Es ist: 21-09-2019, 00:34
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Geliehene Zeit
Beitrag #1 |

Geliehene Zeit
Ich verließ das Businesshotel am frühen Nachmittag. Es war eines der Vier-Sterne-Hotels der Stadt, in dem regelmäßig Seminare, Schulungen und Feiern stattfanden. Ich hatte nach drei Monaten Flaute wieder einen lukrativen Job und dazu gehörte, dass ich die vergangene Woche hier verbracht hatte. Es gibt schlimmeres, als sich in einem luxuriösen Hotel verwöhnen zu lassen und an einem Managerseminar über „Positives Selbstmanagement“ teilzunehmen. Ein Seminar, das mich an ein esoterisches Treffen erinnerte, zu dem mich Riana mitgenommen hatte. Allerdings fehlten bei dem aktuellen Seminar die ganzen spirituellen Begriffe und des wegen konnte ich damit mehr anfangen.

Ich war, wie alle anderen ebenso, noch zu einer Halloweenparty am Abend eingeladen, doch ich hatte abgelehnt. Diese aufgebauschten Feste waren nicht mein Ding. Solche Feiertage waren in meinen Augen Geldmacherei. Das fing bei den Kostümen an und hörte bei allerlei Kitsch auf. Ich war seit drei Monaten Single, nachdem ich von Riana mit einem einfachen Brief auf dem Küchentisch abserviert worden war. Aber mein Notstand war nicht so groß, dass ich das gebraucht hätte. Klar, als freier Fotograf und Journalist bestand die Möglichkeit, dort noch eine nette – im Sinne von peinliche – Geschichte abzustauben, trotzdem wollte ich lieber nach Hause. Das einzige Beständige in meinem Dasein. Das Haus hatte ich bereits als Jugendlicher von meiner Großmutter geerbt und zog als Student dort ein, um mir die Miete zu sparen. Meine Mutter mochte das alte Haus nicht, denn sie glaubte, dass der Geist ihrer Mutter dort herumspuken würde. Ich glaube nicht an solche Dinge, doch es war ein netter Gedanke, dass meine Großmutter auf mich aufpassen würde. Als Selbstständiger ging es mir mal besser, mal schlechter – meistens schlechter, um bei der Wahrheit zu bleiben. Trotzdem liebte ich mein Leben und das Haus. Ich war es gewohnt mit wenig auszukommen, Riana allerdings nicht. Sie war bekennende Esoterikerin, doch bei ihrem Lebensstandard hörte der esoterische Gedanke auf. Und vor drei Monaten hatte sie mich wegen eines Immobilienmaklers verlassen, welchen sie auf einem dieser Treffen kennen gelernt hatte.

Mein neuer Job hatte mir eine bezahlte Schulung über positives Denken beschert. Und was sollte ich sagen – es half! Der erste Tag an dem mich der Gedanke an meine Ex nicht wieder in ein Loch zog. Das konnte nur Gutes bedeuten. Also stieg ich in meinen alten Honda Accord und fuhr los. Ich rechnete jedoch nicht mit dem Abendverkehr und so brauchte ich über zwei Stunden, um vom Hotel auf die andere Seite der Stadt zu gelangen. Überall waren die Geschäfte und Häuser mit Kürbissen, Skeletten und anderen Kram geschmückt. Ich war glücklich, als ich endlich aus der Stadt raus kam. Mein Haus stand außerhalb in einer kleinen Siedlung. Es wurde bereits dunkel, als ich auf die Landstraße einbog. Nur noch eine halbe Stunde lag zwischen mir und meinem Bett. Träge wand sich mein Weg wie eine müde Schlange durch den Wald. Ich gähnte herzhaft, die Woche war anstrengend gewesen.

Ich erschrak zutiefst, als mein Wagen anfingen zu bocken und zu schlingern. Nur mit Mühe bekam ich den Honda wieder unter Kontrolle und blieb stehen. Mein Herz klopfte schmerzhaft in meiner Brust und das Adrenalin war auf dem Höchststand. Oh man, was war passiert? Ich war wohl kurz ein genickt und hatte etwas auf der Straße überfahren. Ich stieg aus und besah mir den Wagen. Er schien in Ordnung zu sein. Ich ging sogar ein paar Schritte zurück, doch dort lag nichts. Hatte ich da einen Hirsch gesehen? „Vor mir brauchte er keine Angst haben. Ich jage ihn sicherlich nicht,“ dachte ich, während ich weiter in den Nebel starrte. Sicher war ich mir nicht gewesen und da ich keine Geräusche hörte, hatte ich mich wohl geirrt. Nebel war aufgezogen und es war bereits dunkel. Lediglich meine Scheinwerfer spendeten etwas Licht. Da ich nichts erkennen konnte, stieg ich wieder in den Honda um weiter zu fahren. Doch als ich die Zündung startete, blieb mein Auto still. Ich versuchte es noch einmal und nichts geschah. Dann erlosch das Licht und ich saß im Dunkeln. Was nun? Mein Handy hatte ich hier draußen keinen Empfang. Ich überlegte. Es war Ende Oktober, der Tag war relativ warm gewesen, doch in den Nächten gefror bereits der Tau an den Scheiben. Ohne die Heizung würde es eine sehr kalte Nacht im Auto werden. Und es würde auch niemand zufällig vorbei kommen. Die meisten waren bereits da oder würden erst Morgen im Laufe des Tages ankommen. Ich überschlug, wie weit ich bereits gefahren sein musste. Es half alles nichts, egal wie viel ich vor mir hatte, jetzt hieß es den Rest zu laufen. Also stieg ich wieder aus, schlug den Kragen meiner Jacke hoch und ging los.

Der Nebel wurde immer dichter doch meine Augen gewöhnten sich schnell an die Umgebung und da ich der Straße folgte, kam ich gut voran. Aus diesem Grund hielt ich das Flackern vor mir erst für eine Täuschung im Nebel. Doch es blieb und ich kam ihm immer näher. „Das sind die Lichter aus der Siedlung sein,“ dachte ich, denn ich glaubte bereits eine Ewigkeit unterwegs zu sein. Ein Blick auf meine Uhr half auch nicht. Die war – wie mein Auto – einfach stehen geblieben. Mir war kalt, mir taten meine Füße weh und ich war müde. Doch das Licht kam nicht von der Siedlung. Ein Feldweg wurde von Halloween-Kürbissen eingerahmt. Seltsam, dieser Weg war mir bisher nie aufgefallen. Hinter den Kürbissen standen in einigen Metern Abstand weitere. Sollte ich nachschauen gehen? Ich bin schön öfter in meinem Leben durch seltsame Umstände an gute Artikel gekommen. Dies könnte solch ein seltsamer Umstand sein. Ich zögerte. Am Ende der Straße wartete mein Bett auf mich, sonst nichts und niemand. Wenn ich dem Feldweg folgen würde, könnte dort eine Geschichte warten oder ein paar Freaks. Ich gab mir einen Ruck. Nach Hause konnte ich immer noch. Mich überzog eine Gänsehaut, als ich die Straße verließ, um dem Feldweg zu folgen. Alle paar Schritte wurde er von Kürbissen eingerahmt. Ihre Fratzen waren immer wieder unterschiedlich und dennoch kitschig. Zumindest sahen sie selbstgemacht aus. Nach einigen Metern hörten die Fratzen auf und es gab keine Lichter mehr. Ich konnte die Überreste einer hüfthohen Mauer vor mir erkennen, die den Weg einrahmte wie die Reste eines Tores. Dahinter war es dunkel. Ich kniff meine Augen zusammen und versuchte die Nacht vor mir mit meinem Blick zu durchdringen. Tatsächlich, am Ende der Dunkelheit schimmerte Licht, und ich erahnte mehr als ich sah, eine Hütte.

Also gut, dort waren sicherlich ein paar Leute die Halloween feiern wollten. „Mal sehen, ob sie Gastfreundlich,“ ging mir durch den Kopf. Ich durchschritt die Mauer und hielt auf die Hütte zu. Die Dunkelheit war fast zum Anfassen und ich sah meine Hand vor Augen nicht. Nur das Schimmern um die Hütte gab mir Orientierung. Endlich hatte ich den dunklen Bereich durchschritten und ich atmete auf. Drei Stufen führten zu einer Veranda hoch. Das Holz war verwittert und an einigen Stellen mit Flechten und Moos überzogen. Doch die Stufen gaben keinen Laut von sich, so als hätte ich kein Gewicht. Mein Blick ging nach vorne zur Tür. Direkt daneben stand ein alter Tisch, auf dem eine üppige gedeckte Schale stand. Äpfel, Birnen, Karotten – einfach alles was in der Herbstzeit geerntet werden konnte, waren darin drapiert. Wie eine Erntedankschale in der Kirche. Das Obst sah reif und saftig aus und am liebsten hätte ich etwas davon gegessen. Ich riss meinen Blick von der Schale los und ging zur Tür. Eine Klingel gab es nicht, was mich nicht weiter verwunderte. Allerdings hing ein altmodischer Türklopfer daran. Und über der Tür hing ein Gebinde aus Kräutern und Blumen, deren Gestank echt übel war. Ich konnte mich einfach nicht überwinden näher heranzugehen.


„Oh, hallo. Ein neues Gesicht, welch Überraschung.“ Vor Schreck machte ich einen hektischen Satz von der Stimme weg und hin zum Tisch. Zu meinem Glück kam er nicht einmal in Schwanken. Nachdem mein Herz aufhörte schmerzhaft in meiner Brust herum zu hüpfen, heftete sich mein Blick an die Gestalt, die so plötzlich aufgetaucht war. „Ähm, hallo. Ich wollte nicht stören. Ich hab die Kürbisse gesehen und war neugierig.“ Die Gestalt trat in das Licht auf der Terrasse und ich glaubte einen verstörenden Moment lang meiner Großmutter zu begegnen. Die alte Dame vor mir hatte das gleiche weißgraue Haar, das ebenfalls zu einem strengen Knoten am Hinterkopf zusammen gebunden war. Sie ging leicht gebückt und besaß die gleiche Art beim Laufen zu schlurfen, wie ich es bei ihr in Erinnerung hatte. Aber das konnte natürlich nicht sein. „Nur nicht so schüchtern, Junge. Komm einfach mit ums Haus. Da sitzen wir Alten schon eine Ewigkeit am Feuer und werden uns nicht einig. Kennst du Samhain und seine Bedeutung? Wäre gut, denn darum geht es. Deine Meinung bringt sicherlich frischen Wind in die verstaubte Diskussion.“ Damit wand sie mir ihren Rücken zu und schlurfte um die Hausecke, womit sie aus meinem Blickfeld verschwand. Wollte ich wirklich hinterher? Ich hatte mit Teenies oder Twens gerechnet, die hier ordentlich feierten. Oder mit einer Gruppe Spiritueller, welche diese Nacht zelebrierten. Nicht jedoch mit einer betagten Dame und ihren Freunden am Lagerfeuer. Auf der anderen Seite hatten gerade diese Leute viel interessantes zu erzählen. Also gab ich mir einen Ruck und folgte ihr. Das erste was mich empfing, war der intensive Geruch nach verbrennendem Holz und erst dann sah ich das Lagerfeuer, welches mich an die großen Martinsfeuer erinnerte. Die alte Dame setzte sich in einen hohen Lehnstuhl und bedeutete mir, mich gegenüber hin zu setzen. Neugierig suchte ich das Lagerfeuer nach anderen ab, doch da war niemand. Ich setzte mich verwirrt und besorgt auf den zugewiesenen Platz. Mein Magen knotete sich unangenehm zusammen. Irgend etwas lief hier nicht so, wie es sollte. Die alte Dame hatte doch von anderen geredet. Oder sprach sie mit sich selbst. „So etwas kommt im Alter vor“, dachte ich mir, um mich selbst zu beruhigen. Trotzdem war mir unheimlich zu Mute.

