Es ist: 14-08-2022, 10:29
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5 Wörter Teil 23 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

5 Wörter Teil 23 (abgeschlossen)
Treten Sie näher, machen Sie mit, seien auch Sie heute dabei!
Wer schafft es die beste Kurzgeschichte aus den vorgegebenen 5 Wörtern zu bilden?
Sie, Sie ... oder vllt ... Sie?!

Die diesmal unterzubringenden Worte lauten:
Zeitmaschine,
Trüffelschwein,
Abstinenz,
Frauenparkplatz,
fantastiggerisch.


Versuchen Sie Ihr Glück,
unsere Jury erwartet Ihre Geschichte*!

*Einsendeschluss ist der 1.08.2012. Rick & Co KG sind nicht verantwortlich für den Inhalt des Wettbewerbes und haften nicht für entstandene Schäden die im Rahmen des Geschichtenschreibens auftreten.


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Beitrag #2 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Pétaouchnok
(Samstag, 09. Juni, 09:45 Uhr)

Unbehagliche Stille.
Er schaute auf seine kurzgeschnittene Jeans mit den Seitentaschen, seine braungebrannten Beine, die in den alten Nike-Air endeten.
Himmel, seh ich so scheiße aus?, dachte er, während die Frau hinter der Theke ihn mürrisch über ihre Brillengläsern anschaute. Hinter ihr hing zwischen Türrahmen und Decke eine Urkunde neben der großen Wanduhr.
'Beste Dienstleistungsnote aller teilnehmenden Filialen'.
"Guten Morgen", brummte sie. "Was kann ich für Sie tun?"
Er griff in seinen Rucksack und holte einen gelben Bestellschein hervor. "Das hat der DPA-Mann in meinem Briefkasten hinterlassen."
Wortlos nahm sie den Schein, auf dem die Buchstaben DPA in rot und kursiv zu sehen waren. Sie warf einen kurzen Blick darauf, drehte sich um und verschwand wortlos im hinteren Raum.
Darth Vader war doch eine Frau, dachte er, fuhr sich durch das kurze braune Haar und schaute sich um.
Das Geschäft war an diesem frühen Samstagmorgen noch leer und die angebotenen Plastik-Barbies und Peach-Rosés lagen neben anderen Waren noch schlafend in ihren Regalen. Noch keine Kinder, die die Spielzeugflugzeuge herausnahmen und brummend durch den Laden liefen. Oder alte Omas, die Konservendosen in die Hände nahmen und dicht vor die Augen hielten, damit sie den Preis entziffern konnten.
Allerdings hatte die Zeit hier drinnen ihre Zähne verloren.
Noch immer lagen die Waren wie Treibgut in dunklen Holzregalen - oder standen wie die neuen Klapprechner in verschlossenen Gitterschränkchen im hinteren Bereich - und warteten auf ihre neuen Eigentümer. Verziert mit kleinen und großen Schildchen, auf denen 'Supersparangebot' oder 'Drei kaufen - zwei bezahlen' stand.
Wie neunzehnhundert-schlag-mich-tot, dachte er. Als wäre der ganze Laden eine Zeitmasch-. Er schmunzelte. Zeitmaschine! Genial. Das erste Wort haben wir.
Die Frau kam wieder und legte ein kleines Päckchen auf die Theke. Auf der braunen Pappe stand 'ABC Bücherdienst GmbH', daneben der Name seiner Frau und die Anschrift.
"Hier", knurrte sie. "Das nächste Mal sollten Sie Zuhause sein, mein Herr."
Ein MOF, dachte er. Ein Mensch ohne Freunde.
"Danke."
Er griff nach dem Päckchen und wollte es im Rucksack verstauen, als sie sich räusperte und ihm ein Zettelchen nebst Stift hinhielt.
"Erst unterschreiben!"
Nur ein MOF ...

