Es ist: 27-05-2022, 22:53
Es ist: 27-05-2022, 22:53 Hallo, Gast! (Registrieren)


Kreuzwege
Beitrag #1 |

Kreuzwege
Ursprünglich für den Wettbewerb gedacht, wurde ich leider nicht rechtzeitig fertig. Mal sehen, wie sie angekommen wäre. Icon_smile
Die erwähnten Personen, bis auf die Hauptcharaktere, gab es übrigens wirklich und ich kann nur empfehlen mal bei ihren Songs reinzuhören. Icon_wink Ich hoffe, es gefällt.

Der verrostete, rote Laster rumpelte über die Straße, nahm dieses und jenes Schlagloch mit und seine Stoßdämpfer seufzten bei jedem einzelnem laut auf, gaben aber nicht nach. Malcolm saß hinten auf der Ladefläche, mit der Gitarre seines Vaters auf seinen Oberschenkeln und einer Mundharmonika in den Händen auf der er die Fahrt begleitete, die Fahne aus Staub, die sie hinter sich herzogen betrachtend. Durchgeschüttelt zu werden machte ihm nichts aus, er war schon schlimmer gereist. Unter anderem zu Fuß durchs Bayou, immer auf der Suche nach Arbeit, von der es in diesen Zeiten viel zu wenig gab. Er hatte keine Ahnung warum das so war. Manche erzählten von einem schwarzen Freitag, der die Börse in die Knie gezwungen habe, was auch immer das sein mochte. Vermutlich hieß der Tag nur deswegen so, damit die Weißen auch weiterhin seinen Brüdern und Schwestern die Schuld an ihrem Unglück geben konnten. Die Sklaverei in Ketten war abgeschafft, aber im Geist war sie hier im Süden immer noch vorhanden. Hier hatte sie überdauert, da gab er sich keinen Illusionen hin. Er spielte einen langgezogenen Ton und legte sein Herzblut in ihn hinein, bevor er die Luft in Vibration versetzte und schnell die Töne wechselte. Erneut gab es einen Schlag, der Malcolm bis ins Mark ging und ihn ungewollt hüpfen ließ. Malcolm wurde kräftig durchgeschüttelt und verlor beinahe seine Mundharmonika. Zur Sicherheit steckte er sie in seine Weste und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Endlose Weizenfelder, so weit das Auge reichte, die nach Wasser lechzten. Die letzten Tage waren recht trocken gewesen und die Sonne brannte herunter. Malcolm zog seinen Hut tiefer ins Gesicht. Die Bremsen quietschten und der Laster kam stotternd in einer Wolke aus Staub und Dreck zum Stehen. Malcolm hustete. Aus dem Fenster auf der Fahrerseite kam ein Kopf zum Vorschein.
„Hey Junge! Komm nach vorne. Hier ist es nicht so unbequem und staubig. Wollen doch nicht, dass deine Gitarre kaputt geht.“
Malcolm packte umgehend sein Instrument, sprang von der Ladefläche und beeilte sich einzusteigen. Der Fahrer, ein hagerer Weißer Mitte vierzig, grinste.
„Keine Angst Junge, ich lass dich schon nicht stehen. Will schließlich, dass du für mich arbeitest.“
Der Laster setzte sich wieder in Bewegung und sofort begannen die Schlaglöcher wieder ihre Arbeit. Zunächst sagte keiner von beiden ein Wort. Der Fahrer konzentrierte sich aufs Fahren, während der schwarze Junge aus dem Fenster sah und die Fahrt offenbar genoss.
„Was willst du eigentlich hier unten? Und wo willst du hin?“ Der Fahrer sah nun abwechselnd von der Straße zu Malcolm und umgekehrt.
„Hab kein bestimmtes Ziel.“ Malcolm sah aus dem Fenster und sprach leiser. „Ich will die Welt sehen, mehr nicht.“
„Und dann kommst du ausgerechnet hierher! Na, da gibt es bestimmt bessere Orte, behaupte ich mal. Besonders für einen Jungen wie dich.“ Der Farmer lachte laut auf, beruhigte sich aber schnell wieder. „Jetzt im Ernst. Der Süden hat immer noch nicht ganz vergessen und ein paar Unverbesserliche gibt es immer. Wenn du Pech hast, wird dich dein Aufenthalt ziemlich teuer zu stehen kommen.“
„Und warum nehmt ihr mich dann auf?“, fragte Malcolm.
„Vielleicht bin ich ein Narr. Oder weil es richtig ist. Wer weiß?“ Wieder lachte der Farmer sein lautes und offenes Lachen. „Oder weil ich deine Arbeitskraft brauche und dich zu meinem Sklaven machen will?“ Abgeschwächt wurde diese Aussage durch ein Augenzwinkern, schelmisches Blitzen in den Augen und Schmunzeln. Kurz war Malcolm verunsichert, aber recht schnell wurde ihm eins klar: Dieser Mann würde ihm nichts antun. Er dachte wirklich nur an seine Farm. Von ihm ging keine Gefahr aus. Und das tief im Süden der USA. Da hatte Malcolm schon ganz andere Dinge vernommen.
„Kannst du gut auf dem Ding da spielen?“ Der Farmer zeigte auf die Gitarre, die auf Malcolms Schoß lag. „Hab mal Charley Patton beim alten Sam gesehen. Hat sein Haus dafür extra in ein Juke Joint verwandelt. Die Schwarzen aus der ganzen Nachbarschaft waren da und ein paar Weiße wie ich, die Sam eingeladen hatte.“ Der Lastwagen rumpelte durch ein Schlagloch und zwang seine Insassen die Zähne aufeinander zu pressen, bevor sie sich zufällig die Zunge abbissen. „Hat damals eine beeindruckende Show gezeigt. Mit seinem Stampfen hat er die Hütte zum Beben gebracht und seine Stimme sag ich dir – laut wie das Brüllen eines Grizzlys.“ Malcolm sah ihn verwundert an, sollte dieser Weiße tatsächlich Charles Patton gesehen und einen Zugang zur Musik gefunden haben? Konnte das sein? Dann fiel ihm wieder ein, schon einmal davon gehört zu haben, dass Patton auch - und mittlerweile vor allem - vor Weißen auftrat.
„Kannst du auch zwischen deinen Beinen und hinter deinem Kopf spielen. War echt verrückt, sage ich dir, wie der Kerl plötzlich damit anfing, seine Gitarre in die Luft zu werfen, nur um sie aufzufangen und weiterzuspielen, als ob nichts gewesen wäre. Ich sag dir, das war die verdammt beste Show, die ich je gesehen habe. Hatte so einen Jungen dabei, der ihm den ganzen Abend zugesehen hat. Wie hieß der nochmal?“ Der Farmer kratzte sich am Hinterkopf, seine Mütze dabei festhaltend.
„Robert.“ Malcolm wagte es endlich, den Mann zu unterbrechen.
„Robert. Richtig.“ Die Mütze glitt wieder an ihre vorbestimmte Stelle. „Was ist aus dem Jungen geworden?“
Malcolm zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Er ging und ist bis jetzt noch nicht aufgetaucht. Er meinte, er käme erst wieder, wenn er so gut Gitarre spielen kann, dass Patton ihn respektieren müsste.“
„Na, nicht, dass er seine Seele an den Teufel verkauft, wie es dieser Tommy Johnson getan haben soll. Muss man sich mal vorstellen. Seele gegen Musik. Wer macht so etwas?“ Der Farmer schüttelte den Kopf. „Wenn es überhaupt stimmt. Kaum zu glauben eigentlich. Der Teufel persönlich gibt einem die Fähigkeit zu spielen. Klingt doch merkwürdig“
Malcolm schaute zu seinem Mitfahrer herüber.
„Warum nicht? Musik ist Seele. Sie gibt einem die Fähigkeit alles auszudrücken. Gefühle Schmerz, … und der Blues ist meist Schmerz in Noten gegossen.“
„Oho, hört ihn euch an, noch nicht ganz trocken hinter den Ohren und schon will er einen alten Mann belehren.“
„Ich.... ich wollte niemanden belehren,“ begehrte Malcolm auf. „Ich wollte nur...“
„Schon gut, Junge.“ Wurde er da unterbrochen. „Spiel uns lieber was auf deiner Gitarre. Ich schätze, ein bisschen wirst du wohl damit umgehen können.“
Zuerst wollte Malcolm noch einmal aufbegehren, besann sich aber, als er ein süffisantes Lächeln im Gesicht des anderen Mannes sah und legte die Gitarre auf seinen linken Oberschenkel. Zuerst stimmte er sie grob, bevor er zu spielen begann. Er hatte nie Noten lesen gelernt, geschweige denn Akkorde zu greifen, aber er hatte durchs Zusehen recht schnell begriffen, wie die Seiten mit den einzelnen Fingern anzuschlagen waren und konnte diverse bekanntere Melodien durchs Fingerpicking erklingen lassen. Unsicher gab die Gitarre die ersten Töne von sich, aber nachdem ein wenig Zeit vergangen war, fühlte sich Malcolm sicherer und lernte das Holpern und Rumpeln über die Straße auszugleichen, so dass er sich kaum noch verspielte. Und so fuhren sie schweigend weiter, nur von der bittersüßen Melodie der Gitarre begleitet. Die Landschaft glitt an ihnen vorbei, die Felder, voller Weizen. Vereinzelte Bäume, die den Weg säumten und Vögel, die unter lautem Kreischen in die Luft stiegen. Eine der Krähen landete auf dem Kühler des Wagens und starrte Malcolm aus einem ihrer tiefschwarzen Augen an. Sie neigte ihren Kopf und schien ihn genau unter die Lupe zu nehmen. Der Junge merkte, wie ihm immer wärmer wurde unter dem heißen Blick des Vogels und seine Finger glitten zusehends langsamer über die Saiten.
„Kschh, kschh. Weg mit dir, du Aasfresser!“ Malcolms Mitreisender wedelte mit der Hand in Richtung Krähe, um sie zu verscheuchen und tatsächlich flog diese mit einem vorwurfsvollen Krächzen auf.
„So Junge, das Vogelvieh ist weg. Kannst weiterspielen. Klingt nämlich gut, was du da machst. Auch wenn du Patton wahrscheinlich noch lange nicht das Wasser reichen kannst. Oder diesem Tommy Johnson. Aber der hatte auch Hilfe.“ Der Fahrer drehte sein Gesicht zu Malcolm und verzog eine Mundecke zu einem schiefen Grinsen. Ein Goldzahn blendete den Jungen beinahe.
„Komm schon! Spiel!“
Malcolm wurde in die Seite geknufft und ein Schauer lief über seinen Rücken. Die Hand des anderen Mannes hatte sich ganz warm angefühlt. Wärmer, als sie hätte sein dürfen. Aber er schüttelte das aufkommende, beklemmende Gefühl ab und griff erneut in die Saiten.
„Und vergiss nicht zu singen.“ Ein weiteres Grinsen und Augenzwinkern folgten der Aufforderung. „Mit Gesang wird jedes Lied besser, mein Sohn.“ Der Farmer lachte. Nur war es jetzt viel tiefer und dröhnender als zuvor, als ob es von einem viel größeren und massigeren Mann stammte. Malcolm schluckte unwillkürlich. Singen hatte er noch nie vermocht, aber diesem Mann konnte er es aus irgendeinem Grund nicht abschlagen. Und warum eigentlich auch? Nur weil seine Schwester behauptet hatte, seine Stimme wäre nur dazu geeignet, Ungeziefer zu verscheuchen, bedeutete nicht, sie wäre es tatsächlich. Vielleicht war sie besser, als er dachte. Zögerlich begann er sein Gitarrenspiel mit seiner Stimme zu begleiten. Die ersten Worte hauchte er mehr, als dass er sie sang. Krächzend fanden sie ihren Weg zu seinem Zuhörer, der nicht wahrzunehmen schien, wie unwohl sich Malcolm wegen seines eigenen Gesanges fühlte. Im Gegenteil sobald Malcolms Stimme sich gefestigt hatte, summte der die Melodie mit, nickte mit seinem Kopf im Takt und klopfte mit seinen Händen aufs Lenkrad. Malcolm machte dies auf seltsame Art Mut und er sang lauter. Seine Stimme wurde tiefer und ihre Rauheit ging nicht verloren, sondern fügte sich immer mehr in sein Gitarrenspiel ein. Bald schon konnte er sich nicht mehr daran erinnern, warum er sich nicht schon früher mit Gesang begleitet hatte. Die Weite des Südens zog am Fenster vorbei, Staub wirbelte auf, legte sich auf die Felder und Malcolm spielte und sang dazu. Die Sonne stand schon fast im Zenit und erhitzte die Fahrerkabine immer weiter. Doch Malcolm spürte es nicht, er ging in seinem Gitarrenspiel auf, erlag seinem Fieber. Steigerte sich weiter hinein und nahm nichts mehr war, außer dem Holz unter seinen Händen, den Saiten an seinen Fingern und die Klänge, die das darüber Streichen mit der Hand erzeugte. Sie schwangen sich hinauf zum Himmel und kehrten zu ihm zurück, um ihn einzuflüstern, welche Note folgen sollte. Die Zeit schritt voran und er merkte es nicht, bis zu jenem Moment in dem er jäh unterbrochen wurde. Ein Knall ertönte, direkt gefolgt von einem heftigen Ruck durch den Laster. Malcolm wurde nach rechts geworfen und prallte mit der Schulter gegen die Scheibe. Seine Gitarre flog ihm beinahe aus der Hand. Der Laster schlingerte kurz, bevor der Farmer ihn wieder unter Kontrolle bekam und sachte abbremste. Trotzdem landeten sie mit dem rechten Vorderrad im Graben. Als der Laster stand, atmete der Farmer tief durch.
„Na, das war ja was. Nicht wahr, Junge?“ Dabei hob er mit der linken Hand seine Mütze an und fuhr sich mit der Rechten durchs schwarze Haar. Malcolm nickte einfach nur und rieb sich mit schmerzverzerrten Gesicht die rechte Schulter.
„Na, dann wollen wir mal schauen, was los ist.“ Die Fahrertür ging auf und der weiße Mann sprang elegant aus dem Auto, fast schien es so, als gleite, schwebe er zu Boden. Malcolm rieb sich die Augen mit Daumen und Mittelfinger und strich dabei gleichzeitig ein paar Tränen fort. Er hatte sich bestimmt verguckt. Wahrscheinlich hatte der Aufprall ihn nur etwas benommen gemacht und jetzt sah er Dinge, die nicht existierten. Er schaute aus dem Fenster und bemerkte erst jetzt, wo sie waren. Eine Kreuzung mitten im Nirgendwo, die überall und nirgends hinführte. In allen Richtungen konnte er die staubige Landstraße sehen, die in der Ferne verschwand. Jeder Weg würde ihm vermutlich eine weitere, andere Möglichkeit bieten.
„Hey Junge! Komm mal raus. Brauch' Deine Hilfe. Dieser verdammte Reifen ist doch tatsächlich geplatzt.“
Malcolm fuhr ein klein wenig zusammen, als er angesprochen wurde, legte aber sofort seine Gitarre zur Seite, öffnete die Tür und stieg aus. Dreck und Staub stiegen auf, als er aus dem Auto sprang und auf dem Boden landete.
„Hinten auf der Ladefläche liegt ein Kreuz und ein Wagenheber, hol' die mal. Ich schau in der Zeit, ob noch was anderes kaputt gegangen ist. Wenn ja, haben wir ein Problem, Junge.“
