Es ist: 10-04-2020, 19:35
Es ist: 10-04-2020, 19:35 Hallo, Gast! (Registrieren)


2:47
Beitrag #1 |

2:47
Ein langgezogenes „Piep“. Rasselndes Vibrieren.
Halbwach sein.
Ist der Funkmeldeempfänger.
Bedeutet: Einsatz.
Uhrzeit?
Kopf drehen.
2:47 Uhr.
Freitag auf Samstag.
Schlechte Zeit.
Ganz schlechte Zeit.
Will nicht aufstehen.
Augen wieder zumachen.
Blaulicht.

Herbst. Wird bald dunkel.
Anfahrt zur Unfallstelle. Zwei zerknüllte Autos im Acker rechts voraus. Helm zurechtrücken. Sitz der Handschuhe prüfen. Schwitzen. Ein schlechter Witz vom Nebenmann. Geruch nach sauren Gurken aus seinem Mund. Eklig. Rettungswagen ist schon da.
„Scheiße!“ Hörbares Erschrecken beim Fahrer.
Mannschaften stehen auf. Beugen sich vor. Wollen es sehen.
„Da sind Kinder drin!“
Kindersitz und Spielzeug. Um ein Auto gestreut. Im Halbkreis.
Wie mit einem Zirkel gezogen.
Keine blöden Witze mehr. Stille trotz Martinshorn. Anhalten. Kurze Befehle.
„Zwei Mann Verkehrsabsicherung. Zwei Mann Schneidgeräte bereitmachen!“
Raus aus dem LKW. Geräte geübt und zügig bereit legen.
„Keine Personen mehr in den Fahrzeugen. Sind alle selbst rausgekommen.“
Entwarnung.
„Räumt die Sachen wieder rein“
Ein unpassender Witz als Befreiung. Noch einer zur Erleichterung.
Keiner will schreiende und blutende Kinder sehen. Oder Schlimmeres.
Blaulicht.

Sommernacht. Kühl.
Auf Anfahrt. Befehlsausgabe.
„Zwei Mann Verkehrsabsicherung. Zwei Mann Schneidgeräte bereitmachen. Vor dem Fahrzeug auf meine Befehle warten.“
Blick zu Andreas. Gleichzeitiges Nicken. Heute Nacht schneiden wir. Jemand anderes soll Absicherung machen.
Absitzen. Geräte holen. Mann und Werkzeug bereitmachen. Befehl kommt. Nach vorne rennen. Anhalten und orientieren. Stabilen Stand einnehmen. Spreizer in den vorderen Türspalt. Drücken, nicht rammen. Dem Fahrer keine Angst durch laute Geräusche machen. Das hydraulische Gerät wie eine Schere öffnen. Tür und Karosse auseinander drücken. Benzingestank.
Und wieder schließen. Keine Hektik. Niemand schreit. Alles professionell.
Anfangen zu schwitzen. Achtung. Schweiß darf nicht in die Augen laufen. Visier beschlägt vom Atem. Helm in Nacken schieben. Unter Visier durchschauen. Tiefer ansetzen. Auseinanderdrücken. Beim nächsten Hub Türbänder abreißen. Andreas nimmt Autotür. Stellt sie zur Seite. Gerät ablegen. Fahrer einen Helm aufsetzen. Decke über ihn legen. Wie Leichentuch. Nicht auf Gejammer achten. Er hat einen Schock. Beine sind eingeklemmt. Keine offenen Wunden gesehen. Schweißgeruch aus meiner schweren Jacke. Bei jeder Bewegung.
„Was macht ihr? Was macht ihr da?“
Sani spricht beruhigend auf ihn ein. Warten, bis Scheiben entfernt sind. Dann hydraulische Schere. Andreas schneidet auf anderer Seite. A-Holm, B-Holm, C-Holm. Schere abgeben auf meine Seite. Ich schneide. C-Holm, B-Holm, A-Holm. Schritt zurück. Arm heben.
„Okay! Dach ist ab!“
Keuchen, schwitzen, Visier hoch. Kühle Luft.
„Vier Mann! … Anheben!“
Dach hochheben. Wegtragen. Zur Seite stellen. Decke weg. Opfer beruhigt sich. Warten. Die Sanis arbeiten lassen. Warten.
„Okay, er ist stabil. Holt ihn raus!“
Viele Schaulustige. Sind alles Feuerwehrmänner. Neugierig. Auch nur Menschen.
Neuer Befehl. Auto nach oben aufbiegen. Beine frei machen.
Dazu Schnitt in Boden bei vorderer, unterer Türecke in Schweller setzen.
Schneidgerät ansetzen. Hebel betätigen. Schneide drückt sich in Blech. Schere laufen lassen. Nur nicht halten. Ihre Kraft hält niemand. Schere sucht sich ihren Weg wie ein Pfadfinder. Visier beschlägt wieder. Visier hochklappen. Rüberschauen. Knie ist offen. Doch offene Wunde. Kniescheibe ist nach vorne runtergeklappt.
Jetzt erst Jammern hören. Nichts verstehen. Fremde Sprache. Osteuropa. Keine Ahnung. Ist gerade nicht wichtig.
Schneide ist fest, kommt nicht weiter. Schere öffnen, neu ansetzen. Hebel drücken. Schere arbeitet wieder. Rüberschauen. So sieht es im Knie aus. Aha. Faszinierend. Noch ein unvergessliches Bild.
Schweller ist durch. Aufstehen, zurücktreten, Schere ablegen. Schweiß abwischen, umschauen. Beim Gerät bleiben. Auf nächsten Befehl warten.
Blaulicht.

