Es ist: 14-12-2019, 14:03
Es ist: 14-12-2019, 14:03 Hallo, Gast! (Registrieren)


Blutsand
Beitrag #1 |

Blutsand
Mein Beitrag zum Sand-Schreibwettbewerb. Bei der Rubrik bin ich mir wie immer unsicher, es ist von allem etwas dabei.

Blutsand

Das Kinderkarussell drehte sich leer und rostgeplagt. Sein Quietschen hing schwer in der Luft und war neben dem Rasseln der Kettenschaukel das einzige Geräusch. Ihre blonden Zöpfe folgten den schaukelnden Kindern. Auf und ab. Auf und ab. Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und ließen den Spielplatz im fahlen, blassen Licht zurück. Simone beobachtete ihre Kinder. Sie zog den Wollschal enger, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr kalt ins Gesicht zu blasen und eine Erinnerung mit sich zu bringen.

Simone sah zu, wie der Butterkeks in den Händen ihrer Tochter immer weicher wurde.
„Du musst den Keks essen, Marie“, erklärte sie dem Mädchen zum wiederholten Male. Aber die Zweijährige liebte es zu sehr die Süßigkeit mit ihrer Spucke zu befeuchten und ihn dann mit den Fingerspitzen zu befühlen, als das sie ihn zwischen den Lippen verschwinden lassen würde.
„Keks!“ rief sie glücklich ihrer Mutter entgegen und schenkte Simone einen unschuldigen Blick. Resigniert, aber mit einem Lächeln, erhob sich Simone aus ihrer unbequemen Position vor dem Laufgitter.
„Dann zermatsch ihn eben, wirst schon sehen, was du davon hast“, sagte sie, obwohl sie sich schon Richtung Wohnzimmer gewandt hatte.
„Hey, Sven. Marie zerbröckelt wieder ihren Keks.“
„Ist ja interessant.“ Sven hob den Blick nicht von seiner Zeitschrift, stattdessen blätterte er demonstrativ um und betrachtete sich das Bild eines jungen Mannes, der gerade mit seinem Sohn Fußball spielte.
„Du könntest ruhig ein wenig mehr Interesse an ihr zeigen.“
Bisher hatte Simone seine uninteressierte Reaktion ignorieren können.
„Was soll ich denn machen? Soll ich mich zu ihr ins Laufgitter setzen oder mich abends mit ihr in die Wiege legen?“
„Du könntest mal mit ihr spielen, zum Beispiel. Dich einfach mit ihr beschäftigen.“
„Beschäftigen soll ich mich mit ihr? Gestern hast du verlangt, dass ich mich mehr mit dir beschäftigen soll“, mit einer zornigen Bewegung seiner Hand warf er die Zeitschrift auf den Sessel neben sich, wo sie aufgeschlagen liegen blieb. Die Szene von Vater und Sohn zeigte sich ihnen vorwurfsvoll.
„Du bist sowohl ihr Vater, als auch mein Mann. Aber beides willst du nicht sein.“
„Mir reicht es allmählich mit deinen ewigen Vorwürfen.“ Ruckartig stand Sven auf, er überragte Simone um einige Zentimeter. Dunkle Augen sahen zornig auf sie hinab und sein blondes Haar fiel ihm wirr in die Stirn.
Wortlos wandte Simone sich ab. Sie wusste, dass jedes weitere Wort nur dazu geführt hätte, dass er unbeherrschter wurde.


Der Wind frischte auf, nahm ihre Tränen mit sich fort, ließ aber die Erinnerung zurück. Simone öffnete die Augen, um zurück in die Realität zu gelangen und erschrak. Nele und Marie schaukelten nicht mehr. Simone konnte sich nicht erinnern, etwas von ihnen gehört zu haben, weder ein Lachen, noch ein Weinen. Nach einigen endlosen Sekunden entdeckte sie ihre Töchter im Sandkasten. Friedlich saßen sie nebeneinander und schaufelten Häufchen auf. Um nicht wieder an die schmerzhaften Gedanken erinnert zu werden, vertiefte sich Simone in den Anblick ihrer spielenden Kinder.
Hell und fröhlich flog Neles Lachen durch die trübe Herbstluft. Simone genoss es dieses Geräusch zu hören. Es übertönte das Quietschen des Kinderkarussells. Seit wann hatte sie das nicht mehr gehört? Seit das Lachen verboten worden war. Simone wurde noch einmal unerwartet in die Realität gerissen. Sie sprang auf und rannte zu ihren Töchtern, die fröhlich Luftschlösser aus Sand errichteten und dabei lachten.
„Seid still!“ Simone versuchte die Panik aus ihrer Stimme herauszuhalten, schaffte es aber nicht völlig. Stattdessen schloss sie ihre Kinder in die Arme. Wie früher, als sie noch klein waren und getröstet werden mussten. Früher, als sie noch Lachen durften.
Die Mädchen verstummten und sahen ihre Mutter aus großen, angstgeweiteten Augen an. Sie wagten kaum zu atmen und Simone glaubte ihre kleinen Herzen sogar durch ihren Mantel hindurch schlagen zu spüren. Nichts war zu hören. Nur das Quietschen des Kinderkarussells und der Wind, welcher mit ein paar vertrockneten Blättern spielte.
Dann sah Simone ihn. Den Mann im Tarnfarbenanzug. Er stand reglos, als ob er schon ewig dort stehen würde. Sie war sicher, dass er die ganze Zeit beobachtet hatte. Versteckt. Abwartend. Er sah sie einfach nur an. Ernst. Warnend. Unbewegt. Kleine, dunkle Augen schienen sie festhalten zu wollen. Hart. Unerweichlich.
„Kommt Kinder, wir gehen nach Hause.“