Ohne Worte ging Malcolm nach hinten, kletterte auf die Ladefläche und fand unter einer Plane Radkreuz und Wagenheber. Er nahm beides und ging damit zu dem Farmer.
„Danke.“ Hörte er.
„Wir hatten echt Glück, Junge. Ist nur der Reifen. Kannst du dich unter das Auto legen und den Wagenheber ansetzen?“ Der Andere sah ihn entschuldigend an. „Mein Rücken macht das nicht mehr so mit.“
Malcolm zuckte mit den Schultern.
„Kann ich machen.“
„Ok. Schon mal sowas gemacht?“ Ein Kopfschütteln. „Ok. Dann erkläre ich dir das schnell. Wenn du dich da drunter gelegt hast, wirst du an der Achse so eine dickere Stelle sehen mit einer Einkerbung, da setzt du an. Geht am Besten. Aber kriech' erstmal drunter, ich geb' dir den Wagenheber an. Wirst sehen ist ganz einfach.“
Malcolm legte sich auf den überhitzten Boden und schob sich über die vielen kleinen Steine der unbefestigten Straße unters Auto. Kurz bevor sein Kopf endgültig unter dem Fahrzeug verschwand, schob sich der eine Mundwinkel des Mannes nach oben und entblößte erneut dessen Goldzahn. Lächelte der Farmer etwa? Vor allem sah es nicht nach einem herzlichen Lächeln aus, sondern mehr, als sei er völlig zufrieden mit sich - und ja, auch eine Spur Boshaftigkeit schien sich darunter gemischt zu haben. Ein Schauer lief Malcolms Rücken hinunter und ihm war für einen kurzen Moment kalt. Sein Hemd klebte an ihm. Dann lief die Zeit weiter und die Wärme in Körper und Gesicht kehrte zurück. Er schob sich weiter. Vermutlich hatte er es sich nur eingebildet.
Zuerst war es etwas verwirrend all das Metall um sich herum zu haben und direkt in die Eingeweide des Motors sehen zu können. Aber schließlich fand er die gesuchte Stelle.
„Hast du es, Junge?“
„Ja, habe ich, Mister.“
„Gut, dann gebe ich dir jetzt den Wagenheber.“
Metall rutschte knirschend über kleine Steine und durch Staub. Malcolm tastete und spürte schnell die angenehme Kühle des Stahls. Er zog das Werkzeug zu sich und setzte es an. Anschließend begann er am Griff zu drehen und langsam hob sich das Auto auf seiner Seite.
„Kannst aufhören, Junge. Das Rad ist frei. Komm raus.“
Das ließ sich Malcolm nicht zweimal sagen. So schnell es ging, robbte er auf dem Rücken zur Seite. Sein Oberkörper war schon zur Hälfte unter dem Auto hervor gekommen, als er das Fehlen seiner Mundharmonika in der Hemdtasche bemerkte. Malcolm hielt sich mit der rechten Hand am Trittbrett fest, zog sich etwas hoch und legte sich auf die Seite. Die Mundharmonika hatte vor Urzeiten seinem Großvater gehört, er musste sie finden. Sie war mit wunderbaren Erinnerungen an seine Kindheit verknüpft. Erinnerungen, die gut waren, an gemeinsame Stunden, in denen er zusammen mit seinem Vater und Großvater Musik gespielt hatte. In denen sie alle Sorgen hinter sich ließen. Fieberhaft suchte Malcolm mit Augen und Händen den Boden ab und dann sah er sie. Unter dem einen Arm des Wagenhebers lag sie und glänzte matt, wie sie es seit dem Tag getan hatte, als er sie aus der Hand seines Großvaters erhalten hatte. Der hatte ihn damals angelächelt und aufgefordert zu spielen. Kein Tag war vergangen, an dem er dies nicht getan hatte. Metall ächzte laut und klagend.
„Junge, was war das?“
„Nichts Mister.“ Malcolms Zunge fuhr über seine trockene Lippe, als es sich weiter streckte um sein Instrument zu erreichen. Wieder ächzte Metall.
„Junge, komm da raus. Der Wagenheber gibt gleich nach.“ Der Farmer war lauter geworden und seine drängende Stimme stellte klar, dass dies keine Bitte war. Malcolm ignorierte alles um sich herum, er hatte die Mundharmonika entdeckt und konnte sie mit seinen Fingern schon berühren, er gab jetzt nicht auf.
„Gleich. Mister. Ist nichts schlimmes.“ Endlich bekam er die Mundharmonika zu fassen und zog sie zu sich heran. Mit einem Kreischen gab der Wagenheber nach. Das Auto krachte herunter und klemmte Malcolms Hand zwischen Boden und Wagenheber ein. Malcolm schrie auf. Heißer Schmerz kochte durch seinen rechten Arm, verbrannte ihn innerlich und vernebelte seine Sinne. Der Farmer reagierte schnell. Praktisch im gleichen Moment lag dieser neben Malcolm und zerrte an dessen Arm, drückte mit seinem Rücken von unten gegen das Gestänge des Lastwagens und versuchte alles, die eingeklemmte Hand zu befreien. Eine Schmerzwelle nach der anderen fiel über Malcolm her und zog über ihn hinweg. Sei ganzes Denken war nur noch von dem höllischen Schmerz erfüllt, den seine Hand aussandte. Er schrie und Tränen zogen Furchen in dem Staub auf seinem Gesicht. Er hörte ein Knacken und spürte wie er ins Freie gezogen wurde. Im nächsten Moment saß er an einem Reifen gelehnt und starrte auf seine verletzte Hand. Ein Knochen stand blank hervor. Sehnen lagen frei und überall war Blut. Er würgte. Rechtzeitig bevor er sein Frühstück erbrach, drehte er sich noch zur Seite. Der Schmerz ließ nach. Er keuchte und lehnte den Kopf an den Reifen, bevor er starren Blicks auf seine Hand hinab sah, auf die blutigen Finger. Der Zeigefinger war fast durchtrennt worden und nur noch eine rote Masse. Sein Atem ging weiterhin schneller, aber die Schmerzen wurden schwächer und er konnte wieder einen Gedanken fassen, was er lieber nicht getan hätte. Seine Hand würde nicht amputiert werden müssen, das wusste Malcolm, aber er hatte genug auf der Farm seines Onkels gesehen, um die Bedeutung der Verletzung zu erfassen. Nie wieder würde er mit dieser Hand einer Gitarre Töne entlocken können. Sie war dahin und damit auch seine Hoffnung, mehr zu werden als ein einfacher Farmer. Mit steifen Fingern ließ sich schwer spielen. Erneut schossen ihm Tränen in die Augen.
„Junge, halt das fest. - Hörst du?“
Der Farmer war an seiner Seite und reichte ihm einen Stoffstreifen. Mechanisch griff Malcolm zu.
„Das wird jetzt weh tun. Aber es gibt nichts besseres als Whisky drüberzuschütten. Also beiß' die Zähne zusammen.“
Malcolm wollte noch protestieren, aber es war zu spät. Der Schmerz in seinem Arm flammte erneut auf. War vorher Feuer durch seinen Arm gelaufen, musste es nun flüssige Lava sein. Im ersten Moment wollte er aufspringen, aber der Farmer drückte ihn gnadenlos mit seiner freien Hand gegen den Reifen. Ein zweites Mal brannte sich das Höllenfeuer durch seine Adern. Malcolm schrie, schrie all seinen Schmerz hinaus. Seine Linke grub sich in die Staubige Erde, eine Nagel löste sich von einem seinem Finger und weiteres Blut floss in den Staub. Malcolm bemerkte es nicht. Agonie hatte ihn überrollt, er lebte jetzt in ihr. Quälend langsam verstrich die Zeit.
„Hand... meine Hand… ich...“
„Ruhig Junge, ganz ruhig.“
„Aber... spielen... ich will spielen...“
„Beruhige dich. Alles wird gut.“
Malcolm schüttelte schwerfällig den Kopf.
„Nein. Wird... es nicht.“
Malcolms ganzer Körper zitterte als er zu schluchzen begann. Direkt neben sich vernahm er ein Flattern und als er hinüberblickte, saß direkt neben seinem Bein eine schwarze Krähe und pickte mit ihrem Schnabel ins Erdreich.
„Halt still! Ich verbinde jetzt deine Hand. Das könnte weht tun. Es sei denn...“
Der Farmer hielt inne und betrachtete Malcolm nachdenklich.
„Sag Junge, wie sehr willst du wirklich Gitarre spielen und davon leben? Was wärst du bereit dafür zu geben?“
Trotz der Schmerzen, trotz der Tränen, trotz allem, drangen die Worte des Mannes zu Malcolm durch und auch wenn die Frage für den Moment seltsam erscheinen mochte, beantwortete er sie ohne zu zögern. Langsam drehte er seinen Kopf, um den Mann in die Augen zu sehen, bevor er „Alles!“ flüsterte.
Ein Lächeln stahl sich in die Gesichtszüge des Farmers bei dem er seine strahlend weißen Zähne zeigte. Die Krähe ließ ihren Schnabel auf einen Stein niederfahren und erzeugte so ein dumpfes Klopfen.
„Sehr gut. Dann kann ich mehr für dich tun, als du vielleicht denkst. Folgendes: Ich sorge dafür, dass du wieder Gitarre spielen kannst und zwar besser als dieser Verlierer von Tommy Johnson und du gibst mir, was ich am meisten von dir begehre. Es ist nicht viel, nur eine Kleinigkeit, sozusagen deine Musik. Einverstanden?“
Der Junge verstand zwar nicht, was der Farmer meinte. Aber er war einverstanden, ganz sicher. Warum nicht? Bevor er auf irgendeinem Stück Land verrottete, würde er jede ausgestreckte Hand ergreifen, die ihn tun ließ, was er wollte. Wenn der Mann seine Hand behandeln konnte, wäre er zu allem bereit. Er würde wieder spielen können, einzig dieser Gedanke zählte für Malcolm. Deshalb nickte er.
„Sehr schön, Junge. Allerdings müssen wir einen Vertrag schließen, sonst kann ich dir nicht helfen. Pakt ist Pakt.“ Der Farmer zwinkerte. „Keine Angst, geht ganz schnell! Krächzer komm her!“ Der schwarze Vogel neben Malcolm flatterte auf und landete direkt vor den Füßen seines Herrn und neben Malcolms linker Hand. Schnell stieß er zu und Malcolm spürte einen Stich in seiner Handfläche. Aus einer kleinen, kreisförmigen Wunde quoll etwas Blut. Danach widmete sich die Krähe der Hand seines Herrn.
„Gut. Sehr gut!“ Der Farmer entblößte sämtliche Zähne. „Jetzt schlag ein, Junge“ Der Farmer hielt Malcolm auffordernd seine Hand hin. Der Junge hob seine Hand und streckte sie ihm entgegen.
„Ich kann, deine Hand nicht nehmen, Junge. Du musst einschlagen!“ Mit einem Mal klang die Stimme des Farmers drängend, gar gierig. Malcolm zögerte. Warum wollte der Mann ihm helfen und wie eigentlich? Ein mulmiges Gefühl machte sich in seinem Magen breit. Tat er wirklich das Richtige? Sein Gegenüber sah, welche Gedanken sich gerade in ihm breit machten und die Augen des Mannes wurden zu engen Schlitzen. Unvermittelt überrollte Malcolm eine weitere Schmerzwelle und er schrie erneut auf. Als er die Augen wieder öffnete, kniete der Mann vor ihm, mit seinem Gesicht, dicht vor dem des Jungen. Seine Stimme war nun tiefer, zischender und fordernder als er sprach. Der Geruch von faulen Eiern lag in der Luft.
„Schlag ein, Junge. Das ist deine letzte Gelegenheit, ansonsten schwöre ich dir, verbringst du dein Leben im Dreck!“ Die Krähe pochte wieder auf den Stein, der Himmel schien dunkler zu werden und Wind kam auf. Malcolms Herz schlug bis zum Hals. Schweiß trat auf seine Stirn und er musste mehrmals Schlucken. Wie ein Schlange ihr Opfer hielt der Mann seinen Blick gefangen. Langsam und zitternd umfasste Malcolm die ihm angebotene Hand. Sobald er sie berührte, schlossen sich die Finger des Farmers wie ein Schraubstock um seine. Kurz brannte die offene Wunde in seiner Handfläche, dann ließ der Farmer auch wieder los. Zufrieden grinsend erhob sich dieser.
„Na also, war doch gar nicht so schlimm. Ganz einfach. Meinen Preis hole ich mir, wenn die Zeit gekommen ist. Aber erst darfst du etwas leben und genießen. Soll sich schließlich auch lohnen.“ Er tippte sich an seinem breitkrempigen Strohhut. Die Sonne kehrte zurück. „Ich muss mich jetzt leider verabschieden. Aber ich bin sicher, du kommst auch ohne mich zurecht, Junge.“
Der Farmer schnippte mit Daumen und Mittelfinger der linken Hand. Von einem Moment zum anderen, spürte Malcolm keinen Schmerz mehr. Sofort schaute er auf seine rechte Hand. Nicht die Spur einer Verletzung war zu sehen. Im Sonnenlicht drehte er sie, um sie von allen Seiten zu betrachten. Er bewegte die Finger einzeln, machte einer Faust, öffnete sie und nicht der Hauch eines Schmerzes ließ ihn zucken. Wie in Trance erhob er sich.
„Hier, Junge! Probiere es aus!“
Mechanisch griff Malcolm nach der Gitarre, die ihm von hinten angereicht wurde. Vorsichtig ließ er seine Finger über die Saiten gleiten. Zunächst in einem langsamen Rhythmus kamen die Töne einzeln aus dem Bauch des Instrument, aber zunehmend wurde die Melodie fordernder, mitreißender und ehe er sich versah, spielte Malcolm so schnell, präzise und voller Leidenschaft, wie noch nie zuvor in seinem Leben. Die Melodie trug ihn fort und verlangte ihm seelisch und körperlich alles ab. Als der letzte Ton verklang, wandte er sich erschöpft um. Der Lastwagen war fort, ebenso der einfache Farmer, stattdessen sah er sich einem tiefschwarzen Hengst gegenüber, dessen Reiter in schwarz und blutrot gekleidet war. Sein langer Mantel floss über den Rücken des Pferdes und reichte fast bis zum Boden. Flamen züngelten um die Hufe. Der Reiter sah auf ihn hinab. Seine Augen verbargen sich hinter einer Sonnenbrille und lagen im Schatten eines altmodischen Cowboyhutes. Er griff an seine Hutkrempe.
„Gestatten, Baal. Wir sehen uns Junge! Ganz bestimmt.“ Mit diesen Worten gab er seinem Pferd die Sporen und galoppierte davon. Mit einem Krächzen erhob sich die Krähe und jagte ihrem Herrn hinterher. Zurück blieb Malcolm, allein, ohne Hoffnung. Er sank auf seine Knie und ließ sich auf den Rücken fallen. So liegend bemerkte er, dass er sich in der Mitte der Kreuzung befand, genau wie einst Tommy Johnson. Musik ist Seele, hatte er das nicht zu Baal gesagt? Aus der Tiefe seiner Brust bahnte sich ein Kichern seinen Weg, Erst verhalten, dann brach es hervor und er lachte letztendlich tief und dröhnend. Der Schmerz in seiner Hand war vielleicht verschwunden, aber der in seiner Seele blieb.