Draußen vor dem Geschäft schaute er auf das wackelnde E.D.K.-Schild, das durch den Wind aus seiner Verankerung gerissen war.
Die Post hätte ihre Filialen niemals schließen dürfen, dachte er, bevor er auf sein altes Scott-Mountainbike stieg. Aber Gewinnmaximierung und Kostensenkung sind ja das A und O heutzutage.
Die erste Umdrehung der vorderen Kettenblätter wurden begleitet von einem Knacken und Knirschen, als er auf die menschenleere Straße fuhr. Ein Blick nach hinten und er sah, dass das hintere Schaltwerk mal wieder tat, wozu es gerade Lust hatte.
Na prima.
Er schaltete einen Gang nach oben und nickte zufrieden, als das Geräusch verschwand.
Dann eben so.

(10:15 Uhr)
Er fuhr Richtung Osten, immer begleitet vom herrischen Wind, der nicht nur ihn antrieb, sondern auch die letzten Reste des Mondes am verregneten Horizontwerk.
Zeitmaschine, dachte er, während sich seine Beine automatisch nach oben und unten bewegten. Eigentlich bestens geeignet für eine Science-Fiction-Geschichte. Aber Trüffelschwein, Abstinenz, Frauenparkplatz und ...
Links und rechts nahm nicht nur die Anzahl der Häuser ab, sondern auch deren Etagen.
Was war denn das letzte Wort nochmal?
Waren es vorher noch Mehrfamilienhäuser mit mindestens zwei, wurden es bald Einfamilienhäuser mit einem Stockwerk, schließlich nur noch alte flache Häuschen aus der vorletzten Jahrhundertwende. Hölzerne Streben in den Fassaden und scheinbar sanft von Riesenhand eingedrückte Dächer, auf denen die Dachpfannen schon bessere Zeiten gesehen hatten.
Ach ja. Er nickte schließlich, als es ihm einfiel. Ricks komisches Wort.
Die Autos, die eigentlich auf die Straße gehörten, standen stumm und still vor oder in den Garagen und träumten wahrscheinlich noch von einer rosafarbenen Umweltplakette mit der Zahl 6.
Fantastiggerisch. Er rollte mit den Augen. Mit Doppel-gg.
Die Häuser verschwanden und selbst der Asphalt der Straße schien am Ende zu sein.
Ja, Fantastiggerisch - am Arsch der Welt, dachte er, als eine heruntergekommene Bushaltestelle auf der rechten Seite auftauchte. Zerschlagene Scheiben, vollgeschmierte Plastikschalensitze und ein halb heruntergerissenes Schild, auf dem 'Festungsdamm Endhaltestelle Linie 4a: Hauptbahnhof-Lomse' stand.
Er schüttelte den Kopf und bog mit dem Rad auf den parallelen Weg ab.
Und ich dachte immer, nur in Amalienau sähe es so aus.
Die Straße neben ihm endete in einem verdreckten Wendehammer, in dem der Sand des Bauschutts durch den Wind aufgeschreckt herumwirbelte.
Die werden niemals mit der Anschlussstelle fertig. Er grinste plötzlich. Aber das hier eignet sich doch gut für einen Frauenparkplatz, oder nicht?
Nur noch Bäume, die immer dichter zusammenrückten und sich dabei bedrohlich dem schmalen Weg näherten. Einige Meter vor ihm tauchte ein Mann auf, der vergeblich an der Leine seines schwarz-weißen Hundes zog. Nichts schlimmes eigentlich, wäre das Tier nicht links, der Mensch rechts - und die Leine quer über den Weg gespannt.

