Es ist: 19-09-2020, 13:01
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Die Federn des Windes - 0
Beitrag #1 |

Die Federn des Windes - 0
Ich schon wieder. Neuer Post, ja. Mit einer "alten" Geschichte. Vielleicht etwas ungeschickt, aber ich habe im Zuge des MoPros doch einiges an der Geschichte verändert, manches ist mir klarer geworden und deshalb der Sport mit dem Alles-neu-macht-der-Mai. Aber genug der Vorrede, ich labere schon wieder. Unter Vorbehalt ist das Projekt übrigens kein Roman mehr.

Die Federn des Windes

Im Jahr des Amselfalls - 2018

Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton, wie ein Ungeheuer, das seine Krallen in seine Beute schlug. Vielleicht war er das auch: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, normalerweise in den irreführenden Mantel einer leichten Brise gehüllt.
Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau, ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters. Im Aufleuchten eines Blitzes war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, nun durchweicht vom plötzlich einsetzendem Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen. Sie zögerte, verharrte einen Moment hinter einem Strauch und hob den Kopf in das fallende Nass, als lausche sie auf die tobenden Elemente um sich herum. Doch der krachende Donner machte es unmöglich für sie, etwas zu hören. Vorsichtig, größere Bewegungen vermeidend, lockerte sie den Dolch, den sie an ihrem Gürtel trug, in seiner Scheide und duckte sich.
Wo sind sie?, dachte Tjerra und strich sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Sie können nicht weit sein. Selbst dieses Wetter bringt sie nicht davon ab, mir zu folgen. Der Riemen, der ihren Köcher auf ihrem Rücken hielt, hatte sich gelockert und nun nahm sie ihn ganz ab. Die meisten Pfeile waren von den Steinen, die anfangs auf sie geworfen wurden, zersplittert und ihren Bogen hatte sie vor ihrer Flucht durch die Wälder zurücklassen müssen. Wozu also trug sie immer noch den Köcher, der sie höchstens behinderte? Sanft, als würde sie ein Kind zur Ruhe betten, legte sie den einstmals wichtigsten Teil ihrer Bewaffnung auf einen Stein und bedeckte ihn mit Zweigen. Wahrscheinlich würden sie ihn finden, aber bis dahin wollte sie schon weit weg sein. Der Himmel wurde erneut von einem Blitz erleuchtet, doch ein schwarzer, windgeschüttelter Umriss zeichnete sich auf der weißen Fläche ab. Tjerra kniff die Augen zusammen, schüttelte dann aber den Kopf und sprang auf. Es konnte nicht sein. Ihre Bestimmung war klar gewesen, als sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, als junges Mädchen beim Beerensammeln im Wald. Doch nur wenige Jahre später hatte sie es – ihn – verloren, und mit ihm ihr gesamtes Leben. Hatten die Alten nicht von jungen Männern und Frauen erzählt, die eines Tages in den Wald gingen und nie mehr als die zurückkehrten, die sie waren? Hatten sie nicht die Kinder gewarnt, unbekannte Dinge zu berühren und noch lebende Tiere anzufassen? Diese Bäume sind nicht einfach nur Bäume, diese Steine nicht nur Steine. Die Tiere sind nicht einfach Tiere, sie werden erst zu solchen, wenn wir sie getötet haben. Dieser Wald verbirgt sein grausames Geheimnis, etwas darin verändert uns. Er ist unser Feind. Vielleicht hätten Menschen niemals in diese Gegend kommen dürfen. In diesem Moment konnte Tjerra über dem Brausen des Windes die knarzende Stimme von Felor, dem Dorfältesten, hören, wie er die lauschenden Kinder vor den Gefahren ihrer Umgebung warnte. In der Tat starben verhältnismäßig viele Dorfbewohner im Wald, doch Tjerra hatte sich immer geborgen gefühlt, auf eine Art verbunden mit dem Leben um sie herum. Ihre Sehnsucht nach dieser Wildnis hatte dazu beigetragen, sie in die Ausbildung der Jäger zu geben, denn an jungen Leuten, die freiwillig nach Wild suchten, mangelte es oft. Bis zu jenem Tag, als sie etwa vierzehn Jahre alt wurde.
Mit einem ohrenbetäubenden Krachen und Splittern schlug ein Blitz in einen Baum ganz in ihrer Nähe ein, sie glaubte einen Schrei zu hören. Waren sie das? Ohne noch lange Zeit zu verschwenden, verließ Tjerra ihr Versteck und rannte weiter. Die vorbeigleitenden Stämme schienen immer lebendiger zu werden, je weiter sie kam, doch sie störte sich nicht daran. Wieder übertönte das Rauschen des Regens alle weiteren Geräusche, das Brechen der Äste unter ihren Füßen, die Rufe von ihnen. Riefen sie denn überhaupt? Am Anfang taten sie es, noch im Dorf, als sie die Hütten hinter sich ließ und das aberwitzige Rennen im Gewitter riskierte. Hatte sie gehofft, dass sie so entkommen könnte? Eine heftige Windböe schlug ihr wie eine Faust ins Gesicht und sie blieb keuchend stehen. Die Kiefern um sie herum waren zurückgewichen und machten einer im Regen glänzenden Schlucht Platz. Tjerra wusste, wo sie war – weder so weit vom Dorf entfernt, wie sie gehofft hatte, noch in einer Lage, weiterhin zu fliehen. Ihre einzige Möglichkeit war es, am Rand des Abgrundes entlang zu rennen und vielleicht gefunden zu werden, oder – Sie unterbrach den Gedanken, noch bevor er ihr wirklich in den Sinn kommen konnte. Da tauchte er wieder auf, der schwarze Schatten in den Wolken über ihr, als würde er ihr folgen. Und am meisten müsst ihr euch vor den Falken hüten. Sie trachten nach euren Leben, solltet ihr sie je berühren, dann seid ihr verloren. Meidet sie, denn der Tod kann ihnen nichts anhaben. Und verhindert, dass sich einer unter euch befindet, der mit einem Falken Kontakt hatte. Er würde euer Dorf zerstören, da er einer von ihnen ist. Schaudernd erinnerte sich Tjerra an die Blicke der anderen Kinder, die nach diesen Sätzen auf ihr ruhten. Es war nie ein Geheimnis gewesen, dass sie nicht nur vom Wald, sondern auch den Falken fasziniert gewesen war. Doch nicht einmal die Warnungen der Ältesten vermochten zu verhindern, dass sie ihrer Faszination nachging – als ihr das Falkenjunge vor die Füße fiel, hatte sie ihm geholfen. Den Schmerz der Berührung, die Bilder, die sie durchflossen, hatte sie nie vergessen, und auch jetzt, im Angesicht dieses Umrisses, tauchten sie vor ihr auf. Fremdartige, riesige Gebäude aus Stein und seltsame Gebilde auf Rädern, Menschen in enger, unbequem wirkender Kleidung, eine Frau mit auffallend grünen Augen und ein Mädchen, das ein beinahe flügges Falkenjunges aus einem Feuer trägt.
Ohne wirkliche Kontrolle über ihren Körper zu haben, machte Tjerra die letzten Schritte zum Schluchtrand , der Dolch, den sie unbewusst gezogen hatte, als die Bilder erschienen, glitt ihr aus der Hand. Als er mit einem leisen Klirren, das sie aufgrund des plötzlich verstummten Windes wahrnehmen konnte, über die Steine schrammte, spürte die junge Frau einen heftigen Schlag in ihren Rücken. Tjerra fiel stumm und mit ausgebreiteten Armen über den Rand, in ihrem Gesicht lag ein friedliches Lächeln. Aus ihrem Rücken ragte ein einzelner Pfeil.

Das Knacken der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton, wie ein Ungeheuer, das seine Krallen in seine Beute schlug. Vielleicht war er das auch: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, normalerweise in den irreführenden Mantel einer leichten Brise gehüllt.
Im kalten Licht eines Krankenhauses, das die Schatten genauso wie den Regen hinter den vermeintlichen Schutz der Fenster verbannte, saß eine Frau mit ungewöhnlich grünen Augen neben dem Bett einer anderen Frau, die fast noch ein Mädchen war. In ihrem Blick lag eine Weisheit, die nicht zu ihrem Alter passen wollte, und der Trost, den nur eine Mutter ihrem Kind spenden konnte.
„Es war – tot“, flüsterte die jüngere Frau im Bett, „Noch nicht einmal geboren – und tot!“ Ihre Stimme war heiser und ihre Augen schimmerten voller ungeweinter Tränen.
„Ich weiß“, murmelte ihre Mutter sanft und sah auf, erhaschte einen Blick auf einen schwarzen Schatten vor einem weißen Hintergrund. „Und du wusstest es. Wir können dem nicht entkommen, was wir sind.“
„Meinst du?“ Die Zweifel der Tochter waren deutlich zu hören, doch in ihnen steckte eine verzweifelte Hoffnung. Vom Fenster her trat ein Mann näher, die Hände gekennzeichnet von alten Verletzungen, die auch nach Jahren noch deutlich sichtbare Spuren hinterließen. Über sein Gesicht wanderte der Ausdruck einer unterdrückten unangenehmen Erinnerung, als er einen Arm um die Schultern der sitzenden Frau legte und für sie antwortete: „Ja. Du weißt, dass ich es nie glauben wollte. Aber nach all den Jahren hat sich die Prophezeiung doch erfüllt. Einer musste es werden – der Wind hält seine Versprechen.“
Irgendwo in der Dunkelheit über einer Schlucht erhob sich ein Falkenweibchen, schlug mit den noch unbeholfenen Flügeln, wurde vom Wind hin und her geschleudert und verschmolz dann mit den grauen Wolken, wurde eins mit dem Gewitter. Unter ihm verschwanden die Umrisse einer Welt längst vergangener Zeiten.


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Beitrag #2 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Hey Eselfine,
da ich momentan noch kein OpenOffice habe und somit meinen Teil des MoPros nicht fortführen kann, begutachte ich mal deinen.
Den Titel fand ich schon die ganze Zeit über sehr ansprechend. Hat mich von Anfang an sehr neugierig gemacht. Ich bin gespannt!
Wie immer: Zunächst kleiner Anmerkungen, die mir beim ersten Lesen auffallen und danach ein Fazit. Bei Fortsetzungsgeschichten lieber mal etwas kürzer, weil da ja (hoffentlich?) noch was kommt.
Aber ich rede schon wieder viel zu viel. Icon_wink

Zitat:Im Jahr des Federfalls - 2018

Den beiden Zeitangaben in Verbindung miteinander würde ich schon mal entnehmen, dass es sich hierbei um Urban Fantasy handelt. Mal sehen, ob ich damit richtigliege.

Zitat:Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton, wie ein Ungeheuer, das seine Krallen in seine Beute schlug.

Ich würde den Satz ein wenig umstellen.
Vorschlag: Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton und erinnerte an ein Ungeheuer, das seine Krallen in die Beute schlug.
Die "seine"-Wiederholung habe ich auch gleich ausgemerzt, wie du siehst und ich finde, es klingt auf diese Weise besser. Aber schlussendlich neben der Wiederholung ist es wohl Geschmackssache.

Zitat:Vielleicht war er das auch: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, normalerweise in den irreführenden Mantel einer leichten Brise gehüllt.

Ich finde, das beschreibt den Wind ziemlich treffend. Icon_smile
Aber ich glaube, das "Ein" nach dem Doppelpunkt gehört klein.

Zitat:Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau, ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters. Im Aufleuchten eines Blitzes war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, nun durchweicht vom plötzlich einsetzendem Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen.

Auch eine ziemlich gelungene Beschreibung, aber ich hätte auch hier einige kleine Änderungsvorschläge:
Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau. Ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters, doch (die Konjunktion passt vielleicht nicht ganz Icon_slash) im Licht eines Blitzes war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, durchweicht vom plötzlich einsetzenden Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen.

Zitat:Vorsichtig, größere Bewegungen vermeidend, lockerte sie den Dolch, den sie an ihrem Gürtel trug, in seiner Scheide und duckte sich.

Der Satz ist recht umständlich, besonders der fett markierte Teil. Vorschlag: ... lockerte sie an ihrem Gürtel den Dolch in seiner Scheide und duckte sich.
Ich stimme dir zu, dass es ziemlich wichtig ist zu wissen, dass der Dolch am Gürtel hängt weil er sonst genauso gut in ihrer Hand liegen könnte, aber so hast du die beiden zueinandergehörigen Informationen beieinander: den Dolch und die Scheide.
Noch dazu - ja, ich Korinthenkacker - stelle ich sie mir eher die ganze Zeit geduckt vor, womit du den Satz wesentlich vereinfachen könntest.
Geduckt lockerte sie an ihrem Gürtel den Dolch in seiner Scheide und vermied dabei große Bewegungen.
Ich mag aktive Partizipien nicht. Icon_wink

Zitat:Wo sind sie?, dachte Tjerra und strich sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht.

Ich würde eher "aus dem Gesicht" schreiben, aber das nur nebenbei. Eigentlich habe ich nur zitiert, weil ich den Namen irgendwie super finde. Pro Der hat Aussagekraft!

Zitat:Der Riemen, der ihren Köcher auf ihrem Rücken hielt, hatte sich gelockert und nun nahm sie ihn ganz ab.

Ich würde darauf achten, dass du nicht zu viele Possessivpronomen verwendest. Das bringt erstens unnötige Wiederholungen und stört mMn dazu. Hier zum Beispiel kannst du ganz einfach das "ihren Köcher" durch ein "den Köcher" ersetzen. Icon_wink

Zitat:Die meisten Pfeile waren von den Steinen, die anfangs auf sie geworfen wurden, zersplittert und ihren Bogen hatte sie vor ihrer Flucht durch die Wälder zurücklassen müssen.

Für mich liegt hier kein Zustandspassiv vor, weshalb ich "zersplittert worden" schreiben würde.
Außerdem gehört in den Relativsatz ziemlich sicher Plusquamperfekt, weil es ja vorzeitig in der Geschichte liegt. Wenn die Verfolger diese Steine geworfen haben, könntest vielleicht auch "die sie anfangs nach ihr geworfen hatten" schreiben, dann vermeidest du das oft schwerfällige Passiv.
*hust* "vor der Flucht *hust*

Zitat:Sanft, als würde sie ein Kind zur Ruhe betten, legte sie den einstmals wichtigsten Teil ihrer Bewaffnung auf einen Stein und bedeckte ihn mit Zweigen.

Warum legt sie ihn nicht einfach unter den Stein?

Zitat:Wahrscheinlich würden sie ihn finden, aber bis dahin wollte sie schon weit weg sein.

Wieder mal Geschmackssache und noch dazu eine Kleinigkeit. Ich will wirklich nicht so belehrend klingen, wie ich tue.
Ich würde das "sie" hier nicht kursiv stellen, das klingt ohne schon effektvoll genug.

Zitat:Der Himmel wurde erneut von einem Blitz erleuchtet, doch ein schwarzer, windgeschüttelter Umriss zeichnete sich auf der weißen Fläche ab.