Frühling. Wird hell.
Warten. Sanis arbeiten.
Sanis gehen weg. Kopfschüttelnd. Notärztin kommt rüber. Ist nicht so hübsch wie die im Fernsehen. „Es ist vorbei. Holt sie raus!“
Blaulicht.

Herbst. Tiefdunkle Nacht.
Regen. Kripo kommt irgendwann. Dauert noch. Gehe Schaden anschauen.
In Innenraum sehen. Dann Starren.
Graugelb. Blaugrau. Graugelb. Blaugrau.
Einfaches Grauen. Gänsehaut. Etwas hängt raus. Seitlich an ihm runter. Ist groß wie Kinderfaust. Blaulicht lässt es leuchten.
Realisieren. Ist das die Milz? Braucht man die? Für was?
Abwenden. Zum Einsatzfahrzeug gehen. Heute keine Gedärme sehen will.
Blaulicht.

Sommer. Feierabend.
Kein Verkehr mehr. Schlachtfeld. Zwei Transporter zerfetzt. Stahl, Glas, Kunststoff. Fetzen, überall. Wie vom Schnitter verteilt. Zwei zerrissene Hüllen auf der Straße. Mit der Ausrüstung vorwärts rennen. Kommandant spricht mit den Sanis. Welcher hat mehr Chancen? Hat einer eine Chance?
Hellrote Fetzen am Boden. Hinschauen. Kamerad wirft Ausrüstung weg. Geht kotzen.
Hirn ausschalten. Programm starten. Keine Gefühle erlauben. Nicht denken. Nicht überlegen. Mechanisch arbeiten. Das Gesehene nicht realisieren. Jemand muss helfen. Können doch nicht alle reihern gehen.
Nur nicht realisieren. Ausgeschaltet bleiben. Anfangen zu arbeiten. Zugang für die Sanis schaffen. Irgendwie. Damit die vielleicht helfen können.
Blaulicht.

Frühling. Halb vier Uhr früh.
Warten. Kalt. Vor zwei Wochen noch gesehen. Zugenickt im Bistro. Hat zurückgegrüßt.
Schweigen. Weiter warten. Wann kommt der Staatsanwalt? Hat der keine Lust? Zu ungemütlich hier? Uns auch.
Die Cops frieren. Billige Befriedigung.
Liegt neben dem Auto. Nicht hinschauen. Mag nicht. Hab ihn vorhin gesehen. Sieht ganz gesund aus. Ein bisschen bleich. Kopf hängt schief weg. Ein sehr altes Metallica-Shirt als Leichenhemd. „Seek And Destroy“. Found And Destroyed.
Betroffenheit verstecken. Kläglichen Witz anhören. Gesicht verziehen. Warten. Noch ein blöder Witz.
Habe ihn gekannt. Wird auf Trage gelegt. Decke drüber. Psychologie.
Blaulicht.

Herbst. Windiger Abend.
Aufenthaltsraum. Alle sitzen im Kreis. Ein paar trinken Einsatzbier. Wie nach einer Übung. In gemütlicher Runde.
Seelsorger, Sani und einer von der Führungsgruppe sind da. Fragen nach Gefühlen. Fragen nach dem Befinden. Keine Gefühle. Kein Befinden. Einen Schluck nehmen.
Ein Junger weint. Hat nichts Schlimmes sehen müssen. Erntet verhaltenes Unverständnis. War nur Verkehrsregler.
Der Nächste. Hat getan, was er konnte. Er ist okay, fühlt Trauer. Einsatz war professionell. Schade dass es nichts geholfen hat.
Nächster. Ende vierzig. Nasse Augen. Die Frage nach dem Warum. Nicht das Offensichtliche. Hat Probleme mit einem Detail.
„Der Mann lag im Dreck! Die Sanis haben ihn in den Dreck geworfen! Warum blieb er nicht im Rettungswagen? Wenigstens bis der Leichenwagen da ist.“
Ein gestandener Mann. Eine Träne läuft. Der Sani erklärt. Ruhig. Geduldig.
„Es gibt nur zwei solche Rettungswagen im Kreis. Also müssen sie sofort wieder einsatzfähig gemacht werden. Sofort.“
Keine Sekunde warten. Der nächste Unfall kommt bestimmt. Dessen Opfer hat vielleicht mehr Glück.
Eine Trage unter die Leiche. Eine Decke drüber.
Hätte vielleicht schon geholfen.
Wenigstens den Lebenden.
Blaulicht.

