Es ist: 03-04-2020, 12:19
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Sparflamme
Beitrag #1 |

Sparflamme
Sparflamme

Wabernde Lichter
zuckende Hüllen -

Leben auf einem Gasplaneten?

Erschlagene Blindheit
verhüllt im Grauen
geronnen in -
Blut

Nur ein Feuerzeug, das Wärme gibt

Das Wasser zu Fäden
gewebt aus dem Nichts
die Tropfen zu Atem

und gelöste Schleier schwirren umher

Verlorene Worte
gesprochen im Wind
erhalten in Zeit


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Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #2 |

RE: Sparflamme
Hi Eselei Icon_smile

(ich hab ernsthaft nur ein Gedicht von dir kommentiert?! Icon_shocked )

Na ja, also dann will ich mal.
Nichts sollte solange ohne einen Kommentar auskommen! Coffee

Zitat:Wabernde Lichter
zuckende Hüllen -
Hat für mich etwas Mystisches und zugleich sehr Einsames. Eine düstere Atmosphäre, in der (vielleicht) die Menschen nur noch eine leere Hülle ihrer selbst sind. Irgendwie traurig und zugleich wirkt es auf mich so, als ob das ganze unfreiwillig wäre.

Zitat:Leben auf einem Gasplaneten?
Guter Einschnitt. jetzt gehst du auf unsere Welt ein. Es scheint so, als ob selbst die Erde nur noch ein Abklatsch wäre, als ob sie hohl und leer wäre, nur noch aus Gas bestünde. Der Vers als Frage formuliert: zeigt für mich, dass das lyrische Ich sich mit dieser Frage auseinander setzt. Sich der seelenlosigkeit bewusst ist. Pro

Zitat:Erschlagene Blindheit
verhüllt im Grauen
geronnen in -
Blut
Diese Strophe hat für mich eine gewisse Grausamkeit.

Zitat:Erschlagene Blindheit
Etw/ Jdm würde zerstört und das dadurch, dass man/ die Menschen (wenn ich das hier richtig interpretiere) die Augen vor ihren Problemen verschließen und ihre eigene blind wütende Grausamkeit nicht mehr sehen können.

Zitat:verhüllt im Grauen
Einfach unter den Tisch fallen gelassen. keiner interessiert sich für die Gewalt und oder die Missetaten. Es wird von der zeit geschluckt. Icon_smile --i like it!

Zitat:geronnen in -
Blut
Für mich der prägnanteste Teil der Strophe und auch der wichtigste! Es wird also gesagt, dass all das Leid mit Blutvergießen besiegelt wurde.Das am Ende nichts mehr bleibt, als geronnenes Blut.

Zitat:Nur ein Feuerzeug, das Wärme gibt
Wieder ein guter Einschub. Gibt es in dieser Welt wirklich nur ein einzelnes Feuerzeug das Liebe und Wärme gibt? Nur ein einziges kleines Licht, das die herzen der menschen erwärmen kann? Icon_cuinlove
Find ich super! Pro

Für mich gibt es jetzt einen Umschwung in der Atmosphäre. war sie vorher sehr düster und bedrückend, so lockert sie sich mit der dritten Strophe wieder auf. Zwar ist sie immer noch bedrückend, aber ihr wird ein wenig Leichtigkeit gegeben.

Zitat:Das Wasser zu Fäden
gewebt aus dem Nichts
die Tropfen zu Atem
Wirklich sehr gut. Du spielt hier mit dem vorher erzeugten Nichts und sagst gleichzeigt, dass doch noch etwas geblieben ist. Dass es immer etwas gibt, was bleibt, etwas woran man sich festhalten kann.
Übrigens schöne Wortspiele und wunderbare Bilder, die da vor meinem geistigen Auge auftauchen.

Zitat:und gelöste Schleier schwirren umher
Icon_cuinloveIcon_panik --schön!

Zitat:Verlorene Worte
gesprochen im Wind
erhalten in Zeit
Die letzte Strophe ist für mich die sanfteste und bildet einen gelungenen Abschluss. Sie nimmt dem Gedicht etwas seiner Härte, wie ich finde.

Zitat:Verlorene Worte
Das was verloren scheint, was vergessen oder genommen wurde,

Zitat:gesprochen im Wind
dann doch nicht vergessen. Nur aus den Köpfen der menschen verschwunden. Die Erinnerungen sind vom Wind verweht, davongetragen worden.