Mag sein, dass ich gerade auf der Leitung stehe, aber ich sehe da keinen Gegensatz - also wieso nicht einfach mit einem "und" verbinden?

Zitat: Tjerra kniff die Augen zusammen, schüttelte dann aber den Kopf und sprang auf. Es konnte nicht sein. Ihre Bestimmung war klar gewesen, als sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, als junges Mädchen beim Beerensammeln im Wald.

Hier erschließt sich mir nicht wirklich die Überleitung und der Zusammenhang zwischen beidem. Ehrlich gesagt klingt das für mich in wenig nach einer Behelfslösung aber vielleicht bin ich gerade auch nur blind für das Offensichtliche.
In jedem Fall gefällt mir das, was danach kommt, sehr gut und das weckt meine Neugier auf eine Fortsetzung.

Zitat:Bis zu jenem Tag, als sie etwa vierzehn Jahre alt wurde.

Vielleicht eher "Tag, an dem ..."?
Und was heißt etwa vierzehn Jahre alt? Das heißt, sie weiß, dass heute ihr Geburtstag ist und sie wurde dreizehn, vierzehn oder fünfzehn - irgendwie um dieses Alter herum? Oder, dass sie an diesem Tag oder dem davor dem danach vor vierzehn Jahren geboren wurde? Die Logik rät zu Letzterem, aber dann ist das mMn unglücklich ausgedrückt. Es könnte aber natürlich auch einen plausiblen Grund für die erste Möglichkeit geben.

Zitat:Wieder übertönte das Rauschen des Regens alle weiteren Geräusche, das Brechen der Äste unter ihren Füßen, die Rufe von ihnen.

Ich finde das "wieder" eher suboptimal und denke, dass da ein "weiterhin" vielleicht besser platziert wäre. Es ist ja fortlaufend.

Zitat:Am Anfang taten sie es, noch im Dorf, als sie die Hütten hinter sich ließ und das aberwitzige Rennen im Gewitter riskierte.

Das "noch" ist mMn überflüssig. Und wegen dem "riskierte": Ich störe mich nicht daran, aber hatte sie überhaupt eine andere Chance?

Zitat: Ihre einzige Möglichkeit war es, am Rand des Abgrundes entlang zu rennen und vielleicht gefunden zu werden, oder – Sie unterbrach den Gedanken, noch bevor er ihr wirklich in den Sinn kommen konnte.

Ich bin mir nicht sicher, aber gehört das "Sie" hinter dem Bindestrich nicht klein?

Zitat:Sie trachten nach euren Leben, solltet ihr sie je berühren, dann seid ihr verloren.

Ich würde dem Gefühl nach, die beiden Teilsätze mit einem "und" verbinden.
Außerdem klingt für mich "nach eurem Leben" besser.


Zitat:Es war nie ein Geheimnis gewesen, dass sie nicht nur vom Wald, sondern auch den Falken fasziniert gewesen war.

"von den Falken"
Und ich würde vielleicht noch ein "immer" einfügen, um klarzumachen, dass das ja nicht so eine kurzfristige Entscheidung für ein paar Minuten gewesen ist.
Vielleicht könntest du es auch ins Aktiv setzen, klänge für mich besser, aber das ist nun eindeutig Geschmackssache.

Zitat:Den Schmerz der Berührung, die Bilder, die sie durchflossen, hatte sie nie vergessen, und auch jetzt, im Angesicht dieses Umrisses, tauchten sie vor ihr auf. Fremdartige, riesige Gebäude aus Stein und seltsame Gebilde auf Rädern, Menschen in enger, unbequem wirkender Kleidung, eine Frau mit auffallend grünen Augen und ein Mädchen, das ein beinahe flügges Falkenjunges aus einem Feuer trägt.

Die Neugier wächst und wächst. Icon_wink

Zitat:Tjerra fiel stumm und mit ausgebreiteten Armen über den Rand, in ihrem Gesicht lag ein friedliches Lächeln.

Wenn sie auf dem Bauch nach unten fällt, dann sieht man ihr Gesicht nicht...

Im letzten Absatz hat mich im Allgemeinen nichts mehr gestört, aber das alles steigert meine Neugier weiter. Von daher als erstes Kapitel durchaus gut geeignet. Allerdings ist der Stil stellenweise noch recht ungelenk, ich habe davon ja auch einiges angemerkt. Vielleicht solltest du einfach nochmal drüberschauen, insbesondere auf die Possessivpronomina achten und aufpassen, dass die Sätze nicht nur durch Kommata verbunden sind.
Ich kann es natürlich nicht mit der alten Version vergleichen, weil ich die ja nicht gelesen habe, aber ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass der bisherige Inhalt mich sehr neugierig macht, wie du ja vielleicht auch bemerkt hast. Vom Sprachliche her war's jetzt nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend, weshalb ich da nochmal drüberschauen würde. Aber insgesamt hab ich's wirklich gern gelesen und freue mich auch auf die Fortsetzung!

LG,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #3 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Hallo, Rex!

Da habe ich gerade mal den Computer, wohl das letzte Mal vor Samstag, also nutze ich die Zeit mal, um ein paar Anmerkungen zu hinterlassen.
Beim Lesen kam mir nur eines in den Sinn: wallbash und dann Icon_confused

Ich kann mich teilweise absolut nicht erinnern, manche Stellen, die du angemerkt hast, vorgefunden zu haben (die mit den groberen Fehlern)! Wahrscheinlich war ich dauerbetriebsblind. Nun gut. Special thanks to rex ..., du weißt schon Icon_wink

Zitat:Den Titel fand ich schon die ganze Zeit über sehr ansprechend.
Das freut einen doch mal, zu hören *g*

Zitat:Den beiden Zeitangaben in Verbindung miteinander würde ich schon mal entnehmen, dass es sich hierbei um Urban Fantasy handelt. Mal sehen, ob ich damit richtigliege.
Hm. Ich denke, schon. Aber vielleicht nicht in diesem gewöhnlichen Sinne, Vampire und so was gibt es bei mir zumindest nicht Icon_smile

Zitat:Ich würde den Satz ein wenig umstellen.
Vorschlag: Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton und erinnerte an ein Ungeheuer, das seine Krallen in die Beute schlug.
Die "seine"-Wiederholung habe ich auch gleich ausgemerzt, wie du siehst und ich finde, es klingt auf diese Weise besser. Aber schlussendlich neben der Wiederholung ist es wohl Geschmackssache.
Den Vorschlag kann man doch sicher übernehmen, oder? Der Satz ist an der Tat etwas unglücklich, aber wie das immer so ist, findet man nichts Besseres ...

Zitat:Aber ich glaube, das "Ein" nach dem Doppelpunkt gehört klein.
Hm, keine Ahnung. Da gucke ich noch mal drüber und suche die Regeln dafür raus.

Zitat:Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau. Ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters, doch (die Konjunktion passt vielleicht nicht ganz Icon_slash) im Licht eines Blitzes war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, durchweicht vom plötzlich einsetzenden Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen.
Würde ich auch wieder in Betracht ziehen. Zum "doch" würde ich spontan sagen, dass man es weglassen könnte, dann kommt nicht das Problem mit der überflüssigen KOnjunktion. Die Sache mit dem"n" freilich ... Da würde ich glatt mal behaupten, das wäre noch nicht da gewesen ... Icon_ugly

Zitat:Geduckt lockerte sie an ihrem Gürtel den Dolch in seiner Scheide und vermied dabei große Bewegungen.[/qoute]
Das macht den Satz um Einiges einfacher. Nur: Irgendetwas stört mich an dem Gürtel vor dem Dolch. Ich frage mich, ob es wieder komplizierter wird, wenn man es umdreht: Geduckt lockerte sie den Dolc an ihrem Gürtel in seiner Scheide ... Hm. Auch nicht optimal.

[quote]Eigentlich habe ich nur zitiert, weil ich den Namen irgendwie super finde. Pro Der hat Aussagekraft!
Icon_lol Nicht ehrlich! *g*

Zitat:Hier zum Beispiel kannst du ganz einfach das "ihren Köcher" durch ein "den Köcher" ersetzen. Icon_wink
*erledigen geh*

Zitat:Außerdem gehört in den Relativsatz ziemlich sicher Plusquamperfekt, weil es ja vorzeitig in der Geschichte liegt. Wenn die Verfolger diese Steine geworfen haben, könntest vielleicht auch "die sie anfangs nach ihr geworfen hatten" schreiben, dann vermeidest du das oft schwerfällige Passiv.
*hust* "vor der Flucht *hust*
Uch, wieder so eine Stelle, an der ich nur den Kopf schütteln kann, diesmal auch noch die Zeitformen. Es steht sehr ernst um mich. Nur noch zwei Monate, zwei Monate und alles wird wieder gut *sich gut zured*

Zitat:Warum legt sie ihn nicht einfach unter den Stein?
Öhm, weil es mich ein paar MoPro-Worte gekostet hätte? Icon_wink
Nein, ich hatte mir eigentlich so eine großen, im Boden steckenden Stein vorgestellt, beinahe schon ein kleiner Felsen. Da war nichts mit Drunterlegen, aber ich kann ja mal drüber nachdenken.

Zitat:Ich würde das "sie" hier nicht kursiv stellen, das klingt ohne schon effektvoll genug.
Reißerisch, reißerisch ... Ich weiß. Macht eine Markierung weniger, auch nicht schlecht.

Zitat:Mag sein, dass ich gerade auf der Leitung stehe, aber ich sehe da keinen Gegensatz - also wieso nicht einfach mit einem "und" verbinden?
*rumnörgel* An sich stehst du ja nicht auf der Leitung, aber irgendwie wird durch ein simples "und" nicht das dargestellt, was ich sagen wollte. Da ist also so eine wolkige Fläche, wird weiß erleuchtet, aber darauf sieht man halt etwas Schwarzes. Vielleicht ungeschickt eingefügt. Sollte ich wohl noch mal besser rausarbeiten. *grummelnd am Kopf kratz*

Zitat:Hier erschließt sich mir nicht wirklich die Überleitung und der Zusammenhang zwischen beidem. Ehrlich gesagt klingt das für mich in wenig nach einer Behelfslösung aber vielleicht bin ich gerade auch nur blind für das Offensichtliche.
*grins* Daran hätte ich freilich denken sollen, der Leser kennt Tjerra ja nicht! Eigentlich habe ich nicht vor, den Übergang da verständlicher zu machen, da es sich eigentlich später erschließen sollte. Im Laufe der Geschichte vielleicht ... Der Teil da war ursprünglich als Prolog angelegt. Das ist er nicht mehr, da es wohl kein Roman mehr wird, aber dennoch hat er noch Züge dieses Etwas-Zeigen-aber-nichts-Sagens an sich. Vielleicht sollte ich dem schwarzen Fleck ein paar Konturen verpassen, um für den Aha-Effekt zu sorgen.

Zitat:Vielleicht eher "Tag, an dem ..."?
Und was heißt etwa vierzehn Jahre alt?
wallbash und das gleich zwei Mal. Was habe ich nur in dem Moment gedacht, als ich das "etwa" eingefügt habe? Das ist bei der Überarbeitung geschehen, da bin ich mir ziemlich sicher. Nur habe ich gerade keine Ahnung mehr, ob das einen Zweck hatte oder ein abgebrochener Gedanke der Auslöser dafür war.

Zitat:Ich finde das "wieder" eher suboptimal und denke, dass da ein "weiterhin" vielleicht besser platziert wäre. Es ist ja fortlaufend.
Stimmt auch wieder.

Zitat:Ich störe mich nicht daran, aber hatte sie überhaupt eine andere Chance?
Eigentlich nicht. Aber auch so ist ihre Chance, zu entkommen, eher gering.

Zitat:Ich bin mir nicht sicher, aber gehört das "Sie" hinter dem Bindestrich nicht klein?
Ich weiß nicht. So vom Zusammenhang her ...

Zitat:Ich würde dem Gefühl nach, die beiden Teilsätze mit einem "und" verbinden.
Außerdem klingt für mich "nach eurem Leben" besser.
Ist auch so. Noch so eine verdammte Stelle, an der ich absolut nicht weiß, was da los war. Und nicht nur einmal, wenn ich überlege, wie oft ich da drüber gegangen bin.

Zitat:Und ich würde vielleicht noch ein "immer" einfügen, um klarzumachen, dass das ja nicht so eine kurzfristige Entscheidung für ein paar Minuten gewesen ist.
Hm, Faszination ist bei mir fortlaufend.

Zitat:Die Neugier wächst und wächst.
Soll sie, soll sie Icon_wink

Zitat:Wenn sie auf dem Bauch nach unten fällt, dann sieht man ihr Gesicht nicht...
Ach, ich schwebe so halb unter ihr und sehe das schon Icon_wink
Nein, werd ich auch noch mal drüber nachdenken.

So, da wären wir auch schon. Freut mich ja, dass es dich neugierig gemacht hat, sodass du sogar weiterlesen würdest, hört man ja gerne *g*
Überarbeiten werde ich das unter Garantie noch mal, wenn ich wieder zu Hause bin und meinen Computer (oder mehr den Laptop meiner Gastfamilie) habe. Da hoffe ich mal, dass ich nicht mit einem deutschleeren Kopf irgendwas anstarre und zu verbessern versuche Icon_rolleyes

Viele Grüße, Eselfine


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Beitrag #4 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Hallo Fine.

Kleine Anmerkung:
Zitat:Ich kann mich teilweise absolut nicht erinnern, manche Stellen, die du angemerkt hast, vorgefunden zu haben (die mit den groberen Fehlern)! Wahrscheinlich war ich dauerbetriebsblind.

Dein Kopf und Dein Bauch wissen, was da steht. Und selbst wenn Deine Augen die Fehler sehen - die anderen beiden Teile Deinerselbst verhindern das bewusste Wahrnehmen. Denn sie wissen ja, was da steht.

Rein philosophisch betrachtet. Icon_ugly

*Kant-off*

LGD.


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Beitrag #5 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Sanya,

da beginne ich mal mit meiner Samstags-Liste Icon_smile DIe MoPro-Texte waren ja auch ein Anreiz für den Termin, also fange ich mal mit deinem an. Vorgehen wie gehabt, die vorangehenden Kommentare habe ich nicht gelesen. Ich glaube, ich kann einfach gleich loslegen.

(01-05-2013, 13:03)Eselfine schrieb: Im Jahr des Federfalls - 2018
Ich mag ja solche Zeitangaben, sie wecken Interesse und geben einen ersten Eindruck.

