Es ist: 26-09-2021, 11:24
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Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Beitrag #21 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Die Stellenanzeigen, ja - ein Traum. Schöner finde ich nur noch die, bei denen Frauen und Behinderte bevorzugt eingestellt werden. Ob die Implikation, die sich aufdrängt, wirklich beabsichtigt war, sei mal dahin gestellt ...
Auf der anderen Seite, D., die Realität ist ja (trotz der "frauenfreundlichen" Stellenausschreibungen, die für mich genauso ein Hohn sind und deren Verfassungsmäßigkeit angesichts von Art. 3 I GG ich ebenso fraglich finde) die, dass bei einer Stellenausschreibung die Person genommen wird, die der Lehrstuhlinhaber / Chef / Personaler haben will: Und wenn es der Mann ist, dann wird eben so nachgeholfen, dass es gerade auf die Eigenschaften ankommt, die bei ihm vorliegen und nicht bei der Frau. Damit läuft die ganze AGG-Klamotte letztlich ins Leere. Wer heute noch dagegen verstößt (Kinderwunsch-Frage etc.), ist selbst schuld. Dass das verboten ist, ist bekannt (und tatsächlich auch richtig, finde ich). Aber wer keine angehenden Schwangeren einstellen will, der wird schon Wege finden, geschlechtsunabhängig zu argumentieren.

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Beitrag #22 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
FL, das mag für 'private' Stellen vielleicht sein - aber im öffentlichen Bereich (Bund/Länder/Kommunen/etc.) gilt dies soweit nicht. Da reicht das Geschlechtsmerkmal aus. Und es ist nicht das männliche.
Es ist nämlich gesetzlich so geregelt. Also nicht die ausschreibende Behörde/Kommune/Dienststelle will die Förderung von Frauen, sondern das Gesetz.

Beispiel: Es gibt keine männlichen Stelleninhaber für den Posten 'GleichstellungsbauftragtIN'.
Zitat:Als Gleichstellungsbeauftragte ist eine Frau zu bestellen.
Landesgleichstellungsgesetz, Abschnitt IV, §15 Absatz 3 Satz 1 LGG.
(Oder: ein Mann ist dabei kontraproduktiv? Ich könnte den Job machen.)

Bezüglich der 'Realität', die Du ansprichst: letztendlich weiß selbst Derjenige, der nicht ausgewählt wurde nicht, warum dies so passierte. Bei einer Frau allerdings kommt beinahe automatisch das Argument, es sei nur wegen ihrem Geschlecht geschehen. Verklärende Wahrnehmung.

Ich will nicht sagen, dass das nicht passiert oder vorgekommen ist. Aber es ist nicht die Masse, die gerne heraufbeschworen wird. (Und es muss ja eine Masse da sein, sonst kann man ja nichts ändern. Also muss gezielt darauf hingearbeitet werden.)

Bezüglich der Schwangerschaftssache: Als ich beim HBZ war, war auch so ein Fall Thema. Da hatte eine Frau sich bei einem Handwerksbetrieb beworben und verschwiegen, dass sie bereits im x-ten Monat schwanger sei. Der Einstellungstermin war ein paar Wochen später. Sie hat angefangen und ist bald darauf in Mutterschutz gegangen.*
Effektive Arbeitszeit/Produktivität? Gleich Null. Arbeitgeber zahlt ja.
Es ist schon verständlich, dass das ärgert - aber darüber spricht man ja nicht. (Warum eigentlich?)
-> Ich sollte klarstellen, dass die fragliche Beschäftigte nicht die Absicht hatte, Arbeiten zu gehen. Sie brauchte nur wegen dem damaligen Arbeitsamt einen kurzfristigen Job. Hatte sich auch kündigen lassen, als sie wieder Arbeiten gehen musste.