Das Kinderkarussell drehte sich quietschend und verlassen. Rasselnd und leer bewegte sich die Kettenschaukel hin und her. Simone sah wie ihre Töchter im Sandkasten spielten. Nele mit ihrer roten Schaufel, Marie mit einem grünen Plastikeimer. Zwei Farbpunkte inmitten von Trübnis. Der Himmel wölbte sich stahlgrau über sie und sah aus, als würde er bald einen Regenschauer fallen lassen. Beinahe konnte sie den kühlen Wind spüren, der den Spielsand ihren Töchtern raubte und über das Gras verteilte. Unmerklich, aber stetig. Sie wusste, dass sie nichts spüren konnte. Weder spüren, noch tun – nur sehen. Wie selbstverständlich entdeckte sie den Tarnanzugmann. Wieder hockte er im Gebüsch und beobachtete ihre Töchter. Lauernd. Abwartend. Wie eine Katze auf der Jagd nach einer fetten Maus. Zuerst ahnte Simone es, dann hörte sie es. Ihre Töchter lachten. Ein reines, unschuldiges Lachen, wie es alle Kinder taten. Der Mann sprang hinter dem Gebüsch hervor. Aus der lauernden Katze war ein jagendes Raubtier geworden. Mit wenigen, kraftvollen Schritten, schien er auf den Sandkasten zuzufliegen. Simone wollte nicht mehr hinsehen, sie wollte die Augen verschließen vor dem, was jetzt kam. Kommen musste. Tarnanzugmann streckte seine riesigen, prankenartigen Hände nach ihren Töchtern aus. Simone wollte sich abwenden, oder zumindest die Augen schließen. Doch es war ihr Unmöglich. Sie musste sehen – zusehen, wie Tarnanzugmann beinahe zärtlich die Kinder auf seine Arme nahm und mit ihnen den Spielplatz verließ. „Wehrt euch! Wehrt euch doch!“, wollte sie ihren Töchtern zurufen, aber auch das konnte sie nicht. Das einzige was sie tun konnte war aufwachen!
Schweißgebadet lag Simone in ihrem Bett und versuchte die letzten Reste des Albtraumes abzuschütteln. Sie fröstelte und zog die Decke fester um sich. Nele und Marie lagen sicher in ihren Betten, dass wusste sie und doch beunruhigte sie die Klarheit des Traumes. Wie gern hätte sie sich jetzt an Sven gekuschelt, dessen Wärme ihr Trost spenden würde. Aber er wollte weder etwas von ihr, noch von seinen Töchtern wissen. Damals waren sie noch zu klein um zu begreifen und fragten bald nicht mehr nach ihrem Vater. Inzwischen hatte auch Simone aufgehört nach dem Warum zu forschen. Sie war damit beschäftigt ihre Töchter zu erziehen und nicht an ihrem eigenen Leben zu verzweifeln. Wenn sie sah, wie friedlich die beiden miteinander spielten und übereinander lachten, dann war für einen kurzen Moment ihre Welt in Ordnung. Doch Lachen war gefährlich. Simone wollte nicht mehr darüber nachdenken, aber die Nacht umgab sie, Mondlicht ließ das Schlafzimmer silbrig erscheinen und der Albtraum hatte seine Spuren hinterlassen. Ihre Gedanken folgten eigenen Wegen und ließen die Vergangenheit zur Gegenwart werden.
In der nächtlichen Dunkelheit erinnerte Simone sich: An die Interviews, an alte Männer, die von Lärm sprachen und an Sandkörner, die ihnen der Wind brachte. Anwohner, die von der Jugend sprachen, die sie nicht verstanden und die früher vielleicht einmal wichtige Personen waren. Alte Männer, die sich über lachende Kinder beschwerten und Lärm, der sie störte. Kopfschüttelnd hatte Simone die Nachrichten verfolgt und verstand die Welt trotzdem nicht mehr. Immer wieder hatte sie sich gefragt, wie sie den Kindern das Lachen verbieten wollten. Bis sie wenig später eine amtliche Mitteilung in der Zeitung entdeckte, die ihr erklärte, dass Lachen als Lärm zu betrachten wäre. Graues Papier, mit Buchstaben übersät. Unheilverkündend. Wie im Traum hatte sie dem Nachrichtensprecher zugehört, der von einer neuen Behörde berichtete, die das Einhalten einer ebenso neuen Lärmschutzverordnung überwachte. Niemals hätte sie sich vorstellen können, dass dies Männer in Tarnfarbenanzügen bedeutete, die auf Spielplätzen lauerten. Beobachteten. Kontrollierten. Und das dies Kinder bedeutete, die ihren Schulweg nach Hause stumm und hastig zurücklegten.
Simone schloss wieder die Augen, hoffte auf ein wenig Schlaf, der sie von ihren Gedanken ablenkte, aber sie träumte weiter.
Sie sah den Spielplatz. Der Sandkasten, wo ihre Töchter noch vor wenigen Augenblicken gespielt hatten. Nun lag er verlassen vor ihr. Einsam steckten Schaufel und Eimerchen wie traurige Farbkleckse im Sand. Die Schuhe ihrer Kinder hatten Abdrücke hinterlassen. Achtlos hinterlassene Spuren, die sich mit Blut füllten. Rote Flüssigkeit sickerte aus dem Boden hervor, die den Sandkasten langsam auffüllte wie ein Schwimmbecken. Ein Windstoß kräuselte das Blut, rote Wellen brachen sich unhörbar an den kleinen Sandhäufchen. Simone blinzelte, die Augen geschlossen halten konnte sie nicht. Sie blinzelte noch einmal und dann waren Nele und Marie wieder da. Ihre blonden Zöpfe waren ordentlicher geflochten, als es Simone je gekonnt hätte. Im Haar trugen sie rosa Schleifchen, die sie wie Puppen wirken ließen. Haarschmuck, den der Wind nicht bewegen konnte. Artig saßen sie auf dem Rand des Sandkastens, in den Händen Schaufel und Eimer. Sie spielten mit rotem Sand. Rostig. Blutrot. Starren Blickes schaufelte Nele Sand in den Eimer und Marie stülpte ihn um. Ein roter Klumpen platschte hervor und blieb auf einem Stück trockenem Sand stehen. Nele hievte eine weitere Schaufel aus dem roten Wasser hervor und warf sie ungerührt neben den Turm. Hinter dem Gebüsch konnte Simone zwei dunkle Augen erkennen, die die beiden beobachteten, bevor sie schreiend in ihrem stillen, dunklen Schlafzimmer erwachte.