Zitat:Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton, wie ein Ungeheuer, das seine Krallen in seine Beute schlug.
Schöner Einstiegssatz, die Wortwiederholung kann leicht umgangen werden: "die Krallen in seine Beute" würde ich vorschlagen. Obwohl man natürlich auch überlegen konnte, ob der Wind noch ein Tickchen mehr Überlebensgröße dadurch bekommen würde, wenn man statt Krallen Klauen schreibt. Rein vom Pathos her, die Bedeutung ist ja im allgemeinen Sprachgebrauch eine synonyme. Wikipedia lehrt mich allerdings gerade, dass das biologisch her etwas anderes beschreibt Icon_ugly

Zitat:Vielleicht war er das auch: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, normalerweise in den irreführenden Mantel einer leichten Brise gehüllt.
Das "ein" muss klein geschrieben werden, da auf den Doppelpunkt kein vollständiger, eigenständiger Satz folgt. Ich finde den Satz mit zwei Partizipien etwas unelegant, zumal der zweite Teil gleich drei Beschreibungen in sich vereint. Zumindest das "leicht" kann man vielleicht weglassen, da eine Brise nicht gleich an starken Wind denken lässt. Hm, auch nicht so zufriedenstellend. Und wenn man es etwas ausführlicher formuliert probiert?
"Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, das sich normalerweise in den irreführenden Mantel einer (leichten) Brise hüllte." Oder, was ich eigentlich noch schöner fände (gerade weil man den zweiten Teil sonst auf das Blut beziehen müsste):
"Ein Monster, das nach dem Blut seiner Untertanen dürstete, für gewöhnlich in den Tarnmantel einer leichten Brise gehüllt." oder eben
"Ein Monster, für gewöhnlich in den Tarnmantel einer leichten Brise gehüllt, das nach dem Blut seiner Untertanen dürstete."
Aber das sind nur so Spielereien und Ideen meinerseits.

Zitat:Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau, ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters. Im Aufleuchten eines Blitzes war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, nun durchweicht vom plötzlich einsetzendem Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen.
Die Satzaufteilung dieses Teils würde ich ein bisschen überarbeiten. Die Beschreibung ihrer Kleidung - also der kurze Moment des Blitzes - nehmen viel Raum ein, dafür, dass sie in einem Halbsatz eingeführt wird und im nächsten gleich verschwimmt. Vorschlag:
"Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau. Ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters, nur um im Aufleuchten eines Blitzes die hastig angelegten Teile einer Lederrüstung zu erkennen zu geben. Grobe Leinenkleidung kam zerfetzt darunter zum Vorschein, dunkel und vollgesogen vom plötzlich einsetzenden Regen."
Obgleich hier viele Adjektive für die Kleidung verbraten werden, die man nur kurz sieht - vielleicht solltest du etwas aufpassen damit. Und: Ja, ich weiß, dass ich sogar noch eines angefügt habe, aber das kam für mich vom Sprachrhythmusgefühl her eher hin Icon_wink Es ist eben nur ein Beispiel.

Zitat:Sie zögerte, verharrte einen Moment hinter einem Strauch und hob den Kopf in das fallende Nass, als lausche sie auf die tobenden Elemente um sich herum. Doch der krachende Donner machte es unmöglich für sie, etwas zu hören.
Die Stelle irritiert mich etwas. Es regnet doch bis zum Boden, wie hebt sie da den Kopf erst in das Nass? Außerdem lauscht sie (scheinbar) auf die tobenden Elemente und hört das nicht wegen des krachenden, tobenden Elements? Das ist ein bisschen seltsam formuliert. Klarer wäre vielleicht eine Formulierung wie:
"Sie zögerte, verharrte einen Moment hinter einem Strauch und hob den Kopf gegen das fallende Nass, als lausche sie den tobenden Elemente um sich herum. Der krachende Donner beherrschte alle anderen Geräusche und machte es ihr unmöglich, etwas anderes zu hören."
Obwohl ich hier überlegen würde, anstelle des eher nichtssagenden "etwas anderes" konkreter werden zu wollen. "... unmöglich, fremde Schritte zu hören." vielleicht. Oder etwas wie "auch nur ihre eigenen Bewegungen/ihren eigenen Atem zu hören".

Zitat:Vorsichtig, größere Bewegungen vermeidend, lockerte sie den Dolch, den sie an ihrem Gürtel trug, in seiner Scheide und duckte sich.
Verschachtelte Konstruktion, die für die hastige Unwetter-Flucht-Atmosphäre eher hinderlich ist. Ich würde da ein bisschen sortieren (und vielleicht das Partizip rausnehmen, das liest sich meines Erachtens eher unschön):
"Mit vorsichtigen Bewegungen lockerte sie den Dolch in der Scheide, die sie am Gürtel trug, und duckte sich."
Wobei vielleicht eine Umformulierung zum zügigeren 'Rhythmus' beitragen könnte. Zum Beispiel:
"Mit vorsichtigen Bewegungen lockerte sie den Dolch in ihrer Gürtelscheide und duckte sich (tiefer in den Windschatten des Unterholz')."
Zusatz ist nur da, weil ich einen Rückgriff auf den Strauch anregen will Icon_smile

Zitat:Wo sind sie?, dachte Tjerra und strich sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht.
Ich mag pingelig sein, aber die Haarsträhnengeste ist mir zu generisch, jedenfalls so, wie sie da steht. Das klingt für mich nach dieser flüchtigen Bewegung, mit der man im Unterricht den Blick wieder aus dem Fenster richtet, um dem Lehrer nur noch halb zuzuhören. Besser fände ich etwas wie:
"... und kratzte sich mit den Fingernägeln eine klatschnasse Haarsträhne vom Gesicht."
Das ist nun nicht das beste Beispiel, vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber du weißt sicher, was ich meine -- etwas mit ein bisschen mehr, na ja, Charakter. Situationsbedingt angepasst.

Zitat:Sie können nicht weit sein. Selbst dieses Wetter bringt sie nicht davon ab, mir zu folgen.
Aha, also wirklich Verfolger, offenbar ziemlich hartnäckig. Woher weiß Tjerra eigentlich, dass das Wetter die nicht abgeschüttelt hat? Erfahrung? Sind das Übermenschen, denen diese Beeinträchtigung nichts anhaben kann? Das macht auf jeden Fall neugierig. Nur ein kleiner Vorschlag: Wenn Tjerra selbst nicht froh über dieses Wetter ist - weil es ihre Flucht nicht begünstigt, wie vielleicht erhofft, sondern sogar erschwert? -, wären ihre Gedanken der Ort, wo man das niederschlagen kann. "Selbst dieses Unwetter" vielleicht, oder "selbst dieser verdammte Sturm" oder irgendetwas. Aber es ja meine Interpretation, man weiß ja gar nicht, wie Tjerra zu dem Wetter steht.

Zitat:Der Riemen, der ihren Köcher auf ihrem Rücken hielt, hatte sich gelockert und nun nahm sie ihn ganz ab. Die meisten Pfeile waren von den Steinen, die anfangs auf sie geworfen wurden, zersplittert und ihren Bogen hatte sie vor ihrer Flucht durch die Wälder zurücklassen müssen.
Ich denke, das ist Geschmackssache, aber ich finde, du könntest da ein bisschen an der Dynamik feilen. Wir haben immerhin noch keine sichtbaren Gegner, da kann man ein bisschen gezielte 'Dramatik' bei der Verfolgten einbauen. Es sind natürlich nur Vorschläge, Ideen, alles spontan. Zum Beispiel der erste Satz, der mit dem Relativsatz vielleicht nicht ganz so zügig ist:
"Der Trageriemen ihres Köchers hing nur noch locker über ihre Schulter und sie nahm ihn ganz ab." Möglich wären auch Erwähnungen der direkten Auswirkungen, vielleicht etwas mit "Der Schulterriemen hatte sich gelockert und ließ den Köcher (fast) haltlos über ihren Rücken rutschen." oder so etwas. "anfangs" ist natürlich unbestimmt, ich würde es aber den Satz generell direkt anbinden. Vielleicht so etwas wie "Zumal waren die meisten Pfeile sowieso durch Steinbeschuss zersplittert und unbrauchbar, den Bogen hatte sie bereits vor ihrer Flucht zurücklassen müssen."

Zitat:Wozu also trug sie immer noch den Köcher, der sie höchstens behinderte? Sanft, als würde sie ein Kind zur Ruhe betten, legte sie den einstmals wichtigsten Teil ihrer Bewaffnung auf einen Stein und bedeckte ihn mit Zweigen.
Auch das hier kann man in direkten Bezug zum Vorherigen setzen, zudem halte ich die rhetorische Frage für so rhetorisch, dass sie eher unnötig ist. Wenn du den Widerwillen-Effekt von wegen eigentliche Bewaffnung noch stärker betonen willst, kannst du das ja im Zusammenhang mit der Bettung ausdrücken. "Widerstrebend und doch sanft, als würde sie ein Kind zur Ruhe betten, ..." oder etwas Derartiges. Ich gebe zu, ich hätte vermutlich eher die Assoziation, einen Toten niederzulegen und ihm die Augen zu schließen Icon_ugly

Zitat:Wahrscheinlich würden sie ihn finden, aber bis dahin wollte sie schon weit weg sein.
Der erste Teil steht etwas im luftleeren Raum. Ist sie darüber erbost/traurig, fühlt sie sich, als ob sie ein schutzloses Kind den Monstern überlassen würde? Oder ist es eher der Punkt, dass sie ihn trotzdem finden werden (wobei ich mich da frage, wozu sie ihn dann nicht besser zu verstecken versucht oder eben einfach gar nicht), oder eher der Aspekt, dass sie Tjerra so dicht auf den Fersen sind, dass sie zu genau dem Zeitpunkt weit, weit weg sein will? Ich finde, das sollte schon deutlicher werden.

Zitat:Der Himmel wurde erneut von einem Blitz erleuchtet, doch ein schwarzer, windgeschüttelter Umriss zeichnete sich auf der weißen Fläche ab.
Also ich würde ja vermuten, dass sich aus ihrer - noch dazu geduckten - Perspektive viele Dinge gen Himmel abzeichnen, immerhin sitzt sie in einem Wald. Da werden sich vielleicht mächtige Baumkronen sturmgewiegt aufrichten, lebendig wirkende Kulisse durch den Kontrast untrennbar miteinander verschmelzen und drohende Formen bilden, die über ihrem Kopf aufragen. Da würde ich schon etwas genauer werden. Ich denke, da es am Himmel ist, wird ein Tjerra bekanntes fliegendes Getier gemeint sein, wie es im nächsten Satz anklingt? Vorschlag:
"Erneut wurde der Himmel von einem Blitz erleuchtet, doch diesmal zeichnete sich ein nur zu bekannter, windgeschüttelter Umriss (dunkel/schwarz) vor der weißen Fläche ab."
Großes Lob übrigens für das Wort "windgeschüttelt" Pro

Zitat:Tjerra kniff die Augen zusammen, schüttelte dann aber den Kopf und sprang auf.
Hm, Aufspringen würde ich als Reaktion auf etwas als real Erkanntes deuten, den Kopf zu schütteln eher verneinend - also erscheint mir die Reihenfolge etwas unsinnig. Zumal die Frau ja verfolgt wird, ihr irgendwelche Gegner dicht auf den Fersen sind und sie extra ruhig hinter diesem Strauch verharrt hat, und nun springt sie in einem wortwörtlichen Sturm voller peitschender Bewegungen in einem dunklen, wohl lebendigen Wald bei einem Umriss gleich auf und ignoriert die Gefahr?

Zitat:Es konnte nicht sein.
Wenn sie darüber so aufgeregt reagiert, böte sich vielleicht ein Ausrufezeichen an?

Zitat:Ihre Bestimmung war klar gewesen, als sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, als junges Mädchen beim Beerensammeln im Wald. Doch nur wenige Jahre später hatte sie es – ihn – verloren, und mit ihm ihr gesamtes Leben.
Mehrere Sachen zu dieser Stelle. Erstens klingt die Lösung mit den zweiartigen "als" unschön. Der erste Teil - bis "berührt hatte" - ist gelungen, doch dann wird es in meinen Augen etwas kritisch. Das zweite "als" kann man ja etwas umformulieren, das ist kein Problem, aber das Beerensammeln passt für mich so gar nicht in diese Kulisse. Zumal es eine Überleitung bildet, zu einer ganz anderen Stimmung, aber dazu gleich mehr. Den Teil mit dem "Verlieren" ist hier, glaube ich, der Knackpunkt, dementsprechend solltest du ihn auch herausheben. Details wie Beeren, so lecker die auch sein mögen, sind meiner Meinung nach eher irrelevant bis hinderlich. Vorschlag:
"Ihre Bestimmung war klar gewesen, seit sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, obgleich noch als junges Mädchen. Und doch nur wenige Jahre später hatte sie es - ihn verloren, mit ihm ihr gesamtes Leben - wie konnte er ihr jetzt erscheinen?"
Der Bezug durch "Doch nur wenige Jahre ..." ist dem Leser unklar, denn ob die Bestimmung ein ewigliches Zusammenleben ist, kann der Leser nicht wissen - so klingt es hier aber. Ich finde, der Gedankengang gehört vor beziehungsweise eng zu dem Gedanken, dass das nicht wahr sein kann. Darum mein behelfsmäßiger Zusatz am Ende, der den ja eher generisch wirkenden Satz vorher ersetzen könnte und meinem Geschmack nach klarer wirkt und trotzdem nichts verrät, was der Leser sich nicht aus der Situation schließen könnte. Ich finde, die Stelle ist bei dir einfach etwas unstrukturiert, wobei sie doch als extrem wichtiger Punkt erscheint, der dem Leser beim ersten Lesen schon leicht verständlich sein sollte. Aber das ist vermutlich Geschmackssache, also nimm es nur als meine Meinung dazu.

Der folgende Teil ist an sich gut - ich geb auch gleich nähere Kritik am Text -, aber ehrlich gesagt empfinde ich das etwas blockartig, weil Tjerra vor meinem inneren Auge immer noch hinter diesem Busch sitzt, von dem sie vor ein paar Zeilen noch unglaublich schnell wegwollte. Ein bisschen dieser Flashback-friert-Charaktere-ein-Effekt.