Zitat:erhalten in Zeit
und doch nicht vergessen!!
Sehr schön!

Im Allgemeinen:
Mir gefällt dein Gedicht sehr gut! und es ist kaum zu glauben, dass es soooo lange ohne einen Kommentar geblieben ist.
nach dem Lesen hängen mir die Bilder immer noch im Kopf und es ist unmöglich nicht darüber nachdenken zu müssen.
Ich denke auch, dass es dem Leser einen großen Interpretationsraum gibt, indem er sich bewegen kann. Ich hoffe du verstehst, was ich darin gesehen habe. Wenn nicht, du weißt wo der Mülleimer ist! Icon_lol Icon_panik

dennoch: Pro

lg Fleur

Ohhh und ich hab noch was vergessen!

Wäre dein Gedicht nicht eigentlich besser in Melancholie aufgehoben? Jedenfalls wenn es nach meiner Interpretation geht? Icon_ugly

Wenn nicht, vergiss was ich gesagt habe! Mrgreen Cowsleep

Lg Wave


Sie mag rosenbekränzt
Mit dem Lilienstengel
Blumentäler betreten,
Sommervögeln gebieten
Und leichtnährenden Tau
Mit Bienenlippen
Von Blüten saugen
, --- von Goethe

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Beitrag #3 |

RE: Sparflamme
Lang, lang ist's her, aber letztendlich habe ich mich doch mal dazu aufgerafft, meinen Antwortrückstand zumindest versuchsweise aufzuholen ...

Danke für den Kommentar, Fleur!
Zunächst einmal - ich weiß nicht, was genau dieses Gedicht ausdrücken soll. Es ist eins von denen, die mir einfach in die Finger gesprungen sind, eines, bei dem sich die Worte selbst gefunden und aufgereiht haben, ob sie nun einen Sinn haben oder nicht. Und es ist das, hinter das ich selbst noch nicht gekommen bin, zumindest nicht vollständig. Deine Lesart gefällt mir. Die macht es logisch. Vielleicht steckt noch etwas anderes dahinter, aber dennoch ...


Zitat:
Zitat:Wabernde Lichter
zuckende Hüllen -
Hat für mich etwas Mystisches und zugleich sehr Einsames. Eine düstere Atmosphäre, in der (vielleicht) die Menschen nur noch eine leere Hülle ihrer selbst sind. Irgendwie traurig und zugleich wirkt es auf mich so, als ob das ganze unfreiwillig wäre.
Ich hatte Bilder im Kopf. Wirklich einen Gasplaneten, so wie man ihn sich vorstellt, mit herumwabernden Nebel und Lichtblitzen.

Zitat:
Zitat:Leben auf einem Gasplaneten?
Guter Einschnitt. jetzt gehst du auf unsere Welt ein. Es scheint so, als ob selbst die Erde nur noch ein Abklatsch wäre, als ob sie hohl und leer wäre, nur noch aus Gas bestünde. Der Vers als Frage formuliert: zeigt für mich, dass das lyrische Ich sich mit dieser Frage auseinander setzt. Sich der seelenlosigkeit bewusst ist.
Und dann die Frage, ob man dort leben kann. Ob es dort noch etwas gibt.

Zitat:
Zitat:Erschlagene Blindheit
verhüllt im Grauen
geronnen in -
Blut
Diese Strophe hat für mich eine gewisse Grausamkeit.
Das Blut?

Zitat:
Zitat:Erschlagene Blindheit
Etw/ Jdm würde zerstört und das dadurch, dass man/ die Menschen (wenn ich das hier richtig interpretiere) die Augen vor ihren Problemen verschließen und ihre eigene blind wütende Grausamkeit nicht mehr sehen können.
In der Ursprungsversion hieß das ganze noch "geschlagene Blindheit", abgeleitet von "mit Blindheit geschlagen". Und ja. Das würde mit dem übereinstimmen, was du schreibst. Weniger, dass sie ihre Augen verschließen. Sie können einfach nicht anders. Sie sehen es nicht.

