Es ist: 28-09-2022, 18:08
Es ist: 28-09-2022, 18:08 Hallo, Gast! (Registrieren)


5 Wörter Teil 25 (abgeschlossen)
Beitrag #11 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Noch eine Woche Zeit,
um genau zu sein noch 6 Tage, 23 Stunden und etwa 28 Minuten.

Die momentane Zwischenplatzierung lautet:

Platz 1: Nachtmahr
Platz 2: _________
Platz 3: _________

Lg.


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Beitrag #12 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Ich bin dran, die Überarbeitung läuft! Icon_wink

"Wir vergessen nicht, wir leben nur weiter."

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Beitrag #13 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Die Lektion

„Kommt der Kaffee endlich?“, drang die hohe Stimme von Normans Verlobten Kimberley aus dem Wohnzimmer.
„Ja Schatz, er kommt gleich“, beschwichtigte dieser sie, während er in der Küche stand und verzweifelt versuchte, den Supreme XXL Luxus Kaffeeautomaten, den Kimberley erst kürzlich im Supermarkt erstanden hatte, in Gang zu bringen.
Auf gut Glück drückte er einen Knopf, Dampf schoss aus der Maschine wie aus einer Lokomotive und beschlug die dicken Gläser seiner Hornbrille. Blind wie ein Maulwurf wedelte er voller Panik mit den Armen umher und fegte dabei aus Versehen die mit Diamanten versehene Vase vom Küchentisch.
Auf das Zersplittern der Vase folgte ein Kreischen, das nur von seiner Freundin stammen konnte. Gleich darauf war auch schon das Klackern zu hören, das ihre High Heels auf dem Mahagoni Boden verursachten.
„Was hast du getan, Norm?“, herrschte sie ihn vorwurfsvoll an, als sie ihren hellblonden Schopf durch die Tür steckte. „Das war meine Lieblingsvase, du Trottel.“
„Sorry, Schatz“, stammelte Norman und blickte sie unterwürfig an.
Seine Verlobte verdrehte missbilligend die Augen und klackerte wieder zurück ins Wohnzimmer, wo sie ein Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen hielt.