Auf das der Wind in eurem Rücken, nie euer eigener sei. (alter irischer Reisegruß Icon_wink)
drakir
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Beitrag #2 |

RE: Kreuzwege
Hallo drakir,

ich komme gerade selbst nicht wirlich weiter, also ist ein Kommentar doch keine schlechte Idee. Einfach los.

Zitat:und einer Mundharmonika in den Händen auf der er die Fahrt begleitete

Komma fehlt. (vor "auf)

Zitat:die Fahne aus Staub, die sie hinter sich herzogen betrachtend

Komma fehlt. (hinter "herzogen")

Zitat:Er hatte keine Ahnung warum das so war.

Aller guten Dinge sind drei. Icon_wink

Zitat:Er spielte einen langgezogenen Ton und legte sein Herzblut in ihn hinein, bevor er die Luft in Vibration versetzte und schnell die Töne wechselte.

Ich verstehe nicht, warum er erst dann die Luft in Vibration versetzt. Davor doch auch..?

Zitat:Erneut gab es einen Schlag, der Malcolm bis ins Mark ging und ihn ungewollt hüpfen ließ. Malcolm wurde kräftig durchgeschüttelt und verlor beinahe seine Mundharmonika.

Wiederholung von "Malcolm".

Zitat:Endlose Weizenfelder, so weit das Auge reichte, die nach Wasser lechzten.

Ich würde den Satz umstellen: "Endlose Weizenfelder, die nach Wasser lechzten, so weit das Auge reichte." Hat für mich, gerade vorgelesen, einen schöneren Satzrythmus.

Zitat:Die letzten Tage waren recht trocken gewesen und die Sonne brannte herunter.

Der zweite Satzteil wirkt recht unmotiviert. Vielleicht irgendwas à la "... und die Sonne brannte nicht nur die Felder herunter"?

Zitat:„Keine Angst Junge, ich lass dich schon nicht stehen.

Komma hinter "Angst".

Zitat:Der Fahrer konzentrierte sich aufs Fahren, während der schwarze Junge aus dem Fenster sah und die Fahrt offenbar genoss.

Das "offenbar" weist auf einen Perspektivenwechsel, den ich ansonsten nicht erkennen kann. Malcolm ist doch weiterhin der Perspektiventräger, oder? Dann würde ich das Wort streichen.

Zitat:Abgeschwächt wurde diese Aussage durch ein Augenzwinkern, schelmisches Blitzen in den Augen und Schmunzeln.

Ich würde entweder das Augenzwinkern oder das schelmische Blitzen streichen. Wenn die Augen eine Sache machen, reicht das schon.

Zitat:Hat sein Haus dafür extra in ein Juke Joint verwandelt.