Zitat:Hatten die Alten nicht von jungen Männern und Frauen erzählt, die eines Tages in den Wald gingen und nie mehr als die zurückkehrten, die sie waren? Hatten sie nicht die Kinder gewarnt, unbekannte Dinge zu berühren und noch lebende Tiere anzufassen?[7quote]
Die Teilung "junge Erwachsene" und "Kinder" hat irgendwie was. Ich kann das gar nicht richtig benennen, ich finde das einfach schön mit den beiden Sätzen. Obwohl ich ein bisschen kichern musste - "Fasst die lebenden Tiere nicht an, die können böse Sachen übertragen! ... ach, ja, Gottchen, das tote Eichhörnchen da kannst du antatschen, kein Problem. Aber die noch Lebenden ...!" Icon_ugly Nicht ganz so schön dramatisch, aber eine mögliche Alternative wäre vielleicht "und Tiere nicht zu füttern noch zu fangen." Aber lass es ruhig, wie es ist Icon_smile

[quote]Diese Bäume sind nicht einfach nur Bäume, diese Steine nicht nur Steine. Die Tiere sind nicht einfach Tiere, sie werden erst zu solchen, wenn wir sie getötet haben. Dieser Wald verbirgt sein grausames Geheimnis, etwas darin verändert uns. Er ist unser Feind. Vielleicht hätten Menschen niemals in diese Gegend kommen dürfen. In diesem Moment konnte Tjerra über dem Brausen des Windes die knarzende Stimme von Felor, dem Dorfältesten, hören, wie er die lauschenden Kinder vor den Gefahren ihrer Umgebung warnte. [7quote]
Der Teil ist mir ein bisschen zu lang und ausführlich dafür, dass das kein richtiges Flashback ist, sondern mitten in der Fluchtszene. Ein Vorschlag zum Raffen:
"Erst getötet wird das Wild zu einfachen Tieren! Dieser Wald ist unser Feind mit einem grausamen Geheimnis, etwas darin verändert uns. Vielleicht hätten niemals Menschen in diese Gegend kommen dürfen. In diesem Moment der Erinnerung konnte Tjerra über das Brausen des Windes hinweg die knarzende Stimme des Dorfältesten hören, wie er die Kinder eindringlich warnte."

[quote]In der Tat starben verhältnismäßig viele Dorfbewohner im Wald, doch Tjerra hatte sich immer geborgen gefühlt, auf eine Art verbunden mit dem Leben um sie herum. Ihre Sehnsucht nach dieser Wildnis hatte dazu beigetragen, sie in die Ausbildung der Jäger zu geben, denn an jungen Leuten, die freiwillig nach Wild suchten, mangelte es oft. Bis zu jenem Tag, als sie etwa vierzehn Jahre alt wurde.
"sich in die Ausbildung der Jäger ..."
Ich würde die Jäger nicht auf junge Leute beschränken - es gibt ja nicht nur Jugendliche und Greise in so einem Dorf Icon_wink Und das muss ja eine ziemlich dünn besiedelte Gegend sein, wenn ein Azubi die Jägerquote so deckt - klingt mit dem Kausalzusammenhang des letzten Satzes einfach etwas seltsam formuliert.
Insgesamt sehe ich einige der Infos hier fehlplatziert, weil du die Vorgeschichte zwar kurz abreißt, aber immernoch einen halben Lebenslauf unterzubringen versuchst, dessen Sinn der Leser noch gar nicht in den Zusammenhang setzen kann. Wald -> böse, das habe ich schon verstanden, auch Tier -> Verbundenheit und Tjerra -> special/hat Verbotenes berührt. Dass sie da zwischendurch Jäger geworden ist und sich auf besondere Weise mit dem plotbösen Wald, vor dem Ältere und Weisere sich fürchten, verbunden fühlt, bringt mir hier erst einmal nichts. Außer - entschuldige, meine Ausdrucksweise - laut "Specialig!" zu rufen. Das ist mir zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits klar, da das ja der Eingang zu diesem längeren Gedankengang "Haben sie mich nicht gewarnt? Ja. Mist." ist. Essenz der Stelle, die ich als wirklich relevant ansehe, wäre: Tjerra hatte keine Angst und sogar extra was im Wald gemacht. Offensichtlich nachdem sie bereits Beeren sammelnd das Gebiet der Unaussprechlichen betreten ein Tier im Wald berührt hat. Und da ist nun der Punkt, wo ich eben an deiner Stelle auf die Essenz runterkürzen würde. Am besten im Zusammenhang mit der jetzigen Situation - sie ist ja jetzt wieder im Wald, scheint aber nicht besonders glücklich, die Situation hat das Potential, ihr Angst einzuflößen. Der interessante Punkt für ich wäre jetzt: Hat sie, und verflucht sich, dass sie nicht zumindest ein bisschen auf den weisen Mann gehört hat? Oder gerade auf seltsame Weise nicht, weil sie sich immer noch mit dem Forst verbunden fühlt und darin Schutz sucht, obwohl etwas mit dem Mysteriösum zu tun Habendes hinter ihr her ist?
Ich bin im Übrigen sehr gespannt darauf, wer denn nun hinter ihr her ist - etwas Waldiges, wilde Tiere? Oder etwas Dunkleres, das den Wald erst so gefährlich gemacht hat? Dahinter steckt also schon Spannung, und das ganz ohne dass man einen Verfolger 'sieht' Pro

Zitat:Die vorbeigleitenden Stämme schienen immer lebendiger zu werden, je weiter sie kam, doch sie störte sich nicht daran.
Der letzte Satzteil klingt so ein bisschen, als würde sie da friedlich durch den Wald joggen. "sich an etwas stören" ist für mich eher etwas Alltägliches. Im Bus hat einer seinen mp3-Player viel zu laut und alle müssen Skrillex mithören, aber ich störe mich nicht daran, denn ich bin so in Gedanken, dass es ich es ausblenden kann. Hier würde ich mich fragen: Hat sie einfach keinen Grusel davor? Dann würde ich etwas schreiben wie: "... doch das jagte ihr keine Angst ein." Oder ist das nicht halb so krass wie alles, was ihr nun auf den Fersen ist, dann würde ich etwas schreiben wie "... doch sie ignorierte es/bemerkte es kaum auf ihrer Flucht vor ihnen."
Sie muss übrigens ziemlich geübt sein - oder der Wald ziemlich licht - wenn sie da im Dunkeln in einem Affenzahn durch das Unterholz jagt und sich nirgendwo verhakt oder stolpert oder gar auf die Nase fliegt. Kein Wunder, dass ihre Kleidung zerfetzt ist - man könnte sich natürlich überlegen, ob man sowas als Detail in einem kleinen Satz einbaut - "Das Unterholz schien sie festhalten zu wollen und sie drückte sich im Laufen von Baumstämmen ab, um noch schneller zwischen ihnen hindurchzustürzen" oder so etwas in der Art -, aber das ist nun Geschmackssache Icon_smile

Zitat:Wieder übertönte das Rauschen des Regens alle weiteren Geräusche, das Brechen der Äste unter ihren Füßen, die Rufe von ihnen. Riefen sie denn überhaupt?
"Wieder" ist eher deplatziert, denn vorher war es Donner, nicht Regen. Ich würde übrigens statt des Kommas zwischen "Geräusche" und deren Aufzählung ein "wie" setzen. Klingt meines Erachtens etwas flüssiger. Der letzte Teil hat in meinen Augen etwas ungewollt Komisches, aber das ist nur meine Meinung.

Zitat:Am Anfang taten sie es, noch im Dorf, als sie die Hütten hinter sich ließ und das aberwitzige Rennen im Gewitter riskierte. Hatte sie gehofft, dass sie so entkommen könnte?
"hatten sie es getan" - und der Wechsel zwischen "sie" (Plural) und "sie" (Singular) ist hier etwas ungeschickt, finde ich. Vielleicht klarer wäre etwas wie "Am Anfang hatten sie es getan, als sie sie zwangen, die Hütten hinter sich zu lassen und dieses aberwitzige Rennen durch das Gewitter zu riskieren." oder etwas Derartiges. Persönlich fände ich es allerdings schöner, das mit dem vorherigen zusammenzulegen. Nur so eine Idee:
"...alle weiteren Geräusche wie das Brechen der Äste unter ihren Füßen und ihre Rufe, die sie trotz allem noch immer zu hören glaubte: Dieselben Schmähungen/Drohungen/whatever, die Tjerra aus dem Dorf und zu dieser aberwitzigen Flucht durch das Gewitter getrieben hatten. Hatte sie wirklich geglaubt, entkommen zu können?"

Zitat:Eine heftige Windböe schlug ihr wie eine Faust ins Gesicht und sie blieb keuchend stehen.
Hier klingt es, als würde sie (1) von nun auf jetzt stehen bleiben und (2) aufgrund der Windböe. Wie es aber im folgenden Satz klingt, ist das, weil da kein Boden mehr vor ihren Füßen ist, das würde ich auch so deutlich machen.

Zitat:Die Kiefern um sie herum waren zurückgewichen und machten einer im Regen glänzenden Schlucht Platz.
Ich finde, die Schlucht hat noch mehr Potential. Ich frage mich zwar, wie die glänzen kann, höchstens ja der Grund (vielleicht liegen da ja ein paar hübsch harte Steine) oder der Rand, aber so oder so wäre hier ein Moment, wo man etwas mehr Dramatik entfalten kann. Tjerra hat Tempo drauf, immerhin flieht sie ja, und scheint nicht ständig zu stolpern, also denke ich nicht, dass sie da durch die Gegend schneckt. Zudem hält sie erst an und entdeckt dann die Schlucht, das vermittelt den Eindruck, dass die sehr plötzlich auftaucht - man nehme eine Sprinterin im Volldampf und einen plötzlich erscheinenden Abgrund und du weißt, worauf ich hinauswill Icon_wink Es gibt da, meine ich, auch eine entsprechende Szene in Stephen Kings "The Girl Who Loved Tom Gordon", an die ich da spontan denken muss.

Zitat:Tjerra wusste, wo sie war – weder so weit vom Dorf entfernt, wie sie gehofft hatte, noch in einer Lage, weiterhin zu fliehen.
Warum kann sie denn nicht die Richtung ändern? Ich sehe nicht den Zusammenhang zwischen Am-Rand-entlang-rennen und Nicht-fliehen-können, immerhin kann sie es versuchen, oder?

Zitat:Da tauchte er wieder auf, der schwarze Schatten in den Wolken über ihr, als würde er ihr folgen.
Wenn sie ihn nicht die ganze Zeit über hin und wieder gesehen hat, müsste es heißen "als wäre er ihr gefolgt". Den folgenden kursiven Part würde ich übrigens mit einem Zeilenumbruch absetzen, obwohl das mit dem Kursiven eh so eine Sache ist - einmal hast du es als Gedanken, einmal als Erinnerungsrede von Felor. Man weiß, was gemeint ist, aber du benutzt eben für beides dasselbe, was bei einem längeren Zeit dann schon zu Verwirrung führen könnte.

Zitat:Und am meisten müsst ihr euch vor den Falken hüten. Sie trachten nach euren Leben, solltet ihr sie je berühren, dann seid ihr verloren. Meidet sie, denn der Tod kann ihnen nichts anhaben. Und verhindert, dass sich einer unter euch befindet, der mit einem Falken Kontakt hatte. Er würde euer Dorf zerstören, da er einer von ihnen ist.
*schauder* Das klingt irgendwie so Malleus Maleficarum-mäßig. Irgendetwas muss da schon gruselig sein, dass die da so hinterher sind, die Viecher nicht nahekommen zu lassen.

Zitat:Schaudernd erinnerte sich Tjerra an die Blicke der anderen Kinder, die nach diesen Sätzen auf ihr ruhten. Es war nie ein Geheimnis gewesen, dass sie nicht nur vom Wald, sondern auch den Falken fasziniert gewesen war. Doch nicht einmal die Warnungen der Ältesten vermochten zu verhindern, dass sie ihrer Faszination nachging – als ihr das Falkenjunge vor die Füße fiel, hatte sie ihm geholfen.
Das finde ich wieder zu lang, zu ausführlich dafür, dass sie gerade an den Rand einer Schlucht gedrängt darauf wartet, von ihren Verfolgern eingeholt zu werden. Wenn du das unbedingt drinhaben willst, würde ich etwas vorschlagen wie:
"... da er einer von ihnen ist.
Die Blicke der anderen Kinder, die sie daraufhin anstarrten - die Warnungen der Ältesten - das aus dem Nest gefallene Falkenjunge - der Schmerz der Berührung, die Bilder -- all das hatte sie nie vergessen. Selbst jetzt tauchten die seltsamen Visionen angesichts der vertrauten Silhouette wieder vor ihrem inneren Auge auf."
Den kursiven Absatz - noch eine andere Funktion des Kursiven übrigens - würde ich wieder als eigenen Absatz absetzen.

Zitat:Fremdartige, riesige Gebäude aus Stein und seltsame Gebilde auf Rädern, Menschen in enger, unbequem wirkender Kleidung, eine Frau mit auffallend grünen Augen und ein Mädchen, das ein beinahe flügges Falkenjunges aus einem Feuer trägt.
Tja, jetzt wird's richtig spannend! Das klingt doch halbwegs bekannt ... Tjerra hat Visionen von der Moderne? Hui, die Falken machen also unserem Welti Konkurrenz? Icon_shocked Was mir zu den Details jedoch spontan einfällt: Die Beschreibung von Tjerra lässt vermuten, dass sie eher so einer mittelalterlichen Welt entstammt. Denen dürfte an moderner Kleidung vermutlich vor allem die Farbenvielfalt und die Schnitte auffallen, die es im Mittelalter technisch einfach noch nicht gab, außerdem die Stoffärme. "eng" ist da ein bisschen allgemein, aber das ist ja Geschmackssache, denke ich. Bei "unbequem" musste ich übrigens schmunzel - sie selbst steckt in einer Lederrüstung, just saying Icon_wink

Zitat:Ohne wirkliche Kontrolle über ihren Körper zu haben, machte Tjerra die letzten Schritte zum Schluchtrand , der Dolch, den sie unbewusst gezogen hatte, als die Bilder erschienen, glitt ihr aus der Hand.
Huch, da kommt einfach der Dolch her? Den würde ich schon verbauen - vielleicht zumindest, dass sie einen Grund verspürt, ihn zu ziehen, aufgrund von Angst vielleicht, oder schon vorher, weil die Verfolger sie einholen werden, da sie nicht weiterkann. Und es hat sich ein Leerzeichen eingeschlichen Icon_wink

Zitat:Als er mit einem leisen Klirren, das sie aufgrund des plötzlich verstummten Windes wahrnehmen konnte, über die Steine schrammte, spürte die junge Frau einen heftigen Schlag in ihren Rücken.
Die Erklärung mit dem Wind finde ich etwas nonchalant eingeschoben, wüsste jetzt aber spontan nicht, wie man das wirklich schön einpassen könnte. Hm, vielleicht eine Konstruktion vorher, dass in dem offeneren Gelände der Wind über den Rand der Schlucht zieht und dabei nachlässt? Zwischen "spürte" und "die junge Frau" hast du übrigens ein Leerzeichen zuviel.
Und das, liebe Leute, passiert, wenn ihr Charas nicht abgewöhnt, bei Flashbacks mit offenen Augen zu schlafen: Sie werden hinterrücks erschossen. *tststs* *arme tjerra tätschel*

Zitat:Tjerra fiel stumm und mit ausgebreiteten Armen über den Rand, in ihrem Gesicht lag ein friedliches Lächeln. Aus ihrem Rücken ragte ein einzelner Pfeil.
Sie breitet extra noch die Arme aus? Also, ich bin ja für dramatische Abgänge immer zu haben, aber das erscheint mir doch ein bisschen dick aufgetragen dafür, dass ihr eben noch aus der schlaffen Hand der Dolch entglitten ist. Vielleicht alternativ etwas wie "stumm und ohne sich gegen den Schmerz oder die Wucht des Treffers zu wehren"?