Sommer. Später Abend.
Regen. Übung vorbei. Aufenthaltsraum. Blöde Witze. Schräge Anmache. Lachen. Alle umgezogen und in Zivil. Kommandant stellt Kasten Bier auf den Tisch und sorgt für Ruhe. Hat ernste Miene.
„Erinnert ihr euch an den Opel gegen den LKW? Vor vier Wochen? Der, der mit dem Hubschrauber weggeflogen wurde?“ Er zögert. „Er hat’s nicht geschafft. Seine Eltern haben angerufen und Geld für einen Kasten Bier gespendet. Ich soll euch danke sagen.“
Anerkennung. Ganz rare Geste. Bewirkt Betretenheit. Wieder vergeblich gewesen. Leise Flüche.
Wie immer bleibt etwas zurück. Meist ein schreckliches Bild. Heute das Wissen um sein Schicksal. Auch sehr selten für uns.
Blaulicht.

Hochschrecken.
Ein langgezogenes „Piep“. Rasselndes Vibrieren.
Kopf drehen.
Immer noch 2:47.
Aufstehen und anziehen.
Lass es ein Fehlalarm sein.
Lass eine Scheune brennen.
Irgendein lustiger Einsatz.
Keine gefährdeten Personen.
Keine verletzten Personen.
Keine toten Personen.
Kein Grauen.
Angezogen.
Losrennen in die Nacht.
Hoffen.
Blaulicht kommt später.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: 2:47
Hallo Teja,

was ich bei dir sehr mag, ist, dass du öfters etwas ausprobierst, neue Sachen versuchst.
Da ist es dann immer spannend zu sehen, was du dir wohl als nächstes ausgedacht hast.
Hier ist es also ein sehr traumähnlicher Stil, der mich an ein Kind erinnert. Nur Sequenzen, nichts fertig Formuliertes. Das passt auf jeden Fall sehr gut zum Inhalt.

Obwohl vor allem die Sprache auffällt, möchte ich beim Inhalt anfangen (ansonsten geht das am Ende noch unter *g) :
Du beschreibst das Leben, bzw. gelegentliche Nachtleben eines Feuerwehrmannes im Bereitschaftsdienst. Er sieht Menschen in Momenten, wenn sie kurz vor dem Durchbrechen sind, im wahrsten Sinne des Wortes und seine einzige Möglichkeit, mit diesem ständigen psychischen Druck umzugehen, ist der Automatismus, den er sich angelernt hat. Etwas Ähnliches müssten auch Ärzte in der Notaufnahme entwickelt haben oder Menschen, die den ganzen Tag mit psychisch angeschlagenen Personen arbeiten. Es ist mit Sicherheit nicht leicht, trotzdem den Job ordentlich zu machen. Schließlich ist jeder auch irgendwo Mensch und empathisch. Gleichermaßen wie er sich davor fürchtet, wieder aufstehen zu müssen, besonders in den Wochenend-Nächten, scheint es doch eine innere Verpflichtung für ihn zu sein. Ich denke, da er sich gut auskennt, dass er von Beruf Feuerwehrmann ist.
Es ist ein bisschen wie ein Kampf gegen die eigene Menschlichkeit, indem aber gleichzeitig genug Mensch bewahrt werden muss, um die Sache noch zu machen.
Zitat:Sommer. Feierabend.
Kein Verkehr mehr. Schlachtfeld.
Diesen ganzen Absatz der darauf folgt, habe ich nicht verstanden. Was ist da passiert? Was ist mit "Welcher hat mehr Chancen?" gemeint? Sind da zwei aus der Psychiatrie ausgebrochen und machen sich gegenseitig fertig? Das klingt mir irgendwie zu ... abwegig.

Zum Stil:
Ich mag so einen kurzen, knappen Stil, der fast telegraphenartig ist. Du verzichtest fast vollständig auf Subjekte in den Sätzen (bzw. auf die zugehörigen Prädikate), ebenso vermeidest du es Anzeichen von Persönlichkeit einzubringen (ich, mir, mein), zumindest sprachlich. Das passt gut zum Inhalt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, so zu schreiben. Vor allem am Anfang könntest du noch präziser mit diesem Stil umgehen, denn da schreibst du von konkreten Einsätzen, hinten dagegen auch von Treffen der Feuerwehrleute (vllt sind sie doch von der FFW?). Deswegen habe ich recht viele Vorschläge zu Stellen, an denen du noch einmal feilen könntest. Weitestgehend hat mir das aber sehr gefallen, eben wegen der Konsequenz, mit der du so knapp angebunden schreibst.