„Nun, mein Junge. Es geht darum, ob wir hierbleiben oder weiterziehen sollen. Samhain ist nicht mehr, was es einmal war und die Lebenden haben kein Interesse an den Toten. Was würdest du tun?“
„Ähm, ich würde das so nicht sagen. Sicherlich ist Samhain früher anders gefeiert worden, aber an Halloween weiß heute noch jeder, das der Schleier zwischen den Welten dünn ist. Das weiß sogar ich. Und ich habe mit so was nichts am Hut.“ Wo war ich da hingeraten?
„Es gibt kein Halloween, dieses Fest ist eine Verunglimpfung unserer Bräuche. Sie machen sich über uns lustig. Statt uns Gaben vors Haus zu stellen, schicken sie die Kinder in lächerlichen Verkleidungen herum, die überall klingeln und Süßes bekommen. Sie verhöhnen uns, mit ihren Warnungen, dass die Schleier dünn sind. Niemand glaubt mehr an uns!“ Die Stimme kam von links. Dort wo eben noch niemand saß. Meine Nackenhaare stellten sich auf und die Gänsehaut kroch an meinen Armen hoch. An der Stelle, wo die Stimme erklungen war, wallte ein dicker grauer Nebel. Und daraus schälte sich ein Mann. Ich schätze ihn auf über fünfzig. Ich schüttelte den Kopf und schaute wieder hin. Der Nebel war verschwunden und genau dort saß nun dieser älterer Mann. Seine Kleidung hatte etwas altertümliches und er starrte mich finster an. Unwillkürlich machte ich mich kleiner. „Wow, solche Effekte sehe ich sonst nur im Film. Dabei waren die doch unter sich? Oder hatte ich die Kamera bisher nicht gesehen?“ Das war das erste was mir dabei durch den Kopf ging.
„Du siehst das zu negativ Ewan.“ Wieder schälte sich eine Person aus dem Nebel. Dieses Mal eine junge Frau. „Wir brauchen Geduld. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, die wir haben. Sie vergessen uns nicht. Du wirst sehen, sie kommen wieder.“
„Also ich bin mir nicht sicher, des wegen sitze ich noch immer hier. Haben sie uns wirklich nicht vergessen oder warten wir vergebens?“ Eine dritte Person erschien aus dem Nebel. Ich musste schlucken. Ein Kind! Ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren, dessen Kleidchen zerfetzt und blutverschmiert war. Als ob eine Bestie sie zerfleischt hätte. „Sie muss doch frieren,“ dachte ich bei dem Anblick des dünnen Kleides. „Wie können die ein kleines Kind so verkleiden?“ Allerdings schien nur ich diese Bedenken zu haben. Und als ob das Kind den Damm gebrochen hätte, schälten sich immer mehr Menschen aus dem Nebel. Obwohl viele über Halloween schimpften, sah ich doch kunstvoll geschminkte Wunden und Verletzungen,welche alle real zum Tode führen würden. Selbst eine Wasserleiche war darunter. Warum regten sie sich über dieses Fest so auf? Es waren Kinder, warum sollten die versuchen realistisch wie Tote auszusehen. Langsam keimte in mir der Verdacht auf,dass ich in eine der vielen seltsamen Gemeinschaften geraten war, die ihre Rollen sehr echt spielten. Solche Leute waren meist seltsam, aber meine Beine wollten sich nicht bewegen. Diese Menschen und ihre Diskussion faszinierten mich. Es gab im Grunde drei Seiten bei diesem Disput. Die eine Seite wollte weiter hier sitzen und warten, dass die Lebenden, wie sie es nannten, wieder zurück kämen. Sie waren davon überzeugt, dass ihre Nachfahren sie nicht einfach vergessen hatten und das sie nur genug Geduld haben müssten, bis diese wieder den Kontakt zu ihnen suchen würden. Die andere Seite sah keinen Sinn mehr im Warten. Sie glaubten, dass die Menschen sie vergessen hätten und auch kein Interesse mehr daran hegen würden. Zwischen diesen beiden Seiten gab es die hitzigsten Gespräche. Die Letzte der drei Parteien wusste nicht so recht, wohin sie sollte. Einmal nickten sie den einen und dann wieder den anderen zu. Sie waren unschlüssig und leicht in jede Richtung zu überzeugen.

„Es macht keinen Sinn mehr hier auf jemanden zu warten. Es wird niemand mehr kommen. Sie haben uns vergessen. Wir können uns ja nicht einmal mehr erinnern, seit wann wir warten.“ Gesprochen hatte ein alter Mann. Seine Haare waren schlohweiß und das Alter hatte seinen Rücken gebeugt. Wie alle anderen, war seine Kleidung aus einem anderen Jahrhundert. Er hatte keine sichtbare Verletzung, kein Blut war zu sehen. Lediglich seine Haut sah kränklich aus. „Als wäre er im Schlaf gestorben“ ging es mit durch den Kopf.
„Und was ist mit ihm? Er ist gekommen. Er hat uns gefunden. Das heißt doch, dass der Weg offen ist. Also müssen wir warten.“ Die Stimme gehörte zu einer jungen Frau. Sie wirkte abgemagert und aufgezehrt. Sie trug ein einfaches ärmelloses Kleid, wie ein Nachthemd. Ab der Hüfte abwärts, war dieses rot durchtränkt, als wäre sie verblutet. „Kindbett,“ erklingt es in meinen Gedanken. Früher war eine Geburt sehr viel riskanter und führte auch häufig zum Tod. Alle Blicke richteten sich auf mich.
„Wie bist du hergekommen? Los rede!“ Wirkte Ewan bereits am Anfang einschüchternd auf mich, wäre ich jetzt am liebsten weggerannt. Doch meine Beine gehorchten mir immer noch nicht.
„Ähm, also ich ...“ begann ich zu stammeln. „Ich bin von der Straße auf diesen Weg abgebogen, weil ich die Kürbisse gesehen habe und neugierig war.“

Das gefiel ihm nicht wirklich, des wegen ging ich in den Angriff über. „Wie war es denn früher?“ Die alte Dame schien zu überlegen. Ihr Kopf war geneigt, so als lausche sie jemanden, den nur sie hören konnte. „Es gab eine Zeit, da waren wir ein Teil des Lebens. Wir waren für die Nachfahren da und diese ehrten ihre Ahnen in allem was sie taten. Doch die Menschen wandelten sich. Ihr Blick glitt von uns ab und in eine andere Richtung. Wir waren nicht länger Teil ihrer Welt. Also versammelten sich die Ahnen, um zu beraten, wie sie mit dieser Veränderung umgehen sollten. Immer wieder kamen neue Geister und brachten Nachrichten aus der Welt der Lebenden. Und eines Tages kam ein Sucher zu uns. Seine Zeit war noch nicht abgelaufen und doch hatte er sich auf den Weg zu uns gemacht. Die Menschen hatten sich selbst verloren. Er kam zu uns, um uns zu holen. Und als er zurück ging, kamen wir mit. Diese Suche gab ihm die Fähigkeit wieder, mit uns zu kommunizieren und uns zu sehen. Er gab uns einen Platz in der Welt, wenn diese zur Ruhe kommt und der Winter Einzug hält. Zu dieser Zeit fiel uns leichter, zurück zu kehren. Er lehrte die Lebenden uns zu ehren und uns zu gedenken. Wir halfen ihm dabei andere auszubilden und alte Riten, Bräuche und Zeremonien wieder zu finden und passte sie der Welt an. Ihr nennt den Übergang zu unserer Zeit Samhain. Und wenn die Welt im Frühling wieder erwachte, zogen wir uns zurück und warteten, bis der Sucher wieder zu uns kam und uns zurück führte. Er rief uns durch die Zeremonien und Rituale, welche wir ihm beibrachten. Denn der Weg zu uns ist nicht ohne Gefahren für einen Lebenden. Und es war gut so. Dann kamen immer weniger Geister, die Nachrichten brachten und irgendwann kam niemand mehr. Die Lebenden wandelten sich wieder und sie vergaßen uns erneut. Doch wir warten auf den Sucher, damit er uns zurück führt. Er muss noch dort draußen sein, denn sein Geist kam nie zu uns. Und so warten und diskutiere wir hier seid dieser Zeit.“ Die alte Dame lehnte sich müde in ihren Stuhl zurück.


Hatte ich das richtig gehört? Sie hielten sich allen ernstes für Verstorbene? Die hatten einen echten Dachschaden. Dieser Sucher war bestimmt vor Jahrhunderten gestorben und hatte den Weg hier nicht mehr gefunden. Ich sollte gehen, das wäre die vernünftigste Reaktion. Doch ich spielte mit. Sie waren die Toten? Also war ich der Lebende! Ich hörte mich sagen, „Und was habt ihr getan, damit jemand zurück kehrt?“ Ich blickte ins verständnislose Gesichter. Nur die alte Dame lächelte. „Ihr diskutiert hier seit einer Ewigkeit, weil niemand zu euch findet, aber ihr versucht nicht einmal umgekehrt den Weg zu den Lebenden zu finden?“ Hatte ich wirklich Lebende gesagt? Das musste an den Rollenspielen der vergangenen Woche liegen. Doch in den Gesichtern stand entwaffnende Ratlosigkeit und auch ein wenig Hoffnung. Ich redete weiter. „Ich glaube die Lebenden haben vergessen wie sie euch finden und sie haben keinen Sucher mehr, der sie anleitet. Ihr selbst sitzt nur da und redet. Die Welt der Lebenden hat sich verändert in den letzten Jahrhunderten. Sie ist schneller geworden, losgelöst von den Rhythmen der Natur. Der Winter hält uns nicht mehr in unseren Häusern fest und bringt uns zur Ruhe. Die Menschen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und doch hat etwas in ihnen euch nicht vergessen. Sie suchen nach euch, wissen aber nicht wo sie euch finden, weil ihr euch hier versteckt! Da sie niemand mehr haben, der sie in Kontakt mit euch bringt, haben sie ihre eigenen Feste entwickelt. Dazu gehört auch Halloween. Sie tun nichts anderes, als die Bräuche so zu feiern, wie sie sich daran erinnern. Zumindest ist das eine Möglichkeit. Zu euch zu kommen ist nicht ohne Gefahren, so sagt ihr. Ihr sagt aber auch, dass die dunkle Zeit euch die Verbindung erleichtert. Also dann geht hinaus uns sucht die Lebenden – nicht umgekehrt. Ihr habt alle Zeit der Welt, sie nicht! Es ist eure Aufgabe sie zu unterweisen und zu unterrichten. Sie zu erinnern und da zu sein. Also tut das! Unterweist diejenigen, die euch sehen in den alten Bräuchen. Erinnert sie an die alten Rituale und Zeremonien. Bringt es ihnen bei! Ihr müsst den ersten Schritt tun, dass sie den Weg wieder finden. Jemand von euch muss zurück. Wer wartet, dass sich andere verändern, der wird ewig warten. So wie ihr das bereits tut. Ihr könnt niemanden ändern, nur euch selbst. Also fangt bei euch an und der Rest ändert sich mit euch.“

