die irgendwie obskur sind, pauschal aus Münster. Auf Verdacht (und häufig stimmt's Icon_wink).

Wirklich eine schöne Karte und toll beschrieben! ProPro (Für jeden von euch einen)
Liebe Grüße,
Lehrling

/edit:
* Lumumba ist nicht nur ein afrikanischer Ex-Diktator, sondern auch ein Heißgetränk: Kakao mit Rum.
** Jedenfalls fast; Mensa, nicht Fahrradkeller, und irgendwann hab ich mitgefeixt

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Beitrag #7 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Herzlichen Glückwunsch, alle Hinweise gefunden und richtig gedeutet Icon_smile

Es war mit Absicht nicht sehr schwer zu erraten. Also schön, dass jemand auf die Sprünge helfen konnte Icon_smile

Und ja, ich finde das Motiv auch total schön!

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Beitrag #8 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Ah! Jetzt wir klar, warum die Google-Suche nach Lunuba nichts gebracht hat. *lol*

Libertine, vielen Dank für die schönen Karte (und den anderen für die Erläuterungen dazu natürlich ebenfalls)! Sie steckt übrigens noch in Sichtweite neben meinem Bildschirm Icon_smile

Die Aktion hat großen Spaß gemacht!

Viele Grüße
Jeanine

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Jeanine


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Beitrag #9 |

RE: Sternenpflückerin (Winter 2011/12)
Freut mich sehr, dass dir die Karte so gut gefällt Icon_smile
Ja, Lumumba ... Mrgreen ... hoffentlich kriegen wir den gut hin am Montag *Lehrling angrinst*

(Editierst du noch ein "von Libertine" in den Titel, damit man gleich sieht, dass die Karte aufgelöst ist? Icon_wink )

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