Es ist: 15-11-2019, 21:21
Es ist: 15-11-2019, 21:21 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Faun in der Tür, Teil 2
Beitrag #1 |

Der Faun in der Tür, Teil 2
Hallo liebe Leute, meine Internetzugang war in den letzten Tagen etwas...beschränkt...deshalb erst jetzt die erste Zerteilung meiner Geschichte in leserfreundlichere Einzelthreads. Viel Spaß!

Ich...wir (...ihr lest mit also seid ihr auch dabei) haben die Einladung dieses seltsamen Türbewohners angenommen und sind nun zu Besuch in seinem Zuhause.

-----------------------------------------

Ich betrat also den Raum auf der anderen Seite der Tür und sah mich nach dem Faun um, der war aber offensichtlich irgendwo anders im Haus beschäftigt, denn ich konnte das leise klirren von Gläsern aus einem Nebenraum hören.
„Wein oder Bier?“
„Ähh, Bier bitte!“
„Ist gut, bin gleich bei dir!“
So hatte ich wenigstens Zeit das Zimmer etwas in Augenschein zu nehmen. Man merkte sofort, dass der Faun alleine lebt. Wer jetzt erwartet, dass im Zimmer Unordnung herrschte, dem soll gesagt werden, dass es ein bösartiges Gerücht ist, dass alle männlichen Wesen, sobald sie alleine sind zur Unordnung neigen. Nur 98,5 % sind unordentlich.
Aber man konnte nicht abstreiten, dass dem Zimmer eine gewisse weibliche Note einfach fehlte.
Ein jeder von uns kennt so etwas, man ist irgendwo zum ersten Mal zu Besuch und der Hausherr führt einen persönlich durch die Wohnung und irgendwo in einer Ecke steht eine Vase in der mannshoch irgendwelche Dinge aus undefinierbaren Material (made in Sweden), in speziellen Farben (denen der jeweiligen Sitzgarnitur) und geeigneter Form ( bevorzugt gleicher Krümmungsradius wie der der Stehlampe) stehen, die sich perfekt in das jeweilige Raumambiente einfügen. Nun stehen also Gast und Hausherr vor besagter Vase und man ist sich sofort einig, dass man sie schön findet aber niemals drei Wochenenden damit verbracht hätte, nach ihr in diversen Einrichtungshäusern zu suchen. (gleiches gilt übrigens für Sitzgarnitur und Stehlampe).
Im Zimmer des Fauns gab es solchen dekorativen Elemente eben nicht. Dafür ein gut gefülltes Bücherregal, ein altes Sofa, diverse Kästen, ein kleines Tischchen aus dunklem Holz und einen äußerst gemütlich wirkenden Lesestuhl mit dazugehörigem Fußschemel. An einer der Wände befand sich ein großes Fenster, aus dem man allerdings nichts erkennen konnte, da es draußen stockfinster war.
„Gefällts dir hier bei mir?“ fragte der Faun, der soeben mit zwei Flaschen Bier in der Hand durch eine Tür, die sich der durch die ich gekommen war genau gegenüber befand, den Raum betrat.
„Gemütlich!“ antwortete ich und nahm dankend eine der Flaschen entgegen.
„ Ich weis, ist nicht unbedingt aus dem Katalog für Innenausstatter, aber mir gefällt es und ich hab auch nicht sehr oft Gäste hier bei mir!“
„Sei nicht so bescheiden, ist doch recht stimmig!“ entgegnete ich und schlenderte zum Bücherregal in dem sich auffallend viele medizinische Bücher und solche über Naturheilkunde befanden. Ich nahm ein Buch heraus, laut dessen Titel der Autor einen Zusammenhang zwischen Mondphasen und Darmleiden herausgefunden haben wollte und fragte den Faun: “Bist du Arzt?“
„Nein, paranoid!“
„Tut mir Leid für dich!“
„Danke, aber seit dem immer diese Krankenhausserien im Fernsehen laufen, bei denen sich immer herausstellt, dass die Patienten nicht die Grippe sondern irgendeinen Dschungelfieberkrebs haben, bin ich zur Selbstdiagnostik übergegangen um mögliche Vorzeichen schnellstmöglich zu erkennen!“
„Vorsorge ist immer sehr löblich, trotzdem ist das eine eher unübliche Büchersammlung!“
„Was sollte ich den deiner Meinung nach lesen?“
„Keine Ahnung, „Die Chroniken von Narnia“ vielleicht?“
„Kenn ich nicht, klingt aber auch irgendwie nach Medizin! Um was geht’s den dabei?“
„Nicht so wichtig!“