Simone wusste nicht, wohin die Straße sie bringen würde, sie wusste nur, dass sie ihr bis zum Ende würde folgen müssen. Es regnete und die Scheibenwischer bewegten sich hin und her. Quietschten dann und wann und erinnerten Simone an einen verlassenen Sandkasten.
Der Blinker vor ihr leuchtete auf. In regelmäßigen Abständen schien das orange Licht sie aufzufordern abzubiegen. Simone war ziellos und in Eile aufgebrochen. Flüchtend vor etwas, das sie nicht genau benennen konnte. Sie vermutete, dass es damit zusammenhing, dass die Tarnanzugmänner inzwischen begonnen hatten auf den Straßen auf und ab zu gehen. Kontrollierten. Beobachteten.
In diesem Moment hatte sie es einfach gewusst. Die Erkenntnis hatte sie ganz plötzlich überwältigt. Wie ein Blitzschlag. Unerwartet. Heftig. Dabei fragte sie sich, warum sie es nicht schon früher erkannt hatte: Die Männer in den Tarnfarbenanzügen verfolgten sie. Nicht nur ihre Kinder, auch Simone selbst. Stoisch folgte sie dem fremden Auto. Alternativlos.
Wie der Fahrer im Wagen vor ihr, drückte Simone den Blinkerhebel nach oben und nahm dieselbe Ausfahrt. Zeitgleich traten sie beide auf die Bremse und nahmen den Autos die Geschwindigkeit. Sie beobachtete, wie der dunkelgrüne Wagen über den Parkplatz vor der Tankstelle rollte und dann stehen blieb. Simone stoppte ebenfalls. Durch die Scheiben konnte sie den hellen Haarschopf des Fahrers sehen. Mit großen Schritten überquerte er den Parkplatz. Vor den Zapfsäulen bog er ab, um in dem kleinen Gebäude zu verschwinden, in dem tagtäglich Menschen viel Geld ließen, um mit gefüllten Tanks weiter fahren zu können.
Simone warf einen Blick in den Rückspiegel. Inzwischen waren ihre Kinder wieder wach und sahen ihre Mutter aus großen, fragenden Augen an:
„Mama, was machen wir hier?“ Das frage ich mich auch, dachte sie und stieg aus. Unendlich langsam kamen Simone ihre eigenen Schritte vor, bis sie schließlich das Tankstellenhäuschen erreichte und hinein ging.
Die Regentropfen tanzten auf den Pfützen. Fielen hinein, bildeten kleine, immer größer
werdende Kreise. Ein roter Gummistiefel zerstörte den zerbrechlichen Wasserspiegel mit einem lauten Platschen, gefolgt von leisem Kichern. Dann platschte ein zweiter, roter Gummistiefel in die Pfütze und eine andere Kinderstimme ertönte zwischen dem stetigen Prasseln der Tropfen.
Simone stand vor dem Kaffeeautomat in der Tankstelle und wartete darauf, dass ihr Becher gefüllt wurde. Sie tanzen mit dem Regen, dachte Simone zufrieden und sah ihren beiden Töchtern zu, die fröhlich hin und her sprangen. Ihre blonden Zöpfe wirbelten dabei unter den Kapuzen der roten Regenjacken hervor.
Die Maschine hatte es geschafft den Papierbecher zu füllen und Simone nahm ihn vorsichtig in die Hand. Sofort wärmten sich ihre Finger auf. Bevor sie Hals über Kopf losgefahren war, hatte sie sich gerade noch einen Pullover überziehen können. Mit einem Plastikstäbchen rührte sie Zucker in den Kaffee und dachte an ihre Flucht.
Ja, bestätigte sie sich selbst in Gedanken, es war eine Flucht. Vor ihrem Leben, vor den Tarnanzugmännern, vielleicht sogar vor sich selbst.
Simone hatte sich in ihr Auto gesetzt und war losgefahren. Einfach so. Es hatte sie beruhigt dem Horizont entgegenzufahren. Ziellos, aber immer vorwärtskommend.
Sie trank den Automatenkaffee und betrachtete die vielen Menschen, welche sich zufällig mit ihr an diesem Ort befanden. Menschen, die sie wohl nie wieder sehen würde. Die durch einen Schicksalswink an dieser Stelle der Autobahn beschlossen hatten eine Rast zu machen, zu tanken und nach wenigen Minuten wieder zu fahren.
Maries und Neles Vater gehörte zu jenen Menschen, die in ihr Leben traten und ebenso nach einem kurzen Aufenthalt wieder verschwanden. Simone wurde viel zu oft an Sven erinnert, wenn sie ihre Kinder ansah, denn beide sahen ihm ähnlich. Vorsichtig pustete sie über das heiße Getränk und hielt Ausschau nach ihren Verfolgern. Sie blickte zum Fenster hinaus und sah am stahlgrauen, verregneten Himmel einen roten Luftballon davon schweben. Er flog über die Autobahn und sie verfolgte ihn mit den Augen, bis er hinter ein paar Bäumen verschwunden war. Während Simone sich angespannt umsah, verlor sie ihre Kinder aus den Augen. Doch noch bevor sie sich Sorgen machen konnte, sah sie zwei rote Punkte hinter einem parkenden LKW hervorspringen. Beruhigt nippte sie an ihrem Papierbecher.

Gerade hatte Simone die letzten Schlucke Kaffee getrunken, als sie ihn entdeckte. Er stand hinter einer der Zapfsäulen und beobachtete ihre Kinder. Lauernd. Zum Angriff bereit. Unauffällig - zumindest hoffte sie das - verließ sie die heimelige Wärme der Tankstelle und ging mit schnellen Schritten zu ihrem Auto. Gleichzeitig rief sie nach ihren Kindern. Schon nach kurzer Zeit kamen ihr die beiden kleinen Gestalten, in den roten Regenjacken entgegen, die sofort tropfnass auf die Rückbank kletterten.
Mit einem erleichterten Seufzen stieg sie in ihr Auto, legte den ersten Gang ein und löste die Handbremse. Gerade hatte sich das Fahrzeug ein paar Meter bewegt, als die Mädchen auf der Rückbank ihre Kapuzen von den Köpfen zogen. Simone sah im Rückspiegel, dass darunter nicht die blonden Zöpfe ihrer Töchter zum Vorschein kamen. Sie trat auf die Bremse und die Köpfe der fremden, dunkelhaarigen Mädchen nickten. Rosa Schleifen in ihrem Haar schienen sie anzuschreien, erinnerten sie an Dunkelheit und Einsamkeit. Panik bemächtigte sich Simone. Sie konnte fühlen, dass das Leben, so wie sie es kannte, ihr entglitt wie ein zerbrechliches Wasserglas, das langsam aus den Fingern rutschte. Nele und Marie!, schrie es in ihrem Kopf. Meine Kinder. Absurderweise dachte sie sogar an Sven. Wie sollte sie ihm das erklären, wenn er nach ihnen fragen sollte. Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich so schnell, wie der Morgennebel an einem sonnigen Tag. Nele und Marie!, wiederholte sich das Mantra in ihren Gedanken. Sie hatte schon davon gehört, dass lachende Kinder für ein paar Stunden verschwanden, ausgetauscht wurden, wieder auftauchten und nur noch seelenlose Hüllen waren. Verbessert. Brave Kinder. Kleine Erwachsene ohne Kindheit. Mit rosa Schleifen im Haar und ordentlich geflochtenen Zöpfen, ordentlicher als es Simone konnte. Nele und Marie. Simone konnte nichts anderes denken und plötzlich gesellte sich zu der Panik und dem Mantra, das Quietschen eines rostigen Kinderkarussells in ihren Kopf. Immer lauter wurde es, bis es alle anderen Gedanken und Geräusche überdeckte.
Wie ferngesteuert ließ Simone die fremden Mädchen aussteigen und an der Tankstelle zurück.
Soll sich doch, Quietsch, Tarnanzugmann, Quietsch, um sie kümmern, Quietsch.