Als Norman fünf Minuten später drei Kaffeetassen in den Händen balancierend ins Wohnzimmer kam, bedankte sich seine Verlobte mit einem “Na endlich Norm Norm, du bist ja wirklich zu nichts zu gebrauchen“ bei ihm.
Nicole und Tiffany, die zwei Busenfreundinnen von Kimberley kicherten herablassend und nahmen die Tassen ohne jeglichen Kommentar entgegen.
Norman setzte sich an den Tisch und begann zu überlegen, wie er die Vase ersetzen konnte. Geld war kein Problem, das hatte er nach seinem glücklichen Lottogewinn vor einem Jahr ja genug. Aber er wusste nicht genau, wo Kimberley die Vase gekauft hatte. Er würde sie wohl fragen müssen.
Verstohlen blickte er sie an. Sie war so schön. Ihr blondes Haar fiel ihr über die Schultern wie bei einem Engel und mit ihren Augen war sie im Stande, jedem Mann den Kopf zu verdrehen. Er konnte es noch immer nicht fassen, dass so ein hübsches Wesen an ihm interessiert war. An ihm, dem etwas übergewichtigen, 40 jährigen Wissenschaftler mit Fachgebiet Schleifenquantengravitation, von dem so manch böse Zunge behauptete, er sei das tollpatschigste Wesen, das je auf dieser Erde gewandelt sei.
Es war der schönste Tag seines Lebens gewesen, als sie ihm vor ein paar Monaten augenzwinkernd einen Zettel mit ihrer Nummer zugesteckt hatte - er war gerade dabei gewesen, den neuen 60 Zoll Flachfernseher in den Kofferraum seines Rolls Royce zu hieven. Zuerst hatte er gedacht, sie hätte sich einen Spass mit ihm erlaubt. Dann jedoch, als er sich mithilfe ein paar Bier genug Mut zusammengetrunken hatte um sie anzurufen, stellte sich heraus, dass sie ihn tatsächlich attraktiv fand. Ja, sie fand ihn sogar so gutaussehend, dass sie ihm schon beim zweiten Date einen Heiratsantrag gemacht hatte. Jetzt musste er es nur noch schaffen, sich bis zur Hochzeit nicht zu dämlich anzustellen und schon bald wäre er der glücklichste Mann auf der Welt.
„Und dann, ihr werdet es nicht glauben, als wir im Meer schwimmen waren ...“
Die Stimme von Normans Verlobten liess augenblicklich die Alarmglocken in seinem Kopf schrillen, was ihn schmerzhaft aus seiner Träumerei riss. Nein, bitte nicht diese Geschichte, dachte er sich noch, doch es war zu spät und Kimberley fuhr fort: „ ... fasste ich ihm in seine Badehose, spielte mit seinem kleinen Jonny, bis er erregt war und zog Norm Norm danach aus dem Wasser, sodass die ganzen Leute am Strand seine Latte sahen.“
Kreischendes Gelächter am Tisch brach aus. Kimberley und Nicole lachten so schrill, dass sich Normen an Trillerpfeiffen erinnert fühlte und Tiffanys Lachen konnte er gar nicht mehr wahrnehmen, da die Tonfrequenz wohl zu hoch für seine alten Ohren war. Wie verrückt gewordene Hühner gackerten sie und konnten sich gar nicht mehr beruhigen.
„D-d-da d-das st-t-timmt gar nicht“, stotterte Norman - immer wenn er nervös wurde, begann er zu stottern. Zudem färbte sich sein ganzer Kopf rot wie eine Tomate, bis hinaus auf seine abstehenden Segelohren. Sein Stottern liess die Frauen am Tisch nur noch wilder johlen.
„Ich m-m-muss mal kurz aufs Kl- Kl- Klo“, verabschiedete sich Norman und hastete zutiefst beschämt vom Tisch.
Er schloss die Tür hinter sich ab, setzte sich auf die Kloschüssel und kämpfte gegen einen Weinkrampf an. Mehrmals raufte er sich durch sein sprödes Haar, bis er zum Schluss kam, dass dies für seine leider schon eingeschrittene Glatzenbildung wohl nicht förderlich sei. Sofort hörte er auf damit, erhob sich und begann seiner eigenen Spiegelreflexion gut zuzureden. Als aber auch die vielen Aufmunterungssprüche wie “Reiss dich zusammen Norman, du bist cool“ keine Linderung brachten, setzte er sich wieder auf die Kloschüssel und klaubte ein Superman Comicheft unter dem Teppich hervor. Er hatte es hier versteckt, weil ihn Kimberley einmal ausgelacht hatte, als er es im Bett vor dem Schlafengehen hatte lesen wollen.
„Comichefte sind etwas für kleine Kinder Norm Norm“, hatte sie prustend gespottet und die Augen verdreht.
Von da an las er es nur noch auf dem Klo, da es der einzige Ort war, an dem ihn seine Verlobte nicht überraschen konnte.
Eine Träne bahnte sich ihren Weg über Normans Pausbacken und tropfte auf Superman, der gerade einem seiner Gegner den Garaus machte.
Wieso kann ich nicht so sein wie du?, fragte sich Norman innerlich. Schon sein ganzes Leben flüchtete er sich in Comics, wenn ihm die Realität zu viel wurde und unzählige Male hatte er sich dabei erwischt, wie er sich vorstellte, er selbst sei ein Superheld. Auch jetzt driftete er gerade in einen dieser Tagträume ab, aber schon wieder war es die Stimme von Kimberley, die ihn zurück in die Realität riss.
„Norm Norm“, hörte er sie klagen. „Komm und schau nach Mandy-Chantal, sie schreit die ganze Zeit.“
Widerwillig versteckte Norman sein Comicheft und trat aus dem Klo.
Mandy-Chantal war Kimberleys Tochter. Zwar war nicht Norman der Vater, sondern irgend ein machohafter Kneipenschläger, mit dem sich Kimberley einmal eingelassen hatte, doch war für Norman klar, dass er sich um Mandy-Chantal kümmern würde.
Das kleine Mädchen weinte, als er die Tür zu ihrem Zimmer aufstiess. Er ging zum Kinderbettchen, nahm sie heraus und trug sie ins Wohnzimmer, währenddessen er das einjährige Kind ständig in seinen Armen hin und her wiegte, doch nützte es nichts. Mandy-Chantal plärrte weiterhin wie am Spiess.
„Was soll ich tun? Sie hört nicht auf zu schreien“ wendete sich Norman verzweifelt an die Frauen am Tisch, die sich gerade über eine angeblich etwas zu beleibte Bekannte das Maul zerrissen.
„Gib ihr einen Lutscher, das hilft bei meiner Tochter immer“, erklärte Nicole überzeugt.
„Ich weiss nicht, ob das so gesund ist für ein einjähriges Kind“, zweifelte Norman, doch Kimberley winkte ab und meinte, das sei schon in Ordnung.
Also machte er sich auf die Suche nach einem Lutscher, doch war weit und breit keiner zu finden. Dafür schien er herausgefunden zu haben, was Mandy-Chantals Problem war. Ihre ganze Nase war verstopf und voller Popel. Ein Wissenschaftler wie Norman hatte dafür natürlich die perfekte Lösung parat. Er nahm ein Blasebalg und säuberte damit die Nase des kleinen Mädchens, bis sie wieder frei atmen konnte. Seine Intervention zeigte Wirkung und schon bald lag Mandy-Chantal wieder friedlich in ihrem Bettchen und schlief.
Ganz stolz über seine väterlichen Fähigkeiten erstattete er seiner Verlobten begeistert Bericht. Diese jedoch schien nur wenig entzückt.
„Das ist ja eklig“, gab sie abschätzig zu verstehen. „Mach lieber noch etwas Kaffee.“
Norman, etwas beleidigt, dass seine Verlobte kein lobendes Wort für ihn übrig hatte, schlurfte grummelnd in die Küche, ohne auf das am Boden liegende Wasser der zuvor zerbrochenen Vase zu achten. Ein flutschendes Geräusch war zu vernehmen, als er ausrutschte und mit dem Kopf hart gegen den Küchenboden schlug.