Das Pro-Forma-Argument 'Schwangerschaft' - obwohl die betreffende Person überhaupt nicht schwanger ist zum Zeitpunkt der Einstellung - ist in meinen Augen schafscheiße. (Um es freundlich auszudrücken.) Ich denke mir, egal ob Frau oder Mann/Mann oder Frau, irgendwann kommt eben ein Kinderwunsch. Und dann ist die weibliche Beschäftigte eben in Mutterschutz. Und auch der Vater hat Anspruch auf Elternteilzeit und fällt einige Zeit aus.
Also was soll das? (Jetzt nicht gegen Dich gerichtet.)

LGD.

*Edit: Natürlich muss sie es nicht sagen. Und eine Frau darf sogar lügen, wenn sie gefragt wird, ob sie schwanger ist. (!)
Edit 2: Um es noch klarer auszudrücken: Ich wünsche mir eine 'offene Kultur', wo man sagen kann, dass man schwanger ist, wenn man gefragt wird als Frau. Dann kann man als Arbeitgeber auch damit arbeiten. Stichwort: Suche nach Elternzeitvertretungen beispielsweise, die nicht erst dann angeleiert werden muss.
Es gab in meinem Umfeld genügend Arbeitgeber, die nichts dagegen hatten, wenn jemand schwanger eingestellt wird. Nur sollte man bitte schön mit offenen Karten spielen.


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Beitrag #23 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Ok, jetzt rutscht das Thema vielleicht etwas offtopic (und ich bin schuld Icon_ugly ), aber zu der Schwangerschaftsklamotte noch ein Wort: Dieses Recht zur Lüge, das uns der EuGH mittlerweile allumfassend (also selbst bei befristeten Stellen Icon_irre ) beschert hat, hat aber schon seine Richtigkeit. Auch wenn du andere Arbeitgeber kennst - es ist nunmal ein Nicht-Einstellungsgrund für viele. Dass das missbraucht wird in derart schamloser Weise wie bei dem von dir geschilderten Fall macht mich wütend und lässt den Wunsch nach einer Rechtsmissbrauchsrückausnahme aufkommen. So ähnlich wie der BGH es gemacht hat, bevor der EuGH ... Nuja.
Kurzum: Die "offene Kultur" wäre wirklich schön. Nur leider spielte das wiederum Arbeitgebern in die Karten, die dann darauf verzichten, die Frauen einzustellen.

Die von mir angesprochenen Stellenausschreibungen habe ich durchaus auch auf den Öffentlichen Dienst bezogen. Jdf. bei höherrangigen Stellen wird die Beschreibung durchaus mal auf den Wunschkandidatenleib geschneidert, soweit ich weiß. Mal besser, mal schlechter - das zeigt sich dann in der Konkurrentenklage Icon_wink

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Beitrag #24 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Hallo FL.

Zitat:Kurzum: Die "offene Kultur" wäre wirklich schön. Nur leider spielte das wiederum Arbeitgebern in die Karten, die dann darauf verzichten, die Frauen einzustellen.
Es gibt (und ich kenne auch) sehr viele Frauen, die wirklich was auf dem Kasten haben, wie man 'einst' so schön sagte. (Wobei ich sagen muss, dass sich der Satz ausgrenzender anhört, als er tatsächlich ist.)
Allerdings ist das vielen Leuten, die auf der 'Genderwelle reiten', relativ scheißegal. Hauptsache 'Frau' wegen der Quote. Dass das auch diejenigen einschließt, die nichts auf dem Kasten haben, geht im Trubel unter.

Ich kann in dem Fall aus Erfahrung nur vom uniformierten Bereich sprechen. Da gab (und gibt es) Damen/Frauen, die sich sogar die Haare kürzen, weil sie sich sagen: wenn ich schon in einer Männerdomäne bin, dann passe ich mich an. Genau diese Leute hatten/haben meinen Respekt - im Gegensatz zu denjenigen, die sich während einer 72-Stunden-Durchschlageübung noch im 'Samstag-Abend-kurz-vor-der-Disse-Stil' schminken müssten.
Da hat dann jemand was nicht verstanden.