Simone fuhr zu schnell. Es war ihr egal. Sie hatte ein Ziel. Das Quietschen in ihren Gedanken ebbte von Zeit zu Zeit ab und ließ sie aufatmen. Doch dann nahm es wieder zu, sodass sie am liebsten die Augen geschlossen hätte. Aber sie musste ihr Ziel erreichen. Schnell. Nele. Quietsch. Marie.
Sie hielt ihr Auto vor dem Eingang zum Spielplatz an, wie sie es schon viele Male getan hatte. Eine kurze Ewigkeit wartete sie darauf, dass Nele und Marie die hinteren Türen öffnen und herausspringen würden. Aber es war noch nicht mal ein Gedanke, der Simone in den Sinn kam, es war ein Gefühl. Die Rückbank war leer, sah nicht nur verlassen aus, sondern fühlte sich vollkommen falsch an. Bevor sich ihr noch mehr solcher fremdartiger Gedanken aufdrängen konnten, stieg Simone aus. Sie betrat den Rasen des Spielplatzes. Plötzlich fühlte sich die Welt wieder richtig an und Simone wusste, was zu tun war. Was sie tun musste. Für einen kurzen Moment verstummte das Quietschen in ihrem Kopf und sie hörte das wirkliche Geräusch des rostigen, leeren Kinderkarussells. Es machte für sie keinen Unterschied.
Mit festen, langsamen Schritten ging sie den Weg, der sich richtig anfühlte. Vorbei an den Kettenschaukeln, die träge hin und her schwangen, vorbei an dem Karussell, welches unbewegt auf Dinge wartete, die nie kommen würden. Das es noch immer regnete nahm Simone nicht wahr. Ihr Haar klebte inzwischen am Kopf, wie ein Helm, der sie aber vor nichts bewahren konnte und ihr Wollpullover schien inzwischen viel zu schwer für sie zu sein. Simone näherte sich dem Sandkasten und das Quietschen in ihren Gedanken wurde lauter. Wie sie es erwartet hatte, waren die einzigen Farbkleckse im Sand Neles rote Schaufel und Maries grüner Eimer. Bunt. Verlassen. Einsam. Sie sah ihre Töchter vor sich, wie sie auf dem Holzrand des Sandkastens saßen, die Füße auf die feinen Körnchen gestellt und fröhlich schaufelten. Sie setzte sich zu ihnen. Nele gab ihr die Schaufel und Simone fing ohne nachzudenken an Sand in den Eimer zu schaufeln, den ihre Töchter gemeinsam herumdrehten. Sie arbeitete immer weiter. Schaufel um Schaufel. Als das Blut zwischen den Körnchen hoch sickerte sah sie es nicht. Sie schaufelte weiter. Der Sand färbte sich rot, ihre Hände ebenfalls und auch die ihrer Kinder. Simone begann zu lachen. Sie lachte und lachte, bis ihre Kinder es ihr gleich taten. Sogar als der Mann im Tarnfarbenanzug auf sie zukam lachte sie noch. Der Albtraum ging weiter. Ihre lautlosen Schreie verklangen ungehört.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: Blutsand
Ich habe bereits eine halbe Ewigkeit nichts mehr kommentiert, daher kommt mir dein Text gerade recht. Icon_smile

Dann fangen wir mal an;

Zitat:Ihre blonden Zöpfe folgten den schaukelnden Kindern
Wessen blonde Zöpfe? Ich verstehe schon, was du damit meinst, finde es aber ungeschickt ausgedrückt.

Zitat:Simone beobachtete ihre Kinder. Sie hatte den Wollschal fest um ihren Hals gewickelt, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen.
IHRE Kinder, IHREN Hals... das kann man besser machen. z.B.: Simone beobachtete ihre Kinder. Sie zog den Wollschal enger, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen.

Zitat:Sie hatte den Wollschal fest um ihren Hals gewickelt, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr kalt ins Gesicht zu blasen
Wen hielt das nicht davon ab, ihr ins Gesicht zu blasen? Den Schal? Denn der war zuvor Hauptgegenstand deiner Erzählung. Ist mir schon klar, dass du den Wind meinst, aber das geht anders.

Zitat:Simone sah zu, wie der Butterkeks in den Händen ihrer Tochter immer weicher wurde
Wieso wird ein Butterkeks in den Händen weicher? Normalerweise doch nur im Mund oder? Der schmilzt ja nicht.

Zitat:„Dann zermatsch ihn eben, wirst schon sehen, was du davon hast“, sagte sie
Das klingt mir doch arg schnippisch. Fast so, als wäre die Mutter jetzt zutiefst beleidigt.

Zitat:„Hey, Sven. Marie zerbröckelt wieder ihren Keks.“
Hier habe ich mich grade gefragt, ob das wirklich ihr Ernst ist!!!!
Sie erzählt ihrem Mann, dass die Tochter einen Keks zerbröckelt????
Es ist mir klar, dass du den Bogen in die Richtung spannen willst, dass der Vater mehr mit seiner Tochter unternehmen soll, aber das hätte ich anders gemacht.
z.B. Simone wandte sich um und seufzte.
Sven blickte nur kurz von seiner Zeitung auf.
"Du könntest dich ruhig auch mal mit ihr beschäftigen", entrüstete sich Simone...
irgendwie sowas.

Zitat:Beinahe konnte sie den kühlen Wind spüren, der den Spielsand ihren Töchtern raubte und über das Gras verteilte.
Wieso beinahe? Wenn Wind bereits so stark ist, dass er Sand aufwirbelt und diesen über das Gras verteilt, spürt man den Wind schon ganz erheblich mMn.

Zitat:Sie wusste, dass sie nichts spüren konnte.
Ok, hier erklärst du es, aber das ist ein Satz, der sehr gezwungen klingt. So nach dem Motto, jetzt muss ich dem Leser aber unbedingt mitteilen, dass sie nichts spüren kann.
Wenn sie es weiß, denkt sie nicht drüber nach, verstehst du?

Zitat:rote Wellen brachen sich unhörbar plätschernd
Was denn nun? Unhörbar oder plätschernd? Icon_smile
Das erinnert mich an; Dunkel wars, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr. Icon_wink

Zitat: indem tagtäglich Menschen viel Geld ließen
in dem

Zitat:indem tagtäglich Menschen viel Geld ließen, um mit gefüllten Tanks weiter fahren zu können.
überflüssig, da überhaupt nicht relevant.
Er verschwand in dem kleinen Tankstellengebäude. Punkt.