Anmerkungen zu Sprache und Inhalt:
Zitat:Augen wieder zu machen.
zumachen
Zitat:Ein schlechter Witz vom Nebenmann. Aus seinem Mund Geruch nach sauren Gurken.
Vorschlag: "Geruch nach sauren Gurken aus seinem Mund", die anderen Sätze fangen auch mit dem Subjekt an.
Zitat:Zwei Mann Schneidgeräte bereit machen!“
"bereitmachen", ebenso nächste Zeile: "bereitlegen" und das einmal im ganzen Text überprüfen
Zitat:Keiner will schreiende und blutende Kinder sehen. Oder schlimmeres.
Oder Schlimmeres.
Zitat:Tür und Karosse auseinanderdrücken. Benzingestank.
auseinander drücken
Zitat:Keine Hektik. Niemand schreit. Alles vollprofessionell.
Irgendwas stört mich an dem Wort "vollprofessionell", vielleicht schreibst du es auseinander?
Zitat:Anfangen zu Schwitzen. Achtung.
zu schwitzen
Zitat:Er hat einen Schock. Beine sind eingeklemmt. Habe keine offenen Wunden gesehen.
Hier hast du ein persönliches "Habe",
Vorschlag 1: "Keine offenen Wunden zu sehen."
Vorschlag 2: "Keine offenen Wunden gesehen."
Zitat:Schweißgeruch aus meiner schweren Jacke.
Hier wieder "meiner", vllt: "Schweißgeruch aus der schweren Jacke"? Oder versteht man dann nicht, wessen Jacke gemeint ist?
Zitat:Andreas beginnt das Schneiden auf anderer Seite.
Der Satz ist ein bisschen zu richtig, zu ganz.
Zitat:„Okay, er ist stabil. Holt ihn raus!“, sagt Notarzt.
"sagt Notarzt" kannst du eigentlich weglassen - ja, wer sonst?
Zitat:Viele Schaulustige. Sind alles Feuerwehrmänner. Neugierig. Auch nur Menschen.
Sehr gelungen!
Zitat:So sieht es im Knie aus. Aha. Faszinierend.
Und hier musste ich kurz auflachen, auch wenn das nicht zum Lachen ist.
Zitat:Frühling. Es wird gerade hell.
Vorher formulierst du an der Stelle so (oder so ähnlich) : Frühling. Wird hell.
Zitat:In Innenraum sehen. Dann Starren.
Dann starren.
Zitat:Die Frage nach dem Warum?
Die Frage nach dem Warum.
Zitat:Wenigstens den Lebenden.
Blaulicht
Zitat:Hochschrecken
Ein langgezogenes „Piep“. Rasselndes Vibrieren.
Da fehlen zwei Punkte
Zitat:Blaulicht kommt später.
Tolles Ende!

Ein schönes Wochenende wünsche ich dir!
Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: 2:47
Hi tEja,
ich muss leider sagen, dass ich Libertien nicht zustimmen kann. Dein Text hat mich nicht berührt, nicht mal verwirrt.
Es ist einfach eine Ansammlung von konfusen Halbsätzen, ohne Sinn und Wirkung.
Ausformuliert hättest du daraus was sehr Schönes, Mitreißendes machen können.
So bleibt ein schales: Schade.

LG
Adsartha

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: 2:47
Hi Libertine, hi Adsartha84,

schön euch hier zu lesen.

Dann mal los:

@Libbi,

Zitat:was ich bei dir sehr mag, ist, dass du öfters etwas ausprobierst, neue Sachen versuchst.
Da ist es dann immer spannend zu sehen, was du dir wohl als nächstes ausgedacht hast.
Hihi, danke. Mir macht es Spaß, zu probieren, denn da lerne ich viel dabei.
Und: mich überrascht es auch immer wieder, was dann rauskommt.

Zitat:Hier ist es also ein sehr traumähnlicher Stil, der mich an ein Kind erinnert. Nur Sequenzen, nichts fertig Formuliertes. Das passt auf jeden Fall sehr gut zum Inhalt.
Traumaähnlich, nur Szenen oder Halbszenen, keine zusammenhängende Gedanken, nur Ausschnitte, an die er sich erinnert. Genau so war das gedacht. An das Schreckliche erinnert man sich nicht in langen zusammenhängen, sondern an das was das Schrecklichste war.

Zitat:Obwohl vor allem die Sprache auffällt, möchte ich beim Inhalt anfangen (ansonsten geht das am Ende noch unter *g) :
Na danke … *fg

Zitat:und seine einzige Möglichkeit, mit diesem ständigen psychischen Druck umzugehen, ist der Automatismus, den er sich angelernt hat. Etwas Ähnliches müssten auch Ärzte in der Notaufnahme entwickelt haben oder Menschen, die den ganzen Tag mit psychisch angeschlagenen Personen arbeiten.
Jein. Der Held ist ein Mitglied der FFW, also ein ganz ‚normaler’ Mensch mit einem Hobby. Dieser Mensch wird bei einem Einsatz aus der Normalität gerissen und in einen Einsatz geworfen. Einsätze können Ölunfälle, Brände, Katze auf Baum oder eben Verkehrsunfälle sein. Darum ist das anders als bei Notärzten, die das Schreckliche alle Tage sehen (aber auch Notärzte können ko…. gehen) und die sich in gewissem Umfang daran ‚gewöhnen’ können. Ebenfalls die Menschen die mit psychisch Kranken arbeiten. Weiterhin haben die sich ihren Beruf einigermaßen ‚ausgesucht’, während ein freiwilliger bei der Feuerwehr sich die Einsätze nicht aussucht. Allerdings gibt es Feuerwehrleute, die bei einem Verkehrsunfall nicht mitfahren.
Der Automatismus, das ständige üben der Hilfe bei einem Verkehrsunfall sorgt (kann) in gewisser Weise dafür, dass die Arbeit getan wird, dass geholfen wird (schnell und präzise), ohne dass derjenige der helfen soll sich von Gefühlen überwältigen lässt. Und allen gelingt das auch nicht.