Die Finger griffen nach den beiden Bremshebeln und er stoppte kurz vor der Leine.
"Nun komm endlich", zischte der alte Mann, dessen Haarschmuck sein Alter mit über vierzig auswies.
Oder sechzig, auf die paar Jahrzehnte kommt es ja auch nicht an.
"Lassen Sie sich ruhig Zeit", sagte er zum Hundebesitzer. So viele Minuten, wie ich jetzt gesammelt habe, bin ich überpünktlich Zuhause.
Er rutschte vom Sitz und gönnte seinem pochenden Herzen eine kleine Auszeit, während die Beine verwirrt ob des festen Bodens zu wackeln begannen.
"Er ist schon etwas älter, wissen Sie?", sagte der alte Mann.
Älter als Du? Er verkniff sich aber die Aussprache des Gedankens und starrte schwer atmend den Hund an.
Ob ich den als Trüffelschwein in irgendeiner Geschichte verwursten kann?
Das Tier entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Reichshund - oder Deutsche Dogge, wie man neuerdings zu sagen pflegte.
Oder eine alternative Muppet-Show mit Trüffelschweinen im Weltall?
Um den Hals trug er ein schwarzes Halstuch mit einem gelben Punkt und einer Aufschrift, von der er aber nur 'VFL Kö-' lesen konnte. Der Rest verbarg sich im Knoten.
"Spencer!", zischte der Mann und zog nicht mehr an der Leine, sondern riss schon fast an ihr. "Sturer alter Bock, verdammt!"
Nein, kein Trüffelschwein. Sein starrer Blick wurde mitfühlend, als der Hund zu ihm aufschaute und sich endlich zu seinem Herrchen trollte. Spencer ist ja schon grausam genug.
"Tut mir wirklich leid ..."
Er winkte ab, bevor er sich wieder auf seinen Sattel schwang und in die Pedalen trat.
"Das macht doch nichts" wollte er sagen, als er an den beiden fast vorbei war, doch die dritte Umdrehung verlief nicht ganz reibungslos. Die Kette sprang vom vorderen Zahnkranz, der Widerstand verschwand und der irrsinnige Griff nach den Bremshebeln hatte einen unschönen Nebeneffekt:
Er flog über den Lenker.

Für einige Sekunden war da nur der freie Fall in Zeitlupe. Die Brennnesseln, die haarscharf an ihm vorbeiflogen. Die Bäume mit ihrem im Wind wippenden Geäst, die begeistert zu klatschen schienen. Der alte Mann mit seinem Trüffelhund, die ihn beide mit großen Augen anschauten - bevor er mit der rechten Seite auf dem steinigen Weg landete.
Zuerst auf dem Arm, dann dem Becken, dem Knie. Zum Schluss der Kopf.
Ein Sternenfeuer unterm Regenmond.