Zitat:Die Maschiene
Maschine

Zitat:Die Maschiene hatte es geschafft den Papierbecher zu füllen
Das klingt ganz, ganz schräg.
Warum nicht einfach: Simone griff nach dem gefüllten Pappbecher (und nicht Papierbecher, da man bei Papier sofort an 0,8 mm dickes Druckpapier denkt.

Zitat:Sie blickte zum Fenster hinaus und sah am stahlgrauen, verregneten Himmel einen roten Luftballon davon schweben. Er flog über die Autobahn und sie verfolgte ihn mit den Augen, bis er hinter ein paar Bäumen verschwunden war.
Am stahlgrauen Himmel klingt erstmal für mich sehr weit oben. Wenn der Luftballon dann aber plötzlich hinter Bäumen verschwindet, irritiert mich das dann doch sehr (sofern es keine Mammutbäume oder ähnliche sind).

Zitat:Während Simone sich angespannt umsah, verlor sie ihre Kinder aus den Augen. Doch noch bevor sie sich Sorgen machen konnte, sah sie zwei rote Punkte hinter einem parkenden LKW hervorspringen.
Schade, da hätte man mehr Spannung reinbringen können. Gerade hatte ich mir gedacht; Oha, jetzt passiert was, da löst du gleich im nächsten Satz alles ganz banal auf. Dann kann man diesen Part auch weglassen mMn, denn er bringt die Geschichte in keinster Weise voran.

Zitat:Schon nach kurzer Zeit kamen ihr die beiden kleinen Gestalten, in den roten Regenjacken entgegen, die sofort tropfnass auf die Rückbank kletterten.
die roten Regenjacken sind überflüssig und lassen den Text komplizierter erscheinen. Denn es klingt wieder so, als würde nur die Regenjacken auf den Rücksitz klettern.

Zitat:Doch Simone sah im Rückspiegel,
Einen Satz mit "Doch" oder "Aber" zu beginnen, ist immer sehr problematisch. Klingt meist nach Schulaufsatz.
Manchmal ist weniger mehr. Wenn du das "Doch" weglässt, verliert der Satz keineswegs an Bedeutung, sogar ganz im Gegenteil, er wird prägnanter.

Zitat:ihr entglitt wie ein zerbrechliches Wasserglas,
Sieht ein zerbrechliches Wasserglas anders aus, als ein normales Wasserglas? Überflüssig.

Zitat:Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich so schnell, wie der Morgennebel an einem sonnigen Tag.
Du versuchst immer, sehr bildlich zu beschreiben. Das ist in vielen Situationen auch nicht verkehrt, hier jedoch völlig unangebracht. Sie ist in Panik, wie du schreibst, sie weiß nicht, was mit ihren Kindern passiert ist...
Und du schreibst dann von Morgennebel und Sonne. Das passt einfach nicht in die Situation.

So, ich bin soweit durch.
Auf die vielen Kommafehler bin ich jetzt erstmal nicht eingegangen.

Mein Fazit:
Sämtliche Figuren sind blass, ich kann mich in keine wirklich hineinversetzen. Das Ende kam mir sehr seltsam vor, bzw. ich habe es gar nicht verstanden, wie auch den Rest der Geschichte kaum. Es scheint in der Zukunft zu spielen, soviel ist klar. Ja, aber weiter?
Was soll die Geschichte aussagen?
Anfangs wird der Vater und seine Beziehung zu Simone und den Kindern noch in den Vordergrund gerückt. Diese Beziehung spielt aber im weiteren Verlauf ÜBERHAUPT keine Rolle mehr.
Für mich ist das Ganze nicht stimmig.
Ich hoffe, du verzeihst mir meine Offenheit, aber du wirst selber wissen, dass man nur mit negativer Kritik weiterkommt.

LG


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: Blutsand
*User an*

Zitat:Ich hoffe, du verzeihst mir meine Offenheit, aber du wirst selber wissen, dass man nur mit negativer Kritik weiterkommt.

Ich achte Dich sehr, Arnagos. Aber das ist - wie Du es drehst und wendest - völlig kontraproduktiv. Letztendlich ist es nicht die 'Ich-muss-es-negativ-schreiben-sonst-lerntese-nix'-Haltung, die Welten bewegt, sondern eine Mischung aus Schlecht und Gut. Und diese Mischung ist eine Kunst - die ich hier in diesem Auszug (leider) nicht sehe.

*User aus*


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: Blutsand
Hmm... Ich versteh schon, was du meinst, aber ich bin der Meinung, dass Offenheit einfach zu mehr führt, als falsche Komplimente.
Klar hört man Komplimente lieber, gar keine Frage.

Die Frage ist doch aber, was bringt es dem Autoren?
Ok, er/sie fühlt sich gut, doch das bringt mMn niemanden wirklich weiter.

Denn spätestens bei den Verlagen wundern sich "gebauchpinselte" dann, warum die Lektoren dann nicht so begeistert sind.

Ich weiß auch, dass die Lady es besser kann, weil ich schon andere (und auch gute) Texte von ihr gelesen habe!

Nochmal: es geht mir nicht darum, jemanden fertigzumachen, nichts liegt mir ferner!!!!
Aber wenn ich mir schon eine dreiviertel Stunde Zeit nehme, um den Text zu bewerten, bin ich der Ansicht, dass ich meine Meinung auch vertreten darf.

LG,
Arnagos (der im Übrigen auch schon sehr viel Kritik für Texte einstecken musste)


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: Blutsand
Hallo ihr zwei,

ich möchte die Situation mal "entschärfen", ich habe den erwähnten Satz von Arnagos keinesfalls als "kontraproduktiv" aufgefasst. Der Text ist tatsächlich nicht besonders gut und genau deshalb steht er auch hier, damit ihr mir sagt, wo ich dran arbeiten muss. Icon_wink

@Dread: Danke, es ist alles so in Ordnung. Icon_smile

@Arnagos: Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich versteh die Kritik durchaus und werde demnächst noch näher darauf eingehen. Übrigens: Auch mit Lob und positiver Kritik kommt man durchaus weiter. Aber eben nur, wenn man auch gesagt bekommt, was denn gut ist. Icon_wink Ich denke übrigens nicht, dass Dread wollte, dass hier "gebauchpinselt" wird.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #6 |

RE: Blutsand
Hallo Arnagos,

endlich komme ich dazu richtig auf deinen Kommentar zu beantworten und mich mit der Geschichte zu beschäftigen.