„Hallo Norman, aufwachen!“
Eine Hand tätschelte ihn.
„Wo bin ich? Wer bin ich?“
„Du bist Norman. Zumindest warst du das mal“, gab eine tiefe Stimme zurück.
Norman öffnete seine Augen, doch es flackerte noch alles und schnell schloss er sie wieder.
„Komm, ich helfe dir.“
Er fühlte zwei kräftige Arme, die sich um seinen Brustkorb schlangen und ihn hochzogen. Noch etwas unsicher auf den Beinen versuchte er erneut, die Augen zu öffnen. Er sah schon etwas schärfer, doch kniff er die Augen sogleich wieder zusammen, als er sah, wer ihm aufgeholfen hatte.
„Ich träume“, murmelte er panisch vor sich hin. „Ich träume, ich träume, ich träume.“
Ein beissender Schmerz entstand in seinem Gesicht, als ihn eine Ohrfeige mit voller Wucht traf. Norman taumelte zurück, öffnete die Augen und sah in das wahrhaftige Gesicht von ... Superman.
„Hallo Norman“, begrüsste ihn dieser mit charismatischer Stimme.
„Wer bist du?“, war das Einzige, was Norman einfiel.
„Echt jetzt?“, gab Superman verwundert und mit etwas beleidigtem Unterton zurück.
„Ich meine, wieso bist du hier?“
„Ich wollte nach dir schauen“, liess ihn Superman mit blasierter Miene wissen.
„Ähm. Danke!“, antwortete Norman schüchtern.
Superman jedoch schien nicht erfreut.
„Was ist bloss aus dir geworden, Norman? Du warst einmal ein so vielversprechender junger Mann. Der beste Schleifenquantengravitationswissenschaftler im ganzen Land. Aber alles, was ich jetzt noch vor mir sehe, ist eine unterwürfige, kleine Duckmaus. Du solltest dich wirklich schämen, weisst du das?“
„Tut mir leid, Superman“ entschuldigte sich Norman, ohne genau zu wissen wofür überhaupt.
„Na gut. Ich bin bereit, dir noch einmal zu verzeihen“, gab ihm Superman zu verstehen und fuhr fort: „Mach einfach zehn Liegestützen als Strafe.“
Norman verabscheute Liegestützen wie Klaustrophobiker Lifte verabscheuen mussten, doch bückte er sich und begann damit, seinen Körper zehn mal mit den Händen auf und ab zu stossen. Als er fertig war, erhob er sich verschwitz und blickte in das Gesicht des Comichelden. Dieser schien noch immer nicht besänftigt, im Gegenteil, er hatte eine noch düsterere Miene aufgesetzt. Wie ein strenger Vorgesetzter musterte er ihn nachdenklich.
„Jetzt gib dir selber drei Ohrfeigen“, wies er ihn schlussendlich mit einer Stimme an, die keine Widerrede duldete.
Also gab sich Norman drei saftige Ohrfeigen, sodass seine Backen leuchteten wie eine Verkehrsampel.
Doch Superman hatte anscheinend noch immer nicht genug, denn in herrischem Tonfall befahl er: „Hüpfe auf einem Bein und quake dabei wie ein Frosch, na los!“
Hastig begann Norman zu hüpfen und quakte aus voller Kehle. „Quak, quak, quak.“ Er hüpfte, bis ihm seine Hornbrille von einem Ohr baumelte und er Superman nur noch als verschwommenes Etwas wahrnahm. Als er sich die Brille wieder auf seine Nase gesetzt hatte, sah er nur noch, wie sein Kindheitsidol mit schüttelndem Kopf auf den Fenstersims stieg, ihm noch einen letzten, enttäuschten Blick zuwarf und dann mit ohrenzerberstendem Knall davonflog.
„Superman, warte!“, rief ihm Norman noch nach, doch war dieser nur noch als kleiner Punkt am Himmel auszumachen, als Norman das Fenster erreichte. Eine Weile spähte er ihm noch nach, während er sich den Kopf darüber zerbrach, was das Ganze überhaupt zu bedeuten hatte, als er plötzlich von weit entfernt ein Geräusch vernahm. Es war eine Stimme, und sie rief nach ihm ...
„Wo bleibt der Kaffee, Norm Norm?“

Blinzelnd öffnete Norman die Augen. Er lag auf dem Boden in einer Pfütze von Wasser, gesprenkelt mit Glasscherben und Diamanten. Völlig verwirrt blickte er sich in der Küche umher.
Wieso hat niemand nach mir gesehen? Wie lange liege ich hier schon?
Ächzend hievte er seinen massigen Körper hoch und mit heftig pochendem Kopf begab er sich ins Wohnzimmer, wo seine Verlobte noch immer am Tisch sass und tratschte.
Als sie ihn sah, zog sie missbilligend ihre Augenbrauen hoch.
„Wo ist denn der Kaffe, Norm Norm?“
„Ööm, ach ja, der Kaffee“, fahrig wedelte Norman mit den Händen über seinem Kopf umher .
„Meine Güte“, tadelte ihn seine zukünftige Frau. „Jetzt aber los Norm Norm. Hüpf zurück in die Küche und mach dich endlich an die Arbeit!“
Bei dem Wort “Hüpf“ hielt Norman, der die Türklinke schon in der Hand hatte, inne und blieb stehen. An irgend etwas erinnerte es ihn. An etwas, oder jemanden? Sinnierend stand er vor der Tür, bis es plötzlich Klick machte und etwas in seinem Kopf einrastete. Es fiel ihm wieder ein. Alles; der Traum, Superman, die Strafe, die er ihm erteilt hatte. Langsam, Schritt für Schritt begann er zu begreifen. Zu verstehen, was ihm vorher verwehrt geblieben war. Zu sehen, wofür er zuvor noch zu verblendet gewesen war. Zu verblendet von ihr und ihrer Schönheit.
Norman drehte sich um und ging mit langsamen aber bestimmten Schritten auf die drei Frauen zu. Verdattert blickten sie ihn an und gaben wohl zum ersten Mal an diesem Abend keinen Mucks von sich, als Norman so graziös wie es ihm seine Statur erlaubte, auf den Tisch stieg und darauf wie eine Statue posierte.
Die drei Frauen schauten ihm verängstigt in die Augen und waren sprachlos. Etwas regte sich in den Tiefen dieser Augen, etwas, das sie alle zuvor noch nie darin gesehen hatten.
Norman, auf dessen Gesicht sich das Lächeln eines Irren abzeichnete, begann ganz bedächtig, seine Hose aufzuknöpfen.
„Von nun an ...“, sprach er mit wirrer Stimme zu seiner Verlobten, die nun ängstlich zu ihm hochschaute. „... Von nun an, heisst er nicht mehr der kleine Jonny. Ab jetzt nennst du ihn nur noch MEINE FLEISCHPEITSCHE!“
Das letzte Wort posaunte Norman in dramatischem Tonfall aus voller Kehle in die Welt hinaus, als er eben diese Fleischpeitsche hervorzog und sie der ganzen versammelten Runde präsentierte.
Heilloses Durcheinander brach aus, als Kimberley, Nicole und Tiffany von ihren Stühlen hochsprangen und kreischend ihr Heil in der Flucht suchten.