Darf man fragen, was ein Juke Joint ist?

Zitat:Malcolm sah ihn verwundert an, sollte dieser Weiße tatsächlich Charles Patton gesehen und einen Zugang zur Musik gefunden haben?

Ich würde einen Punkt nach "an" setzen. Hört sich mMn besser an.

Zitat:Kannst du auch zwischen deinen Beinen und hinter deinem Kopf spielen.

Fragezeichen ans Ende

Zitat:War echt verrückt, sage ich dir

"sag" würde besser passen, finde ich.

Zitat:Er meinte, er käme erst wieder, wenn er so gut Gitarre spielen kann, dass Patton ihn respektieren müsste.“

Die indirekte Rede steht doch im Präsens => "er komme". Beim Rest bin ich mir nicht so sicher. Ich denke, entweder beides in der indirekten Rede oder beides im Indikativ. Entweder "spielen kann" und "respektieren muss" oder "spielen könne" und "respektieren müsse".

Zitat:Klingt doch merkwürdig“

Punkt fehlt.

Zitat:Gefühle Schmerz, … und der Blues ist meist Schmerz in Noten gegossen.“

Komma oder Doppelpunkt nach "Gefühle" fehlt. Ansonsten: ich würde hier ein bisschen umstellen und mehrere Beispiele für Gefühle hinzufügen und als letztes den Schmerz nehmen um dann auf den Blues zu kommen. Das "und" ist auch irgendwie fehl am Platz.
Vorschlag:
"Gefühle: Freude, Spannung, Schmerz, ... der Blues ist meist Schmerz in Noten gegossen" Die Gefühl sind jetzt natürliche nur Beispiele, da weiß ich nicht, was da am Besten passt, weil ich mich in der Sparte nicht so wirklich gut auskenne.

Zitat:„Schon gut, Junge.“ Wurde er da unterbrochen.

"Schon gut, Junge", wurde er da unterbrochen.

Zitat:Malcolms Mitreisender wedelte mit der Hand in Richtung Krähe, um sie zu verscheuchen und tatsächlich flog diese mit einem vorwurfsvollen Krächzen auf.

Ist da keine Windschutzscheibe?

Zitat:Steigerte sich weiter hinein und nahm nichts mehr war

"wahr"

Zitat:Kannst weiterspielen. Klingt nämlich gut, was du da machst.

Ich würde das "nämlich" wegstreichen. Ist überflüssig.

Zitat:Die Fahrertür ging auf und der weiße Mann sprang elegant aus dem Auto, fast schien es so, als gleite, schwebe er zu Boden.

Ich würde das "so" streichen und das "gleite" vlt noch ein bisschen mehr mit dem "schwebe" verbinden.

Zitat:„Hey Junge! Komm mal raus.

Für mich gehört nach das "raus" ein Ausrufezeichen. Ist ja eine Aufforderung.

Zitat:„Hinten auf der Ladefläche liegt ein Kreuz und ein Wagenheber, hol' die mal.

Ich bin mir nicht sicher, ob da überhaupt ein Apostroph hinmuss...

Zitat:„Danke.“ Hörte er.

"Danke", hörte er. Oder ist das Absicht, so wie du das hast. Wenn ja, klingt das mMn nicht so gut, aber ich verzichte ab jetzt in jedem Fall darauf, das anzukreiden.

Zitat: Aber kriech' erstmal drunter, ich geb' dir den Wagenheber an. Wirst sehen ist ganz einfach.“

"ich geb dir dann den Wagenheber." Komma nach "sehen"

Zitat:Erinnerungen, die gut waren, an gemeinsame Stunden, in denen er zusammen mit seinem Vater und Großvater Musik gespielt hatte.

Das "die gut waren" klingt irgendwie wieder so, als wärst du zu faul gewesen, dir da etwas Konkreteres einfallen zu lassen (nicht persönlich nehmen, ich denke ja nicht, dass da
s tatsächlich so war.) Würde ich abändern.

Zitat:Kein Tag war vergangen, an dem er dies nicht getan hatte.

Ich würde ein "seitdem" einfügen.

Zitat:„Nichts Mister.“

Komma fehlt.

Zitat:Sei ganzes Denken war nur noch von dem höllischen Schmerz erfüllt, den seine Hand aussandte.

"sein"

Ansonsten finde ich die ganze Stelle um den Satz herum, in der du beschreibst, wie er sich die Hand einklemmt und sie dann wieder befreit wird sehr gelungen, die bisher beste der Geschichte. Du arbeitest gut mit der ... Satzschnelligkeit (würde ich das jetzt nennen), erzeugst erst auch beim Leser Hektik, bis du ihm zusammen mit Malcolm wieder langsam die Gelegenheit gibst, zur Ruhe zu kommen, um die Situation dann erst zu erfassen. Aber warum erkläre ich dir überhaupt, was du da machst... Icon_wink Auf jeden Fall hat's mir sehr gut gefallen. Pro

Zitat:Krächzer komm her!“

Komma!!

Zitat:Sein Gegenüber sah, welche Gedanken sich gerade in ihm breit machten und die Augen des Mannes wurden zu engen Schlitzen.

Komma!! (vor "und")

Zitat:Seine Stimme war nun tiefer, zischender und fordernder als er sprach.

Komma!!

Zitat:er musste mehrmals Schlucken

"Schlucken" klein.

Zitat:„Hier, Junge! Probiere es aus!“

Ich glaube, es heißt "Probier". Spricht man auf jeden Fall.

Zitat:Er bewegte die Finger einzeln, machte einer Faust, öffnete sie und nicht der Hauch eines Schmerzes ließ ihn zucken.

"eine"

Zitat: Seine Augen verbargen sich hinter einer Sonnenbrille und lagen im Schatten eines altmodischen Cowboyhutes.

Ein bisschen ungewöhnlich, aber gefällt.

Das war's.

Zum Schluss: Malcolm hat also seine Seele (= Musik) vervollkommnet, indem er sie vom Teufel (Wikipedia bezeichnet Baal als Teufel oder seine rechte Hand, was in dem Falle ja eh nicht so wichtig ist) geliehen hat, wenn man es so sehen will. Auch in dieser Hinsicht ein bisschen alternativ zu den herkömmlichen Teufelsgeschichten. Auch der Charakter selbst ist nachvollziehbar und giert nicht - wie typisch - nach Macht, sondern viel eher nach einem recht reinen Wunsch - der Musik. Ich könnte noch länger drüberschreiben und ich denke, du siehst schon, dass mir die Geschichte gut gefallen hat. Gerade zum Ende hin war das mit dem Teufel natürlich nicht mehr wahnsinnig überraschend, aber die Geschichte war einfach rund und auch wenn du an einigen Stellen noch am Ausdruck arbeiten könntest, fand ich sie sehr flüssig zu lesen, besonders zum Ende hin. Am Anfang hatte sie ein bisschen formale Fehler, aber das kannst du ja noch ausbessern - und es war auch nicht so viel, dass es wirklich gestört hätte.
Ich merke, ich bin gerade in der Stimmung zu reden und breche hier einfach mal ab. Mrgreen
Wie gesagt, hat mir gut gefallen, deine Geschichte!

Gern gelesen,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #3 |

RE: Kreuzwege
Hallo drakir!

Freut mich, dass hier wieder mal Nachschub geliefert wird. Dann will ich mal ran an den Speck. Icon_smile

Zitat:Der verrostete, rote Laster rumpelte über die Straße, nahm dieses und jenes Schlagloch mit und seine Stoßdämpfer seufzten bei jedem einzelnem laut auf, gaben aber nicht nach.

Mir ist dieser Satz als Einstieg zu lang, vor allem weil er rein beschreibend ist und nicht wirklich etwas vorkommt, das mein Interesse erregen würde. Merkst du, wie das "und" die Melodie stört? Ich würde auf das "und" verzichten und zwei Sätze draus machen.

Zitat:Malcolm saß hinten auf der Ladefläche, mit der Gitarre seines Vaters auf seinen Oberschenkeln und einer Mundharmonika in den Händen, auf der er die Fahrt begleitete, die Fahne aus Staub, die sie hinter sich herzogen, betrachtend.

Puuh, wieder so ein ellenlanger Satz. Ich bin auch der Schachtelsätze schuldig, beim Schreiben bemerkt man sie nur selten und erst nach mehrmaligem Lesen erkennt man, warum es besser wäre, sie aufzuspalten. Du hast auf jeden Fall mal den Beistrich vor "auf" ausgelassen, auch hinter "herzogen" fehlt einer, da beides ein Einschub ist.
Dieser Satz wirkt so unrund, weil du Aufzählung, 2 Relativsätze und ein Partizip Präsens auf demselben Fleck unterbringen willst. Dazu gefällt mir "die Fahrt begleiten" überhaupt nicht, hier fehlt etwas, so etwas wie "den Rhythmus der Räder, die von Schlagloch zu Schlagloch polterten" etc.
Mein Vorschlag: Malcolm saß hinten auf der Ladefläche, die Gitarre seines Vater in seinem Schoß und die Mundharmonika an den Lippen, mit der er den Rhythmus der polternden Räder begleitete. Eine Fahne aus Staub nahm ihm die Sicht.

Zitat:Durchgeschüttelt zu werden machte ihm nichts aus, er war schon schlimmer gereist

"schlimmer" ist meines Empfindens umgangssprachlich. Besser: er war schon unter schlechteren Umständen gereist.

Zitat:Er hatte keine Ahnung, warum das so war.

Wieder ein Beistrich zu wenig. "warum das so war" klingt sehr kindlich und unbeholfen. Auch wenn du versuchst, Malcolm als naiv darzustellen, erreichst du es nicht auf diese Weise, da diese Ausdrucksart eher auf dich als Autor zurfällt. Vorschlag: Er konnte sich nicht erklären, wie es dazu gekommen war.

Zitat:Die Sklaverei in Ketten war abgeschafft, aber im Geist war sie hier im Süden immer noch vorhanden. Hier hatte sie überdauert, da gab er sich keinen Illusionen hin.

Du wiederholst dich hier. Würde es auf einen Satz zusammenkürzen.

Zitat:Er spielte einen langgezogenen Ton und legte sein Herzblut in ihn hinein, bevor er die Luft in Vibration versetzte und schnell die Töne wechselte.

Ich finde es immer unschön, wenn man leblose Objekte mit Pronomina hervorhebt, als würde man ihnen mehr Bedeutung zumessen, als man eigentlich beabsichtigt. Besser: Er legte sein Herzblut in einen langgezogenen Ton ...

Zitat:Erneut gab es einen Schlag, der Malcolm bis ins Mark ging und ihn ungewollt hüpfen ließ

Icon_lol Ich hüpfe oder ich hüpfe nicht, wenn ich nicht freiwillig hüpfe, dann nur weil man mir eine Pistole ansetzt oder dgl., aber hier benützt er ja nicht seine Sprunggelenke, sondern wird von einer einwirkenden Kraft bewegt. Im nächsten Satz sagst du sowieso "er wird durchgeschüttelt", ich würde dise Beschreibung auf einen Satz zusammenkürzen und das "hüpfen" ganz unter dne Tisch fallen lassen.

Zitat:Malcolm packte umgehend sein Instrument

Hier würde es sich meiner Meinung anbieten, einen persönlicheren Ausdruck zu finden. "Instrument" ist doch sehr nüchtern, dabei ist die Gitarre Malcolm doch mehr als bloß ein Werkzeug für ihn oder? Wie wäre es mit "ständiger Begleiterin"?

Zitat:Der Laster setzte sich wieder in Bewegung und sofort begannen die Schlaglöcher wieder ihre Arbeit.

Das wirkt so, als müssten die Schlaglöcher das tun, was sie tun. Doch sie sind eher lästig, als nützlich, oder? Falls du hier auf ihren Zweck für den Teufel anspielst, liest es sich nicht gut, da du eher aus Malcolms Sicht als aus die der Baals schreibst.

Zitat:Der Fahrer konzentrierte sich aufs Fahren, während der schwarze Junge aus dem Fenster sah und die Fahrt offenbar genoss

... Im weiteren Verlauf schreibst du öfters "der weiße Mann", "der schwarze Junge" etc. Das sind viel zu distanzierte Begrifflichkeiten, die sich störend auf den Lesefluss auswirken. Du hast deine Geschichte mit einem Gedanken von Malcolm begonnen, da kannst du ihn nicht plötzlich nur als "schwarzen Jungen" beschreiben, als wüssten wir noch nichts von ihm. Wenn du seine Hautfarbe betonen willst, solltest du das auf einen anderen Weg machen, so liest es sich einfach "falsch". Auch die Bezeichnungen für den Fahrer sind im weiteren Verlauf der Geschichte zu unpersönlich, da er ja langsam eine Beziehung zu Malcolm aufbaut und du mehr aus seiner Sicht schreibst, da kann er nicht einfach "der weiße Mann" bleiben.
"offenbar" fällt da in dieselbe Sparte. Malcolm weiß, ob er etwas genießt oder nicht. Falls du beabsichtigst, zwischen den Perspektive zu switchen, musst du das konsequenter und deutlicher machen. Dann darfst du nicht beide Figuren unpersönlich beschreiben, sondern musste eine mit mehr Innenperspektive schildern.

Zitat:Dieser Mann würde ihm nichts antun

tun.

Zitat:Kannst du gut auf dem Ding da spielen?

Zuerst nennt der Fahrer die Gitarre beim Namen, dann spricht er abwertend darüber. Meine Vermutung ist ja, dass du dir die WH von "Gitarre" verkneifen wolltest, doch dieses Wort passt einfach nicht. Oder aber du willst den Fahrer extra unwissend, salopp drüber reden lassen, damit Malcolm keinen Verdacht schöpfst. Dann musst du das klarmachen und nicht nur andeuten.

Zitat:Der Lastwagen rumpelte durch ein Schlagloch und zwang seine Insassen die Zähne aufeinander zu pressen, bevor sie sich zufällig die Zunge abbissen.

über ein Schlagloch.
Zufällig beißt sich sicher niemand die Zunge ab. Icon_wink "unabsichtlich" wäre hier wohl die bessere Wortwahl, aber so ganz glücklich bin ich mit dem Satz noch immer nicht. Vorschlag: Wieder rumpelte der Lastwagen über ein Schlagloch. Malcolm musste die Zähne zusammenpressen, damit er sich nicht die Zunge abbiss.

Ich würde mich hier bewusst auf Malcolms Perspektive konzentrieren.

Zitat:Klingt doch merkwürdig“

Punkt fehlt.

Zitat:„Ich.... ich wollte niemanden belehren,“ begehrte Malcolm auf . „Ich wollte nur...“
„Schon gut, Junge.“ Wurde er da unterbrochen. „Spiel uns lieber was auf deiner Gitarre. Ich schätze, ein bisschen wirst du wohl damit umgehen können.“
Zuerst wollte Malcolm noch einmal aufbegehren , besann sich aber,

"..."
Aufbegehren passt in diesem Zusammenhang nicht. "stotterte aufgeregt", "wollte sich erklären" etc. scheint mir passender.
Wer ist "uns"? Wenn du auf die Krähe anspielst, solltest du davor bereits Hinweise in die Richtung liefern, weil es sich ganz einfach wie ein Tippfehler liest.
Wieder wirkt "aufbegehren" fehl am Platz. "widersprechen", "sich weigern" etc wäre mir alles lieber.

Zitat:Fingerpicking

Frage mich gerade, wie alt dieser Ausdruck ist. Gab es den zu der Zeit schon? Du schreibst zwar vor einem angloamerikanischen Hintergrund, doch trotzdem wirkt dein Text "deutsch". Darum würde ich auf diesen englischsprachigen Begriff verzichten und nach einer deutschsprachigen Umschreibung suchen.

Zitat:Eine der Krähen landete auf dem Kühler des Wagens und starrte Malcolm aus einem ihrer tiefschwarzen Augen an

Schielt sie? Zwinkert sie? Bau davor ein, dass die Krähe den Kopf seitlich hält oder dgl., ansonsten liest sich dieser Satz ziemlich schräg.

Zitat:Malcolm wurde in die Seite geknufft und ein Schauer lief über seinen Rücken.

Setzt du das "und" bewusst als Stilmittel ein, um eine Zäsur in den Satz zu machen? Mir auf jeden Fall gefällt es nicht. Ein Schauer geschieht plötzlich, das "und" davor ist zu einleitend, als danach eine spontane Reaktion einsetzen zu können. Vorschlag: Der Mann knuffte ihn in die Seite. Die Berührung seiner Hand jagte Malcolm einen Schauer über seinen Rücken.

Zitat:Bald schon konnte er sich nicht mehr daran erinnern, warum er sich nicht schon früher mit Gesang begleitet hatte.

Sehr umgangssprachlich. Besser: ... warum er sein Spiel nicht schon ...

Zitat:Die Sonne stand schon fast im Zenit und erhitzte die Fahrerkabine immer weiter.

Ist mir wieder zu lässig formuliert. Wie wäre es mit etwas wie: Die Sonne stand schon fast im Zenit, die Temperaturen stiegen unaufhaltsam in der kleinen Fahrerkabine an.

Zitat:Die Zeit schritt voran und er merkte es nicht, bis zu jenem Moment, in dem er jäh unterbrochen wurde

Mrgreen
Erstens: Beistrich vor "in dem"
Zweitens: Natürlich schreckt er aus seinen Gedanken auf, wenn er unterbrochen wird. Dass er "unterbrochen wurde" ist ziemlich nichtssagend. Hier würde ich gleich einbauen, was ihn denn genau mitgerissen hat, sowas wie ... bis ein fürchterlicher Knall ihn zurück in die Realität riss.

Zitat:Der Laster schlingerte kurz, bevor der Farmer ihn wieder unter Kontrolle bekam und sachte abbremste.

Mir ist dieses "sachte" hier schon öfters untergekommen. Für mich, als Österreicherin, ist es extrem "deutsch" und deswegen nicht Hochsprache, sondern dialektal und hat deswegen nichts in einem geschriebenen Text zu suchen, wenn er nicht gerade bewusst in Mundart geschrieben ist. Ich lese ja auch deutsche Literatur und die meisten Übersetzungen sind von Deutschen verfasst, mir ist dieses "sachte" bis jetzt aber noch nie in den Büchern begegnet. Jetzt frage ich dich, hast du es unbewusst geschrieben oder bist du der Meinung, dass es schriftsprachlich genug ist?

Zitat:Er hatte sich bestimmt verguckt

Icon_lol Wir Österreicher vergucken uns, wenn wir uns verlieben. Icon_cuinlove Ansonsten ist "vergucken" wieder umgangssrpachlich. Besser ersetzen durch "seine Augen hatte ihm sicher einen Streich gespielt", "seine Augen mussten ihn getäuscht haben" etc.

Zitat:Hinten auf der Ladefläche liegt ein Kreuz und ein Wagenheber, hol' die mal

Der Satz hat es, was Ein- und Mehrzahl betrifft, in sich. Du zählst zwei Dinge auf, benützt aber das Prädikat in Singular, verwendest im Befehl aber die Mehrzahl. Vorschlag: Das Werkzeug liegt hinten auf der Ladefläche. Ein Radkreuz und Wagenheber, liegt beides oben auf.

Später schreibst du Radkreuz aus, aus Malcolms Sicht. Für mich wäre es logischer, wenn der Fahrer die Werkzeuge gleich bei ihrem Namen nennt, damit Malcolm weiß, wonach er Ausschau zu halten hat und er nennt es einfach nur "Kreuz". Durch die obrige Konstruktion ist auch noch ein Schuss Umgangssprache erhalten, falls dir der wichtig war.

Zitat:„Danke.“ Hörte er.

"Danke", hörte er.

Zitat:Der Andere sah ihn entschuldigend an

Erstens: der andere.
Zweitens: Das ist genau einer dieser Fälle, die ich oben bereits angesprochen habe. Du schreibst überwiegend aus Malcolms Perspektive. Da würde er sich nie als "der eine" bezeichnen, um zu rechtfertigen, dass er den Fahrer als "den anderen" sieht.

Zitat:Malcolm zuckte mit den Schultern.
„Kann ich machen .“

Klingt für mich erstens viel zu umgangssprachlich und zweitens viel zu desinteressiert. Malcolm sollte als Schwarzer zu dieser Zeit, doch ein gewisses Maß an "Ehrfurcht" vor einem weißen Mann haben und außerdem ist er ja auch davon abhängig, dass der Reifen repariert wird.

Zitat:Wirst sehen ist ganz einfach

Same here. Viel zu umgangssprachlich - hallo, Du-Subjekt, wo bist du geblieben?

Zitat:Malcolm legte sich auf den überhitzten Boden und schob sich über die vielen kleinen Steine der unbefestigten Straße unters Auto.

Ein Motor kann sich überhitzen, ein Boden nicht, da er nicht von alleine Wärme entwickelt. "aufgeheizt" trifft es eher.

Zitat:Nie wieder würde er mit dieser Hand einer Gitarre Töne entlocken können.

Er wird der Gitarre sicher wieder Töne entlocken können, nur ist die Frage welche.

Zitat:War vorher Feuer durch seinen Arm gelaufen , musste es nun flüssige Lava sein.

Mir gefällt die Konstruktion Feuer - laufen nicht wirklich.
Flüssige Lava? Du magst wohl Tautologie. Mrgreen Was ich hier allerdings bedenklicher finde, ist wieder der kulturhistorische Hintergrund. Ist Malcolms Horizont tatsächlich so breitgefächert, dass er Assoziationen zu Lava anstellen kann? In seiner näheren Umgebung gibt es wohl keine Vulkane, Fernsehen auch nicht...

Zitat:Agonie hatte ihn überrollt, er lebte jetzt in ihr.

Ironie? Dazu stimmen für mich die Zeiten nicht überein bzw. die Vokabeln. Wenn Agonie ihn überrolt hat, dann hat sie ihn hinter sich gelassen und er kann nicht darin leben. "Leben" passt da auch ganz und gar nicht. Besser: Lähmende Agonie hatte ihn ergriffen.

Zitat:Malcolms ganzer Körper zitterte, als er zu schluchzen begann

Beistrichfehler. "als er zu schluchzen begann" ist für mich irgendwie ein unbeholfenes Anhängsel. Vielleicht besser: Malcolms Körper erzitterte unter seinem heillosen Schluchzen.