Ich musterte den Faun, der übrigens in der Realität zweifellos als solcher zu erkennen war, denn aus den verwaschenen Jeans lugten kurze Beine mit Ziegenhufen, aus dem Augenwinkel und sagte um eine mögliche peinliche Pause zu vermeiden: “Und was machst du dann sonst so wenn du kein Arzt bist?“
„Ich bin ein Faun!“ entgegnete der Faun leicht irritiert.
„Darauf wäre ich auch so gekommen, aber Faun sein ist doch kein Beruf!“
„Du schreibst doch auch Student auf Formulare wenn nach dem Beruf gefragt wird!“
„Schon, aber man ist doch nicht sein ganzes Leben lang Student und ich könnte mir denken, dass du nicht in fünf Jahren aufhörst ein Faun zu sein! Außerdem ist Flöte spielen, Wein trinken und mit Waldmädchen tanzen als Berufsbeschreibung doch nicht unbedingt das was man in einer Jobausschreibung findet!“
„Wieso zum Teufel sollte ich im Büro Flöte spielen?“ sagte der Faun leicht erregt „Außerdem hast du gesagt du möchtest lieber Bier als Wein und was die Waldmädchen angeht, ich weis ja nicht welche Anmachen du so in deinem Reportior hast, aber wenn du bei uns einfach so versuchst ein Waldmädchen anzutanzen, bekommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit eins von ihr auf die Nase!“
„Entschuldige, ich war unhöflich! Du arbeitest also in einem Büro?“ tastete ich mich weiter.
„Ja, meistens!“
„…. so wie alle Faune das tun?“
„Nein, die anderen gehen Streife, machen Kontrollen, verteilen Parktickets, sag mal ist das dein erstes Bier heute?“ fragte der Faun misstrauisch.
„Ahh, du bist so was wie ein Polizist!“
„ Natürlich… du solltest womöglich doch den Rest Bier stehen lassen!“
„Schon in Ordnung, es ist nur so, dass es bei mir zu Hause nicht selbstverständlich ist, dass die Polizei nur aus Faunen besteht…Obwohl, manchmal bin ich mir selbst nicht ganz sicher!“
„Wirklich? Und was machen die Faune dann bei euch? Flöte spielen und saufen?“
„Ähh, die meisten sind glaube ich Anwälte. Zumindest gibt’s da einige mit Hörnern und Ziegenfüßen!“
„Was du nicht sagst…Könnten aber auch Dämonen sein, besonders die kleinen sehen uns Faunen sehr ähnlich.“

Sarkasmus ist meiner Meinung etwas sehr Schönes, doch er verliert spürbar an Glanz wenn unbeabsichtigt und nur für einen persönlich lustig. Und so beschloss ich dem Gespräch eine andere Richtung zu geben indem ich sagte:“ Was machen wir jetzt eigentlich mit dem angebrochenen Abend?“
„ Tja, das habe ich mir auch schon überlegt, wenn ich gewusst hätte, dass du vorbeikommst hätte ich etwas vorbereitet, aber jetzt… wir könnten in meine Stammkneipe gehen wenn du magst!“
Eigentlich wollte ich mich nicht zu weit von meiner Tür entfernen, aber wenn man mit einem Polizisten unterwegs ist, ist die Gefahr einer Kneipenschlägerei wohl doch eher gering und so willigte ich nach kurzem Überlegen ein. Man hat ja nicht alle Tage die Gelegenheit mit seinem Türbewohner auf Zechtour zu gehen.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme