Es ist: 01-10-2020, 01:25
Es ist: 01-10-2020, 01:25 Hallo, Gast! (Registrieren)


SI 4: Kalter Raum
Beitrag #1 |

SI 4: Kalter Raum
Hi!
Auch ich habe mich vom letzten Schreibimpuls zu einem kurzen Stück inspirieren lassen. Es wirkt noch etwas unfertig, ich kann aber keinen Finger auf die Stelle tippen. Ich freue mich über Meinungen.
Viel Spaß!



Kalter Raum

Die Männchen waren wieder da.
In Fünfergrupppen wanderten sie die Wand entlang und zeigten mit ihren spindeldünnen Gliedern auf ihn, um ihn zu verspotten, wobei sie versuchten, sich gegenseitig zu übertreffen. Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporstieg. Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen, das sich aus wiederkehrenden, rauen Tonfolgen zusammensetzte.
Wenn die Tage länger wurden, kamen sie öfter, krochen mit dem ersten Licht durch das Fenster und blieben bis in die Nacht hinein. Zwar konnte er sie dann nicht sehen, doch ihr Gelächter war überall. Manchmal folgte es ihm sogar auf seinen Ausflügen.
In der Ecke der Kammer duckte sich Nr. 37516 grinsend tiefer in die Schatten. Seine Versuche, mit der grauen Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos. Während die Schatten wanderten, und die Strichmännchen kicherten, schloss er die Augen und glitt hinfort. In einen warmen Schoß.
Elise, seine Kirschblüte. Wie blass, wie zart sie gewesen war – so zerbrechlich unter ihm. Ihr Raub war sein Meisterstück, ihr zuckender Leib sein größter Lohn. Über Wochen hatte er sich gezügelt, sie einfach nur angeschaut, war jeden Zentimeter ihrer Haut mit den Augen entlang gestrichen, hatte die Tränen der Erwartung von den schmalen Wangen geküsst. Sie war so ungeduldig, verstand nicht, dass sie warten mussten. Als der Tag kam, war sie ihm vorausgeeilt – fort war die fromme Katholikin, die von Ehe und keuscher Liebe träumte. Wie alle zuvor hatte auch sie sich ihm geöffnet, hatte von Lust übermannt die Fingernägel in sein Fleisch getrieben. Und wie zuvor war der Zauber danach zerfallen.
Nr. 37516 kehrte zurück aus der Erinnerung. Er hob den Blick, besah die sechs Eisenstäbe, die ihn von seinen Frauen fernhielten. Seine stummen Wächter, tagein, tagaus. In Laufe der Jahre waren ihre Mäntel rissig und braun geworden, doch noch standen sie stramm. Tagein. Tagaus.
Früher hatte er sie gewürgt und gezerrt, hatte gezetert und gebrüllt. Gefleht.
Die Eisenwächter zeigten sich unbestechlich. Irgendwann hatte er begonnen, seine Fäuste gegen die rissige Wand zu treiben, bis der Stein blutete. Wieder und wieder, bis er das Bewusstsein verlor. Die Narben waren immer noch dort, braungefleckt auf grauem Grund.
Inzwischen tat er das nicht mehr. Der Stein hatte ihm die Kraft genommen. Ih verweichlicht, seine Haut grau und schlaff werden lassen.
Vor einiger Zeit reifte ein neuer Plan in ihm. Die Männchen; Sie ließen die Wächter hinein. Wenn es ihm gelänge, eines zu fangen …
Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als unmöglich heraus. Jedes Mal, wenn er sprang und meinte, eines der Strichwesen gefasst zu haben, waren seine Hände leer und das Gekicher lauter gewesen. Deshalb hatte er sich aufs Beobachten versteift. Wenn er nicht bei einer seiner Frauen weilte, verfolgte er die Strichmännchen auf ihren Wegen. Ihr Geheimnis musste in ihrer Größe liegen, schloss er, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Seine rissigen Fingernägel eigeneten sich dafür ganz wunderbar. Sein linker Arm hatte bereits merklich abgenommen. Zur besseren Anpassung hatte er sich zudem die Haare ausgerissen.
Bald wäre er klein genug, um sich an den Eisenwächtern vorbei zu stehlen.
Er kicherte.
Unten, in dem Schlund, der sich vor seinem Fenster auftat, wühlten sich die Wellen die Felsen hinauf. Sein alter Freund, das Meer, erinnerte sich seiner, erinnerte sich der schönen Geschenke, die er ihm dargebracht hatte. Seine Gischtarme würden ihn auffangen, und er wäre frei. Für die nächste Blüte. Irgendwann.
Bald.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #2 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo Adsartha,

das ist echt ein geheimnisvoller Text. Ich habe ihn jetzt dreimal gelesen und vermag nicht zu sagen, was "er" denn eigentlich ist. Zunächst dachte ich an einen menschlichen Gefangenen, der viele Frauen hatte, aber nie wirklich Befriedigung gefunden hat. Darauf deutet auch die Katholikin hin. Aber wie passt das mit dem Ende zusammen?
Zitat:Ihr Geheimnis musste in ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
Icon_confused
Hm. Ein Psychopath vielleicht, wegen der Männchen. Die könnten Striche an der Wand sein, die Gefangene machen, um die Tage zu zählen. Vielleicht ist er verrückt.
Zitat:Für die nächste Blüte. Irgendwann.
Bald.
Das widerspricht meinen Überlegungen. Ein Same, der zur Blüte reifen möchte? Ein Wesen, dass Blüten bestäubt (wegen der Frauen)? Aber wieso dann der Knast mit den Eisenstäben? Schön umschrieben finde ich die Stelle mit den Mänteln:
Zitat: In Laufe der Jahre waren ihre Mäntel rissig und braun geworden, doch noch standen sie stramm. Tagein. Tagaus.
Icon_slash
Okay, aber das mit der Kirschblüte erhellt meine Ahnungslosigkeit leider auch nicht. Insgesamt macht mich das ziemlich neugierig.
Ein paar Einzelheiten noch:
Ein Schimmelpilz mit Ranken habe ich noch nicht gesehen, es ist eher ein Geflecht (daher auch der Name Flechten bei einigen Sorten).
Zitat:Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen, das sich aus wiederkehrenden, rauen Tonfolgen zusammensetzte.
rauhen mit "h". Ich würde schreiben: Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen in wiederkehrender, rauher Tonfolge.
Das Wort "omnipräsent" passt für mich nicht in die Geschichte.
Zitat:Inzwischen tat er das nicht mehr.
"Inzwischen" stört mich. Vielleicht besser: Er tat das nicht mehr.
Zitat:Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als unmöglich heraus.
"Allerdings" stört mich an dieser Stelle. Vielleicht so: "Ein unmögliches Unterfangen, wie er bald feststellen musste."
Zitat:Deshalb hatte er sich aufs Beobachten versteift.
Ich glaube, man kann sich nicht auf etwas versteifen, eher beschränken.
Zitat:unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen.
abzupulen ist ein Wort, glaube ich. Das klingt irgendwie unglücklich. Vielleicht abschälen oder entblättern, da ich aber nicht weiß, was er ist, kann ich keine passenden Vorschläge machen.
Ja, und das war es auch schon. Ich wünsche mir, dass ich noch erfahre, was "er" denn ist, wer die Wächter sind und warum er mit Elise auf was wartet Icon_wink

Liebe Grüße von slaintecookie


Mich kann man nicht komprimieren!

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Beitrag #3 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hi Addi,

ich war neugierig, wie du die Thematik verarbeitet hast.

Dein Text kommt mir fast ein wenig wie ein Rätsel vor. Ein bisschen surreal. Ich hatte zwischendurch mal auf einen Baum getippt, dagegen sprechen aber die Augen und die Ausflüge. Gegen Insekten sprechen die Eisenstäbe, außerdem, dass der Erzähler männlich ist und im Insektenreich, soweit ich weiß, zumeist die Weibchen mehrere Männchen um sich scharen. Nun ja, um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, wer der Erzähler ist. Mrgreen
Was ich mir noch am Ehesten vorstellen könnte, wäre tatsächlich ein menschlicher Erzähler, ein psychopathischer Täter in einem Gefängnis vielleicht. Die Männchen Schatten, die Frauen Erinnerungen ... aber das passt auch nicht wirklich.
An sich wäre es mMn nach der Geschichte dienlich, wenn du das Rätsel etwas deutlicher gestalten würdest. Die Geschichte liest sich wirklich schön und du beschwörst gerade mit den rostigen Eisenstäben ein tolles Bild herauf, aber zumindest ich komme irgendwie einfach nicht auf die Identität des Erzählers. Ich fände es schön, wenn du ihn entweder ganz am Ende auflösen würdest oder eben ein paar etwas deutlichere Tipps anbringen würdest.

Sprachlich hab ich nichts zu meckern, da hat alles gepasst.

LG,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #4 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo.

Da schließe ich mich also der Rätselrunde an Icon_wink

Nach dem fünften Lesen würde ich auf einen Gefangenen tippen, einen Mörder und Vergewaltiger vielleicht. Spätestens im Gefängnis muss er verrückt geworden sein, sonst könnte ich mir diese Männchen nicht erklären, die er immer wieder versucht zu fangen und scheitert. Vielleicht war er auch schon zuvor Psychopath, hat er Elise vielleicht entführt, da er von Raub spricht und ihre Angst für Erwartung gehalten? Hat er die anderen Frauen, da es ja offenbar mehrere sind, ermordet und dann ins Meer geworfen, da er von seinem alten Freund und den schönen Geschenken spricht, die er ihm dargebracht hat? Fragen, die den Text umso interessanter machen.
Das Bild der Eisenstäbe ist so ... lebendig. Ich kann sie mir richtig vorstellen, sechs Stäbe, die tagein, tagaus nichts tun außer dort stehen.

Ein paar Dinge sind mir dennoch aufgefallen.

Zitat:Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporkletterte.
"klettern" und "emporklettern" sind mir persönlich zu ähnlich, deshalb empfinde ich das als Wiederholung. Ich wüsste jetzt aber auch nicht auf Anhieb, was man sonst als Alternative verwenden könnte. "Krabbeln" vielleicht? Oder würde es den Sinn verfälschen? Welches Bild hattest du dafür im Kopf?

Zitat:Zwar konnte er sie dann nicht sehen, doch ihr Gelächter war omnipräsent. Manchmal folgten sie ihm sogar auf seinen Ausflügen.
Hier stolpere ich über "omnipräsent". Das Wort habe ich vorher vielleicht erst ein- oder zweimal gehört und es ragt ein wenig über den Sprachrahmen, den du mit diesem Text geschaffen hast, hinaus.

Zitat:Die Männchen; Sie ließen die Wächter hinein.
"sie" klein.
Wer ist "sie"? Die Männchen, im Sinne von "Die Wächter lassen die Männchen herein"? Oder eher im Sinne von "Die Männchen lassen die Wächter herein"? Beim ersten, zweiten und dritten Lesen (ja, ich lese Texte eigentlich nicht so oft, aber irgendetwas hat mich gefesselt Icon_wink ) habe ich es so verstanden, wie die zweite Variante. Das erschließt sich mir aber nicht, wenn die "Wächter" für die Eisengitterstäbe stehen ... Also die erste Variante. Ich würde es aber etwas eindeutiger formulieren, außer der Stolperstein ist so gewollt Icon_wink

Das wäre es mit Anmerkungen. Insgesamt ein gelungener Text, der viel Interpretationsspielraum lässt, aber nicht soviel, dass man völlig im Dunkeln umherirrt. Mag ich Pro

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #5 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo ihr Drei!
Es war sehr interessant für mich, zu sehen, wie unterschiedlich ihr diese Geschichte erlebt. Gemein scheint euch allerdings zu sein, dass ihr um die Identität des Erzählers rätselt, obwohl ihr alle schon auf der richtigen Spur seit. Bevor ich mich nun jedem einzeln widme ein Danke für eure Gedanken zum Text und die Kommentare.

a) Hi slainte,
willkommen unter einem meiner Texte. Es ist glaube ich dein erster, daher fühle ich mich etwas schludig, dir gleich so etwas Komplexes angeboten zu haben. Icon_wink

Zitat:Ich habe ihn jetzt dreimal gelesen und vermag nicht zu sagen, was "er" denn eigentlich ist. Zunächst dachte ich an einen menschlichen Gefangenen, der viele Frauen hatte, aber nie wirklich Befriedigung gefunden hat. Darauf deutet auch die Katholikin hin. Aber wie passt das mit dem Ende zusammen?
-- Ja, der Gedanke ist richtig. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Eingekerkerten geschrieben. Inwieweit das Ende dich davon abbringt, ist mir nicht klar, denn er träumt ja vom Ausbruch.

Zitat:
Zitat:Ihr Geheimnis musste in ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
Icon_confused
Hm. Ein Psychopath vielleicht, wegen der Männchen. Die könnten Striche an der Wand sein, die Gefangene machen, um die Tage zu zählen. Vielleicht ist er verrückt.
-- hurra Genau! Also doch nicht so unklar!

Zitat:
Zitat:Für die nächste Blüte. Irgendwann.
Bald.
Das widerspricht meinen Überlegungen. Ein Same, der zur Blüte reifen möchte? Ein Wesen, dass Blüten bestäubt (wegen der Frauen)? Aber wieso dann der Knast mit den Eisenstäben?
-- Die Blüten sind die Frauen, die er entführt hat bzw. noch entführen will. Er träumt vom Ausbruch, um wieder zu jagen. Woher hast du nun den Gedanken mit dem Samen?

Zitat:Schön umschrieben finde ich die Stelle mit den Mänteln:
Zitat: In Laufe der Jahre waren ihre Mäntel rissig und braun geworden, doch noch standen sie stramm. Tagein. Tagaus.
Icon_slash
-- Danke! Icon_smile

Zitat:Okay, aber das mit der Kirschblüte erhellt meine Ahnungslosigkeit leider auch nicht. Insgesamt macht mich das ziemlich neugierig.
-- Die Kirschblüte ist Elise. Die Umschreibung, die er ihr gibt. Für ihn sind Frauen Blüten zum Pflücken. Ein Gedanke, der gegen Ende erneut aufgegriffen wird.

Zitat:Ein Schimmelpilz mit Ranken habe ich noch nicht gesehen, es ist eher ein Geflecht (daher auch der Name Flechten bei einigen Sorten).
-- Die Ranken sind hier nicht wortwörtlich zu sehen. So wie es die Männchen nicht gibt, sondern, wie du erkannt hast eine Verschmelzung von Strichen an der Wand und Zikadengezirpe von außen sind, hat der Pilz natürlich keine Ranken. Da ging die Poetin mit mir durch bzw. der Wunsch, seinen Wahnsinn darzustellen. Es geht ja um unterschiedliche Perspektiven.

Zitat:
Zitat:Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen, das sich aus wiederkehrenden, rauen Tonfolgen zusammensetzte.
rauhen mit "h". Ich würde schreiben: Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen in wiederkehrender, rauher Tonfolge.
-- Nach neuer Rechtschreibung wird rau leider ohne H geschrieben. Finde das auch doof, ist aber so.

Zitat:Das Wort "omnipräsent" passt für mich nicht in die Geschichte.
-- Da sich die anderen auch daran stören, werde ich es umändern.

Zitat:
Zitat:Inzwischen tat er das nicht mehr.
"Inzwischen" stört mich. Vielleicht besser: Er tat das nicht mehr.
-- Hier will ich einen Zeitraum darstellen, von daher finde ich das Zeitwort auch wichtig und werde es drin lassen.

Zitat:
Zitat:Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als unmöglich heraus.
"Allerdings" stört mich an dieser Stelle. Vielleicht so: "Ein unmögliches Unterfangen, wie er bald feststellen musste."
-- Ja, klingt gut. Icon_smile

Zitat:
Zitat:Deshalb hatte er sich aufs Beobachten versteift.
Ich glaube, man kann sich nicht auf etwas versteifen, eher beschränken.
-- ok

Zitat:
Zitat:unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen.
abzupulen ist ein Wort, glaube ich. Das klingt irgendwie unglücklich. Vielleicht abschälen oder entblättern, da ich aber nicht weiß, was er ist, kann ich keine passenden Vorschläge machen.
-- Vielleicht klingt es nicht gut, aber es beschreibt, was er tut, er pult mit Hilfe seiner Fingernägel Stücke seiner Haut ab.

Zitat:Ja, und das war es auch schon. Ich wünsche mir, dass ich noch erfahre, was "er" denn ist, wer die Wächter sind und warum er mit Elise auf was wartet Icon_wink
-- Meinst du, dass du eine Identität von ihm haben möchtest? Denn, dass er ein Gefängnisinsasse ist, wird ja deutlich. Die Wächter sind die Gitterstäbe und Elise ist eine Erinnerung.

LG
Adsartha

Hi rex!

Zitat:Dein Text kommt mir fast ein wenig wie ein Rätsel vor. Ein bisschen surreal
-- Abgedreht und surreal trifft es ganz gut. Icon_smile

Zitat:Ich hatte zwischendurch mal auf einen Baum getippt, dagegen sprechen aber die Augen und die Ausflüge. Gegen Insekten sprechen die Eisenstäbe, außerdem, dass der Erzähler männlich ist und im Insektenreich, soweit ich weiß, zumeist die Weibchen mehrere Männchen um sich scharen.
-- Wenn ich das so lese, frage ich mich, ob ich wirklich so unklar schreibe. Icon_shocked

Zitat:Was ich mir noch am Ehesten vorstellen könnte, wäre tatsächlich ein menschlicher Erzähler, ein psychopathischer Täter in einem Gefängnis vielleicht.
-- JAA

Zitat: Die Männchen Schatten, die Frauen Erinnerungen ... aber das passt auch nicht wirklich.
-- Warum nicht? Was bringt dich von der Idee ab? Wenn ich das wüsste, könnte ich an der Stelle vielleich etwas ändern. Plump hinschreiben, dass er im Gefängnis sitzt, will ich nicht. :/

Zitat:Sprachlich hab ich nichts zu meckern, da hat alles gepasst.
-- Danke.

LG
Addi

Hi Eselchen,
von allen hast du den besten Durchblick bewiesen. Icon_wink

Zitat:Nach dem fünften Lesen würde ich auf einen Gefangenen tippen, einen Mörder und Vergewaltiger vielleicht.
-- Ja, perfekt. Auch wenn ich nicht weiß, warum man den Text fünf mal lesen muss. Vielleicht könntest auch du mir etwas deutlicher sagen, was dich von der Idee des Gefangenen abgebracht hat?

Zitat:Spätestens im Gefängnis muss er verrückt geworden sein, sonst könnte ich mir diese Männchen nicht erklären, die er immer wieder versucht zu fangen und scheitert.
-- *nick* so ist es.

Zitat:Vielleicht war er auch schon zuvor Psychopath, hat er Elise vielleicht entführt, da er von Raub spricht und ihre Angst für Erwartung gehalten? Hat er die anderen Frauen, da es ja offenbar mehrere sind, ermordet und dann ins Meer geworfen, da er von seinem alten Freund und den schönen Geschenken spricht, die er ihm dargebracht hat?
-- Ja, ja, jaaa. Icon_jump

Fragen, die den Text umso interessanter machen.
Zitat:Das Bild der Eisenstäbe ist so ... lebendig. Ich kann sie mir richtig vorstellen, sechs Stäbe, die tagein, tagaus nichts tun außer dort stehen.
-- Icon_smile Danke.

Zitat:Ein paar Dinge sind mir dennoch aufgefallen.
-- Dann her damit!

Zitat:
Zitat:Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporkletterte.
"klettern" und "emporklettern" sind mir persönlich zu ähnlich, deshalb empfinde ich das als Wiederholung. Ich wüsste jetzt aber auch nicht auf Anhieb, was man sonst als Alternative verwenden könnte. "Krabbeln" vielleicht? Oder würde es den Sinn verfälschen? Welches Bild hattest du dafür im Kopf?
-- Ich ändere es einfach in "stieg unter die Decke"

Zitat:
Zitat:Zwar konnte er sie dann nicht sehen, doch ihr Gelächter war omnipräsent. Manchmal folgten sie ihm sogar auf seinen Ausflügen.
Hier stolpere ich über "omnipräsent". Das Wort habe ich vorher vielleicht erst ein- oder zweimal gehört und es ragt ein wenig über den Sprachrahmen, den du mit diesem Text geschaffen hast, hinaus.
-- Jupp, habe ich bereits geändert. Icon_smile

Zitat:
Zitat:Die Männchen; Sie ließen die Wächter hinein.
"sie" klein.
Wer ist "sie"? Die Männchen, im Sinne von "Die Wächter lassen die Männchen herein"? Oder eher im Sinne von "Die Männchen lassen die Wächter herein"? Beim ersten, zweiten und dritten Lesen (ja, ich lese Texte eigentlich nicht so oft, aber irgendetwas hat mich gefesselt Icon_wink ) habe ich es so verstanden, wie die zweite Variante. Das erschließt sich mir aber nicht, wenn die "Wächter" für die Eisengitterstäbe stehen ... Also die erste Variante. Ich würde es aber etwas eindeutiger formulieren, außer der Stolperstein ist so gewollt Icon_wink
-- Auch geändert, habe ich bereits an der Stelle gestört, doch jetzt bin ich erst auf eine gute Idee gekommen, wie ich es umformulieren kann.

Zitat:Das wäre es mit Anmerkungen. Insgesamt ein gelungener Text, der viel Interpretationsspielraum lässt, aber nicht soviel, dass man völlig im Dunkeln umherirrt. Mag ich Pro
-- Yeay, nach den ersten beiden Kommentaren war ich schon fast am Verzweifeln. Daher freut es mich umso mehr, dass der Text doch verständlich scheint.

Vielen lieben Dank auf dir.
LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #6 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo Addi,

es ist eine ungewohnte Sprachlosigkeit, die dein Text bei mir hinterlässt: keine Worte, die fehlen, sondern so viele Worte und kleine Gedanken dazu, die sich überschlagen und dann wieder still sind. Also verzichte ich einmal auf eine klare Struktur und arbeite die Stille von außen nach innen ab.

Was du erzählst: den Blick auf einen Mann in einem Gefängnis oder einem Raum, der ihn gefangen hält. Einen Triebtäter, der Frauen nach dem Akt im Meer versenkt? Den Gespenster jagen, aber nicht kriegen, denn er entschwindet. Und vor dem Fenster plötzlich das Meer, wo es zuvor so still war und der Blick nur nach innen. Wofür das Meer? Das Bild, das ich sehe, ist dunkelgrau, da ist kein Platz für die See. Und doch ist sie plötzlich da und ich denke beim Lesen: Ist das Meer da, weil es dramaturgisch "Spaß" macht? Oder gehört es wirklich in diesen Text.
Ich kann mit dem Inhalt nichts anfangen, muss ich gestehen. Die Sprache, ja, da kann man etwas machen, das ist natürlich sprachlich eine dankbare Szene. Einsamkeit, das Wechselspiel zwischen innen und außen, die Männchen und die Gitterstäbe und das schleichende, winselnde Stück Chaos dazwischen. Aber inhaltlich will ich mich in diese Figur gar nicht hineinfühlen. Deshalb funktioniert dein Text für mich auch nicht so richtig.
Vielleicht liegt es auch an dieser seltsamen Mischung aus Nähe - wir sehen, was in seinem Kopf ist, was seinen Geist bewegt - und Distanz: Er ist nur eine Nummer. Und so weiß man eben nicht, ob du die Geschichte dieses Mannes erzählen möchtest oder nicht. Und ob es wirklich passiert oder komplett metaphorisch ist. Schließlich rosten die Gitterstäbe und kein echter Wächter kommt vorbei und alles ist so merkwürdig still. Als sei er der einzige Mensch auf der Welt. Aber es ist gleichzeitig auch nicht chaotisch, nicht einsam genug, der Wahnsinn klopft an, aber du lässt ihn doch nicht ganz allein.
Vielleicht weil die Geschichte in der Gegenwartsform stärker wirken würde. Eine Geschichte im Präteritum heißt immer, es gibt eine Zukunft, einen Punkt, von dem aus man zurückschauen kann. Aber wie du den Text aufziehst, das wirkt eher, als gäbe es nur den Moment und dann nichts mehr oder wenn, dann etwas Ungewisses. Das wäre das eine, die Zeitform.
Vielleicht liegt es auch an der Satzlänge, das der Text nicht richtig zündet. Denn gerade am Anfang sind die Sätze sehr lang, aber der Wahnsinn ist doch eher kurzer, schneller Atem als tiefes Ein und Aus. Da ist die Kraft in den Worten, aber sie verpufft in der Satzlänge. Zum Beispiel im ersten Satz:
Zitat: Die Männchen waren wieder da, wanderten die Wand entlang und reckten die spindeldünnen Glieder nach ihm, um ihn zu verspotten, wobei sie versuchten, sich gegenseitig zu übertreffen.
Das gegenteilige Extrem wäre:
Die Männchen waren wieder da. Sie wanderten die Wand entlang und reckten die spindeldünnen Glieder nach ihm. Um ihn zu verspotten. Um sich gegenseitig zu übertreffen.
Vielleicht auch eine Form dazwischen, oder ganz in der Gegenwart:
Die Männchen sind wieder da. Sie wandern die Wand entlang und recken die spindeldünnen Glieder nach ihm ...

Und dann das Meer, ganz am Ende, so laut. Und vorher war außen alles still. Vielleicht musst du es doch zu Beginn einbauen. Aber dann ist noch mehr außen, und eigentlich willst du uns diesen kranken Kopf ja von innen zeigen, ein Stück sezieren und doch distanziert bei Nr. 37516 bleiben. Dieser Spagat ist in dem Text in meinen Augen zu weit. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen erklären, woran es liegt.

Viele Grüße
Libertine

Edit: Ich sehe gerade die anderen Kommentare und freue mich an meinem Textverständnis. Für mich ist völlig offensichtlich, worum es hier geht. Mrgreen

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #7 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo liebe Addi,

auch du sollt im Zuge des Kommentarwettbewerbs einen Kommi von mir erhalten. Icon_bussi

"Perspektive" ist also das Leitwort für diese Geschichte? Dann bin ich mal gespannt, wessen Perspektive hier eingenommen wird.

Zitat:Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporkletterte.
Liest sich in meinen Ohren nicht schön. "Emporstieg" wäre eine Alternative.

Zitat:In der Ecke der Kammer duckte sich Nr. 37516 grinsend tiefer in die Schatten. Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos, und während die Schatten wanderten, und die Männchen kicherten, schloss er die Augen und glitt hinfort. In einen warmen Schoß.
Mein erster Eindruck ist, dass wir uns in einer Psychatrie befinden - einfach weil dein Prota offenbar halluziniert. Wobei der Satz "Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos" ziemlich cool ist. Icon_smile

Zitat:Elise, seine Kirschblüte. Wie blass, wie zart sie gewesen war – so zerbrechlich unter ihm. Ihr Raub war sein Meisterstück, ihr zuckender Leib sein größter Lohn. Über Wochen hatte er sich gezügelt, sie einfach nur angeschaut, war jeden Zentimeter ihrer Haut mit den Augen entlang gestrichen, hatte die Tränen der Erwartung von den schmalen Wangen geküsst. Sie war so ungeduldig, verstand nicht, dass sie warten mussten. Als der Tag kam, war sie ihm vorausgeeilt – fort war die fromme Katholikin, die von Ehe und keuscher Liebe träumte. Wie alle zuvor hatte auch sie sich ihm geöffnet, hatte von Lust übermannt die Fingernägel in sein Fleisch getrieben. Und wie zuvor war der Zauber danach zerfallen.
Oha, wir haben offenbar einen Triebtäter vor uns. Der glaubt, dass seine Opfer es kaum erwarten können, vergewaltigt zu werden. Icon_slash Gewisse Andeutungen könnten sogar darauf hinweisen, dass es um einen Pädophilen geht (zart und zerbrerchlich, Zukunftsträume).

Zitat:sich aufs Beobachten versteift. Wenn er nicht bei einer seiner Frauen weilte, verfolgte er die Strichmännchen auf ihren Wegen. Ihr Geheimnis musste ihn ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
Der Gedanke - für sich betrachtet - ist schon ziemlich witzig.^^

Zitat:Sein alter Freund, das Meer, erinnerte sich seiner, erinnerte sich der schönen Geschenke, die er ihm dargebracht hatte.
Er hat seine Opfer also offenbar ins Meer geworfen?

Handwerkliches:
Dein Stil gefällt mir (auch) hier (wieder) sehr gut. Ich finde, dass du den "verrückten" Teil der Geschichte sehr gut umsetzt. Gedanken und Vorstellungen in dieser Richtung sind so schön konsistent und doch komplett unlogisch. Icon_wink Das hat mir gefallen.

Inhaltliches:
Zum Anlass des Schreibimpulses lässt du uns also die Perspektive eines Triebtäters einnehmen. Ich als Leser erwarte dabei, dass du mit der Geschichte etwas bezweckst. Du möchtest wohl kaum Verständnis beim Leser für psychopathische Killer wecken (nach dem Motto, die können nichts dafür, die sind einfach verrückt) - genau so wenig glaube ich, dass du Triebtäter kennen gelernt hast und nun deine Eindrücke verarbeiten willst. Vielleicht möchtest du eine Art Charakterstudie betreiben, dir also ein Einzelschicksal herausgreifen? Die Faszination des Grauens erzeugen?
Vielleicht merkst du es schon, inhaltlich kann ich mir der Geschichte nicht so viel anfagen.
Wohlmöglich ist sie einfach nicht für Leser wie mich gedacht? Icon_wink War das langsame Verstehen das Ziel? Hm ...

Immerhin kann ich dir schreiben, dass die Geschichte gut geschrieben ist, die "wahsinnigen" Anwandlungen dir gut gelungen sind und es durchaus verständlich ist, was der Erzähler eigentlich ist. Icon_smile

Liebe Grüße
WW

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #8 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo liebe Addi,

und da bin ich endlich wieder einmal unter einem deiner Machwerke zu finden. Und dann geht es auch noch um "Fremdinspiration", was mir eigentlich immer besonders Spaß macht, lesen zu können. Weil man da meist, experimenteller ist, weil oft, wirklich besonderes Zustande kommt, an das man so als Schreiberling vielleicht gar noch nicht gedacht hätte. Denn mal los. Der Einstieg hat schon einmal vielversprechend geklungen.

Kalter Raum
=> in Kombination mit deinem Einstieg, tippe ich schon jetzt einmal auf ein Gefängnis. Mir hat der Beginn deiner Geschichte übrigens sehr gefallen, wie ich es eigentlich von dir gewohnt bin. Du weißt einfach mit Worten umzugehen, bzw. sie gezielt zu verwenden, ohne "zuviel" und "zuwenig". Ein bisschen zu diffus ist mir allerdings der Begriff "Männchen" gewesen, weil mir diese zu bildlos geblieben sind. Ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie ich sie sehen soll. Dafür höre ich aber das Lachen. Schön auch das Detail mit dem Schimmelpilz, gefällt mir. Gibt dem Raum Geschichte und Weite.

In der Ecke der Kammer duckte sich Nr. 37516 grinsend tiefer in die Schatten. Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos, und während die Schatten wanderten, und die Männchen kicherten, schloss er die Augen und glitt hinfort. In einen warmen Schoß.
=> mutet doch fast schon "surreal" an. Gefällt mir. Klingt teilweise aber auch schon ganz schön schizophren. "In einen warmen Schoß" hat, wenn man weiter liest, etwas so unendlich Gewalttätiges, finde ich. Ein sich fortsetzender Missbrauch in der Erinnerung. Genießerisch. Dissozial.

Elise, seine Kirschblüte. Wie blass, wie zart sie gewesen war – so zerbrechlich unter ihm. Ihr Raub war sein Meisterstück, ihr zuckender Leib sein größter Lohn. Über Wochen hatte er sich gezügelt, sie einfach nur angeschaut, war jeden Zentimeter ihrer Haut mit den Augen entlang gestrichen, hatte die Tränen der Erwartung von den schmalen Wangen geküsst.
=> ja, da liegt sehr viel Gewalt in sehr abwegiger Zärtlichkeit, die doch wieder berührt. Sehr schön, mag ich.

Sie war so ungeduldig, verstand nicht, dass sie warten mussten. Als der Tag kam, war sie ihm vorausgeeilt – fort war die fromme Katholikin, die von Ehe und keuscher Liebe träumte. Wie alle zuvor hatte auch sie sich ihm geöffnet, hatte von Lust übermannt die Fingernägel in sein Fleisch getrieben. Und wie zuvor war der Zauber danach zerfallen.
=> Okay. Hört sich dann doch wieder anders an. Wobei das auch einfach an einer sehr kranken Sichtweise liegen kann. Fingernägel können viel bedeuten.

Inzwischen tat er das nicht mehr. Der Stein hatte ihm die Kraft genommen.
Vor einiger Zeit reifte ein neuer Plan in ihm. Die Männchen; Sie ließen die Wächter hinein. Wenn es ihm gelänge, eines zu fangen …

=> hmm, ... ich tue mir immer noch ein bisschen schwer, die Männchen richtig zu deuten. Aber ist okay so. Vielleicht kommt es noch.

Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als unmöglich heraus. Jedes Mal, wenn er sprang und meinte, eines der Strichwesen gefasst zu haben, waren seine Hände leer und das Gekicher lauter gewesen.
=> toll, Strichwesen. Jetzt hab ich es im Bild. Das Gekicher gefällt.

Deshalb hatte er sich aufs Beobachten versteift. Wenn er nicht bei einer seiner Frauen weilte, verfolgte er die Strichmännchen auf ihren Wegen. Ihr Geheimnis musste ihn ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
=> "winzige Teile von sich selbst ab zu pulen"? Interessant. Wie? Da hätte ich gerne noch ein Detail gehabt, wie ich mir das vorstellen darf. Ansonst passt der Plan eigentlich super toll zum Charakter deines Prots. Oder wohl eher: zu seiner Pathologie.

Unten, in dem Schlund, der sich vor seinem Fenster auftat, wühlten sich die Wellen die Felsen hinauf. Sein alter Freund, das Meer, erinnerte sich seiner, erinnerte sich der schönen Geschenke, die er ihm dargebracht hatte. Seine Gischtarme würden ihn auffangen, und er wäre frei. Für die nächste Blüte. Irgendwann.
Bald.

=> starkes, sehr ausdrucksweites Ende.

Mir hat dieser Ausflug in den kalten Raum sehr gut gefallen, muss ich sagen. Ein bisschen zu kurz zwar für meinen Geschmack, trotzdem war vieles richtig gut in kurzer, wirkender Weise auf den Punkt gebracht - wie ich es bei dir so schätze. Ich mag, dass du nicht zu sehr in die Empathie gegangen bist, nicht verlangt hast, dass der Leser jeden Gedanken verstehen und nachempfinden muss. Viel mehr hast du einfach einen Einblick geboten ohne zu werten. Einen kühlen, passenden. Was "dir" fehlt an deiner Geschichte kann ich schwer beantworten. Für mich wäre vielleicht noch mehr Länge wünschenswert gewesen, aber ich vermisse jetzt nicht unbedingt etwas Bestimmtes. Da wären einfach noch ein paar Eindrücke und Gedanken toll gewesen, die das Bild erweitern - diese sind aber kein Muss. Die (K)KG funktioniert auch so auf alle Fälle gut.

Sehr gerne gelesen!
- Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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Beitrag #9 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo Libbi, Weltenwanderer und Sternchen,
wie die Zeit fliegt. Icon_shocked Zuerst fehlte mir die Zeit, dann hatte ich es doch glatt vergessen. Nun aber sollt ihr eure Antworten erhalten. Inklusive Icon_bussi als Entschuldigung.

LIBERTINE

Zitat:es ist eine ungewohnte Sprachlosigkeit, die dein Text bei mir hinterlässt: keine Worte, die fehlen, sondern so viele Worte und kleine Gedanken dazu, die sich überschlagen und dann wieder still sind. Also verzichte ich einmal auf eine klare Struktur und arbeite die Stille von außen nach innen ab.
-- Es freut mich sehr, wenn so ein kleines Textstück es schafft, so viele Gedanken zu wecken. Ich bin gepannt, was dir so durch den Kopf geht.

Zitat:Was du erzählst: den Blick auf einen Mann in einem Gefängnis oder einem Raum, der ihn gefangen hält. Einen Triebtäter, der Frauen nach dem Akt im Meer versenkt?
-- Jupp, genau. *nickt*

Zitat:Den Gespenster jagen, aber nicht kriegen, denn er entschwindet. Und vor dem Fenster plötzlich das Meer, wo es zuvor so still war und der Blick nur nach innen. Wofür das Meer? Das Bild, das ich sehe, ist dunkelgrau, da ist kein Platz für die See. Und doch ist sie plötzlich da und ich denke beim Lesen: Ist das Meer da, weil es dramaturgisch "Spaß" macht? Oder gehört es wirklich in diesen Text.
-- Es ist zum Teil Herauszoomen wie auch Bezug zu berühmten Gefängnissen, die auf Inseln oder Felsndeln im Meer lagen. Zugleich bildet es aber auch einen Rahmen für die Geschichte bzw. den Gefangenen, der wie seine Opfer, wenn auch anders, nun vom Meer umgeben ist.

Zitat:Ich kann mit dem Inhalt nichts anfangen, muss ich gestehen. Die Sprache, ja, da kann man etwas machen, das ist natürlich sprachlich eine dankbare Szene. Einsamkeit, das Wechselspiel zwischen innen und außen, die Männchen und die Gitterstäbe und das schleichende, winselnde Stück Chaos dazwischen. Aber inhaltlich will ich mich in diese Figur gar nicht hineinfühlen. Deshalb funktioniert dein Text für mich auch nicht so richtig.
-- Das ist schade.

Zitat:Vielleicht liegt es auch an dieser seltsamen Mischung aus Nähe - wir sehen, was in seinem Kopf ist, was seinen Geist bewegt - und Distanz: Er ist nur eine Nummer. Und so weiß man eben nicht, ob du die Geschichte dieses Mannes erzählen möchtest oder nicht. Und ob es wirklich passiert oder komplett metaphorisch ist. Schließlich rosten die Gitterstäbe und kein echter Wächter kommt vorbei und alles ist so merkwürdig still. Als sei er der einzige Mensch auf der Welt. Aber es ist gleichzeitig auch nicht chaotisch, nicht einsam genug, der Wahnsinn klopft an, aber du lässt ihn doch nicht ganz allein.
-- Diese Mischung war gewollt, um auch den Wahnsinn des Ichs, der zwischen Hier und eben Nicht-Hier wandelt darzustellen.

Zitat:Vielleicht weil die Geschichte in der Gegenwartsform stärker wirken würde. Eine Geschichte im Präteritum heißt immer, es gibt eine Zukunft, einen Punkt, von dem aus man zurückschauen kann. Aber wie du den Text aufziehst, das wirkt eher, als gäbe es nur den Moment und dann nichts mehr oder wenn, dann etwas Ungewisses. Das wäre das eine, die Zeitform.
-- Das ist eine wunderbare Idee! Ich benutze den Präsens so gut wie nie, daher kam es mir gar nicht in den Sinn, ihn zu verweden. Hier würde es wirklich passen.

Zitat:Vielleicht liegt es auch an der Satzlänge, das der Text nicht richtig zündet. Denn gerade am Anfang sind die Sätze sehr lang, aber der Wahnsinn ist doch eher kurzer, schneller Atem als tiefes Ein und Aus. Da ist die Kraft in den Worten, aber sie verpufft in der Satzlänge.
-- Auch das werde ich mir nochmal anschauen. Da schlagen wieder meine Bandwurmsätze durch. Dein Vorschlag gefällt mir richtig gut.

Zitat:Und dann das Meer, ganz am Ende, so laut. Und vorher war außen alles still. Vielleicht musst du es doch zu Beginn einbauen. Aber dann ist noch mehr außen, und eigentlich willst du uns diesen kranken Kopf ja von innen zeigen, ein Stück sezieren und doch distanziert bei Nr. 37516 bleiben. Dieser Spagat ist in dem Text in meinen Augen zu weit. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen erklären, woran es liegt.
-- Ich werde mir das mit dem Meer nochmal anschauen. Danke.

Irgendwie finden wir da eine Lösung. Icon_bussi

Ich möchte mich für deine Gedanken und Kritik bedanken. Es waren, wie immer, gute Tipps dabei, die ich bei der nächsten Bearbeitung einfließen lassen werde.

Liebe Grüße
Addi

Hallo Welti,
ich danke Dir und dem Kommentarwettbewerb für diesen kritischen Kommentar. Ich merke schon, irgendwie wird hier keiner so richtig warm bzw. wird keinem warm in meinem kalten Raum. Hihi.

Zitat:
Zitat:Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporkletterte.
Liest sich in meinen Ohren nicht schön. "Emporstieg" wäre eine Alternative.
-- Hatte ich das nicht sogar schon geändert? Icon_confused Werde es mir nochmal anschauen. Danke. Icon_smile

Zitat:
Zitat:In der Ecke der Kammer duckte sich Nr. 37516 grinsend tiefer in die Schatten. Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos, und während die Schatten wanderten, und die Männchen kicherten, schloss er die Augen und glitt hinfort. In einen warmen Schoß.
Mein erster Eindruck ist, dass wir uns in einer Psychatrie befinden - einfach weil dein Prota offenbar halluziniert. Wobei der Satz "Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos" ziemlich cool ist. Icon_smile
-- Gefängnsi, Psychiatrie - so in die Richtung geht es, ja. Icon_smile
Ja, der Satz gefällt mir auch. Smiley_emoticons_blush

Zitat:Oha, wir haben offenbar einen Triebtäter vor uns. Der glaubt, dass seine Opfer es kaum erwarten können, vergewaltigt zu werden. Icon_slash Gewisse Andeutungen könnten sogar darauf hinweisen, dass es um einen Pädophilen geht (zart und zerbrerchlich, Zukunftsträume).
-- Junge Mädchen sind es. Ich habe es zeitlich aber ins 18 -19 Jh. gepackt, da wurden Kirschen früh gepflückt. Icon_wink
(Heute ja auch zum Teil wieder.)

Zitat:
Zitat:sich aufs Beobachten versteift. Wenn er nicht bei einer seiner Frauen weilte, verfolgte er die Strichmännchen auf ihren Wegen. Ihr Geheimnis musste ihn ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
Der Gedanke - für sich betrachtet - ist schon ziemlich witzig.^^
-- Witzig ist jetzt nicht das Adjektiv, das mir dazu einfallen würde, aber gut. Icon_wink

Zitat:
Zitat:Sein alter Freund, das Meer, erinnerte sich seiner, erinnerte sich der schönen Geschenke, die er ihm dargebracht hatte.
Er hat seine Opfer also offenbar ins Meer geworfen?
-- Ja, zum Teil auch ertränkt. Sie schwebten so schön ins Blau.

Zitat:Handwerkliches:
Dein Stil gefällt mir (auch) hier (wieder) sehr gut. Ich finde, dass du den "verrückten" Teil der Geschichte sehr gut umsetzt. Gedanken und Vorstellungen in dieser Richtung sind so schön konsistent und doch komplett unlogisch. Icon_wink Das hat mir gefallen.
-- Ich bemühe mich. Icon_ugly

Zitat:Zum Anlass des Schreibimpulses lässt du uns also die Perspektive eines Triebtäters einnehmen. Ich als Leser erwarte dabei, dass du mit der Geschichte etwas bezweckst. Du möchtest wohl kaum Verständnis beim Leser für psychopathische Killer wecken (nach dem Motto, die können nichts dafür, die sind einfach verrückt) - genau so wenig glaube ich, dass du Triebtäter kennen gelernt hast und nun deine Eindrücke verarbeiten willst. Vielleicht möchtest du eine Art Charakterstudie betreiben, dir also ein Einzelschicksal herausgreifen? Die Faszination des Grauens erzeugen?
Vielleicht merkst du es schon, inhaltlich kann ich mir der Geschichte nicht so viel anfagen.
Wohlmöglich ist sie einfach nicht für Leser wie mich gedacht? Icon_wink War das langsame Verstehen das Ziel? Hm ...
-- Hm, ich hatte vorher eine Geschichte über einen Triebtäter gelesen und wollte einmal eine ungewöhnliche Perspektive aufgreifen. Werten will ich hier aber nicht. Es ist halt die Idee, den Leser in eine andere Perspektive zu setzen. Was er daraus macht, ist ihm überlassen.

Zitat:Immerhin kann ich dir schreiben, dass die Geschichte gut geschrieben ist, die "wahsinnigen" Anwandlungen dir gut gelungen sind und es durchaus verständlich ist, was der Erzähler eigentlich ist. Icon_smile
-- Also Stil topp, Handlungsbogen flopp. Icon_wink

Damit kann ich im Rahmen eines Experiments, wie es die Schreibwettbewerbe für mich zumeist sind, leben. Dankeschön! Für Lob und Zeit und, hoffentlich, Geduld und verständnis, ob der langen Antwortszeit..

Liebe Grüße
Addi

Hi Sternchen,
nun zu deinen Gedanken zu meiner kleinen Perspektivspielerei.

Zitat:und da bin ich endlich wieder einmal unter einem deiner Machwerke zu finden. Und dann geht es auch noch um "Fremdinspiration", was mir eigentlich immer besonders Spaß macht, lesen zu können. Weil man da meist, experimenteller ist, weil oft, wirklich besonderes Zustande kommt, an das man so als Schreiberling vielleicht gar noch nicht gedacht hätte.
-- Das stimmt. Ich schreibe im Rahmen der Inspirationen immer komische Texte. Icon_wink

Zitat:=> in Kombination mit deinem Einstieg, tippe ich schon jetzt einmal auf ein Gefängnis. Mir hat der Beginn deiner Geschichte übrigens sehr gefallen, wie ich es eigentlich von dir gewohnt bin. Du weißt einfach mit Worten umzugehen, bzw. sie gezielt zu verwenden, ohne "zuviel" und "zuwenig". Ein bisschen zu diffus ist mir allerdings der Begriff "Männchen" gewesen, weil mir diese zu bildlos geblieben sind. Ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie ich sie sehen soll. Dafür höre ich aber das Lachen. Schön auch das Detail mit dem Schimmelpilz, gefällt mir. Gibt dem Raum Geschichte und Weite.
-- Dankeschön.
Auf einen guten Einstieg lege ich großen Wert. Welches Wort würde dir denn statt Männchen gefallen? Es sind kleine figuren, die auf den Strichen an der Wand basieren, also diesen "Ich-zähl-die-Tage-meines-Aufenthalts"-Striche, die man aus Gefängnsissen kennt.


Zitat:In der Ecke der Kammer duckte sich Nr. 37516 grinsend tiefer in die Schatten. Seine Versuche, mit der Wand zu verschmelzen, blieben auch diesertags fruchtlos, und während die Schatten wanderten, und die Männchen kicherten, schloss er die Augen und glitt hinfort. In einen warmen Schoß.
=> mutet doch fast schon "surreal" an. Gefällt mir. Klingt teilweise aber auch schon ganz schön schizophren. "In einen warmen Schoß" hat, wenn man weiter liest, etwas so unendlich Gewalttätiges, finde ich. Ein sich fortsetzender Missbrauch in der Erinnerung. Genießerisch. Dissozial.
-- Genau so sollte es ankommen! Ich hätte es selbst nicht besser beschreiben können.

Zitat: Sie war so ungeduldig, verstand nicht, dass sie warten mussten. Als der Tag kam, war sie ihm vorausgeeilt – fort war die fromme Katholikin, die von Ehe und keuscher Liebe träumte. Wie alle zuvor hatte auch sie sich ihm geöffnet, hatte von Lust übermannt die Fingernägel in sein Fleisch getrieben. Und wie zuvor war der Zauber danach zerfallen.
=> Okay. Hört sich dann doch wieder anders an. Wobei das auch einfach an einer sehr kranken Sichtweise liegen kann. Fingernägel können viel bedeuten.
-- Er interpretiert ihre Gegenwehr in Lust um. Ich habe versucht, dass in seinen Gedanken darzustellen, bin mir aber unschlüssig ob es wirklich klappt. Vielleicht sollte ich Schläge nehmen?

Zitat:Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als unmöglich heraus. Jedes Mal, wenn er sprang und meinte, eines der Strichwesen gefasst zu haben, waren seine Hände leer und das Gekicher lauter gewesen.
=> toll, Strichwesen. Jetzt hab ich es im Bild. Das Gekicher gefällt.
-- Okay, dann packe ich die Strichwesen vielleicht in den Anfang, dann wird es schnell deutlicher.

Zitat: Deshalb hatte er sich aufs Beobachten versteift. Wenn er nicht bei einer seiner Frauen weilte, verfolgte er die Strichmännchen auf ihren Wegen. Ihr Geheimnis musste ihn ihrer Größe liegen, weshalb er begonnen hatte, unauffällig winzige Teile von sich ab zu pulen. Bald wäre er klein genug, um sich an den Wächtern vorbei zu stehlen.
=> "winzige Teile von sich selbst ab zu pulen"? Interessant. Wie? Da hätte ich gerne noch ein Detail gehabt, wie ich mir das vorstellen darf. Ansonst passt der Plan eigentlich super toll zum Charakter deines Prots. Oder wohl eher: zu seiner Pathologie.
-- Er kratzt sich die Haut vom Körper. Das wollte ich allerdings nicht so schreiben, weil es, nun ja, sehr plastisch ist.


Zitat:Unten, in dem Schlund, der sich vor seinem Fenster auftat, wühlten sich die Wellen die Felsen hinauf. Sein alter Freund, das Meer, erinnerte sich seiner, erinnerte sich der schönen Geschenke, die er ihm dargebracht hatte. Seine Gischtarme würden ihn auffangen, und er wäre frei. Für die nächste Blüte. Irgendwann.
Bald.

=> starkes, sehr ausdrucksweites Ende.
-- So gehen die Meinungen auseinander. Libbi mochte den Umschwung zum Meer ja nicht. Hm, vielleicht lasse ich den Prota zum Fenster gehen und hinabsehen. Dann hätte man einen Bezug und ich könnte das Meer leiser machen, also die Stille der Welt aufrechterhalten.

Zitat:Mir hat dieser Ausflug in den kalten Raum sehr gut gefallen, muss ich sagen. Ein bisschen zu kurz zwar für meinen Geschmack, trotzdem war vieles richtig gut in kurzer, wirkender Weise auf den Punkt gebracht - wie ich es bei dir so schätze.
-- Nach Wochen wissenschaftlicher Textarbeit und Zweifeln lese ich so etwas unglaublich gerne. Smiley_emoticons_blush Dankeschön!

Zitat:Ich mag, dass du nicht zu sehr in die Empathie gegangen bist, nicht verlangt hast, dass der Leser jeden Gedanken verstehen und nachempfinden muss. Viel mehr hast du einfach einen Einblick geboten ohne zu werten. Einen kühlen, passenden.
-- Danke. Ich denke, zu werten, wäre hier auch der falsche Ansatz.

Zitat:Für mich wäre vielleicht noch mehr Länge wünschenswert gewesen, aber ich vermisse jetzt nicht unbedingt etwas Bestimmtes. Da wären einfach noch ein paar Eindrücke und Gedanken toll gewesen, die das Bild erweitern - diese sind aber kein Muss. Die (K)KG funktioniert auch so auf alle Fälle gut.
-- Hm, da fehlten mir etwas die Ideen, muss ich gestehen. Es fiel mir so schon recht schwer, in diesen gestörten Geist einzutauchen und rauszuholen, was ich geschrieben habe. Ich wollte den Text auch länger, fürchtete aber ins Banale abzugleiten. Wenn mir bei der Überabeitung noch etwas einfällt, werde ich es ergänzen.

Vielen Dank für diesen sehr positiven Kommentar! Icon_bussi
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die Meinungen hier auseinander gehen. Icon_confused

Liebe Grüße
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #10 |

RE: SI 4: Kalter Raum
Hallo Addi.

Zur Technik an sich würde ich - auch hier wie anderswo - nicht unbedingt alles in einen Block schreiben, sondern eher aufzerren. Gerade beim Anfang und den kleinen Sprüngen, wo er u.a. von seinen Blüten erzählt.

Beispiel:

Zitat:Die Männchen waren wieder da. In Fünfergrupppen wanderten sie die Wand entlang und zeigten mit ihren spindeldünnen Gliedern auf ihn, um ihn zu verspotten, wobei sie versuchten, sich gegenseitig zu übertreffen. Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporstieg. Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen, das sich aus wiederkehrenden, rauen Tonfolgen zusammensetzte. Wenn die Tage länger wurden, kamen sie öfter, krochen mit dem ersten Licht durch das Fenster und blieben bis in die Nacht hinein. Zwar konnte er sie dann nicht sehen, doch ihr Gelächter war überall. Manchmal folgte es ihm sogar auf seinen Ausflügen. 


Gerade den ersten Satz, den ich persönlich immer als den wichtigsten ansehe, kann hier auch ruhig alleine stehen, und nicht nur um seine Wirkung zu vervielfachen.

Die Männchen waren wieder da.
In Fünfergrupppen wanderten sie die Wand entlang und zeigten mit ihren spindeldünnen Gliedern auf ihn, um ihn zu verspotten, wobei sie versuchten, sich gegenseitig zu übertreffen. Eines kletterte sogar bis unter die Decke, indem es die Ranken des Schimmelpilzes emporstieg. Von dort lachte es sein abgehacktes, rhythmisches Lachen, das sich aus wiederkehrenden, rauen Tonfolgen zusammensetzte.
Wenn die Tage länger wurden, kamen sie öfter, krochen mit dem ersten Licht durch das Fenster und blieben bis in die Nacht hinein. Zwar konnte er sie dann nicht sehen, doch ihr Gelächter war überall. Manchmal folgte es ihm sogar auf seinen Ausflügen.

Inhaltlich:
Ich musste nochmal nachschauen, was das Thema war. Gut, Perspektiven, okay. Aber hier gibt es noch eine Menge mehr zu erzählen, beispielsweise:
- Verwahrlosung des Körpers (Zähne, Schweiß, abgebrochene Fingernägel)
- Das laute Stillsein der Zeit, vielleicht reden die Männchen auf der Wand (oder mit und durch die Wand) mit ihm.
- Plötzliche Ausbrüche, das Flehen nach Blüten, das Zureden der Wächter, die ihn nicht verstehen können.
("Wieso versteht ihr mich nicht? Wollt ihr mich nicht verstehen? Könnt ihr auch antworten?"; "Ich muss sie doch pflücken, bevor sie verwelken!")
- Stimmungsbrüche, von Lethargie über Sehnsucht zu Zorn und Wut - aufgrund der erzwungenen Inaktivität.

Insgesamt ein recht kurzer Text, der eindringlich ist, keine Frage. Aber bei einer Überarbeitung würde ich noch mehr den Fokus auf den Häftling legen.

LGD.


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