Wow, hatte ich das wirklich gesagt? Mein Seminarleiter wäre stolz auf mich. Dabei waren die Worte einfach aus mir heraus geströmt. „Wir sind schon zu lange hier. Von uns kann niemand zurück.“ Die Stimme des kleinen Mädchens klang traurig und schnürte mein Herz schmerzhaft zusammen.
„Einer unter uns kann es noch.“ Die Stimme der alten Dame brachte alle Geräusche zum Schweigen. Jede Regung erstarb in den Gesichtern und der Wind legte sich. Selbst das Prasseln und Flackern des Feuers verebbte. Meine Nackenhaare richteten sich auf. Hier passierte etwas, das über mein Verstand hinaus ging. „Wir können dich zurück bringen. Wir können dich anleiten und unterweisen. Du kannst den Lebenden den Weg zeigen und sie mit uns wieder in Kontakt bringen. Du bist einer von uns. Du kannst uns repräsentieren.“ Ihre Stimmen steigerten und überschlugen sich fast. Ich blickte sie verwirrt an. Was meinten sie damit? Ich hatte einen Job. Und das war sicherlich nichts, was ich tun würde. Die hatten sie doch nicht mehr alle. Das ging zu weit. Die spielten nicht nur Tote, sie hielten sich für tot. Mit diesen Verrückten wollte nichts zu tun haben. „Ich habe keine Zeit. Ich muss gehen.“ Ich sprang auf. „Wir geben dir Zeit. Wir leihen dir Zeit. Das können wir. Und du wirst für uns sprechen. Dafür bringen wir dich zurück.“

Alle erhoben sich völlig lautlos. Sie kamen auf mich zu. Das war mein Signal. Panik erfasste mich. Sie setzte meinen Verstand außer Gefecht. Instinktiv flüchtete ich vor den Gestalten. Ich umrundete das Haus, die Veranda hinunter. Der Weg vor mir war erhellt. Fackeln überbrückten den Abstand bis zur Mauer. Gut für mich, so konnte ich rennen ohne über etwas zu stürzen. Ich hatte schon genug Angst. Ein letzter Blick zurück zur Hütte und ich wäre fast gestürzt. Mein Herz setzte einen schrecklich langen Schlag aus. Dann brannte es in meiner Brust. Die Gestalten schwebten mir nach. Sie durchdrangen das Haus. Sie flogen mir entgegen. Ihre Gestalten zerfaserten zu Nebel. „Das ist nicht real,“ schrie ich. Es half nicht. Gehetzt rannte ich weiter. Die Geister waren schneller. Sie waren neben mir. Links, rechts. Dann erreichte ich die Straße. Unwillkürlich wandte ich mich in die Richtung meines Wagens. Ich musste dort hin, dort wäre ich sicher. Ein kleiner Teil in mir lachte darüber. Das waren Geister, wie sollte ein Wagen sie aufhalten? Trotzdem hetzte ich weiter. Sie begleiteten meine Flucht. Umschwärmten mich wie Motten das Licht. Der erste flog durch mich hin durch. Mein Herz setzte dabei schmerzhaft aus. Als hätte mich ein Stromschlag getroffen.

Ich stolperte, während ein Bild in mir aufflackerte. Ich sah Blaulichter und Scheinwerfer, die meinen Wagen beleuchteten. Das Bild verblasste und ich hetzte weiter. Immer wieder durchfuhren mich die Geister. Wieder und wieder flackerten Bilder vor mir auf. Ein Hirsch, seltsam verdreht auf meiner Motorhaube. Meine Windschutzscheibe zersplittert. Fremde Gesichter, die sich über mich beugten, sich bewegten. „Du musst unsere Stimme sein. Du musst. Du bist unsere einzige Hoffnung.“ Die Stimmen wisperten um mich herum. Schrien und bettelten. Eine Ahnung stieg in mir auf. „Nein, das kann nicht sein. Das darf nicht sein.“ Doch ich spürte, dass es real war. Das dies die Geister der Toten waren und ich mit Toten geredet hatte. Die Panik trieb mich voran.

Plötzlich tauchte aus dem Nebel vor mir mein Wagen auf. Die Fahrertür war geöffnet, die Scheinwerfer an und der Motor lief. Meine Rettung. Ich war fast an der Tür, als die alte Dame davor erschien. Ich blieb abrupt stehen. „Du bist unsere letzte Rettung Ryan. Wir warten schon so lange. Du bist unser letzter Halt. Deine Zeit ist bereits abgelaufen, doch wir können dir Zeit geben. Wir brauchen dich, um wieder Gehör zu finden. Und du brauchst uns, um wieder zurück zu können. Du wirst uns sehen können und wir leiten dich an, so wie es sein sollte. Wir haben sonst keine Hoffnung mehr. Nur du kannst uns noch helfen und mir! Bitte, mein Junge. Bitte!“ Um mich herum herrschte Stille. Die Geister hatten sich an den Rand der Bäume zurück gezogen und beobachteten mich abwartend. Ich wusste, dass meine Großmutter Recht hatte. Also nickte ich. Langsam schälten sich andere Fahrzeuge aus dem Nebel. Die Straße wurde erhellt durch Blaulichter. Auf meinem Wagen lag der Hirsch, den ich erwischt hatte. Über mich beugten sich zwei Männer. Mein Körper wurde von diesen verdeckt, so dass ich mich nicht selbst sah. Das war also die Wirklichkeit. Ich blicke meine Großmutter an und sie trat auf die Seite. Als ich in den Wagen stieg streichelte sie mir die Wange. So wie sie es oft getan hatte, als ich noch ein kleiner Junge war. „Ich warte zu Hause auf dich.“ Der Schlag raubte mir die Sinne und gleichzeitig explodierte eine Sonne in meinem Kopf. Der Schmerz überflutete mich wie eine enorme Welle. Ich spürte meinen Körper mit jeder Faser. Dann wurde der Schmerz zu groß und ich glitt in die Dunkelheit. Das letzte was ich hörte, war eine fremde Männerstimme die sprach „Wir haben ihn.“

Ich mag Bananen, na und? *ugh*

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Beitrag #2 |

RE: Geliehene Zeit
Hi Nuriel,

auch du gerätst in meinen Fokus, weil ich während des Kommentier-Wettbewerbs auf der Suche nach unkommentierten Geschichten das Forum durchstöbere. Ich war ein bisschen überrascht, auch deinen Namen auf meiner Liste zu haben, weil du ja (vor allem im Vergleich zu den anderen, deren Geschichten noch unkommentiert waren) ein eher aktives Forenmitglied bist. Hm … vielleicht liegt es auch an der Länge, ganze sechs Seiten bei mir, immerhin. Ich persönlich neige ja immer weiter dazu, lange Geschichten gar nicht erst anzufangen, weil ich teilweise dann wirklich Stunden an einem Kommentar sitze.
Dazukommt natürlich, dass außerhalb der Fantasy die Rubriken sowieso nur recht schwach besucht sind.
Nun, ich mach dann einfach mal den Anfang Icon_wink Aufgrund der Länge werd ich allerdings direkt beim ersten Lesen meinen Kommentar mitschreiben, weiß also gar nicht, was auf mich zukommt und wie gut es meinen Geschmack treffen wird. Falls sich im Laufe der Geschichte Fragen bei mir auftun, die sich am Ende klären, kannst du das natürlich getrost ignorieren. Aber du bist ja schon ne Weile hier und weißt wie es läuft, da brauch ich nicht groß erklären Icon_wink

Zitat: Es gibt schlimmeres, als sich in einem luxuriösen Hotel verwöhnen zu lassen
»Schlimmeres«

Zitat: und des wegen konnte ich damit mehr anfangen.
»deswegen«

Die vielen Leerzeilen im Text haben mich übrigens beim Drüberscrollen irritiert. Ich selbst bin gewohnt, dass Leerzeilen einen Wechsel anzeigen, sei es von einer Perspektive zur anderen, einen Ortswechsel oder einen Zeitsprung. Das scheint bei dir nicht der Fall zu sein, deshalb stören mich die Leerzeilen mehr, als dass sie irgendwie zur Geschichte beitragen. Aber das seh ich (leider) immer öfter, dass Leerzeilen einfach zur »Auflockerung« eingefügt werden. Meins ist es nicht

Zitat: Ich war seit drei Monaten Single, nachdem ich von Riana mit einem einfachen Brief auf dem Küchentisch abserviert worden war.
Hm … bei mir war der Ich-Erzähler gleich weiblich. Das gleiche Problem hatte ich auch unter Sniffus Text, und auch hier vermute ich, dass es hauptsächlich daran liegt, dass es eben von einer Autorin kommt. Aber auch der Gedankengang, sich in einem Luxushotel verwöhnen zu lassen und dann die Gedanken an die Party … das wirkt auf mich eher weiblich. Da fehlt mir irgendwie das »Männliche« im Text, aber frag mich nicht, wie man das hinbekommt. Kann natürlich auch sein, dass ich es ganz anders sehen, wenns ein männlicher Autor eingestellt hätte.