Zitat:Es ist mit Sicherheit nicht leicht, trotzdem den Job ordentlich zu machen. Schließlich ist jeder auch irgendwo Mensch und empathisch.
Jepp. Das geht an (fast) niemandem einfach so vorbei.

Zitat:Gleichermaßen wie er sich davor fürchtet, wieder aufstehen zu müssen, besonders in den Wochenend-Nächten, scheint es doch eine innere Verpflichtung für ihn zu sein.
Ganz genau. Irgendjemand muss ja helfen.

Zitat:Es ist ein bisschen wie ein Kampf gegen die eigene Menschlichkeit, indem aber gleichzeitig genug Mensch bewahrt werden muss, um die Sache noch zu machen.
Genau.

Zitat:Zitat:
Sommer. Feierabend.
Kein Verkehr mehr. Schlachtfeld.
Diesen ganzen Absatz der darauf folgt, habe ich nicht verstanden. Was ist da passiert? Was ist mit "Welcher hat mehr Chancen?" gemeint? Sind da zwei aus der Psychiatrie ausgebrochen und machen sich gegenseitig fertig? Das klingt mir irgendwie zu ... abwegig.
Einsatzkräfte und Gerät sind in den ersten Minuten sehr begrenzt und es muss entschieden werden, wem zuerst zu helfen ist. Wer ist schlimmer verletzt? Wer hat die besseren Chancen?
Das muss jemand beurteilen der von sowas keine Ahnung hat und entscheidet damit möglicherweise über Leben und Tod.

Zitat:Zum Stil:
Ich mag so einen kurzen, knappen Stil, der fast telegraphenartig ist.
Ich hab ihn hier mögen gelernt. So zu schreiben ist unheimlich interessant und ziemlich fordernd, weil man sagen muss, was man meint und nicht lang herumreden und begründen kann. *ggg

Zitat:Du verzichtest fast vollständig auf Subjekte in den Sätzen (bzw. auf die zugehörigen Prädikate), ebenso vermeidest du es Anzeichen von Persönlichkeit einzubringen (ich, mir, mein), zumindest sprachlich. Das passt gut zum Inhalt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, so zu schreiben.
Oh ja. Bezogen auf die Anzahl der Worte ist das eine der Geschichten, die bisher am längsten gedauert haben. Ich hab ihn so oft gelesen und geändert, dass ich ihn rückwärts konnte.

Zitat:Vor allem am Anfang könntest du noch präziser mit diesem Stil umgehen, denn da schreibst du von konkreten Einsätzen, hinten dagegen auch von Treffen der Feuerwehrleute (vllt sind sie doch von der FFW?).

Okay, schau ich mir an. Und: er ist von der FFW.
Durch die Geschichte zieht sich ein Faden, auch wenn jeder Absatz einen anderen Einsatz beschreibt: Es beginnt mit der Anfahrt der Einsatzkräfte, dem Bereitmachen, dann kommen die Situationen, die die Einsatzkräfte erwarten können. Zum Beispiel kann es sein, dass nur ein paar Prellungen sind, es kann sein, dass mehrere Menschen eingeklemmt und schwer verletzt sind, bluten und gerettet werden müssen oder dass ‚nur’ eine Leiche aus einem Auto zu bergen ist.
Nach dem Einsatz kommt in der Regel (seit ein paar Jahren, wurde irgendwann nach Eschede eingeführt) das Debriefing. Jeder erzählt, was er gesehen hat, wenn alle durch sind, erzählt jeder, was er gemacht hat und nach dieser Runde wird erzählt, was man gefühlt hat. Das soll beim Bewältigen des Schreckens helfen.

Zitat:Deswegen habe ich recht viele Vorschläge zu Stellen, an denen du noch einmal feilen könntest. Weitestgehend hat mir das aber sehr gefallen, eben wegen der Konsequenz, mit der du so knapp angebunden schreibst.
Her damit, ich schaus mir an und feile noch ein bisschen. Mit der groben Feile. *gg
Die meisten deiner Vorschläge übernehme ich sofort. Nur die hier ‚muss’ ich kommentieren:

Zitat:Zitat:
So sieht es im Knie aus. Aha. Faszinierend.
Und hier musste ich kurz auflachen, auch wenn das nicht zum Lachen ist.
Da bist du nicht die Einzige. Frag mal Lain. *ggg


Zitat:Zitat:
Blaulicht kommt später.
Tolles Ende!
Danke. *strahl

Ein schönes Wochenende wünsche ich dir!
Das wünsche ich dir auch.
Vielen Dank für die Mühe und deine hilfreichen Anmerkungen und Ideen. Ich werde mir die Geschichte morgen noch mal vornehmen.

CU,
Teja



@adsartha84

Zitat:ich muss leider sagen, dass ich Libertien nicht zustimmen kann. Dein Text hat mich nicht berührt, nicht mal verwirrt.
Schade. Allerdings: verwirren wollte ich nicht. Die Geschichte sollte klar und eindeutig sein.

