Es ist: 18-09-2019, 06:54
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Der schüchterne Liebhaber
Beitrag #1 |

Der schüchterne Liebhaber
Der schüchterne Liebhaber


Seht ihr dort im nassen Regen
Jenen Menschen sich bewegen.
Manchmal schaut er bittend auf,
Hart ist jener Türe Knauf.
Sehnsucht spricht aus seinen Blicken.
Kann denn Liebe so bedrücken.
Wird nichts sein glücklich‘ Denken stören?
Wird sie die Liebe ihm gewähren?
Die Zukunft wird es lehren.

Täglich sieht man ihn dort schlendern.
In den grauen Werksgewändern
Tut er seiner Liebe Dienst,
Tut es ohne den Gewinnst,
Den er draus gern ziehen würde.
Ach! so schwer wird ihm die Bürde.
Und täglich muss er sie ertragen,
Und täglich will er sie befragen:
"Willst Du es mit mir wagen?"

Plötzlich öffnet sich die Pforte,
Und in leichtem Mezzoforte
Tritt das Mädchen sacht heraus.
Um die Ecke hinters Haus
Flüchtet er voll Angst sich plötzlich.
Ist es doch ja auch ergötzlich,
Im Hinterhalt versteckt zu stehen,
Verschämt die Lichtgestalt zu sehen,
Und sehnsuchtsvoll zu flehen.

Wenn Gelegenheit sich bietet,
Ist sein Herz wie festgenietet.
Mut und Wille ihn verlässt.
Dafür wird ihm eingepresst
Ungewissheit, Unvermögen;
Brechen aller Wünsche Bögen.
Und morgen wird er wieder stehen
Und sehnsuchtsvoll die Tür besehen
Und an das Schicksal flehen.


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Beitrag #2 |

RE: Der schüchterne Liebhaber
Oh mein Gott, ich hoffe nur,
dass eines Tages mit Bravour
er seine Liebe ihr gesteht,
damit das Dichten weiter geht.

Hallo Hans Werner,

da bleibt man zwischen Schmunzeln und Trauer bzw. Mitleid hängen, wenn man diese Zeilen liest. Herzensangelegenheiten machen aus manchem Mann in seinem Werben bzw. wie hier beim Werbevorhaben eine Witzfigur, dessen Tollpatschigkeit bei Frauen oft gut ankommt, sieht sie doch darin seine ernsthaften Absichten Icon_irre

Wie auch immer - du hast das Thema wundervoll dargestellt, ich fühlte mich genötigt (s. oben), ihm, dem schüchternen Liebhaber, viel Erfolg zu wünschen, auch zugunsten weiterer Zeilen von dir.

Die Form gefällt mir gut, die drei gereimten Verse am Ende, verbunden mit der Verkürzung des letzten Verses schließen die Strophen rund ab.

Es gab nur eine Stelle, die mich durcheinandergebracht hat.
Zitat:Hart ist jener Türe Knauf.
Ich konnte die Art der Tür hier noch nicht zuordnen, vor allem durch das "jener", das ja eine ganz bestimmte Tür meint.
Erst am Schluss, bei
Zitat:Und sehnsuchtsvoll die Tür besehen
ist mir klar geworden, dass ihre Tür gemeint war.

Die 3 Schlusszeilen der zweiten und dritten Strophe haben gleichlautende Reimenden, was nicht grundsätzlich problematisch ist, sich aber bei mir auf die Harmonie beim Lesen negativ auswirkt.

Das war's. Herzlichen Dank für diese schöne Schicksalsbeschreibung.

Viele Grüße.


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Beitrag #3 |

RE: Der schüchterne Liebhaber
Hallo Porter,

für Deine liebe Zuschrift möchte ich mich herzlich bedanken. Die Sache mit den identischen Reimendungen ist mir jetzt beim wiederholten Durchlesen auch aufgefallen. Besonders glücklich ist das nicht. Ich muss mir mal überlegen, ob ich da noch variieren kann.

Im Übrigen freue ich mich sehr, dass Du an meinen gereimten Versen anscheinend Gefallen findest. Die Verse sind übrigens schon ziemlich alt. Ich habe sie im Jahre 1965 geschrieben, und der Protagonist, den man nun natürlich mit Recht belächelt, war ich eigentlich selbst.

Mit herzlichem Gruß

Hans Werner


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Beitrag #4 |

RE: Der schüchterne Liebhaber
Hallo Hans Werner,
ich hoffe auch, dass sich der arme schüchterne Liebhaber irgendwann traut. War denn für das Ende der Geschichte ein Happy End vorgesehen?
Eine Freundin von mir hat nämlich gerade genau dasselbe Problem, nur, dass sie in der Rolle des Liebhabers steckt.
Ich hoffe dir sind noch viele gute Ideen für Gedichte vergönnt.
Man liest sich!Pro

Er blieb noch einmal stehen, als er an mir vorbeikam. Er hob die Hand zum Abschied, eine prasselnde Fackel, aus der weiße Funken sprühten. Er war nun ganz Flamme geworden, ein Anblick von unvergeßlicher Schönheit. - Die Stadt der träumenden Bücher, Walter Moers

Homunkoloss aber wuchs und wuchs, immer strahlender, ein Geschöpf aus wucherndem Licht, aus dem flüssiges Feuer tropfte. Und nun fing er an zu lachen. Er lachte das raschelnde Lachen des Schattenkönigs, das ich schon lange nicht mehr gehört hatte. - siehe oben

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