Arme Tjerra, da hat man mal einen Charakter lieb gewonnen und dann wieder der einfach von irgendeinem undefinierten sie über die Klippe geschubst, auf hinterhältige Art und Weise und ohne dass der Leser eine Chance hat, sie zu sehen und seinen eigenen Dolch zu zücken, um die arme Kleine zu retten oder zu rächen *mecker* ... ja, ich hab beim Lesen immer einen Dolch dabei, ihr nicht?

Hmpf. Na, gucken wir mal, wie es weitergeht - mit dem Falken vielleicht? Dem Schatten? *fingernägelknabber*

Zitat:Das Knacken der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton, wie ein Ungeheuer, das seine Krallen in seine Beute schlug. Vielleicht war er das auch: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen, normalerweise in den irreführenden Mantel einer leichten Brise gehüllt.
Schönes Stilmittel! Pro

Zitat:Im kalten Licht eines Krankenhauses, das die Schatten genauso wie den Regen hinter den vermeintlichen Schutz der Fenster verbannte, saß eine Frau mit ungewöhnlich grünen Augen neben dem Bett einer anderen Frau, die fast noch ein Mädchen war. In ihrem Blick lag eine Weisheit, die nicht zu ihrem Alter passen wollte, und der Trost, den nur eine Mutter ihrem Kind spenden konnte.
Vielleicht denke ich zu doof, aber mir ist das etwas zu kompliziert konstruiert, die Bezüge sind auch mehrdeutig. Vorschlag, der auf dem beruht, was ich annehmen muss - wenn es falsch ist, hau mich einfach:
Im kalten Licht eines Krankenhauses, das Schatten wie Regen hinter vermeintlich schützende Fensterscheiben verbannte, saß eine Frau mit grünen Augen am Bett einer Patientin. Mit einer Weisheit im Blick, die kaum zu ihrem Alter passen wollte, betrachtete sie ihre Tochter, die noch kaum über das Mädchenalter hinausgewachsen war, und hielt deren Hand. Trost lag in dieser einfachen Geste, wie ihn nur eine Mutter spenden konnte.
"Es war tot", flüsterte die Tochter, ihre Gestalt versank beinahe zwischen den Krankenhauskissen. "Noch nicht einmal geboren - und tot."

Die Bezeichnung bei der wörtlichen Rede habe ich nur behelfsmäßig geändert (wie alles, es ist ja nur ein Vorschlag, aber ich sag es mal so), weil die Bezüge sehr verwirrend sind. Du hast eben zweimal Frau und "jüngere" und "ältere" sind wie "die Blauäugige", "die Blonde", "die Größere" und "die mit dem Pickel auf der rechten Wange" nun einmal eher ungeschickt Icon_wink

Zitat:„Ich weiß“, murmelte ihre Mutter sanft und sah auf, erhaschte einen Blick auf einen schwarzen Schatten vor einem weißen Hintergrund. „Und du wusstest es. Wir können dem nicht entkommen, was wir sind.“
"schwarz" und "weiß" so direkt finde ich weniger elegant, das "schwarz" kann man eigentlich weglassen - Schatten sind ja eher selten helltürkis mit gelben Streifen - und aus dem Hintergrund würde ich etwas Konkreteres machen. Eine Wand, einen Gang, irgendetwas. Nur dass man ein bisschen Kulisse hat.
Das klingt aber echt übel, das. Unfruchtbarkeit aufgrund von - ja, was? Sind sie verflucht oder gar andere Wesen? Das macht mich auf jeden Fall sehr neugierig, wie es weitergeht.

Zitat:„Ja. Du weißt, dass ich es nie glauben wollte. Aber nach all den Jahren hat sich die Prophezeiung doch erfüllt. Einer musste es werden – der Wind hält seine Versprechen.“
Wow, jetzt wird es aber richtig spannend. Die hatte eine Totgeburt, weil eine Prophezeiung wahr wird, die der Wind gemacht hat? Das klingt vielversprechend - und man kommt irgendwie nicht von dem Gedanken los, dass Tjerra etwas damit zu tun hat *sherlock homes-pfeife*

Zitat:Irgendwo in der Dunkelheit über einer Schlucht erhob sich ein Falkenweibchen, schlug mit den noch unbeholfenen Flügeln
"schlug noch unbeholfen mit den Flügeln"? Und vielleicht eher "aus der Dunkelheit einer Schlucht erhob sich ..."?

Zitat:wurde vom Wind hin und her geschleudert und verschmolz dann mit den grauen Wolken
"dann" kann man hier mit "schließlich" ersetzen - ich persönlich finde, dass es schöner klingt.

Zitat:Unter ihm verschwanden die Umrisse einer Welt längst vergangener Zeiten.
Hui, ich sehe Timeline-Probleme auf uns alle zukommen! Stravaganza, anyone? *hibbel*

Also, insgesamt hinterlässt du eine starke Neugierde, weil du einen sehr vielversprechenden, starken Schluss hast. Zwischendrin - also im Tjerra-Part - verfällst du mir ein bisschen zu sehr in eine Starre mit Infos, während Tjerra nur herumsitzt. Dabei würde ich mir einfach einen Schuss Dynamik wünschen, der das Flucht-Thema da aufrecht erhält. Aber dazu hast du ja schon meine Meinungen und Anmerkungen. Eigentlich finde ich deinen Stil recht flüssig, obwohl ab und zu ein Relativsatz unbeholfen im Weg sitzt, aber das sind Kleinigkeiten, die mir vermutlich nur deshalb so stark aufgefallen sind, weil du hier auf die Schnelligkeit und Hetze von Tjerra setzt. Wenn es also gerademal nicht um einen Sprint-Marathon geht, würde das vermutlich also gar nicht negativ auffallen Icon_smile
Ich hab viele Geschmackssachen aufgezählt - wie immer: Was du nicht brauchst oder haben willst, wirf einfach gen Mülltonne -, aber insgesamt hab ich den Text gerne gelesen und bin gespannt, was du daraus noch machst!

Lieben Gruß,
Trin

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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Beitrag #6 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Hej, Trin!

Endlich finde ich mal wieder die Nerven dafür, eine Antwort zu schreiben. Vielleicht läuft das Kommentieren auch weiter - zur Zeit hocke ich nur rum, lerne wie wild Polnisch und starre auf den Computer, mehr schaffe ich nicht. Außer gerade eben, da will ich dir mal auf den ausfürhlichen Kommentar antworten Icon_smile

Erst einmal: Danke! Viele Hinweise wandern direkt auf die Liste, auf der ich die Verbesserungsvorschläge anwendungsbereit abspeichere, auch wenn ich jetzt eine Überarbeitung noch nicht in wirklich greifbarer Ferne sehe. Spätestens in sieben Wochen, dann bin ich wieder in Deutschland und poliere meine Sprache auf Mrgreen

Zitat:Ich mag ja solche Zeitangaben, sie wecken Interesse und geben einen ersten Eindruck.
*grins* Es ist zum ersten Mal, dass ich so was überhaupt mache, aber da ich später einige Zeitsprünge drin habe, wurden die Angaben notwendig. Schön, dass es positiv aufgenommen wird :D

Zitat:Schöner Einstiegssatz, die Wortwiederholung kann leicht umgangen werden: "die Krallen in seine Beute" würde ich vorschlagen. Obwohl man natürlich auch überlegen konnte, ob der Wind noch ein Tickchen mehr Überlebensgröße dadurch bekommen würde, wenn man statt Krallen Klauen schreibt. Rein vom Pathos her, die Bedeutung ist ja im allgemeinen Sprachgebrauch eine synonyme. Wikipedia lehrt mich allerdings gerade, dass das biologisch her etwas anderes beschreibt
@Wiederholung: *notiert*
@Krallen/Klauen/etc.: Die Krallen sind schon richtig, da werde ich auch nichts ändern - ich wollte den Falkenbezug auch beim Wind aufrecht erhalten und Falken haben nun einmal nur Krallen Icon_ugly

Zitat:Das "ein" muss klein geschrieben werden, da auf den Doppelpunkt kein vollständiger, eigenständiger Satz folgt.
Yey! Das meine ich: Ich kann kein Deutsch mehr. Na gut, sicher war ich mir in solchen Dingen nie wirklich *g* Wird also mit notiert *stift anspitz*

Zitat:"Ein Monster, das nach dem Blut seiner Untertanen dürstete, für gewöhnlich in den Tarnmantel einer leichten Brise gehüllt."
Ach, das klingt doch mal ganz gut Icon_smile Mal sehen. Ich und meine umständlichen Sätze, ich weiß ...

Zitat:"Durch das Unterholz glitt die Gestalt einer jungen Frau. Ihre Umrisse verschwammen in der Finsternis des Sommergewitters, nur um im Aufleuchten eines Blitzes die hastig angelegten Teile einer Lederrüstung zu erkennen zu geben. Grobe Leinenkleidung kam zerfetzt darunter zum Vorschein, dunkel und vollgesogen vom plötzlich einsetzenden Regen."
Obgleich hier viele Adjektive für die Kleidung verbraten werden, die man nur kurz sieht - vielleicht solltest du etwas aufpassen damit.
*notiert* Mit der Kleidung habe ich im MoPro ein paar Wörter hinzugefügt *g* Ich werde mal sehen. An sich erwähne ich es wirklich später nicht mehr, also - der virtuelle Rotstift freut sich schon im Voraus.

Zitat:Die Stelle irritiert mich etwas. Es regnet doch bis zum Boden, wie hebt sie da den Kopf erst in das Nass? Außerdem lauscht sie (scheinbar) auf die tobenden Elemente und hört das nicht wegen des krachenden, tobenden Elements? Das ist ein bisschen seltsam formuliert. Klarer wäre vielleicht eine Formulierung wie:
"Sie zögerte, verharrte einen Moment hinter einem Strauch und hob den Kopf gegen das fallende Nass, als lausche sie den tobenden Elemente um sich herum. Der krachende Donner beherrschte alle anderen Geräusche und machte es ihr unmöglich, etwas anderes zu hören."
Obwohl ich hier überlegen würde, anstelle des eher nichtssagenden "etwas anderes" konkreter werden zu wollen. "... unmöglich, fremde Schritte zu hören." vielleicht. Oder etwas wie "auch nur ihre eigenen Bewegungen/ihren eigenen Atem zu hören".
Eigentlich sollte sie ja nur den Kopf heben. Aber stimmt, es regnet ja auch unten *g* Ich stelle mir gerade so eine trockene Zone vor, auch praktisch, dann wird man nicht so nass.
Sie hört das Gewitter vor lauter Gewitter nicht. So in etwa. Dein Vorschlag gefällt mir recht gut, da muss ich wohl wirklich nicht aufpassen, dass ich da alles einfach so übernehme. Vielleicht fällt mir ja dann noch mal was ein.

Zitat:Verschachtelte Konstruktion, die für die hastige Unwetter-Flucht-Atmosphäre eher hinderlich ist. Ich würde da ein bisschen sortieren (und vielleicht das Partizip rausnehmen, das liest sich meines Erachtens eher unschön):
"Mit vorsichtigen Bewegungen lockerte sie den Dolch in der Scheide, die sie am Gürtel trug, und duckte sich."
Wobei vielleicht eine Umformulierung zum zügigeren 'Rhythmus' beitragen könnte. Zum Beispiel:
"Mit vorsichtigen Bewegungen lockerte sie den Dolch in ihrer Gürtelscheide und duckte sich (tiefer in den Windschatten des Unterholz')."
Zusatz ist nur da, weil ich einen Rückgriff auf den Strauch anregen will
Stimmt, der Strauch ist auch noch da. *überleg* *den Satz mit Tjerras Dolch abstechen geh* So. Der wird fett unterstrichen und bekommt gesonderte Aufmerksamkeit.

Zitat:Ich mag pingelig sein, aber die Haarsträhnengeste ist mir zu generisch, jedenfalls so, wie sie da steht. Das klingt für mich nach dieser flüchtigen Bewegung, mit der man im Unterricht den Blick wieder aus dem Fenster richtet, um dem Lehrer nur noch halb zuzuhören.
Dieses von dir vorgeschlagene Rückverweisen auf die Nässe um sie herum klingt gut, denn bei Haarsträhnen-aus-dem-Gesicht-streichen denke ich auch immer an trockene Haare, die auf der Nase kitzeln. Da sollte ich vielleicht mal das Wetter in Betracht ziehen ...

Zitat:Aha, also wirklich Verfolger, offenbar ziemlich hartnäckig. Woher weiß Tjerra eigentlich, dass das Wetter die nicht abgeschüttelt hat? Erfahrung? Sind das Übermenschen, denen diese Beeinträchtigung nichts anhaben kann? Das macht auf jeden Fall neugierig. Nur ein kleiner Vorschlag: Wenn Tjerra selbst nicht froh über dieses Wetter ist - weil es ihre Flucht nicht begünstigt, wie vielleicht erhofft, sondern sogar erschwert? -, wären ihre Gedanken der Ort, wo man das niederschlagen kann. "Selbst dieses Unwetter" vielleicht, oder "selbst dieser verdammte Sturm" oder irgendetwas. Aber es ja meine Interpretation, man weiß ja gar nicht, wie Tjerra zu dem Wetter steht.
Nächste Notiz. Jaja, die Verfolger. Übermenschen nicht, aber durchaus hartnäckig, da es ja um ihr eigenes Leben geht (wie sie glauben. Aber das ist eine andere Sache).

Zitat:Ich denke, das ist Geschmackssache, aber ich finde, du könntest da ein bisschen an der Dynamik feilen. Wir haben immerhin noch keine sichtbaren Gegner, da kann man ein bisschen gezielte 'Dramatik' bei der Verfolgten einbauen. Es sind natürlich nur Vorschläge, Ideen, alles spontan. Zum Beispiel der erste Satz, der mit dem Relativsatz vielleicht nicht ganz so zügig ist:
"Der Trageriemen ihres Köchers hing nur noch locker über ihre Schulter und sie nahm ihn ganz ab." Möglich wären auch Erwähnungen der direkten Auswirkungen, vielleicht etwas mit "Der Schulterriemen hatte sich gelockert und ließ den Köcher (fast) haltlos über ihren Rücken rutschen." oder so etwas. "anfangs" ist natürlich unbestimmt, ich würde es aber den Satz generell direkt anbinden. Vielleicht so etwas wie "Zumal waren die meisten Pfeile sowieso durch Steinbeschuss zersplittert und unbrauchbar, den Bogen hatte sie bereits vor ihrer Flucht zurücklassen müssen."
Zwischendurch ist diese Flucht durchaus etwas lahm - dadurch, dass meine Sätze unbedingt Rekordlänge erreichen wollen und sonstwie kompliziert sein wollen. *zieht mal wieder deinen Vorschlag in Erwägung*

Zitat:Auch das hier kann man in direkten Bezug zum Vorherigen setzen, zudem halte ich die rhetorische Frage für so rhetorisch, dass sie eher unnötig ist. Wenn du den Widerwillen-Effekt von wegen eigentliche Bewaffnung noch stärker betonen willst, kannst du das ja im Zusammenhang mit der Bettung ausdrücken. "Widerstrebend und doch sanft, als würde sie ein Kind zur Ruhe betten, ..." oder etwas Derartiges. Ich gebe zu, ich hätte vermutlich eher die Assoziation, einen Toten niederzulegen und ihm die Augen zu schließen Icon_ugly
Begraben wir also den Köcher! Mal sehen, was ich aus dem Satz mache.