Zitat:Ein Lächeln stahl sich in die Gesichtszüge des Farmers, bei dem er seine strahlend weißen Zähne zeigte.

Beistrichfehler

Zitat:Der Junge verstand zwar nicht, was der Farmer meinte. Aber er war einverstanden, ganz sicher.

Daraus würde ich zur Abwechslung mal einen Satz machen. Icon_wink

Zitat:Bevor er auf irgendeinem Stück Land verrottete, würde er jede ausgestreckte Hand ergreifen, die ihn tun ließ, was er wollte. Wenn der Mann seine Hand behandeln konnte, wäre er zu allem bereit. Er würde wieder spielen können, einzig dieser Gedanke zählte für Malcolm.

unschöne Doppelung. Du könntest daraus eine stilistische machen, wenn du es so drehen würdest, dass Malcolm metaphorisch seine Hand gegen die des Teufels eintauscht.

Zitat:Der Farmer hielt Malcolm auffordernd seine Hand hin. Der Junge hob seine Hand und streckte sie ihm entgegen.

s.o.

Zitat:Seine Stimme war nun tiefer, zischender und fordernder, als er sprach.

Beistrichfehler

Zitat:Die Krähe pochte wieder auf den Stein , der Himmel schien dunkler zu werden und Wind kam auf.

Vorher hat sie in das Erdreich gepickt.

Zitat:Der Farmer schnippte mit Daumen und Mittelfinger der linken Hand .

Ist das so wichtig? Du hast bereits so viele Male "Hand" im Text, da kannst du getrost auf dieses eine Mal verzichten.

Zitat:Zunächst in einem langsamen Rhythmus kamen die Töne einzeln aus dem Bauch des Instrument

Instruments

Zitat:Zurück blieb Malcolm, allein, ohne Hoffnung

Da fehlt mir die emotionale Klimax von Malcolm. Wieso ist plötzlich seine Hoffnung weg? Er hat doch alles, was er zu erstreben glaubte. Viel zu abrupt, deswegen nicht wirksam.

Zitat:Aus der Tiefe seiner Brust bahnte sich ein Kichern seinen Weg, Erst

Punkt statt Beistrich.

So das wars mit meinen Korrekturen (in der Zwischenzeit war jemand anderer bereits schneller, während ich noch immer hier schreibe x). Ich glaube, es hat sich abgezeichnet, wo ich die Baustellen deines Textes sehe. Du gehst auf jeden Fall zu sparsam mit der Beistrichsetzung um(immer wenn ein Satz mehr als ein Prädikat hat, muss entweder ein und/oder/Beistrich her), was keine gute Mischung mit deiner Vorliebe zu längeren Sätzen ist. Wobei ein Großteil dieser Sätze nicht einmal noch so lang sein müsste, weil du dich oft wiederholst. An manchen Stellen hast du dich in der Wortwahl vergriffen; du verfällst oft in die Umgangssprache - nicht nur in der direkten Rede! -, was für mich einfach nichts in einem literarischen Text zu suchen hat. Andererseits benützt du Ausdrücke, die an manchen Stellen, einfach nicht funktionieren.
Mein größtes Problem mit deiner Geschichte war aber, dass du dich nicht auf eine Perspektive festlegen konntest/wolltest. Zur Auswahl standen dir Malcolms, des Teufels oder die des allwissenden Erzählers. Du hast dich von allen Seiten ein bisschen bedient, was nicht aufgegangen ist.
Die Idee, dass jemand seine Seele an den Teufel verkauft, um sich einen vermeintlichen Herzenswunsch zu erfüllen, ist ja nicht neu. Insofern ist dein Text auch nicht gerade innovativ, wobei du durch das Setting sicher frischen Wind in die Thematik gebracht hast. Nur auch hier, hättest du überzeugender sein können. Du hättest deinem Text Tiefe geben können, indem du dich z.B. auf Malcolms Perspektive konzentrierst, seine Gefühle, Ambitionen, etc. näher beschreibst und den Fahrer/Teufel ausschließlich durch seine Augen schilderst. So aber wirkt der Text nur halbfertig und nicht ganz durchdacht. Eine Grundaufsanierung würde sich hier sicher lohnen! Icon_smile

LG

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Beitrag #4 |

RE: Kreuzwege
Hallo ihr zwei,

schön euch unter meiner Geschichte zu finden.
Dann will ich euch auch mal antworten. Leider recht spät, aber vorher hatte ich kaum Zeit dazu.
Rechtschreib- und Grammatikfehler werden natürlich demnächst stillschweigend verbessert. Icon_wink

@rex noctis

Zitat: Zitat:Er spielte einen langgezogenen Ton und legte sein Herzblut in ihn hinein, bevor er die Luft in Vibration versetzte und schnell die Töne wechselte.


Ich verstehe nicht, warum er erst dann die Luft in Vibration versetzt. Davor doch auch..?
Stimmt missverständlich ausgedrückt. Ich schau mal, wie ich das löse.

Zitat:Darf man fragen, was ein Juke Joint ist?
Ich nehme mal wikipedia zu Hilfe.

Zitat: Zitat:Malcolms Mitreisender wedelte mit der Hand in Richtung Krähe, um sie zu verscheuchen und tatsächlich flog diese mit einem vorwurfsvollen Krächzen auf.


Ist da keine Windschutzscheibe?
Schon, aber das kann auch durch die Winschutzscheibe funktionieren, wenn sie einen ansieht. Besonders wenn man ihr Chef ist. Icon_wink

Zitat: Zitat:Sei ganzes Denken war nur noch von dem höllischen Schmerz erfüllt, den seine Hand aussandte.


"sein"

Ansonsten finde ich die ganze Stelle um den Satz herum, in der du beschreibst, wie er sich die Hand einklemmt und sie dann wieder befreit wird sehr gelungen, die bisher beste der Geschichte. Du arbeitest gut mit der ... Satzschnelligkeit (würde ich das jetzt nennen), erzeugst erst auch beim Leser Hektik, bis du ihm zusammen mit Malcolm wieder langsam die Gelegenheit gibst, zur Ruhe zu kommen, um die Situation dann erst zu erfassen. Aber warum erkläre ich dir überhaupt, was du da machst... Icon_wink Auf jeden Fall hat's mir sehr gut gefallen. Pro
Icon_smile Dann hat es ja geklappt.

Zitat: Gerade zum Ende hin war das mit dem Teufel natürlich nicht mehr wahnsinnig überraschend, aber die Geschichte war einfach rund und auch wenn du an einigen Stellen noch am Ausdruck arbeiten könntest, fand ich sie sehr flüssig zu lesen, besonders zum Ende hin. Am Anfang hatte sie ein bisschen formale Fehler, aber das kannst du ja noch ausbessern - und es war auch nicht so viel, dass es wirklich gestört hätte.
Ich merke, ich bin gerade in der Stimmung zu reden und breche hier einfach mal ab. Mrgreen
Wie gesagt, hat mir gut gefallen, deine Geschichte!
Freut mich zu hören. Icon_smile
Und ja, die formalen Fehler. Ich schätze nach dem zehnten Mal lesen, ist man einfach blind dafür.
Auf jeden Fall Danke! für deinen Kommentar. Lob tut ja auch mal gut. Icon_wink

@sniffu

Hallo Sniffu, bei dir werde ich nicht auf alles eingehen und ich muss vorweg sagen, dass wir in einigen Punkten unterschiedlicher Meinung sind. Das hat nichts damit zu tun, dass ich unbelehrbar bin, sondern eher damit, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von einer Geschichte, der Sprache und dem Stil haben. Aber jetzt mal los.

Zitat: Zitat:Der verrostete, rote Laster rumpelte über die Straße, nahm dieses und jenes Schlagloch mit und seine Stoßdämpfer seufzten bei jedem einzelnem laut auf, gaben aber nicht nach.


Mir ist dieser Satz als Einstieg zu lang, vor allem weil er rein beschreibend ist und nicht wirklich etwas vorkommt, das mein Interesse erregen würde. Merkst du, wie das "und" die Melodie stört? Ich würde auf das "und" verzichten und zwei Sätze draus machen.
Hier wären dann auch gleich beim stil. Für mich trägt der Satz die Melodie, darüber könnte wir uns jetzt streiten, aber ich würde es dabei belassen.

Zitat: Zitat:Durchgeschüttelt zu werden machte ihm nichts aus, er war schon schlimmer gereist


"schlimmer" ist meines Empfindens umgangssprachlich. Besser: er war schon unter schlechteren Umständen gereist.
Auch darüber lässt sich streiten, für mich ist es nicht umgangsssprachlich, abgesehen davon passt dein Vorschlag nicht zur Umgebung und der Geschichte, da, aus meiner Sicht, zu hoch gestochen.

Zitat: Zitat:Er spielte einen langgezogenen Ton und legte sein Herzblut in ihn hinein, bevor er die Luft in Vibration versetzte und schnell die Töne wechselte.


Ich finde es immer unschön, wenn man leblose Objekte mit Pronomina hervorhebt, als würde man ihnen mehr Bedeutung zumessen, als man eigentlich beabsichtigt. Besser: Er legte sein Herzblut in einen langgezogenen Ton ...
Hier soll der Ton ja betont werden, von daher will ich genau das, was du anmerkst.

Zitat: Zitat:Erneut gab es einen Schlag, der Malcolm bis ins Mark ging und ihn ungewollt hüpfen ließ


Icon_lol Ich hüpfe oder ich hüpfe nicht, wenn ich nicht freiwillig hüpfe, dann nur weil man mir eine Pistole ansetzt oder dgl., aber hier benützt er ja nicht seine Sprunggelenke, sondern wird von einer einwirkenden Kraft bewegt. Im nächsten Satz sagst du sowieso "er wird durchgeschüttelt", ich würde dise Beschreibung auf einen Satz zusammenkürzen und das "hüpfen" ganz unter dne Tisch fallen lassen.
"hüpfen" ist in diesem Zusammenhang durchaus richtig. Es muss nicht nur aktiv sein, sondern es kann auch passiv sein. Stell dich mal auf die Südtribüne im Westfalenstadion. Icon_wink

Zitat: Zitat:Malcolm packte umgehend sein Instrument


Hier würde es sich meiner Meinung anbieten, einen persönlicheren Ausdruck zu finden. "Instrument" ist doch sehr nüchtern, dabei ist die Gitarre Malcolm doch mehr als bloß ein Werkzeug für ihn oder? Wie wäre es mit "ständiger Begleiterin"?
Hmm, Geschmacksfrage, würde ich sagen, zumal ich der Meinung bin, dass man nicht alles immer als etwas besonderes herausstellen muss, wenn es sich auch aus dem Text ergibt.

Zitat: Zitat:Der Laster setzte sich wieder in Bewegung und sofort begannen die Schlaglöcher wieder ihre Arbeit.