Zitat:
Zitat:Ihre blonden Zöpfe folgten den schaukelnden Kindern
Wessen blonde Zöpfe? Ich verstehe schon, was du damit meinst, finde es aber ungeschickt ausgedrückt.

Ich wollte mal aus dem üblichen Beschreibungsweg ausbrechen. Da du ja verstehst, was ich meine, lass ich es erstmal so. Icon_wink

Zitat:
Zitat:Sie hatte den Wollschal fest um ihren Hals gewickelt, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr kalt ins Gesicht zu blasen
Wen hielt das nicht davon ab, ihr ins Gesicht zu blasen? Den Schal? Denn der war zuvor Hauptgegenstand deiner Erzählung. Ist mir schon klar, dass du den Wind meinst, aber das geht anders.

Deinen ersten Vorschlag zu dieser "Kinder-Schal-wickel"-Sache find ich ganz gut, der ist gekauft. Aber hier tendiere ich dazu, es so zu lassen, weil ja der Wind im Satz zuvor eindeutig erwähnt wird. Mal sehen, vielleicht sagt ja noch jemand was zu der Stelle

Wieso wird ein Butterkeks in den Händen weicher? Normalerweise doch nur im Mund oder? Der schmilzt ja nicht.

Na, wegen der Spucke. Die wird aber erst im nächsten Satze erwähnt. Icon_wink

Zitat:Hier habe ich mich grade gefragt, ob das wirklich ihr Ernst ist!!!!
Sie erzählt ihrem Mann, dass die Tochter einen Keks zerbröckelt????

Also, sooo schlimm find ich die Stelle jetzt nicht. Klar, ist das eine völlig unnötige Information, aber sie möchte ihm eben etwas von ihrer Tochter erzählen. Junge Mütter sind so. Icon_wink Bei deinem Beispiel ist mir Simone zu schnell auf eine Diskussion aus. Sie will ja gar keine Anfangen.

Zitat:Wieso beinahe? Wenn Wind bereits so stark ist, dass er Sand aufwirbelt und diesen über das Gras verteilt, spürt man den Wind schon ganz erheblich mMn.

"Beinahe", weil es Traum ist. Icon_wink

Zitat:Ok, hier erklärst du es, aber das ist ein Satz, der sehr gezwungen klingt. So nach dem Motto, jetzt muss ich dem Leser aber unbedingt mitteilen, dass sie nichts spüren kann.
Wenn sie es weiß, denkt sie nicht drüber nach, verstehst du?

Sie denkt ja auch gar nicht darüber nach, find ich. Sie weiss es einfach.

Zitat:
Zitat:indem tagtäglich Menschen viel Geld ließen, um mit gefüllten Tanks weiter fahren zu können.
überflüssig, da überhaupt nicht relevant.
Er verschwand in dem kleinen Tankstellengebäude. Punkt.

Geschmackssache. Ich finde, dass manche Geschichten ein wenig "kahl" wirken, weil solche Kleinigkeiten fehlen. Icon_wink

Zitat:Warum nicht einfach: Simone griff nach dem gefüllten Pappbecher (und nicht Papierbecher, da man bei Papier sofort an 0,8 mm dickes Druckpapier denkt.

Weil einfach, jeder kann. Icon_wink Das ist wieder diese Geschmackssache. Und ich denk nicht an Druckpapier. Bin ich deshalb komisch? Icon_confused

Zitat:Am stahlgrauen Himmel klingt erstmal für mich sehr weit oben.

Tatsächlich? Für mich ist das einfach nur eine Farbe.

Zitat:Das Ende kam mir sehr seltsam vor, bzw. ich habe es gar nicht verstanden, wie auch den Rest der Geschichte kaum.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass gerade das Ende sehr surreal ist. Ich muss gestehen, dass ich mich mit der ganzen Geschichte irgendwie sehr schwer getan habe und am Ende nicht wirklich wusste wo ich genau hinsteuer.

Zitat:Anfangs wird der Vater und seine Beziehung zu Simone und den Kindern noch in den Vordergrund gerückt. Diese Beziehung spielt aber im weiteren Verlauf ÜBERHAUPT keine Rolle mehr.

Ich wollte, dass man erst vermutet, dass der Vater die Kinder entführt hat. Irgendwie hab ich das aber nicht wirklich geschafft.

Ja, erstmal danke für deinen Kommentar. Die ein oder andere Anmerkung hab ich tatsächlich so übernommen. Bei anderen Stellen würde ich gerne bei meiner Formulierung bleiben, weil ich mal von diesen "Standard-Formulierungen" wegkommen will. Manche Kleinigkeiten machen eben den Reiz der Geschichte aus, auch wenn sie natürlich überflüssig sind. Bei dieser Argumentation bräuchte man auch keine Tapeten, die Wand funtkioniert ja auch so. Icon_wink Bei ein paar Anmerkungen denke ich, dass die folgenden Sätze dann die Erklärung gebracht haben, wie zum Beispiel in dem Traum, oder auch die roten Regenjacken und die schnelle Auflösung.
Grundsätzlich geb ich dir aber Recht, dass Ende ist sehr konfus und den Vater hätte ich nicht wirklich gebraucht, da werd ich noch basteln müssen.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #7 |

RE: Blutsand
Hallo Lady,
Also ich ,uss sagen. mal wieder eine Spitzenlöeistung von dir. Ich war so gebannt, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen und ich denke, das ist das größte Kompliment für eine Schriftstellerin. Du schreibst auf der einen Seite so süß und romantisch und auf der anderen Seite läuft es einem kalt den Rücken hinunter Pro 

Zitat:Blutsand

Du magst Blut, gell ? Mrgreen
Zitat:„Ist ja interessant.“ Sven hob den Blick nicht von seiner Zeitschrift, stattdessen blätterte er demonstrativ um und betrachtete sich das Bild eines jungen Mannes, der gerade mit seinem Sohn Fußball spielte.
Sehr paradox der Mensch, schaut sich Bilder von Familienvätern an, kümmert sich aber nicht um die eigenen Sprößlinge

Ich versuche einmal, zu interpretieren. Sven ist der böse Vater, der sich nicht um die eigenen Kinder kümmert. Seine Ignoranz wird mit dem Verbot zu lachen gleichgesetzt und der Mann im Tarnfarbenanzug könnte für Sven stehen.
Ihre Flucht mit den Kindern steht für ein Ausbrechen aus einer unglücklichen Beziehung. Eins habe ich nur nicht verstanden. Träumt sie das alles nur, sind es ihre Phantasien, dass sie ausbrechen will oder tut sie es tatsächlich?

Das ist die Frage, die mich jetzt eine Zeitlang beschäftigen wird.

Eine kleine Anmerkung: Du hängst ziemlich an den Namen, wiederholst sie oft, wenn du die ersetzt durch Frau, Mann, ihren Ehemann liest sich das flüssiger.

Ansonsten kann ich nur sagen, ich bin ein großer Fan von dir und deinen Geschichten, die mich jedesmal fesseln.

LG Siri

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



Werkeverzeichnis

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #8 |

RE: Blutsand
Hallo Siri,

schön, dich wieder unter einer meiner Geschichten zu finden. Bei der Gelegenheit kann ich grade mal erwähnen, dass ich mich schon darauf freue dein erstes Kapitel zu lesen. Icon_smile


Zitat:Also ich ,uss sagen. mal wieder eine Spitzenlöeistung von dir.

Smiley_emoticons_blush  Ach herrje. Danke für das Lob. Dabei bin ich selbst mit der Geschichte recht unzufrieden.


Zitat:Du magst Blut, gell ?
Mrgreen Ich fühle mich halt im Horror-Genre zu Hause, auch wenn ich es noch nicht geschafft habe eine richtige Horror-Geschichte zu schreiben. Eher so Low-Horror. Icon_ugly


Zitat:Sehr paradox der Mensch, schaut sich Bilder von Familienvätern an, kümmert sich aber nicht um die eigenen Sprößlinge

Mein Ziel war es damit anzudeuten, dass er lieber einen Jungen haben wollte, als ein Mädchen ...


Zitat:Eins habe ich nur nicht verstanden. Träumt sie das alles nur, sind es ihre Phantasien, dass sie ausbrechen will oder tut sie es tatsächlich?


Nein, sie bricht da tatsächlich aus. Aber ich geb zu, dass es alles etwas surreal wirkt. Ich wollte das sie ein bisschen paranoid rüber kommt ...

Ja, es freut mich unheimlich das dir die Geschichte so gut gefällt. Denn ich war wie gesagt immer ein bisschen unzufrieden damit, weil ich mich auch beim Schreiben bisschen schwer damit getan habe und von Szene zu Szene gesprungen bin.

Vielen Dank also für deine lieben Worte und überhaupt für den Kommentar. Über die Sache mit den vielen Namen werde ich nochmal drüber schauen.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #9 |

RE: Blutsand
Hallo Lady.

Nach Deinem Kommentar-Marathon möchte ich Dir etwas zurückgeben. Auf der Suche nach einem geeigneten Werk bin ich hier fündig geworden - obwohl ich immer dachte, dass ich es schon kommentiert hatte.

Nunja, dann also jetzt. Und entgegen der üblichen Vorgehensweise beginne ich mit den
inhaltlichen Anmerkungen:
Es wird innerhalb der Geschichte nicht klar, ob dies eine zukünftige Welt, oder nur ein Blick in Simones Seelenleben darstellt. Für beide Varianten gibt es gute Gründe, beispielsweise die Lärmschutzbehörde, die durchaus in der heutigen Zeit denkbar, aber (noch) nicht umsetzbar wäre. Auf der anderen Seite fehlen mir in den hier gemalten Bildern die anderen Menschen, die Welt an sich - daher mein Eindruck, dass es sich durchaus auch um einen Altraum handeln könnte. Oder einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit, wobei der Tarnanzugmann für etwas steht, was sie verdrängen will.
Schlussendlich bleiben bei mir Fragezeichen übrig, denn was da genau im Sand verbuddelt ist, erschließt sich mir nicht. Ist es Sven? Oder sie selbst?
Weitere Punkte, die für einen Traum oder Dergleichen sprechen würde, ist das Verhalten von Simone. Den Kindern zuschauen, Flashbacks, Flucht, Tankstelle mit den anderen Kindern.

Also, meine Empfehlung wäre, hier etwas feiner zu zeichnen und die jeweilige Intention genauer herauszuarbeiten. Wenn es eine Zukunft wäre, dann würde sich auch die jeweilige Staatsmacht - also neben den Tanranzugmännern weitere Personen - anbieten. Vielleicht könnte man auch einen Fernseher oder ein Radio einbauen, mit dem man die jeweilige Grundstimmung gut an den Leser bringen kann.
Ist es dagegen Simone selbst, die die Welt so sieht, müsste auch hier genauer extrapoliert werden. Könnte man dadurch erreichen, dass man etwas mehr Surrealismus reinbringt und die Szenen ein Stück weit verrückter darstellt.

Ganz wichtig: Was soll mir das Ende sagen? Es wird zwar mehrmals Bezug zu Sven genommen, aber es erscheint plausibel, dass er einfach gegangen ist. Zumal der Auszug aus dem Eheleben auf eben dies nicht schließen lässt. (Falls es Sven ist, der im Sand liegt, könnte man es gerade dort perfekt einbauen, beispielsweise dadurch, dass sie sich nichts mehr sagen lassen will. Und vielleicht werden in dem Bild seine Lippen spröde und zerrieseln langsam - beinahe wie Sand.)

Textliche Anmerkungen:
Generell fällt hier auch wieder auf, dass Du dem Blocksatz zu sehr wohlgesonnen bist. Szeneabschlüsse und Szenenbeginne liegen mehrmals in einer Zeile und haben keine "zeitliche" Distanz (im Hinblick auf das Auge des Lesers). Beispielhaft:

Zitat:Das Kinderkarussell drehte sich leer und rostgeplagt. Sein Quietschen hing schwer in der Luft und war neben dem Rasseln der Kettenschaukel das einzige Geräusch. Ihre blonden Zöpfe folgten den schaukelnden Kindern. Auf und ab. Auf und ab. Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und ließen den Spielplatz im fahlen, blassen Licht zurück. Simone beobachtete ihre Kinder. Sie zog den Wollschal enger, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr kalt ins Gesicht zu blasen und eine Erinnerung mit sich zu bringen.
Abgesehen davon, dass die Zöpfe einen bestimmtenden Bezug haben, der vorher nicht erwähnt wurde - nämlich dass es die von Simone sind - würde ich den Abschnitt exemplarisch so umbauen:

Das Kinderkarussell drehte sich leer und rostgeplagt. Sein Quietschen hing schwer in der Luft und war neben dem Rasseln der Kettenschaukel das einzige Geräusch.
Simones blonde Zöpfe folgten den schaukelnden Kindern. Auf und ab. Auf und ab.
Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und ließen den Spielplatz im fahlen, blassen Licht zurück.
Sie beobachtete ihre Kinder, zog den Wollschal enger, um sich vor dem herbstlichen Wind zu schützen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr unbarmherzig ins Gesicht zu blasen und eine kalte Erinnerung mit sich zu bringen.