Zitat: Aber mein Notstand war nicht so groß, dass ich das gebraucht hätte.
Hö? Dass er was gebraucht hätte? Den Kitsch und die Kostüme? Ich hab jetzt bissl überlegt und bin drauf gekommen, dass ich Notstand vielleicht falsch interpretiere. Also meine Denkweise war: Er wird von der Freundin abserviert, aber sein Notstand (im Sinne von: Bedarf nach einer Frau) ist nicht groß genug, dass er auf eine Party geht um dort eine abzuschleppen. Aber da irritiert dann das »als Fotograf und Journalist«, denn das muss man ja nun nicht sein, um auf der Party Frauen abzuschleppen. Also geht es da eher um eine »Geschichte« für den Job, nicht fürs Bett. Demnach bezieht sich der Notstand aufs Geld und nicht auf die Frau. Dann verstehe ich aber den Zusammenhang nicht, zwischen dem möglichen Geld-Notstand und der Abservierung von Riana. Hat sie ihn vorher mit durchgefüttert?
Also irgendwie will mir der Gedanken an Riana (Ich war seit drei Monaten Single …) in dem Zusammenhang nicht wirklich passen. Geht ja um die Party und ob er hingeht und eine Journalisten-Geschichte findet, oder nicht? Wenn es doch eher um eine Bettgeschichte geht, dann ist das mit der Berufsbezeichnung fehl am Platz, weil er auch als Banker oder Hausmeister Frauen anbaggern könnte.
Oder ich steh einfach nur aufm Schlauch *lach*

Zitat:  trotzdem wollte ich lieber nach Hause. Das einzige Beständige in meinem Dasein. Das Haus hatte ich bereits als Jugendlicher von meiner Großmutter geerbt und zog als Student dort ein, um mir die Miete zu sparen. Meine Mutter mochte das alte Haus nicht, denn sie glaubte, dass der Geist ihrer Mutter dort herumspuken würde. Ich glaube nicht an solche Dinge, doch es war ein netter Gedanke, dass meine Großmutter auf mich aufpassen würde. Als Selbstständiger ging es mir mal besser, mal schlechter – meistens schlechter, um bei der Wahrheit zu bleiben. Trotzdem liebte ich mein Leben und das Haus.
»Haus«, »Mutter« »glaube«, kommt mir hier bissl oft vor. Ich bin bei sowas pingelig, aber ich glaube auch, dass Wortwiederholungen oft ein Hinweis darauf sind, dass der Text auf der Stelle tritt. Das Gefühl hab ich hier von Anfang an, der erste Absatz über das Seminar und das Hotel zum Beispiel, der hat überhaupt keine Verbindung hier zu diesem Absatz. Und hier sagst du im Prinzip nur: »Ich hab ein Haus von meiner Großmutter geerbt und obwohl meine Mutter glaubt, dort spukt es, liebe ich es über alles.«
Wenn das noch wichtig wird, dass er zum Beispiel als Student dort mietfrei leben konnte, würde ich das an der Stelle anbringen, an der es wirklich wichtig ist. Bisher hab ich nämlich noch keine Ahnung, worum es jetzt überhaupt geht. Um die Auswirkungen eines Seminars? Dann sind das Haus und die Party hier unwichtig, möglicherweise auch die Trennung. Um die Trennung von Riana? Dann sind das Haus, die Party und das Seminar hier unwichtig. Um Erlebnisse bei der Party? Dann sind das Haus und das Seminar, möglicherweise auch die Trennung unwichtig.
Bisher wirkt es so auf mich, als würdest du mir eben was über diesen Typen erzählen wollen, bzw. dieser Typ über sich selbst, ohne wirklich ein Ziel zu haben. Ich bekomme wahl- und zusammenhanglos irgendwelche Fakten hingeworfen, ohne dass ich weiß, warum ich das überhaupt wissen muss.
Das ist kein Problem, wenn’s am Rande erwähnt wird, also zum Beispiel
»Als ich das Businesshotel am frühen Nachmittag endlich verließ, fühlte ich mich befreit. Zwar war das Seminar über positives Selbstmanagement durchaus interessant gewesen, aber nach einer Woche Schulung zog es mich nach Hause. Das einzige Beständige in meinem Dasein.«
Aber wenn direkt am Anfang so viele Nebensächlichkeiten ausgewalzt werden, verliere ich schnell die Geduld und fang an zu überfliegen, um zu erfahren, worum es eigentlich geht, damit ich weiß, was davon für die Geschichte von Belang ist und was nicht.

Zitat: Ich glaube nicht an solche Dinge, doch es war ein netter Gedanke, dass meine Großmutter auf mich aufpassen würde. Als Selbstständiger ging es mir mal besser, mal schlechter – meistens schlechter, um bei der Wahrheit zu bleiben. Trotzdem liebte ich mein Leben und das Haus. Ich war es gewohnt mit wenig auszukommen, Riana allerdings nicht.
Hier nochmal zur Verdeutlichung, was ich mit »zusammenhanglos« meinte:
Im ersten Satz der Gedanken an den Großmuttergeist, dass er es schön findet.
Dann ein harter Sprung ohne irgendwelche gedanklichen Überleitungen dazu, dass es ihm als Selbstständigen oft schlecht geht. Was hat das mit der Großmutter zu tun?
Trotzdem liebt er sein Leben – da ist immerhin der Zusammenhang zum Schlechtgehen – und das Haus. Wieso sollte er das Haus auch nicht lieben, nur weil sein Leben manchmal scheiße ist? Seine »Gefühle« zum Haus stehen ja in keinem Zusammenhang mit seiner Selbstständigkeit.
Und dann ganz unvermittelt zu Riana. Innerhalb von vier Sätzen bringst du hier also gleich drei Themen auf den Tisch (Spukhaus, Lebenseinstellung, Trennung), ohne sie irgendwie gedanklich miteinander zu verknüpfen. Dieses Sprunghafte mag ich persönlich gar nicht, weil es einen Text unstrukturiert macht. Da ist kein roter Faden, dem man folgt, sondern man hüpft von einem Thema zum nächsten.
Ist freilich auch immer Geschmackssache, mir gefällt es nicht.

Wonach du auch mal schauen solltest: Du verwendest (zumindest in den ersten beiden Blöcken) sehr viele Hilfsverben (war / hatte), zum Teil deshalb, weil du einiges im Plusquamperfekt schilderst (da ist es natürlich unumgänglich, aber ich mag so viele Rückblicke direkt am Anfang der Geschichte überhaupt nicht), zum Teil aber auch, weil du recht statisch schreibst (Es war ein Vier-Sterne-Hotel, Feste waren, Feiertage waren, Ich war, mein Notstand war, Ich war gewohnt, Sie war) … da kommt keine Lebendigkeit auf, es ist mehr ein Status-Bericht, eine Zustandsbeschreibung. Und eben sehr viel Rückblick auf Dinge, die schon passiert sind. Aber wenn ich als Leser eine Geschichte beginne, dann erwarte ich, dass der Autor mir erzählt, was jetzt gerade passiert, nicht was ich alles verpasst habe. Wie gesagt: Störend ist es hier für mich vor allem deshalb, weil es so ausgebreitet wird.

Zitat: Der erste Tag an dem mich der Gedanke an meine Ex 
Komma zwischen »Tag, an«

Zitat: mit Kürbissen, Skeletten und anderen Kram geschmückt. 
»anderem«

Zitat: Ich war glücklich, als ich endlich aus der Stadt raus kam.
»rauskam«

Gerade fällt mir auf, dass du abgesehen von den Leerzeilen überhaupt keine Absätze drinhast. Die fände ich zur Strukturierung des Textes wichtiger als die Leerzeilen. Normalerweise setzt man einen Absatz ja, wenn ein neuer Gedankengang beginnt, wenn also von der Beschreibung der Landschaft auf die Handlung einer Person gewechselt wird oder so. Wenn du das bei dir versuchst, merkst du schnell, wie sprunghaft der Text ist. Zum Beispiel hier:
Zitat: Ich war glücklich, als ich endlich aus der Stadt raus kam. Mein Haus stand außerhalb in einer kleinen Siedlung. Es wurde bereits dunkel, als ich auf die Landstraße einbog.
Da hätte ich jetzt nach jedem Satz einen Absatz gemacht, weil der erste die Gefühle des Erzählers beschreibt, der zweite einfach einen Fakt nennt und der dritte sich mit der Umgebung / Uhrzeit beschäftigt. Daran merkt man dann, dass die Sätze nicht gut ineinander überfließen.
Vorschlag:
»Es wurde bereits dunkel, als ich endlich aus der Stadt rauskam und auf die Landstraße abbog. Eine halbe Stunde Fahrt hatte ich nun noch vor mir, bis ich die kleine Siedlung abseits der Stadt erreicht hatte, in der mein Haus und vor allem mein Bett bereits auf mich warteten.«
Allgemein solltest du drauf achte, nicht zu viele kurze Sätze einfach aneinanderzureihen, weil das schnell zu einfach und dadurch monoton wirkt. Mehr Mut zu Nebensätzen und Konjunktionen Icon_wink

Zitat: Ich erschrak zutiefst, als mein Wagen anfingen zu bocken und zu schlingern.
»anfing«
Das klingt so klinisch »Ich erschrak zutiefst«; so aufgesetzt. »Ich erschrak« fände ich da besser, aber auch nicht optimal. Es ist halt so eine distanzierte, äußerliche Beobachtung. Aber was genau fühlt der Ich-Erzähler?
»Als mein Wagen unvermittelt bockte und anfing zu schlingern, blieb mir fast das Herz stehen« (eine abgedroschene Phrase, aber so in die Richtung würde ich eher arbeiten)
oder
»Als mein Wagen anfing zu bocken und zu schlingern, geriet ich ins Schwitzen / spürte ich, wie auch mein Herzschlag unruhig wurde / zog sich mein Magen zusammen / bildete sich ein Kloß in meiner Kehle« …
Gerade bei Ich-Erzählern finde ich es wichtig, lebhaft und emotional zu schreiben, da gefallen mir solche sachlich-knappen Gefühlsregungen nicht.

Zitat: Mein Herz klopfte schmerzhaft in meiner Brust und das Adrenalin war auf dem Höchststand.
Ach, da haben wir’s ja Icon_wink Dann stört das »Ich erschrak« umso mehr, weil das hier viel plastischer ist. Da du die emotionale Beschreibung auch hier hast, würd ich empfehlen, »Ich erschrak zutiefst« einfach zu streichen.

Zitat: Oh man, was war passiert?
»Mann«

Zitat:  Ich war wohl kurz ein genickt und hatte etwas auf der Straße überfahren.
»eingenickt«
»auf der Straße« finde ich überflüssig, wo soll er sonst etwas überfahren haben? Immerhin fährt er die ganze Zeit schon die Straße entlang und steht ja jetzt wahrscheinlich auch nicht im Graben.

Zitat:  während ich weiter in den Nebel starrte. 
Okee, allmählich vermute ich, es geht weder um das Seminar, noch um die Halloweenparty oder die Exfreundin, sondern um die Ereignisse während der Heimfahrt. Nebel ist ja schonmal was gruseliges, deshalb würde ich es, an diesem Punkt, besser finden, denn die Atmosphäre der Heimfahrt deutlich im Vordergrund steht. Also wie er sich durch den Stau quält und dann endlich auf die Landstraße kommt, aber es wird so schnell dunkel und dann zieht auch noch Nebel auf. Kein Problem für ihn, er kennt den Weg fast blind, schweift mit seinen Gedanken ab (von mir aus zu seiner Ex oder sonstigen Elementen, die noch wichtig werden) und dann BÄM! der Unfall.
An dieser Linie (Typ fährt nach Hause und seine Konzentration schwindet, bis etwas seltsames passiert) könntest du dann die Nebensächlichkeiten bissl aufhängen, als kurze Gedanken von ihm eben.
Ich hoff jetzt nur, dass ich mich nicht total verrenne und es in der Geschichte letztlich doch um was ganz anderes geht. Die Rubrik lässt mich irgendwie denken, das Spukhaus wird noch wichtig *lach* Deshalb werd ich mich jetzt mit solchen Anmerkungen auch mal zurückhalten *vornehm*

Zitat: Sicher war ich mir nicht gewesen und da ich keine Geräusche hörte, hatte ich mich wohl geirrt. Nebel war aufgezogen und es war bereits dunkel. 
Beispiel für Statik:
Plusquamperfekt, obwohl es doch aktuell geschieht, dass er sich nicht sicher ist. Beschreibung des Nebels, über dessen Existenz der Leser schon weiß, weil ein Satz vorher schon reingestarrt wird. Natürlich wird er da irgendwann aufgezogen sein, wenn der Erzähler reinstarrt, und dann auch nochmal die Wiederholung, dass es dunkel ist, das wurde es ja, als er auf die Landstraße gebogen ist.
»Unsicher lauschte ich auf ein Geräusch, auch wenn ich nicht wusste, wie ein Hirsch klang. Aber ich hörte nichts – und erkennen konnte ich in dieser nebligen, dunklen Suppe schon dreimal nichts.«
Als Beispiel. Achte mal drauf, mit möglichst aktiven und aussagekräftigen Verben zu arbeiten, nicht so viel mit »sein«.

Zitat: Da ich nichts erkennen konnte, stieg ich wieder in den Honda um weiter zu fahren
Komma zwischen »Honda, um«
»weiterzufahren«
und ehrlich: Natürlich steigt er in sein Auto, um weiterzufahren, die Info finde ich total überflüssig. Warum sonst sollte er einsteigen und dann den Zündschlüssel drehen? Icon_wink

Zitat: Was nun? Mein Handy hatte ich hier draußen keinen Empfang. 
»Mit meinem Handy hatte ich …« oder »Mein Handy hatte hier …« (oder, um es aktiver zu machen: »Auf meinem Handydisplay zeigte sich hier draußen kein einziger Strich« oder sowas)
*lach* »Was nun?« ist aber eine sehr lässige und ruhig Art, mit diesem Problem umzugehen. Ist nicht als Kritik gedacht, nur dass du weißt, wie es rüberkommt. Ich selbst würd schon mit Handyempfang in so einer Situation fluchen und schreien Mrgreen

Zitat: Und es würde auch niemand zufällig vorbei kommen. Die meisten waren bereits da oder würden erst Morgen im Laufe des Tages ankommen. 
Hm … also, natürlich gibt es solche Straßen, über die nachts niemand fährt, aber es wirkte auch mich so, als wäre es doch recht nahe bei der Stadt und da halte ich das für unwahrscheinlich. Ich selbst habe lange in einem wirklich winzigen Dorf mit einer wirklich winzigen Stadt in etlichen Kilometern Entfernung gelebt, und selbst dort sind nachts Autos gefahren. Nicht viele, aber doch bemerkbar. Im Moment wohn ich auch nicht gerade neben einer Metropole und hier kommt pro Stunde aber mindestens mal ein Auto vorbei.
Da würde ich dann – um das realistischer zu halten – den Weg von der Stadt raus als weiter beschreiben, die Siedlung als extrem abgelegen.
Und dann der zweite Satz: Der klingt, als wüsste der Erzähler genau, welche Leute da aus welchen Gründen vorbeikommen. »Die meisten waren bereits da« … wo »da«? Wo werden die anderen »ankommen«? Er kann ja da auf der Straße nicht wissen, was die Bewohner der Siedlung tun, und selbst wenn, gibt es ja auch Leute, die einfach nur da durchfahren, weil es auf dem Weg woandershin liegt.
(Ich will hier aber nochmal erwähnen, dass ich tatsächlich gerne auf dem Schlauch stehe und es deshalb auch an mir liegen kann Icon_ugly )

Zitat: jetzt hieß es den Rest zu laufen. Also stieg ich wieder aus, schlug den Kragen meiner Jacke hoch und ging los. 
Komma zwischen »es, den«
Hatte er denn auf diesem Seminar gar nichts dabei, was irgendwie wichtig wäre? Laptop oder Tablet zum Beispiel, seine Kamera oder irgendwelche Notizen, die ihm wichtig sind? Mag an mir liegen, aber wenn ich Fotograf wäre, hätte ich meine Kamera immer dabei und würde sie bestimmt nicht einfach so im Auto liegen lassen.

Zitat: Der Nebel wurde immer dichter doch meine Augen
Komma zwischen »dichter, doch«

Zitat: Die war – wie mein Auto – einfach stehen geblieben.
So, das wäre der erste Punkt, an dem du mein Interesse wirklich geweckt hast. Gut, das mit dem liegenbleibenden Auto war auch schon bissl seltsam, aber das hat man so oft und es ist ja auch sonst nichts merkwürdiges passiert. Aber wenn die Uhr auch stehengeblieben ist, muss was im Gange sein, das macht neugierig.
Fragt sich, warum das Handy noch funktioniert. War auf jeden Fall mal keine EMP-Bombe Mrgreen

Zitat: Mir war kalt, mir taten meine Füße weh und ich war müde.
ein Beispiel noch zur Statik, weil es hier so gut passt:
»Ich zitterte (am ganzen Körper), mir taten die Füße weh und meine Augen konnte ich kaum noch offenhalten.«
Nur als Beispiel

Zitat: Ein Feldweg wurde von Halloween-Kürbissen eingerahmt. Seltsam, dieser Weg war mir bisher nie aufgefallen. Hinter den Kürbissen standen in einigen Metern Abstand weitere
Hm … der Feldweg wird »eingerahmt«, das heißt, an den Seiten entlang stehen Kürbisse und auch dort, wo der Feldweg beginnt. Ein Rahmen eben. Hinter diesen Kürbissen stehen noch mehr Kürbisse, also auf den Feldern, die rechts und links vom Feldweg liegen?
Oder meinst du, dass am Feldweg entlang Kürbisse aufgestellt sind, und dass eben nicht nur an der Mündung sondern auch weiter hinten?

Zitat: Wenn ich dem Feldweg folgen würde, könnte dort eine Geschichte warten oder ein paar Freaks.
Also ich bin irritiert. Der Typ wohnt in dieser Gegend schon seit er Student ist und vermutlich war er auch früher schon hin und wieder bei der Oma. Aber diesen Feldweg hat er noch nie gesehen, geht jetzt aber davon aus, dass da irgendeine Geschichte lauert, nur weil ein paar Kürbisse dort stehen?
Mir fehlt es hier an Details, um das nachzuvollziehen. Von wie vielen Kürbissen reden wir? Wie weit von der Siedlung weg GLAUBT er sich denn noch? Hat er wenigstens eine Taschenlampe dabei? So ein Feldweg im Dustern ist kein lustiger Spaziergang.
Ist es in der Gegend üblich, zu Halloween zu schmücken? Weil wenn da halt zwei Kürbisse an der Einfahrt stehen und weiter hinten noch zwei und sowieso die ganze Siedlung immer als Kürbis verkleidet wird, dann wäre sein Interesse lächerlich. Wenn aber die Siedlung erzkatholisch ist und niemand dort auch nur einen Kürbis aufstellt und hier den ganzen Feldweg entlang über zwanzig Kürbisköpfe stehen und noch dazu in der Umgebung der Siedlung sowieso ein paar merkwürdige Einsiedler auf ihren abgelegenen Bauernhöfen hausen … DANN würde ich das journalistische Interesse eher verstehen.
Wobei ich mir echt nicht vorstellen kann, welche tollen Storys man in so einer Situation rausfinden könnte. Da fänd ich ja fast eine unheimliche Macht, eine mysteriöse Begierde stimmiger, die ihn dazu verleitet, den Feldweg zu beschreiten. Ein Ziehen, ein Drängen, eine Stimme, die er zu hören glaubt.
Aber »weil er Journalist ist«, das klingt (für mich!) hier nach einer billigen Ausrede, warum der Autor den armen Kerl ins Verderben schicken kann Mrgreen

Zitat: Alle paar Schritte wurde er von Kürbissen eingerahmt.
also »eingerahmt« ist das falsche Wort, finde ich. »gesäumt« oder »Alle paar Schritte waren an beiden Seiten Kürbisse aufgestellt«. Rahmen hat für mich immer was rechteckiges, das ist hier nicht gegeben.

Zitat: Ihre Fratzen waren immer wieder unterschiedlich und dennoch kitschig.
Kitsch und Unterschiedlichkeit haben für mich nix miteinander zu tun. Eine Rose zum Valentinstag ist auch kitschig und ganz anders als ein Kürbis.

Zitat:  Zumindest sahen sie selbstgemacht aus.
*lach* Ich hab mir echt die Frage gestellt, ob es Kürbisköpfe überhaupt zu kaufen gibt. Gibt es? Ich kenn die NUR selbstgemacht

Zitat: Ich konnte die Überreste einer hüfthohen Mauer vor mir erkennen, die den Weg einrahmte wie die Reste eines Tores.
schon wieder »einrahmen«, das Wort magst du, oder?
Übrigens fehlen mir ein paar Wahrnehmungen abseits der Kürbisse. Riecht man da auch was in der Luft? Wenn Kerzen darin brennen oder auch das Kürbisfleisch selbst. Dringt die Kälte vielleicht allmählich durch die Kleidung oder stolpert er mal über einen Stein? So ein Feldweg kann echt wirklich fies sein, vor allem, wenn man nur so wenig sieht, bzw. von so vielen Kürbissen abgelenkt ist

Zitat: und ich erahnte mehr als ich sah, eine Hütte. 
oh, schwierig, mit dem Komma. Es müsste zwischen »mehr, als«, weil zu dem als-Satz ein Verb gehört. sieht zwar dann komisch aus mit den vielen Kommas, müsste aber richtig sein.
Hinter »sah« könnte man auch einen Doppelpunkt statt des Kommas setzen, das fände ich auch ganz schick. Bin aber oft mit meiner Doppelpunkt-Liebe allein, daher nicht uneingeschränkt zu empfehlen Icon_ugly

(Ich merke gerade, dass mein Kommentar ewig lang wird, wenn ich so weiter mache. Versuche mich jetzt auf die größeren Sachen zu konzentrieren)

Zitat: Also gut, dort waren sicherlich ein paar Leute die Halloween feiern wollten. „Mal sehen, ob sie Gastfreundlich,“ ging mir durch den Kopf. Ich durchschritt die Mauer und hielt auf die Hütte zu
Komma zwischen »Leute, die«
»gastfreundlich sind« (gastfreundlich klein)
das Komma hinter »gastfreundlich« muss eine Stelle weiter nach rechts, hinter die Anführungszeichen, nicht davor (… gastfreundlich sind“, ging …)
Die Mauer »durchschreiten«, das klingt, als ging er durch die Mauer hindurch. Dabei folgt er nur dem Weg, an der Stelle ist doch eh ein Loch in der Mauer, oder hab ich mir das falsch vorgestellt?

Zitat: Die Dunkelheit war fast zum Anfassen 
Hm? »Die Dunkelheit war so dicht, dass man sie anfassen konnte«?
»fast zum Anfassen« klingt für mich falsch.
Auch hier nochmals der Hinweis auf mehr Einbindung der Umgebung: Wie kommt der Mann voran? Geht er da einfach zügig auf das Licht zu oder tastet er sich mühsam voran, ganz vorsichtig, mit den Schuhspitzen den Boden absuchend, die Hände nach vorne gestreckt, um ein mögliches Hindernis zu erkennen? Das klingt so nach lockerem Spaziergang, aber macht ihm diese Dunkelheit da gar nichts aus?
Und was hört er? Lauscht er nicht auf Stimmen, wenn er vermutet, dass da ein paar Leute Halloween feiern? Hört er was? Hört er nichts? Macht es ihm Angst, ist es ihm egal? Kommt ihm die Dunkelheit normal vor oder wundert er sich, dass es sooo dunkel ist?

Zitat: auf dem eine üppige gedeckte Schale stand. 
»üppig«
(die Schale ist ja nicht üppig, sondern sie ist üppig gedeckt)

Zitat: Äpfel, Birnen, Karotten – einfach alles was in der Herbstzeit geerntet werden konnte, ]u]waren[/u] darin drapiert.
Komma zwischen »alles, was«;
schwierig mit den Satzzeichen hier, aber mein Sprachgefühl sagt eindeutig »war darin drappiert«, weil:
»Äpfel, Birnen, Karotten« mögen zwar den Plural erfordern, aber sie sind durch einen Gedankenstrich vom Verb abgetrennt, zählen also nur als Einschub in den eigentlichen Satz, der »alles« als Bezugswort hat, das wiederum den Singular verlangt. Anders wäre es, wenn da stünde
»Äpfel, Birnen, Karotten – einfach alles, was in der Herbstzeit geerntet werden konnte – waren darin drappiert« - hier würden die Gedankenstriche den »alles«-Satz als Einschub markieren und das Verb würde zu Äpfeln und Co. gehören.

Zitat: Eine Klingel gab es nicht, was mich nicht weiter verwunderte. 
Warum verwundert es ihn nicht? Wenn du es gar nicht erwähnt hättest, hätte es mich auch nicht verwundert, aber wenn du es extra erwähnst, erwarte ich eine Erklärung oder zumindest noch einen Bezug dazu. Und sei es nur die Erklärung, dass es ihn nicht wundert, weil hier eh alles eigenartig ist. Oder es wundert ihn, dass es ihn nicht verwundert. Aber für meinen Geschmack würde halt auch reichen:
»Eine Klingel gab es nicht (oder: konnte ich nicht entdecken), stattdessen einen altmodischen Türklopfer«

Zitat: Und über der Tür hing ein Gebinde aus Kräutern und Blumen, deren Gestank echt übel war. 
Yeah, endlich noch ein weiterer Sinn *lach* Allerdings klingt »echt übel« sehr umgangssprachlich und passt für mich nicht in die bisherige Ausdrucksweise rein. Und ich wüsste natürlich gerne, was daran so übel ist. Woran es den Erzähler erinnert. Oder ob er allgemein Blumengeruch nicht mag.
Solche Sachen sind natürlich eine Geschmacksfrage – ich hab mal ein Buch von Hohlbein gelesen und mich übel über das Fehlen solcher Details aufgeregt, aber der man verkauft seine Sachen ja trotzdem. Ich persönlich liebe aber solche Details und individuellen Vergleiche, wenn ich im Kopf einer Figur drinsitze. Ich will da nicht nur die Handlung erzählt bekommen, ich will sie mit dem Erzähler erleben.

Zitat:  und hin zum Tisch. Zu meinem Glück kam er nicht einmal in Schwanken. 
Warum sollte der Tisch auch schwanken, nur weil jemand zu ihm hinspringt? Oder ist der Erzähler etwa dagegengestoßen, hat sich womöglich schmerzhaft den Oberschenkel geprellt, und verheimlicht es mir? Icon_wink

Zitat: Nachdem mein Herz aufhörte schmerzhaft in meiner Brust herum zu hüpfen, heftete sich mein Blick an die Gestalt, die so plötzlich aufgetaucht war.
Mein erster Gedanke bei »Herz aufhörte« war: Nu is er hin. *lach* Vielleicht eher »Nachdem mein Herz sich wieder beruhigt hatte und nicht mehr schmerzhaft in meiner Brust herumhüpfte« oder sowas?
»aufgehört hatte« (»nachdem« erfordert immer Vorzeitigkeit)
Komma zwischen »aufgehört hatte, schmerzhaft«
»herumzuhüpfen« (find ich übrigens sehr kindlich, diesen Ausdruck, der will mir auch nicht so recht zum Erzähler passen)
»plötzlich auftauchen« ist ja schön, aber auch hier würd ich gern mehr Details haben. Steht sie in der offenen Tür, oder steht sie vor der Tür, die Tür selbst ist aber geschlossen. Oder steht sie seitlich vom Erzähler, hinter ihm gar? Oder steht sie noch im Raum?

Zitat: zu einem strengen Knoten am Hinterkopf zusammen gebunden war.
»zusammengebunden« (Regeln für Getrennt- und Zusammenschreibung bei Verben solltest du dir mal genauer anschauen Icon_wink )

Zitat: Damit wand sie mir ihren Rücken zu und schlurfte um die Hausecke, womit sie aus meinem Blickfeld verschwand. 
»wandt« (oder »wendete«)
dass sie aus dem Blickfeld verschwindet, empfinde ich als überflüssig zu erwähnen. Der Leser wird davon ausgehen, dass dein Erzähler nicht um Ecken sehen kann

Zitat: Auf der anderen Seite hatten gerade diese Leute viel interessantes zu erzählen.
»Interessantes«
Ich kenn mich jetzt mit freien Journalisten nicht aus, aber kriegen die echt Geschichten von / über merkwürdige alte Leute verkauft?

Zitat: Das erste was mich empfing, war der intensive Geruch nach verbrennendem Holz und erst dann sah ich das Lagerfeuer, welches mich an die großen Martinsfeuer erinnerte.
Komma zwischen »erste, was«, vielleicht eleganter: »Der intensive Geruch nach verbrennendem Holz empfing mich und ich sah das Lagerfeuer …«
Wobei ich mich frage, ob er den Feuerschein nicht schon sieht, bevor er der alten Dame folgt, weil es immerhin an ein »großes« Martinsfeuer erinnert, so dass es auch eine gewisse Helligkeit in die Umgebung bringen dürfte.
Geräusche wären hier auch toll, denn so ein Feuer klingt auch nach Feuer, das Knacken und Prasseln, und dann auch die Hitze, die davon ausgeht, die wohlige Wärme … (Ja, ich bin schon still *lach*)

Zitat: mich gegenüber hin zu setzen.
»hinzusetzen«

Zitat:  Irgend etwas lief hier nicht so, wie es sollte. 
»Irgendetwas«
Wie hätte es denn laufen sollen? Und wieso geht er nicht einfach wieder, wenns ihm unangenehm ist? Oder fragt nach? Immerhin ist er Journalist, da sollte er nicht schüchtern sein.

Zitat:  Oder sprach sie mit sich selbst.
Fragezeichen hinter »selbst« oder umformulieren zu: »Oder sie sprach mit sich selbst«

Zitat: Samhain ist nicht mehr, was es einmal war und die Lebenden haben
Komma zwischen »war, und«

Zitat:  Sicherlich ist Samhain früher anders gefeiert worden, aber an Halloween weiß heute noch jeder, das der Schleier zwischen den Welten dünn ist. Das weiß sogar ich. Und ich habe mit so was nichts am Hut
»dass«
Dass er so ohne Nachdenken und Zögern »Samhain« als »Halloween« zurodnen kann, finde ich schonmal fraglich, wenn er damit »nichts am Hut« hat. Und dass er dann noch weiß, dass der Schleier zwischen den Welten dünn ist … also ich wage zu bezweifeln, dass die Jugendlichen von heute das noch wissen. Halloween ist bei uns doch einfach ein übernommenes amerikanisches Fest, da wird kaum jemand die Ursprünge kennen. Dass er da als Reporter hingeht und behauptet, »alle« wüssten das … wo er sich selbst gar nicht damit beschäftigt … wie kommt er darauf?
Außerdem würde ich »weiß heute noch jeder« umstellen, so klingt es nämlich, als wüssten die Leute nur an Halloween Bescheid, aber du willst ja sagen, dass sie auch heute noch wissen, was es mit Halloween auf sich hat, also:
»aber auch heute noch weiß jeder, dass an Halloween der Schleier …«

Zitat: „Es gibt kein Halloween, dieses Fest ist eine Verunglimpfung unserer Bräuche. 
*lach* naja, wenn Halloween eine Verunglimpfung ist, muss es das ja aber doch geben. Wenn jemand seine Suppe mit einer Gabel isst, kannst du ja auch nicht sagen »Diese Gabel gibt es nicht, sie ist nur eine billige Imitation des Löffels.« Also, du kannst es schon sagen, aber die Aussage, dass es die Gabel nicht gibt, ist genauso falsch wie hier die Aussage, dass es Halloween nicht gibt. Es ist halt nicht Samhain, aber trotzdem existent.

Zitat: Sie verhöhnen uns, mit ihren Warnungen, dass die Schleier dünn sind.
Also ich habe mit Halloween auch wenig am Hut, aber ich hab das echt noch nie gehört so im Zusammenhang, dass da die gleichen Leute, die durch die Straßen laufen und Trick’n’Treat spielen auch davon reden, dass die Schleier dünn sind.

Zitat: Niemand glaubt mehr an uns!“ Die Stimme kam von links. 
Ach, da ist so ne Sache mit der Beschreibung von wörtlicher Rede. Ich persönlich mag es überhaupt nicht, wenn, wie hier, eine recht lange wörtliche Rede kommt, die ich erstmal einer Person zuordne (der alten Frau, weil ja sonst niemand da ist) und am Ende erfahre ich dann, dass es ein ganz neuer Sprecher war. Ich denke mir: Der Erzähler merkt ja schon nach den ersten Wörtern, dass es nicht die Frau ist, da will ich als Leser es auch wissen.
Gerade wenn einer aus dem Nichts auftaucht, richtet sich die Aufmerksamkeit des Erzählers doch sicher direkt dahin, bevor der seine Rede beendet hat.

Zitat: Dort wo eben noch niemand saß
»gesessen hatte«

Dadurch, dass ich gleich mit kommentiere, nähere ich mich übrigens im Moment einem Punkt, an dem ich gerne zu lesen aufhören würde, weil es mir langweilig wird. Die Sache mit dem Auto, der stehengeblieben Uhr und dann womöglich auch noch mit den Kürbissen fand ich spannend, aber der Anfang war schon so langsam (ich weiß noch immer nicht, wofür es wichtig ist, dass der Typ aufm Seminar war, dass er von seiner Ex getrennt ist, dass er das Haus seiner Großmutter liebt, dass er auf ne Party eingeladen war, auf die er nicht gegangen ist …), und jetzt brabbeln mich zwei komische Leute mit Samhain-Theorie voll. Da kann der eine noch so spektakulär aus Nichts und Nebel auftauchen, die Thematik zieht einfach nicht. Aus der beginnenden Gruselgeschichte ist eine philosophische Diskussionsrunde geworden.
Also ich würde dir raten, am Anfang wirklich ganz kräftig zu kürzen und anzuziehen.

Zitat: An der Stelle, wo die Stimme erklungen war, wallte ein dicker grauer Nebel.
»an der« (»wo« ist umgangssprachlich in diesem Gebrauch)
Komma zwischen »dicker, grauer«
»ein« würde ich streichen, ist bei Wetterphänomenen eher unüblich (man sagt ja auch nicht »Ein Wind fegte übers Land« oder »Ein Regen setzte ein«)


Zitat: und er starrte mich finster an. Unwillkürlich machte ich mich kleiner. 
Er scheint noch nicht allzu viel als Reporter erlebt zu haben *lach*

Zitat: „Wow, solche Effekte sehe ich sonst nur im Film. Dabei waren die doch unter sich? Oder hatte ich die Kamera bisher nicht gesehen?“ Das war das erste was mir dabei durch den Kopf ging. 
»Erste«
Komma zwischen »Erste, was«
du hast weiter oben schonmal die Wendung »das erste«, die finde ich meistens überflüssig. Wenn ihm vorher noch was anderes durch den Kopf gegangen wäre, hätten wir als Leser es ja sicher mitbekommen, da reicht vollkommen:
… nicht gesehen?«, ging es mir durch den Kopf.
Allerdings würde ich bei Gedanken keine doppelten Anführungszeichen verwenden, da man sonst zu schnell an wörtliche Rede denkt. Ich war nämlich etwas verwirrt, dass er da diesen Satz so laut rausposaunt, weil der Hinweis, dass es Gedanken sind, doch sehr spät kommt.
Ich würde einfache Anführungszeichen empfehlen, oder Kursivschreibung

Zitat: „Du siehst das zu negativ Ewan.“ Wieder schälte sich eine Person aus dem Nebel. 
Komma zwischen »negativ, Ewan«
Hier ist es viel besser gemacht, dass da eine kurze wörtliche Rede steht und dann direkt der Hinweis, dass die von einer weiteren, auftauchenden Person kommt.

Zitat: des wegen sitze ich noch immer hier.
»deswegen«

Zitat: Eine dritte Person erschien aus dem Nebel.
Nur zur Info: sind für mich zu viele, dafür, dass sie so schnell auftauchen und alle nur kurz eine Sache sagen. Ich bin da schnell überfordert und neige dazu, gar nicht erst zu versuchen, mir die verschiedenen Charaktere und ihre Einstellungen zu merken.

Zitat:  „Sie muss doch frieren,“ dachte ich bei dem Anblick des dünnen Kleides. 
Komma innerhalb der wörtlichen Rede muss hinter die Anführungszeichen
… frieren«, dachte …
(werd das jetzt nicht mehr anmerken, falls es nochmal vorkommt, schau da den Text vielleicht nochmal durch)

Zitat: Und als ob das Kind den Damm gebrochen hätte, schälten sich immer mehr Menschen aus dem Nebel. 
Da schälen sich doch seit Ewan schon immer mehr Menschen aus dem Nebel, wieso sollte das Kind den Damm gebrochen haben?

Zitat: und Verletzungen,welche alle real zum Tode führen würden.
Leerzeichen hinter dem Komma fehlt.
Besser vielleicht : »welche alle zum Tode führen würden, wären sie real.«
Das heißt, da hat niemand einen Kratzer im Gesicht oder eine Schnittwunde am Arm oder einen Bluterguss am Bein?

Zitat:  Langsam keimte in mir der Verdacht auf,dass ich in eine der vielen seltsamen Gemeinschaften geraten war
Also realistisch geschminkte Leute beunruhigen ihn mehr als Leute, die aus dem Nichts auftauchen, nachdem sich an der Stelle des Auftauchens eine Nebelwolke aus dem Nichts gebildet hat? Ehrlich? Wären diese Leute nicht wie Tote »geschminkt« (mir ist klar, dass es echt Tote sind, ich weiß, dass Halloween-Feiernde nicht aus dem Nichts auftauchen können), dann fände er das Auftauchen nicht seltsam? Er wundert sich wirklich mehr über die Art der »Verkleidung«?

Zitat: Diese Menschen und ihre Diskussion faszinierten mich. 
Was fasziniert ihn an dem Kram, mit dem er »nichts am Hut hat«?

Zitat: und das sie nur genug Geduld haben müssten
»dass«

Zitat: Die Letzte der drei Parteien wusste nicht so recht, wohin sie sollte.
»letzte« (weil es sich auf »Parteien« bezieht)
Aha. Ja, doch, faszinierend:

A: Wir müssen hier warten!
C: Ja, stimmt.
B: Nein, das ist Blödsinn, keiner wird kommen!
C: Ja, stimmt.
A: Aber sie haben uns nicht vergessen, niemals!
C: Ja, stimmt.
B: Niemand interessiert sich mehr für uns!
C: Ja, stimmt.
Ich: Faszinierend!
Icon_lol Sorry, aber ich weiß echt nicht, wie man eine »Nein – doch«-Diskussion über ein Thema, das einem sowieso mal egal ist, zwischen Leuten, die man nicht kennt, faszinierend finden kann. Vor allem, wenn diese Leute eben aus dem Nichts heraus aufgetaucht sind.

Zitat: „Es macht keinen Sinn mehr hier auf jemanden zu warten. Es wird niemand mehr kommen. Sie haben uns vergessen. Wir können uns ja nicht einmal mehr erinnern, seit wann wir warten.“
Allmählich habe ich dieses Argument verstanden. Da musst du echt bissl drauf achten, dass du die Geschichte auch weiter vorantreibst, neue Sachen reinbringst und nicht den gleichen Aspekt mehrfach auswalzt.
Du hast hier mit den ersten drei Geistern schon die drei Seiten der Diskussion als wörtliche Rede eingeführt. Einer ist gegen das Warten, einer dafür und einer unentschieden. Dann erklärst du das gleiche nochmal lang und breit in einem theoretischen Absatz und jetzt kommt schon wieder wörtliche Rede mit diesem Thema.

Zitat: Wie alle anderen, war seine Kleidung aus einem anderen Jahrhundert. 
Da stimmt der Bezug nicht.
»Wie die Kleidung von allen anderen war auch seine aus einem anderen Jahrhundert.« (kein Komma)

Zitat:  „Als wäre er im Schlaf gestorben“ ging es mit durch den Kopf. 
Komma hinter der wörtlichen Rede

Zitat: Das heißt doch, dass der Weg offen ist.
Ich find das grade saulustig, die Vorstellung, dass einmal im Jahr für wenige Stunden der Weg zwischen der Welt der Toten und der Welt der Lebenden geöffnet ist, ihn aber nie einer geht, weil es ein kleiner, staubiger Feldweg im Herzen der tiefsten Pampa ist Mrgreen Fragt sich nur, ob es von dir gewollt ist, dass ich lache

Zitat: Sie trug ein einfaches ärmelloses Kleid
Komma zwischen »einfaches, ärmelloses«

Zitat: Ab der Hüfte abwärts, war dieses rot durchtränkt,
»Von der«
kein Komma zwischen »abwärts war«

Zitat: „Kindbett,“ erklingt es in meinen Gedanken.
Komma aus der wörtlichen Rede raus;
»erklang«

Zitat: „Wie bist du hergekommen? Los rede!“
Komma zwischen »Los, rede«

Zitat: „Ähm, also ich ...“ begann ich zu stammeln.
Komma hinter der wörtlichen Rede

Zitat: Das gefiel ihm nicht wirklich, des wegen ging ich in den Angriff über.
»deswegen«
Woran merkt er, dass Ewan es nicht gefällt? Verändert sich seine Mimik, macht er einen Schritt auf den Erzähler zu, schnaubt oder knurrt er, stürzt er sich auf ihn?
Und was ist an »Wie war es denn früher?« ein Angriff?

Zitat:  Ihr Kopf war geneigt, so als lausche sie jemanden,
»jemandem«

Zitat: und diese ehrten ihre Ahnen in allem was sie taten.
Komma zwischen »allem, was«

Zitat:  Und als er zurück ging, kamen wir mit. Diese Suche gab ihm die Fähigkeit wieder, mit uns zu kommunizieren und uns zu sehen.
»zurückging«
Der Sucher hat dadurch, dass er die Geister gesucht hat, seine Fähigkeit bekommen, aber noch bevor er die Geister gefunden hat, oder? Sonst hätte er ja nicht mit ihnen kommunizieren können. Deshalb müsste es heißen:
»Diese Suche hatte ihm die Fähigkeit wiedergegeben, mit uns …«; denn zum Zeitpunkt des Zurückgehens hat er die Fähigkeit ja wieder gehabt, oder?
Er könnte auch zufällig über die Geister gestolpert sein, ohne sie zu sehen, und die Geister sind ihm einfach nachgelatscht und erst als sie dann zurückwaren, hat er die Fähigkeit bekommen. Aber wieso sollte er zurückgehen, wenn er Geister sucht und nicht merkt, dass er sie schon gefunden hat.

Zitat: Zu dieser Zeit fiel uns leichter, zurück zu kehren
»fiel es uns«
»zurückzukehren«
Und was nun? Ich dachte, sie wären mit dem Sucher zurückgekehrt, wieso müssen sie dann hier schon wieder zurückkehren?

Zitat:  Er lehrte die Lebenden uns zu ehren und uns zu gedenken. 
»unser zu gedenken« (steht mit Genitiv)

Zitat: Wir halfen ihm dabei andere auszubilden und alte Riten, Bräuche und Zeremonien wieder zu finden und passte sie der Welt an. 
Komma zwischen »dabei, andere«
»wiederzufinden«

Zitat: bis der Sucher wieder zu uns kam und uns zurück führte.
Das Problem bei solch ausführlichen Erklärungen zu übernatürlichen Phänomenen ist, dass ich dann anfange, ALLES zu hinterfragen. Hier vor allem: Warum ziehen die Geister sich überhaupt im Frühling wieder zurück, wenn sie dann im Herbst mit nem großen Bohei doch wiederkommen. Wofür das ganze hin und her, wenn sie offenbar sogar die Rituale dazu »anpassen« können, wie es ihnen gefällt. Warum dann nicht gleich bleiben?

Zitat: Denn der Weg zu uns ist nicht ohne Gefahren für einen Lebenden. 
Naja, das haben wir ja vorhin gesehen. Nicht einmal über einen Stein gestolpert ist der gute Erzähler, so gefährlich war’s da Icon_ugly

Zitat: Dann kamen immer weniger Geister, die Nachrichten brachten und irgendwann kam niemand mehr.
Komma zwischen »brachten, und«
Der Nebensatz impliziert, dass war keine Geister mit Nachrichten mehr kommen, aber noch Geister ohne. Ist vermutlich nicht so gedacht. Deshalb besser: »Doch mit der Zeit kamen immer weniger Geister, bis schließlich niemand mehr zu uns stieß« oder sowas.

Zitat: Doch wir warten auf den Sucher, damit er uns zurück führt.
»zurückführt«

Ehrlich, ich meins nicht bös, aber ich finde es langweilig. Der Geist hat grad in ganzen 319 Wörtern erklärt: »Früher gabs mal einen, der uns mit Ritualen in die Welt der Lebenden rufen konnte, aber jetzt ist er weg und niemand kommt mehr zu uns.«
Dieses ganze »Dann geht er dahin und dann geht er zurück und wir gehen mit zurück und dann gehen wir aber wieder zurück und er muss uns zurückrufen, damit wir zurückommen und jetzt kommt er nicht mehr zurück, deshalb kommt niemand mehr und wir kommen nicht zurück …« poah, wofür brauch ich das?
Und wie voll ist es da eigentlich, wenn da die Verstorbenen von Jahrhunderten rumhocken? Das müssen ja Milliarden sein.
Also, ich werd jetzt zuende lesen, aber nicht weiter kommentieren. Und das auch nur, weil ich ungerne nur halb gelesene Geschichten kommentiere.

Zitat:  Du bist einer von uns. 
Okay, ich muss doch: Hannes ist beim Autounfall gestorben oder zumindest schwer verletzt worden, deshalb steht auch seine Uhr still, weil er sich außerhalb der Welt der Lebenden bewegt, seit er aus seinem Auto raus ist, und jetzt geht er zurück und wird irgendwie wiederbelebt oder wacht halt aus seiner Bewusstlosigkeit auf und wird den Glauben an die Geister wieder verbreiten.
(Ich rate bei solchen Geschichten gerne, auch wenn ich oft auf dem Holzweg bin. Aber wenn ich mal eine Idee habe, will ich das den Autor auch wissen lassen Icon_wink )

Zitat: Ich sah Blaulichter und Scheinwerfer, die meinen Wagen beleuchteten. 
Yeah!

Zitat: „Du bist unsere letzte Rettung Ryan.
Also nu hätts auch keinen Namen mehr gebraucht. Für mich heißt der Typ seit dem zweiten Absatz Hannes Mrgreen

Zitat: Ich wusste, dass meine Großmutter Recht hatte.
Ach, des ist wirklich seine Großmutter? Also vorhin klang das so, als wäre schon seit Eeeewigkeiten kein neuer Geist mehr gekommen, so seit Jahrhunderten oder so, aber die Oma kann ja nun so lange noch nicht tot sein, zwanzig Jahre oder was, maximal?

So, ich bin nun ein bisschen stolz, dass ich das Ende erraten habe, wobei es für mich leider von diesem Punkt an viel zu klar war, und es vor diesem Punkt viel zu wenige Hinweise gab. Besser hätte ich gefunden, wenn mehr kleine Hinweise (wie die Uhr) eingestreut wären, aber erst im letzten Absatz wirklich klar wird, dass Ryan kurz tot war. Und auf die Oma hätte ich einen stärkeren Fokus gelegt, statt da jeden Satz von einem anderen Geist sagen zu lassen. Da hätte ich viel mehr auf einen Dialog zwischen Ryan und der Oma gesetzt, in dem er sich selbst auch immer wieder einredet und daran erinnert, dass das gar nicht seine Oma sein kann.
Also dass die Geister echte Geister sind, ist ja von Anfang an klar, nur fände ich es halt schön, wenn man auch bis kurz vorm Ende denken würde, Ryan wäre eben als Lebender zufällig dahin gekommen.

Und ich muss sagen, ich ärgere mich sehr darüber, dass ich mit dem Anfang so viel Zeit vergeudet habe und darüber die Lust verloren habe, denn die zweite Hälfte fand ich dann viel, viel besser. Gar nicht gefällt mir allerdings, dass da jeder in solchen riesen Textblöcken spricht und die wörtliche Rede nicht unterbrochen wird, sich kein Dialog entwickelt. Da tritt immer einer vor und doziert vor sich hin, ohne dass zwischendrin was passiert.
Aus der Szene, wie die Geister Ryan dann jagen und wie er fliegt, da kann man richtig was raus machen, aber ich habs jetzt halt leider nur noch überflogen, weil es den misslungenen Anfang in meinen Augen auch nicht ausgleichen konnte. Also da hätte schon ein Hammer kommen müssen, um mich davon zu überzeugen, dass es das wert war.

Nichts von all dem, was du am Anfang erzählst, ist irgendwie von Belang, außer dass die Oma tot ist. Alles andere, bis das Auto anfängt zu schlingern, ist komplett irrelevant. Es bringt einem ja nichtmal den Charakter von Ryan näher, weil man nichts über ihn persönlich erfährt, was für ein Typ er so ist, irgendwas, das ihn sympathisch macht, damit man sagt: Okee, auch wenn es jetzt nicht soo spannend ist, ich will doch wissen, das dieser Typ erlebt, was mit ihm passiert.

Ich persönlich würde den kompletten Anfang streichen und dort einsetzen, wo der Unfall passiert. Ein bisschen vorher vielleicht, um Atmosphäre aufzubauen und Ryan kurz vorzustellen. Wie er über die einsame Landstraße fährt, von einem Seminar zurück nach Hause, froh, dem Halloween-Wahnsinn der Großstadt entkommen zu sein und jetzt wieder seine Ruhe zu haben. Irgendwas lenkt ihn ab (von mir aus der Gedanke an seine Ex, der er nachtrauert), und der Unfall passiert.
Er läuft über den Feldweg (auch wenn er ein Geist ist und nicht stolpern kann, fände ich es doch sinnig, ihn vorsichtiger sein zu lassen, weil er ja nicht weiß, dass er nicht stolpern kann), kommt an dem Haus an, und dann wird’s schwierig. Also die redenden Personen würde ich begrenzen, hauptsächlich die Oma reden lassen, während Ryan gedanklich vielleicht zunächst gar nicht richtig mitbekommt, was die da reden, weil er so damit beschäftigt ist, sich auszureden, dass das seine Oma ist, weil: die ist ja tot.
Das ganze Theoriegeschwafel über den Sucher und die Rituale würd ich knallhart rausschmeißen. Früher haben die Menschen die Toten geehrt und an sie gedacht, aber heute nicht mehr, deshalb Probleme. Vielleicht verschwindet die Oma dann mal kurz (mit Rauch und Nebel), um sich mit den anderen Geistern zu beraten, oder du machst es halt ganz offen, dass da Geister aufploppen, aber dann sollte sich Ryan echt nicht über die Schminke wundern, sondern an seinem Verstand zweifeln, weil da Menschen aus dem Nichts auftauchen. Seine Oma versucht dann ganz subtil ihm zu erklären, dass er nun die Verbindung ist, er rallt das nicht, und die Oma wird deutlich. Dann die Jagd zurück zum Auto und der Schluss mit dem Notarzt.

Wie gesagt: Ich würde es wohl eher so angehen, ist demnach absolut Geschmackssache. Aber wenn du mich nicht in meiner sturen Phase erwischt hättest, oder ich die Geschichte erst hätte lesen wollen, bevor ich sie kommentiere, wäre ich nicht so weit gekommen. Ohne Kommentar hätte ich das Lesen vermutlich recht früh schon abgebrochen und dann gar keinen Kommentar angefangen.

Für meinen Geschmack müssten dann auch viel mehr Empfindungen seitens Ryan rein ( Icon_ugly ) und es sollte vielleicht direkt am Anfang klar werden, dass die Geschichte in Amerika spielt (was sie, dem Namen nach, tut?). Da hat man solche Landstraßen, über die kein Mensch fährt, ja wohl tatsächlich öfter.
Für mich gehört da viel mehr leichter Grusel, ein bisschen Unbehagen, Zweifel und Ängste mit rein, eine schaurige Stimmung, die bei mir leider gar nicht aufkommen wollte. Dafür ist alles zu neutral und knapp beschrieben. »Sie hatte eine Wunde am Bauch« erzeugt ja nicht den gleichen Effekt wie: »Ihre blutverschmierten Finger drückten feste auf ihren Bauch – vielmehr auf das Loch, an dessen Stelle einmal der Bauch gewesen war. Zerfetzte Haut umrahmte den dunklen Abgrund, aus dem die Innereien hervorzubrechen drohten. Den süßen Gestank nach Blut konnten ihre Hände allerdings nicht zurückhalten.«

Tut mir nun schon leid, dass ich mich am Anfang so festgefressen habe – ich nehm mich auch bei längeren Geschichten immer vor, nicht zu sehr ins Detail zu gehen und nicht so pingelig zu sein, aber ich kann irgendwie nicht anders. Ich hätte gern ab der Hälfte erst angefangen, weil die Geschichte es erst ab dort wert ist, wirklich überarbeitet zu werden (finde ich), aber da war echt die Luft raus. Vielleicht finde ich ja irgendwann mal Zeit für die zweite Hälfte. Falls du überhaupt Interesse daran hast, das Teil noch so großflächig zu bearbeiten Icon_wink

So oder so, ich hoffe, du findest bissl was Hilfreiches in meinem Kommentar.
Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #3 |

RE: Geliehene Zeit
Hallo Lanna,

danke für deine ausführliche Auseinandersetzung mit meinem Text Icon_smile Einige Punkte sind schon angekommen.

Ich halte mich im Moment kurz, da ich mich wegen nächste Woche vorbereiten muss, aber dann kommt eine längere Antwort auf dein Feedback Icon_smile


Gruß

Nuriel

Ich mag Bananen, na und? *ugh*

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Beitrag #4 |

RE: Geliehene Zeit
Hallo Nuriel,

Halloween ist zwar längst vorbei, diese Geschichte hätte aber schön an ein Lagerfeuer gepasst. Ehrlich gesagt finde ich sie etwas klischeehaft. Doch wenn man einander nachts Gruselgeschichten erzählt, will man eigentlich genau das haben.

Etwas gestört haben die langen Absätze. Sobald mal ein Anführungszeichen fehlt, laufen Erzähler und wörtliche Rede schwer trennbar ineinander. Vielleicht wäre es leichter zu lesen, wenn du zumindest dort Zeilenumbrüche einfügen würdest, wo die jeweils handelnde Person wechselt.

Jedenfalls ... wenn er einfach nach Hause gegangen wäre, dann würde er jetzt zusammen mit seiner Oma im alten Haus spuken. Mrgreen

Gute Nacht!
coco


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Beitrag #5 |

RE: Geliehene Zeit
Hallo Nuriel,

Die erste Geschichte, die ich hier kommentiere Icon_smile , nachdem ich ein paar kurz angelesen habe und ich muss sagen wow!.  Deine Erzählung hatte mich so im Bann, ich hätte nicht aufstehen können. Es war nicht schwierig, sich die ganze Szene vorzustellen und Ryans Gefühle nachzuempfinden.
Auch seine Argumentation, dass die Menschen die alten Bräuche nicht vergessen haben und sie so nachfeiern, wie sie sich das vorstellen, fand ich gelungen.
Deine Geschichte war auch gut strukturiert, sowohl von den Absätzen als auch den Inhalten der Absätze.

Was mich ein klein wenig gestört hat, war, dass du nach den wörtlichen Reden vielleicht Absätze hättest einfügen können, einfach um dem Lesenden ein klein wenig Raum zu geben.
Was die Großmutter betrifft, zuerst erinnerte ihn die alte Dame nur an seine verstorbene Großmutter und später ist sie es tatsächlich, da vielleicht einen Satz einfügen, um den Leser quasi vorzuwarnen.

Zitat:„Mal sehen, ob sie Gastfreundlich,“
"gastfreundlich" mit kleinen "g" und "sind" einfügen Icon_wink 

Ansonsten Note 1  mit Sternchen Mrgreen 

LG Siri

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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