Das wirkt so, als müssten die Schlaglöcher das tun, was sie tun. Doch sie sind eher lästig, als nützlich, oder? Falls du hier auf ihren Zweck für den Teufel anspielst, liest es sich nicht gut, da du eher aus Malcolms Sicht als aus die der Baals schreibst.
Hier verstehe ich das Problem nicht. Das ist keine Anspielung, sondern einfach eine Feststellung, dass die Schlaglöcher wieder ihre "Arbeit" aufnehmen, die Insassen durchzuschütteln. Also nichts weiter als eine Metapher.

Zitat: Zitat:Kannst du gut auf dem Ding da spielen?


Zuerst nennt der Fahrer die Gitarre beim Namen, dann spricht er abwertend darüber. Meine Vermutung ist ja, dass du dir die WH von "Gitarre" verkneifen wolltest, doch dieses Wort passt einfach nicht. Oder aber du willst den Fahrer extra unwissend, salopp drüber reden lassen, damit Malcolm keinen Verdacht schöpfst. Dann musst du das klarmachen und nicht nur andeuten.
Wo ist das abwertend? Icon_confused
Kann ich da nicht sehen.
Einfach normaler Sprachgebrauch, besonders, wenn man etwas einfacher gestrickt ist.

Zitat: Zitat:Der Lastwagen rumpelte durch ein Schlagloch und zwang seine Insassen die Zähne aufeinander zu pressen, bevor sie sich zufällig die Zunge abbissen.


über ein Schlagloch.
Zufällig beißt sich sicher niemand die Zunge ab. Icon_wink "unabsichtlich" wäre hier wohl die bessere Wortwahl, aber so ganz glücklich bin ich mit dem Satz noch immer nicht. Vorschlag: Wieder rumpelte der Lastwagen über ein Schlagloch. Malcolm musste die Zähne zusammenpressen, damit er sich nicht die Zunge abbiss.

Ich würde mich hier bewusst auf Malcolms Perspektive konzentrieren.
Hmm, durch ist passender, finde ich. Bei "über" müsste es ja nach oben überstehen. Es ist groß genug, dass sie wirklich durch fahren.

Zitat:Aufbegehren passt in diesem Zusammenhang nicht. "stotterte aufgeregt", "wollte sich erklären" etc. scheint mir passender.
Wer ist "uns"? Wenn du auf die Krähe anspielst, solltest du davor bereits Hinweise in die Richtung liefern, weil es sich ganz einfach wie ein Tippfehler liest.
Wieder wirkt "aufbegehren" fehl am Platz. "widersprechen", "sich weigern" etc wäre mir alles lieber.
Aufbegehren ist schon richtig. Denn er steht seinen Mann gegen einen älteren Weißen. Und das "uns" bezieht sich auf den Mann und Malcolm selbst. Auch wieder vollkommen normaler Sprachgebrauch, da muss nicht interpretiert werden.

Zitat: Zitat:Fingerpicking


Frage mich gerade, wie alt dieser Ausdruck ist. Gab es den zu der Zeit schon? Du schreibst zwar vor einem angloamerikanischen Hintergrund, doch trotzdem wirkt dein Text "deutsch". Darum würde ich auf diesen englischsprachigen Begriff verzichten und nach einer deutschsprachigen Umschreibung suchen.
Alt, sehr alt. Und es gibt keine Entsprechung im Deutschen. Ich bin zwar immer bemüht, kein Englisch zu verwenden, weil ich es selbst nicht schön finde, wenn es in deutschen Texten auftaucht, aber man sollte es nicht übertreiben, sonst muss man auch bald Kompaktdisketten-Spieler schreiben.

Zitat: Zitat:Eine der Krähen landete auf dem Kühler des Wagens und starrte Malcolm aus einem ihrer tiefschwarzen Augen an


Schielt sie? Zwinkert sie? Bau davor ein, dass die Krähe den Kopf seitlich hält oder dgl., ansonsten liest sich dieser Satz ziemlich schräg.
Da bin ich der Meinung, es ergibt sich aus dem Text und man muss nicht alles dem Leser vorkauen. Der darf ruhig auch ein bißchen seine eigene Fantasie spielen lassen.

Zitat: Zitat:Der Laster schlingerte kurz, bevor der Farmer ihn wieder unter Kontrolle bekam und sachte abbremste.


Mir ist dieses "sachte" hier schon öfters untergekommen. Für mich, als Österreicherin, ist es extrem "deutsch" und deswegen nicht Hochsprache, sondern dialektal und hat deswegen nichts in einem geschriebenen Text zu suchen, wenn er nicht gerade bewusst in Mundart geschrieben ist. Ich lese ja auch deutsche Literatur und die meisten Übersetzungen sind von Deutschen verfasst, mir ist dieses "sachte" bis jetzt aber noch nie in den Büchern begegnet. Jetzt frage ich dich, hast du es unbewusst geschrieben oder bist du der Meinung, dass es schriftsprachlich genug ist?
Die ist schon klar, dass Österreicherisch der Dialekt ist? So leid es mir tut, es sagen zu müssen, aber nicht jedes Wort, welches du nicht kennst oder nicht in deinem Sprachgebrauch ist, ist gleich Umgangssprache. Es ist mir aufgefallen, dass du generell mit dem Wort sehr schnell bei der Hand bist, auch in anderen Kommentaren. Im Großteil der Fälle ist es aber nicht berechtigt, so auch hier. "Sachte" gehört zur Hochsprache und drückt z.B. etwas ganz anderes aus als das von dir in einem Fall vorgeschlagene "zärtlich" aus. "sachte" ist vorsichtig, behutsam, "zärtlich" liebevoll weniger vorsichtig als mehr sanft.

Zitat:Der Satz hat es, was Ein- und Mehrzahl betrifft, in sich. Du zählst zwei Dinge auf, benützt aber das Prädikat in Singular, verwendest im Befehl aber die Mehrzahl. Vorschlag: Das Werkzeug liegt hinten auf der Ladefläche. Ein Radkreuz und Wagenheber, liegt beides oben auf.

Später schreibst du Radkreuz aus, aus Malcolms Sicht. Für mich wäre es logischer, wenn der Fahrer die Werkzeuge gleich bei ihrem Namen nennt, damit Malcolm weiß, wonach er Ausschau zu halten hat und er nennt es einfach nur "Kreuz". Durch die obrige Konstruktion ist auch noch ein Schuss Umgangssprache erhalten, falls dir der wichtig war.
HIer muss ich wieder darauf verweisen, dass es zu der Sprachart und der Situation gehört. Der Mann spricht so, auch wenn vielleicht nicht grammatikalisch korrekt ist. Und da er weiß, wovon er redet, wird er auch nur "Kreuz" sagen. Dein Vorschlag würde nciht zu ihm passen und wäre zu sehr konstruiert.

Zitat: Zitat:Malcolm legte sich auf den überhitzten Boden und schob sich über die vielen kleinen Steine der unbefestigten Straße unters Auto.


Ein Motor kann sich überhitzen, ein Boden nicht, da er nicht von alleine Wärme entwickelt. "aufgeheizt" trifft es eher.
Ähm, doch. Das ist kein aktiver Prozeß. Aber ich überlege trotzdem mal.

Zitat: Zitat:War vorher Feuer durch seinen Arm gelaufen , musste es nun flüssige Lava sein.


Mir gefällt die Konstruktion Feuer - laufen nicht wirklich.
Flüssige Lava? Du magst wohl Tautologie. Mrgreen Was ich hier allerdings bedenklicher finde, ist wieder der kulturhistorische Hintergrund. Ist Malcolms Horizont tatsächlich so breitgefächert, dass er Assoziationen zu Lava anstellen kann? In seiner näheren Umgebung gibt es wohl keine Vulkane, Fernsehen auch nicht...
Mit Sicherheit, er ist in dem Umfeld garantiert mit der Bibel aufgewachsen und da gibt es genug Stellen, die das illustrieren, zu mal auch zu der Zeit schon genug über Vulkane bekannt war.

Zitat: Zitat:Agonie hatte ihn überrollt, er lebte jetzt in ihr.


Ironie? Dazu stimmen für mich die Zeiten nicht überein bzw. die Vokabeln. Wenn Agonie ihn überrolt hat, dann hat sie ihn hinter sich gelassen und er kann nicht darin leben. "Leben" passt da auch ganz und gar nicht. Besser: Lähmende Agonie hatte ihn ergriffen.
"überrollen" in dem Sinne, dass sie ihn überwältigt und vollkommen erfasst hat.

Zitat:Da fehlt mir die emotionale Klimax von Malcolm. Wieso ist plötzlich seine Hoffnung weg? Er hat doch alles, was er zu erstreben glaubte. Viel zu abrupt, deswegen nicht wirksam.
Er hat alles, was er wollte, aber der Preis ist einfach zu hoch, was er auch weiß. Deswegen hat er keine Hoffnung mehr.

Zitat:An manchen Stellen hast du dich in der Wortwahl vergriffen; du verfällst oft in die Umgangssprache - nicht nur in der direkten Rede! -, was für mich einfach nichts in einem literarischen Text zu suchen hat. Andererseits benützt du Ausdrücke, die an manchen Stellen, einfach nicht funktionieren.
Mein größtes Problem mit deiner Geschichte war aber, dass du dich nicht auf eine Perspektive festlegen konntest/wolltest. Zur Auswahl standen dir Malcolms, des Teufels oder die des allwissenden Erzählers. Du hast dich von allen Seiten ein bisschen bedient, was nicht aufgegangen ist.
Zum "umgangssprachlich habe ich ja schon was gesagt, zu den Perspektiven: Ehrlich gesagt, sehe ich da kein Problem.

Zitat:Die Idee, dass jemand seine Seele an den Teufel verkauft, um sich einen vermeintlichen Herzenswunsch zu erfüllen, ist ja nicht neu. Insofern ist dein Text auch nicht gerade innovativ, wobei du durch das Setting sicher frischen Wind in die Thematik gebracht hast. Nur auch hier, hättest du überzeugender sein können. Du hättest deinem Text Tiefe geben können, indem du dich z.B. auf Malcolms Perspektive konzentrierst, seine Gefühle, Ambitionen, etc. näher beschreibst und den Fahrer/Teufel ausschließlich durch seine Augen schilderst. So aber wirkt der Text nur halbfertig und nicht ganz durchdacht. Eine Grundaufsanierung würde sich hier sicher lohnen! Icon_smile
Hier sind wir mit SIcherheit unterschiedlicher Meinung. Denn eine Grundsanierung, würde bedeuten, es würde nichts stimmen, und das ist bestimmt nicht der Fall. Auch wenn sich das jetzt beleidigt anhört, was ich nicht bin.