Zitat:„Dann zermatsch ihn eben, wirst schon sehen, was du davon hast“, sagte sie, obwohl sie sich schon Richtung Wohnzimmer gewandt hatte.
„Hey, Sven. Marie zerbröckelt wieder ihren Keks.“
Da die folgende wörtliche Rede noch zu Simone gehört, würde ich diese auch nahtlos folgen lassen:

„Dann zermatsch ihn eben, wirst schon sehen, was du davon hast“, sagte sie, obwohl sie sich schon Richtung Wohnzimmer gewandt hatte. „Hey, Sven. Marie zerbröckelt wieder ihren Keks.“

Zitat:„Beschäftigen soll ich mich mit ihr? Gestern hast du verlangt, dass ich mich mehr mit dir beschäftigen soll“, mit einer zornigen Bewegung seiner Hand warf er die Zeitschrift auf den Sessel neben sich, wo sie aufgeschlagen liegen blieb. Die Szene von Vater und Sohn zeigte sich ihnen vorwurfsvoll.
„Du bist sowohl ihr Vater, als auch mein Mann. Aber beides willst du nicht sein.“
„Mir reicht es allmählich mit deinen ewigen Vorwürfen.“ Ruckartig stand Sven auf,

Beim unterstrichenen Satz habe ich erst angenommen, Sven hätte ihn gesagt, da er zuletzt (mit der Zeitung) erwähnt wurde. Da dies Simone sein soll, würde ich noch ein 'sagte sie' oder derartiges einbauen, damit dies nicht verwirrt.

Zitat:„Mama, was machen wir hier?“ Das frage ich mich auch, dachte sie und stieg aus. Unendlich langsam kamen Simone ihre eigenen Schritte vor, bis sie schließlich das Tankstellenhäuschen erreichte und hinein ging.
Hier würde ich den gedachten Satz in der nächsten Zeile beginnen lassen, da er ansonsten der Tochter zugeordnet werden könnte. Also so:

„Mama, was machen wir hier?“
Das frage ich mich auch, dachte sie und stieg aus. (Hier auch wieder eine kleine Pause.)
Unendlich langsam kamen Simone ihre eigenen Schritte vor, bis sie schließlich das Tankstellenhäuschen erreichte und hinein ging.

Noch eine Stelle (exemplarisch):

Zitat:Sie konnte fühlen, dass das Leben, so wie sie es kannte, ihr entglitt wie ein zerbrechliches Wasserglas, das langsam aus den Fingern rutschte. Nele und Marie!, schrie es in ihrem Kopf. Meine Kinder. Absurderweise dachte sie sogar an Sven. Wie sollte sie ihm das erklären, wenn er nach ihnen fragen sollte. Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich so schnell, wie der Morgennebel an einem sonnigen Tag. Nele und Marie!, wiederholte sich das Mantra in ihren Gedanken. Sie hatte schon davon gehört, dass lachende Kinder für ein paar Stunden verschwanden, ausgetauscht wurden, wieder auftauchten und nur noch seelenlose Hüllen waren. Verbessert. Brave Kinder. Kleine Erwachsene ohne Kindheit.

Vorweg finde ich es (persönlich) besser, wenn man anstatt den allwissenden Erzähler zu nehmen, die betreffenden Darsteller selbst reden lässt. Abgesehen davon ist hier auch noch Potential, dass durch eine andere Stellung mehr Gewicht haben könnte. Empfehlung vom gealterten Küchenchef:

Sie konnte fühlen, dass das Leben, so wie sie es kannte, ihr entglitt wie ein zerbrechliches Wasserglas, das langsam aus den Fingern rutschte.
Nele und Marie!, schrie es in ihrem Kopf. Meine Kinder.
Absurderweise dachte sie sogar an Sven.
Verdammt, wie soll ich ihm das erklären?
Doch dieser Gedanke verflüchtigte sich so schnell, wie der Morgennebel an einem sonnigen Tag.
Nele und Marie!, wiederholte sich das Mantra in ihren Gedanken.
Sie hatte schon davon gehört, dass lachende Kinder für ein paar Stunden verschwanden, ausgetauscht wurden, wieder auftauchten und nur noch seelenlose Hüllen waren.
Verbessert. Brave Kinder. Kleine Erwachsene ohne Kindheit.

Soweit von mir und dem ersten Kommentar seit einer Ewigkeit.

LGD.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #10 |

RE: Blutsand
Hallo Dread,

wie schön dich unter einer meiner Geschichten zu finden. Vorweg: Der Text hat ja schon so seine Jährchen auf dem Buckel, da muss ich mal schauen, wie ich wieder da rein finde. Icon_wink


Zitat:Es wird innerhalb der Geschichte nicht klar, ob dies eine zukünftige Welt, oder nur ein Blick in Simones Seelenleben darstellt. 

Ja, ähm beides. Ich hatte mir hier eine Art von Zukunft vorgestellt. Gleichzeitig sollte Simone aber auch "so langsam verrrückt" werden. Ich befürchte ich habe nicht geschafft, dass auch so rüberzubringen.


Zitat:Schlussendlich bleiben bei mir Fragezeichen übrig, denn was da genau im Sand verbuddelt ist, erschließt sich mir nicht. Ist es Sven? Oder sie selbst?

Weder noch. Icon_ugly  Es ist gar keiner verbuddelt. Gerade das sehr surreale Ende sollte deutlich machen, wie Simone in ihre Traumwelt versinkt.
Du hast also völlig recht damit, dass ich das dann feiner rausarbeiten muss. Gerade hier der Unterschied zwischen Traum/Wahn und Wirklichkeit.


Zitat:Abgesehen davon, dass die Zöpfe einen bestimmtenden Bezug haben, der vorher nicht erwähnt wurde - nämlich dass es die von Simone sind - würde ich den Abschnitt exemplarisch so umbauen:

Das sind die Zöpfe der Kinder. Ich habe mir das wie rangezoomt vorgestellt, wo man die Zöpfe fliegen sieht und erst dann die Kinder. Aber ich verstehe, wo du drauf hinaus willst. Icon_wink

Auch deine andere (exemplarische) Anmerkung kann ich nachvollziehen. Es ist bei mir stellenweise etwas sehr schwammig formuliert, deine Empfehlungen lassen es etwas griffiger wirken.
Ich schau mal inwieweit ich da noch was retten kann. Gerade wegen der Traum/Wirklichkeit-Abgrenzung würde es sich ja schon fast lohnen das Ganze (stellenweise) noch mal neu zu formulieren.

Ja, vielen Dank für deinen Kommentar. Auch wenn ich vielleicht nicht alles hier umbauen, aber ein paar der Tipps werden für die Zukunft notiert. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme