Es ist: 13-11-2019, 15:19
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Der Faun in der Tür, Teil 5
Beitrag #1 |

Der Faun in der Tür, Teil 5
Ich habe nie ganz verstanden wie Personen in Geschichten immer so dumme Entscheidungen treffen können. Seit dem letzten Teil wissen wir, dass ich es keinen Deut besser mache. Leider müssen wir das jetzt zusammen ausbaden:
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Wir verließen, die Zähne immer im Blick behaltend, im Rückwärtsgang das Büro und gingen zusammen mit Heintze wortlos zum Lift. Die Lifttür hatte sich kaum geschlossen als George und Heintze lauthals zu lachen begannen.
„Erdnüsse, er wollte Skippy Erdnüsse andrehen!“ lachte George
Ich sah die beiden entgeistert an: „Seid ihr übergeschnappt, das Vieh wollte mich fressen und ihr findet das lustig?“
„Jetzt mach mal halblang, Skippy hat schon seit Jahren keinen mehr gefressen! Wenns nach dem ging, hätte er mich und den Chef schon viermal zerreißen müssen!“ keuchte Heintze und schlug mir dabei so fest auf die Schulter, dass ich leicht in die Knie ging.
„Trotzdem bist du jetzt offiziell an den Ermittlungen beteiligt!“ meinte George der sich schon wieder etwas gefangen hatte
„Spinnst du, ich will heim bevor er sich’s anders überlegt!“
„Kannst du vergessen, wenn Skippy herausfindet, dass du ihn angelogen hast, wird er richtig sauer und dann ist das mit dem Auffressen vielleicht doch eine Option. Außerdem können wir sowieso jede Hilfe gebrauchen. Und wenn es nur jemand ist der das Absperrband wieder aufwickelt!“ sagte George und untermalte seine Ausführungen mit der entsprechenden Handbewegung.
„Da will man nur einmal gemütlich einen drauf machen und schon sitzt man mit zwei Fabelwesen im Auto und hilft ihnen dabei Sherlock Holmes für Fortgeschrittene zu inszenieren“ murmelte ich.
„Werd jetzt nicht ordinär!“
„Wie bitte?“
„Entschuldige, ich dachte Sherlock wäre was Unanständiges!“


Wir verließen das Revier und stiegen wieder in Heintzes Wagen ein um uns auf den Weg zum Museum für Vieles zu machen. Zu meiner Überraschung fuhr Heintze diesmal erheblich gesitteter als bei der Herfahrt. Darauf angesprochen, meinte er nur, dass wir sowieso den Diebstahl nicht mehr verhindern könnten und reichte mir anschließend eine kleine Broschüre. Auf dem Titelbild war ein riesiger silbern glänzender Pokal zu sehen der aber von der Form her eher an eine Urne erinnerte. Darunter war zu lesen:

Der Große Zauberhafte Pokal

Zum ersten Mal seit 50 Jahren ist er wieder ins Ausland verliehen worden und das Museum für Vieles ist stolz ihn als Herzstück für seine Ausstellung für Alles aufnehmen zu können.

Ausstellung für Alles 1.5.-30.6.

Ich reichte die Broschüre an George weiter, der sie ohne sie zu lesen ins Handschuhfach stopfte.
„Schon gelesen?“ fragte ich.
„Nicht nötig!“ sagte der Faun und deutete aus dem Fenster auf eine Plakatwand an der dasselbe Bild mit Text ungefähr ein Dutzend Mal aufgeklebt war.
„Was werden wir jetzt im Museum machen?“ erkundigte ich mich.
„Fragen wers war!“
„Und du meinst, dass uns das weiterbringt?“
„Nein, aber es ist wichtig, das jeder einmal raten darf! Damit dann wenn wir den Pokal samt Täter gefunden haben, irgendeiner sagen kann:“ Ich hab es euch ja gesagt!““

Den Rest der Fahrt verbrachten wir schweigend. Mir kam sogar vor, dass ich kurz eindöste. Kein Wunder, immerhin war mein eigentlicher Plan gewesen zu diesem Zeitpunkt schon gute drei Stunden im Bett zu liegen. Aber es gibt gewisse Dinge für die es sich lohnt länger wach zu bleiben. Das Museum für Vieles fällt sicher in diese Kategorie.
Ich fragte mich insgeheim wie betrunken die Kommission war die die Erdbebensicherheit des Gebäudes testen sollte, denn am besten kann man das Museum als Würfel beschreiben, den jemand genau auf einer Ecke ausbalanciert hat.
Die Außenverkleidung bestand zu hundert Prozent aus getöntem Glas, das im Schein der Straßenlaternen metallisch glitzerte. Wir parkten unser Auto direkt vor der Ecke an der das Museum aus dem Boden zu wachsen schien und stiegen aus. Vom Eingang kam sofort eine Gestalt auf uns zugelaufen die dort offensichtlich im Schatten des Würfels auf uns gewartet hatte.
„Willkommen die Herren, TSCHIIILP!“ piepste der kleine gelbe Vampirkanarie.
„Danke, und sie sind?“ antwortete George.
(hierbei soll darauf hingewiesen werden, dass Vampirkanarie in Ausnahmesituationen dazu neigen Beistriche, Punkte sowie jedes dritte bis fünfte Wort mit einem TSCHIIILP zu untermalen. Dies führt dazu, dass sie einem nach spätestens 30 Sekunden auf die Nerven gehen. Der masochistische Leser darf dies natürlich in die Sätze einbauen….Ich verzichte lieber darauf)
„Wardin, Rufus Wardin, SIR Rufus Wardin! Ich bin der Direktor dieses feinen Hauses!”
„Sehr schön, Onehammer!“ sagte George und schüttelte dem Kanarie den Flügel „Und das ist mein Team!“
„Sehr erfreut, sehr erfreut die Herren, sehr erfreut! Obwohl der Anlass Grund zu höchster Sorge ist!“
„Das müssen sie mir nicht sagen!“ murmelte ich.
„Mein Kollege ist ein Kunstfreund und der Verlust trifft ihn zutiefst!“ sagte George und boxte mich in die Seite, als er den leicht irritierten Blick des Direktors bemerkte.
„Eine Tragödie! Eine Schande! Ein Skandal!“ ereiferte sich der Kanarie (diese Wortmeldung währe ein gutes Beispiel für die nervtötenden Sprachgewohnheiten dieses offensichtlich leicht zu erregenden Vogelartigen gewesen. Ausgeschrieben hätte das Getschilpe alleine drei Buchseiten gefüllt)
„Bitte beruhigen sie sich! Lassen sie uns lieber den Tatort besichtigen!“ unterbrach ihn George betont ruhig.
„Jaja, Jaja! Bitte folgen sie mir doch! Lispelte Rufus Wardin und verschwand in einer Mischung aus Hüpfen und Flattern im Museum.


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