Ich würde dir aber auch noch eine kleine Rückmeldung geben. Zum einem sollte man immer differenzieren, zwischen Wörtern, die man nicht kennt und jenen, die wirklich umgangssprachlich sind, vor allem sollte man aber auch immer den ganzen Text im Blick haben, um zu sehen, wie sich alles zusammenfügt und diesen Blick hast du aus meiner Sicht nicht. Jetzt nicht nur hier, sondern auch woanders.
Was ich damit meine.
Wenn man sich mit Texten beschäftigt und gerade du bei deinem Studium, dann tappt man sehr schnell in eine schwere Falle. Man versucht das gelernte anzuwenden und vergisst darüber einen Text zu genießen und ihn auf sich wirken zu lassen, weil man dauernd auf formale Dinge achtet und unbedingt die Regeln erfüllt sehen will. Nur führt dass dazu, dass man das Wesentliche vergisst, das Lesen, Fühlen und Verstehen. Mir ist das auch passiert und deswegen, habe ich bewusst mal wieder angefangen, zu lesen ohne auf formale Dinge allzu sehr zu achten und Texte wieder auf mich wirken zu lassen. Wenn man dann schaut, stellt man schnell fest, dass die Regeln des Schreibens nur ein Leitfaden sind, den man auch mal verlassen muss, um etwas zu schaffen, was Leser packen kann. Nur dann kann man etwas interessantes schreiben.
Aus diesem Grund, weiß ich, dass dieser Text, viel besser ist, als du ihn empfindest, da du nur auf das Klein-Klein geachtet hast, aber nicht auf die Geschichte, Atmosphäre selbst. Besonders an deiner Kritik daran wie der Mann spricht, lässt sich dies leicht erkennen. Ich würde dir mal empfehlen, mal wieder eine Geschichte zu lesen, ohne dein Studium im Hinterkopf, du wirst sehen, du wirst plötzlich Dinge entdecken, die dir vorher entgangen sind.

Lg,
Drakir

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Beitrag #5 |

RE: Kreuzwege
Hallo drakir,

deine Geschichte steht auch schon länger auf meiner Liste und da gestern Kommi-Tag war, bist du jetzt an der Reihe. *versucht fies zu lachen* Icon_fies

Zitat:nahm dieses und jenes Schlagloch mit

Hmm, sagt man das echt so? „Schlaglöcher mitnehmen“? Ich hätte wahrscheinlich was mit „durchfahren“ formuliert.

Zitat:Die letzten Tage waren recht trocken gewesen und die Sonne brannte herunter.

Es ist Tag? Komischerweise hatte ich sofort das Bild von einer nächtlichen Lasterfahrt im Kopf – keine Ahnung warum.

Zitat:Der Fahrer konzentrierte sich aufs Fahren, während der schwarze Junge aus dem Fenster sah und die Fahrt offenbar genoss.

Mein Gefühl meint plötzlich, dass du hier irgendwie einen Perspektivenwechsel drin hast. Zuerst hast du ja aus Malcolms Sicht erzählt, aber hier erscheint es mir als würde ein Erzähler von oben herab beschreiben. Ich könnte das jetzt gar nicht genau am Text belegen, aber dadurch, dass Malcolm „nur noch“ als schwarzer Junge hier genannt ist, haben wir uns von ihm entfernt. Icon_confused

Zitat:Und das tief im Süden der USA.

Das wir hier im Süden sind, hast du schon recht oft erwähnt. Ich würde das irgendwie rauskürzen.

Zitat:Klingt doch merkwürdig“

Ich glaub der Punkt wurde von einem Schlagloch aus dem Laster geschleudert. Icon_wink

Zitat:Steigerte sich weiter hinein und nahm nichts mehr war,

wahr

Zitat:Er nahm beides und ging damit zu dem Farmer.

Der Satz klingt etwas ungelenk. Vorschlag: „Er nahm beides und ging damit um den Laster.“

Zitat:Sei ganzes Denken war nur noch von dem höllischen Schmerz erfüllt,

Sein

Zitat:Im nächsten Moment saß er an einem Reifen gelehnt

einen

Zitat:Seine Linke grub sich in die Staubige Erde, eine Nagel löste sich von einem seinem Finger und weiteres Blut floss in den Staub.

staubige Erde; ein Nagel

Zitat:Wie ein Schlange ihr Opfer hielt der Mann seinen Blick gefangen.

eine

Ui, das war ein schnelles Ende. Irgendwie hab ich mir gewünscht Malcoms Leben noch ein wenig weiter verfolgen zu können, aber nun gut.
Was haben wir hier? Auf den ersten Blick ist eine dieser typischen Anhalter Geschichten in denen sich der harmlose Tramper vor dem gruseligen Mitnehmer in Acht nehemen muss. Du wirfst uns am Anfang schon mitten ins Geschehen, sodass man sich nicht denken muss: „Malcolm steig da ja nicht ein!“ Hier drängt sich eher ein: „Malcolm wo bist du hier nur hereingeraten?“ auf.
Gut gemacht finde ich, dass der Farmer eigentlich die ganze Zeit harmlos erscheint und seine „Gruseligkeit“ sehr unterschwellig rüberkommt, dass ist ja so eine Problematik bei der es mal wieder gilt den goldenen Mittelweg zu finden. Ich finde das hast du gut hinbekommen. Pro
Das einzige, wo ich ein bisschen zu meckern habe ist das Ende. Es kommt recht schnell und es hört alles ganz plötzlich auf. Ich hätte gerne noch rausgefunden wie sich Malcolm nun verändert hat, schließlich hat er gerade seine Seele verkauft.

Die riesen Überraschung bietet deine Geschichte zwar nicht, aber es hat mir Spaß gemacht sie zu lesen. Vorallem weil dir auch das Setting gut gelungen ist. Icon_smile

Liebe Grüße,
Lady

PS: Ich seh gerade, dass die Geschichte ja im "Alltag" steht. [Bild: smiley_emoticons_lightshocked.gif] Warum das? Beim Lesen dachte ich, sie wäre in unserer Horror-Rubrik.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #6 |

RE: Kreuzwege
Hi Lady,

ich sehe gerade, dass ich Dir noch gar nicht geantwortet. Schande über mich. Die Überarbeitung werde ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall machen und dann auch die gemachten Anmerkungen einarbeiten.

Zitat:Das einzige, wo ich ein bisschen zu meckern habe ist das Ende. Es kommt recht schnell und es hört alles ganz plötzlich auf. Ich hätte gerne noch rausgefunden wie sich Malcolm nun verändert hat, schließlich hat er gerade seine Seele verkauft.
Das verstehe ich, sein weiteres Leben zu beschreiben wäre sicher reizvoll, nur kenne ich mich dazu nicht gut genug in der Zeit aus, in der die Geschichte spielt und wenn ich das angehe, will ich das auch richtig machen, was bestimmt mindestens ein paar Monate intensive Recherche bedeuten würde. Mir kam es aber auch hauptsächlich darauf an, diese Legende zu erzählen, die in den USA sehr populär ist. Auch wenn der Ursprung meist vergessen wird. Namentlich ein gewisser Robert Johnson soll einen solchen Pakt eingegangen sein und wird meist als Erster in diesem Zusammenhang genannt, auch wenn das nicht so ganz richtig ist. Mittlerweile ist die Legende so bekannt, dass auch Fernsehserien wie Supernatural ausgiebig von ihr Gebrauch machen.

Deswegen habe ich sie übrigens auch bei Alltag eingestellt, da sie für die USA so etwas wie "Alltag" darstellt, abgesehen vom offensichtlichen Grund, nicht zu viel durch die Wahl der Rubrik zu verraten. Icon_wink

Auf jeden fall freut es mich, dass ich Dich unterhalten konnte.

Lg,
Drakir

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Beitrag #7 |

RE: Kreuzwege
Hallo Drakir,

Diese Geschichte ist der absolute Hammer. Ich habe sie so versunken gelesen, dass ich den Kollegen an der Tür überhaupt nicht bemerkt habe. Ich konnte mir alles vorstellen und war regelrecht in der Szene gefangen. Wahnsinn! Kann ich nur sagen. 
So eine tolle Geschichte habe ich schon lange nicht mehr gelesen und die meisten hier sind echt gut. 
Das Ende war absolut nicht abzusehen. Erst als der Farmer Malcolm den Handel vorschlug, dachte ich mir: Mmmmh, den Unfall hat er bestimmt herbeigeführt. Aber vorher war da nichts abzusehen. Dachte, Malcolm wird entführt oder so etwas in der Art. 

Ein paar Fehlerchen sind mir aber trotzdem aufgefallen. 

Zitat:Erneut gab es einen Schlag, der Malcolm bis ins Mark ging und ihn ungewollt hüpfen ließ. Malcolm wurde kräftig durchgeschüttelt und verlor beinahe seine Mundharmonika. 
Du klebst zum Beispiel unheimlich an Namen, anstatt Synonyme zu verwenden

Zitat: „Oder weil ich deine Arbeitskraft brauche und dich zu meinem Sklaven machen will?“
Ein nahe liegender Verdacht  Icon_aufsmaul

Zitat: „Hab mal Charley Patton beim alten Sam gesehen. Hat sein Haus dafür extra in ein Juke Joint verwandelt. Die Schwarzen aus der ganzen Nachbarschaft waren da und ein paar Weiße wie ich, die Sam eingeladen hatte.“ Der Lastwagen rumpelte durch ein Schlagloch und zwang seine Insassen die Zähne aufeinander zu pressen, bevor sie sich zufällig die Zunge abbissen. „Hat damals eine beeindruckende Show gezeigt. 
Absätze nach der wörtlichen Rede wären ganz gut 

Zitat:„Na, nicht, dass er seine Seele an den Teufel verkauft, wie es dieser Tommy Johnson getan haben soll. Muss man sich mal vorstellen. Seele gegen Musik. Wer macht so etwas?“ Der Farmer schüttelte den Kopf. „Wenn es überhaupt stimmt. Kaum zu glauben eigentlich. Der Teufel persönlich gibt einem die Fähigkeit zu spielen. Klingt doch merkwürdig“
In Relation zu dem Ende finde ich diesen Abschnitt nicht so passend, weil er den Leser ja schon mit der Nase darauf stößt. Ich würde das mehr durch die Blume schreiben.


Zitat: Die Hand des anderen Mannes hatte sich ganz warm angefühlt.
anderen kannst du streichen. Ich denke, es ist ersichtlich  Icon_smile

Zitat: Nur weil seine Schwester behauptet hatte, seine Stimme wäre nur dazu geeignet, Ungeziefer zu verscheuchen,
Icon_lachtot Icon_lachtot Icon_lachtot ohne Worte

Zitat: Wirst sehen ist ganz einfach
Komma nach sehen


Zitat:Malcolms ganzer Körper zitterte als er zu schluchzen begann. 
Komma nach zitterte 

Zitat: Der Lastwagen war fort, ebenso der einfache Farmer, stattdessen sah er sich einem tiefschwarzen Hengst gegenüber, dessen Reiter in schwarz und blutrot gekleidet war. 
Ich schließe den Pakt, wenn ich das Pferd bekomme oder kann der nur Musik?  Mrgreen

Zitat:Der Schmerz in seiner Hand war vielleicht verschwunden, aber der in seiner Seele blieb.
Er kann zwar noch spielen, aber es macht ihn nicht mehr glücklich  Icon_nosmile

Meine Lobeshymne steht ganz oben  Icon_smile

Gruß Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #8 |

RE: Kreuzwege
Hi Persephone,

jetzt hast du mich so fleißig kommentiert und ich komme erst jetzt dazu Dir zu antworten.  Icon_smile
Freut mich, dass die Geschichte Dich so fesseln konnte. Anscheinend genauso, wie mich beim Schreiben. Icon_wink
Fehler schau ich mir an und verbessere sie. Icon_smile

LG,
Drakir

P.S.: Schon lange nicht mehr hier aktiv ins Forum geschrieben. Fühlt sich gut an. Icon_wink

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