(11:00 Uhr)
"Und dann?", fragte sie, die in der linken Ecke der Mansarde an ihrem Rechner saß und sich die schulterlangen braunen Haare zu einem Zopf zusammenknotete. Zwischen ihr und ihm ein schmales Dachfenster, das bis zum azurblauen Teppichboden reichte. Hinter dem Glas tobte sich der Wind weiter aus und versuchte den Bäumen ihr Geäst brutal zu entreißen.
Dann dachte ich daran, wie ich mit der Flex das blöde Rad zerschneide!, dachte er, sagte aber stattdessen: "Der Hund schnupperte an meinem Bein. Der Mann fragte nur, ob alles in Ordnung sei."
Er saß rechts vor seinem Standrechner und tippte 'www.literaturportal.br' in die Adressleiste des Internetbrowsers. "Mehr nicht, Lissy"
Auf dem Bildschirm erschien oben ein Banner mit dem verschnörkelten Namen des Forums. Anstelle der alten Farben Grau und Schwarz mit weißer Schrift wartete die Seite nun mit einem hellen Ockerton auf, umgeben von einem dunklen Rotbraun.
Wirklich schön geworden, dachte er. Zack und Belgarion haben das gestern wirklich gut hinbekommen.
"Da hast Du ja ganz schön den Papst gemacht, mein Schatz", sagte Lissy, die mit ihrem Chefsessel neben ihm auftauchte und auf das Knie deutete. Blutige Abschürfungen, die bereits wieder trocken waren. Flankiert von farbigen Flecken, die langsam verschwanden.
"Ich bin kerngesund, Lissy."
"Aber dafür ist die Schale arg ramponiert."
"Das wird schon wieder."
Ein Pop-Up-Fenster mit 'Vergessen Sie den 26.06. nicht!' öffnete sich und stellte sich zwischen ihm und dem Forum.
"Was soll das denn?", fragte er verwundert.
"Du weißt doch, die Magistrats-Neuwahlen in ein paar Wochen."
"Ach ja ..." Er seufzte, klickte das Fenster weg und bewegte den Mauszeiger zur Anmeldung. "Ist heute nicht so mein Tag, verzeih." Langsam tippte er D-r-e-a-d-n-o-u-g-h-t in das weiße Feld. "Sonst noch was, was ich wissen sollte?"
"Nun, abgesehen von der einen Zentrums-Ratsfrau, die sich vehement dafür eingesetzt hat, dass in den Trinkräumen in Amalienau nicht mehr geraucht werden darf - nichts."
Sein rechter Mittelfinger verharrte schwebend über der Eingabetaste.
"Bitte was?"
"Die Trinkräume. Für die suchtkranken Alkoholiker, Ludger." Lissy schüttelte den Kopf. "Wie hart bist Du eigentlich mit dem Kopf aufgekommen?"
"Ich ... Also ..."
"Na dann: Willkommen im 21. Jahrhundert, Zeitreisender", lachte sie. "Zur Information: Es geht gerade darum, das ganze Bundesland rauchfrei zu machen."
Schweigend musterte er sie, während sie seinen Kopf vorsichtig in ihre Hände nahm und in seine Augen schaute.
"Himmel, wo bist Du gerade?"
Ludger nickte zum Bildschirm.
"Bei Rick."
"Rick? Wieso?"
"Er hat die aktuellen fünf Wörter vorgestellt."
"Und?"
Er seufzte.
"Keine Ahnung. Die Wörter sind wirklich schwer diesmal."
Sie griff an ihm vorbei, drückte auf die Eingabetaste und rief die 'Spielwiese' auf:

5 Wörter Teil 23
Treten sie näher, machen sie mit, seien auch sie heute dabei!
Die diesmal unterzubringenden Wörter lauten:
Zeitmaschine,
Trüffelschwein,
Abstinenz,
Frauenparkplatz,
fantastiggerisch.
Versuchen sie ihr Glück.

"Und was ist Dir bis jetzt eingefallen?", fragte Lissy und funkelte 'Frauenparkplatz' böse an, sagte jedoch nichts dazu.
"Ich weiß nicht. Vielleicht eine Science-Fiction-Geschichte?"
"SF?"
"Warum nicht? Vielleicht eine alternative Parallelwelt, wo ..."
Lissy schüttelte den Kopf.
"SF!", fauchte sie und ihre Haare schienen sich geladen aufzurichten. "Egal in welche Buchhandlung ich gehe, überall SF. SF, SF, SF. Nur SF. Ich kanns nicht mehr sehen - und dann willst Du ausgerechnet eine SF-Geschichte schreiben?"
"Hast Du eine bessere Idee?"
Sie drehte sich um und rollte zurück zu ihrem Standrechner.
"Wie wärs denn mal zur Abwechslung mit der Wahrheit?"
"Mit der Wahrheit?", fragte Ludger und schaute ihr hinterher.
"Ja. Die Wahrheit, mein Schatz", antwortete sie. "Schreib doch einfach: ein Mann aus Königsberg in Ostpreußen macht an einem windigen Samstagmorgen des realen Jahres 2012 mit dem Fahrrad Sport, holt vorher noch bei der Poststelle des E.D.K.-Ladens ein Buch für seine Frau ab, fährt weiter durch die waldige Lomse und denkt über Ricks Wörter nach, bis er einen dummen Unfall hat."
Ludger kniff die Augen zusammen und verzog den Mund.
"Das anstelle einer schönen Parallelweltgeschichte?" Er schüttelte den Kopf. "Bloß nicht!"
"Und warum nicht?"
"Weil sowas keiner lesen will, Lissy."


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Beitrag #3 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Danke für die Geschichte Dread.
Ein guter Schreibstil, eine interessante Idee, ein paar nette Gimmicks und du nennst die Person die mir am liebsten ist (mich selbst) namentlich in der Geschichte. Also ich würde sagen da brauchen wir uns die anderen Geschichten gar nicht mehr durchlesen, wir haben einen ...
... moment ....
was höre ich da?
Rechtschreibfehler?
Der Text ist viel länger als nötig?
Er weiß nicht wer Tigger ist?!
Tatsächlich, du hast zusammengeknotete mit drei T geschrieben, das ist natürlich schade.
Dann ist wohl noch alles offen. Mrgreen


Ganz genau, auch DEINE Geschichte kann noch gewinnen,
mache jetzt mit,
bringe alle 5 Wörter in nur einer Geschichte unter und gewinne einen phantastischen Preis*!

*Einsendeschluss ist der 1.08.2012. Rick & Co KG sind nicht verantwortlich für den Inhalt des Wettbewerbes und haften nicht für entstandene Schäden die im Rahmen des Geschichtenschreibens auftreten. Um evt. gewonnene Preise zu erhalten wird eine Portogebür von 50 Euro fällig.


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Beitrag #4 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Moin.

Für den Rechtschreibfehler muss ich mich entschuldigen. Dachte, ich hätte alle gefunden. Bezüglich 'Tigger': Alan Alexander Milne ist (hier) 1915 an der Somme gefallen. Somit konnte Ludger dies nicht erkennen. Icon_wink

LGD.


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Beitrag #5 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Peng! Knack! Ratterratterratterrat...
Scharrend wie ein alter Sargdeckel kamen die Singularitätsgeneratoren zum Stillstand, und Manfred B. Loche löste mit einem erleichterten Furz die Haltegurte. 72 Jahre und die Dimensionssprünge schafften es noch immer, seinen Magen-Darm-Trakt durcheinanderzuwürfeln. Stöhnend manövrierte er seinen drahtigen Körper aus dem Schalensitz, der, so wusste er, am Ende seiner Mission wie eine Geliebte auf ihn warten würde, um ihn in eifersüchtiger Umklammerung sicher nach Hause zu befördern.
"Hey, Sie dürfen hier nicht parken!", empfing ihn ein untersetzter Mann mit zitterndem Schnauzbart, als er aus der Zeitmachine stieg. "Dies ist ein Frauenparkplatz!" Demonstrativ zeigte die wandelnde Uniform auf ein verrostetes Schild, das ein Strichmännchen im Rock zeigte.
"Ich brauche nicht lange", murmelte Manfred, doch der Wachmann verstellte ihm den Weg.
"Bitte, parken Sie ihren", ein Blick, erst flüchtig, dann mit irritiertem Interesse durchsetzt, musterte den silbergrauen Delorian, "hm, ihren Wagen woanders. Im dritten Stock-"
Manfreds Eraser schickte den Mann mit einem seligen Lächeln in den Tiefschlaf. Nachdem der Träumende in einer dunklen Ecke verstaut war, fuhr der Zeitagent mit dem Aufzug hinauf in die siebente Etage.
Sechs güldene Letter in altmodischen Schnörkeln leuchteten ihm vom Empfangstresen entgegen, dahinter in strahlend Weiß das Lächeln einer niedlichen Brünetten Anfang zwanzig.
"Kann ich Ihnen helfen, Sir?"
Ohne eine Antwort holte Manfred seinen Eraser hervor. Dreißig Minuten Schlaf, keine Erinnerung. Manchmal wünschte er sich, er könne die kleine Handmachine einfach auf unendlich stellen und sein ganzes bisheriges Leben damit auslöschen. Aber die Mission hatte Vorrang. Die Mission hatte immer Vorrang.
Die erzwungene Abstinenz der letzten Jahre ließ ihn für einige Augenblicke neben der schlafenden Frau stehen. Ein anderer wäre vielleicht schwach geworden. Er jedoch wandte sich ab, auch wenn die Hose schmerzhaft an seiner Errektion rieb.
Der Grundriss, den er sich vor Antritt seiner Mission eingeprägt hatte, führte ihn direkt an die Türen des Sitzungssaals. Auch hier wieder die güldenen Letter, wie überall in den Gängen, sowie ein "Bitte nicht stören" - Schild.
Vorsichtig drückte er die Klinke herab.
"Ein Bär? Ich weiß nicht", krabbelte es nachdenklich durch den winzigen Spalt.
"Nicht irgendein Bär, ein tumber, schusseliger Bär, der süchtig nach Honig ist", erwiderte eine aufgeregte Stimme.
"Wir haben bereits einen halben Bauernhof. Sollten wir nicht langsam nach etwas anderem suchen?", schob sich ein dritter dazwischen und wurde sogleich von einer älteren Stimme abgeschnitten.
"Tiere sind unser Markenzeichen."
"Aber ein Bär?" Das war Stimme Nummer eins. Immer noch zweifelnd. "Und", Blätterrascheln, "eine Eule, ein Esel, ein Schwein-"
"Nicht irgendein Schwein, ein Trüffelschwein", warf die aufgeregte Stimme ein. "Die Kinder werden es lieben."
"Was auch immer."
"Also für mich sieht es aus wie ein Schwein. Und was soll dieser Tiger mitten in einem mitteleuropäischen Wald?"
"Er ist für die lustigen Elemente zuständig", versuchte Stimme zwei den Skeptiker zu überzeugen.
"Ah ja."
Manfred bückte sich und holte den letzten Neutralizer aus seiner Tasche. 14 Räume, 14 Metall-Murmeln. Er wusste nicht, woraus die kleinen Wunderwerke der Technik bestanden, aber sie hatten seine Arbeit in den letzten Jahren um Dimensionen erleichtert. Sein Atem beschlug die Oberfläche der Kugel, als er seinen Abschiedskuss darauf drückte. Dann ließ er sie sanft von seiner Handfläche hinab in den Raum rollen.
"Wir dachten daran, eine eigene Sprache für ihn entwickeln, lustige Wortkreationen und ..."
Die Tür schloss sich mit einem sanften Klick. Wenige Sekunden später erklang ein Geräusch, das an fließenden Strom erinnerte, und verkündete das Ende seines Auftrages.
Als er die Tür öffnete war das Konferenzzimmer bis auf die Möbelschatten an den Wänden leer. Ebenso leer wie der Rest der Etage.
"Einfach phantastiggerisch", murmelte er in die Stille des Raumes. Die Leere der Gänge schluckte seine Schritte. Alles, was blieb waren sechs güldene Lettern. Von nun an Geschichte - zumindest für die Zukunft dieser Welt. Mehr konnte er nicht erwarten.
Bevor er die Zeitmachine bestieg, zog er sich aus einem Automaten den Gesamtvorrat an Cola-Flaschen. Sein Job war zwar nicht schlecht bezahlt, aber sein Jüngster wollte bald auf die Universität.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #6 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Danke für die Geschichte Adsartha.
Die Worte wurden gut eingefügt, der Dialog war sehr witzig und du hast mir ein neues Wort beigebracht (tumber). Also ich würde sagen da brauchen wir uns die anderen Geschichten gar nicht mehr durchlesen, wir haben einen ...
... moment ....
was höre ich da?
Rechtschreibfehler?
Ein 72jähriger mit Erektion?
Weder wurde Puh der Bär von Disney erfunden noch gab es zu der Zeit Frauenparkplätze?!
Tatsächlich, du hast geschrieben "vorsichtig öffnete drücke er die Klinge", das ist natürlich schade.
Dann ist wohl noch alles offen. Icon_slash


Ganz genau, auch DEINE Geschichte kann noch gewinnen,
mache jetzt mit,
bringe alle 5 Wörter in nur einer Geschichte unter und gewinne einen phantastischen Preis sowie einen Urlaub in Mallorca*!