(Dutzende getarnte Gesichter, die im Schatten nicht zu sehen sind - und eines mit Schminke, Lidstrich, frisch gefärbten knallroten Haaren. Gott, wir sind doch kein Karnevalsverein!)

Aber ich schweife auch ab.

Zitat:Die von mir angesprochenen Stellenausschreibungen habe ich durchaus auch auf den Öffentlichen Dienst bezogen.
Dann weißt Du bestimmt von den Frauenförderplänen. (?)

Zitat:Jdf. bei höherrangigen Stellen wird die Beschreibung durchaus mal auf den Wunschkandidatenleib geschneidert, soweit ich weiß.
Ja, aber nicht auf Männer. Und dies in meinem Wirkungskreis.
(Von der Putze gleich Oberbürgermeister/In werden. Gehts noch? Ich war auch noch nie Bundeskanzler - ich will das auch!)

Aber auch hier, wie bei Zacks Thema:
Du kannst es nicht ändern. Du wirst geändert. Und diejenigen, die meinen sich heutzutage - als Mann - hochjaulend nach Ungerechtigkeit bezüglich der bis gestern von uns allen bestialisch unterdrückten Frauen - damit profilieren zu müssen, werden feststellen, das auch sie abgesägt werden. Bis das Weltbild passt.

Die Wahrheit sieht differenzierter aus. Und vor allem anders.
(Ich würde gerne die richtigen Themen anpacken. Lohnzahlungen. Aufgabenzuschnitte. Gewalt in der Ehe. Etc.)

Und ganz böser Finger:
"In der DDR hat das doch auch funktioniert!"*
(Zitat heute gehört.)

LGD.

Nichts-zur-Sache-Edit: Soviele Meinungen (*) heute, vielfach ungefiltert. Muss wirklich am heißen Tag gelegen haben. Geht mir gerade so durch den Kopf, während ich das hier so auf RS durchlese. D.


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Beitrag #25 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Zitat:Ich kann in dem Fall aus Erfahrung nur vom uniformierten Bereich sprechen. Da gab (und gibt es) Damen/Frauen, die sich sogar die Haare kürzen, weil sie sich sagen: wenn ich schon in einer Männerdomäne bin, dann passe ich mich an. Genau diese Leute hatten/haben meinen Respekt
es geht nicht um Anpassung an Männerdomänen, sondern um gegenseitige Akzeptanz...
in den 50er Jahren war quasi jede Berufsgruppe männerdominiert...


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Beitrag #26 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Willkommen im Heute, peerirgendwas. Es ist und bleibt eine Männerdomäne. Und im Übrigen tüss - das ist hier nicht Twitter. Wir haben Niveau. KLGD.


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Beitrag #27 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
(16-07-2013, 15:26)Zack schrieb: Chefredakteuse klingt irgendwie nach einem japanischen Dominaspiel, wo die Chefredakteuse ihren Redakteur züchtigt Icon_ugly ... oh gott, das krieg ich nie mehr aus dem Kopf ...

Icon_lachtot

Und mein Senf: ich finde Gendern nicht unbedingt in öffentlichen Belangen schlecht, würde aber als Frau im Sinne der Gleichberechtigung nie darauf bestehen. Es ist und bleibt leider ein gesellschafts-politisches Thema, bei dem immer geändert, nachgebessert und sich dumm-dämlich ausgetobt wird (siehe die neuen DIR. *hochgesetzt* IN). Wenn ich jetzt an meine Facharbeit denke, weiß ich, dass Gendern von mir verlangt sein wird - ich es machen werden. In der (Unterhaltungs-)Literatur aber, würde ich von Gendern nichts sehen wollen ...

Liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #28 |

RE: Gendern - notwendiges Übel oder Augenauswischerei?
Hallo Sternchen.

Zitat:Wenn ich jetzt an meine Facharbeit denke, weiß ich, dass Gendern von mir verlangt sein wird - ich es machen werden.
Und das ist auch ein Punkt: Du musst.

LGD.


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