Zitat:Der erste Teil steht etwas im luftleeren Raum. Ist sie darüber erbost/traurig, fühlt sie sich, als ob sie ein schutzloses Kind den Monstern überlassen würde? Oder ist es eher der Punkt, dass sie ihn trotzdem finden werden (wobei ich mich da frage, wozu sie ihn dann nicht besser zu verstecken versucht oder eben einfach gar nicht), oder eher der Aspekt, dass sie Tjerra so dicht auf den Fersen sind, dass sie zu genau dem Zeitpunkt weit, weit weg sein will? Ich finde, das sollte schon deutlicher werden.
Eher weit, weit weg sein will. Insgesamt. Sich also wünscht, sie wäre gar nicht erst in diese Situation gekommen, oder würde akzeptiert werden. Hm. Wenn ich mir das so angucke, steht das da irgendwie überhaupt nicht Smiley_emoticons_blush

Zitat:Also ich würde ja vermuten, dass sich aus ihrer - noch dazu geduckten - Perspektive viele Dinge gen Himmel abzeichnen, immerhin sitzt sie in einem Wald. Da werden sich vielleicht mächtige Baumkronen sturmgewiegt aufrichten, lebendig wirkende Kulisse durch den Kontrast untrennbar miteinander verschmelzen und drohende Formen bilden, die über ihrem Kopf aufragen. Da würde ich schon etwas genauer werden. Ich denke, da es am Himmel ist, wird ein Tjerra bekanntes fliegendes Getier gemeint sein, wie es im nächsten Satz anklingt? Vorschlag:
"Erneut wurde der Himmel von einem Blitz erleuchtet, doch diesmal zeichnete sich ein nur zu bekannter, windgeschüttelter Umriss (dunkel/schwarz) vor der weißen Fläche ab."
wallbash Und das, wenn ich bei ACIII immer wieder bewundere, wie sich die Umgebung aufbaut! Ja, natürlich. Verdammich. Das kommt davon, wenn man verpeilt, dass sie noch im Wald ist. *Riesennotiz*

Zitat:Hm, Aufspringen würde ich als Reaktion auf etwas als real Erkanntes deuten, den Kopf zu schütteln eher verneinend - also erscheint mir die Reihenfolge etwas unsinnig. Zumal die Frau ja verfolgt wird, ihr irgendwelche Gegner dicht auf den Fersen sind und sie extra ruhig hinter diesem Strauch verharrt hat, und nun springt sie in einem wortwörtlichen Sturm voller peitschender Bewegungen in einem dunklen, wohl lebendigen Wald bei einem Umriss gleich auf und ignoriert die Gefahr?
So überrascht? Hm, ist eine Überlegung wert. Das Aufspringen an sich dürfte bei schlechter Sicht immer noch auffallen. Vielleicht sollte ich sie einmal langsamer voranschieben, mal sehen, was dann passiert (oh Gott, diese Formulierungen. Entschuldige bitte mein Deutsch).

Zitat:Wenn sie darüber so aufgeregt reagiert, böte sich vielleicht ein Ausrufezeichen an?
Hm. Ich habe es nciht so mit Ausrufezeichen, aber ein sparsamer Einsatz kann ja nicht schaden Mrgreen

Zitat:Mehrere Sachen zu dieser Stelle. Erstens klingt die Lösung mit den zweiartigen "als" unschön. Der erste Teil - bis "berührt hatte" - ist gelungen, doch dann wird es in meinen Augen etwas kritisch. Das zweite "als" kann man ja etwas umformulieren, das ist kein Problem, aber das Beerensammeln passt für mich so gar nicht in diese Kulisse. Zumal es eine Überleitung bildet, zu einer ganz anderen Stimmung, aber dazu gleich mehr. Den Teil mit dem "Verlieren" ist hier, glaube ich, der Knackpunkt, dementsprechend solltest du ihn auch herausheben. Details wie Beeren, so lecker die auch sein mögen, sind meiner Meinung nach eher irrelevant bis hinderlich. Vorschlag:
"Ihre Bestimmung war klar gewesen, seit sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, obgleich noch als junges Mädchen. Und doch nur wenige Jahre später hatte sie es - ihn verloren, mit ihm ihr gesamtes Leben - wie konnte er ihr jetzt erscheinen?"
Der Bezug durch "Doch nur wenige Jahre ..." ist dem Leser unklar, denn ob die Bestimmung ein ewigliches Zusammenleben ist, kann der Leser nicht wissen - so klingt es hier aber. Ich finde, der Gedankengang gehört vor beziehungsweise eng zu dem Gedanken, dass das nicht wahr sein kann. Darum mein behelfsmäßiger Zusatz am Ende, der den ja eher generisch wirkenden Satz vorher ersetzen könnte und meinem Geschmack nach klarer wirkt und trotzdem nichts verrät, was der Leser sich nicht aus der Situation schließen könnte. Ich finde, die Stelle ist bei dir einfach etwas unstrukturiert, wobei sie doch als extrem wichtiger Punkt erscheint, der dem Leser beim ersten Lesen schon leicht verständlich sein sollte. Aber das ist vermutlich Geschmackssache, also nimm es nur als meine Meinung dazu.
So direkt ist das nicht Geschmackssache. Denke ich zumindest. Das Beerensammeln ist an sich wirklich nicht wichtig - stand halt nur da - und komplizierte haben so die Angewohnheit, mir die Beine brechen zu wollen. Je seltener ich mit ihnen um mich werfe, umso besser. Also werde ich da auch noch einmal genauer drübergehen und sehen, was sich machen lässt. Dein Vorschlag ist ja schon mal nicht schlecht.

Zitat:Der Teil ist mir ein bisschen zu lang und ausführlich dafür, dass das kein richtiges Flashback ist, sondern mitten in der Fluchtszene. Ein Vorschlag zum Raffen:
"Erst getötet wird das Wild zu einfachen Tieren! Dieser Wald ist unser Feind mit einem grausamen Geheimnis, etwas darin verändert uns. Vielleicht hätten niemals Menschen in diese Gegend kommen dürfen. In diesem Moment der Erinnerung konnte Tjerra über das Brausen des Windes hinweg die knarzende Stimme des Dorfältesten hören, wie er die Kinder eindringlich warnte."
*langsam nick* Allerdings werde ich da noch mal an deiner Formulierung rumbasteln *g*

Zitat:"sich in die Ausbildung der Jäger ..."
Ich würde die Jäger nicht auf junge Leute beschränken - es gibt ja nicht nur Jugendliche und Greise in so einem Dorf Icon_wink Und das muss ja eine ziemlich dünn besiedelte Gegend sein, wenn ein Azubi die Jägerquote so deckt - klingt mit dem Kausalzusammenhang des letzten Satzes einfach etwas seltsam formuliert.
Dünn besiedelt? Zu dem Zeitpunkt schon. An sich ging es mir mehr drum, dass es nicht viele freiwillig machen. Da gehe ich auch noch mal drüber.

Zitat:Insgesamt sehe ich einige der Infos hier fehlplatziert, weil du die Vorgeschichte zwar kurz abreißt, aber immernoch einen halben Lebenslauf unterzubringen versuchst, dessen Sinn der Leser noch gar nicht in den Zusammenhang setzen kann. Wald -> böse, das habe ich schon verstanden, auch Tier -> Verbundenheit und Tjerra -> special/hat Verbotenes berührt. Dass sie da zwischendurch Jäger geworden ist und sich auf besondere Weise mit dem plotbösen Wald, vor dem Ältere und Weisere sich fürchten, verbunden fühlt, bringt mir hier erst einmal nichts. Außer - entschuldige, meine Ausdrucksweise - laut "Specialig!" zu rufen. Das ist mir zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits klar, da das ja der Eingang zu diesem längeren Gedankengang "Haben sie mich nicht gewarnt? Ja. Mist." ist. Essenz der Stelle, die ich als wirklich relevant ansehe, wäre: Tjerra hatte keine Angst und sogar extra was im Wald gemacht. Offensichtlich nachdem sie bereits Beeren sammelnd das Gebiet der Unaussprechlichen betreten ein Tier im Wald berührt hat. Und da ist nun der Punkt, wo ich eben an deiner Stelle auf die Essenz runterkürzen würde. Am besten im Zusammenhang mit der jetzigen Situation - sie ist ja jetzt wieder im Wald, scheint aber nicht besonders glücklich, die Situation hat das Potential, ihr Angst einzuflößen. Der interessante Punkt für ich wäre jetzt: Hat sie, und verflucht sich, dass sie nicht zumindest ein bisschen auf den weisen Mann gehört hat? Oder gerade auf seltsame Weise nicht, weil sie sich immer noch mit dem Forst verbunden fühlt und darin Schutz sucht, obwohl etwas mit dem Mysteriösum zu tun Habendes hinter ihr her ist?
Hm. *notier, durchstreich, neu notier: Neuen Rotstift mitbringen* Okay. Da werde ich mich noch mal ransetzen, denn die Stelle zieht es natürlich. Unpraktisch für eine Flucht, das sehe ich ein Icon_smile Dein Vorschlag gefällt mir, die Sache da mit der Gegenwart zu verbinden.

Zitat:Ich bin im Übrigen sehr gespannt darauf, wer denn nun hinter ihr her ist - etwas Waldiges, wilde Tiere? Oder etwas Dunkleres, das den Wald erst so gefährlich gemacht hat? Dahinter steckt also schon Spannung, und das ganz ohne dass man einen Verfolger 'sieht'
Smiley_emoticons_blush Noch ein Neugieriger. Hätte gar nicht mal gedacht, dass die ganze Idee das Potenzial hat, überhaupt neugierig zu machen. Liegt vielleicht daran, dass ich alles schon kenne und auch weiß, was da im Wald alles rumlungert - und wie schön normal es doch alles aussieht *g*

Zitat:Der letzte Satzteil klingt so ein bisschen, als würde sie da friedlich durch den Wald joggen. "sich an etwas stören" ist für mich eher etwas Alltägliches. Im Bus hat einer seinen mp3-Player viel zu laut und alle müssen Skrillex mithören, aber ich störe mich nicht daran, denn ich bin so in Gedanken, dass es ich es ausblenden kann. Hier würde ich mich fragen: Hat sie einfach keinen Grusel davor? Dann würde ich etwas schreiben wie: "... doch das jagte ihr keine Angst ein." Oder ist das nicht halb so krass wie alles, was ihr nun auf den Fersen ist, dann würde ich etwas schreiben wie "... doch sie ignorierte es/bemerkte es kaum auf ihrer Flucht vor ihnen."
Daran habe ich noch überhaupt nicht gedacht! Ich bin für die zweite Variante. So war es ursprünglich auch gedacht, aber ein paar Formulierungen später war es weg.

Zitat:Sie muss übrigens ziemlich geübt sein - oder der Wald ziemlich licht - wenn sie da im Dunkeln in einem Affenzahn durch das Unterholz jagt und sich nirgendwo verhakt oder stolpert oder gar auf die Nase fliegt. Kein Wunder, dass ihre Kleidung zerfetzt ist - man könnte sich natürlich überlegen, ob man sowas als Detail in einem kleinen Satz einbaut - "Das Unterholz schien sie festhalten zu wollen und sie drückte sich im Laufen von Baumstämmen ab, um noch schneller zwischen ihnen hindurchzustürzen" oder so etwas in der Art -, aber das ist nun Geschmackssache Icon_smile
Geübt trifft es. Und ihre Fähigkeiten auch, in gewisser Weise. Das kommt aber später noch einmal vor, da sollte ich das wohl von Anfang an beachten.

Zitat:"Wieder" ist eher deplatziert, denn vorher war es Donner, nicht Regen. Ich würde übrigens statt des Kommas zwischen "Geräusche" und deren Aufzählung ein "wie" setzen. Klingt meines Erachtens etwas flüssiger. Der letzte Teil hat in meinen Augen etwas ungewollt Komisches, aber das ist nur meine Meinung.
Jupp. Habe ich jetzt auch herausgefunden, aber aus irgendeinem Grund fiel mir das vorher nicht auf. Noch eine Folge des Sprachschwundes?
@komisch: Ja, rufen sie denn? Bin ich nun ihr Hündchen? Mrgreen

Zitat:hatten sie es getan" - und der Wechsel zwischen "sie" (Plural) und "sie" (Singular) ist hier etwas ungeschickt, finde ich. Vielleicht klarer wäre etwas wie "Am Anfang hatten sie es getan, als sie sie zwangen, die Hütten hinter sich zu lassen und dieses aberwitzige Rennen durch das Gewitter zu riskieren." oder etwas Derartiges. Persönlich fände ich es allerdings schöner, das mit dem vorherigen zusammenzulegen. Nur so eine Idee:
"...alle weiteren Geräusche wie das Brechen der Äste unter ihren Füßen und ihre Rufe, die sie trotz allem noch immer zu hören glaubte: Dieselben Schmähungen/Drohungen/whatever, die Tjerra aus dem Dorf und zu dieser aberwitzigen Flucht durch das Gewitter getrieben hatten. Hatte sie wirklich geglaubt, entkommen zu können?"
*Vorschläge notier* Ich sehe mir die dann alle an und mache was draus, aber ich bin immer wieder glücklich über solche Vorschläge Icon_smile

Zitat:Hier klingt es, als würde sie (1) von nun auf jetzt stehen bleiben und (2) aufgrund der Windböe. Wie es aber im folgenden Satz klingt, ist das, weil da kein Boden mehr vor ihren Füßen ist, das würde ich auch so deutlich machen.
Wamm, und der Wind hat ihr eine gescheuert. Icon_lol Nein. Das wird natürlich noch mal überdacht und auch beachtet. Dabei bleibts dann nicht beim Denken.