*Einsendeschluss ist der 1.08.2012. Rick & Co KG sind nicht verantwortlich für den Inhalt des Wettbewerbes und haften nicht für entstandene Schäden die im Rahmen des Geschichtenschreibens auftreten. Um evt. gewonnene Preise zu erhalten wird eine Portogebür von 50 Euro fällig. Die Mallorcareise nur solange der Vorrat reicht.


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Beitrag #7 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Hi Rick,
Puh wurde nicht von Disney erfunden, aber filmisch umgesetzt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mein Pilot ist 72 Jahre im Amt, das ist in der Zeit, aus der er kommt, kein Alter. Also ja, er hat eine Erektion. Und Fortschrittlich wie Amerika ist, gab es damals bestimmt schon Parkhäuser mit Frauenparkplätzen. :P

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #8 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Ich weiß ja nicht ... gibts in den USA überhaupt Frauenparkplätze? Und die erste Puhbär-verfilmung kam von Sojusmultfilm.

Aber das ist jetzt egal, die Geschichte ist schon längst im Geschichtenanalytiklabor, wo sie von Spezialisten mit aufwändigen quantenphysikalischen Methoden bewertet wird und schließlich einen Content-Mass-Index erhält, der später entscheided welche Geschichte gewinnt.


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Beitrag #9 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Entführt

Schweiß bildete sich auf Philipps Stirn. Er wäre ihm in die Augen getropft, wenn diese nicht verbunden worden wären. Das war es auch, was ihm am meisten Angst machte, dass er nichts sah. Das Einzige was ihm blieb waren die Geräusche, welche an seine Ohren drangen. Das leise Flüstern der Männer - zwei waren es - ihre Schritte auf dem nackten Betonboden und das Klicken ihrer Waffen. Er konnte nicht sagen, ob sie damit auf ihn zielten, oder ob sie sich gegenseitig bedrohten. Vielleicht spielten sie auch nur aus Langeweile damit herum, aber sie könnten damit auf ihn zielen und das war es was ihm wirklich Angst einflößte.
Er wünschte sich, er wüsste warum er hier war. Bisher hatten sie kein Wort mit ihm gesprochen.
Morgens und abends nahmen sie ihm die Augenbinde ab und gaben ihm Brot und Wasser, wobei sie ihre Gesichter unter einfallslosen Skimasken verbargen. In einem Anfall von Sarkasmus dachte er sich, dass ihm diese Abstinenz nicht schadete – im Gegenteil seinem Waschbärbauch schadete das ganz und gar nicht. Aber noch sehnlicher wünschte er sich eine Zeitmaschine, die ihn zu dem Moment zurückbringen konnte, an dem seine Welt noch nicht aus Dunkelheit und zwei Männern bestand. Irgendwie mussten sie ihm eine Droge eingeflößt haben, denn er konnte sich nur noch an einzelne Bilder erinnern.
Er hatte mit seinem Sohn vor dem Fernseher gesessen. Der kleine Tom sah sich eine Kindersendung mit diesem springenden Etwas, was immer wieder: „Fantastiggerisch!“ rief an. Philipp konnte sich nicht erinnern, wie die Sendung hieß, Tom würde böse auf ihn sein – falls er ihn überhaupt wieder sah. Wie ein Trüffelschwein, welches den Waldboden nach seinen Schätzen durchgrub, suchte Philipp in seinen Erinnerungen, nach dem Zeitpunkt seiner Entführung. Er erinnerte sich an eine Tiefgarage. Gerade war er aus seinem Auto ausgestiegen – gegenüber dem Frauenparkplatz hatte er sich eine Lücke ergattern können – als die beiden Skimaskenmänner zielstrebig auf ihn zukamen. Noch bevor Philipp richtig begreifen konnte, dass sie auf ihn zukamen, wurde die Welt um ihn herum schon schwarz. Und blieb es auch. Bis zu seiner ersten enthaltsamen Mahlzeit. Erst als er diesen Raum sah – der aus nichts weiter als dem Boden und vier Wänden zu bestehen schien – wurde ihm klar, dass er entführt worden war. Seine Handgelenke waren aneinandergefesselt. Philipp glaubte zu spüren, dass es ein Seil war. Er versuchte es zu lockern, indem er die Arme bewegte so gut es ging, aber mehr als das nach einigen Minuten seine Schulter schmerzte passierte nicht. Krampfhaft versuchte er nachzudenken. Seine Fesseln wurden ihm nur zum Essen abgenommen und auch die Augenbinde, aber dann waren sie immer zu zweit bei ihm. Würde er sie in seinem geschwächten Zustand überwältigen können? Wohl eher nicht. Aber allein ließen sie ihn nur gefesselt. Gerade war er dabei durchzudrehen, weil sich seine Gedanken im Kreis bewegten, als er sie kommen hörte.
„Es ist alles deine Schuld Mikail!“
„Wieso meine? Ich kann doch nichts dafür.“
„Du hast ihm doch in der Tiefgarage aufgelauert.“
„Aber Carlo, du hast doch gesagt …“
„Aber Carlo, aber Carlo. Ich kann’s nicht mehr hören.“
Ihre Schritte kamen näher, ihre Stimmen wurden lauter. Auf Philipps Stirn bildeten sich neue Schweißtropfen. Er hatte sie noch nie reden gehört, wenn sie all ihre Vorsicht fallen ließen, musste das etwas bedeuten. Aber was?
„Aber Carlo, woher hätte ich das wissen sollen?“
„Halt endlich die Klappe Mikail!“
Sie standen jetzt bei ihm im Raum. Philipp hatte gehört, wie sie die Tür geöffnet und herein gekommen waren. Er konzentrierte sich auf die Stimmen der beiden Männer. Mikail schien der jüngere von beiden zu sein, aber am meisten wunderte es ihn, dass beide völlig akzentfrei sprachen, als ob sie aus dem Nirgendwo zu kommen schienen.
„Aber Carlo …“
Ein Seufzen.
„Wir haben das doch eben besprochen. Er ist es nicht.“
Philipp tropfte der Schweiß von der Stirn. Er atmete heftiger. Er hätte sie fragen können, was sie meinten, er hätte sie anflehen können ihn frei zu lassen. Aber er wusste, dass es zwecklos war.
„Mikail. Wenn ich es nicht mache, musst du es tun. Und das willst du doch nicht, oder?“
Er stellte sich das Kopfschütteln vor.
„ … und jetzt reiß dich zusammen, Kleiner.“
Philipp hörte noch das typische Klicken der Pistole, dann spürte er als letztes brennenden Schmerz an seiner Schläfe, bevor er hinüber glitt in die erlösende Dunkelheit.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #10 |

RE: 5 Wörter Teil 23
Eine dritte Geschichte, schön Icon_smile
Sparen wir uns mal die Show und ich machs kurz und sachlich:

gut:
- Wörter gut und beiläufig untergebracht
- liest sich flüssig und gut
- du hast das unliebsame Ende durchgezogen und dich nicht zu einem lahmen "es wird doch noch alles gut"-Ende hinreißen lassen

weniger gut:
- vereinzelt Kommafehler, "der jüngere von beiden" (mMn)
- die 5 Wörter sind alle im ersten Drittel
- der Dialog wirkte etwas hölzern fand ich

Eine durchaus wettbewerbsfähige Geschichte. Wer gewinnt wird sich aber erst in einem Monat zeigen Read .


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