Es ist: 24-01-2021, 00:37
Es ist: 24-01-2021, 00:37 Hallo, Gast! (Registrieren)


Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Beitrag #1 |

Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Hallo miteinander,

ein etwas „seltsamer“ Titel, der grob zeigt, worum es hier gehen soll. Ich wollte einmal versuchen, meine Erfahrungen, die ich, seit ich „literarisch“ schreibe, gesammelt habe, zusammenzufassen. Erfahrungen mit Kritikern, unveröffentlichten und veröffentlichten Autoren. Erfahrungen mit Individuen und mit diversen Foren.
In den letzten Jahren gab es immer wieder Ereignisse, die mir persönlich bitter aufstoßen. Dies wird also ein eher kritischer und negativer Beitrag. Drum will ich an dieser Stelle erwähnen, dass der komplette Inhalt dieses Postings lediglich meine persönliche Meinung widerspiegelt.
Viele hier kennen mich und meine teilweise „extremen“ Ansichten (aus diversen anderen Threads und persönlichen Gesprächen), manche haben ein Problem damit – im dem Fall könnt ihr gerne drauf verzichten, weiterzulesen Icon_wink

Um ein bisschen Struktur in diesem „Ereignishaufen“ zu schaffen, habe ich versucht, die Themen ein wenig voneinander abzugrenzen. Natürlich hängt im Endeffekt alles mit allem irgendwie zusammen.


Arroganz

Was mir immer wieder bei Autoren auffällt, ist, dass sie oftmals eine ganz spezielle Arroganz an den Tag legen, die nicht immer negativ sein muss. Insbesondere veröffentliche Autoren merkt man dieses Bewusstsein, ein kreativer Mensch zu sein, deutlich an. Erfolg verstärkt diesen Effekt oftmals. Prinzipiell eine sehr positive Sache – jedoch schlägt es bei manchen in eine Arroganz um, bei der mir die Haare zu Berge stehen.
Autoren, die meinen, weil sie schreiben, gehören sie zu einer Art elitären Gruppe. Menschen, die meinen, etwas ganz Besonderes zu können. Menschen, die untereinander so verschiedenen sind wie Individuen voneinander nun einmal sind, aber eines haben sie gemeinsam: Das Bewusstsein, durch das Schreiben irgendwie „besser“ zu sein.

Natürlich darf man stolz darauf sein, wenn man eine Geschichte oder ein Gedicht (oder Theaterstück, etc. …) geschrieben hat.
Natürlich darf man stolz darauf sein, wenn man veröffentlicht wurde.

Aber:
Wie stolz macht mich ein Gedicht, das ich zwanghaft in ein Reimkorsett gezwängt habe und versucht habe mit einem Metrum zuzuschnüren, das ich nicht einhalten konnte?
Wie stolz macht mich eine Geschichte, die so voller Rechtschreibfehler ist, dass meine Leser fast nicht mehr erkennen, was ich eigentlich sagen wollte?
Wie stolz macht mich ein Gedicht, das freirhythmisch sein soll, aber eher danach aussieht, dass ich meine Muttersprache nicht beherrsche?
Wie stolz macht mich eine Geschichte, die in sich unlogisch ist und obendrauf noch grammatikalischer Unfug?



Wie stolz macht mich ein Werk, bei dem ich genau weiß, dass ich nicht alles dafür gegeben habe? …