Zitat:Ich finde, die Schlucht hat noch mehr Potential. Ich frage mich zwar, wie die glänzen kann, höchstens ja der Grund (vielleicht liegen da ja ein paar hübsch harte Steine) oder der Rand, aber so oder so wäre hier ein Moment, wo man etwas mehr Dramatik entfalten kann. Tjerra hat Tempo drauf, immerhin flieht sie ja, und scheint nicht ständig zu stolpern, also denke ich nicht, dass sie da durch die Gegend schneckt. Zudem hält sie erst an und entdeckt dann die Schlucht, das vermittelt den Eindruck, dass die sehr plötzlich auftaucht - man nehme eine Sprinterin im Volldampf und einen plötzlich erscheinenden Abgrund und du weißt, worauf ich hinauswill Icon_wink Es gibt da, meine ich, auch eine entsprechende Szene in Stephen Kings "The Girl Who Loved Tom Gordon", an die ich da spontan denken muss.
Durchaus schon, aber ich brauche sie noch für einen Moment :D Ich kann sie ja mal stoplern lassen, ausnahmsweise, oben auf dem Rand liegen ja ein paar Steine rum. Und zu dem Glänzen: Ich dachte, dass die Wände auch glänzen, so nass im Regen ... Vielleicht dumm beschrieben. Da werde ich auch noch mal was ändern.

Zitat:Warum kann sie denn nicht die Richtung ändern? Ich sehe nicht den Zusammenhang zwischen Am-Rand-entlang-rennen und Nicht-fliehen-können, immerhin kann sie es versuchen, oder?
Ich erinnere mich noch, wie ich verzweifelt nach einem Grund gesucht habe und ihn dann fallen gelassen habe. Vielleicht sollte sie wirklich einfach hinfallen, irgendwie den Fuß verknacksen (das passierte meinen Protas früher immer) und deshalb zu langsam sein.

Zitat:Das finde ich wieder zu lang, zu ausführlich dafür, dass sie gerade an den Rand einer Schlucht gedrängt darauf wartet, von ihren Verfolgern eingeholt zu werden. Wenn du das unbedingt drinhaben willst, würde ich etwas vorschlagen wie:
"... da er einer von ihnen ist.
Die Blicke der anderen Kinder, die sie daraufhin anstarrten - die Warnungen der Ältesten - das aus dem Nest gefallene Falkenjunge - der Schmerz der Berührung, die Bilder -- all das hatte sie nie vergessen. Selbst jetzt tauchten die seltsamen Visionen angesichts der vertrauten Silhouette wieder vor ihrem inneren Auge auf."
Den kursiven Absatz - noch eine andere Funktion des Kursiven übrigens - würde ich wieder als eigenen Absatz absetzen.
Ich und meine Umschreibungen, ich weiß. Da denke ich noch mal drüber nach. Aber nein, ich denke nicht, dass ich es ganz wegstreiche. Die kürzere Fassung sieht ja schon mal ganz gut aus. Kursiv? Warte mal, was war denn das ... Ach so, das meinst du. Ja, macht sich vielleicht besser.

Zitat:Tja, jetzt wird's richtig spannend! Das klingt doch halbwegs bekannt ... Tjerra hat Visionen von der Moderne? Hui, die Falken machen also unserem Welti Konkurrenz? Icon_shocked Was mir zu den Details jedoch spontan einfällt: Die Beschreibung von Tjerra lässt vermuten, dass sie eher so einer mittelalterlichen Welt entstammt. Denen dürfte an moderner Kleidung vermutlich vor allem die Farbenvielfalt und die Schnitte auffallen, die es im Mittelalter technisch einfach noch nicht gab, außerdem die Stoffärme. "eng" ist da ein bisschen allgemein, aber das ist ja Geschmackssache, denke ich. Bei "unbequem" musste ich übrigens schmunzel - sie selbst steckt in einer Lederrüstung, just saying Icon_wink
Hehe, da war ich mir nicht so sicher, danke für den Hinweis. Ach ja. Tjerra und diese Bilder, nich? Da werden wir alle noch Freude an dieser Eigenschaft haben. Nicht so direkt von Tjerras Seite aus, aber dennoch *g*

Zitat:Huch, da kommt einfach der Dolch her? Den würde ich schon verbauen - vielleicht zumindest, dass sie einen Grund verspürt, ihn zu ziehen, aufgrund von Angst vielleicht, oder schon vorher, weil die Verfolger sie einholen werden, da sie nicht weiterkann. Und es hat sich ein Leerzeichen eingeschlichen Icon_wink
*Dolch nehm, Leerzeichen kill* Sie hat ihn vorher in der Scheide gelockert, da kann ich mal sehen, ob sie ihn vielleicht ganz zieht. Man weiß ja nie.

Zitat:Die Erklärung mit dem Wind finde ich etwas nonchalant eingeschoben, wüsste jetzt aber spontan nicht, wie man das wirklich schön einpassen könnte. Hm, vielleicht eine Konstruktion vorher, dass in dem offeneren Gelände der Wind über den Rand der Schlucht zieht und dabei nachlässt? Zwischen "spürte" und "die junge Frau" hast du übrigens ein Leerzeichen zuviel.
Und das, liebe Leute, passiert, wenn ihr Charas nicht abgewöhnt, bei Flashbacks mit offenen Augen zu schlafen: Sie werden hinterrücks erschossen. *tststs* *arme tjerra tätschel*
Mal sehen, ob sich da noch was machen lässt. Vielleicht habe ich ja während der Überarbeitung eine Erleuchtung, die sämtliche Probleme auf einen Schlag löst *schön wärs*
Ach, Tjerra, du bekommst noch genug Aufmerksamkeit, da kannst du auch gleich am Anfang sterben Icon_ugly

Zitat:Sie breitet extra noch die Arme aus? Also, ich bin ja für dramatische Abgänge immer zu haben, aber das erscheint mir doch ein bisschen dick aufgetragen dafür, dass ihr eben noch aus der schlaffen Hand der Dolch entglitten ist. Vielleicht alternativ etwas wie "stumm und ohne sich gegen den Schmerz oder die Wucht des Treffers zu wehren"?
*rotwerd* Ich lasse sie am besten einfach nur fallen.

Zitat:Arme Tjerra, da hat man mal einen Charakter lieb gewonnen und dann wieder der einfach von irgendeinem undefinierten sie über die Klippe geschubst, auf hinterhältige Art und Weise und ohne dass der Leser eine Chance hat, sie zu sehen und seinen eigenen Dolch zu zücken, um die arme Kleine zu retten oder zu rächen *mecker* ... ja, ich hab beim Lesen immer einen Dolch dabei, ihr nicht?
Du hast Tjerra lieb gewonnen? Trotzdem sie nur einmal durch den Wald gerannt ist, um zu sterben? Uch. Aber sie ist ja nicht aus der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes Mrgreen

Zitat:Schönes Stilmittel!
*tief durchatmet* Ich dachte schon, es würde negativ ankommen. Aber es wollte so an diese Stelle springen ...

Zitat:Vielleicht denke ich zu doof, aber mir ist das etwas zu kompliziert konstruiert, die Bezüge sind auch mehrdeutig. Vorschlag, der auf dem beruht, was ich annehmen muss - wenn es falsch ist, hau mich einfach:
Im kalten Licht eines Krankenhauses, das Schatten wie Regen hinter vermeintlich schützende Fensterscheiben verbannte, saß eine Frau mit grünen Augen am Bett einer Patientin. Mit einer Weisheit im Blick, die kaum zu ihrem Alter passen wollte, betrachtete sie ihre Tochter, die noch kaum über das Mädchenalter hinausgewachsen war, und hielt deren Hand. Trost lag in dieser einfachen Geste, wie ihn nur eine Mutter spenden konnte.
"Es war tot", flüsterte die Tochter, ihre Gestalt versank beinahe zwischen den Krankenhauskissen. "Noch nicht einmal geboren - und tot."

Die Bezeichnung bei der wörtlichen Rede habe ich nur behelfsmäßig geändert (wie alles, es ist ja nur ein Vorschlag, aber ich sag es mal so), weil die Bezüge sehr verwirrend sind. Du hast eben zweimal Frau und "jüngere" und "ältere" sind wie "die Blauäugige", "die Blonde", "die Größere" und "die mit dem Pickel auf der rechten Wange" nun einmal eher ungeschickt
Ich haue dich nicht, das hast du alles sehr schön erkannt. Bin stolz auf dich Icon_smile Ich hasse diese Stelle, aber mir fiel nichts Besseres ein. Du hättest mal die Ursprungsfassung lesen sollen, da sah selbst ich nicht mehr durch. *Vorschlag notier, rumbrabbel*

Zitat:"schwarz" und "weiß" so direkt finde ich weniger elegant, das "schwarz" kann man eigentlich weglassen - Schatten sind ja eher selten helltürkis mit gelben Streifen - und aus dem Hintergrund würde ich etwas Konkreteres machen. Eine Wand, einen Gang, irgendetwas. Nur dass man ein bisschen Kulisse hat.
Icon_lol Gut. Hintergrund, Hintergrund ... War eigentlich der Himmel, oder habe ich da schon wieder was verpeilt? Wird genauer betrachtet.

Zitat:Das klingt aber echt übel, das. Unfruchtbarkeit aufgrund von - ja, was? Sind sie verflucht oder gar andere Wesen? Das macht mich auf jeden Fall sehr neugierig, wie es weitergeht.
*Trin hau* *rummecker* Sie hat ihr Kind verloren, ist nicht unfruchtbar! Gut, ist ja auch egal. Nun denn. Ist ja schön, wenn es dich neugierig macht Mrgreen Aber mies ist es schon, da hast du recht. Obwohl - manchmal bin ich mir da gar nicht ganz so sicher. Es gab noch eine andere Möglichkeit, aber das kommt erst ganz am Ende. Und die Möglichkeit wäre auf dasselbe hinausgelaufen.

Zitat:Wow, jetzt wird es aber richtig spannend. Die hatte eine Totgeburt, weil eine Prophezeiung wahr wird, die der Wind gemacht hat? Das klingt vielversprechend - und man kommt irgendwie nicht von dem Gedanken los, dass Tjerra etwas damit zu tun hat *sherlock homes-pfeife*
Icon_shocked Sehe ich da das Wort vielversprechend? Wow. Ich meine, die Idee ist schon so alt, nur habe ich ihr jetzt noch ein paar sehr dunkle Seiten verpasst, da es nicht mehr die Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichte einer Vierzehnjährigen werden soll. Nein, ich gönne euch kein hübsches, ungetrübtes Happy End, Prots. Tut mir sehr leid, aber mit dem halboffenen Ende müsst ihr erstens leben und zweitens sage ich nicht, wer die zweite Person war. *Selbstgespräche schnell beend, die hören mir alle nicht zu*
Tjerra? Tjerra? Öhm, die - die ist unterwegs. Icon_ugly

Zitat:schlug noch unbeholfen mit den Flügeln"? Und vielleicht eher "aus der Dunkelheit einer Schlucht erhob sich ..."?
Oh je. Verrückter Satz. "Aus der Dunkelheit einer Schlucht erhob sich ein Falkenweibchen und schlug mit den noch unbeholfenen Flügeln"? Hm. Nee.

Zitat:dann" kann man hier mit "schließlich" ersetzen - ich persönlich finde, dass es schöner klingt.
Wo du recht hast, hast du recht.

Zitat:Hui, ich sehe Timeline-Probleme auf uns alle zukommen! Stravaganza, anyone? *hibbel*
Naja, naja. Ganz nicht. Aber bisschen durcheinandergewürfelt habe ich ein paar Sachen schon. Deshalb die Daten, aber auch bei denen ist man inzwischen nicht mehr ganz sicher vor solchen Dingen *g*

Zitat:Also, insgesamt hinterlässt du eine starke Neugierde, weil du einen sehr vielversprechenden, starken Schluss hast.
Danke. Icon_smile Das war mal früher als Prolog gedacht, da hätte er wohl seine Funktion erfüllt. Aber da es ja wohl kein Roman mehr wird, ist das halt der Anfang geworden :D

Zitat:Zwischendrin - also im Tjerra-Part - verfällst du mir ein bisschen zu sehr in eine Starre mit Infos, während Tjerra nur herumsitzt. Dabei würde ich mir einfach einen Schuss Dynamik wünschen, der das Flucht-Thema da aufrecht erhält.
Wird alles noch mal überdacht. Ich schmeiße nur so mit Informationen um mich, oder? Tja, so ist das halt: Was ist wichtig, was nicht?

Zitat:Eigentlich finde ich deinen Stil recht flüssig, obwohl ab und zu ein Relativsatz unbeholfen im Weg sitzt, aber das sind Kleinigkeiten, die mir vermutlich nur deshalb so stark aufgefallen sind, weil du hier auf die Schnelligkeit und Hetze von Tjerra setzt. Wenn es also gerademal nicht um einen Sprint-Marathon geht, würde das vermutlich also gar nicht negativ auffallen Icon_smile
Relativsätze sind meine heimlichen Freunde Mrgreen Wie schön, dass nicht alle die ganze Zeit durch die Gegend rennen. Und bei den Stellen, an denen es doch mal passiert, achte ich einmal darauf.

Zitat:aber insgesamt hab ich den Text gerne gelesen und bin gespannt, was du daraus noch machst!
Danke noch einmal! Ich habe ja schon einige Teile, das Problem ist nur: Das sind Parts, die am Ende oder mittendrin passieren. Der Anfang ist noch erstaunlich leer und rein geplant. Bei mir schreibt oftmals das Chaos mit Icon_ugly

Danke noch einmal für den laaaangen Kommentar (oh, ich musste so viel scrollen zum Beantworten), aber er hat mir sehr geholfen, deshalb wiederhole ich meine Dankesbekundungen auch so oft *grient*

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #7 |

RE: Die Federn des Windes - 0
Hi Eselfine,

das letzte MoPro ist zwar schon eine Weile her, aber ich erinnere mich, den Vorsatz gehabt zu haben, die Ergebnisse der anderen zu kommentieren. Hier bin ich also Icon_smile

Dein Kapitel 0 – ich nenns mal ganz dreist Prolog :mrgreen – ist gut geschrieben, liest sich flüssig und macht neugierig. Meiner Meinung nach könnte man stellenweise noch straffen, dazu in den Textanmerkungen mehr.
Für mich persönlich ist es etwas zu geheimnisvoll, stellenweise, aber da bin ich recht eigen. Ich vergesse Geheimnisse aus Prologen ziemlich schnell und bemerke es demzufolge auch nicht, wenn sie dann in der Geschichte aufgelöst werden. Noch dazu bin ich furchtbar schlecht darin, Zusammenhänge zu erkennen und logische Schlüsse zu ziehen. Gib in der Richtung also nicht zu viel auf meine Meinung *lach*

Mit der Rückblende am Anfang bin ich noch unschlüssig. Einerseits sind die Informationen da schon spannend, mit dem Wald, in dem man nichts anfassen darf und der die Menschen verwandelt. Auf der anderen Seite ist es eben eine Rückblende, die mit dem eigentlichen Geschehen – Flucht – wenig zu tun hat. Rückblenden machen den Text oft passiv, bremsen das Geschehen aus.
Die Stimme von Felor finde ich toll eingebaut, thematisch scheint es mir aber in dem Prolog einfach um zwei verschiedene Dinge zu gehen. Auf der einen Seite eben diese Wald-Bestimmungssache, auf der anderen Tjerras Flucht. Wobei das eine vermutlich mit dem anderen zusammenhängt, aber ich finde, es wird nicht klar genug.
Für einen Prolog ist es, denke ich, okee – ich persönlich mag es nur einfach nicht, wenn die Gefahr nicht gezeigt und nicht benannt wird, sondern einfach irgendwo als Schatten im Hintergrund hängt und ich keine Ahnung habe, warum Tjerra da vor wem überhaupt wegrennt.

Ein paar Absätze mehr würde den Augen der Leser guttun, vielleicht verteilst du da noch drei oder vier oder zehn über den ganzen Text Icon_wink

Zitat: Das Krachen der Zweige gab dem heulenden Wind einen grausamen Unterton,
Ich hab ne Weile überlegt, was mich an diesem Teilsatz stört. Es sind die beiden Adjektive. Klar, zwei sind nicht viel, aber dadurch, dass sie direkt hintereinander kommen und »heulender Wind« sehr stereotyp ist … mein erster Gedanke war »gab dem Heulen des Windes«, aber dann hätte man zweimal den Genitiv hintereinander und eine womöglich ungewollte parallele zum Titel »Feder des Windes« … dann dachte ich: warum nicht einfach »Das Krachen der Zweige gab dem Sturm einen grausamen Unterton«? »Sturm« ist ein sehr schönes, klangstarkes Wort, wie ich finde, und gibt ein viel deutlicheres Bild als »heulender Wind«
(An solcher Detailkritik merkst du übrigens, dass ich kaum was gefunden habe, was sich wirklich zu kritisieren lohnt Mrgreen )

Zitat: Ein Monster, dürstend nach dem Blut seiner Untertanen
Ich hab mich gefragt, was du wohl mit den Untertanen meinst. Als ich durch war, hatte ich die Idee, dass damit vielleicht die Falken gemeint sein könnten?

Zitat: war ihre zerfetzte Kleidung aus grobem Leinen, nun durchweicht vom plötzlich einsetzendem Regen, und eine hastig angelegte, unvollständige Lederrüstung zu erkennen.
ein Haufen Adjektive … »zerfetzte Kleidung« - Hinweis auf Kampf oder Flucht, würd ich drin lassen.
»grobes Leinen« - in meinen Augen unwichtig, ob das Leinen grob ist oder nicht, ob es überhaupt Leinen ist oder nicht. Sagt nichts über die Situation aus; Hinweis auf »mittelalterliches Setting« gibt die Lederrüstung.
»plötzlich einsetzender Regen« - ob der Regen gerade im Moment einsetzt oder schon eine Weile fällt, scheint mir unwichtig. Da ist Sturm und ein Sommergewitter, so überraschend kommt der Regen ja nun nicht. ich würde kürzen auf: »durchweicht vom Regen«
und zu guter Letzt die Rüstung, bei der ich es auch bei einer »hastig angelegten« Rüstung belassen würde – Hinweis auf Flucht; ob sie unvollständig ist oder nicht, ist nicht von Belang (aus meiner Sicht);

Zitat: Vorsichtig, größere Bewegungen vermeidend, lockerte sie den Dolch, den sie an ihrem Gürtel trug, in seiner Scheide und duckte sich. 
»größere Bewegungen vermeidend« würde ich streichen. Zum einen, weil ich keine Partizip-Konstruktionen mag Icon_ugly zum anderen, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man einen Dolch mit großen Bewegungen lockern sollte. Da wäre doch das große Bewegungen machen mehr Aufwand, als es zu vermeiden.
So ganz verstehe ich die Geste auch nicht: Macht sie sich kampfbereit?
»den sie an ihrem Gürtel trug« … hm, finde ich überflüssig, weil ich persönlich mir Dolche immer erstmal am Gürtel vorstelle, sofern nichts anderes gesagt wird. Und so wichtig, ob der Dolch jetzt am Gürtel oder am Bein oder am Arm befestigt ist, scheint es eh nicht zu sein.

Zitat: Der Riemen, der ihren Köcher auf ihrem Rücken hielt, hatte sich gelockert
Auch hier verumständlicht der Nebensatz mehr, als dass er hilft. Warum nicht: »Der Riemen ihres Köchers hatte sich gelockert« … Köcher trägt man meistens auf dem Rücken, aber selbst wenn er an ihrer Seite baumelt: Was macht das für einen Unterschied?

(Ich klinge jetzt vielleicht, als wäre ich gegen jedes Detail, aber gerade in einem Prolog, in dem die Hauptperson am Ende stirbt (?), sollte man den Leser nicht mit zu viel Überflüssigem zuschütten.)

Zitat:   legte sie den einstmals wichtigsten Teil ihrer Bewaffnung auf einen Stein und bedeckte ihn mit Zweigen. Wahrscheinlich würden sie ihn finden, aber bis dahin wollte sie schon weit weg sein. 
Ich versteh nicht ganz, warum sie das hier tut. Will sie, dass der Köcher gefunden wird und »versteckt« ihn deshalb so auffällig? (Auf einem Stein unter einem Haufen Äste?)
Oder meinst du eher, dass sie ihn neben einen Stein legt und zur Tarnung ein paar Äste drüber? Im Wald bietet sich ja auch Laub immer an, damit würde ich eher arbeiten als mit Ästen.
Hofft sie, ihre Verfolger damit aufzuhalten? Oder will sie zurückkommen, um den Köcher zu holen, falls ihre Verfolger sie und den Köcher nicht finden?

Zitat:  Der Himmel wurde erneut von einem Blitz erleuchtet, doch ein schwarzer, windgeschüttelter Umriss zeichnete sich auf der weißen Fläche ab. 
das »doch« scheint mir nicht ganz zu passen. Ich sehe zumindest den Widerspruch nicht. Nur durch den Blitz wird doch der Umriss überhaupt sichtbar? Würde eher »und« schreiben, statt »doch«

Zitat:  Tjerra kniff die Augen zusammen, schüttelte dann aber den Kopf und sprang auf. Es konnte nicht sein. Ihre Bestimmung war klar gewesen, als sie das Tier zum ersten Mal berührt hatte, als junges Mädchen beim Beerensammeln im Wald.
Da ist noch ein Fragezeichen bei mir: Da am Himmel kann kein Umriss sein, weil Tjerra eine Bestimmung hat? Ist ihre Bestimmung, dass sie keine Umrisse sieht? Mrgreen
Also ich glaube, sie sieht den einen Falken da, ihren Falken, und das kann aber nicht sein, weil, und deshalb schüttelt sie den Kopf. Aber was hat das mit ihrer Bestimmung zu tun?

Zitat:  In der Tat starben verhältnismäßig viele Dorfbewohner im Wald
Der Satz klingt sehr nüchtern und … bürokratisch. »In der Tat« und »verhältnismäßig« … gerade das letzte Wort klingt total nach Statistiken, die da erhoben werden: »Ah, ja, dieses Jahr haben sich von 50 Todesfällen 37 im Wald ereignet, das ist ein Anstieg von 16% im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist das Verhältnis derer, die im Wald sterben, zu denen, die es nicht tun, eindeutig zu hoch.« Mrgreen (das ist das Wetter, verzeih mir)
»Obwohl viele Dorfbewohner im Wald starben, hatte Tjerra sich immer geborgen gefühlt« oder
»Kaum jemand, der den Wald betrat, kehrte wieder zurück, doch Tjerra …«

Zitat: denn an jungen Leuten, die freiwillig nach Wild suchten, mangelte es oft. Bis zu jenem Tag, als sie etwa vierzehn Jahre alt wurde.
Komischer Bezug (oder ich versteh es nicht *lach*): Als Tjerra 14 wird, mangelt es plötzlich nicht mehr an jungen Leuten, die nach Wild suchen?
Und wie kann sie an einem genauen Tag »etwa 14« werden? Bzw. es gibt ja relativ viele Tage, auf die das zutreffen würde. Meinst du nicht eher, dass sie genau vierzehn wird? Icon_ugly

Zitat: Mit einem ohrenbetäubenden Krachen und Splittern 
*hust* Ich hatte in den letzten Tagen das besondere Privileg, Zeuge gleich dreier Blitzeinschläge in meiner näheren Umgebung zu werden, und ich behaupte, selbst wenn da ein Baum gesplittert wäre, hätte man nur das Krachen gehört. Ich weiß, ist persönliche Erfahrung, aber ich fände den Satz auch vom Fluss her besser, wenn du »und Splittern« streichst. Das schwächt das ohrenbetäubende Krachen eher ab, als dass es es aufwertet. Finde ich.

Zitat: Ohne noch lange Zeit zu verschwenden, verließ Tjerra ihr Versteck und rannte weiter.
»Ohne Zeit zu verschwenden« oder ganz streichen. »Tjerra verließ ihr Versteck und rannte weiter.«
ich liebe solche Formulierungen auch: »Ohne weitere Gedanken daran zu verschwenden« oder »ohne einen Blick zurück« … aber meistens ist es echt überflüssig. Ich als Leser gehe ja davon aus, dass der Autor mir sagt, wenn sie etwas ungewöhnliches tut, in diesem Fall also Zeit verschwenden würde. Wenn es nicht da steht, gehe ich automatisch davon aus, dass sie natürlich keine Zeit verschwendet. Immerhin ist sie auf der Flucht.

Zitat: Die vorbeigleitenden Stämme schienen immer lebendiger zu werden
»immer« streichen. Überflüssiges Füllwort, das den Satz in keiner Weise bereichert.

Zitat: Am Anfang taten sie es, noch im Dorf, als sie die Hütten hinter sich ließ und das aberwitzige Rennen im Gewitter riskierte. 
ich würd hier schreiben: »Am Anfang hatten sie es getan …«
Bei Rückblenden bin ich ziemlich großzügig, was die Einhaltung bzw. Nichteinhaltung vom Plusquamperfekt angeht – meistens ist es inhaltlich auch ohne verständlich – aber hier liest sich der fehlende Zeitwechsel merkwürdig.
Warum ist das Rennen im Gewitter aberwitzig? Ich hätte vielmehr gedacht, dass das Rennen durch den Wald aberwitzig ist, weil er so mordlustig ist. Hier klingt es so, als läge der Schwerpunkt auf dem Rennen, also: Rennen im Gewitter ist gefährlich, besser wäre es, wenn sie einfach nur still im Gewitter rumsteht. Vielleicht eher »und die aberwitzige Flucht im Gewitter«?

Zitat: Sie unterbrach den Gedanken, noch bevor er ihr wirklich in den Sinn kommen konnte.
»wirklich« streichen, überflüssiges Füllwort.

Zitat: Sie trachten nach euren Leben, solltet ihr sie je berühren, dann seid ihr verloren. 
hinter »Leben« würde ich einen Punkt setzen. Ich zumindest lese den Satz immer mit falscher Betonung, weil da für mich immer erst steht: »Sie trachten nach euren Leben, solltet ihr sie je berühren«
und dann kommt das »dann« und ich muss umdenken. Durch das Komma wird der Nebensatz zuerst einfach falsch zugeordnet.

Zitat: dass sie nicht nur vom Wald, sondern auch den Falken fasziniert gewesen war.
»auch von den«

Zitat: als ihr das Falkenjunge vor die Füße fiel, hatte sie ihm geholfen.
Man kann ja viel mit den Zeiten bei Rückblenden arbeiten, aber mitten im Satz die Zeit wechseln, würde ich nicht machen: »Füße fiel, half sie ihm«

Zitat: Ohne wirkliche Kontrolle über ihren Körper zu haben, machte Tjerra die letzten Schritte zum Schluchtrand , der Dolch, den sie unbewusst gezogen hatte, als die Bilder erschienen, glitt ihr aus der Hand. 
»wirklich« würde ich auch hier streichen.
vor dem Komma hinter »Schluchtrand« ist ein Leerzeichen zu viel.
Ist es wichtig, dass sie hier den Dolch gezogen hat? Die Beschreibung klingt nämlich ziemlich holprig, da würde sich ein Streichen anbieten *lach*
Oder leicht umformulieren:
»Ohne es zu wollen / Ohne Kontrolle über ihren Körper zu haben, machte Tjerra die letzten Schritte zum Schluchtrand, in ihrer Hand der Dolch. Sie hatte ihn unbewusst gezogen, als die Bilder erschienen waren. Nun glitt er ihr aus den Fingern.«

Zitat:  Als er mit einem leisen Klirren, das sie aufgrund des plötzlich verstummten Windes wahrnehmen konnte,
Vorhin war es noch der Regen, der so laut war und alle Geräusche überdeckt hat.

Zitat:  in ihrem Gesicht lag ein friedliches Lächeln. Aus ihrem Rücken ragte ein einzelner Pfeil. 
puh, ja … so meine Sache ist das nicht, mit den glücklich Sterbenden. Tut ja auch weh, sowas, zumeist.

Zitat: „Es war – tot“, flüsterte die jüngere Frau im Bett, „Noch nicht einmal geboren – und tot!“
Punkt hinter »Bett« statt des Kommas

Zitat: die Hände gekennzeichnet von alten Verletzungen
»gezeichnet«; oder wurden die Hände speziell verletzt, um ihn wiederzuerkennen, so wie beim Brandmarken?

Der zweite Teil ist für mich dann so ein komplette: »Hä?« Abschnitt. Aber ich gebe zu, bei Bestimmung und Prophezeiung klinke ich mich schnell aus, darum wird’s ja im restlichen Teil noch gehen, wo nicht alles in mystischen Andeutungen versteckt ist. Da hab ich keine Geduld mit.

Also die Tjerra-Sache glaube ich zumindest zu verstehen, so halbwegs: Tjerra ist anders, findet einen Falken, das ist aber Böse und die anderen jagen sie deshalb. Für mich klang es so, als würde die Flucht einige Jahre nach dem Fund des Falken stattfinden, das passte nicht so ganz. Oder haben die anderen erst so spät entdeckt, dass sie den Falken gefunden hat?
Was das aber mit ihrer Bestimmung zu tun hat und warum sie glücklich über ihren Tod ist … ja mei, so sind sie, die Heldinnen von heute *lach*
Die Krankenhausszene geht dann voll an mir vorbei, das wäre so eine Szene, die ich nach zwei Seiten dann auch vergessen hätte, wenn ich sie nicht direkt im ersten Kapitel einordnen kann. Aber wie gesagt, da bin ich etwas eigen.

Obwohl ich jetzt bissl was zusammengekratzt habe, wäre ich durchaus interessiert, wie es weitergeht. Gibt viele Geschichte, bei denen mich der Prolog nicht packt, die dann aber trotzdem gut werden. Deshalb überspringe ich Prologe auch oft beim Probelesen in Büchern. Das geheimnisvolle Prophezeiung-Zeugs ist einfach nichts für mich. Wenn die Geschichte jetzt aber spannend weiter- bzw. losgeht, wäre ich durchaus noch dabei. Dein Schreibstil ist angenehm, keine Fehler, sehr sicher in den Formulierungen. Da scheint ein Plan dahinterzustehen, auch wenn ich ihn nicht erkenne.
Gefällt mir.

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

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