Zitat:
Zitat:verhüllt im Grauen
Einfach unter den Tisch fallen gelassen. keiner interessiert sich für die Gewalt und oder die Missetaten. Es wird von der zeit geschluckt. Icon_smile --i like it!
Grau ist bei mir die Farbe der Ungewissheit und des Nebels.

Zitat:
Zitat:geronnen in -
Blut
Für mich der prägnanteste Teil der Strophe und auch der wichtigste! Es wird also gesagt, dass all das Leid mit Blutvergießen besiegelt wurde.Das am Ende nichts mehr bleibt, als geronnenes Blut.
Und die Blindheit der Menschen, die es nicht sehen wollen ...

Zitat:
Zitat:Nur ein Feuerzeug, das Wärme gibt
Wieder ein guter Einschub. Gibt es in dieser Welt wirklich nur ein einzelnes Feuerzeug das Liebe und Wärme gibt? Nur ein einziges kleines Licht, das die herzen der menschen erwärmen kann? Icon_cuinlove
Find ich super!
Wenn ich jetzt so drüber nachdenke - die Sache mit dem Feuerzeug war das Erste, was sich in meine Gedanken festgebissen hatte. Diese Zeile. Und jetzt frage ich mich, ob dieses Feuerzeug auf einem Gasplaneten, dessen atmosphärische Zusammensetzung momentan noch nicht bekannt ist, nicht in der Lage wäre, alles hochzujagen.

Zitat:
Zitat:Das Wasser zu Fäden
gewebt aus dem Nichts
die Tropfen zu Atem
Wirklich sehr gut. Du spielt hier mit dem vorher erzeugten Nichts und sagst gleichzeigt, dass doch noch etwas geblieben ist. Dass es immer etwas gibt, was bleibt, etwas woran man sich festhalten kann.
Übrigens schöne Wortspiele und wunderbare Bilder, die da vor meinem geistigen Auge auftauchen.
Danke Icon_smile
Im Übrigen habe ich an der Strophe tatsächlich stundenlang poliert, damit sie irgendwie schön klingt :DD

Zitat:
Zitat:und gelöste Schleier schwirren umher
Icon_cuinloveIcon_panik --schön!
Smiley_emoticons_blush

Zitat:
Zitat:Verlorene Worte
gesprochen im Wind
erhalten in Zeit
Die letzte Strophe ist für mich die sanfteste und bildet einen gelungenen Abschluss. Sie nimmt dem Gedicht etwas seiner Härte, wie ich finde.
Denn vielleicht - vielleicht ist ja doch nicht alles vergebens.

Zitat:
Zitat:Verlorene Worte
Das was verloren scheint, was vergessen oder genommen wurde,
... und unerhört blieb, ungesehen blieb von den vielen selbsterblindeten Menschen ...

Zitat:
Zitat:gesprochen im Wind
dann doch nicht vergessen. Nur aus den Köpfen der menschen verschwunden. Die Erinnerungen sind vom Wind verweht, davongetragen worden.
!

Zitat:
Zitat:erhalten in Zeit
und doch nicht vergessen!!
... muss ja da draußen noch irgendwo sein. Angekommen. Neu entstanden. Erkannt.

Zitat:Im Allgemeinen:
Mir gefällt dein Gedicht sehr gut! und es ist kaum zu glauben, dass es soooo lange ohne einen Kommentar geblieben ist.
nach dem Lesen hängen mir die Bilder immer noch im Kopf und es ist unmöglich nicht darüber nachdenken zu müssen.
Ich denke auch, dass es dem Leser einen großen Interpretationsraum gibt, indem er sich bewegen kann. Ich hoffe du verstehst, was ich darin gesehen habe.
Danke noch einmal, freut mich, dass es so gut angekommen ist, bei mir zählt es mehr zu den ... schrägeren.
Der Interpretationsspielraum resultiert wohl daraus, dass ich selbst nicht so genau wusste, was da am Ende herauskommen wird. Und doch. Deine Interpretation ist passend. Aber nicht endgültig, glaube ich. Icon_wink

Zitat:Wäre dein Gedicht nicht eigentlich besser in Melancholie aufgehoben? Jedenfalls wenn es nach meiner Interpretation geht?
Hm. Ich finde, ich bin bei Sonstiges auf der sicheren Seite Icon_ugly

Viele liebe Grüße und noch einmal Danke für den Kommentar,
Eselei Icon_wink


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