Kritik

Der ständige Begleiter eines Autors. Mal düster geschminkt, mal freundlich lächelnd.
Ich greife das leidige Thema auf, weil ich auch in diesem Forum (wie in anderen auch) immer wieder auf Menschen treffe, die die Kritik kritisieren. Die Kritik nicht stehen lassen können, die es nicht bei einem „Danke“ und einer Erklärung ihres Standpunktes belassen können.
Nein – sie müssen darauf beharren, dass die Kritik unangebracht, unfair, angemessen oder sonst was ist. Sie müssen Diskussionen über die Daseinsberechtigung von Kritik vom Zaun brechen.
Manchmal frage ich mich: Wie egozentrisch kann man sein? Da wird nur die Kritik gesehen, die schmerzt, die als unberechtigt empfunden wird – kein einziger Gedanken daran verschwendet, dass der Kritiker sich mit dem Werk auseinander gesetzt hat, sich die Mühe gemacht hat, seine Meinung zu formulieren, vielleicht sogar Rechtschreibschwächen aufzudecken und die Zeichensetzung zu korrigieren.
Und manchmal würde ich am liebsten … denkt euch euren Teil Icon_wink

Es geht nicht darum, dass man jede Kritik ernst nehmen muss – manchmal wird man auch nur dumm angemacht und da darf man dann getrost drauf scheißen.
Es geht auch nicht darum, dass man jede Kritik annimmt – man hat ja seinen eigenen Stil, man trifft selbst die Entscheidung, was einem gefällt und was nicht.
Es geht darum, sich ernsthaft mit Kritik auseinanderzusetzen, sich Gedanken zu machen …

Es geht darum, zu erkennen, dass Kritik in der Regel kein Angriff gegen die eigene Persönlichkeit ist, sondern eine Meinung widerspiegelt – und zwar eine Meinung, die mir als Autor helfen kann, mich zu verbessern.

Und ja: So gut wie jeder behauptet „Ohja, Kritik ist mir wichtig, egal ob positiv oder negativ – ich will mich ja weiterentwickeln!“ … meiner Erfahrung sagt da leider etwas anderes …


Toleranz

Auf Kritik kommen oft Reaktionen wie: Jeder hat seinen eigenen Stil. Jeder drückt sich anders aus. Andere finden es gut. Jeder soll schreiben, wie er will …
Na gut, scheiß auf Rechtschreibung, scheiß auf Zeichensetzung, scheiß auf Grammatik, scheiß auf Logik, scheiß auf Kreativität – wir schreiben nur aus vor Selbstverliebtheit triefendem Selbstmitleid und um uns gegenseitig Zucker in den Arsch zu blasen! (ja, ich liebe diese Formulierung) …

Autoren tolerieren ja alles und jeden, Geschmäcker sind verschieden – aber Kritiker brauchen keine Toleranz. Zwingt sie ja keiner, zu meckern. Zwingt sie ja keiner, mir ein Zeichen zu geben, dass sie sich ernsthaft mit meinem Werk beschäftigt haben.

Bei aller Liebe zur Toleranz, alles hat seine Grenzen.
Und die Grenze liegt für mich da, wo Autoren das Wort Toleranz missbrauchen, um ihre Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen, zu kaschieren.

Niemand hat etwas dagegen, wenn ein Autor Kritik ablehnt, sofern er seine Ablehnung begründen kann, möglichst nachvollziehbar. Es reicht auch ein „ich mag es so einfach lieber“ …
Niemand erwartet, dass sich jemand sofort und immer perfekt ausdrückt.
Niemand wird euch bitten, euch selbst zu verleugnen, um „künstlerischer“ zu werden …

Jeder macht „Fehler“ – ist erstmal auch gar kein Problem.
Kritisch wird es dann, wenn ein Autor Kritik immer und grundsätzlich ablehnt.
Dann, wenn man merkt, dass keine Entwicklung stattfindet.
Dass der Autor sich im „Licht“ seiner Werke sonnt, die ein paar Leute in den Himmel loben. Und klar, mancher ist nicht so anspruchsvoll – manchen reicht es, wenn sie sich in den Protagonisten verlieben können und sehen gerne drüber hinweg, dass das, was gerade im Buch passiert, an den Haaren herbeigezogen ist.
Manchen reicht es, immer wieder die gleiche Story mit neuen Charakteren zu lesen …


Evolution

Ein eher „naturwissenschaftliches“ Wort, das mir sehr gut gefällt.
Evolution. Weiterentwicklung und mehr. Es ist schwer, diesen Begriff zu definieren, Evolution beinhaltet mehr als Entwicklung hin zur „Vollkommenheit“.
Irgendwo habe ich mal eine sehr schöne, literarisch angehauchte Definition dieses Wortes gelesen (weiß leider nicht mehr wo und von wem): Evolution ist das kreative Potential der Natur.
Evolution und Kreativität. Ausprobieren und entwickeln – Vielfalt.
Das, was diesen oben genannten Autoren meiner Meinung nach fehlt.

So mancher Autor verbaut sich die Chance, sich selbst neu zu entdecken.
So mancher verbaut sich aus falschem Stolz die Chance, besser zu werden.

Was finde ich eigentlich schöner? Ein Bild, das ich gut finde und immer wieder abmale?
Oder eine Reihe von Bildern, alle unterschiedlich, aber mit deutlich erkennbarem Stil – einem Stil, der sich immer stärker herauskristallisiert …



Herzblut

Für mich ist Schreiben Kunst – und Kunst ist Leidenschaft. Herzblut.
Man merkt es Geschichten, Gedichten etc. meistens an, ob sie mit Leidenschaft geschrieben wurden oder nicht. Meistens kann man gar nicht genau sagen, warum – man „spürt“ es irgendwie durch die Zeilen hindurch.
Und man kann es sehen: Man sieht es, wenn man beobachtet, wie ein Autor sich verbessert. Wenn man beobachtet, wie er Kritik umsetzt und sich trotzdem treu bleibt.
Das ist das, was ich grundsätzlich von jedem Schreiberling erwarte: ein „literarisches“ Selbstbewusstsein zu entwickeln. Den schmalen Grat zwischen Selbstverherrlichung und Minderwertigkeitskomplexen zu gehen – seine Werke selbst so ernst zu nehmen, dass man ihnen eine Verbesserung angedeihen lässt.

Und weil oft so viel Herzblut drin steckt, ist der Umgang mit Kritik so schwierig, ist das Miteinander in Literaturforen oft von Auseinandersetzungen gekennzeichnet.
Herzblut ist das, was das Autorendasein zur Hölle machen kann …


Was will ich eigentlich?

Wie oft habe ich das Lob hinter der Kritik nicht erkannt, nicht gewürdigt? Wie oft sah ich nur, dass ich und mein Werk anderen nicht genügen? Habe ich mich nicht darüber gefreut, dass jemand mein Werk gelesen hat, sich ernsthaft damit auseinander gesetzt hat – es für gut genug befindet, um daran zu arbeiten? Mich für talentiert genug hält, Vorschläge umzusetzen, über sie nachzudenken und für mich anzuwenden, ohne alles blind zu übernehmen?
Wie oft schon blickte ich in den Spiegel und sah Arroganz, die mich von oben herab anlächelte, als sei ich unwissend und dumm? Stand ich Kritik gegenüber und konnte ihre Gegenwart nicht ertragen, flüchtete mich in Ablehnung und Selbstlügen – hasste still die, die mich in diese Flucht trieben …
Wie oft habe ich „Geschmäcker sind verschieden“ als Ausrede missbraucht, um mir nicht eingestehen zu müssen, dass ich stehen geblieben war? Wie oft verblutete mein Herz? …



Es existieren ähnliche Beiträge von mir, ich habe schon öfter versucht, meine bisherigen Erfahrungen zusammenzufassen. Dies ist ein erneuter Versuch – Versuch, weil es einfach schwer ist, ein so komplexes Thema möglichst übersichtlich darzustellen. Weil es unmöglich ist, alles dazu zu sagen – will ich auch nicht. Ich möchte nur eine Vorstellung von meinem Denken geben.

Und darum geht es hier: Denken – Nachdenken. Nicht mehr – nicht weniger.

Grüße

- Zack


P.S.: Ich verzichte in diesem Fall auf RGZ-Korrekturen und sonstige Verbesserungsvorschläge Icon_wink

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #2 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Hallo Zack,

ehrlich gesagt finde ich es toll, dass du das Wagnis eingehst, so direkte Töne von dir zu geben. Solltest du jemals mit deinem Selbstbewusstsein in Konflikt gestanden haben, dann bist du wohl restlos geheilt. Das soll nicht heißen, dass ich deine Worte überheblich fand. Ich befinde sie für nachdenklich und sehr ehrlich. Vieles, eigentlich allem kann ich nachfolgen und dir auch recht geben. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit Kritik gemacht und auch die Seite genossen, unangebrachtes Lob zu erhalten. - Jedenfalls bin ich selbstkritisch genug, dass zu behaupten.
Natürlich will man gelobt werden - aber wenn, dann dafür etwas gutes gemacht zu haben. Die Halbherzigkeit, von der du geredet hast ist mir sehr wohl bekannt und es würde mich wundern, wenn es nicht Autoren gibt die ihre ebenso ab und an verfallen. Für mich gehört diese Taubheit schon auch zum schreiben dazu. Es kann nicht immer alles Sonne sein, was hell aussieht.
Ich würde mir wünschen, dass es viele User geben würde, die deinen Text lesen und ihm innerlich auch zustimmen. Aber wie alles im Leben fehlt sicherlich auch manchmal noch die Erfahrung. Überhelbiche Autoren, die keine Kritik annehmen werden sicherlich nicht nur von mir gemiden. *zwinker*
Sollte ich jemals wieder der Gefahr laufen, den schmalen Grad zwischen Überheblichkeit und totalen Unvermögen nicht mehr zu finden, dann werde ich gerne über deine Worte drüberlesen - sie sind wegweisend, wenn man es auf diese Art sehen will. Kommt wohl aber auch immer auf den Weg an. Es gibt genug, die wollen einfach nur den Schein erwecken, einen bestimmten Weg zu gehen um Ruhm zu ernten. Die Pfade, sind ihnen aber in Wahrheit zu steinig.

Liebe Grüße,
Sternchen

Danke für deine Gedanken und Worte.

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #3 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Hallo Sternchen,

danke dir für deine Worte - schön, dass der Beitrag bei dir positiv ankommt Icon_smile ...

Ja, so mancher setzt sich zum Ziel, mit dem Schreiben Geld zu verdienen. Davon leben können nur wenige - viele haben Brotberufe. Weiß nicht, ich glaube, wenn jemand meint, ich schreib nen Buch und guck, dass ich's gut unter die Leute bringe, gibt gutes Geld - da kann nichts allzu Gutes bei rauskommen.
Und so mancher Schatz wird auf dem Markt übersehen, wo mancher Großverlag nur noch Romane rausbringt, die bestimmte Strukturen aufweisen und mal eben 100 Seiten mehr wollen, weil sich Bücher im Bereich 400-500 Seiten besser verkaufen - whatever. Ach, wieder ein ganz anderes Thema Icon_wink ...

Tja, über einen Satz von dir musste ich lachen - rate mal welchen! Mrgreen ...

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #4 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Das ist ein schwieriges Thema, Braucht man nicht auch eine gewisse Arroganz, um etwas zu präsentieren, was nicht mainstreamlike ist. (Von Rechtschreibfehlern, Grammatik und so weiter rede ich nicht.)

Welche Kritik sollte man annehmen, welche ignorieren? Sollte man nicht wirklich etwas Toleranz walten lassen, wenn der Autor viele, viele Fans hat? Jeder mag tatsächlich etwas anderes.


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Beitrag #5 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Tach, Zack

Irgendwie versteh ich immer nur so halb worauf Du hinauswillst...

Z.b. zum Thema Arroganz:
Da schreibst du, dass viele (insbesonders erfolgreiche) Autoren arrogant sind, sie sich als "elitäre" Gruppe sehen. Dann kommt das "aber" und Du führst Punkte auf, die diese Arroganz anhand literarischer Schwachpunkte (ihrer Werke?) in Frage stellen. So klingt es für mich zumindest...
Ich verstehe den Sinn dieser "aber" Aufführung irgendwie nicht...
Ich finde nämlich man kann Arroganz genausowenig durch Schwächen der Betreffenden Personen in Frage stellen, wie man sie durch besondere Fähigkeiten rechtfertigen kann.

naja, egal, Fragen bleiben immer...
und zum Denken regts allemal an...

Gruss, Ö


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Beitrag #6 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Hi Zack,

ich finde deinen Beitrag wirklich gut. Wie andere schon kommentiert haben, regt er zum nachdenken an und ich glaube das wolltest du damit auch erreichen.
Die Direktheit und Ehrlichkeit, mit der du die "Dinge" so beschreibst, wie du sie siehst, finde ich toll und ganz schön mutig! Chapeau*!

Danke für deine Worte Icon_smile

Cheers Lijana

* wir in der Schweiz benützen diesen Ausdruck (franz. = Hut) anstelle von "Respekt!" oder so ähnlich - weiss nicht ob ihr das auch kennt Icon_smile

"I wish none of this had happend!"
"So do all who live to see such times. But it's not for them to decide. All you have to decide is what to do, with the time that is given to you!"
- Frodo & Gandalf the Grey by J.R.R. Tolkien

Lijana's Fire Magic ~ Werkeverzeichnis ^.^

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Beitrag #7 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Zitat:Wie oft habe ich das Lob hinter der Kritik nicht erkannt, nicht gewürdigt? Wie oft sah ich nur, dass ich und mein Werk anderen nicht genügen? Habe ich mich nicht darüber gefreut, dass jemand mein Werk gelesen hat, sich ernsthaft damit auseinander gesetzt hat – es für gut genug befindet, um daran zu arbeiten? Mich für talentiert genug hält, Vorschläge umzusetzen, über sie nachzudenken und für mich anzuwenden, ohne alles blind zu übernehmen?
--> an die Hundertmal ;-)

Mein Problem ist nicht die Arroganz, sondern eher das fehlende Selbstbewusstsein. Ich freue mich über jede Kritik, und bemühe mich auch ebenso gute zu geben.
Ich finde es schlimm, wenn Autoren nicht darauf eingehen und die Arbeit, die in jedem Beitrag steckt, nicht würdigen.
Nur durch Kritik kann man sich weiterentwickeln. Ich lerne fast jeden Tag dazu. Mir graust es, wenn ich Werke lese, die ich vor einem Jahr geschrieben habe. ;-)
Talent ist schön und gut, aber auch Handwerk gehört zum Schreiben, und dies lassen viele Schreiberlinge außer Acht.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #8 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
@adsartha: Auch mangelndes Selbstvertrauen kann zu einer ganz eigenen Art von Arroganz führen. Bzw. sehe ich Arroganz eigentlich häufig als Ausdruck mangelnden Selbstvertrauens - wer selbst daran glaubt, gut zu sein, hat keinen Grund, negative Kritiken usw. derartig abzuschmettern. Gerade wenn's z.B. um etwas geht, das einem selbst sehr am Herzen liegt, kann es schlimm sein, wie sehr man sich gegen Kritik wehrt und abschottet und wie arrogant man dadurch wirkt - und auch ist.
Und ja, ich schreibe aus eigener Erfahrung, sowohl als Kritiker als auch (und sogar ganz besonders) als Schreiberling Icon_wink

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #9 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Ja,
aber wer zu sehr an sich glaubt,
schmettert Kritiken auch ab. ;-)

Ein Kreislauf des verderbens *ui*

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Beitrag #10 |

RE: Arroganz, Kritik, Toleranz, Evolution, Herzblut, ...
Für mich stellt sich eigentlich immer die Frage, ob jemand Kritik oder Publikum sucht.

Kritik sucht man, wenn man selbst das Gefühl hat, mit einer Geschichte, einem Gedicht, nicht wirklich "fertig" zu sein, aber auch keine Idee mehr hat, was man verbessern könnte, bzw. wie.
Das ist demzufolge eine Art von Hilferuf und sofern sich Kommentare, wie erwartet, auf die, von einem selbst erkannten, Schwächen stürzen, nimmt man auch Kritik problemlos an, die ja letztlich nur die eigene Einschätzung bestätigt.
Kritik ist auch wichtig, wenn man selbst mit einer Sache eigentlich völlig zufrieden ist. Mir ist es oft passiert, dass eine Formulierung für mich persönlich ganz klar verständlich war, die meisten Leser damit jedoch nichts anfangen konnten. Auch damit lebt man in der Regel recht gut.
Heikel wird es genau dort, wenn Kritiker Dinge bemängeln, die man selbst als richtig empfindet, ja, von denen man den Eindruck hat, dass sie den eigenen Stil ausmachen oder das Wesentliche einer Geschichte, eines Gedichts.
Ich kenne niemanden, aber auch wirklich gar niemanden, dem eine solche Kritik, die faktisch das neugeborene Schreibbaby (wie vorsichtig und lieb auch immer) als potthässlich bezeichnet, nicht mindestens unterschwellig wehtut.
Und dort den Balanceakt zwischen gutem Schreiben und eigenem Stil zu schaffen ist schwer. Dazu gehört Selbstbewußtsein auf der einen Seite und die Fähigkeit Mängel auch aus der Sicht anderer zu sehen und gegebenenfalls zu korrigieren, auf der anderen.
Das werden wir hier wohl, genau wie das Schreiben, alle wieder und wieder lernen müssen.

Es gibt aber auch noch etwas anderes - Autoren, die meinen, sie suchten Kritik, in Wirklichkeit aber brauchen sie Claqeure, Publikum.
Schwierig daran - manchmal ist man sich seiner eigenen Beweggründe nicht bewußt. Dann ist es legitim, sich, im eigenen Interesse und dem der Kritiker, zumindest für eine Weile zurück zu ziehen, wenn man sich zu persönlich getroffen fühlt.
Man sollte sich dann nicht schämen, dass man (momentan) damit nicht klarkommt und nicht auf die Kommentatoren (Kritiker) bolzen, die sich ja viel Mühe mit ihrem Beitrag gemacht haben.

Ein weiterer Aspekt ist der, der Kompetenz. Das klingt hochtrabend, ich weiß. Aber wenn jemand bereits in seinem Kommentar betont, er habe sich niemals mit Metrik etc. befasst und schreibe seine Meinung zu einem Gedicht aus der Sicht des normalen Lesers, sollte man das einzuordnen wissen. Es ist auch eine wichtige Meinung, natürlich, aber sie ist anders zu bewerten als die von jemandem, der sich selbst mit der Lyrik herumschlägt.

Man kann von sich selbst behaupten, gut mit Kritik umgehen zu können und dann erlebt man, dass man doch einen Hieb aufs Wehe kassiert hat. Das steckt man leichter weg in einem Forum, in dem man, wie ich hier den Eindruck habe, ganz genau weiß, dass keiner der Kritiker ein Interesse daran hat, den Schreiber persönlich anzugreifen, sondern jeder Kommi ein echter Versuch der Hilfeleistung ist.

Das alles wird immer und für, denke ich, jeden von uns, ein schwieriges Thema bleiben. Doch je mehr Vertrauen sich innerhalb einer Community aufbaut, um so einfacher wird man sich auch mit solchen Dingen auseinandersetzen.

Ninita

Glück ist eine Zuchtpflanze aus Ehrgeiz und Fleiss,
gesät in eine Mischung von Geduld und Beharrlichkteit,
regelmäßig gedüngt mit Humor. (Xelanja)

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