Zitat:Es ist einfach eine Ansammlung von konfusen Halbsätzen, ohne Sinn und Wirkung.
Ausformuliert hättest du daraus was sehr Schönes, Mitreißendes machen können.
So bleibt ein schales: Schade.
Hm, diese Geschichte beschreibt den Zustand der Einsatzkräfte im Einsatz. Der Zustand, wenn sie mit Adrenalin vollgepumpt sind, nur ein Ziel vor sich haben und dabei unter ziemlichem Stress stehen.
Hätte ich es ausformuliert, wäre die Wirkung nicht zu erzielen gewesen und die Geschichte hätte an Unmittelbarkeit und Geschwindigkeit verloren.

Es ist vielleicht so, dass man diese Geschichte nicht in jeder Stimmung lesen kann. Mir hat beim Schreiben geholfen, dass ich versucht habe, mich zumindest andeutungsweise in den Zustand einer solchen Einsatzkraft zu versetzen.

Auf jeden Fall danke für deine Rückmeldung, auch wenn sie nicht so erfreulich ist.

CU,
Teja


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: 2:47
Hmm,
vielleicht war ich gestern nicht in der richtigen Stimmung.
Ich schreibe ja auch manchmal kurz und unfertig in meinen Albtraumauswüchsen.
Werde mich also nochmal beizeiten ransetzen und einen neuen, unverfälschten Blick wagen.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #6 |

RE: 2:47
Hallo Teja,

also, mir hat die Geschichte durchaus gefallen. Ich mochte auch den knappen, fast emotionslosen Schreibstil sehr gerne. Und ich denke, ich habe schon verstanden, worum es geht: Feuerwehrmänner bei ihren "alltäglichen" Einsätzen.

Das ist alles so - wie soll ich sagen? -, also, durch den knappen Schreibstil wirkt es sehr direkt. Wie Gedankenfetzen. Ein Wunsch, ein Traum, gerade durch den Kreis, der sich durch Anfang und Ende bildet. Vielleicht auch wie Erinnerungen, die um 2:47 Uhr, diesem Augenblick, als der Protagonist aufstehen, sich einem Einsatz stellen muss, aufbricht zu dem, was er schon unzählige Male vorher erlebt hat, nicht will (mir schien es, als zeige er Widerwillen) ... sehr schön!

Auch die unterschiedlichen Einsätze, Facetten dessen, was passiert. Die Opfer, das Helfen, die Dankbarkeit der Familien, deren Angehörigen geholfen wurden ... und dann die Gefühle, die Handlungsweisen der Helfenden selbst.

Hat mir sehr gefallen, gar nichts zu meckern. Icon_smile

Liebe Grüße,
Zwielichtstochter


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #7 |

RE: 2:47
Ich habs ja im alten Forum schon mal kommentiert.
Vielleicht gibt es Menschen, die sich daran "gewöhnen", aber ich weiß von vielen Notärzten, dass ihnen das, besonders bei Kindern, niemals gelingt.
In dem Moment, wo es passiert, ist das "handeln müssen" eine Krücke. Die Routine hilft, das Furchtbre rundherum auszublenden, Handgriff für Handgriff das Notwändige zu tun.
Man ist sich, zum Glück nicht bewußt, was dahintersteht, wenn man sagt:
"Kümmert Euch erstmal um die Frau, der Mann hat viel zu viel Blut verloren."
Entsetzlich? Ja - nein. Nicht in diesem Moment. Jetzt zählt nur, so viel Leben wie möglich zu erhalten. Es gibt Regeln, z.B. bei großen Zugunglücken. eine davon lautet - Kinder zuerst.
Du hälst ein Kind in den Armen, das keine Hände mehr hat. Kannst du nicht? O doch.
Und es fragt Dich:
"Sterbe ich?"
Du willst irgendwas sagen, eine Lüge, irgendwas ... und dann siehst Du die blauen Augen, die Deine Gedanken mitzulesen scheinen, keine Ausflüchte mehr zulassen und Du antwortest:
"Ich bleibe bei Dir. Ich halte Dich ganz, ganz fest."
Und weiter gar nichts.
Danach kommen die Flashbacks. Besonders bei Menschen, die sowas das erste Mal erleben. Mitten in der Nacht wird man wach, heult, beißt ins Kissen, um nicht laut zu schreien. Der Ehepartner wird wach, nimmt einen in den Arm:
"Es ist gut. Es ist vorbei."
Aber es ist nichts vorbei. Du merkst, egal wie nah er bei Dir ist, innendrin bist du allein - allein mit diesen Bildern.
Der Psychologe sagt:
"Das ist normal. Das wird mit der Zeit besser. Sprechen Sie darüber mit mir."
Aber wie kann man jemanden einladen in diese Hölle? Das geht nicht mit Worten.
Und der Alltag geht weiter. Er geht weiter, wenn ein Arzt über die Gleise ruft:
"Uns fehlt von dem Selbstmörder noch eine Hand. Sucht die mal!"
Und irgendjemand neben Dir frozzelt:
"Suchen wir. Muß ja zu finden sein. so klein ist eine Hand ja nicht ..."
Ich habs damals nicht geschafft, bin daran richtiggehend psychisch zerbrochen. Statt, dass Bilder verblassten, wurden sie von jedem neuen Ereignis aufgefrischt.
Meine Bewunderung für Menschen, die das in ihrer Freizeit tun oder dem ihr Leben gewidmet haben, ist nahezu grenzenlos.