Auszug aus der Bild:

Der ehemalige Lottogewinner und Schleifenquantengravitationswissenschaflter Norman S. wurde heute zu einer Strafe von rund 1000 Euro verurteilt.
Ihm wird vorgeworfen, sein Glied auf sexistische Weise präsentiert zu haben.
Der Richter sah keinerlei Einschränkung in Norman S. Handlungsfähigkeit, trotz vorhergehender Kopfverletzung.
Zusätzlich zum Schadenersatz, den Herr S. berappen muss, darf er sich von nun an nicht näher als 1000 Meter an seine Ex-Freundin Kimberley K. nähern.
Der Verurteilte akzeptierte den Schuldspruch ohne in Berufung zu gehen. Diverse Zeugen behaupten sogar, er habe das Urteil mit zufriedenem Kopfnicken zur Kenntnis genommen.





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Beitrag #14 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Verrückte Moleküle

Und da war es schon wieder, dieses Wort – Schleifenquantengravitation. Diese ständigen Theorien, Quantensprung, Vereinigung der Quantenphysik mit der Relativitätstheorie. Die Latte für diesen Kurs hing ziemlich hoch. Meine Hände bemühten sich, meinen immer schwerer werdenden Kopf zu halten. Meine Augen wehrten sich vehement offen zu bleiben und dem Unterrichtsstoff zu folgen. Warum habe ich mich dafür nur eingetragen? Ich hasste Physik nicht, aber ich überlegte ernsthaft Albert Einsteins Genialität gegen Adam Ries Logik zu tauschen. Der einzige Grund warum ich hier saß, schleckte schräg vor mir genüsslich einen Lutscher und kritzelte wild mit seinem Bleistift über das Papier. Sein Shirt, schmiegte sich perfekt an den leicht muskulösen Körper und das halblange, dunkle Haar umrahmte sein markantes Gesicht. Vor Kurzem legte er sich eine von diesen stylischen Surfer-Schüttelfrisuren zu, wo man ständig bemüht ist, mit einer gewissen Leichtigkeit, die Haare aus den Augen zu befördern. Diese Gestik reichte allerdings, um meine sämtlichen Gehirnfunktionen außer Betrieb zu setzen. Max und ich kannten uns schon eine Ewigkeit, wir hatten unsere Kindheit spielend im Sandkasten verbracht. Jahrelang waren wir ein Herz und eine Seele. Das lief solange sehr gut, bis Jungs feststellten, dass Mädchen doof sind und umgekehrt. Da unsere Wohnhäuser gegenüberstanden, blieb es nicht aus, sich zu begegnen. Lange Zeit blieb es bei einem freundlichen Morgengruß, wenn wir simultan das Haus verließen, um zur Schule zu gehen. In der Pubertät, beachtete er mich kaum, was mich nervte und ich nicht genau wusste warum. Dies zeigte sich in häufigen, harmlosen, aber lauten Wutausbrüchen und einem überforderten Vater, der mich auf den Namen Blasebalg – Viel Wind um nichts – taufte.
Als ich dann endlich bemerkte, warum es mich so nervte, war ich nicht mehr Herr meiner Sinne, wenn ich Max traf. Inzwischen verstanden wir uns wieder gut, aber meine Hormone spielten verrückt, was mich permanent zu Übersprungshandlungen verführte. Max liebte Physik und somit flog mein Name wie von allein auf die Liste für den zusätzlichen Unterricht. Die Anziehungskraft auf diesen Körper schräg vor mir schien unendlich, genauso wie die Stunde. Träumend blickte ich aus dem Fenster, an dem die Regentropfen hinabliefen. Der Wind fegte die letzten bunten Blätter vom Baum und wirbelte sie auf die Wiese vorm Gebäude. Ich beobachtete das tanzende Laub und vergaß die Welt um mich herum.
Leise Stimmen schlichen sich in mein Ohr und wurden unaufhörlich lauter.
„Suse, Suse!“, sprach es kraftvoll.
Ich zuckte zusammen und mein Verstand versuchte die Gedanken zu fassen, die wild in meinem Kopf umherflogen. Max stand dicht vor mir und sah mich erwartungsvoll an.
„Suse, nimmst du mich mit, dann erspare ich mir die Busfahrt?“, erklärte Max und schüttelte elegant die Haare aus den Augen. Er roch atemberaubend, herb, männlich.
Es musste geklingelt haben, denn die meisten Plätze waren bereits leer. Max sah mich immer noch an.
„Ja, ja klar kann ich dich mitnehmen“, brachte ich mit leichter Verwirrtheit hervor, sonst fuhr er schließlich immer Bus.
„Können wir noch kurz am Supermarkt anhalten, ich muss noch Fleischpeitschen besorgen?“, fragte Max. Meine Augenbraue wanderte ganz automatisch noch oben und ich blickte ihn ungläubig an.
„Für meinen Bruder“, entgegnete er amüsiert.
Ich war mir nicht sicher, aber konnte man so was, im Supermarkt kaufen? Ich schob meine anzüglichen Gedanken beiseite und entschloss mich für die Flucht nach vorn. Schnell packte ich meine Utensilien zusammen und wir gingen zu meinem Auto. Die Fahrt zum Supermarkt dauerte zehn Minuten, in der Max aus dem Fenster starrte und ich Schwierigkeiten hatte mich auf den Verkehr zu konzentrieren. Keiner sprach ein Wort. Ein Gefühl der Betretenheit lag in der Luft.
Ich parkte dicht am Eingang des Marktes und Max sprintete hinein. Erleichtert schloss ich die Augen und mein Kopf sank automatisch an die Kopflehne. Ich schnaufte aus. Mein Herz schlug energisch gegen meine Brust, meine Hände kalt und nass vom Schweiß, umklammerten das Lenkrad. Sollte dieser Zustand anhalten, stand ich kurz vorm Herzinfarkt.
Leise spielte Track 5 vom Silbermond-Album im Hintergrund, als die Tür aufsprang und Max gut gelaunt mit einer Packung getrockneter Würstchen zurückkam. Wieder flogen die Haare gekonnt aus seinem Sichtfeld und gaben den Anblick auf die wunderschönen, rehbraunen Augen frei. Er sah so verdammt gut aus, wenn er lächelte. Mein Blick fiel auf die Fleischpeitschen und ich überlegte, wie man ein Produkt nur so nennen konnte. Zumindest half es, meine Gedanken in eine Bahn zu lenken, dem mein beanspruchtes Herz dankbar war.
„Bei nächster Gelegenheit, musst mal ein paar zum probieren rausrücken“, sagte ich mit der Neuentdeckung meiner Stimme und versuchte eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Max sah mich verschmitzt an und umschiffte meine Frage.
„Willst du nicht fahren, Suse?“, fragte er. Ich wollte fahren, aber mein Gehirn litt unter einem irreparablen Wackelkontakt in Max Nähe. Meine Sinne liefen Amok und der Weg durch meinen Kopf, der einer Rumpelkammer glich, entpuppte sich als undurchdringbar. Pausenlos versuchte ich Ordnung in das Chaos zu bringen und es kostete erheblichen Kraftaufwand meine Gedanken zu sortieren. Ich starrte ihn an, schon wieder. Sprechen, ich musste sprechen!
„Doch“, brachte ich stockend heraus und fuhr leicht durcheinander los.
Kurze Zeit später bog ich auf die elterliche Einfahrt und war unsicher, ob die Fahrt hier enden sollte. Er musste mich für verrückt halten, anders konnte man meine eigenartigen Reaktionen nicht erklären. Fast in Zeitlupe griff ich nach meiner Tasche und wir stiegen aus dem Auto. Max lächelte mich an. Mein Herz schlug sofort im Fluchtmodus, nervös fummelte ich an meinem Autoschlüssel herum und blickte zur rettenden Haustür. Für einen winzigen Moment sahen wir uns stillschweigend an, als Max zögernd das Wort ergriff: „Bis … morgen, Suse!“, sagte er und ging.
Plötzlich stand ich wie gebannt da und sah ihm nach. Dieses Gefühlschaos brachte mich noch an den Rand des Wahnsinns, das musste aufhören, bevor ich den letzten Rest meiner Würde verlor. Ich drehte mich ebenfalls um und ging enttäuscht zur Tür.
„Suse?“, rief es von hinten.Überrascht blickte ich zurück. Max winkte mit den Fleischpeitschen und grinste mich verlockend an.
„Wäre jetzt eine gute Gelegenheit zum probieren?“

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Beitrag #15 |

RE: 5 Wörter Teil 25
So, der Einsendeschluss ist erreicht,
schön dass ihr 2 es noch geschafft habt Icon_smile

dann mache ich mich mal ans Lesen Icon_wink


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Beitrag #16 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Hey,

die Grippe hat mich leider etwas ausgebremst ... aber the show must go on. Von daher hier die Bekanntgabe des nächsten 5-Wörter-Vorgebers:

Nachtmahr (Click to View)


Miss Cathy (Click to View)


Wer alle drei Kommentare gelesen hat weiß glaube ich wer gewinnt. Ich denke wer alle drei Geschichten gelesen hat wird zu demselben Ergebniss kommen,
die nächsten 5 Wörter gibt vor: (Click to View)

Danke an allen fürs Mitmachen Write


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Beitrag #17 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Herzliche Gratulation Nachtmahr Icon_smile
Verdienter Sieg würde ich sagen!

Man sieht sich beim nächsten Wettbewerb Icon_wink

Elia





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Beitrag #18 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Smiley_emoticons_blush Danke Rick, ich fühle mich geehrt. Gratulation auch an Miss Cathy und Elia.

Die neuen Worte kommen in den nächsten Tagen.



Stop At Nothing!
~~~~
Des Nachtmahrs Gedankenreich

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Beitrag #19 |

RE: 5 Wörter Teil 25
Gratuliere Nachtmahr, ich fand die Geschichte auch sehr gut!Pro

@Rick, erstmal Danke und ja du hast Recht, ich könnte noch so viel verbessern im zweiten Teil der Geschichte, aber die Zeit saß mir im Nacken. Ich hab sie jetzt noch ein paar mal gelesen und könnte schon wieder einiges verändern.

Gute Besserung!!!

Hochachtungsvoll

Miss Cathy

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