Ninita

Glück ist eine Zuchtpflanze aus Ehrgeiz und Fleiss,
gesät in eine Mischung von Geduld und Beharrlichkteit,
regelmäßig gedüngt mit Humor. (Xelanja)

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #8 |

RE: 2:47
Hi Zwielichtstocher und Ninita,

schön euch hier zu lesen.

@Zwielichtstochter:
Zitat:also, mir hat die Geschichte durchaus gefallen.
Danke, das freut mich. Und du hast es richtig erkannt, es geht um einen Feuerwehrmann, der einen Einsatz hat und die Bilder vergangener Einsätze im Kopf hat.

Zitat:also, durch den knappen Schreibstil wirkt es sehr direkt. Wie Gedankenfetzen. Ein Wunsch, ein Traum, gerade durch den Kreis, der sich durch Anfang und Ende bildet
Ich habe versucht, die Atmosphäre, das Denken und Tun während eines solchen Einsatzes, bei dem es um Schmerzen und Menschenleben geht einzufangen und rüberzubringen, weil diese Einsätze sich doch sehr von "normalen" Brandeinsätzen unterscheiden.

Zitat:was er schon unzählige Male vorher erlebt hat, nicht will (mir schien es, als zeige er Widerwillen)
Er will nicht wieder dahin, wo er solche Bilder sehen und solche Sachen erleben muss, andererseits ist da das Pflichtgefühl, das ihn dorthin treibt. Denn: Wer hilft, wenn heute Nacht keiner kommt?

Zitat:Auch die unterschiedlichen Einsätze, Facetten dessen, was passiert. Die Opfer, das Helfen, die Dankbarkeit der Familien, deren Angehörigen geholfen wurden ... und dann die Gefühle, die Handlungsweisen der Helfenden selbst.
Jeder Einsatz ist anders, die Reaktionen sind anders, was man antrifft ist anders, aber jeder hat seinen eigenen Schrecken. Ob man helfen kann oder "nur" neben der Leiche warten muss, bis die Aufräumarbeiten beginnen können, ist beides nicht schön, aber all das kann den Helden der Geschichte erwarten. Deswegen stehen unterschiedliche drin.

Zitat:Hat mir sehr gefallen, gar nichts zu meckern.
Hey, dankeschön! *strahl

Vielen Dank für die Mühe, die du dir gemacht hast.

CU,
Teja

@Ninita
Zitat:Vielleicht gibt es Menschen, die sich daran "gewöhnen", aber ich weiß von vielen Notärzten, dass ihnen das, besonders bei Kindern, niemals gelingt.
Gewöhnen ist vielleicht das falsche Wort, aber ich finde kein besseres. Aber es stimmt schon, was du sagst: Dadurch, dass man es öfter erlebt, wird das Schreckliche nicht weniger Schrecklich.
Vielleicht ist das viel stärker von der Einzelperson abhängig, denn ich kenne Feuerwehrmänner, denen das nichts ausmacht und welche, die einmal bei einem solchen Einsatz dabei waren und danach nie wieder.
Ich lag wohl falsch. Wahrscheinlich gewöhnen sich Notärzte auch nicht daran, sondern sind mehr oder weniger empfänglich oder haben einen stärkeren oder schwächeren emotionalen Schutzschild um sich herum errichtet. Hm.
Ich hoffe das oben ist einigermaßen verständlich.

Zitat:In dem Moment, wo es passiert, ist das "handeln müssen" eine Krücke. Die Routine hilft, das Furchtbre rundherum auszublenden, Handgriff für Handgriff das Notwändige zu tun.
Das Handeln müssen ist eine Krücke, die hilft, diese Situation durchzustehen und die Routine, bei den Feuerwehmännern ist das die Ausbildungen, bei denen jeder Handgriff geübt wird, läuft einfach ab. Teilweise hat man das Gefühl kaum dabei zu sein, man ist nur noch Handlung und Training.

Zitat:Man ist sich, zum Glück nicht bewußt, was dahintersteht, wenn man sagt:
Genau das ist es. Das bewusst werden kommt erst hinterher, wenn es vorbei ist, wenn der Druck weg ist und dann kommen die Fragen.

Zitat:Entsetzlich? Ja - nein. Nicht in diesem Moment
Genau. Denn: In den ersten Minuten, wenn Mann und Gerät knapp sind, muss die Entscheidung getroffen werden, wem zu helfen ist, denn genau darum geht es:
Zitat:Jetzt zählt nur, so viel Leben wie möglich zu erhalten

Zitat:Danach kommen die Flashbacks. Besonders bei Menschen, die sowas das erste Mal erleben. Mitten in der Nacht wird man wach, heult, beißt ins Kissen, um nicht laut zu schreien. Der Ehepartner wird wach, nimmt einen in den Arm:
Ja. Los wird man diese Bilder nie wieder.

Zitat:Aber es ist nichts vorbei. Du merkst, egal wie nah er bei Dir ist, innendrin bist du allein - allein mit diesen Bildern.
Der Psychologe sagt:
"Das ist normal. Das wird mit der Zeit besser. Sprechen Sie darüber mit mir."
Vom darüber reden wird es auch nicht immer besser. Das Debriefing, das seit einiger Zeit auch bei nicht professionellen Helfern gemacht wird, soll dafür sorgen, dass eigene Gefühle, eigene Aktionen und Gedanken getrennt vor der Gruppe, die alle an dem selben Ereignis dabei waren, ausgesprochen und dann besser verarbeitet werden. In einer Psychologie-Zeitschrift habe ich dieser Tage einen Artikel darüber gelesen und die Erfolgsquote des Debriefing ist 60%. Das bedeutet, dass dieses Reden bei 40% nicht hilft.

Zitat:Und der Alltag geht weiter.
Das ist ein schöner Ausdruck, denn in dieser Situation, die so weit vom Alltag entfernt ist, ist das "tun" tatsächlich so irgendwas wie der Alltag. Man ist ja dort, um etwas zu tun, um zu helfen.
Erst wenn die Situation durch ist, man beim Debriefing oder noch später ist, kommen die Fragen, die Bilder, kommt das eigentliche Entsetzen.

Ich danke Dir für dein zweites Kommi, deine Gedanken und Gefühle. Es war sehr interessant, deinen Gedanken und Aussagen zu folgen.

CU,
Teja


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #9 |

RE: 2:47
hallo teja,

ich kenne die geschichte ja schon, aber ich scheu mich trotzdem nicht davor sie nochmal zu kommentieren. Icon_smile

immernoch ein sehr interessanter ... text, oder doch geschichte? ich weiss es nicht genau.

jedenfalls fand ich es am anfang recht mühsam zu lesen, bis ich mich an diesen kurzatmigen stil gewöhnt hatte, den ich gar nicht von dir kenne. inzwischen weiss ich ja, dass das nur ein experiment von dir war und ich finde es ist dir geglückt, zumindest es bis zum schluss durchzuhalten. ich denke der stil trifft nicht jeden geschmack.

wir haben hier einen feuerwehrmann, der mitten in der nacht geweckt wird (genauer gesagt um 2:47 uhr), er möchte nicht aufstehen und bleibt deshalb noch ein paar sekunden liegen. erinnerungen kommen ihm vor augen, von verschiedenen einsätzen. manche sind wirklich tragisch und so hofft er das dieser einsatz, weniger schlimm wird. hmm, manche dinge hast du wirklich detailreich beschrieben und manche ganz weggelassen, aber genauso sind erinnerungen nunmal.

ich habe übrigens erst ganz zum schluss gemerkt, dass alles anscheinend "nur" erinnerungen sind, als er da immernoch im bett gelegen hat und es immernoch 2:47 uhr ist. was ich übrigens recht realistisch finde. manchmal vergehen solche momente eben ohne das wir es gemerkt haben und plötzlich ist es viel später als wir glauben und manchmal wünschen wir uns das es schon später sein soll, ist es aber nicht. ich verstrick mich grad wieder in meinen sätzen die eigentlich nichts mit dem thema zu tun haben. ich hoffe du verzeihst mir das. Icon_smile

also, alles im allem fand ich es auch beim zweiten mal lesen nicht schlecht. was mir gut gefallen hat, war dass du das blaulicht immerwieder aufgegriffen hast, dass sich durch den ganzen text gezogen hat. auch die details fand ich passend erwähnt.

aber ich muss sagen, dass ich schon texte von dir gelesen habe, die mir besser gefallen haben, was glaube ich zum großen teil an dem gewöhnungsbedürftigen stil lag, so hat es länger gedauert bis ich mich reinfand. trotzdem find ich es gut, dass du dich traust auch mal sowas auszuprobieren.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #10 |

RE: 2:47
Hallo Teja,

Lilly hat mich in einem Kommentar auf mein "Nachts im November" auf Deinen Text hingewiesen.

Als Blaulicht-Kollegin kann ich Deine Gedanken, die eigentlich "nur" Schnappschüsse sind, so gut nachvollziehen... Gerade der Stil verdeutlicht das noch mehr, solche Situationen, wo man keine Zeit zum Denken hat, knappe Funksprüche, knappe Kommandos, das Stakkato einer Rea... Ich hab die vorangegangenen Kommentare nicht gelesen, ich möchte nicht Beistriche suchen gehen. Mir hat die Gesamtheit gefallen, ich kann mir gut vorstellen, daß es bei Laien Verstörtheit zurückläßt.

Zitat:Kamerad wirft Ausrüstung weg. Geht kotzen.
Hirn ausschalten. Programm starten. Keine Gefühle erlauben. Nicht denken. Nicht überlegen. Mechanisch arbeiten. Das Gesehene nicht realisieren. Jemand muss helfen. Können doch nicht alle reihern gehen.
meine Lieblingsstelle.

Gern gelesen!
Icon_jump t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme